uldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 18).
Verantwortlich iür die Schriitlsituna: Dr. Johannes Kramer. Anreisen: 3- B arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas de, s Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Jernlvreeber Nr- S. ;
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Dienstag, 5. Kugust 1924.
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51. Zahrg.
Unterwegs nach Landen.
Die deutsche Delegation und die Londoner Konferenz.
Am Montag morgen kurz nach 9 Uhr trat die deutsche Delegation die Reife nach London zur Teilnahme an der Reparationskonferenz an und zwar als bevollmächtigte Delegierte Reichskanzler Dr. M a r x, die Reichsminister Dr. ©trefemann und Dr. Luther.
Die (Einladung nach London, die am Samstag abend in Berlin überreicht worden ist und von Macdonald ausgeht, hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut:
.Als Präsident der jetzt in London versammelten interalliierten Konferenz habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz zu ersuchen, der deutschen Regierung die Einladung zu übermitteln, Vertreter zu ernennen, um mit der Konferenz die besten Methoden für die Inkraftsetzung des DawesberichtS vom 9. April zu erörtern, den die alliierten Regierungen ihrerseits als Ganzes angenommen haben und der von der deutschen Regierung in ihrem Schreiben vom Iß. April an die Reparationskommission angenommen wurde. Ich wäre dankbar, wenn Ew. Exzellenz mir sobald als möglich die Namen der deutschen Vertreter und den Zeitpunkt ihrer Ankunfc mitteilen würden, die, wie ich hoffe, nicht später als Montag, den 4. August erfolgen wird".
Die erste Konferenz.
wtb London, 4. Ang. (Tel.) Seufer meldet: Die verlaufet, wird die erste Konferenz mit den deutsckMn Delegierten sehr wahrscheinlich erst am Dienstag stattfinden.
Die Schwierigkeiten
die der deutschen Delegation in London bevorstehen, sind nicht gering.
Da ist zunächst einmal die Lösung der S a n k t i o n s f r a g e, wie sie nunmehr vom ersten AuLschusse einstimmig angenommen worden ist. Praktisch kommt nach dieser Einigung ein isoliertes Vorgehen Frankreichs nicht mehr in Frage, unmöglich ist es aber dadurch nicht geworden. Bekanntlich werden die vollen Rechte jedes Landes aus dem Versailler Vertrag vorbehalten und diese Rechte legt sich Frankreich, das hat die Besetzung der drei Ruhrstädte und später die Besetzung des Ruhrgebietes gezeigt, — so aus, daß es letzten Endes zu einem isolierten Vorgehen berechtigt wäre. Zwar sind ja durch den Beschluß des ersten Ausschusses der Londoner Konferenz eine Reihe Sicherungen geschaffen, die wie gesagt, eine solck^ Sanktion so gut wie unmöglich machen.
Zunächst müssen drei verschiedene Autoritäten Deutschland in Verzug erklärt haben u. auch dann noch muh Frankreich seinen Verpflichtungen gemäß zunächst einmal mit den alliierten Mächten beraten, eine gemeinsame Aktion vorzunehmen, bevor es allein vorgehen kann. Schon daß die Bankiers diesen Vorschlag angenommen haben, zeigt, daß sie praktisch die Sicherungen gegen Sanktionen und damit gleichzeitig die Sicherung ihrer Anleihen für gegebener erachten.
Trotzdem dürften von feiten Deutschlands auch hier noch einige Beanstandungen erfolgen, zumal ja die Rechtsfrage als solche in keiner Weise geklärt ist. Ist man doch an dem Urteil der Kronjuristen in der Sanktionsfrage, daß die in Betracht kommenden §§ 17 und 18 der Anlage 30, 2 des Teiles 8 des Friedensvertrages kein Recht zu <Ä)nderaktionen geben, achtlos vorübergegangen.
Roch schwieriger aber wird die Stellung der deusichen Delegation dadurch, daß die Alliierten beschlossen haben, die Räumungsfrage den Verhandlungen zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland zu überlassen. Dadurch wird unter Umständen die ganze Verantwortung auf Deutschland geschoben.
Die deutsche Regierrung steht bekanntlich auf dem Standpunkt, daß die Räumung des Ruhrgebietes eine logische Folgerung aus dem Sachverständigengutachten ist. Zudem spricht noch ferner der Umstand stark mit, daß die Besetzung laut wiederholter amtlicher Erklärung Poincares lediglich zum Schutze der Ingenieur-Kommission erfolgt ist. Mit ter wirtschaftlichen Räumung, die laut Sachverständigengutachten und Beschluß der Alliierten sobald wie möglich erfolgt, verschwindet aber diese Kommission und damit ist also auch die sogenannte Schutztruppe überflüffig geworden.
