FuldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 187.
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Dienstag, 12. August 1924*
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51. Zahrg,
Ern schritt vorwärts l
Herriot und seine Mitdelegierten, darunter Kriegsminister General Nollet, sind wieder in London. Im Ministerrat, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Paris stattgefunden hat, setzte sich die Meinung Herriots durch, daß die Ruhrpolitik unter allen Umständen zu liquidieren und die Politik des Sachverständigengutachtens folgerichtig festzuhalten sei. Für die Oeffentlichkeit ist dieses Ergebnis vorsichtig in einer amtlichen Verlautbarung umschrieben worden, in der es heißt: „Der Ministerpräsident und seine Kollegen Elemente! und General Nollet, die die auf der Londoner Konferenz zur Debatte stehenden Probleme in ihren verschiedenen Elementen übersehen, haben den Ministerrat davon unterrichtet, unter welchen Bedingungen die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen. Der Ministerrat hat ihnen einstimmig seine volle Zustimmung erteilt, Her- riot, Clemente! und General Nollet reisen Sonntag nach London zurück."
Ministerpräsident Herriot hat, wie weiter gemeldet wird, .Pressevertretern gegenüber erklärt, daß er sich die äußerste Zurückhaltung auferlegen müsse in seinen Aeußerungen, damit die Verhandlungen in London, die sich in ihrem empfindlichsten Stadium befänden, nicht irgendwie gestört würden. Herriot betonte, daß die deutsche Delegation in London sich vollkommen korrekt benommen habe, und fügte hinzu, daß nach seiner Ansicht noch vor Ende dieser Woche alle Delegationen sich über alle Punkte vollkommen einigen würden. Herriot bestätigte auch die Nachricht, daß beschlossen worden sei, daß auf die Londoner Konferenz eine weitere Konferenz folgen werde, die die Regelung der i n t e r a l l ii e r° ten Schulden zum Gegenstand haben soll. Sie werde ei^t in der zweiten Novemberhälfte, das heißt nach den amerikanischen Wahlen einberufen werden, sodaß die Vereinigten Staaten daran teilnehmen könnten. Es sei aber zu erwarten, daß die wirtschaftlichen Fragen sowie die Fragen in Zusammenhang mit der Abrüstung und dem Unterstützungspakt auf Gegenseitigkeit ohnehin Gegenstand späterer Unterhandlungen zwischen den beteiligten Regierungen sein würden. Jedoch siehe in diesen verschiedenen Punkten noch nichts Endgültiges fest.
In London hat, wie von dort gemeldet wird, das von chavas gemeldete Ergebnis des stanzöstfchen Ministerrats keinerlei lieber» raschung hervorgerufen, da man einen solchen Beschluß erwartet hatte. Es wird allgemein für sehr wahrscheinlich gehalten, daß nunmehr zwischen der deutschen Delegat io n einerseits und der französischen und belgischen Delegation andererseits eine Aussprache über die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets beginnen wird.
Der Londoner „Observer", der darauf hinweist, daß Macdonald Deutschland zur Gleichberechtigung auf der Londoner Konferenz verhalfen habe, schreibt in seinem Leitartikel, in den letzten Tagen sei eine wirkliche Arbeit für den Frieden geleistet worden. Die Londoner Konferenz habe den Erfolg noch nicht zur Gewißheit gemacht, aber zu einer größeren Wahrscheinlichkeit als den Mißerfolg. Ohne die Regelung der Ruhrfrage könne der Sachverständigenplan nicht gelingen. Wenn Marx und Strese- mcmn die Frage der Ruhrräumung als eine Nebenfrage behandelten, würden sie gleich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gestürzt werden. Herriot sei sowohl den Deutschen als auch den Gigländern mit dem lebhaften Wunsche nach einer Regelung gegenübergetreten. Das Verhandeln mit Deutschland auf der Grundlage der Gleichberechtigung habe die Mäßigung Deutschlands zur vollen Auswirkung gebracht. Auch „Sunday Times" rechnet es Macdonald hoch an, daß jetzt eine Vollkonferenz unter Beteiligung der deutschen Vertreter auf der Grundlage der Gleichberechtigung stattfindet.
