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; ! Fuldaer Zeitung

Zur Unterhaltung.

\ Nr. 182 vom 6. flug. 1924.

Meine drei Munde.

Von Hans Glück st ein.

Wir laßen gar oft bei dem funkelnden Wein Und tranken und lachten und sangen, Wir träumten vom Frühling, vom sonnigen Schein Und lustig die Gläser erklangen.

Da fegte der Sturm durch das friedliche Land

Und hat mir die Freunde gestohlen:

Sie zogen zum Kampfe, zum rasenden Brand Nach Frankreich, nach Belgien, nach Polen.

Der eine ist trotzig auf feurigem Roß Nach Frankreich zum Siege geritten, Der andre hat tapfer mit reisigem Troß Gen England in Belgien gestritten.

Der dritte, der flog wie ein Adler geschwind, Den Ruhm sich in Rußland zu holen: Sie grüßten mich fröhlich durch Wetter und Wind Aus Frankreich, aus Belgien, aus Polen.

Dem einen, dem fiel aus der stählernen Faust Das Schwert, das so froh er geschwungen. Zum andern da kam eine Kugel gesaust Und hat ihm das Grablied gesungen.

Der Adler, dem kämpfend der Flügel zerschell!, Ruht still unter bunten Diolen.

Es irrt meine Seele gar weit in die Welt, Nach Frankreich, nach Belgien, nach Polen.

Nun sitze ich einsam und trauernd allein Als letzter der Runde am Rheine, Drei Gläser, fle blitzen im Abendrotschein, Ich füll' sie mit goldenem Weine!

Mein lebendes Herz nimmer freuen sich will, Im Äug' blitzt ein Tränlein verstohlen!

Ich leere die Gläser: Ihr Freunde ruht still In Frankreich, in Belgien, in Polen!

Stterfcampf in Madrid.

In Alban Stolz' köstlichem WerkSpa- nifches für d i e gebildete Welt", dessen Schwerpunkt in den kritischen Betrachtungen des geistvollen Verfassers über die menschliche Gesell­schaft und ihre Anschauungen liegt, findet sich auch bie plastische Schilderung eines Stierkampfes m Madrid. Der Verfasser schildert einen Kampf, dem er im Jahre 1850 beiwohnte. Die Stier­gefechte werden heute noch genau so abgehalten. Das ganze Jahr hindurch, wenige Wintermonate «chgerechnet, wird zu Madrid jeden Montag ein Stier­gefecht losgelassen. Im übrigen Lande kommt solches nur sporadisch und zeitweise vor. Zuerst will ich den Platz Herrichten. Derselbe ist ein großes römisches Amphitheater mit Schranken und centrifugal auffteigen- den Steinstufen, ober denselben einige Reihen hölzerner Logen für vornehmes Volk. Dieses unmäßig große Be­hältnis mag vielleicht gegen 20 000 Menschen ober noch mehr fassen unb war so besetzt, baß auf den Steintreppen nicht einmal mehr die halbe Seite eines Menschen be­quem hätte sitzen können. Um den Leser jedoch nicht lange aufzuhalten, wollen wir das Stück gleich angehen lassen.

Es reiten in schwarzer altspanischer Tracht die (Torre* gidores in die Schranken, begrüßen den Statthalter und das Publikum. Die schönen Pferde, auf denen sie rit­ten, schienen eine Ahnung von den Dingen zu haben, die da kommen sollten über die Tierkreatur; sie taten so wild, daß ihre Reiter Not hatten, sie zu besänftigen, und sehr eilig nach der Zeremonie vom Zirkus abritten, um nicht mit ihren Pferden in allzu großen Zwiespalt zu kommen, d. h. abgeworfen zu werden. Das Bolk verbarg seine Geringschätzung gegen die reitenden Büro- frtrten1) wenig, wie denn überhaupt das Volk an allen Orten und zu allen Zeiten einen nachhaltigen zähen Haß gegen Federwirtschaft und Polizei hat. 1