Erst recht untragbar ist es aber für Deutschland, daß Frankreich die völlige Zurückziehung dieser Besatzungstruppe sozusagen bis zur börsenmäßigen Verwertung der Eisenbahn- und Industrieobligationen hinauszögern will. Man hat französischerseits nach langen hin und her als Endtermin sich zu dem 1. 21 uguft 19 2 6 verstanden. Aber ein so später Zeitpunkt ist für Deutschland untragbar. Deutschland nimmt in erster Linie die Opfer des Sachverständigengutachtens auf sich, um seinen bedrängten Brüdern an Rhein und Ruhr zu Hilfe zu kommen und sie von dem furchtbaren Druck der fremden Besatzung zu befreien.
Eine zweite Frage spielt hier noch mit herein. Nach dem Versailler Vertrag muß die Kölner Zone spätestens zum 10. Januar 1925 geräumt werden. Run sucht Frankreich England zu einem Uebereinkommen zu bestimmen, wonach England seine Truppen am Rhein behält, bis auch die französische Besatzung vollständig zurückgezogen ist. Ein solches widsrrechtliches Vergehen gegen die Versailler Bedingungen ist aber ebenfalls für Deutschland nicht annehmbar. Auch die Tranfer-
Frage bietet, wenn sich der 3. Ausschuß den französischen Vorschlägen nähert, Gegenstand ernster Beanstandung seitens Deutschlands.
M SNMIM Des Men Seils.
wtb Paris, 4. August. (Tel.) Havas beriefet aus London: Die sechs Delegakionsführer treten heute norm. 10 Uhr in der Downing Street zusammen. Macdonald werde seine Kollegen ersuchen, das Verfahren festzusetzen, das während des zweiten Teils der Konferenz bei Anwesenheit der Deutschen befolgt werden soll. Er hätte die Absicht, vorzuschlagen, daß namentlich die R e- paratlonskommisfion sofort mit den Deutschen die Debatte über die in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Fragen ausnehme unter dem Vorbehalte, daß zwischen England, Frankreich und Deutschland eine Verständigung über die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets erzielt werde.
Der gleichen Quelle zufolge wird trotz des heutigen Feiertags mit der Möglichkeit gerechnet, daß am Rachmittag vor Eintreffen der Deutschen eine Sitzung stattfindet. Man rechne mit der Rotweudigkeü, vorher ein Einverständnis der Miierten in der Frage der von Frankreich und Belgien zu treffende« Anfsichtsmaßnah- men auf den rheinischen Eisenbahnen herzustellen.
Keine geheimen Abmachungen.
wtb Paris, 4. Ang. (Tel.) havas dementiert in einer Londoner Meldung die Rewyorker Depesche, wonach eine geheime Abmachung zwi- herriot und Macdonald zustande gekommen sei, auf Grund deren der englische Premierminister die Absicht hätte, dem Parlament die Streichung der französischen Schuld vorzuschlagen, während herriot sich verpflichtet haben soll, keine Sonderaktion mehr vorzunehmea und die Räumung des Ruhrgebiets zu beschleunigen.
Der Arbeitsplan.
wtb London, 4. Aug. (lei) Der Sonderberichterstatter des „Daily Telegraph" bezeichnet folgende Punkte, die noch von der Londoner Konferenz zu regeln sind:
1) Eine Autorität, die den Dawesbericht auslegen soll.
2) Die Ausarbeitung eines profo- kolls durch das juristische Komitee, über das die Kommission mit den Deutschen verhandeln soll. Ein Memorandum in dieser Frage sei am Samstag beendet worden.
Z) Die Frage der Eisenbahn im rheinischen Gebiet. Der Rat der Sieben, der heute bereits zusammengetreten fei, werde diese Frage, die ihm zur endgültigen Entscheidung übergeben wurde, zusammen mit der militärischen Räumung des Ruhrgebietes und der britischen Besetzung der Kölner Zone erörtern. Desgleichen werde er sich anher mit dem Problem der Amnestie für das besetzte Gebiet mit dem Verfahren befassen, das von der Konferenz und dem Obersten Rat gegenüber den deutschen Delegierten befolgt werden soll.
Die Reparationskommssion, die deutsche Delegation und die Bankiers sollten gemeinsam über die Bedingungen der vorgeschlagenen Anleihe beraten.
Die französischen Parlamentarier.
wtb Paris, 4. Aug. (Tel.) Rach einer Meldung aus London sollen der Vorsitzende der Finanz kommission der Kammer A n r i o l und der elsäsi- sche sozialistische Abgeordnete G r n m b a ch gestern abend in London eingetroffen sein.
