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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda. ___

Nr. 179.

BenmttoortHdb für die Schriftleitung : Dr. Johannes Kramer. Anzeige«: 3- B arze Her, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der s Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr- 9. s Bezugspreis für Juli: 1.50 Mk.

Samstag, 2. August 1924.

Anzeigen-Preise: Sleimeile (Colonel) lokal 0,16 Goldmari, auswärts 0,20 Goldmark: Reklamezeile lokal 0,60, Soldmark, s auswärts 0£0 Soldmark. :.

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51. Zahrg.

Vie Londoner Konferenz.

Heute wird von verschiedenen Stellen die Mei­nung ausgesprochen, daß die Meldung von dem angeblichen Abbruch der Londoner Konferenz ein Börsenmanöver war. Denn es gibt ja nicht nur Politiker, denen die Verständigung ein Dorn im Auge ist, sondern auch gewissewirtschaftliche" Kreise, deren Weizen in einer zerrütteten europäi­schen Wirtschaft reicher blüht als in einer ge­ordneten, oder die ihre Sonderinteressen mit der Ruhrbesetzung und -Ausbeutung verknüpft sehen, und wieder andere, deren Absichten nicht weiter reichen mögen als die Wirkung einer Börsenpanik. Das deutsche Volk in seinen breiten Massen hat aber kein Interesse daran, daß es gewissen­lose Schieber wieder leicht haben sollten, mit Geld um sich zu werfen, während die redliche Arbeit leer ausgeht. Das Scheitern des Dawesplanes würde eine neue Katastrophe bedeuten.

Die Nachrichten über die Konferenz lauten heute daß in einer wichtigen Frage ein erheblicher rtschritt festgestellt werden kann. Auch die

Einladung Deutschlands soll näher gerückt sein. In London nimmt man an, daß die deutschen Dele­gierten am Montag zu Verhandlungen bereit sein «oerden.

Die gelöste Zanktionsfrage.

Der französische Vorschlag für die vom Ersten Ausschuß der Londoner Konferenz zu lösende Sanktionsfrage ist von dem Ausschuß einstim- m i g angenommen worden. In dieser Frage war es bekanntlich in der vorigen Woche zu dem schar­fen Zusammenstoß mit den englisch-amerikanischen Bankiers gekommen. Jetzt ist diese Sache im Reinen. Der vom Ersten Komitee gefaßte Be­schluß betreffend die Sanktionsfrage entspricht tm wesentlichen den Veröffentlichungen desEcho de Paris", die hier schon verzeichnet wurden. Er bestimmt, daß keine Macht selbständige Schritte unternehmen darf, solange ein bestimmtes Ver­schulden nicht bekannt gegeben ist. Wenn die Re- parationskommission in ihrer Mehrheit aber nicht e i n st i m m i g ein Verschulden festgestellt hat, sol­len drei Schiedsrichter, die einstimmig von der Reparationskommission zu ernennen sind, ent­scheiden. Ist eine Einstimmigkeeit nicht zu errei­chen, so erfolgt die Ernennung durch den Präsi­denten des Permanenten Schiedsgerichts im Haag. Es verlautet ferner, daß nunmehr endgültig be­stimmt worden ist, daß der Präsident dieses Schiedsgerichts ein Amerikaner sein soll.

Die französischen und britischen Delegierten beglückwünschten sich nach der Sitzung zu dem Erfolg der gegenseitigen Anstrengungen. Dem Ver­treter der Agentur Reuter wurde von einem Dele­gierten erklärt, daß eine große Schwierigkeit der Konferenz nunmehr überwunden sei.

Die militärische Raumungsfrage.

