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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 180

Sonntag, 3. fluguft 1924

51. Zahrg.

punkt widerlegt

er widerspricht den Ideen,

ihm

von den Hochschulen

Kür

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Re italienischen Kaschiften.

Aus Rom wird gemeldet:. Wie verlautet, soll das Untersuchungsverfahren in Sachen Matteotti bis September beendet fein. Der Prozeß würde im November stattfinden. _____..

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Neue Vollkonferenz.

Obwohl für die Oeffentlichkeit noch nicht ersicht­lich ist, wie die Einigung der Delegationen in ihrer Gesamtheit sich auswirkt, beweist die Anordnung einer neuen Vollsitzung der Konferenz ein Fon- schrciten der Konferenzarbeit, das auch durch die nunmehr für Montag bestimmt in Aussicht genom­mene Berufung der Deutschen dargeran wird. Die Haupt-Schwierigkeiten liegen jetzt bei der Frage der m i l i r i s ch e n R ä u m u n g des Ruhrgebiets. Förmliche Beschlüsse seitens der Konferenz können in dieser Frage überhaupt nicht gefaßt werden. Die Frage liegt außerhalb des Konferenzschemas. Die Verhandlungen gehen deshalb unmittelbar zwischen H e r r i o t und M ac- d o n a l d. Die in der Oeffentlichkeit bekannt ge­wordenen Vorschläge der Franzosen für die Räumung (zweijährige Räumungsperiode) haben bewirkt, daß maßgebende Stellen in Berlin die vor­geschlagene Methode als für Deutschland unan­nehmbar erklärt haben. Man vermutet jetzt, daß die Frage der militärischen Räumung der Brennpunkt der Verhandlungen mit denDeutschen werden würde.

Besuch in London.

Blätter melden aus Paris, daß die franzö­sische Sozialistenpartei beschlossen hat, eine Abordnung nach London zu entsenden, um sich mit der englischen Arbeiterpartei über alle mit dem Reparationsproblem zusammen­hängenden Fragen zu verständigen. Die Abordnung, der die Abgeordneten Leon Blum, Paul Faure, Erumbach und Jean Longuet angehören, wird be­reits am Samstag nach London abreisen.

öWMM in 8« Britten MmM.

wtb Paris, 2. Ang. (Tel.) Der Sonder- berichlerftatter der Havasagentur berichtet aus London, Sir Grewe, der ständige Sekretär des Auswärtigen Amtes habe sich gestern abend gegen 10 Ahr zu herriot begeben, mit dem er bis gegen 11 Ahr verhandelte. Es fei nicht unmöglich, daß neue Schwierigkeiten in den Arbeiten der Konferenz entstanden feien, ohne daß man in der Lage sei, hierüber eine Bestätigung zu erlangen.

Am 2 Ahr morgens berichtete Havas weiter, die dritte Kommission habe ihre Arbeiten vollendet. Am 1 Ahr 15 Minuten sei einstimmig der französi­sche Vorschlag angenommen worden, der ein Be­rufungsrecht zugunsten dec Minderheiten des Transferierungsrechkes festfetzt, selbst wenn diese Minderheit nur aus einem Mitglied besiehe unter der Bedingung aber, daß die Grenze von 5 Milliarden Goldmark erreicht wird. Die Englän­der hätten den Vorschlag, den sie noch gestern nachmittag vertreten hätten, zurückgezogen, der das Recht der Berufung erst dann vorgesehen habe, wenn die Grenze von 5 Milliarden nicht erreicht fei und für den Fall, daß drei Mitglieder dagegen und drei Mitglieder dafür gestimmt hätten. Dieses Amendement, das von den anderen Delegierten wieder ausgenommen werde, werde heute zu glei­cher Zeit mit der ersten Resolution bei der Voll­sitzung wieder ausgenommen werden, die alsdann die endgültige Entscheidung treffen müsse.

