Einzelbild herunterladen
 

Zur Unterhaltung

Fuldaer Zeitung

Krieg im Land

;;

lalienVi

nd schmeckendeChi erolo w"t

Z/ahnfiast e *

Jieati*

' Flasche

scheu Bergstadt genießen zu können, den man hier einem Blick umfaßt lieber dem Goldgeheimnis schimmernden Flusses schwellende Baumkronen, Wiesengrüße zu den Bergstädten tragen, dahinein

den im

mit des die sich

plünderte Sachen aller Art, Ke feinsten Tischzeug«, Sil­bergeschirr, Bücher, Porzellan, Becher, Vorhänge und tausend andere Sachen. Abends konnten wir aus unfern Fenstern Hunderte von Wachtfeuern auf der Mauer- wiese imb in unserm Biengarten brennen sehen. Die durchziehenden Soldaten hatten geschlachtet« Hühner, Gänse, welsche Hahnen, Schinken, Würste, Rindfleisch, Ziegenlämmer auf ihren Tornistern hängen und Frauen­halstücher um, und an die Pferdeschwänze waren durch­löcherte Laibe Brot geknüpft. Ganze Wagen voll ge- schlachteter Ochsen, Schweine, Kälber fuhren nach, die Soldaten marschierten meist in der größten Unordnung. In jede Nebengasse liefen sie aus dem Rgiment heraus, um etwas zu stehlen, kein Offizier bekümmerte sich darum; die Holländer waren am ärgsten; alle Brunnen warm mit Durststillenden besetzt und alle Wirtshäuser mit Branntweinoerlangenden, die nicht bezahlten. Oft gab es Schlägereien mit den Bürgern und der Soldaten unter sich. Eine Frau hat einen Soldaten, der ihr mit dem Ladestock einen Schlag gegeben, mit einer Wagen­kette so auf den Kopf geschlagen, daß er aus der etile tot blieb.

Ich entsinne mich vieler französischer Regimenter, die mit klingendem Spiel durchzogen, aber so zerrissen und zerlumpt waren, daß sie gar keinen Soldaten ähn­lich sahen; Ke meisten hatten keine Schuhe mehr und gingen barfuß, fangen aber und waren lustig. Viele hatten zahme Eichhörnchen auf dem Tornister sitzen oder Elstern, Raben u. dgl. Sie marschiertm schnell durch, weil sie auf der Flucht vor dem Erzherzog Karl waren. Ganze Herden Kühe, Schweine, Schafe usw. folgten den Regimentern. Die Leute wurden gezwungen, Heu und Stroh herzugeben, sie selbst schleppten Holz, Stühle, Bänke und dgl. auf Ke Wiese, um Wachtfeuer damit anzumachen; in unsenn Biengarten hatten sie ein Ge­länder um das Blumengärtchen verbrannt.

Viele hatten Bauern pferde, und manche hatten Bauemmützen auf; dann und wann sah man auch Ge- fesselte mit zerlumpten Kleidern, ine Hände mit Ketten oder Stricken auf den Rücken befestigt, zwischen den Regimentern mitrnarschieren; die Leute sagten, es seien gefangene Spione. Viele Soldaten trugen Ke Arme in Binden oder Tücher um ihre verwundeten Köpfe, siele Wagen voll Verwundeter und Sterbender folgten. Das Zusehen beim Vorüberfahren der langen Kanonenzüge machte uns besonders viel Vergnügen; da waren oft vor eine Kanone zehn Bauernpferde gespannt, worauf ge­schlagen wurde, um schneller fortzukommen. Bei den Durchzügen fing schon eine Viehseuche an, und nachher ging beinahe alles Vieh darauf. Unsere Magd mußte alle Tage mit Wachholder im Stall räuchern; während ringsum alles Vieh zugrunde ging, blieben unsere zwei Kühe gesund, aber Ke Milch wurde nicht gebraucht, und wir tranken Wasser oder Tee.

und # anderen schädliche», schmeckenden Chemikalien ist-

»enden wäL

....." 2. "

