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Nr. 184 vom 8. flug. 1924. !

Zur Unterhaltung

Goethe.

in ihre

ein Lä- Stimrne Worten sie ner»

Wer recht wirten will, muh nie schelten, sich utn das Verkehrte gar nicht bekümmern, sondern nnr immer das Gute tun. Denn es kommt nicht darauf an, daß eingerissen, sondern daß etwas aufgebaut werde, woran die Menschhttt

Eltern und drohte all bie sanften, weichen Gefühle aus- zulösihen. Er tat einen Blick in die dunkelste Tiefe feines Lebens. Gähnend öffneten sich vor seinen seeli- fchen Augen finstere Abgründe, die auch ihn zu ver­schlingen iwohten wie sie sein« Eltern hinabgezogen hatten.

Auf der Landstraße waren sie beide gestorben, fern

Aber die erleichternden Tränen blieben ihm versagt.

Rattos, fasiungslos standen die beiden Iugendgespie- len da. wie zwei Kinder, die sich in einem wilden Walde oder in einer undurchdringlichen Wildnis verirrt haben und nun keinen Ausweg finden können.

Und doch leuchtete um die beiden jungen Menschen­kinder der Frühlingstag, strahlte die Sonne am ficht-

vor ihm. Sie war noch ein Kind. Aber man sah sckxon, wie stch die Knospe zur vollen Blüte entfalten wollte, auf deren Schönheit jedes Auge mit Entzück«, weilen würde. Lichtblonde Locken umrahmten das zarte Gesicht, aus dem zwei große, blaue Augensterne unter dunkler, Wimpern hervorleuchteten. Ihr kleiner Mund glich einer

Aber, wie gesagt, in den meisten Fällen ist die Schwiegermutter besser als chr Ruf. So böse und un- möglich, wie sie in der Theorie ist, in der Praxis tft sie gewöhnlich ein sehr liebenswerter, reizender und werwoller Mensch. Und vielleicht wird die Zeit einmal kommen, wo man in der Schwiegermutter nur das sieht, was sie wirklich ist und was sie nur fein mochte nämlich eine Mutter.

Empor!

Roman von Otto Elster.

deiner Familie--

„Ich hcche sie erst heute gehört," stieß er finster her» vor.

„Ich dachte es mir, — und ich glaube dir, daß auch du furchtbar darüber erschrocken bist und viel Leid darum trägst- Wer ich hegreife nicht, was das mit unserer

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Durch solche und ähnliche Reden wurde auch in das Herz des Knaben eine herzliche Gottesvervehnmg ge­pflanzt. Aber dann kam die Stunde am Grabe ferner

Freundschaft zu tun hat, und warum wir uns deshalb trennen sollen?"

.Frage deine Eltern, die werden es dir sagen."

„Auch die Eltern können mir die rechte Antwort nicht geben, das kannst nur du, Eugen," beharrte das Mädchen. — „Wir leben doch nicht mehr in den finsteren Zeiten, von denen du mir erzählt haft. Wir leben im Hellem Sonnensicht der Gegenwart und in der Hoffnung, auf eine glückliche Zukunft. So sagt mein Baier immer. Dein Pflegevater hat dir gewiß nicht von jenen finsteren Zeiten erzählt, um dich mutlos zu machen. Er wollte dich stark machen, daß du dem Leben mutig entgegen» schaust. Ich bin noch jung, lieber Eugen, das Leben erscheint mir wie ein lachender, sonniger Frühlingstag, aber ich weiß doch, daß es im Leben auch Not und Sorge, Shimmer und Herzeleid gibt. Mein Bater hat mir schon ost davon gesprochen und mich ermahnt, so viel an mir liegt, die Not und die Sorge der armen Menschen zu lindern. Ich beglette chn oft in die elenden Hütten der Armut, und wir tun, was wir können, das Elend zu bekämpfen. Und so will ich auch dich nicht verlassen in deiner Not und deinem Kummer, well ich denke, du hast mich vielleicht notig, und well du mir leid tust, wenn du keinen Menschen hast, dem du dein Herz ausschütten kannst. Ich mH deine Freundin blei» ben, lieber Eugen, trotz alledem. Denke darüber nach! Ist es nicht bester so, als wenn du ganz allein bleibst? Willst du mich an deiner Seite lasten?"