Vie strittige Aälmurrgssrage.

wtb Paris, 2. Aug. (Tel.) Der Sonderberichl- erskattec desQuoiibien meldet aus London, die englischen Delegierten seien der Meinung und Macdonald selbst habe gestern nachmittag die Hoff­nung ausgesprochen, daß die Konferenz am Donnerstag der nächsten Woche zum Ab­schluß kommen könne. Wie dem auch sei, neben den eigentlichen Konferenzarbeiten der Ausschüsse, die schließlich die Ausführung des Sachverstöndi- genplaues zum Gegenstand haben, wären Bespre­chungen der fanzösischen und belgischen Regierung im Gange. Die wichtigsten Destirechungen bezogen sich auf die militärische Räumung des Ruhr­gebietes. Die englische Delegation werde na­türlich auf dem laufenden gehalten, da es der ge­meinsame Wunsch Herriots und Macdonalds sei, die beiden Fragen der Besetzung des Ruhr­gebiets und der Kölner Zone untereinander zu verbinden. Gestern nachmittag habe Macdonald einen umfangreichen Bericht feines Rechtsfachver- siändigen über die Besetzung des Kölner Brücken­kopfes erhalten und mit nach Ehequers genommen. Es wäre also verfrüht, wenn man sagen wolle, aus welcher Grundlage die Verständigung in diesen beiden Fragen zustande komme. Aus alle Fälle könne behauptet werden, daß nicht davon die Rede sein könne, die französischen Truppen im Brücken­kopf Kehl durch englische zu ersetzen, wie das leichk- sertigerweise von gewissen Berichterstattern ange- kundigk worden sei.

Ausland.

* Bundeskanzler Dr. Seipel wird am 2. Septbr. seine Amtstätigkeit wieder aufnehmen.

* Amerikanischi Aus Neufundland meldet Reu­ter: Die Arbeiter, die eine neue Papiermühle an der Westküste errichten und die zurzeit wegen Lohn­erhöhungen streiken, haben an den Ministerpräsi­denten telegraphiert, sie würden die Bauten zerstören und die Wälder anzünden, wenn nicht die Forderungen erfüllt würden. Auf Anfordern hat die Regierung ein Kriegsschiff an Ort und Stelle gesandt.

Deutsches Keich.

* 3m bayerischen Landtag kam es zu einem erregten Auftritt, als der völkische Abg. Dr. Butt­mann die Erfüllungspolitik der Sozialdemokraten als arbeiterfeindlich bezeichnete. Der so­zialdemokratische Abg. Dill erklärte, die Arbeiter wollten keine zweite Inflationsmethode: darum seien sie für die Erfüllungspolitik und das Dawes­gutachten. ___

WM Aufgabe Bat bet 6Iternbeitüt za erfüllen ?

Die Ausführungen in Nr. 160 und 163 der Fuldaer Zeitung geben Anlaß, der oben gestellten Frage näher zu treten.

Nach den Ausführungen in Nr. 160 soll der Elternbeirat eine Brücke schlagen zwischen Schule und Elternhaus, um dadurch Mißhelligkeiten aus dem Wege zu räumen, die zwischen Lehrer einer­seits und Schulkind nebst Eltern andererseits ent­stehen können. In Nr. 163 wurde dieser Stand-

= Btt «tat Rektor der Berliner UnioerfHät.. daS am 11. Oktober beginnende neue Studienjahr wurde der Ordinarius für Kirchen- und Dogmengeschichte Dr theol., jur. und Phil. Karl Holl zum Rektor der Berliner ilrnorrhtät jxwählt.

DerSerono* berichtet von einem weiteren IIe6erf a11 auf ein Automobil der russischen Gesandschaft, das in der Nähe des Botschafts­palastes von einigen Faschisten in der Uniform der Nationalmiliz aufgehalten wurde. Die Faschisten wollten eine kleine rote Fahne, mit dem Wappen der Sowjets, die am Vorderteil des Autos befestigt war, gewaltsam entfernen. Der Chauffeur sprang vom Wagen herunter und streckte einen der An­greifer durch einen Fauftschlag zu Boden. Die Po­lizei sorgte dafür, daß das Auto, das ohne Insassen war, sich.ungestört entfernen konnte.