©ine kurze Pilgerfahrt nach dem alten, berühmten Städtchen Canterbury kann ich mir nicht versagen. Eine Stunde Bahnfahrt führt mich durch die liebliche Landschaft von Kent, den Garten Englands. Hierher, zum Märtyrergrabe des hl. Thomas Segnet, wallfahr- teten ja auch einst jene 32 Pilger in Chancers unsterb­lichenCanterbury-Tales", die sich im Gasthof zum Heroldsrock in Southwark diese hübschen Geschichten er­zählen. Ueberall zeugen Kirchen und Tore von der bedeutungsvollen Vergangenheit des Städtchens, und noch heute ist Canterbury der Mittelpunkt des religiösen Lebens in England. Viel wäre zu erzählen von der architektonischen Wunderschönheit seiner weltberühmten Kathedrale mit ihren Kapellen, ihren Grabmälern. ihrer uralten normannischen Krypta, in deren dunkler Mitte zwischen schweren romanischen Säulen das lieb­liche goihische Steinwerk derChapel of our Lady Un­

ken und hier und dort ein schwerfälliges Juchhei ihre Lustigkeit auszudrücken suchen, und zuweilen eine alte, blindgeladene Flinte knallen lasten. Erst vor der Pfarrkirche findet sich der Bräutigam mit seinem Ge­folge ein, besteigt aber nach der Trauung nicht den Wa­gen der Braut, sondern trabt als einziger Fußgänger nebenher bis zur Tür seines Hauses, wo die junge Frau von der Schwiegermutter empfangen und mit einem Gott segne deinen Ein- und Ausgang" feierlich über die Schwelle geleitet wird. Lebt die Mutter nicht mehr, so vertritt der Pfarrer ihre Stelle, oder, wenn er zufällig gegenwärtig ist, der Gutsherr, was für eine sehr glückliche Vorbedeutung gehalten wird, die den Neu­vermählten und ihren Nachkommen den ungestörten Genuß des Hofes sichert, nach dem Spruche:Wen die Herrschaft einleitet, den leitet sie nicht wieder heraus." Während Keser Zeremonie schlüpft der Bräutigam in seine Kammer und erscheint alsbald in Kamisol, Zipfel­mütze und Küchenschürze. In diesem Aufzuge muß er an seinem Ehrentage den Gästen aufwarten, nimmt auch keinen Anteil am Hochzeitsmahle, sondern steht, mit dem Teller unterm Arme, hinter der Braut, die ihrerseits keinen Finger rührt und sich wie eine Prinzessin be­dienen läßt. Nach Tische beginnen auf der Tenne die althergebrachten Tänze:der halbe Mond",der Schustertanz",hinten im Garten", manche mit den an­mutigsten Verschlingungen. Das Orchester besteht aus einer oder zwei Geigen und einer invaliden Baßgeige, die der Schweinehirt ober Pferdeknecht aus dem Steg­reif streicht. Ist das Publikum sehr musikliebend, so kommen noch wohl ein Paar Topfdeckel hinzu und eine Kornschwinge, die abwechselnd von den Gästen mit einem Spane aus Leibeskräften wider den Strich gekratzt wird. Nimmt man hierzu das Gebrüll und Kettengeklirr des Viehes, das erschrocken an seinen Ständern stampf, so wird man zugeben, daß die unerschütterliche Gravität der Tänzer mindestens nicht dem Mangel an aufregen­dem Geräusche zuzuschreiben ist. Hier und dort läßt wohl ein Bursche ein Juchhei los, was aber so einsam klingt, wie ein Eulenschrei in einer Sturmnacht. Bier wird mäßig getrunken, Branntwein noch mäßiger, aber siedender Kaffeezur Abkühlung" in ganzen Strömen, und mindestens sieben blanke Zinnkessel sind in steter Bewegung.