In der Frage der Räumung des Ruhr­gebiets sind die Aussichten für eine Lösung im Gegensatz zu der Frage der Sanktionen noch nicht besser geworden. Ein Telegramm besagt:

wtb London, 1. August. (Tel.) Zu dem stauzösisch-belgischen Beschluß, die Frage der mi- likärischen Räumung des Ruhrgebiets mit den Re­parationszahlungen zu verbinden, schreibt dieTi­mes", daß in diesem Punkt gestern nichts Neues erfolgt fei. Sicher sei, daß diese Frage nach An­kunft der Deutschen in London in der einen oder andern Form aufgeworfen werde. Der erwähnte Beschluß fei nichts anderes als eine Modifizierung des Brüsseler Beschlusses vom März 1923, die Räumung des Ruhrgebiets von den deutschen Zah­lungen abhängig zu machen. Es werde auch in manchen Kreisen betont, daß der geforderte Preis für eine frühere Räumung von Milliarden Goldmark so guk wie sicher außerhalb der Lei­stungsfähigkeit Deukschlmds liege, sodaß der Be­schluß tatsächlich nichts anderes bedeute als die Fortsetzung der Ruhrbesehuug während weiterer zwei Jahre.

Zu dem französischen Räumungsvorschlag nimmt die Berliner Presse einen scharf ablehnenden Standpunkt ein. Der französische Vorschlag, er­klärt dieZeit", ist für Deutschland unannehm­bar. DerBerl. Lok.-Anz." und dieKreuzztg." äußern sich ähnlich. Ersterer weist insbesondere darauf hin, daß der Vorschlag eine Verletzung des Vertrages von Versailles darstelle. Letztere be­tont, daß die Unterbringung der Eisenbahn- und Industrieobligationen nicht von Deutschland ab­hänge und man befürchten müsse, daß später von französischer Seite auf das internationalee Kapital in einem Deutschland schädlichen Sinne eingewirkt werden könne. Der Plan, den Herriot wohl nur seinen französischen innerpolitischen Gegnern zu­liebe gefaßt habe, könne nicht einmal eine Verhand­lungsgrundlage bilden. DerVorwärts" hebt hervor, daß der französische Vorschlag dem Geiste des Dawesplans widerspreche.

Die dritte Uommisfion.

«Id London, 1. Aug. (Tel.) Dem Sonder- berichlerstakker desDaily Telegraph" zufolge fehle die drille Kommission, die ununkerbrochea den ganzen Tag gearbeitet hatte, ihre Tätigkeit bis in die späte Nacht hinein fort. Schließlich schlug der belgische Delegierte Hutt eine Kompro- mißformel über die Transfer-Frage und die Sachlieferungen vor, die von einem be­sonderen Redaktionsausschuß behandelt wurden. Die Sachversläydigen beabsichtigen, die ganze Nacht die Arbeiten sorkzusehen, um eine Lösung zu staden, die die gestrigen von der ersten Kommisfiou

erzielten Vereinbarungen und das bisherige Er­gebnis der Arbeit der dritten Kommission nicht ge- hr det. <<:._ ..

Die Repko und die Deutschen.

In Paris ist man nervös und sieht überall Gefahren, namentlich in dem Erscheinen der Deut­schen in London. Folgendes Telegramm läßt das deutlich erkennen:

wtb Paris, 1. Aug. (Tel.) liebet den Stand­punkt der Reparationskommission hinsichtlich der Verhandlung mit den deutschen Delegierten hat der Sonderberichterstatter desJournal" erfahren, es bestehe keine Gefahr noch auch nur die Möglichkeit, daß die Repralionskommifsion sich auf Verhand­lungen mit den Deutschen eintaffe, bevor ein Ein­verständnis zwischen den Alliierten erzielt fei. Die Aufgabe der Reparationskommisfion fei durch den Bericht des juristischen Ausschusses festgelegt und die Kommission habe von dem sie betreffenden leit des Berichts Mitteilung erhalten. Es heiße darin, daß die Reparationskommifsion den deutschen Ver­tretern das Protokoll zu unterbreiten habe, das die Bedingungen enthält, die für die Annahme des Sachverständigenplanes von der Londoner Konfe­renz festgesetzt seien. Die Reparationskommission könne aber erst Verhandlungen mit den Deutschen aufnehmen, wenn der Protokollenlwurf von der Konferenz angenommen und die Auseinander­setzung Mischen der Konferenz und den deutschen Delegierten geschloßen sei. wenn dies anders wäre, so würde bei der ersten Beratung mit den Deutschen die Frage der Räumung des Ruhrge­biets oder andere Fragen von den Deutschen auf­geworfen, für die die Reparationskommission nicht zuständig sei.