| PEck m London? Er hat nicht den Strich ge- I zogen zwischen seiner und Poincares Politik. Seine 1 äußerste Ungeschicklichkeit stellte ihn vor feiner Ab- reife nach London vor den Senat (statt vor die Kammer). Das Vertrauensvotum der Kammer wäre ihm sicher gewesen, auch ohne daß er, wie im Senat, den Vertrag von VersaUles gleichsam be­schwor. freilich unterlag er in all dem Poincares Jntriguen und er unterliegt ihnen auch noch in London aber warum verließ er den Bannkreis dieses Mannes nicht, da er doch weiß, daß er ihm mcht gewachsen ist. Weil er den unmöglichen Wunsch hat, es allen recht zu machen, vor allem aber dem am meisten fordernden, seinem Vorgän­ger P o i n c a r e. Die Vertrauten Poincares, an der Spitze dessen bewährtester außenpolitischer Mu- arbeiter vieler Jahre,ßerretti, blieben im Amt; und nicht genug damit, sie dürfen die Lon­doner Verhandlungen leiten. Wahrscheinlich, um das Vertrauen der Poincare-Opposttion zu ge­winnen.

Was wird unter diesen Umständen aus London werden? Auch ohne, daß Deutschland eine einzige Forderung, auch nur eine Bedingung in London gestellt hätte, steht eine Einigung nach mehrwöchent­licher Arbeit noch aus. Die Aussichten sind trübe: bestenfalls wird wohl ein Kompromiß heraus­kommen, wie immer ein schlechter Kompro­miß, der, weil er es allen recht machen soll, die Lage nicht klärt und die Probleme nicht löst, so­daß er nicht endgültig sein wird; die Reparations­frage, Europas Damoklesschwert, bliebe weiter in der Schwebe und in geraumer Zett müßte sich alles wieder zusammensetzen, um die Londoner Beschlüsse abzuändern und neue Kompromisse zu suchen.

Ans der Zentrnmspattei.

= Dr. Alarcour-Koblenz f. Der Direktor der Gör- resdruckerei in Koblenz und frühere Reichstagsabgeord­nete Dr. Marcour ist im 75. Lebensjahre verstorben. Er zählte zu den Veteranen der Zentrumsjournalisten. Am 1. Juli hatte er unter reger Teilnahme seines engeren Freundeskreises das goldene Berufsjubikäum ge­feiert. 3m Jahr 1880 trat er in die Redaktion der Kölnischen Volkszeitung ein, worin er acht Jahre lang als Auslandsredakteur tätig war. 1888 übernahm er in Münster die Leitung des Westfälischen Merkur und siedelte 1891 nach Berlin über, wo er drei Jahre lang Chefredakteur der Germania war. Im Herbst 1894 übcr-

vsr zehn Jahren.

Die Kriegserklärnngen bis Ende 1914.

28. Juli Oesterreich-Ungarn an Serbien.

1. August Deutschland an Rußland.

3. August Deutschland an Frankreich.

3. August Deutschland an Belgien.

4. August England an Deutschland.

5. August Oesierreich-Ungaru an Rußland.

6. August Serbien an Deuischland.

11. August Montenegro an Oesterreich-Ungarn.

11. August Montenegro an Deutschland.

11. August Frankreich an Oesterreich-Ungarn.

13. August England an Oesterreich-Ungarn.

23. August Japan an Deutschland.

25. August Oesterreich-Ungarn an Japan.

28. August Oesterreich-Ungarn an Belgien.

2. Novbr. Rußland an die Türkei.

5. Novbr. Frankreich an die Türkei.

5. Novbr. England an die Türken

7. Novbr. Belgien an die Türkei.

7. Novbr. Serbien an die Türkei.

nahm er die Leitung der Koblenzer Volkszeitung. 1920 trat er wegen vorgerückten Alters von der Hauptschrift­leitung zurück und bekleidete den Direktorposten des Un­ternehmens. In bas parlamentarische Leben ist Dr. Marcour 1893 eingetreten. Von 1893 bis 1907 war er auch Mitglied des Landtags, und zwar als Vertreter für den Wahlkreis Adenau-Ahrweiler. Unermüdliche Pflichttreue, Arbeitsfreudigkeit und kraftvolle Betonung unserer religiös-sittlichen Grundsätze sind Vorzüge, die ihn auch als Parlamentarier auszeichneten. Mit sinkt ein Stück Zentrumsgeschichte ins Grab.

