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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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Samstag, 9. August 1924

fir. 185

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Im Ringen um die Verständigung

lerabe unter dem

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Von einer besonderen Seite wird uns ge-

Macdonald nnd Moskau.

Im englischen Unterhaus erklärte Macdonald, es sei seine Absicht, das Abkommen mit der Sow­jetregierung sofort zu unterzeichnen. Einen Antrag Sir Robert Hornes, den dieser sur die Kon- servatlven eingebrachl hatte, die Unterzeichnung bis Anfang nächster Woche aufzuschieben, lehnte er ab. Auch ihn stelle das Abkommen nicht ganz zufrieden, aber er glaube, daß es das Beste darstelle, das er­reicht werden konnte. Clhnes wandte sich unter dem Beifall der Arbeiterpartei gegen die Kritik Hornes, der erklärt hatte, das Abkommen sei geeignet, Ver­drehungen, Kniffe und Vorspiegelungen herbeizu­führen. Die Regierung sei willens, an der Ent- scheidung sestzuhalten, die das Unterhaus oder das Land hinsichtlich des Vertrages treffen werde. Das Unterhaus vertagte sich dann bis zum 30. September. .

Im Oberhaus erklärte Lord Curzon, der eng« lisch-russische Vertrag bestehe darin, alles zu geben und nichts zu nehmen.

ArbeitseinschrSnkung.

wtb Mannheim, 8. August. (Sei.) Die Firma Benz hat ihre« Arbeitern mitgeteilt, daß sie durch die wirtscha-tlichen Verhältnisse sich ge- zwungen sehe, die wöchentliche Arbeitszeit aus 4 Tage zu beschränken.

nis für die militärische Räumung die Demobilisie­rung der Reichspolizei, affo der grünen Polizei, sowie die eventuelle Kontrolle der Entwaffnung Deutschlands und fordert schließlich bis zum end- gültigen Abzug des französischen und belgischen Heeres aus dem Ruhrgebiet die Fortsetzung der Besetzung der Kölner Zone durch die britischen Truppen auf Grund einer Art Mandat, das der Völkerbund England übertrage.

Dr. Breitscheids Ansicht.

Der Führer des linken Flügels der Sozial­demokratie, Abg. Dr. Breitscheid erklärte in einem vom Londoner .Evening Standard^ veröffentlichten Interview, wenn die deutschen Delegierten mit dein Entwurf einer Regelung zurückkehrten, der nicht ein Versprechen sofortiger Zurückziehung der französischen Truppen aus dem Ruhrgebiet sowie eine Amnestie für die wegen des passiven Widerstandes Eingekerkerten einschließe, bestehe wenig Aussicht, daß die aus den Dawesplan bezüglichen Gesetzentwürfe durch den Reichstag angenommen werden.

Der Stand der Unterhandlungen.

wtb Paris, 8. Aug. (Tel.) lieber den Stand der Arbeiten auf der Londoner Konferenz meldet der „Malin":

1) Verhandlungen und Sanktionen sowie Zu­sammensetzung der Reparakionskommission: Keine unüberwindlichen Schwierigkeiten, die Franzosen haben das Wort „flagrante Ver­fehlungen" definiert. Es bedeutet beabsichtigte Verfehlungen. Die Deutschen haben jedoch ihre Stellungnahme aufrecht erhalten und erklärt, daß sie über jede Aenderung des Abschnitts 8 des Frie- densverirages gehört werden müssen. Sie werden ihre Forderung schriftlich begründen.

2)JnduslrielleRäumungdesRuhr- gebiets. Die Alliierten sahen den Uebergang der lokalen Pfänder in die allgemeinen Pfänder in einer Periode von 60 Tagen von der Uebergabe der inneren Zollgrenze an vor. Als Schlußdatum für die Räumung war der 15. Oktober festgesetzt. I Dieses Datum ist auf den 5. Oktober verlegt worden. Schwierigkeiten bestehen noch hinsichtlich der Forderung, daß Deutschland innerhalb von 40 Tagen die erste Rate für die Annuitäten zahle« soll, die der Plan Dawes vorsiehl. Die Alliierte» haben nunmehr zugeslanden, daß innerhalb von 45 Tagen alles das, was im Ruhrgebiet verein­nahmt werde, dem Generalagenten für die Zah­lungen überwiesen wird. Jedoch verlangen die Franzosen und die Belgier den Abzug der Be­sah ungs kosten. Die Deutschen haben diesen Vorschlag abgelehnt.