Die Meum-DerKage.

In Düsseldorf ist von der Sechserkommis- sion und der Micum das bisherige Abkommen mit folgenden Abänderungen verlängert worden:

1. Das neue Abkommen gilt bis zu dem Zeit­punkt, der für den Beginn der Tätigkeit des im Sachverständigengutachten vorgesehenen Repara­tionszahlungsagenten bestimmt werden wich. In­dessen kann die Sechserkommifsion vom 15. August ab den Vertrag mit fünftägiger Frist kündigen. 2. Die Ein- und Ausfuhrabgaben, sowie die Zu- und Ablaufgebühren, die im Juli in Kraft waren, werden vom 1. August ab auf die Hälfte herabgesetzt. 3. Die laufende Kohlen- stuer wird vom 1. August ab um 0.25 Mark er­mäßigt. 4. Um den Absatzschwierigkeiten, unter denen die Zechen hn Monat Juli zu leiden hatten, Rechnung zu tragen, wird die Kohlensteuer für diesen Monat auf 0,50 Mark ermäßigt.

Die Regierung Macdonald und Irland.

Englische Neuwahlen?

wtb London, 1. Aug. (Tel.) Den Blättern zufolge erklärte Macdonald bei der Besprechung der irischen Frage, die er gestern Vormittag mit Führern der verschiedenen politischen Parteien hatte, er werde zwecks Regelung der Grenzfrage ein Gesetz einbringen. Sollte es von einem der Häuser des Parlaments abgelehnt werden, so werde die Regierung dcn Rat geben, das Parlament auf- zulösen und Neuwahlen stattsiudea zu lassen. Dem Daily Telegraph" zufolge wird das Gesetz einge­bracht werden, bevor das Parlament in die Ferien geht. Die Besprechung über das Gesetz soll aber erst nach den Ferien erfolgen.

' Das Ergebnis des Personalabbaues im Reiche. Nach einer Feststellung, die soeben in der Deutschen Juristen-Zeitung Dr. Moll veröffentlicht hat, war die Kopfzahl der am 1. Oktober 1923 int Reichs­dienst befindlich gewesenen Beamten, Angestellten und Arbeiter (einschließlich. Reichsbahn, Post und Reichsdruckerei) 1592 214, davon Beamten 825 955, Angestellte 60 747 und Arbeiter 705 512. Während nach § 1 der Abbauverordnung nur 5 Prozent dieser Zahl bis 1. Februar 1924 und weitere 5 Prozent zum 1. März und 1. April 1924 abgebaut werden sollten, beschloß die Reichsregierung, wegen der finanziellen Not bis Ende Januar 1924 10 Prozent, bis März 1924 20 Prozent abzubauen. Tatsächlich sind bis 3L März 1924 abgebaut: 396 858 Beamte, Angestellte und Arbeiter. Bon den am 1. April 1924 noch im Reichsdienst befindlichen 54 555 weibl. Beamten entfallen allein aus die Post 51 752; jetzt sind nur noch 54 weibl. Beamte verheiratet. Die Zahl der weibl. Angestellten war am 1. April 1924 9284 und noch am 1. Oktober 1923 19 192. Unter Zugrundelegung des Personalbestandes vom 1. Okt. 1923 werden nach Abzug der Ruhegehälter an Per­sonalausgaben jährlich insgesamt gespart 434 Mil­lionen Goldmark. Das sind 15,3 Prozent der Gr- samtaufwendungen; dazu kommen noch nicht genau schätzbare Ersparnisse an sachlichen Aufwendungen für Räume, Licht, Heizung, Material. Im ganzen, sagt die Juristen-Zeitung, ist das finanzielle Er­gebnis recht beträchtlich. Noch erwünschter aber wäre es freilich, wenn endlich auch einmal amtliches Zahlenmaterial über die durch die Altergren­zengesetze in den Ländern erzielten Ersparnisse mitgeteilt werden würden. Erst dann wäre es möglich, zu beurteilen, ob und inwieweit den durch diese Maßnahmen gerade auf dem Gebiete der Rechtspflege verursachten Schäden entsprechende Vorteile wirklich gegenüberstehen.

1914 1924.