Smistz W in Eonüon.

Dr. Aiphons Nobel (Berlin).

In Paris ist man nachgerade recht böse auf die Bankiers, die Herrn Herriot in London so viel Schwierigkeiten machen. In Pariser nationalisti­schen Kreisen hat man die Konferenz rundweg als Kombination des Weltkapitalismus bezeichnet, die ihre Zwecke ausgerechnet über sozia­listische Ministerien, wie das Macdonalds und das Herriots, verfolge. So würden die Früchte des Sieges schließlich in den Tresors der New- yorker Banken verschwinden und Frankreich sei von Herriot verraten und von England verkauft. Der Versailler Vertrag sei hin, die Reparattons- kommission entmündigt und Frankreichs Milttär über den Rhein zurückgedrängt.

Diese radikale Auffassung sieht vielleicht in einem richtig: Bislang, die Nachkriegsjahre hindurch, war Deutschland dem französischen Militarismus ausgeliefert und Poincares Generäle machten am Rhein und an der Ruhr, was sie wollten. Künftighin wird, das Gelingen der Londoner Kon­ferenz vorausgesetzt, Deutschland dem W e l t k a p i- talismus ausgeliefert sein und ein amerikani­sches Finanzdiktator wird nicht nur die deutschen Reparationsleistungen sestsetzen und ein­treiben, sondern auch Herr des deutschen Geldmark­tes und damit der einflußreichste Wirtschaftsmann Mitteleuropas fein. Aber man kann uns schließ­lich nicht verdenken, daß wir lieber diesem Bankier unterstehen, als der Willkür französischer Generäle ausgeliefert sein wollen. Man kann es uns nicht verdenken, weil immer und überall die Menschen und Völker das kleinere Ueb el wählen. Dies aber ist unsere Lage.

Wenn aber die Londoner Konferenz von na­tionalistischer Seite in Paris als kapitalistische Kombination verschrien wird, und Herriot wie Macdonald als ihre Handlanger bezeichnet werden, jo ist es eine ungeheuerliche Verzerrung der wirk­lichen Lage. Richtig daran ist nur, daß zum ersten Mal nach dem Kriege der internationale Kapitalismus als geschlossene Macht in einem politischen Zusammenhang auftritt. Aber diese Macht hat sich bisher nicht durchgesetzt und es ist zum mindesten sehr die Frage, ob sie sich gegenüber dem französischen Imperialis­mus durchsetzen kann.

Bisher ist man auf der Londoner.Konferenz nicht weiter als vor einer Wöche. Dep erbitterte Kampf zwischen angelsächsischem Kapital und französischer Politik dauert an. Es ist kein Fortschritt erzielt, weder nach der einen noch nach der anderen Rich­tung. Gewiß ist einiges geschehen, aber weder das Telegramm Herriots an die beiden französi­schen Kammern, noch die englische Frage nach der militärischen Räumung des Ruhrgebietes haben die die Dinge vorwärts gebracht. Beides hat vielmehr die Lage noch kompliziert.

Der BerichtHerriots, wie er im französi­schen Senat und in der Kammer verlesen wurde, läßt auf einen starken Druck der nationalistischen Opposition auf Herriot schließen. Es wird schon mit der Meldung englischer Blätter seine Richtig­keit haben, daß nämlich Herriots Mitarbeiter, vor allem der Beamte desQuai d'Orsay", Herr d e Perret ti della Rocca, insgeheim mit Pomcare unterhandelt und Herriot so schwach ist, sich ins Handwerk pfuschen zu lassem Der Bericht nach Paris ist also einfach ein Angstprodukt. Aber er kompliziert die Konferenz, weil er von neuem Herriot auf die bisherige Machtstelung der Repa- rattonstommiffion feftlegt.

welche der Einrichtung des Elternbeirats zu Grunde liegen.