Die Kämpfer zogen auf den Platz; vor allem die Picadores. Dieses sind Reiter mit Lanzen bewaffnet, deren Cisenspitze aber kaum fingerslang ist, wobei dann der breite Schaft das tiefere Eindringen hindert, weshalb sie nie einen Stier töten können oder sollen. Diese Rei­ter waren in Leder gekleidet und, wie es mir schien, etwas gepolstert. Das Fußvolk bildeten die sogenannten Danderilleros, ganz prächtig gekleidete Burschen: kurze Hosen, seidene gestickte Jacken, aufgeputztes reiches Haar;

i) Die das Kampfspiel eröffnenden Corregidores sind nämlich nichts anderes als verkleidete Alguaciles, Po- lizeidiener. ___________________

Empor!

Roman von Otto Elster.

9] -----------

Es mag fein, daß du recht hast", seufzte Dore*.

Ich will dir jedoch zugeben", fuhr der Doktor fort, daß einige Aufmerksamkeit nicht schaden kann. Und ich werde den Jungen beobachten, das verspreche ich dir."

Ich banke dir, Ismael. Ich muß mich wohl damit zurieben geben, obwohl ich den Verkehr mit Ingrid gern eingeschränkt ober ganz aufgehoben sähe."

Das wird schon von selbst kommen, Oorette! Frau Kommerzienrat Sommerfeld wird schon dafür sorgen. Und zu Ostern wird für Eugen «in neuer Lebensabschnitt beginnen. Ich habe mir vorgenommen, ihn an das Grab ferner Evern zu führen; dott will ich mit ihm sprechen'

Das wolltest du?" rief Dorette in jähem Schrecken.

Ja, ich will ihm die ganze Tragödie dieses Lebens enthüllen. Und es wird von ferner sittlichen Kraft unb seiner Charakterstärke abhängen, ob er den rechten Weg aus dem Dunkel der Vergangenheit herausfindet, ober ob er sich von den Schatten dieser Vergangenheit sein Leben, seine Zukunft verdüstern lassen will. Unb nun sorge dich nicht weiter."

Er wandte sich seinem Schreibüsch wieder zu. SM verließ Dorette das Zimmer.

Als sie wieder an ihrem Erkerfenster saß, sah sie Sagen und Ingrid zusammen auf der Bank unter dem Kastanienbaum sitzen. Eugen las aus einem Buche vor, Ingrid hing mit großen Augen an feinen Lippen, wäh­rend em träumerisches Lächeln ihren lleblichen Mund umspielte und ihre zarten Wangen von einer heißen Röte übergossen waren.

Was mochte der Junge lesen? ®m Roman war es sicherlich nicht, denn solche Bücher kamen feflen ins Haus. Dorette spähte eifrig hinüber zu den beiden jun­gen Menschen und erkannte einen Band aus Schillers Werken, den Eugen wohl ihrem altmodischen Bücher­schrank entnommen hatte.

Dorette atmete erleichtert auf. Schiller konnte nicht jährlich werden. Sie nahm selbst noch zuweilen einen Boni» Schiller zur Hamb, um sich durch seine edle Sprache

sie haben keine Waffen, sonder vorerst nur ein farbiges Tuch, um den Stier zu reizen unb abzulenken.