3) Amnestie. 3n dieser Frage ist ein Ab­kommen erzielt morde«, insofern als für alle noch nicht abgeurteilken Fälle beiderseits Amnestie ge- währt wird. (Der „Matin" betont ausdrücklich, durch diese Abmachungen seien die Separatisten­führer gerettet worden.) was die noch im Gang befindlichen und schon abgeurteilten Fälle betrifft, so ist der deutschen Forderung nachgegeben worden.

4) Sachlieferungen, hier bestehen noch manche Schwierigkeiten. Die deutsche Regierung weigert sich, in irgend einer weise die Sachliefe- rungea über den im Friedensvertrag festgesetzten Zeitpunkt zu garantieren und man suche jetzt nach einer anderen Lösung.

5) Transfer. Auch hier wurde nach einer neuen Kompromihformel gesucht. Rach dem „Ouotidien" ist in dieser Frage eine Einigung er­zielt worden. Rach diesem Blatt bestehen nur noch zwei Schwierigkeiten. Einmal in der Frage der Sachlieferungen, in der übrigens die französische Regierung nicht nachgeben könne und nicht nach­geben werde, und das anderemal inbezug auf die Zahlungen, die vor dem 5. Oktober zu leisten siud und die der Vorschlag der Alliierten für die wirt­schaftliche Räumung vorsieht.

Deutsches Reich.

* Der Stand der Reichsfinanzen. Nach Ueber- sicht über die Geldbewegung bei der Heichshauptkaffe betrugen vom 21. bis 31. Juli die Ablieferungen rund 260,6 Mill. Mk., die Auszahlungen rund 211,4 Mill. Mk.; mithin verbleibt ein Ueberschuß von 49,2 Millionen Goldmark. Hiernach ergibt sich für den Monat Juli ein Gesamiüberschuß von rund 81,8 Millionen Goldmark gegenüber einem Zuschußbedarf von 1,4 Millionen Goldmark für den Monat Juni. Der Ueberschuß seit dem 1. April 1924 beläuft sich auf rund 46,8 Millionen Mark.

Berantwortli» iür die Schrittleitung: Dr. Johannes Kramer. Anreisen: I- P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der s Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. •„

Berngspreis für Juli: Mk.

Hus dem besetzten Gebiet.

Rach einer Blättermeldung ist der Pfälzer Re­gierung neuerdings von der Interalliierten Rhein­landkommission eine Liste mit 1116 Ausgewiesenen überreicht worden, denen die Rückkehr er­laubt worden ist. Auf der Liste befinden sich auch solche Pfälzer, die seinerzeit wegen Abwehr der Separatistenbewegung ausgewie­sen worden waren» darunter der Polizeiinspektor Rothaus aus Pirmasens.

*

Dem Vernehmen nach ist es gelungen, die Freilassung sämtlicher Pirmasenser Gefangenen zu erreichen. Es sind dies 44 Personen. Gegen weitere 60 Personen war ein Verfahren eingeleitet worden. Auch dieses wurde niedergeschlagen, sodaß im ganzen 104 Personen außer Verfolgung gesetzt wurden.

* Die Deutschen in IDentbiet). Die britische Re­gierung hat die deutsche Delegation eingeladen, die englische Reichs-Ausstellung in Wembley zu be­suchen. Es darf angenommen werden, daß die deutschen Delegierten dieser Einladung Folge lei­sten worden.

Die Neuordnung des 5teuerwesen§.

Mit der Regelung des Sachverständigengut­achtens wird eine grundsätzliche Aenderung des ge- amten Einnahmewesens des Reiches erfolgen muf- en. Insbesondere wird sich diese Reform auf un- ere Steuerpolitik zu erstrecken haben. Das heutige Steuersystem ist sowohl in seiner konstruk­tiven Anlage, wie in seinem Aufbau, rote nach Art und Zahl der Steuern, und nicht zuletzt wegen der ungemein verwickelten Zahlungsweise in ^em Augenblick nicht mehr haltbar, in welchem wieder einigermaßen geordnete Verhältnisse für die öffent­liche Wirtschaft Platz greifen. Dte schon vor län­gerer Zeit in den beteiligten Retchstmmsterten em- geleiteten Vorberatungen bezw. der Vorbereitung dieser großen Reform im Hinblick auf dte Londoner Verhandlungen sind nun erneut aufgenom- men worden. Die neuen Finanzgesetze, die sich daraus ergeben, werden gleichfalls gegenwärtig schon ausgearbeitet.

Die Paladine des tlaisers.