Zwischen dem Tanzen verschwindet die Braut von Zeit zu Zeit und kehrt allemal in einem andern Anzuge zurück, so viel ihr derer zu Gebote stehen, vom Trau- ftaate an bis zum gewöhnlichen Sonniagsputze, in dem sie sich noch stattlich genug ausnimmt, in der damastenen Kappe mit breiter Goldtresse, dem schweren Seidenhals- tuche und einem so imposanten Kärperumfange, als ihn mindestens vier Tuchröcke über einander heroorbringen können. Sobald die Hängeuhr in der Küche Mitter­nacht geschlagen hat, sieht man die Frauen sich von ihren Bänken erheben und mit einander flüstern; gleichzeitig drängt sich das junge Volk zusammen, nimmt die Braut in seine Mitte und beginnt einen äußerst künstlichen Schneckentanz, besten Zweck ist, im raschen Durchein­anderwimmeln immer eine vierfache Mauer um die Braut zu erhalten, denn jetzt gilfs den Kampf zwischen Ehe und Jungfrauschaft. So wie Ke Frauen an­rücken, wird der Tanz lebhafter, die Verschlingungen bunter, die Frauen suchen von allen Seiten in den Kreis zu dringen, dis Junggesellen durch vorgeschobene Paare sie wegzudrängen; die Parteien erhitzen sich, immer rascher wirbelt die Musik, immer enger zieht sich die Spirallinie, Arme und Knies werden zu Hilfe genom­men, K« Burschen glühen wie Oefen, die ehrwürdigen Matronen triefen von Schweiß, und man hat Beispiele, daß die Sonne über dem unentschiedenen Kampfe auf­gegangen ist; endlich hat eine Veteranin, die schon einige zwanzig Bräute in den Ehestand gezerrt hat, ihre Beute gepackt; plötzlich verstummt Ke Musik, der Kreis stäubt auseinander und Alles strömt den Siegerinnen und der weinenden Braut nach, Ke jetzt zum letzten Male um­gekleidet und mit Anlegung der fraulichen Stirnbinde symbolisch von ihrem Mädchentum geschieden wird ein Ehrendienst, welcher den (sogenannten) Nachbarin­nen zusteht, an dem sich abef jede anwesende Ehefrau, die Gattin des Gutsherrn nicht ausgenommen, durch irgend eine kleine Dienstleistung beteiligt. Die Braut erscheint nun barhäuptig und in Hemdärmeln, gleichsam eine bezwungene und fortan zum Dienen willige Brun- hildis, greift aber dennoch nach ihres Mannes bereit­liegendem Huts und setzt ihn auf; hie Frauen tun des­gleichen, und zwar jede den Hut ihres eigenen Mannes, den er ihr selbst ehrerbietig reicht und eine stattliche Frauenmenuett beschließt die Feier und gibt zugleich die Vorbederrtung eines ehrenhaften, fleißigen, friedlichen Ehestandes, in dem Ke Frau aber nie vergißt, daß sie am Hochzeitstage ihres Mannes Hut getragen. Noch bleibt den Gästen, bevor sie sich zerstreuen, eine seltsame Aufgabe: der Bräutigam ist nämlich während der Me­nuett unsichtbar geworden, er hat sich versteckt, offen­bar aus Furcht vor der behüteten Braut, und das ganze Haus wird umgekehrt, ihn zu suchen; man schaut in und unter die Betten, raschelt im Stroh und Heu umher, durchstöbert sogar den Garten, bis endlich Jemand in einem Winkel voll alten Gerümpels den Quaft feiner Zipfelmütze ober ein Endchen der Küchenschürze entdeckt, wo er bann sofort gefaßt und mit gleicher Gewalt und viel weniger Anstanb als seine schöne Hälfte der Braut- tammer zugeschleppt wird.

Reisebnese aus England.

1.

Als ich im Begriff war, am 7. Juli vorn Leipziger Hauptbahnhof abzufahren, machte ich meine erste Reise­bekanntschaft. Es war dies ein englischer Kaufmann aus Southend in der Nahe von London. Er versicherte mir, daß man mir in England überall überall höflich entgegenkommen würde. Bis jetzt hat sich dies durch­aus bestätigt; ja, ich habe in diesen zehn Tagen meines bisherigen Aufenthaltes soviel echte Freundlichkeit ge­funden, daß ich nichts als angenehme Eindrücke zu ver­zeichnen habe.