Herriots Erklärung.
Ministerpräsident Herriot erklärte dem Londoner Korrespondenten des „Petit Parisien" in einem Interview, die Verständigung auf der Konferenz sei Macdonald zu verdanken. Die Zukunft werde beweisen, daß die gefaßten Beschlüsse nicht allen Interessen Großbritaniens entsprechen, sondern geeignet seien, die Sache des Friedens überhaupt mächtig zu fördern. Jetzt müsse Deutschland seine Aufgabe begreifen. Frankreich habe keinen Kuhhandel getrieben, sondern es habe aus eigenem Antriebe eine der Gerechtigkeit entsprechende Auffassung entwickelt, gegründet auf jenen B e - griff des schiedsgerichtlichen Verfahrens, der den Londoner Beschlüssen zu Grunde liege und der künftig berufen zu sein scheine, alle diplomatischen Abmachungen zu beherrschen. Er möchte glauben, daß der moralische Gewinn, der ' sich für Frankreich und die ganze Welt aus diesem ; Entschluß ergeben werde, die materiellen Vorteile i noch überbieten werde, die die Londoner Konfe- I renz ihnen verschaffe. <
Hughes in Berlin.
Das Mitglied der amerikanischen Regierung, Staatssekretär Hughes, ist auf seiner Reise nach Europa, die ihn nach London und Paris geführt hat, nunmehr in Berlin angekommen. Staatsekretär Hughes stattete in Begleitung des Bot- chafters Houghon dem Reichspräsideuten einen Besuch ab. Zu Ehren des Staatssekretärs fand beim Reichspräsidenten ein Frühstück statt, woran auch der amerikanische Botschafter, der Reichskanzler, die Reichsminister und führende Persönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens teilnahmen.
Staatssekretär Hughes hatte bei dieser Gelegenheit sehr eingehende Unterhaltungen mit dem Reichskanzler Dr. Marx und Dr Stresemann. Am Sonntag abend fand in der amerikanischen Botschaft ein Empfang statt, zu dem zahlreiche hervorragende Mitglieder der deutschen politischen und wirtschaftlichen Welt eingeladen waren. Hughes bleibt Montag noch in Berlin und wird auch Potsdam besuchen. Am Abend fährt er nach Bremen, von wo er direkt nach Amerika zurückfährt.
Für Montag vormittag ist ein Empfang der Vertreter der Presse durch Staatssekretär Hughes in der amerikanischen Botschaft angesagt worden.
* Der Endtermin der Konferenz. Rach dem «Petit Parisien" wurde in den Wandelgängen der französischen Kammer angenommen, daß die Londoner Konferenz am Donnerstag oder Freitag dieser Woche zu Ende gehen werde und daß unter diesen Umständen die Kammer und der Senat auf den 11. oder 12. August einberufen werden könnten.
Die Lage in Bulgarien.
Die bulgarische Innenpolitik wird beherrscht durch die Erregung über die Ermordung des Abgeordneten Patkoff, die das Kabinett Zankow in eine schwierige Lage gebracht hat. Patkoff war einer der Führer der Agrarpartei und erfreute sich der besonderen Gunst Stambuliiskis, unter dem er Generalsekretär im Außenministerium war. Der Geheimpolizist Karkalaschaff ist zwar alsbald als Täter verhaftet und der Polizeichef abgesetzt worden; auch hat die Regierung versprochen, alles aufzubieten, um den Mord aufzuklären. Trotzdem ist sie den heftigsten Angriffen der Opposition ausgesetzt, die behauptet, daß bei der Polizei eine Art Tscheka-Abteilung bestehe, die beauftragt sei, die Gegner des gegenwärtigen Regimes zu beseitigen. Agrarier und Kommunisten beuten den Zwischenfall nach Möglichkeit aus, um das angeblich ganz von den Militärs beherrschte Kabinett Zankow zu stürzen. In der stürmischen Jnterpellationsdebatte der Sobranje gab der kommunistische Abgeordnete Strachimiroff offen die Einheitsfront zwischen Agrariern und K o m m u n i st e n zu, für die auch Petkoff gekämpft habe. Der gemäßigte SIgrarier Popoff von der Fraktion Draghieff bekämpfte die Agrarbolschewisten und erklärte sie für Landesverräter. Zankow suchte die Erregung zu beschwichtigen mit dem Hinweis auf die in vielen Ländern verübten Attentate und auf die zahlreichen in Bulgarien selbst unter dem agrar-kommunistischen Regiment verübten Verbrechen. Er erklärte, daß die Regierung den Mord aufs schärfste verdamme und nach den Anstiftern fahnde. Er forderte schließlich alle bürgerlichen Oppositionellen auf, zusammen mit der Regierung den von Moskau genährten bulgarischen Bolschewismus zu bekämpfen, da dessen Sieg
Den Toten des Weltkrieges!