Von Friedrich M uckermann 8. J.

August 1914. Die schicksalhafte, alle Ner­ven durchrieselnde Stimmung jener Tage wird wie­der in uns lebendig. Kriegserklärung. Abschied im Heim, in den Kasernen. Regimenter mit dem brausenden Trutzlied über die Rheinbrücken don­nernd. In den Straßen von Aachen Jäger und Reiter, eiligst zusammengestellt, gewiß, und doch alle in blanker Wehr. Sie zogen auf Lüttich zu. In Berlin war das Wort gefallen: Nun geht hin und betet. Mütter weinten, Jungmannschaft schrie Hurra, Börsenmänner spekulierten. Religion, Pa­triotismus, Geschäft: alles machte mobil . . .

Dann die ersten Mörserschüsfe, die schwer über die Grenze dröhnen. Zwischen die fürchterlichen Pausen der bedrückenden Regelmäßigkeit ihrer Schläge wirren die Phantasien. Gerüchte tauchen auf und unter. Erste Schauermären. Auch die Lüge mobilisiert, die nationale und die inter­nationale. Da, der erste lapidare Kriegsberichl. Sieg von Truppenteilen aller deutschen Stämme . . . Sieg, Sieg . . . Paris? . . . Den Finger drauf, das nehmen wir...

Bald ist all das Neue, das Gigantische, wie im sicheren Strombett. Lazarettzüge kehren heim, Er­satz zieht hinaus. Die Industrie hat sich auf Gra­naten umgestellt, das Rote Kreuz seine Bureau, räume eingerichtet. Siegesnachrichten, Kriegsaus­sichten, bezeichnende Leitartikel, sensationelle Ueber- schriften, man gewöhnt sich auch daran.

Ein Bett ist gegraben, der Krieg, und alles, was in der Zeit ist und auf allen Kontinenten, strömt ein in dieses Bett, Krieg, er ist Schicksal für jeden, sei er draußen, fei er daheim. Alle Sphä­ren des Daseins werden davon ergriffen. Alles Denken und Fühlen kommt nun in Bewegung. Alls verborgene Leidenschaft und Krankheit bricht her­vor. Alle ungelösten, dumpf gärenden Rätsel des Jahrhunderts drängen wild nach. Die von ihrer eigenen Kultur mehr unterdrückte als beglückte Menschheit streckt sich hoffend nach dem Unerhörten, nach dem Grenzenlosen, nach dem Rausch. Ein Bett ist gegraben, und es nimmt auf die unheimlich aufgurgelnden Wasser der Tiefe.

Nach und nach verwirren sich alle Kriegsziele. Man ringt, wütet, schießt, sprengt, wirft Bomben, verwundet, stirbt und die Dichter der Schützen­gräber kritzeln in ihre Tagebücher das Wort W ahnsinn". Es bleibt nicht lange ihr Ge­heimnis. Auf Totenfeldern, über Massengräbern, in Krankensälen geistert es grausiger und grau­siger:Wahnsinn". Wenn doch ein Ende käme! Ein Ende all des Wahnsinns! In der Osterzeit feiern sie an den Fronten des Ostens Ser» brüderungsseste. Mensch findet sich zu Mensch. Und er kehrt zurück in seine Gräben und spannt den Hahn wider den Bruder, den er eben umarmt. Wahnsinn wird bald empfunden als Schicksal. Es geschied etwas und wirbelt uns alle hinein, ob wir wollen oder nicht. Kolonnen ziehen und ziehen die Etappenrftraßen. Endlich. Ob Regen, ob Son­nenschein, unveränderlich bleibt der ruhige Gang der Tiere, unveränderlich das biedere Gesicht des Landsturmmannes auf dem Kutschersitz. Die lange Peitsche starrt leise wippend in die Luft. Räder knarren und drehen sich, und Eifenketten klirren. Wie das Schicksal ziehen die grauen Wagen dahin. Als bewegte ein Unsichtbares Menschen, Pferde und Gespann. Ein Gedanke ist nicht mehr dabei. Nur das unaussprechliche Gefühl: es ist Krieg. Immer noch Krieg. Endloser Krieg. Sinnloses Hin und Her . . . W a h n s i n nl

Am Ende denkt überhaupt niemand mehr. Man schafft, aber es kommt doch, wie es soll. Kas­sandrastimmen erheben sich, aber die Propheten wissen, daß sie nichts ändern. Generale, Kanzler, Fürsten, alle vom besten Willen bewegt, sind ge­schäftig. Aber ohne die innere Gewißheit, daß hier Persönlichkeiten noch etwas bedeuten. Das Schicksal würfelt, und auf jedem Würfel' erscheint immer wieder das, Wort: Wahnsinn!