Die deutsche Delegation hatinztvischenmitder Reparations kommission, die wider nach Paris zurückkehren wollte, ein Protokoll vereinbart und unterzeichnet. Es enthält: 1) die Verpflichtung der deutschen Regierung, die dem Reichstag zu unterbreitenden Organisationsgesetze betreffend die Notenbank und die Jndustrie- und Eisenbahuobligalionen sowie ferner die Empfehlungen der Sachverständigen betreffeud eine Kontrolle der verpfändeten Einnahmen durchzuführen; 2) die Verpflichtung der Reparattonskommission, die 800 Millionen-Goldmarkanleihe zu fördern und den für die Ausführung des Sachverständigenplanes erforderlichen Ausgleich vorzunehmen (Zahlungsvor- schriften für die Ueberqangszeit, die Besetzungskosten u. s. w.); 3) eine Bestimmung, auf Grund deren die Vertragsparteien sich verpflichten, sämtliche Streitigkeiten über die Auslegung des Protokolls vom 9. August sowie des Sachverständigenplanes selbst einer schiedsgerichtlichen Entscheidung zu unterziehen; 4) einen allgemeinen Vorbehalt des Inhalts, daß jede Partei ihre Hand- atsreiheit wieder erhalte, falls die 800Millionen-
Markanleihe nicht zustande komme.
Staatssekretär Bracht,
ter Chef der Reichskanzlei, der der Londoner DÄegation angehört, war am Sonntag in Berlin «ch wird sich im Flugzeug nach London zurückbegeben. Der Zweck seiner Reise war dem Montag" zufolge eine persönliche Informierung der in Berlin zurückgebliebenen Labinett smitglieder und des Reichspräsident^ Ader deu bisherigen Verlauf der Sonfetenj.
Kundgebungen in Paris.
Die Abfahrt herriols. — „(Es lebe Herriok.
Es lebe der Frieden!"
wtb p a r i s, 11. Aug. (Tel.) Die der „Malin" milkeilk, gestaltete sich die Abfahrt herriots nach London zu einer Kundgebung von außergewöhnlichem Eindruck, den herriot sobald nicht vergessen werde. Schon lange vor der Abfahrt des Zuges war der Platz vor dem Bahnhof, die Treppen und die Bahnsteige von Menschen besetzt gewesen. Als der Dagen Herriots erschien, habe die Menge die A b- fperrung durchbrochen, den Ministerpräsidenten umringt und fei allgemein in die Rufe ausgebrochen: „Es lebe herriok! Es lebe der Frieden!" herriot, von tiefer Erregung bleich bis in die Lippen, habe sich nur mit Mühe einen Weg bahnen können, immer wieder durch die Menge avfgehallen.
Die Grundlage der herriok'fchen Politik.
wtb p a r i s, 11. Aug. (Tel.) Die der „Matin" schreibt, hak der Ministerrat beschlosfen, den plan der Räumung des Ruhrgebiets einzig und allein von der Reparatlonsfrage abhängig zu machen. Die Räumung des Ruhrgebiets soll nach den Blättern innerhalb höchstenseines Jahres vor sich gehen. Der belgisch-französische plan hatte eine Frist von zwei Jahren vorgesehen. Die Deutschen verlangten, daß die Räumung in einem Zeitraum von nicht mehr als sechs Monaten vor sich gehe. Es scheine, daß die Räumung innerhalb eines Jahres angenommen werde. Die Sicher- heits- und die Schuldenfrage, die das frühere Ministerium gleichfalls von der Aufgabe des Pfands im Ruhrgebiet abhängig machen wollte, werde einer späteren Beratung vorbehalten bleiben, die Sicherheiksfrage und die Kontrolle der Rüstungen der nächsten Sitzung des Völkerbundsrakes im September und die Schuldenfrage, wie bereits bekannt, eine Konferenz, die im Rovember nach der amerikanischen präfidentfchafkswahl stattfinden solle.
Das Echo.
web London, 11. Aug. (Tel.) Die Billigung der Politik herriots in der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets durch die französische Regierung bildet das haupkthema der Morgen- blätker.
Der „Times" zufolge verlautet, daß auf Vorschlag des Finanzministers Elementel der französische Miniskerrat der militärischen Räumung im Ausgleich gegen kommerzielle Zugeständnisse zustimmte. Es bestehe auch guter Grund zu der Mitteilung, daß die Franzosen beschlossen, nicht aus der Beibehaltung der 4000 französischen und belgischen Eisenbahner nach Durchführung des Sachverständigenplanes zu bestehen. Bei der Zusammenkunft der „großen Sieben" am Samstag fei Herriot von der Mehrheit der Delegierten versichert worden, daß er bei Erzielung einer Lösung der Frage der Räumung des Ruhrgebiekes auf ihre Anterstühung zählen könne. Die verlankek, versicherte Macdonald ihnen, daß die Enkscheidung über die Räumung von Köln dem nächsten Jahre vorbe- halken wird. Die angenommen werde, feien die Belgier der Ansicht, daß der Zeitpunkt der militärischen Räumung des Ruhrgebiets festgesetzt werden könne, wenn Deutschland gewisse Garantien insbesondere solche der Abrüstung gebe. Dieser Zeitpunkt könne auf 6 Monate nach Durchführung des Sachverständigenberichts angesetzk werden. Vor Herriots Mreise nach Paris betonte Kellogg, daß eine Störung der Konferenz von äußerstem Ernste fein werde. Er habe Herriok mikgekeilt, daß er seinerseits alles tun werde, was in feiner Macht liege, um die deutschen Delegierten zu überreden, alle Zugeständnisse zu machen, die angemessener Weise von ihnen erwartet würden.