„Ich weiß nicht", — murmelte er.

„So will ich ruhig warten, bis es wieder hell in bei» nem Herzen geworden ist und du neuen Mut gefaßt und wieder Vertrauen zu mir hast. Ich sage nicht „Lebe wohl fieber Freund", sondern „Auf Wiedersehen!" Wenn du mich brauchst, dann rufe mich, ich werde kommen.

Sie reichte ihm die kleine, schmale Kinderhand,. und einen Augenblick war es ihm, als sollte er vor ihr nieder» knien und diese kleine Hand in stummer Verehrung küs» sen. Dieses Kind wollte chn in ein neues, hoffnungs­volles Leben geleiten, aber sein verstocktes Herz wollte die stumme Sprache nicht verstehen. Trotzig wandte er sich ab'.

Traurig ließ Ingrid die Hand sinken.

„Ich warte auf dich," sprach sie leise und entfernte, sich M, schlüpfte durch die Hecke und verschwand in dem I prächtigen Park.

Er starrte chr nach; es war ihm, als sollte er sie zurückrufen, als fei mit chr sein guter Engel entschwun» I dem Als er sie -nicht Mehr sah, da warf er sich auf die I Bank und brach in ein krampfhastes Schluchzen aus. 1 (Fortsetzung folgt)

Kirche. Darüber kann auch der tatsächliche Auffchwung des religiösen Lebens in ganz Brasilien nicht Hinweg­täuschen. Die Staaten im Norden und der Mitte der Gesamtrepublik haben zwar eine treu katholisch gesinnte Bevölkerung, aber sehr wenig Priesterberufe. Ganz Brasilien mit seinen 30 Millionen Seelen liefert jährlich nicht mehr als etwa 40 Neopresbyter für den Weltklerus. Die Erzdiözese Rio de Janeiro hat noch fein eigenes Seminar, und so geht es vielen anderen von den über 50 Diözesen der Republik Brasilien.

Seit Ostern werden diese Diözesen von drei Aposto­lischen Visitatoren bereist, von denen einer ein Benedik- tinerabt, ein anderer ein Jesuit und der dritte ein Ka­puziner ist. Auch für sie ist die Frage des Nachwuchses eine Hauptfrage ihres Studiums und ihrer Sorgen. Am guten Willen des Volkes fehlt es eigentlich nicht. Woran es fehll, sind die Mittel. Drüben überträgt man vielfach die Verhältnisse von den Vereinigten Staa­ten ohne weiteres auf Südamerika. Das ist ganz falsch. Hier ist nicht das Dollarland und noch lange ist Bra­silien nicht ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es ist auch falsch, das Volk reich zu nennen. Was hier vorherrscht, wäre nach deutschen Begriffen die Ar­mut. Die Kirche befindet sich, was Organisation an­geht, noch ganz auf der Stufe des Werdens, ohne Un­terstützung und Hilfe des Staates und in einer Be­völkerung, bei der großmütige Spenden für kirchliche Zwecke seltener sind als in den meisten kath. Ländern.

Im Staate Rio Grande do Sul gab es bis 1853 noch keinen Bischof und keine 20 Priester. Als der erste Bischof an ein Seminar dachte, erhob die Freimau­rerei in der Provinzkammer ein Zetergeschrei. Der folgende Bischof mußte das schon eröffnete Seminar unter dem Druck der Logenmächte wieder schließen. Erst dem dritten Bischof gelang es, nach dem Sturze des Kaisers Don Pedro das erzbischöfliche Seminar in Porto Alegre zu eröffnen, das im Jahre 1913 nach Sao Leopolds verlegt wurde.