Aber der grübelnde Gedanke kann sich dabei nicht beruhigen. Er bohrt unablässig in das stei­nerne Schicksal hinein. Und der P a z i f i st spricht: Ob nicht hinter den sichtbaren Kräften ver­steck t e am Werke gewesen, die nun mehr und mehr ihr fürchterliches Antlitz entschleiern? Einige Große saßen wohl irgendwo zusammen und kalku­

lierten Weltgeschichte. Kommandierten Degeiste- rung und ließen sie wieder abflauen. Je nachdem das Geschäft es verlangte. Nur nicht sentimental werden! ... Die Werte, um die es ging, waren Kali, Kohlen, Erze und Petroleum. Dynastische Jahrhunderte kämpften um Kronen, wirtschaftliche ringen um Rohstofte und Absatzfelder. Konnte man sich in Güte darüber einigen? Nicht einfach ge­schäftlich zusammenkommen? So wie heute in London und gestern in Lausanne? Wozu neben­bei diese Mafsenschlachtung? . . . Seid ihr nicht mehr als Kali, Kohle, Eisen und Petroleum? . . , Der Nationalist spricht: In ihren Exponenten, früher Fürsten, heute Wirtschaftsmagnaten, er­scheint doch das ganze Volk. Es muß leben können und wachsen. Das ist fein inneres Gesetz. Und aus ihm heraus, wo dieses Gesetz doch allen Völkern immanent sti, erwächst letztlich der Krieg. Freilich herrscht in ihm mehr als früher das Material. Gift­gase, Bomben, Luftschiffe, Tanks, sie alle erscheinen vielmals mächtiger als der Mensch. Aber schließ­lich messen sich in ihnen die geistigen Kräfte einer Nation. Und schließlich sind Wirkung und Sieg doch wieder Sieg der Gesinnung, Sieg der völki­schen Kraft. Alle Parteien, alle möglichen Philo­sophen, Dichter, Schulen und Kreise haben sich mit diesem ungeheueren Ereignis auseinandergesetzt. Aber immer entflieht es dem Blickfeld des kleinen Menschen in jener Sphäre der Geheimnisse, deren Tiefen nur jener durchschaut, der das Weltall tz seinem Schöpferwillen trug.

Nur zwei Dinge scheinen mir bei dem Gan­zen über jeden Zweifel erhaben: Einmal ist der Krieg eine furchtbare Sache, vor allem der moderne Krieg. Man muß alles tun, um die Menschheit vor einer Wiederholung z u s ch ü tz e n. Friedensgedanken, Verständigungs­willen, Völkerbund, überhaupt alles, was in dieser Richtung verheißend erscheint, gilt es zu werten und zu fördern. Es muß wirklich ein Krieg ultima ratio bleiben, wie es die christliche Philoso­phie immer betont. Gerade der Katholik wird sich (trotz aller Enttäuschungen) wie es ihm im leuchtenden Vorbilde von Rom aus gezeigt wird, den Ideen der Völkeroersöhnung noch viel mehr zuwenden und alle jene Gedanken in sich und anderen fruchtbar machen, die ein Leo XIII., Pius X., Benedikt XV. und Pius XI. so tiefsinnig, menschliebend und eindrucksvoll entwickelt haben. Zweitens darf die Dankbarkeit in unserem Volk nicht nachlassen für jene Brüder, die ihr Leben für das Ganze geopfert haben. Die Friedhöfe jenseits unserer Grenzen, das deutsche Land weithin um­säumend, haben nichts Militaristisches und Jm- perialisttsches mehr. Losgelöst von den zufälligen Bedingungen der Zeit atmet hier ein Geist, der wiederkehren muß, wenn Deutschland gesunden soll. Einer für alte, das war die Losung so vieler von denen, die unbekümmert um alles Drum und Dran, weder beschwert mit Hegelscher Philosophie' noch mit übersteigerten Illusionen einfach ihre Pflicht vor dem Feinde taten, wie sie es daheim getan. Im Heldentum der Lazarette wurde die Reinheit dieser Seelen besonders offenbar. Nicht Partei, nicht Profit, nicht irgend etwas Irdisches war bei diesen Männern der Kern ihres Daseins, es war vielmehr die schlichte Liebe zur Heimat, die sie zu schützen glaubten, die Ehrfurcht vor Gott, dem sie das Opfer ihres Lebens brachten. . . .