Aus Wien wird gemeldet:

Sieben österreichisch-ungarische Gene- ralfeldmarschälle haben den früheren preutzt. scheu Kriegsminister General von Stein zum Duell herausgefordert. Diese Generale stehen an der Spitze des Veteranen-Klubs. Der Grund zu dieser Heraus­forderung soll die Beleidigung des früheren Kaisers Karl durch General von Stein le'.n, der m seinen Me­moiren als Tatsache hingestellt hat, daß Katser Karl bereit gewesen sei, Gelder von der Entente anzunehmen, und daß er dadurch die Zentralmächte verraten habe und den Sieg der Entente ermöglichte. Unter den Her­ausforderern befindet sich Feldmarschall Krobatm, Ge­neral Georgi, Feldmarschall Baron Czapp und General von Lehar. Auf die Duellforderung htn gab General von Stein eine Erklärung ab, worin er sagte, daß er in der nächsten Ausgabe seiner Memoiren diesen Ab­satz zurückziehen werde; darauf erklärte General von Lehar, daß damit das Gedächtnis Kaiser Karls ge­reinigt sei, und daher auf die Duellforderungen verzich­tet würde.

Das entschlossene Eintreten der alten Soldaten für die Ehre ihres Kaisers macht gewiß einen heroischen Eindruck. Wir glauben allerdings nicht, daß der in die Ewigkeit gegangene Kaiser Karl, bekanntlich ein treuer Sohn der katholischen Kirche, den Weg des D u e l l s als Mittel der Ehrenrettung gebilligt haben würde. Die Wahrheit weiß sich auch durchzusetzen, ohne daß man ihr mit Sabel , oder Pistolen den Weg ebnet.

Ausland.

* Kommunistenangst in der Schweiz. Wie die .Vosstsche Seitung' aus Genf meldet, sind der fron- zösische Kommunist Gilbert und der deutsche Kom­munist Thomas in Zürich bezw. Schaffhausen v er- haftet worden. Das scharfe Vorgehen der schweize­rischen Behörden gegen ausländische Kommunisten ist darauf zurückzuführen, daß man in der Schweiz er- fahren hat, es würden von russischer kommunistischer Seite zur Zeit besondere Anstrengungen gemacht, um in der Schweiz eine starke Propaganda­tätigkeit zu entfalten.

* Die Spitze der italienischen Faschisten. Aus Rom wird gemeldet: Der faschistische Nationalrat hat das neue Direktorium der faschistischen Partei gewählt, das nunmehr aus 21 Mitgliedern aus ver­schiedenen Provinzen Italiens besteht. Dem neuen Direktorium gehören elf Abgeordnete der italienischen Kammer an.

* Die Pariser Getreidebörse, die bei dem rapi­den Sturz des Franken im Februar polizeilich ge­schlossen worden war, um eine überstürzte Erhöhung der Brotpreise zu vermeiden, ist wieder er­öffnet worden.

schrieben:

Die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets ist nun auch in London zur Debatte gestellt. Wie besondere Informationen, die uns aus London über die Ereignisse der letzten Tage zuaegangen sind, erkennen lassen, ist die Konferenz durch die deutschen Forderungen dieser Art nicht überrascht worden. Man war darauf vorbereitet, daß Deutschland diese Fragen in den Vordergrund stellt. Die deutschen Vertreter haben keinen Zwei­fel darüber gelassen, daß ohne völlige Klarheit be­züglich der wirtschaftlichen und militärischen Rau- müng des Ruhrgebietes eine Annahme der Aus­führungsgesetze eine Annahme der Ausfuhrungs- gesetze zu dem Sachverständigenplan im Reichstage mit Zweidrittelmehrheit unmöglich erscheint. Etn Scheitern der Londoner Konferenz, und insbeson- dere des Sachverständigenplanes würde aber Die Gegenseite mindestens so hart treffen rote Deutsch­land selbst. Darum hat Macdonald die deutschen Forderungen bezüglich der Ruhrräumung als Diskussionsgrundlage angenommen.

Freilich werden die Erörterungen Darüber nicht in der eigentlichen Konserenz, sondern in dem neben ihr eingerichteten Vierzehner Rat, der aus den Vertretern Der vierzehn in London er­schienenen Rationen besteht, verhandelt roeruen, sodaß es sich gewissermaßen um einen Unteraus­schuß der Konferenz handelt. Auch die franzossiche Vertretung hat nicht ohne weiteres sich der Dis­kussion über diese Dinge zu entziehen vermocht. Es bildet sich aber immer mehr Die TenDenz her­aus, Die Ruhrräumung gewissermaßen als einen Trumpf in der Hand zu behalten, um mit ihm de- stimmte, auf anderen Gebieten liegende juge=