Die Zeiten der Logenherrschaft sind trotz der Trennung von Staat und Kirche, die sie in die republi­kanische Verfassung eingeschmuggelt haben, längst vor­bei. Aber die Kirche leidet immer noch unter den Folgen jener unseligen Politik, lieber die größten Schwierigkeiten Hilst freilich meistens der persönlich gute Wille der Vertreter der Regierung hinweg. Daß im i Gegenteil ein recht herzliches Einverständnis gesucht l wird, zeigten zuletzt wieder die großartigen Veranstal­tungen bei Gelegenheit des Goldenen Priesterjubiläums von Kardinal Arcowerde, wobei die Minister der Bun­desregierung und die Vertreter des Heeres sich amt­lich in hervorragender Weife beteiligten und das Fest­bankett im Regierungspalast gehalten wurde. Bei die­ser Gelegenheit hielt der Minister des Aenßern eine Rede zur Verherrlichung der kacholischen Kirche. Das gleiche Entgegenkommen zeigte die Bundesversammlung, die für das geplante Chriftusdenkmal auf der Höhe von l Rio de Janeiro die Summe von 200 Kontos bewilligten.

Eine mächttge Waffe zur Stärkung des religiösen Sinnes ist die Presse. An unzähllgen Orten werden Versuche gemacht, eine treu-katholische Presse, nament­lich in Pfarrblättern, auf die Beine zu bringen. Der» suche größeren Umfangs sind bis jetzt immer gescheitert. Rur im Norden, in Bahia, gelang es den Franzis- kauern, ein Sonntagsblatt Meusageiro da f6, nach dem Muster des Leo hi Paderborn zu großer Auflage zu I bringen. Im Süden ist ein anderes, Esttella do Sul, I auf dem Sprung zu ähnlicher Entwicklung. Aber eine I Tageszeitung größeren Stils mit mächtiger Auflage und I ganz im katholischen Sinn geschrieben, ist einstweilen noch I eine Verheißung. Das „Zentrum für gute Presse" tn I Rio de Janeiro hat schon ein Kapital gesammelt und I Maschinen gekauft, um in naher Zukunft den Wurf zu I wagen. Doch nicht alle teilen den Optimismus der I Gründer. Gut Ding muß Weile Haden.

von aller Hilfe, von allem Trofte. Wodurch hatten' sie solch ein furchtbares Schicksal verdient? Kein Stern hatte ihnen ttösttich geleuchtet, in Armut und Elend nrnn fie jännnerlich umtzekommen; sein Vater im Armenhause zwischen rohen, gefühllosen Menschen, seine Mutter tu stürmischer, toter Nooemberaacht am Gal-

Er sprang empor und befreite sich trotzig von den weichen Annen.

Mit erstaunten Bücken zu An auffehend stand Ingrid

Aber ihre Tränen versiegten. Der erschreckte Schlag ihres Herzen wurde ruhiger, das Blut kehrte Wangen zurück und unwillkürlich umschwebte cheln ihren kindlichen Mund. Doch mit ernster sagte sie: „Du Imst mich mit deinen wilden furchtbar erschreckt, lieber Eugen, aber ich will geffen, wie man einen bösen Traum vergißt, wenn die SDlorgemfonne freundlich ins Zimmer scheint. Du hast mir eine traurige Geschichte erzählt, eine Geschichte von

Kus aller wett.