Drei Trompetenstöße schmettern, unb ein Stier stürzt aus einer geöffneten Türe auf ben Schauplatz. Der­selbe ist ein Sohn ber Wildnis unb niemals in einem Stall gewesen; junNerften Male eingesperrt unb nun losgelassen, ist er voll Zorn und Kampfeswut. Ein Banb, durch einen Stift im Nacken befestigt, zeigt nach feinen Farben bie Rasse des Stieres an. Der Anblick fft wirklich prächtig. In der Freiheit ausgewachsen, ist er sein Leben lang gewohnt gewesen, daß ihm alles aus­weicht und niemand Widerstand leistet; darum stürzt er stolz wie ein beleidigter König herein unb sieht sich in wildem Kraftgefühl um, an wem er feinen Zorn aus- lassen und abladen wolle. Gewöhnlich bleibt der Stier erstaunt in diesem Umschauen eine Weile stehen; dann galoppiert er plötzlich auf die Reiter los mit heftiger Rache- und Kampfgier und sichtlich ohne die geringste Ahnung, daß ein Widerstand möglich sei. Der Reiter sucht ihn mit einer Lanze abzuwehren unb läßt ihn bar« auf änrennen, wie ber Jäger bas Wildschwein auf den Hirschfänger. Gemeiniglich ist aber der Stier wild genug, um durchzubrechen, unb stürzt Reiter unb Pferd mit seinem Hörnerstoß zu Boden. Nun sucht er erst durch Grundstöße beide vollends zu vertilgen. Sofort aber springen die Banderilleros herbei und suchen den Stier durch ihre farbigen Tücher zu reizen und auf sich abzulenken. In der Regel gelingt dieses und der Stier jagt ihnen nach. Allein diese haben eine wunderbare Schnellfüßigkeit und springen wie Heuschrecken über die Schranken, den Stier oft so hart hinter dem Rücken, daß man meinen könnte, der Läufer habe feinen Fuß auf ben Kopf des Stieres wie auf einen Schemel gestellt, um sich aufzuschwingen. Zuweilen stellt sich ber Stier aufrecht wie ein Bär an ben Schranken und will in seinem Zorn selbst hinüber, was nicht allemal mißlingt. Hier, unb auch wenn man ben früher erwähnten Zagal betrachtet, begreift man erst, wie Homer bie Schnell­füßigkeit als eine befonbere Mannestugend preisen unb sie regelmäßig seinem Liebling, bem Achilles, beilegen mag. Cs ist die höchste leibliche Kräftigkeit, Gewandt­heit unb frisches Leben darin sichtbar. So ein deutscher Turngymnasiast kommt einem gegen einen schnellfüßigen Spanier vor, wie ein versessener kränklicher Schuster­junge oder wie ber Sohn eines Gelehrten.

Unferbefjen kommen die rotroamfigen Knappen, ziehen den gestürzten Reiter unter bem Pferd hervor, be­sichtigen bas Roß, ob es noch haltbar sei unb aufgestellt werden könne. Wie wenig sentimental aber hierbei ver­fahren wird, mag sich ber Leser baraus abnehmen,' daß bas Pferb wieder aufgerichtet unb im Trab einem neuen Kampf entgegengetummelt wirb, während ihm das Eingeweide einen halben Schuh breit und länger als eine Elle zum Leib herunter hängt, vom Blut gar nicht zu reden. Wenn man es nicht gewöhnt ist, kommt einem der Anblick fast unerträglich vor, und manche Le­serin weiblichen unb männlichen Geschlechts wirb nicht unterlassen, ein tugendhaftes Mitgefühl mit bem Pferb zu empfinben und sich zu entrüsten über solche Menschen. Ich will gestehen, baß auch mir bei dieser greuelhaften Szene, welche öfters oorkam, das Gewissen unruhig wurde, als tue ich unrecht, durch Zusehen teil­zunehmen an solcher Tierquälerei; ich entschuldigte mich nur damit, baß ich nicht aus Wohlgefallen, sondern aus Wißbegierbe diesem Spektakel anwohnte.

Da es bem Stier nicht gelungen ist, einen der Ban- derilleros zu spießen, so läßt er sich wieder mit den Reitern ein, unb die vorige Affäre wird mit wenig Un­terschied mehrmals wiederholt. Nur will oft ein Pferd nach den traurigen Erfahrungen, bie es gemacht hat. bem Stier nicht mehr standhalten, sondern sich abkehren, wenn derselbe anrennt. Ost streiten in bem alten steifen Gestell Sebensmübigteit und Angst vor bem wilden Horn miteinander. Ist bas Pferd tot ober am Verenden unb unmöglich geworden (was jedoch nie zur Geltung kommt, solange es noch stehen kann), so wirb bem Reiter ein neues herbeigeführt. Ich sah, wie ein einziger Stier vier Pferde tot machte.