I ständnisfe zu erlangen. ,

Und solche Zugeständnisse steht Frankreich, so- weit Deutschland in Frage kommt, a u f h a n d e l =>* politischem Gebiet. Der erste Versuch I Frankreichs, die Räumungsfrage mit der Frage der interalliierten Schulden zu ver- knüpfen, ist fehlgefchlagen. Zwar ist dieses Thema noch nicht erledigt, und neuerdings fptelt insbe­sondere der Plan eine Rolle, daß ein internatm- nales Finanz-Konsortium die Regelung dieser Probleme aus den Händen der Regierungen neh­men soll. Es besteht aber nicht viel Aussicht, daß diese Idee der Verwirklichung zugeführt werden I könnte. England und Amerika haben die Frage der interalliierten Schulden vorläufig noch m der Schwebe gelassen. Auch für sie bildet diese Situa­tion ein Druckmittel gegenüber Frankreich. Run versuchte es die französische Vertretung damit, bet I Deutschland zu sondieren, ob es gegen Zahlung «höherer Beträge, als sie der Sachoerständigen- plan vorsieht und durch zeitlich raschere Abtragung, sich früher von der Besatzung loskaufen wolle.

I Demgegenüber mußte von Deutschland Darauf auf» I merksam gemacht werden, daß gerade unter dem militärischen Druck eine höhere Leistung der deut­schen Wirtschaft ausgeschlossen sei.

Und so ist ein schon früher aufgetauchter Plan wieder aus der Versenkung herausgeholt worden, der dahingeht, daß zwischen Frankreich und Deutschland ein Handelsvertrag abge­schlossen wird, dem sich ein gleicher Vertrag zwi­schen Deutschland und Belgien anzu­schließen hätte. Die Grundlagen einer solchen Einigung könnten aber lediglich zwischen Frank­reich und Deutschland allein getroffen werden. Allgemach hat sich doch auch in fraüßostschen p o l1» tischen Kreisen die Auffassung durchgesetzt, daß die wirtschaftliche Situation Frankreichs untrennbar verknüpft ist mit dem Geschick der deutschen Wirtschaft. Also auch tn Frankreich I kommt man notgedungen dazu, die Reparations- fraqe in Zukunft weniger unter politischem, als unter wirtschaftlichem Gesichtspunkte zu betrachten

und zu behandeln.

Tatsächlich enthält der Friedensvertrag von Versailles, trotz aller damals ausgetüftelten Siche­rungen für Frankreich in dieser Frage Lucken, die nun jetzt für die deutsche Regierung starke Waffen darstellen. An einem deutsch-französischen Han­delsvertrag ist Deutschland gewiß nicht umnteres- fiert, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich tat- sächlich hier eine Basis ergeben könnte, auf der man auch die gegenseitigen Politiken Streitfragen zum Austrag zu bringen vermochte. Sollte man über diese Dinge zu einer Einigung kommen, so könnten sie zunächst nur grundsätzlicher Sta­tur sein, ohne das schließliche Ergebnis der Lon­doner Konferenz vorwegzunehmen. Aber im Rahmen einer solchen grundsätzlichen Regelung wären bann zwischen Frankreich und Deutschland die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. . _ ,

Ob es dahin kommt, hangt weniger von Deutschland als von Frankreich ab, das Verständ­nis dafür haben muß, daß die Raumungsfrage eine Ehrenfrage für Deutschland ist, die man mäst zum Handelsobjekt machen kann. Daß Deut cy- lanb einer engeren wirtschaftlichen VerbinDung msi Frankreich im Interesse der Wirtschaft beider Vol ker nicht im Weg steht, ist oft genug ausgefprocher worden. ______

wirtschaftliche lkanipsbewegimgen.

- KflitiDf im vaugrwerbe. Die Verbände des Baugewerbes haben einer Meldung der Rheinisch- Westfälischen Zeitung- SUfolge ein stimmig die Stil- leauna aller Betriebe des Hoch-, Beton, und Tiefbaues in R h e in la nd-W estfa l enb esch las­sen. Von Mittwoch, den 13. August, ab soll die Ar­beit'auf allen Bauten und Arbeitsplätzen des Hoch-, t Beton- und Tiefbaues vollständig ruhen.

Mexiko.

Siebzehn Einwohner durch Aufständische ermordet.

Das „B. T." meldet aus Newyork ein neues Verbrechen aufständischer Eingeborener in Mexiko. Eine Bande von 50 Mann überfiel ein Hofgut im Staate Yukatan, tötete 17 Bewohner und plünderte das Anwesen vollständig aus.