— Die Arien des Vogelfanges. Sn der Art des Gesanges der Vögel unterscheiden wir zwei Hauptarten, nämüch den Schlag und den Gesang. So spricht man beim König der Singvögel, dem Sprosser, und bei bei Königin, der Nachtigall, sowie beim Buchfinken vom Schlag. Sie schlagen, weil sie ihre einzelnen Tongeblld« zum größten Tell kräftig in gestoßenen, nicht zu langen Strophen, zum Teil metallisch klingend zum $ ertrag bringen, während wir bei der Lerche, beim Hänfling Zeisig, Stieglitz, Gartengrasmücke, Gelbspötier, Kana, rtenvogel usw. von Gesang reden, weil der Gesang ii mittelstarken, zumteil auch starken und wieder leisei zwttscherüden Lauten, mit flötenartigen und dudelnde, gemischt m längerem Dorttag gebracht wird Hinsicht, fich des Artengesanges unterscheidet man dann Original« fanger und Spötter. Originalsänger sind solche Vogel- arten, welche stets nur an dem ihrer Art eigenen Ge­sang bezw. Schlag festhalten und. sich durch lerne Ein­wirkung auf anbersgeartete Touren bringen lasten. Spötter nennt man diejenigen > Vogelarten, welche zwar einen allgemeinen Gesang haben, jedoch auch Toure» aus den Liedern anderer Vögel aufnehmen und in ihren Gesang hineinzuweben verstehen. Mtt einem vorzügliche» Spöttertalent an hervorragender Stelle der Gattung „Spötter" steht unser Gelbrock, der Kanarienvogel. Kev ner anderen Vogelkehle ist bas Talent vielseitiger Nach- ahmung m derart reichem Maße verliehen. Infolge feines Talentes neue auf ihn einwirksnde Töne und Touren aufzunehmen, Tonschönheiten daraus zu modeln, selbst neue hmzuzuerfindsn, und diese zusammen zu tonkünstlerischem Aufbau neuer Stammeslreder zu ver» wenden, ist es den verschiedenen deutschen bekannten Stammeszüchtern gelungen, jeweilig ihren besonderen Stamm zu begründen und auszubauen.

— Der Fifchreichtmn zweier Seen. Die subalpinen Seen sind meist arm an Nährsalzen und Pflanzennähr- stoffen, und das drückt sich auch in ihrem fischereilichen Ertrag aus. Der Bodensee (Obersee) wirft pro Jahr und Hektar Fläche durchschnittlich 8 Klg. Fischfleisch ab, das sind bei 475 Kim.- Seefische 47 500 mal 8 — 380 000 Klg. Fische. Der Chiemsee in Oberbayern liefert dagegen schätzungsweise 20 Klg. pro Hektar uni Jahr, das ist bei 80 Kim? 160 000 Klg. Fischfleisch. Der Chiemsee ist Überaus reich an Fischnahrung, an Kleinlebewesen. Dazu trägt in erster Linie seine breite, I gut mit Pflanzen bewachsene Uferbant bei, von der im I Frühjahr auch Nährstoffe in den See hinaus gelangen. I Denn im Winter faulen die Pflanzen, Wasser und Frost I zermürben ihre Leichen, Eisgang und Wellenschlag mah- I (en daraus den feinen Detritus und dieser wird, wenn I der See zur Zeit der Schneeschmelze steigt und die I Frühjahrsstürme brausen, weit ins freie Wasser hin- | ausgeführt. Ein zweiter Umstand, der zur Anreiche- I rung des Chiemfeewasters mit Lebewesen führt, ist die I Tatsache, daß die Tiroler Ache als Hauptzufluß nicht I allzuviel Wasser bringt, nicht so heftig den See mit I organismenfreien und nährstoffarmem Gletscherwasser I vollzieht, wie das alljährlich am Bodensee durch den I Rhein geschieht, der ja bis in den Juni hinein Schmelz» I master, sog. „weißes Master" führt, das den Tod von I Millionen und Abennillionen von Planktontieren zur I Folge hat.

Brief aus Brasilien

Pwrto Alegre, im Juli 1924.

Durch zwei Bewegungen wird gegenwärtig in bet I zeutschstämmigen Bevölkerung Brasiliens die Erinnerung I deni Lande ihrer Väter und Ahnen besonders leben» I EL erhalten: Zunächst ist es der seit Jahren fliehende I gtrom der Einwanderung deutscher Brüder und I g^meflem, die sich meist mitten unter schon bestehen- I Jen deutschen Ansiedlungen ober in deren Nähe nieder- I laff® und habet von den eingesessenen Deuffchbrasilia- I pern nach Kräften unterstützt werden.

Diese Einwanderung und der lebhafte Briefwechsel, I jen die Hilferufe oft von nahen Verwandten angeregt I t^ben, erweckten schlummernde Erinnerungen — und I pachten schlafende Teilnahme zu regem Interesse.