Durch Blutverlust, durch ben Kampf und durch un- erfreulidje Begegnifse zerstäuben allmählich Zorn und Kühnhett des Stieres; er wird nachdenklich und zeigt keine rechte Lust mehr, mit den Reitern sich einzulaffen; dafür übt er oft seinen Unmut an einem sterbenden Pferd aus, indem er an demselben herumstößt und bar- auftritt. ,

Da ber Stier nicht angegriffen, fonbern nur zum An­griff gereizt werben bars, so hanbelt es sich nun barum, ihn bei seiner etwas gedrückten Stimmung auf eine zweckmäßige Art zu neuem Kampfe aufgumuntern. Die­ses geschieht dadurch, baß bie Banderilleros herbei- fpringen und im Flug Pfeile mit farbigen Papierfähn­chen dem Stier in den Rücken stechen. Dieser schüttelt, wodurch sie noch weiter sich einhaken und er in neue

aus der grauten Alltäglichkeit in das sonnte Land ber Phantasie führen zu taffen. Sie stützte bie Stirn in bie Hand und versank in Nachdenken. Unb da erwachte die Zeit ihrer freudlosen Jugend wieder, in die ein kurzes Erlebnis einen flüchtigen Sonnenstrahl geworfen, als Ismael einmal einen Freund mitgebracht, einen sanften, jungen Menschen mit lachenden, blauen Augen. Sie war damals noch eint halbes Kind, der blondlockigeMensch wurde ihr Ideal. Als er sie einmal unter demselben Baum, unter bem jetzt Eugen unb Ingrid saßen, geküßt hatte, da glaubte sie alle Liebe in ihrem armen, ein­samem Herzen aufblühen zu fühlen. Damals hatte sie auch Schiller gelesen und die Work hatten ihr Tränen erpreßt:

O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen Der ersten Liebe golbne Zeit. Das Auge sieht den Himmel offen Es schwelgt das Herz in Seligkeit

O, daß sie ewig grünen bliebe

Die schöne Zeit ber jungen Liebe.---

Nur kurze Zeit währte dieses Glück. Dorette sah ben jungen Menschen niemals wieder, nur von ihrem Bruder horte sie, daß er verdorben, gestorben sei.

Ms Eugen zum Abendessen hereinkam, fragte ihm Dorette:Was hast du denn mit Ingrid gelesen?"

Schillers Gedichte, Tante Dorette."

Und welches Gedicht?"

Die Glocke", antroortete Eugen, während feine Wan, gen sich Keser färbten.

Und ein herzliches Erbarmen mit den jungen Herzen erfüllte die Seele des alten Mädchens.

VII.' ,

Oster-Sonntag! Am lichtblauen Himmel trieben ein­zelne leichk, weiße Wolken langsam dahin wie kleine Segelschiffe, deren schimmernde Segel von einem sanften Winde geschwellt werden. Ein fräftiger Hauch von frisch aufgeworfener Ackererde geht durch die Welt und ver­mischt sich mit dem Dust von tausend unb abertausend Knospen unb Blüten, bie überall, an Baum und Strauch hervorquellen. Fröhliches Vogelgezwitscher ertönt von allen Zweigen; Bienen, Fliegen, Käfer und alles Getier, da- langem Winterschlaf erwacht ist, tummelt sich Im

ärgere Wut gerät; er brüllt, stampft unb scharrt ben »oben auf unb ber Tumult geht aufs neue an. Was ein solches Tier Wildheit und Kraft habe, mag ber Leser baraus abnehmen, daß man einige Wochen vorher einen Stier mit einem Tiger kämpfen ließ unb ber Stier ben Tiger tötete; unb baß zuweilen ber Stier Pferb unb Reiter miteinanber auf bie Hörner nimmt und einige Schritte fortträgt.