Die Idee des Elternbeirats ist die Berwirk- lichung des rein erzieherischen Moments in den mannigfachen, außerhalb des eigentlichen Unter- Unterrichts liegenden Aeußerungen des Schul­betriebs. Es sollen Fragen zur Verhandlung und Erledigung gelangen, die für das Erziehungs- und Schulleben des einzelnen Ortes und der einzelnen Schule Allgemeininteresse haben und von allge­meiner Notwendigkeit sind. Es hat sich ergeben, daß in manchen Fällen der Lehrer sich zur Ab­stellung von Mängeln oder zur Besserung bestehen­der Verhältnisse vergeblich bemüht hat. Die Ge­samtelternschaft hat sich in solchen Dingen auch nicht passiv verhalten. So war es früher und so ist es noch heute; da besteht die Notwendigkeit, daß ein­zelne von ihnen als ihre Vertreter herausgenom- men werden, die ihrerseits im Namen der Eltern­schaft planmäßig vorgehen und dann auch an deren Gesamtheit herantreten und ihr Interesse und ihr« Unterstützung anrufen.

Sich über die Ortsschule und deren Einrichtunj ein klares Bild zu machen, muß die erste Aufgab» des Elternbeirats fein. Sofern nicht die eigene selbständige Einsichtnahme genugsam Anhaltspunkte für die Entfaltung der Tätigkeit des Elternbeirats giü, find als Mittelspersonen anzusprechen die Schulleiter nebst Lehrer und Lehrerinnen, dann aber auch die Schulkinder, die manchmal recht gut Gebresten der Schule kennen.

Worauf nun haben die Mitglieder des Eltern- beirats ihr Augenmerk zu richten? Sie mögen zunächst bedenken, daß die Schulgebäude uni Schulzimmer für das Schulkind ein Stück Leben bedeuten. Viele Stunden des Tages bringt es hier zu. Je freundlicher diese sind, desto besser isi das für das Gemüt des Kindes, um so freundlicher sind die Eindrücke, die das Kind mit ins Eltern­haus bringt und ins Leben hinaus mitnimmt Ebenso stehen Lehrer und feine Arbeit unter die­sem Eindruck; er findet seine Auswirkung in seiner Einwirkung auf das Gemüt des Kindes. Schafft also Euren Kindern für die Schulstunden des Ta­ges einen angenehmen Aufenthaltsraum. Das Schulgehöft sei eine Zierde des Dorfes; merkt aus den Zugangsweg zum Schulhause, auf die Um­zäunung, auf die Außenansicht, auf Baum- und Blumenschmuck vor und an dem Hause, auf saubere Wände, Decken und besonders der Fußböden im Haufe, aus Wandschmuck im Schulzimmer, auf peinliche Sauberkeit in den Aborten; die Reinlich­keit allerorts ist Hauptbedingung für gute Gesund­heit Eurer Kinder; damit weckt und pflegt Ihr in ihnen den Sinn für die Notwendigkeit des Schönen und Reinen in der täglichen Umgebung. Unter­stützt die Schule in ihrem Bestreben, die Kinder vor dem häßlichen und Minderwertigen in Schrift und Darstellung zu bewahren, ihnen über die Ge­fahren der erotischen und sexuellen Entwicklung hin- wegzuhelfen. Beachtet das Spiel und Stratzen- leben der Kinder außerhalb der Schulzeit. Es war ein guter alter Brauch, daß die Kinder abends zum Aveläuten ins Haus gehörten ». nicht mehr auf die Straße. Das hat auch jetzt noch feine Berechtigung, mehr denn je. Helft mit bei den jetzt durch Gesetz festgelegten Maßnahmen der Jugendfürsorge und Jugendpflege, bringt auch der Frage der Berufs­beratung Euer Interesse entgegen, arbeitet mit bei Veranstaltungen der Schule, unterstützt die Schule bei Anschaffungen von Lehr- und Lernmitteln, bei Gründung und Erweiterung von Schüler- oder Jugendbüchereien, bei Erwerbung oder Ausgestal­tung geräumiger und zweckdienlicher Turn- unb' Spielplätze, fördert dadurch die Körperpflege der Jugend zur körperlichen Ertüchtigung, helft der Schule, daß auch der Unterricht in Nadelarbett und in Haushaltungskunde für Eure Töchter nicht zu kurz kommt.