Rodete Furcht vor Esten.
wtb Paris, 11. Aug. (Tel.) Wie der „Matin" meldet, war General Rodet im Miniskerrat am Samstag der Ansicht, daß man die Räumung des Ruhrgebiets von der Ueberwachung der deutschen Rüstungen abhängig machen müsse. Man dürfe Esten nicht verlassen, so habe Rollet erklärt, ohne sicher zu fein, daß wir hier auch in der Folgezeit eine Kontrolle über das Kriegsmakerial ausüben können, das man in Esten Herstellen könne. Herriok habe demgegenüber besonders auf die juristischen und politischen Gründe hingewiesen und angekündigt, daß bezüglich der Sicherheitsfrage der Sludieuausschuß der Rationalverteidigung unter dem Vorsitz von Paul Boncourt einen Beschluß gefaßt habe. Dieser Beschluß wurde schließlich von dem Ministerrat mit einer Abänderung angenommen. Er sieht die Aufrechterhaltung des vom Völkerbund vorge- schlagenen planes einer Rüstungskontrolle Deutschlands durch den Völkerbund vor.
Herriot hat einem Berichterstatter des „Makin" ausdrücklich erklärt, daß er den plan des Ausschusses Bsncourt zu dem feinigen mache und daß er ihn im September vor dem Völkerbund veriei- Mgeu werde. Herriot hebe den Glauben ausge
drückt, daß der Räumungsplan, den das französische Ministerium angenommen habe, geeignet sei, sowohl den Verbündeten wie auch den Deutschen Genugtuung zu gewähren.
Die „Verfehlungen"
Der Sonderberichterstatter des Wolffbüros auf der Londoner Konferenz meldet: lieber die Beschlüße, die von den Delegationsführern in Abänderung der vorläufigen Vereinbarungen des Ersten Komitees gefaßt worden sind, besteht noch nicht überall völlige Klarheit. Es handelt sich insbesondere um die Frage der Verfehlungen und der Sanktionen. Die Konferenz hat einstimmig anerkannt, daß eine Verfehlung nur vorliegt, wenn 1) die Rückstände der deutschen Leistungen einen erheblichen Umfang haben, und wenn 2) diese Rückstände auf ein böswilliges Verhalten deutscher Regierungsstellen zurückzuführen sind. Die bloße Tatsache der Nichterfüllung irgendwelcher Leistungen kann also künftig niemals zu Sanktionen führen. Hebet das Vorliegen der beiden angeführten Voraussetzungen kann bekanntlich nur durch einen einstimmigen Beschluß der durch einen Amerikaner verstärkten Reparationskommission oder durch ein Schiedsgericht unter amerikanischem Vorsitz entschieden werden-
Vom Reichskanzler.
wtb London, 11. Aug. (Tel.) Der deutsche Reichskanzler besuchte gestern den Gottesdienst in der deutschen katholischen Gemeinde. Heute abend findet auf Einladung des Reichskanzlers in der deutschen Botschaft eine verfassungsfeier statt, an der außer den Mitgliedern der Delegation alle übrigen in London ansässigen Deutschen keil- nehmen.
Der Handelsvertrag.
Wtb Paris; 11. Aug. (Tel.) Die Morgen- blätter melden, daß Finanzminister Elementel sich gestern mit Handelsminister Rainaldi über den deutsch-französischen Handelsvertrag unterhalten habe.
Rach dem „Echo de Paris" hat der Ministerrat Herriot Vollmacht gegeben, diese Frage in London anzuschneiden, indem er den Versuch machen solle, sie mit der Fruge der militärischen Räumung des Ruhrgebiets in Zusammenhang zu bringen.
wtb paris, 11. Aug. (Tel.) Die die Blätter melden, sind die Mitglieder der Repara- tionstommiffiou nach Paris zurückge- kehrt. _________________ _ _________________
verfasimgsfeiem
haben am Sonntag bereits in zahlreichen deutschen Städten stattgefunden. Sie sind durchweg ohne Störung würdig verlaufen. Bei der Feier in Berlin sprach u. a. der Generalsekretär der Zentrumspartei, Dr. V o ck e l: Gehorche der Obrigkeit, arbeite und liebe deinen Nächsten, das waren die Kernsätze seiner Ausführungen.