Endlich tritt ber Matador auf, in einer Hand bas Schwert, in ber andern ein rotes flatterndes Tuch, um ben Stier zu reizen. Seine Aufgabe ist, in dem Augen­blick, da ber Stier gegen ihn ausholt, um ihn mit ben Hörnern zu fasten, bemfelben bas Schwert durch ben Nacken in bas Rückgrat zu stechen, worauf ber Stier augenblicklich tot zu Boden stürzt. Daß hierzu Mut, Geschick, Hebung unb Kraft gehöre, mag man sich benten. Doch scheint mir bas Geschäft bes Matabors nicht so ge­fährlich, als Reisebegleiter gewöhnlich vorgeben. Der Stier ist schon mübe unb etwas mutlos, deshalb auch langsamer unb unentschlossener; ber Matador ist schnell­füßig, läßt ben Stier auf bas vorgehaltene Tuch ein­rennen unb springt zur Seite, wenn er ihm nicht stil­gerecht ist. Die Reiter müssen bei weitem mehr Fähr- tichkeiten burchmachen, ohne viel Lob, weil sie nicht töten dürfen.

Ist ber Stier tot, alsbann rauscht Musik los; das Volk jubelt bem Matabor Beifall, ein Gespann von vier Maultieren rennt herein; der Stier wirb an ben Hor­nern angeheftet unb im wildesten Galopp hinausgeschleift, desgleichen nacheinander bie toten Pferbe; eines sah ich hinausschleifen, bas nach nicht tot war u. fort u. fort aus« schlug. Dann werden die Blutstellen mit Sand bestreut, ein Wasserfaß umhergeführt unb ber Kampfplatz genäßt. Alsbald fchmettern bie brei Trompetenstöße, ein frischer Stier stürzt hervor unb bas Spiel beginnt aufs neue.

Da ich btefer Tragödie zusah, traten etwa 8 Stiere auf und wurden gegen 14 Pferde getötet, also 22 Leben ausgelöscht. Es war schon Dämmerung, als ber letzte Stier ben Tobesstoh bekam. In ber Stabt ist fobann ein Fragen, Erzählen, Urteilen über bie Vorkommnisse im Stierkampf, unb an den Bilderläden sieht man Bogen aushängen, auf welchen die verschiedenen Kämpfe ab­gebildet sind.

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Rus aller wett.

Lebende Naturdenkmäler. Die Heimatschutz­bewegung hat sich mit großer Sorgfalt und Umsicht auch jener Tierwelt angenommen, bie mehr unb mehr in unserem deutschen Vaterlande aus mancherlei Grün­den auszusterben droht. Zumeist hanbelt es sich um Tiere, welche an sich großen Schaden anrichten, nament­lich vom Standpunkt ber Forst- unb Iagdwirtschast aus. Man tat in ber Vernichtung solcher Tiere aber eben bes Guten zuviel, so baß einzelne Tiere kaum mehr anzutreffen sinb, z. B. ber Bibe r. Seine interessante Lebensweise kennt heutzutage kaum noch ein Jäger. Viel ist befonbers unter ber Vogelwelt von übereifrigen Nimrobs aufgeräumt worben. Wer hat je einen schwar­zen Storch, einen Reiher, Eisvogel, eine Wafferamsel u .s. w. gesehen! Alle biefe Vögel will man durch Schutzgesetze wenigstens zu erhalten suchen; auch die großen Raubvögel, wie Wanderfalken, Steinadler usw. solleen geschützt werden aus Gründen der Naturästhetik. Geht die Schießerei so weiter wie bisher, bann werben künftige Generationen sich nicht genug wundern kön­nen, baß ihre Väter so planlos bas romantische Leben in ber Natur zerstörten. Die Briestaubenvereine zahl­ten früher jährlich 4000 Mark Prämie für bie Erlegung von ®anberfalten, Hühnerhabichten, Sperbern usw., die alle ben Brieftauben nachjagen. Der Schaben mag ja nicht gering fein, ober dennoch gehören auch biefe Vögel zum Naturbild gewiffer Gegenden unserer Heimat, und man darf nicht immer ben materiellen Verlust in Be- rechnnung ziehen, wenn auf ber anderen Seite ein ästhetischer Nutzen vorhanden fft. Auch bie vielen zer­fallenen Bauwerke unb Burgruinen sind materiell wert­los, niemandem aber wird es einfallen, sie aus diesem Grunde ganz zu zerstören. Trage jeder dazu bei, daß auch unsere lebenden Naturdenkmäler erhalten bleiben!