Dazu kommen jetzt die farbenreichen, tatenstrotzenden I Erzählungen der Deutschländer, vielfach einst tapferer I Soldaten, bte an drei Fronten gekämpft haben, ErzSh- I langen von Freud und Leid, von seelenvoller, besinnlicher I fjthnatfiebe, vom deutschen Wald und ben deutschen I griffen, von den anmutigen Dörfern und Wiesen, deren I stolze Ebenbilder unseren brasilianischen Boden schmücken, I unb endlich so vielem anderen.

Ein anderer Grund, der gerade in diesem Jahr das I Narnmesgefühl der Kolonistenbevölkerung stärker in I ben Herzen pochen läßt, auch in denen, die fich schon I ganz brasilianisch fühlen, sind allenthalben die Feiern I bes ersten Jahrhunderts deutscher Ein- 1 Wanderung Dieses Jahr fft es gerade ein Jahr­hundert, seitdem am Ufer des Rio dos Sinos m Rio Grande do Sul die ersten Einwandererfamilien deuffcher Zunge ihren Fuß auf den Boden setzten, der ihnen zur zweiten Heimat werden sollte. Besonders in diesem Staate Rio Grande do Suh wo nahezu 400000 Kinder des deutschen Volkes wohnen, wurden für alle Mittel­punkte deuffcher Siedelungen angemeffene Zentenar- feiern vorbereitet und zum Teil schon gehalten, von der Hauptstadt Porto Alegre an mit feinen wohl 20000 Deutschen und dem nahen Sao Leopoldo, wo die erfte deutsche Kolonie erstand, den Ufern der Flüsse entlang kn die furchtbare Dergzone von Santa Cruz und Esttella. bis in die äußersten Winkel am Uruguay mit feinen blauen Bergen und ungeheuren Wäldern, wo auf den Ruinen der oerlaffenen Indianerdörfer die blühendste Tochterkolonie Serro Azul sich lagert In Porto Alegre haben die deutschen Katholiken zur Iahr- hunderffeier den Bau einer schmucken Kirche zu Ehren bes hl. Joseph unternommen, die wohl im Oktober ein» geweiht wird. Ebenso machten es die Katholiken von Neu-Hamburg, in der Nähe von Sao Leopoldo.

Das schönste literarische Denkmal wird wohl die Fesffchrist sein, die ttn Verlag des Deutschen Volksblattes" zu Porto «legre erscheint, ein reich illustriertes Buch von 500 Seiten mit herrlichem, ge­schichtlichem Stoff.

An der Hand dieses Buches, das der Geschichte ent­sprechend von einer Art Familienchronik zur Geschichte eines großen Volkes anwächst, sieht man auch, wie die katholische Kirche ttn gleichen Schritt wie das Schicksal der Eiuwandererfamilien gelitten und gestritten hat, bis fie zur trvstteichen Entfaltung des Augenblicks heran- reifte. Die Pfarreien der deutschen Kolonien gehören zu den blühendsten des Landes.

In Sao Leopoldo, dem Städtchen bet ersten beut« scheu Pflanzungen, liegen auch bie beiden größten An­stalten der zwei hervorragendsten Ordensgenosienschaften, die sich frühzeitig der Sorge für bie Ansiedler gewidmet haben. Es sind bte Jesuiten und Franziska- nerinnen, deren Mutterhaus in Ronnenwerth liegt Die Franziskanerinnen besitzen dort in schönster Lage eine große Erziehungsanstalt für Mädchen mit einem Sanatorium für Damen und einem Noviziat. Die Jesuiten dagegen haben dort ein großes Doppel­konvikt für zukünftige Priester, das tn 16 Kursen über 400 Zöglinge beherbergt, von den Gymnasialkuffen bis zur Philosophie und Theologie.

Diese Zöglinge verteilen sich aber auf alle 5 Diö­zesen des Staates Rio Grande do Sul und Santa Ca- tharina mit zwei Millionen Katholiken. Der jährliche Nachwuchs von 10—15 einheimischen Priestern ist des­halb gering, und doch hat die Kirchenprovinz von Porto Alegre an Leistung und Hoffnung viel vor dem größten Teil von Brasilien voraus.