In Münster i. W. hatte die Feier einen besonderen Charakter, da der Reichspräsident dort zu Besuch weilte und an den Veranstaltungen teilnahm. Der Reichspräsident und die M i n i st er waren bei ihren Fahrten durch die Stadt Gegenstand lebhafter Ovationen, die nirgends durch Gegenkundgebungen gestört wurden.
In Weimar hielt das Reichsbanner Schwarz- Rot-Eold eine große Verfassungsfeier ab. General v. Deimling wandte sich sehr scharf gegen die Kriegshetze gewisser Verbände und betonte, das deutsche Volk müsse wieder arbeiten und schaffen lernen, damit der Wiederaufbau vor sich gehen könne. Das sei freilich schwerer als in den Straßen Herumlaufen und singen: Siegreich wollen wir Frankreich schlagen. Der Generalinspektor des österreichischen Heeres Koerner überbrachte die Grüße Oesterreichs und feierte die deutsche Verfassung als Vorbild für die Gestaltung der österreichischen Staatsverhältnisse. Die Reichstagsabgeordneten Fehrenbach und Haas legten besonderen Nachdruck auf den Hmstand, daß seinerzeit die Verfassung von allen Mitgliedern der Nationalversammlung gewünscht wurde und daß auch die Deutschnationalen in den Kommissionen fleißig mitgearbeitet haben.
Auch in München fanden, wenn auch in geschlossenen Räumen, Verfassungsfeiern statt.
Bergmannstod in Japan.
Wtb Tokio, 11. Aug. (Tel.) Infolge einer Gas- Explosion in den Steinkohlen gruben von Erigama in der Provinz Fukuschima wurden 50 Bergleute eingeschlossen. Es wird befürchtet, daß sie sänrtlich umgekommen sind. Bisher wurden 9 Leichen geborgen. __________ ___________
Kurland.
* Chinesisch-russische Konferenz. Dem chinesischen Auswärligen Amt zusol e wird tue chinesisch-russische Konferenz wahrscheinlich am 15. August beginnen. Amtlich verlautet, daß der Militärgouverneur von Mukden, Marschall Jsang Tso Lin, und der Sowjet- gesondte Karachan ein Abkommen geschlossen haben, das mit geringfügigen Abweichungen mit dem chinesi ch-russischen Abkommen übereinstimmt und die bevorstehenden Verhandlungen in Peking erleichtern wird.
A 6m MM M MMN Mn?
Diese Frage klingt merkwürdig in heutiger Zeit, da jeder weiß, daß die einzelnen Berufsstände, besonders die Mittlern, schwer um ihre Existenz ringen müssen. Wie kann man da noch von dem goldenen Boden eines Erwerbsstandes sprechen? Doch gemach; es kommt ganz darauf an, was man unter dieser Bezeichnung versteht. Soll der „goldene" Boden nur andeuten, daß man im Handwerk leichter noch als in einem anderen Berufe zu Reichtum gelangen kann, dann ist der Ausdruck verfehlt. Denn der Reichen, der obern Zehntausend, wie man sie früher zu nennen pflegte, gibt es unter den Handwerkern kürzlich wenige.
Aber mit dem „goldenen Boden" hat es eine ganz andere Bewandtnis. Es will einmal sagen, daß ein tüchtiger Handwerksmeister in seinem Berus sein Auskommen finbet, das ihn und seine Familie vor dem Versinken in Not und Elend schützt. Doch weit mehr will es zum Ausdruck bringen, daß ein vorwärtsstrebender Mensch gerade auf dem Boden des handwerklichen Berufes feine geistigen und körperlichen Anlagen zur vollen Eut- faltung bringen, sich zu einer selbständigen Persönlichkeit entwickeln und somit in hohem Maße an der Förderung der Volkskultur teilnehmen kann. Wer mit einer solchen Berufsauffassung im Handwerk sich erfolgreich betätigt und alles daransetzt, die Leistungsfähigkeit unserer Produktion gerade- zur Zeit der Verarmung zu erhöhen, der beroegt, ich wirklich auf einem goldenen Boden. Er fühlt eine Kräfte wachsen, berechtigter Berufsstolz regt ich in ihm; er erkennt bei getreuer Pflichterfüllung, daß er mit feiner Arbeit etwas bedeutet für fein Volk und dessen Wirtschaft. Und diese innere Beglückung, die der Beruf verschafft, ift mehr als Goldes wert, weil sie nicht bedingt ist in erster Linie durch den äußeren Erfolg der Arbeit, durch eine möglichst hohe Bezahlung, sondern letzten En-, des aus dem Bewußtsein quillt, im Dienste dar Volksgemeinschaft zu schaffen.