Mit dem Morgen des 8. erreichten wir Bentheim, wo beim Eintritt in Holland Paß und Gepäck revidiert wird. Während wir das reich grüne holländische Gar­tenland mit seinen kleinen, sauberen, bunten Häusern, den blumengezierten Bahnstationen, den Windmühlen auf den Anhöhen durcheilen, ist eine gemütliche deutsch- englische Unterhaltung im Gange. Ein Dritter hat sich dazugesellt ein Kaufmann aus Manchester, typisch englisch im Aeußern, aber ohne britische Kuhle und Steifheit, die man überhaupt weit seltener findet, als man zuerst annimmt.

In Vlissingen betreten wir den holländischen Dampfer. Der graue Landstrich mit Türmen, Kranen und bunten Häusern verschmälert sich und versinkt; eine Strecke begleitet uns noch zur Linken die Küste des Kontinents. Dann sind wir inmitten des Kanals. Nach Stunden taucht die englische Kreideküste auf, steil und stolz, Dover mit seinem Hafentor, mit Türmen auf ansteigenden Hügelrücken, die 350 Fuß hohe Shake­speare-Klippe, deren Name auf den König Lear Bezug hat. Wie aus dem Meere getaucht scheint dies alles, da, wo noch eben Wasserrand und Himmel war, unter feinem Schleier, milde sprechend wie ein guter Traum und doch deullich und wirklich: Da sind wir eine neue Welt.

Der englische Beamte, der bei der Landung in Fol­kestone über meinen Eintritt in das Jnselreich zu entscheiden hat, fragt mich in gutem Deutsch über Zweck und Ziel meiner Reise gründlich aus, zeigt sich aber durchaus höflich und liebenswürdig.

Aus den etwas winkligen Straßen des Hafenviertels steige ich zu dem sauberen neuen Teil der Stadt hinauf, wo Hotels und boardinghouses reichlich Untertun ft bie­ten. .. . . ;=_; . ,

Kitzlar.

Don Dr. Florian.

In Zeiten deutscher Not und Erniedrigung ist es >nehr denn je angebracht, sich heimischen Wesens, hei- mifcher Art und heimischer Geschichte zu erinnern, um aus geschichtlicher Größe und Vergangenheit neue Käst zu schöpfen für den Wiederaufbau und das Wieder­erstarken unseres Vaterlandes. So mutet es uns in unserer leichtlebigen Zeit an wie ein Gruß aus längst vergangenen Tagen aus dem fernen Mittelalter, wenn wir in des alten Chattengaues fruchtbaren Gefilden das traute BergstäKchsn Fritzlar erblicken mit feinen Heber- reffen hoher Mauern und wuchtiger Türme, umgeben von einem Kranze vonWarten". Stolz und kühn er­hebt es sich am Ufer der einstgoldflutigen" Eder und drängt sich an des Berges Rand, dem es entfpnsigen scheint.

Heinrich Bettelmann schreibt in seinen Wander- bildern in hessischer Höhenluft:Man muß unten an der Eder stehen, um den friedvollen Zauber dieser hesfi-

tercroft' eingefügt ist, erfüllt von dem Dust weißer Lilien.

Wir mögen wohl in unserem eisernen Zettalter Brücken, Hallen und Türme bauen, aber nie mehr wer­den wir jene innige Liebe der Seelen zurückgewinnen, die wie ein glaubensgewaltiges Hänbefalteu Kefe Ge­wölbe der Andacht schuf.

Gegen Abend bin ich in London, im betäubenden Treiben von Victoria-Station. Einen ersten kurzen Blick hatte ich auf den grauen Spiegel &r Themse mit den Houses of Parlament, dem Herzen des britischen Reiches, werfen können. Die Untergrundbahn führt mich brausend unter den Straßen der Riesenstadt hinweg,

, ' - S. 3. 5 W-« ::

Der nächste Tag sollte etwas Ruhe gewähren. Wo könnte man in London besser Erholung finden als in den Kenfington-Gardens und im Hyde- Park. Ich betrete die Anlagen am Albert-Memorial. Dom marmornen Sockelfries des Denkmals grüßen ver­traut die alten deutschen Meister: Goethe und Schiller neben Milton, Shakespeare und Dante, Dürer neben Rubens und Gainsborough, ewiger Sölferfriebe scheint geschlossen in diesem Pantheon erlauchter Geister. Unter reichgeziertem gothischen Kronhimmel sitzt der Fürst, in der Hand den Katalog der großen Ausstellung die 1851 im Hydepark stattfand.