Die Frage der Heranziehung von einheimischem Kle­rus ist deshalb eine Lebensfrage für bie brasilianische

heileres.

Zeitgemäß. Lude: „Mensch, du hast jestern een Por imonnate jefunden?" — Ebe: „Ja, aber et war ee« Radjo-Portemonnaie!" — Sube: „Ach, wat heeßt Radjo- Portemonnaie!?" — Ede: „Eens ohne Draht."

♦

So find fie. Sie, bereits im Hausflur: „Du, Hein- «ich, sitzt mein Hut gerade?" „Ganz gerade, mein Schcch, nun beeile dich aber!" „Nicht doch, nun muß ich erst noch mal nach oben, dieser Hut darf ja nicht gerade sitzens" ______________________

MWMMdkkWlöWkWMtler. I

Von Hanna Ribeaucourt

Schwiegermutter sein, ist wirklich kein angenehmes Los. Denn keine Gattung menschlicher Wesen erfreut fich eines so schlechten Rufes als gerade bte ehrwürdige Zunft der Schwiegermütter. Auf der Bühne, in Ro- manbüchern und Witzblättern unb vor allem im Volks­munde, überall kennt man die Schwiegermutter nur als einen Ausbund von Borniertheit, Unzufriedenheit und Nörgelsucht, als einen Menschentypus, den Gott im Zorn geschaffen, und der augenscheinlich nur den einen Daseinszweck hat, jungen Menschen bas eben erst be­gonnene Eheparabies zur Hölle zu machen. Noch größer ist vielleicht ber Fluch ber Lächerlichkeit, mit bem bie armen Schwiegermütter behaftet sind. Schon bas bloße Wort stellt für bie meisten Menschen einen unüber, windlichen Lachreiz bar.

Aber von ben Schwiegermüttern kann man doch sagen, daß sie besser, taufenmal besser sind als , hr Ruf. Die Schwiegermutter ist unb will nichts anberes sein als eine Mutter. Unb ihre liebenbe Sarge, ihre tätige Mithilfe bleiben nach ber Verheira­tung ihres Kindes gleich lebendig. Fast jede jung« Frau gebt gern zur Mutter, wenn dos neue Leben ihr so schwer werden will, holt sich bei ihr Trost, Rai unb Hilfe. Unb auch ber junge Ehemann weiß in ber Regel sehr gut, was ihm bie Schwiegermutter bedeutet. Zwi­schen ihm unb ber Schwiegermutter finbet sich meist nichts von Mißklang unb Feindseligkeit. Er ist chr lieb unb wert wie bas eigene Äinb.

Das tft bte ibeale Schwigermutter. Natürlich gibt es auch eine anbere, weniger angenehme Art von Schwiegermutter. Schwiegermütter sinb, wie wir alle, nur Menschen. Und es hat immer törichte Mütter gegeben, unb es wirb fie immer roieber geben, bie nichts besseres zu tun wisien, als mit Verzweiflung anzukämpfen gegen bas Glück ihres Kinbes, Mütter, bie des vielleicht ganz gut gemeinten Glaubens sind, kein Mann sei gut genug für ihr Kind.

Solche Schwiegermütter sind schlimm. Sie find oft eine sehr schwere Belastungsprobe für eine junge Ehe. Aber diese Sorte von Schwiegermütter ist, gottlob, doch recht selten. Und wenn man die Ehemänner ttn Ernst fragt, bann wisien fie in ben meisten Fällen nur Gutes von ber Schwiegermutter zu sagen. Aber wie überall, ein schlimmes Exemplar schadet bem Ruf ber Schwie­germütter mehr, als tausend Vernünftige wieder gut

machen können.