Ein Eriunerungstag.
Patriotische Worte und Gesten sind vor und nach dem Krieg nichts seltenes gewesen. Oftmals waren und sind es nur hohle Aeußerungen, von denen das Herz nichts weiß, manchmal wohl auch wahrhaftige Ausbrüche des Herzens: aber was wollen selbst letztere bedeuten, verglichen mit der wortlosen Tat des Frontsoldaten des Weltkrieges, der immer wieder — mancher während vier langer Jahre — aus tiefwurzelndem Pflichtgefühl dem Tod in seinen tausend Gestalten entgegenging, dem Tod, den die Natur des Menschen scheut, dem auch die Mutigsten bis zum äußersten ausweichen wollen, dem T o d, der aber auch Adel verleiht, der einen unvergänglichen Kranz denen gewährt hat, die ihm entgegengingen, weil ihnen Pflicht und Sorge für die Sicherheit des Volkes es geboten M -P»
Es war richtig, daß wir am 10. Jahrestage des. Kriegsausbruches an die Toten dachten. Gar zu gern möchten manche Zeitgenossen die Blicke auf andere, auf glänzende Seiten des Waffenhand- werks hinlenken, auf Uniformgepränge, auf Schlachtenmusik und romantische Begleiterscheinungen des Soldatenlebens. Hängt nicht das heutige Geschlecht, hängt nicht gerade die Heranwachsende Jugend schon viel zu viel an Aeußerlichem? Ist es nicht der Ern st, der unserer Zeit not tut, die Verinnerlichung, die Hinwendung auf jene Dinge, die hinter all dem Firlefanz stehen, mit dem so viele die quälenden Gedanken an die letzten Fragen des Menschenschicksals zu verscheuchen versuchen?
Die Gräber der Gefallenen — Millionen sind es — werden immer mit überwältigender Wucht dafür zeugen, daß dieser Weltkrieg ein bitterernstes Geschehen war, eine Katastrophe der sogenannten Fortschritte der Menschheit, ein Abgrund, in dem nach und nach alles verfank, worauf das Zeitalter stolz gewesen war. Deshalb ist es zu verstehen, daß jeder, der das große Leid des Krieges in der Seele empfunden hat, aufschreien will, wenn in unseren Tagen unreife Jungen und unbelehrbare Aeltere, berauscht von Beiwerk und Flittertand, vom Kriege reden wie von irgend einer Kurzweil. Das ist bann, als ob heiligstes Erlebnis verhöhnt und in den Staub gezogen würde.
Am 3. August hat sich der Gedanke an die gefallenen Helden des Weltkrieges siegreich durchgesetzt. Von den öffentlichen und zahlreichen privaten Gebäuden im weiten deutschen Lande wehten in den Morgenstunden des Sonntags die Fahnen auf Halbmast, lieberatt läuteten die Glocken. In den Gottesdiensten wurde der Gefallenen gedacht, vielfach auch in besonderen Feiern. „Ich hat einen Kameraden", so zog es jedem durch den Sinn, als in der Mittagsstunde die große Stille eintrat und der Gedanke zu den fernen Gräbern zog, zu den großen Grabseldern an der Westfront, zu den vielen einsamen Grabhügeln im weiten Rußland und Polen. Das deutsche Volk grüßte ehrfurchtsvoll seine wackeren Söhne, die den schrecklichen Krieg non deutschen Gauen ferngehalten haben mit dem Preis ihres jungen Lebens.
Die Feier in Berlin
verlief besonders imposant. Sie fand vor dem Reichs- tags^edäude statt. Soweit das Auge reichte, sah man Menschen mit entblößten Häuptern. Nach dem Aufmarsch zweier Ehrentompagnien der Reichswehr betrat unter Hoch, und Heiirufen der Hunderttausenden der Reichspräsident die Freitreppe, gefolgt von den Mitgliedern der Reichsrezicrung und den Ehrengästen. Es chrachen zunächst der evangelische und der katholische Feldgeistliche, worauf Reichspräsident Ebert das Wort ergriff:
Rur zurVerteidigungder bedrohten deutschen Heimat hat Deutschland vor zehn Jahren die Waffen ergriffen. In diesem Bewußtsein haben wir den langen Krieg geführt, und nur dieser Geist tonnte uns das
I gewaltigen Opfer ertragen laffen, die alle Kreise unseres Volkes an Gut und Blut bringen mußten. Das, wie das deutsche Volk seit 1914 um seines Deutschtums willen gelitten und geleistet hat, kann mcht verloren sein, und deshalb ist der heutige Tag auch ein Tai der Hoffnung, der Hoffnung auf ein lebens- und kraftvolles Deutschland.