Besonderen Reiz gewährt es, den Blumenweg hin­abzuschreiten, an dessen Seiten sich Rabatten seltener und köstlicher Blüten in stetem Wechsel hinreihen. Schöne schattige Alleen führen überall durch den Park. Ganz nach Belieben kann man über die weiten, sauberen, jetzt etwas vertrockneten Rasenslächen hinstreifen, sich ins Gras lagern ober auf den Stühlen und Bänken Platz nehmen, die überall aufgestellt sind. Unter alten Bäu­men lagert eine Schafherde, so behaglich, als befände sie sich auf einem einsamen Wiesenland hundert Meilen von London. Auf demRunden Teich" lassen Kinder ihre Segelschiffchen ziehen, Ruderboote gleiten auf dem langgestreckten stillen Spiegel drSerpentine" dahin. In kurzer Viertelstunde ist man schon wieder im Zen- tturn des Verkehrs, am Marble Arch, einem prächtigen Torbogen, der ursprünglich für den königlichen Palast in London bestimmt gewesen. Ich zählte an die 50 Fahrzeuge, meist Automobile und roteBuses", die innerhalb einer Minute die Stelle passierten. Aller Verkehr geht glatt, ohne Lärm, auf staubfreien Straßen, elegant und fast spielend. Man hört hier kein Auto dazwischenheulen mit der Stimme eines heiseren Wol- fes wie so oft bei uns. Häufig sieht man junge Samen am Steuer der Kraftwagen. Mit wundervoller Sicher­heit regelt der Police-man, der immer hilfsbereite und höfliche Aufsichtsbeamte Londons, diesen überwältigen« den Verkehr.

Hyde-Park-Corner ist das zweite Haupttor des Ein- und Ausströmens. Hier verlasse ich den Park, passiere den mit einer bronzenen Quadriga gekrönten Welling­ton-Bogen und bin bald darauf am Buckingham-Palace, dem königlichen Schloß, unter einer im Sonnenbrand geduldig wartenden Menge. Soldaten in roter Uniform und hohen schwarzen Bärenmützen laufen auf und ab, präsentieren, ein geschlossenes braunes Auto verläßt das Tor: der K ö n i g und die K ö n i g i n von England, die, rote ich andern Tags aus den Bildern der Zei- tungen ersah, zur Eröffnung eines Heimes für invalide Soldaten und Seeleute fuhren. Die wartende Menge grüßt, der König dankt, indem er den Zylinderhut lüf­tet. Kein Hurrageschrei, keine laute Begeisterung, aber augenscheinlich freundliche Gesinnungen.

In Piccadilly und Knights Bridge bin ich wieder im braufenbften Verkehr. Bald flüchte ich mich durch eine Seitenstraße zurück in die ländliche Stille des Hyde- parfs. Dies schreibend, sitze ich unter den duftenden Linden am Rotten Row. Auf der breiten Reitstraße traben Pferde vorbei mit Herren, Damen oder Kindern im Sattel. Weiter drüben gleiten ununterbrochen mit leisen Rauschen glitzernde Automobftr dahin, während hinter mir, durch die sommerliche Parklandschaft auf derSerpentine" die Ruderboote hintreiben. Ueber mir, auf den feibenblauen Himmel des Spätnachmittags, zeichnet ein winzig kleines Flugzeug in kühnen Wendun­gen riesengroße Buchstaben aus rötlichem Rauch. Gan- London lieft: Daily Mail. Dr. W.

Ludwig Emil Grimm erzählt in Erinnerungen aus meinem Leden", wie Jahre 1796 Ke französischen Revolutionskriege sich in seinem HeimaistäKchen Steinau (Kreis

lachende Giebel neigen, den farbenbunten Lichtgesängen zu lauschen, Ke das Jahr hier jubelt. Darüber reißt den Blick der Dom in den Himmel empor. Aus dem ewig rauschenden Gewässer steigt das Auge auf über grünes Gewoge und rotes Dächergewirr zur lastenden Ci fte des Gotteshauses, dessen Türme in Ke Riche des LHmmels verweisen. Das Schauen wird zu einer Fri-° densfcchtt, wobei die Farbenharmome aus deutscher Grüne und Dächerrcch Mauergrau und Himmelshelle ans Herz greift."