Tatsachen und Erfahrungen find affo nicht vorhan» I den, um den schlechten Ruf der Schwiegermütter zu I erklären. Ader es gibt nichts, was nicht feine Ur- I fache hätte. So ist es auch mtt ber Legende von der I bösen Schwiegermutter. Irgend eine Wahrheit wird I ihr schon zu Grunde liegen. Unb es ist schon so, bie I Mutter bes Mannes ist irgendwie eifersüchtig auf I ihre Schwiegertochter. Und es tritt ja auch sehr häufig I eine Entfremdung ein zwischen bem Jungen Ehemann I unb seiner Familie. Irgendwie wirb jeder verheiratete I Mann immer zur Familie seiner Frau hinüberwechseln. I Die Mutter ber jungen Frau hat manchmal Angst, daß es ihrem Kinde in ber Ehe schlecht gehen könnte. A,ts biefer Angst wird dann leicht Mißtrauen gegen ben Schwiegersohn. Und ber ift umgekehrt deswegen viel- leicht mißtrauisch und feindselig gegen bte Schwieger» mutter eingestellt, weil er in chr bte Person sieht, bie auf ganz natürliche- Weise in fern neues Heim unb sein neues Leben einzudringen vermag. Denn es gibt ja nichts Zarteres, nichts Empfinbllcheres als eine junge Ehe. Es bauert oft Jahre, bis sich die Gatten „ge­funden" haben, wie man so sagt. Und in dieser Zett des Sichfindens, des Stcherkämpfens, des Sichinein- anderetttlebens ift jede Einmischung eines Dritten ober auch nur besten Anwesenheit immer von Hebet

Es gibt auch noch eine andere psychologstche Uffache für den schlimmen Rus ber Schwiegermutter. Viele Männer werben von chren Frauen beherrscht Aber nur wenige geben das zu und find bann nur zu leicht geneigt in der Schwiegermutter die unschuidige Uffache für alle Schwierigkeiten ihrer Ehe zu vermuten. Hinter jedem Anderswollen, jedem Wortsieg der Frau steckt nach chrer Meinung die Schwiegermutter. Und wenn der arme Mann fich gegen zwei Frauen zu wehren hat dann fft es wirklich fein Wunder, wenn er manchmal ben Kürzeren zieht.

blauen Himmel, an bem weihe Wolken wie leichide- schwmgte Schifflein dahinzogen. Und ein süßer Duft von knospenden Frükflingsblumen erfüllte bie Lust, die leise und weich die Wangen der Kinder umschmeichelte. Die ObstbSume, die Doktor Asthufen im Garten gepflanzt, standen tn voller, herrlicher Blüte, und bie Bienen um» summten bte Blüten, Schmetterlinge flogen lautlos um» her, alles freute sich ber warmen Sonne und des Früh­lings, des wtebererwachenden Lebens. Es war so recht ein Tag, an dem sich die Herzen ber Menschen der Schönheit ber Welt und neuer Hoffnung öffneten: an bem alle Menschen jubelnd die Kraft und die Schön­heit der neuerwachien Erde begrüßen sollten, von der sie selbst Kraft unb Mut zum Geschenk erhalten würden, wenn sie ihre Herzen nur öffnen wollten wie die Kelche der Blumen und Blüten.

Aber in trotzigem Schweigen stand der Jüngling da. unb Jngrib, das Kind, erbebte in dem Sturm, der die junge Seele erschüttert hatte, daß ihr die Tränen über die Mafien Wangen perlten.

Plötzlich erklang in den mit dem ersten zarten Grün bedeckten Zweigen ber aßen Kastanien zu HSupten ber ratlosen Kinder leise und süß ein heimiches Zwiffchem und ein Singen. Ein Dogelpärchen baute sich fein Rest und erzählte fich süße, heimliche, zärtliche Dinge — träumte von Lust unb Leid, von Siebe und Treue unb vereinter Sorge um das Leben derer, die ihrer Liebe ihr Dasein verdanken sollten.

Und die Frühlingssonne schien Heller zu strahlen, ber Wind zärtlicher zu flüstern, bie Blumen süßer zu duften. Ingrid verstand noch nicht bie Stemme der Natur, die sich auch in ihrem Herzen hettnllch regen wollte. Sie wußte noch nicht, daß die Natur, das Leben, die Liebe sich stets wieder erneuern und daß aus den Trümmern und den Gräbern neues Leben erblüht.

reine Freude empfinde.