Das sind Aufgaben, die der Mitarbett der (Elternbeiräte harren. Wie ist es nun aber anzu- faffen, daß die Erledigung dieser Fragen nicht bloßes Gerede bleibt, sondern auch in die Tat um- gesetzt wird? Die Elterbeiräte mögen versuchen, auf die Schulvorstände und Gemeindevertretungen einzuwirken, daß von dieser Seite die notwendigen Maßnahmen, die zu ihrem Aufgabengebiet gewor­ren, auch ergriffen, daß genügende Mittel für die Schule bereit gestellt werden. Hemmt hier die miß­liche wirtschaftliche Lage der Gemeinde, dann frisch zur Selbsthilfe gegriffen. Durch Förderung von Sammlungen jedweder Art und Veranstaltungen der Schule (Theater, turnerische oder gesangliche Leistungen) kann mancher Groschen erworben wer­den. Bei Ausbesserungen an und in der Schule, bei Anfertigung von Lehrmitteln kann mancher Gemeindeangehörige seine Arbeitskraft nach Feier­abend einzeln ober gemeinschaftlich mit anberen in ben Dienst der Schule stellen. In Eliernoersamm- lungen mag der Elternbeirat durch Referate mit nachfolgender Besprechung die in seinem Aufgaben­bereich liegenden Fragen der Schule erörtern unb bann tätig für sie eintreten. Geschiht dies in dem angebeuteten Sinne, bann wirb sich auch jeher be­wußt, baß er zusammen mit Lehrer- und Gemeinde- , körperschaften mitverantwortungs- und mitarbeits- 1 pflichtig ist am Wohl unb Wehe der Schule.

Macdonalds Frage nach der militäri­schen Ruhrräumung war wohl als eine leichte Drohung gedacht. Aber sie wurde von Herriot dezw. von seinen poincareistischen Untergebenen ge­schickt parriert; die Gegenfrage nach der Räu­mung Kölns (die im nächsten Januar erfolgen müßte) ward aufgeworfen unb damit ein neues Handelsobjekt auf den Konferenztisch geworfen. Die Zahl der zur Diskussion stehenden Probleme war um eins vermehrt und der Weg zur Verständigung nur noch verschlungener.

Der wirkliche Kampf geht gar nicht zwischen England unb Frankreich. Man soll nicht vergessen, daß Herriot unb Macdonald in der umstrittensten Frage (nach der Kompetenz der Reparationskom- mission) schon einmal, ganz zu Beginn der Kon­ferenz, einig waren, daß aber die (Einigungsformel recht schnell durch den Einspruch der Bankiers zer­stört wurde. Erst in diesem Moment begann Die eigentliche Konferenz. Plumpe Bemühungen Frankreichs, die Bankiers auszuschalten, setzten ein aber sie blieben erfolglos, ebenso wie der Versuch, gegen diese Bankiers andere Bankiers auszuspielen. Auch bas mißlang, weil es sehr töricht war. Die Bankiers kämpfen überhaupt nicht für sich, sondern für die Möglichkeit, die großen Anleihen an Europa in Amerika untergubringen, die mit der 800 Millionen-Anleihe an Deutschland nur einge­leitet werden. Sie kämpfen für die Sicherheit des Kapitalmarktes, b. h. schließlich für eine politische Beruhigung Europas.

Diese Sachlage scheint klar; daß die Konferenz so kompliziert und verworren wurde, ist einzig Schuld Herriots. Dieser schwache und unge­schickte Staatsmann hat mit seiner eigenen Unklar­heit die Konferenz angesteckt.

Mit welchen Hoffnungen wurde er nicht be­grüßt! Bei uns, in England, in Amerika unb selbst in Frankreich! Aber gerabe bort ist man am unzufriebensten mit ihm. Ihm fehlt, so sagt man in Paris mit Recht, jebe Klarheit, ja ber Mut zur Klarheit. Hat er nicht einst gegen Poinacres Ruhrpolttik gekämpft? Warum aber kämpft er bann wie ein Löwe für jeden Fetzen der Poincare-

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