August 19 2 4. Der Krieg ist noch nicht zu Ende. Das Wort Wahnsinn will nicht schwin­den aus den Erörterungen der Gegenwart. Pa­zifisten, Völkische und soviele Spielarten reden im unentwirrbaren Chaos durcheinander. Jedermann geht wie zaghaft, wie im Tiefsten beängstigt von irgendeinem drohenden Schicksal. Was tun? Nun, eben das, was Menschen in solcher Weltkrise allein zu tun oerftattet ist. Arbeiten aus dem großen, idealen Geiste der Liebe zu Gott und seinem Volke. Mit dem Men­schen beginnen, dem es nun einmal gegeben ist, sich die Welt zu gestalten, fei es zu einem Ort des Friedens, sei es zum Schlachtfeld des Krieges. Im Menschenherzen werden diese Dinge zunächst entschieden, und nur von einem innerlich erneuten Menschen werden andere Zeiten zu erwarten fein.

Deutsches Reich.

* Dem Reichstag ist ein demokratischer Antrag zugegangen betreffend eine Novelle zum Reichs- presfegesetz, wonach in § 8 folgende Bestimmung eingefügt werden soll: Als verantwortliche Redakteure periodischer Druckschriften dürfen nicht Personen bezeichnet werden, die dem Reichstag oder einem Landtag angehören.

* Reichswehr und politische Kundgebungen. Ge­neral Reinhardt hat, wie dieVoss. Ztg." aus Stuttgart meldet, den zum Wehrkreis 5 gehören­den Reichswehrtruppenteilen die weitere Beteili­gung an den sog.23 a u e r n t a g e n", die in letz­ter Zeit, namentlich in Württemberg, stark über­hand genommen und bei den politisch linksstehenden Parteien große Erregung hervorgerufen haben, untersagt.

* Im Thüringer Landtag wurde am Mittwoch vom Haushaltungsausschuß über die Absicht der Regierung verhandelt, mit Hilfe einer anderen Ver­teilung der Anleihe aus den Reichssteuerüber- I Weisungen den neuen Etat ins Gleichgewicht zu I bringen. Das Finanzministerium schlug vor, dem

Staate 60 Prozent und den Gemeinden 40 Proz. zu geben anstatt wie bisher 45 bezw. 55 Prozent. Beschlüsse wurden in dieser Richtung noch nicht ge­faßt. Am 2. August werden sich die Ausschüsse, die bisher den Etat der Landespolizei erledigt haben, vertagen. Der Etat des Volksbildungsministerium wird bis zum Herbst zurückgestellt werden.

* Dom Reichsgericht. Nach einer Meldung der »Dost. Ztg." ans Leipzig wurde der Senats­präsident beim Reichsgericht Dr. Schmidt, zu­gleich Vorsitzender des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, mit Ablauf des Monats Juli in den Ruhestand versetzt.

* Veränderungen in der vatikanischen Diplomatie stehen nach Informationen aus Rom bevor. Der Berliner Nuntius P a c e 11 i und der Pariser Nuntius Z e r e t t i sollen zu Kardinälen ernannt werden, womit nach den vatikanischen Gepflogen­heiten ihre Weiterverwendung als Nuntien un­möglich wird, lieber die Neubesetzung der beiden Posten verlautet noch nichts, dagegen sollen ver- schiebens Nuntiaturen zweiter Klasse, so diejenige in Buenos Aires in solche erster Klasse umaewan- dell werden.