Blktzgefährliche Bäume. Alle Jahre hört man, daß da und dort durch Blitzschläge Menschen getötet wurden, bie sich unter einem Baume befanben. Immer mieber muß deshalb gewarnt werden, wahllos unter feinem Blätterdach Schutz zu suchen. Am gefährlichsten sind natürlich die höchsten Bäume eines Waldes ober solche, bie mit ihrer Höhe anbere überragen. Man stelle sich also nur unter niedrige Bäume im Walde, auch wenn sie wenig Laub besitzen. Sodann stelle man sich stets getrennt auf, nie mit anderen zusammen unter einen Baum, und schließlich denke man an das alte Spriich- warmen Sonnenschein, während die Lerche" jubelnd em­porsteigt zum blauen Himmel.

Zum fernen Walde zieht langsam, trägen Fluges eine Schar schwarzer Krähen, dem bösen, unheimlichen Winterdämon gleich, der sich vor der Sonne, vor dem Licht, dem Rausch des Frühlings im Dunkel bes Waldes bergen will. Frühling! Unb auch in den Menschen­herzen ist der Frühling erwacht!

An dem gemeinsamen Grabe von Ernst unb Anna Griegenkerl, den unglücklichen Opfern einer grausamen Welt, stehen Ismael Asthusen und sein Adoptivsohn Eugen, beide tn feiertägliches Schwarz gekleidet, denn sie kommen von dem Gottesdienst.

Und wahrsich, wenn man den ernsten Jüngling be- trachtet, bann tarnt man nicht zweifeln, daß er sich bin­nen turjem zu einem tröftigen, zielbewußten Manne entwickeln wird. Seine tiefblauen Augen ruhen nach- denkstch auf den blumengeschmückten Gräbern, bie er heute zum erstenmal als bie feiner Eltern erkennen soll. Sein schönes Gesicht, das reine, klassische Züge aufweist, fft von tiefer Bläffe bedeckt, ein Zeichen ber Erregung, bie fein Inneres durchschauert. Es scheint, als wollten sich seine Augen mit Tränen füllen, aber seine Haltung bleibt straff unb aufrecht, und auf einer hohen Stirn macht sich ein fester Entschluß zettend.

So hört er ben ernsten Worten feines Adoptivvaters zu, bie ihm das unglücklich! Schicksal seiner Eltern ent­hüllen.

Ich habe", so spricht Ismael,deine Kindheit nicht durch die Schatten der Vergangenheit verdüstern wollen. Jetzt aber stehst du als Jüngling an ber Grenze ber Männlichkeit und hast em Recht, die Wahrheit zu er­fahren. Es hat fange Zett und viel Mühe gekostet, bis ich Licht in bas Dunkel bringen konnte, bas bas Leben beiner unglücklichen Eltern bedeckte. Ohne die Hllfe meines Freundes, bes Pfarrers Bestehorn, wäre es mir kaum gelungen, denn ich hatte wenig Zett, mich mit ben Nachforschungen zu befassen. Aber jetzt liegt bas Leben deiner Eltern und Vorfahren lückenlos vor uns. Deine Mutter war eine Asthufen, ein Nachkomme jenes Afthufen, ber nach Amerika auswanderte, unb der sich dann später in dem Harzstödtchen Elbingrode als Gast­wirt mederließ. Seine Enkel wurden wohlhabende Bauersleute und ihre Herkunft aus dem Dunkel ber Fronfeste ward veraellen. Sie warent eckstem^Daueru.