_

roten Granatblüte.

Fast schüchtern wiederholte sie ihre Frage: * .Was ist dir, fieber Eugen? Du siehst so finster aus."

„Weshalb kommst du noch einmal zu mir?" stteß er zornig hervor. „Was willst du von mir? Unsere Wege müssen auseinandergehen!"

„Aber Eugen?"--stammelte Ingrid erschrocken.

„Geh fort von mir!" schrie er bas bebende Kind an. „Du weißt ja nicht, wem du deine Freundschaft schenk­test! In jenem alten grauen Hause verbarg sich ein Jahr­hundert lang ein Geschlecht von Blutrichtern, Henkern und Henkersknechten vor der Wett und den Menschen die dieses blutbefudrite Geschlecht verabscheuten und ver­achteten. Und jene Mutigen Männer, bte Schwert, Gal­gen und Rad handhabten, fie waren meine Voffahren! Noch hängen die alten Richffchwerter an ber Wand in flenberg. _ diesem Hause! Noch werden in Truhen und in Schrän-

Und wenn Ismael Sffkhusen nicht ehtgegrifen hätte, I ten Werkzeuge aufbewahrt, mit denen meine Vor­st» würde bie Spur ber Gräber heute nicht mehr zu I r^h^n die armen Sünder marterten unb folterten unb finden fein, und man hätte mich feinen Vater, Keich I i$)nen Geständnis ihrer Tat abpreßten, einer Tat, der Mutter, eingescharrt wie em 32er. I bie ße vielleicht gar nicht begangen hatten. Und der

Diese Schrecknisie erfüllten die Serie bes sinnenden 1 Fluch dieses Hauses, dieses Geschlechtes verfolgte auch ■jüngGngs, und trotzige Tränen entquollen schmerzhaft I meine armen Eltern! Meine Mutter starb am Galg-n- frinen Augen. I berg, abends, verlassen, von den Menschen verachtet.

Er hörte Ute alten blutgetränkten, roftigen Richt- | mein Vater erfror auf ber Landstraße! Der Fluch wird sthwerier, die über dem Sofa hingen, auch über feinem I auch auf meinem Leben lasten, deshalb oerlafie mich, Haupte klirren. Er sah das Knochengeripp« in dem ehe es zu spät fft! Einsam muß ich meine Straße dankten Winkel, rote es nach ihm bte Arme ausstreckte. I ziehen!"

Schrecken, Vernichtung, Verwesung schienen zu trium» I Immer mehr wuchs das Entsetzen, das Grauen, das

phieren. Trotzig richtete er fich empor. Er wollte I das Kind Ingrid bei den trotzigen Worten ihres bis»

kämpfen mtt diesem grausamen Leben, er wollte siegen I fierigen Freundes erfaßte. Mit wettgeöffneten Augen über die unheimliche Macht, bie Über seinen Eltern ge» I starrte sie chn an, der chr wie ein Dämon ber Finster-

fchwebt unb die auch fein Leben zu bedrohen schien. Er I nis erschien. Marmorblässe Überzog die sonst so blühen­

wollte der Sonne keck in das goldene Gesicht lchauen und I ben Wangen, sie schauderte zusammen, als habe sie ein stn Hellen Tageslicht seinen Weg wandern, ohne zurück- I efiiger Luftstrom getroffen.

-- I Eugen hatte sich crbgewandt. Er legte bie Hand über Plötzlich fühlte er stch von hinten her von zwei wei- I die schmerzenden Augen. Es wäre ihm eine Wohltat *en Armen umschlungen. Eine zarte Wange schmiegte gewesen, wenn sich sein Schmerz, sein Leid, fern Trotz stch zutraulich an die (einige und eine süße Stimme, bie | in einem Strom von Tränen hätte Luft machen können, rote Vogelgezwiffcher klang, tönte an fein Ohr: „Nun, lieber Eugen, ich beobachte dich schon eine Weile, was fehlt dir? Warum bfickst du so finster drein? Sieh doch, rote schön bie Welt heute ist!"