Die Worte des Reichspräsidenten wurden mil lebhaften Beifallskundgebungen ausgenommen. Nun formierte sich die Reichswehr zur Trauerparade, ausgeführt unter Glockengeläute, Trauersalut und Trauermarsch zu der Melodie „Ich halt’ einen Kameraden". Um 12 Uhr brach die Musik plötzlich ab und jeder Ton und jede Bewegung setzten auf zwei Minuten aus, der ergreifendste Moment der eindrucksvollen Feier. Leider hatten sich an verschiedenen Stellen kommunistische Ansammlungen gebildet, die gerade diesen Moment zu stören versuchten. Dieser schamlose Versuch wurde aber von der großen Menge der Versammelten im Keime erstickt. Während des gemeinsamen Gesanges des Liedes „Wir treten zum Beten" wurden die Fahnen hochgezogen. Tie Ehrenkompanie marschierte dann unter den Klängen des Deutschlandliedes ab, in das die Versammeiten kräftig einstimmten. Nur langsam leerte sich der weite Platz von der Menschen»
In allen Berliner Kirchen wurden feierliche Gottesdienste abgehalten. Während der zwei Minuten ruhte der gesamte öffentliche Verkehr, sodaß der Sonntag als ein Vollsgedenktag bezeichnet werden darf, wie er noch niemals gefeiert worden ist.
lleichsprSfident tmö kkichsregierung haben aus Anlaß des Gedenktages folgende Kundgebung erlassen:
In tiefem Ernst gedenkt Deutschland heute des großen Krieges und feiner unendlichen Opfer. Es gedenkt vor allem der gefallenen Brüder und ihrer Htn- terbliebenen, es gedenkt der großen Zahl der Kriegsbeschädigten, die noch immer unter den Folgen des Krieges leiden. Beispiellos haben die Kämpfer an der Front gelitten, unvergessen sind die Opfer und harten Entbehrungen, die in der ausgehungerten Heimat zu ertragen waren. Das deutsche Bolk hat in diesem Kriege kein anderes Ziel erstrebt als die deutsche Freiheit und Unversehrtheit des Vaterlandes. So trat_ es vor 10 Jahren in unvergeßlicher Einigkeit und Stärke unter die Waffen; dafür gaben die Gefallenen ihr Leben. Aber sie ließen uns, den Lebenden, ein Vermächtnis: die Forderung, in ihrem Geiste, dem Geiste der Einigkeit und Vaterlandsliebe, den Willen zur Freiheit Deuffchlands als oberstes Gesetz zu bewahren. Wenn wir heute auf die Gräber unserer Helden einen ehrenden Schmuck von Blumen legen, und wenn heute für eine kurze Spanne Zeit des Tages Lärm verstummt, und jede Bewegung ruht, so verbindet sich ein großes, unerschüttertes Volk mit dem Geiste seiner Gefallenen Aus der Trauer heraus soll uns neue Kraft und ernster Zukunfiswille entstehen, und so sollen die Fahnen, die wir am Morgen zum Zeichen der Trauer auf Halbmast setzten, als ein Zeichen des Glaubens an unser Vaterland, am Mittag wieder zur Höhe emporsteigen. Die im gewaltigen Ringen unseres Volkes Gebliebenen sind nicht vergessen. Ueberall im deutschen Lande hat der pietätvolle Sinn der Bevölkerung zahlreiche Ehrenstat- ten und Ehrenzeichen den Gefallenen errichtet, die ihr durch die Gemeinschaft der Heimat durch Beruf und Kameradschaft besonders nahe standen. Noch fehlt das Ehrenmal, welches das ganze deutsche Volk gemeinsam allen Gebliebenen schuldet. Deshalb rufen wir am heutigen Tage unsere Volksgenossen zur Sammlung für ein solches Denkmal auf, das in schlichter, würdiger Form aus freiwilligen Beitragen geschaffen werden soll. Die- fes Ehrenzeichen der Trauer um das Vergangene soll zugleich die Lebenskraft und den Freiheitswillen der deutschen Volkes verkörpern.
Berlin, den 3. August 1924.
Der Reichspräsident, gez. Ebert.
Die Reichsregierung, gez. Marx.