fein: Dor den Eichen sollst du weichen, vor den Fichten sollst du flüchten, doch die Buchen sollst du suchen. Sta- tistische Aufzeichnungen in Lippe-Detmold haben er­geben, daß in einer gewissen Zeit ber Blitz einschlug: 36mat in Eichen, 24mal in Tannen unb Fichten, nie- mals in Buchen, obwohl ber ganze Wald zu brei Vier­teln aus Buchen bestand. Die Sicherheit ber Buchen gegen Blitzgefahr beruht darauf, baß bie Blattwänbe, bie Stile üsw. reich mit Härchen bewachsen sinb. bie wie bie Blitzableiter in ihrer Umgebung einen Ausgleich ber Luft- unb Crbelektrizität herbeiführen.

heileres.

was ist ein Klubsessel? Auf diese Frage gift dis Germania" folgende treffliche Antwort: Populär ge­worden fft der Klubseffel eigentlich erst durch bie Kriegsgesellschaften. Erinnert ihr euch noch? Es gab einmal Kriegsgesellschaften! Unb jebe hatte fo- undsoviele Direktoren. Unb jeder Direktor hatte sounb- soviele Klubsessel Unb weil man darin weicher und ge. müilicher saß als im Unterstand, wünschten alle, bie G. 33. waren (ihr wißt boch: Gute Serbinbungen!), sich auch eh: Klubsesselbasein. Und so mußten immer neue Kriegs- gesellschaften gegründet werden, was zu ihrer Beliebt- hett beim Publikum ungemein beitrug! Ein Zimmer mit einem Klubseffel sieht immer aus wie ein Chef- zimmer. Auch wenn es keins ist. Ein Klubsessel ersetzt bas SchildPrivat" an ber Zimmertüre. Er erfüllte (fo- roeit er nicht in einer Mokkadiele ober Hotelhalle steht) jeden Raum rntt direktorialer Würde. Man kann sich schwer jemanden im Klubsessel sitzend und arbeitenb vor. stellen. Aber wohl jemanden in die Weichheit seiner schwellenden Rundung geschmiegt, der vor sich hindöst ober eine Importe raucht ober neben sich eine Flasche Burgunder stehen hat. Der Klubseffel fft die Sitzgelegen, hett für bie genießerische Hingabe an die Stunde. Das Sitzen in ihm ist kein gewöhnliches Sitzen Es ist ein Hingegoffensem in bie nachgiebige Fülle bes- anschmieg­samen Leders ober Gobelins. Der Klubseffel ist ber idealste Platz für alle rezeptiven Betätigungen, als da sind: Rauchen, Lesen, Trinken, Zuhören. In ihn ver» funken, mag man auch bann unb wann einmal einen guten Einfall haben. Aber produktive Leistungen wer. ben in ihm höchst selten gelingen; selbst lyrische Gedichte kaum! . . . Uebrigens haben diese massigen tebemen Dinger für mich immer so etwas, als seien sie erstarrte vorsiittslutliche Tiere. Mess Scheu gegen bie Mammut- Hastigkeit dieses zeitgemäßen Möbels werbe ich wohl kaum anbers verwinden können, als haß ich mir selber einen Klubseffel anschaffe l

Katheber-Stilblüken.Nach der Schlacht Sei Leipzig sah man Pferbe, benen brei, vier unb noch mehr Beine abgeschoflen waren, herrenlos Herumlaufen."

