Zur Unterhaltung
j r~ Fuldaer Zeitung Nr. 174 ’ * ----------------------------.......
Tracht
unser«
großes Glück,
Vertreters Max Weinbers?« Fulda, Telephon 33
Nüdastra
Rees a. Rhein, ■ w «
Henrik- Oldenkott senior & Eomp
van Hass Zu saus
Sonntags bei und wenn es
vorhaüe, betrachteten wir es immer als wenn Regenwetter eintrat.
Sommer und W'nter muhten wir uns ihm versammeln, morgens vor der Kirche,
Kirchplatz war. Hatte einer etwas begangen, so er gleich wieder gerufen und ihm noch ein Schläge mit nach Haus gegeben.
In unserer lateinischen Stunde führten wir Streiche feiner aus, und er gab bester acht.
das zweitrmal geläutet hatte, marschierte er voran, und mir mußten folgen, und ein viel älterer Schüler, G. Gottschalk (jetzt Amtschirurg in Steinau), muhte ihm em erwärmtes Brettchen Nachträgen, worauf er beim Orgelfpielen faß; wir froren oft entsetzlich in den zwei langen Stunden, denn wir waren immer leicht an- gezogen; selten sangen wir ordentlich mit; nicht fetten, wenn er bemerkte, daß wir Jungens lachten, ließ er unbemerkt den Gottschalk die Orgel weiterspielen, kam von der anderen Seite hinter uns und fragte jeden, an welchem Vers jetzt gesungen werde, und wenn er sah, daß wir's nicht wußten, mutzten wir alle acht jeder em« Zeln hinter die Orgel kommen urtz> bekamen unsere Sckstäge.
Im Winter gingen die Bürgerjungen von acht bis elf Uhr in die Schule und von elf bis zwölf wir, und sie mittags von eins bis drei ud wir von drei bis vier. In der großen Schulstube hatte er in der Türe oben ein Loch machen lassen, ein Blech darauf und in bas Blech ein kleines Löchelchen gebohrt. Nun schlich er langsam die Treppe herauf, konnte durch das Löchelchen all« Schüler übersehen, blieb da eine Zeitlang stehen und beobachtete da die Mutwilligsten, kam dann herein, ergriff den Stock ohne ein Wort zu sagen, und nun bekamen die Ertappten tüchtig Schläge; wenn er dann wieder auf dem Pult stand, sagte er nur: „Wißt ihr warum?" und roenn die nicht augenblicklich ja riefen, bekamen sie noch einmal Schläge.
Jeder Bürgerjunge brachte anstatt Geld ein Scheit Holz mit, -as wurde in der Schulstube in einer Ecke aufgehäust, und nach her Schule muhten einige das Holz nach dem Hof tragen und in Ordnung legen.
Er liebte eine Art militärische Ordnung; so mußten d« Jungens, wenn die Schule aus war, zwei und zwei hintereinander abmarschieren, und das gab jedesmal die
Met MW ll. notlonole M».
Wenn wir heute rückblickend die Geschichte des mittelalterlichen Deutschland von Karl dem Großen bis zu den Hohenstaufen verfolgen, so tun wir es mit einem Gefühl der Bewunderung vor den Taten dieser Männer, deren Große uns durch die Geschichstchreibung ihrer Zeit hell und klar erstrahlt. Welch heftigen Bedrückungen war das Reich ausgesetzt! Von Ost und West brandeten die Scharen der Feinde, und nur dem Zusammenfassen aller Kräfte ist die siegreiche Abwehr gelungen. Durchdrungen von dem Glauben, daß dieses Reich, das von Karl und Otto dem Großen geschaffen war, die heilige Aufgabe und Pflicht habe, den Schutz der Christenheit gegenüber der heidnischen Welt zu übernehmen, sind Herrscher und Volk in den heiligen Kampf gegangen, der christlich-deuffche Kultur und Gesittung verbreitet und dadurch weites Land zu höherer Auffassung menschlichen Daseins geführt hat.
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Unter den Kaisergestalten, die richtunggebend dem deutschen Reiche Festigkeit und Stärke nach innen uni außen gegeben haben, ragt die Persönlichkeit Heim r-chs II., des letzten Kaisers aus dem Hause der Ludol finger, dar über hundert Jahre geherrscht hat, besonder; hervor. Mit Stolz und Recht hat man jetzt das An denken dieses Kaisers in Bamberg gefeiert, wo er in. Gebiete der Mainwenden ein neues Bistum errichtet, und damit dem Deuffchtum und dem Christentum wert volle Gebiete sicherte.