Daß das Handwerk selbst in der Pflege der alten Handwerkertugenden, die wir an ihm in der Blüte des Mittelalters bewundern, in der Ver- trauenswürdigkeit der Berufsangehörigen,! in dem Sinn für die E ch t h e i t, in dem Abfcheu für alles Unechte an Material und Leistung, kurz in dem persönlichen Können den golbenen Boden seines Berufes erblüh, das sehen wir vor allem an der Sorge um seinen Nachwuchs. Schon lange hat es wieder die Aufnahme eines Lehrlings in den Berufsstand zu einer Feier erhoben, an der Schule und Elternhaus teilnehmen. Damit will es dem jungen Menschen zum Bewußtsein bringen, daß er bei seinem Eintritt ins Handwerk gegen seine Volksgemeinschaft Verpflichtungen auf sich nimmt, daß das Handwerk gleichsam durch die Ueberlieferung geweihter Boden ist, auf dem er sich nach dem Beispiel seiner Vorfahren betätigen soll im Dienste feines Volkes.
Diesen „goldenen" Boden des Handwerks auch im Zeitalter der Verarmung unserer gesamten Wirtschaft zu erhalten, ist in erster Linie Aufgabe' aller, die zur Förderung des Handwerks berufen find: das find Meister, Eltern, Lehrer und der junge Nachwuchs selbst. Recht eindringlich brachte das der Bezirksoerwalter eines westfälischem Innungsverbandes bei der Aufnahme neuer Lehr^ linge mit den Worten zum Ausdruck: „Die Sorgen der Eltern um das Werden des Kindes werden größer, je mehr das Kind heranwächst. Die Eltern tragen neben diesen Sorgen eine große Verantwortung gegenüber ihrem Kinde in der Ausbildung und Erziehung desselben. Diese Verantwortung geht zum großen Teil auf den Meister über, welcher ein junges Menschenkind in feine Werkstatt aufnimmt, um es in einen Beruf einzuführen. Dieses Verantwortungsgefühl wachzuhalten, haben wir als Organisation in unfern Aufgabenkreis aufgenommen. Anderseits dürfen die Eltern nicht auf den Gedanken kommen, daß sie durch die Hingabe eines Kindes in die Meisterlehre aller Verantwortung ledig seien; vielmehr müssen Meister, Eltern und Schule sich gemeinsam für die jungen Leute auf praktischem, theoretischem, sittlichem und moralischem Gebiet verantwortlich fühlen; nur dann wird es gelingen, wieder neuen gesunden Geist in unser Volks- und Wirtschaftsleben hinein- zutragen."
Arbeitet das Handwerk in diesem Sinne weiter an sich selbst und seinem Nachwuchs, dann bleibt fein Berufsstand nicht nur der „goldene" Boden für feine Mitglieder, sondern es ist auch gleichzeitig eine Kraft- und Erneuerungsquelle für unser ganzes Volk.
* Im Donaustrudel. In der Nähe von Linz a. d. Donau ist in dem gefürchteten Greiner Donaustrudel ein überlastetes Fährboot mit elf Personen gekentert, wobei fünf Personen ertranken.
Don den Hochschulen.
= 5er Karteiloerbanb der katholischen Studentenvereine öeutschlandz (K. v) zählte am 1. Juli d. I. in 82 Vereinen 3218 Studenten und 11299 Alte Herren, insgesamt also 14517 Mitglieder. Von den Studenten waren 1005 aktive Burschen, 498 krasse Füchse, 213 Brandfüchse, 851 ortsansässige und 651 auswärtige In- aktive. Die allzu starke Saxonia in München hat int S.-S. durch Teilung die Rheno-Saxonia als 82 Verdandskorporation ins Leven gerufen. Damit zählt der Münchener K. V. 9 Vereine. Es folgen Münster mit 6, Bre-lau mit 5, Berlin. Bonn, sireidurg, Han- notier und Köln mit je 4, Würzburg mit 3 Vereinen. Auch in Oesterreich gewinnt die Idee des K. V. immer mehr an Boden. Die 50. Verband-Versammlung findet bekanntlich im Anschluß an die Katholikentiersammlung in den Tagen vom 2.-7. September in Hannover start