Astyages hatte eine Tochter Mandane, bie nach der ersten Deklination ging."

Halte deinen Mund, wenn du mit mir sprichst."

Ach, wollen Sie doch lieber auf meine Worte tmS nicht auf andere Dummheiten achten."

Wir haben es hier mit einer Heldin, und zwar ht diesem Falle mit einer weiblichen Heldin zu tun."

Mehr kann man nicht tun, als Ihnen bie Abschrift aufs Butterbrot schmieren."

Mißverstanden. Fremder szttr MmeittderaTSgafffn): Bei welcher Wirtschaftsgruppe fft Ihr Herr Gemahl?" Frau Gemeinderat:Das kann ich nicht bestimmt sagen! Bald ist er imEinhorn", bald im .Leseverein" bald imOchsen", je nachdem!,'

Die umgekehrte Welk. Der krcES Mann Ist eben von einer langen Ohnmacht wieder aufgewacht.Wo bin ich," murmelt er fieberheiß, als er eine siebevolle Hand auf ber Stirn spürt.Wo bin ich, ist das der Himmel?"Nein, mein Lieber", antwortete fein# Frau,ich bin immer noch bei Dir.

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stolz erfüllt, unb als deine arme Mutter, Anna Ast. Hufen, sich mtt dem mittellosen, fahrenden Musikanten Emst Griegenkerl in Liebe zusammensanb, da zürnten fle ihr und verstießen sie von Haus unb Hof, auf bem jetzt noch ein Bruder deiner Mutter als wohlhabender Bauer fitzt. Aber er hat bie Schande, die seine Schwester ihm angetan, in seinem dummen Stolz noch nickst ver- gessen und hat es abgelehnt, dich als seinen Neffen an« zuerkeimen. So bist du mein Sohn geworden Du bist aus dem Blute der Asthusen entfproffen, dessen Wurzeln ja auch bis in das Dunkel der alten Fronf-ste zurückreichen."

Eugen ergriff die Hand seines Pflegevaters. «Ich danke dir, mein Vater", sprach er und in feiner Stimme zitterte die innere Erregung nach.Ich habe eine glück­liche Kindheit in ber alten Fronfeste verlebt Kannst du mir über das Schicksal meines Vaters nähere Mitte» langen machen?"

Ismaels Stirn umbüfterte sich. Um seine Lippe» grab sich ein herber, strenger Zug.Du sollst bte Wahr- hett hören", entgegnete er, und feine Stimme nahm einen harten, strengen Klang an.Dein Vater war nicht ber Mann, ber bie große, treue Liebe deiner Mutter zu würdigen wußte. Nur einige wenige, glückliche Jahre verlebte sie an seiner Seite. Anfangs ging es ja, solange dein Vater noch arbeiten mochte. Aber dann ergab er sich mehr und mehr dem Trunk, und er begann ein zielloses Wanderleben, das ihn immer tiefer ins Elend führte. Zuletzt spielte er in den elendesten Spelunken unb ergötzte, selbst betrunken, bte Betrunkenen durch seine Späße. Unb deine Mutter folgte ihm, foJange ihre Kräfte reichten. Samt endlich wollte sie sich aus all bem Elend aufraffen. Sie wußte, daß hier Stamm­verwandte von chr lebten, sie machte sich, obwohl bereits schwer krank, auf den Weg, um wenigstens ihr Kind zu retten. Kurz vor bem Ziel versagte ihre Kraft, sie mochte fühlen, daß es zu Enbe ging, vielleicht konnte sie dich nicht mehr weiterschleppen unb legte dich im Straßen- graben nieder, wo ich dich dann fand. Sie selbst kam noch bis zum Galgenberg, wo sie sich zum Sterben ni->= bcrlegte. Dich nahm ich mit mir, ohne zu ahnen, daß ich einen Nachkommen der Asthusen ins alte Nest zu- rückb rächte."

(Fortsetzung folgt.)