Diese alte, einst hochangesehene deutsche Stabt, die ' n an geschichtlicher Größe und Vergangenheit mit nicht nig Städten in deutschen Landen messen kann, rüstet sich nunmehr zur würKgen Feier ihres 1200 jäh. rtgen Jubiläums. Um das Jahr 724 von Boni- fatius als BeneKttinerklösterlein gegründet, hat Frie- deslar, an der Grenze des Sachsengaues, im Laufe der Jahrhunderte der Weltgeschichte Freud und Leid er­fahren. Sitz des konradinischen Grafengeschlechts, Wahl und Krönung Kaiser Heinrichs I., des Finklers, prunk­volle Reichstage, glanzvolle Kirchenoersammlungen roech- felten ab mit Belagerungen und Zerstörungen, bis schließ- i>ck nach dem 7jährigem Kriege Fritzlar nach Schleifung . fr ?r Mauern und trutzigen Festungswerke zum schlichten L. adstädtchen wird. Die Zeichen fejner geschichtlichen Vergangenheit finden sich noch heute wieder m seinem SVdtebild, seine» Straßen, seinen Kirchen, insbeson­dere aber in feinem Dom mit seinen Ktmstschätzen, der erst fett kurzer Zett nach vollendeter Renovation wieder in altem Glanze strahlt.

Ueber den genauen Termin sowie Ke Festfolge der Jubiläumsfeier wird später noch berichtet werden. Doch sind schon jetzt alle Freunde Fritzlars, besonders ober alle auswärtigen Fritzkrrer das Fest ist als Hei- matsfest gedacht zu Keser Jubiläumsfeier herzlich eingeladen. Weitere Auskunft erteilt der geschösts- führende Jubiläumsausfchuß der Stabt Fritzlar.

Schlüchtern) bemerkbar machten.

In den französischen Revolutionszeiten wurde es auch bei uns unruhig. Es tarnen immerwährende Durch­züge, bald bie Franzosen, bald Oesferreicher, Holländer, Preußen, Mainzer und Hessen; ba gab es denn immer etwas für uns zu sehen, und rote waren immer am Fenster; bie gute Mutter war in großer Angst und ließ uns nicht in bi« Schule und auf die Straße. Die Nach­zügler von ben Regimentern waren meist betrunken, rit­ten an bie Bäckerläden, spießten mit ihren Säbeln das Brot oder bei ben Metzgern das Fleisch und ritten schreiend und galoppierend roeiter. Die gefürchteten österreichischen Rotmäntel verlausten gestohlene und ge»

yochzeitsbrSuche.