Meldungen aus London zufolge hat die briti­sche Regierung durch die Vereinigten Staaten eine sofortige Erklärung Mexikos bezüglich Der Ermordung von Mrs. Evans gefordert. Die britische Regierung habe sich das Recht Vorbe­halten, jede Aktion zu unternehmen, die für notwendig erachtet werde.

Nicht zu stürmisch hoffen und nicht alle Hoff­nung sinken lassen! Das ist die Parole, die jedem Gespräch über Die Möglichkeiten Der Londoner Kon­ferenz vorausgehen sollte. Wie ein deutscher De­legierter dem Mitarbeiter der „Franks. Ztg." sagte, kommen die Bergsteiger nunmehr in die Zone, wo die Luft bereits fühlbar dünner ist, sodaß sich das Tempo verlangsamt. Jedenfalls sind neue sichere Anhaltspunkte über die Ergebnisse der Ver­handlungen nicht zu Tage getreten. Reuter sagt am Abend des 7. August: Wenn es auch nicht tun­lich ist, die Verhandlungen in ihren einzelnen Phasen zu verfolgen,so kann doch im allgemei­nen gesagt werden, daß die Atmosphäre in der Konferenz auch weiterhin recht gut ist. Die Sachverständigen haben das deutsche Memoran­dum geprüft und sind der Ansicht, daß eine be­trächtliche Anzahl der aufgeworfenen Fragen zu einem Ausgleich führen könne.

DieSitzungdesRatesderVierze h n, auf der, wie verlautet, verschiedene Fragen befrie- digend geregelt wurden, war am Donnerstag um 6.45 Uhr nachmittags beendet. Der Rat der Vier­zehn tritt Freitag vormittag zur Erörterung der Berichte des Sachverständigenkomitees wieder zu­sammen.

Zuverlässig verlautet, daß die in London ver- Derbreitete Meldung, die deutsche Delegation habe den Bericht des Ersten Komitees angenom­men, in dieser Form nicht zutrifft. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß es sich bei den Berichten der Sachoerständigenkomitees, wie von alliierter Seite stets hervorgehoben wurde, nur umA nempfehlungen, keineswegs um end­gültige Beschlüsse handelt, daß daher kaum erwar­tet werden kann, daß das Ergebnis der Verhand­lungen vor Abschluß aller Komitee­beratungen bekannt gegeben wird.

Die Londoner Presse betont, es sei jetzt klar, daß die Londoner Konferenz länger dauern werde, als ursprünglich gedacht war, und daß sie nicht vor Dienstag oder Mittwoch zu Ende gehen könne.

Die Deutschen und die Franzosen.

Besuche.

Der deutsche Reichskanzler und der Minister des Aeußeren Dr. Stresemann haben Donnerstag nachm. 314 Uhr dem Ministerpräsident en ^erriet in seinem Hotel einen Höflichkeitsbesuch ab gestattet, der von Herriot gegen 414 Uhr im Ritz­hotel erwidert wurde.

Der Londoner Sonderberichterstatter der Havas- agentur meldet dazu: Die Unterredung dauerte knapp eine Viertelstunde. Es wird erklärt, daß der Besuch rein formellen Charakter gehabt habe. Es liegt auf der Hand, daß sich daran ein Mei­nungsaustausch über die Hauptfragen an« schließen wird, die Frankreich und Deutschland be­treffen, und unter denen an erster Stelle die mili­tärische Besetzung des Ruhrgebiets steht. An an­derer Stelle wird versichert, daß in Kürze eine Einigung zwischen französischen und deutschen Sachverständigen über die Modalitäten des Sach- lieferungsversahrens zustande kommen dürfte.

Vor Verhandlungen? — Der Plan Rollets.

Wtb London, 8. Aug. (Tel.) Die Morgen- blatker äußern sich über den Gang der gestrigen konferenzsihung sehr befriedigend. Sie drücken die Vermutung aus, daß mit dem zwischen den deutschen und französischen Staatsmännern ausgc- tauschken Höflichkeitsbesuch der Anfang mit den Erörterungen des Problems der militärischen Räu­mung des Ruhrgebiets gemacht wurde. ,

wtb Paris, 8. August. (Tel.) Der Sonder­berichterstatter des „Petit Parlsien" glaubt zu wis­sen, daß henke eine Verhandlung zwischen -den deutschen, französischen und belgi­schen Ministern über die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets eingeleitet wird. Für diese Verhandlungen sehe man etwa 3 bis 4 Tage vor. Der Plan, der gestern durch General Rollet und Finanzminiftsr Elemcntel den englischen Mi­nistern unterbreitet wurde, sordert als Zugefiänd-

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