Nur noch in wenigen ländlichen Gegenden sind die alten Sitten, bie jahrhundertelang bei festlichen Feiern ein lieber Brauch waren, und in denen sich ine Seele und bas Gemüt des Vol­kes offenbart, lebendig geblieben. Auch in un­serer Heimat finden sich vereinzelt noch Ortschaf­ten, wo man in Sitte und Art am Alten hängt und so wertvolles deutsches Kulturgut bewahrt. Unsere größte Dichterin, Annette v. Droste- H ü l s h o f f, hat das Leben ihrer westfälischen Heimat mtt der ihr eigenen feinen Beobachtungs­gabe geschaut und dichterisch gestaltet. Sie kennt Ke Heide und ihre Menschen in ihrer Einfachheit und Natürlichkeit, sie freut sich an den Festen des Volkes, bei denen heitere Freude der Men­schen ausdrucksvolle Gestaltung groinnt. Wir brin­gen nachstehend einen Abschnitt aus denBildern aus Westfalen", der die dortigen Hochzeitsbräuche, die mit landschaftlichen Besonderheiten auch in andern Teilen Deutschlands gebräuchlich waren, in anschaulicher und humorvoller Weise schildert. Einige Tage vor der Hochzeit macht der Saft- zitter mit ellenlangem Spruche seine Runde, oft meilen- oeit, da hier, wie bei den Schotten, das verwandte Blut bis in das entfernteste Glied und bis zum Aerm- ften hinab geachtet wird. Nächst diesem dürfen vor allen die sogenannten Nachbarn nicht übergangen wer­den, drei oder vier Familien nämlich, bie vielleicht eine halbe Meile entfernt wohnen, aber in uralten Gemeinde­registern, aus den Zeiten einer noch viel sparsameren Bevölkerung, alsNachbarn" verzeichnet stehen, und gleich Prinzen von Geblüt vor den näheren Seitenver­bindungen, so auch ihre Rechte und Verpflichtungen vor den, vielleicht erst seit ein paar hundert Jahren Näher­wohnenden wahren. Am Tage vor der Hochzeit findet derGabenabend" statt eine freundliche Sitte, um den jungen Anfängern über die schwerste Zeit hinweg- zuhelsen. Abends, wenn es bereits stark hämmert, tritt eine Magd nach der andern ins Haus, setzt mit den Worten:Gruß von unserer Frau" einen mit weißem Tuch bedeckten Korb auf den Tisch und entfernt sich so­fort; dieser enthält die Gabe: Eier, Butter, Geflügel, Schinken je nach den Kräften eines Jeden und bie Geschenke fallen oft, wenn bas Brautpaar unbemit­telt ist, so reichlich aus, baß dieses um ben nächsten Win­tervorrat nicht sorgen darf. Eine liebensroürbige, das Volk bezeichnende Höflichkeit des Herzens verbietet bie Ueberbringung der Gabe durch ein Familienglied; wer keine Magd hat. schickt ein fremdes Kind.

Am Hochzeitmorgen, etwa um acht, besteigt die Braut den mtt einer weißen, goldflinkernden Fahne geschmück­ten Wagen, der ihre Ausstattung enthält; fit sitzt allein zwischen ihren Schätzen, im besten Staate, aber ohne besonderes Abzeichen und weint aufs Jämmer­lichste; auch die auf dem folgenden Wagen gruppierten Brautjungfern und Nachbarinnen beobachten eine ernste, verschämte Haltung, während die auf dicken Acker­gäulen nebenher trabenden Burschen durch Hutschwen­

heiteres.

Die Prosa bes Lebens. Junge Frau:Ach wie oft hast Du mir vor der Hochzeit versprochen, mich auf Han- ben zu tragen und auf Rosen mit mir zu wandeln und nun--" Er:Ja, gewiß, liebes Herz, aber

zu solchen Spaziergängen mußt Du erst meine Strümpfe stopfen!"

Immer galant. Junge Same (zu einem Bettler): ,9hm möchte ich nur wissen, warum so ein träftiger Mann wie Sie betteln geht." Bettler:Weil es bie einzige Gelegenheit ist, mich mit einer hübschen Dam» zu unterhalten, ohne ihr oorgeftellt zu fein."

Verdacht. Sagen Sie mal, lieber Herr, haben rou uns nicht schon vor acht Tagen in der neuen Bar mal getroffen? Ihr Hut kommt mir so bekannt vor." O, den Hut hatte ich vor acht Tagen noch gar nicht." Sie nicht, aber ich!"

Der bissige Kritiker. Dramatiker: Denken Sie sich mein Pech. Kürzlich bekommt mein fünfjähriges Söhn­chen das Manuskript meines letzten Trauerspiels in Ke Finger und hat es total zerrissen." Kritiker:Das ist aber erstaunlich, daß bas fünfjährige Bürschchen scho» lesen kann." *

Genau befolgt.®be, haste schon jehort vorn Fritzen?" Ree, Willem, verzähl mal, aber höre erst uff mit arbeeten, der Portier hat jefagt, bei bie Arbeet solle» wir uns nicht unterhalten."

*

Die gute Xante. Vater:Nun, Kärtchen, wie hats bir denn in ben Ferien bet der Tante gefallen?"0, bie war sehr besorgt um mich, jeden Tag fragte sie, oh ich noch immer kein Heimweh hatte." ___

\ Nr. ISO vom 3. flug. 1924.

MH

14,a st t nut ihrem, herrlich erfrischenden u