Die Regierung dieses Herrschers war von Anfang ar ein schwerer Kampf; unermüdlich ist er tätig gewesen um Ansprüche des Reiches zu schützen und zu wahren Dor allem bedrohten die Slawen zwischen Oder uni Elbe, die infolge der Politik seines Vorgängers Ottos III selbständiger geworden waren, das Reich. Herzog Boleslaw von Polen hatte Böhmen unterworfen, sodaß bei König gezwungen wurde, gegen ihn einzuschreiten. 3r vielen Kriegszügen gelang es dem Kaiser, wenigsten, Böhmen dem Reiche zu erhalten. Mit großer Mühe ha! er und sein Nachfolger Konrad in diesem Lande für da; Deuffchtum gekämpft.
Cs war ja ein Verhängnis der damaligen Zeit, ba{ infolge der ständig wechselnden Herrschergeschlechter uni der damit verbundenen Schwächung des Königtums bii Durchführung einer starken Polittk sich nicht leicht er möglichen ließ. Kaiser Heinrich gebührt ber Ruhm, bas er in den Grenzen seiner Macht eine fruchtbringend; Tätigkeit entfaltet hat.
Nicht nur im Osten hat der Kaiser das Reich ver keidigt, auch im Westen hat er die Lebenshoheit übe, das Gebiet Flandern aufrecht erhalten. Doch lieh et bei all diesen Kämpfen, die die ganze Persönlichkeit des Herrschers erforderten, die Angelegenheiten in Italien, das damals ja in engsten Beziehungen zu Deutschland stand, nicht aus dem Auge. Dort war der Papst, bet von ben herrschenden Adelsparteien hart bedrängt wurde, in schwieriger Lag«. Heinrich kam ihm zu Hilfe und wurde iir Jahre 1004 tn Rom von B>ned:kt VIII. zum Kaiser gekrönt, lieber da- Ereignis liegt uns der Bericht des Geschichtsschreibers Tiethmar von Merseburg vor, der uns ein lebendiges Bild von dem Vorgang ent rollt:
„Nachdem feit der Geburt des Herrn 1013 volle Jahre verfloßen waren und von dem folgenden Jahre zwei Monate und bret Wochen, begab sich int 13. Jahre feinet Regierung an einem Sonntag, ben 14. Februar, Heinrich, von Gottes Gnaden König, umgeben von zwölf Senatoren, von benen sechs mit geschorenem Barte, bie andern sechs nach geheimnisvollem Brauch mit lang herabwallendem Barte, Stäbe in ber Hand, einherschritten, zu- gleich mit seiner geliebten Gemahlin Kunigunde zur Kirche des hl. Petrus, wo sie der Papst erwartete. Be- vor er noch in das Innere der Kirche eintrat, richtete der Papst die Frage an ihn, ob er ein Schützer und Der- leidiger ber römischen Kirche fein unb ihm unb feinen Nachfolgern in allen Dingen Treue bewahren wolle. Mit frommem Gelöbnis antwortete König Heinrich unb empfing hierauf zugleich mit feiner Gemahlin Salbung unb Krönung. Die Krone, bie er bis jetzt getragen, be- fahl er auf dem Altäre des Apottelfürsten niederzulegen. An demselben Tage bewirtete ihn der Papst im Lateran mit großer Pracht."
Wie Heinrich dem Papst gegen seine äußeren Feinde Hilfe und Beistand lieh, hat er auch die großen Bestre- düngen unterstützt, die damals die kirchliche Welt bewegten. Vom Kloster Cluny in Burgund war eine gewaltige Bewegung ausgegangen, bie eine Neubelebung der Kirche im Sinne einer großen sittlichen Reform zum Ziele hatte. Heinrich hat bereitwillig dem Papst seine Unterstützung zur Durchführung biefer Ideen geliehen, bie für Papsttum und Kirche von gewaltiger Bedeutung wurden.
So war der Tod dieses Herrschers am 13. Juli 1024 für alle die, welche mit ihm für Kirche und Reich lebten und strebten, ein harter Verlust, der bei den Geschichts- fchreibern jener Zeit lebhaften Ausdruck fand. In feinem geliebten Bamberg fand der Kaiser mit seiner Gemahlin die letzte Ruhestätte. Voll ehrwürdiger Bewunderung blickt heute noch der Besucher des Dornes zu den lebens- wahren Gestalten des Herrscherpaares auf, die am Por, tale den Eintretenden grüßen.
©tubienaffeffor E. (Brau.
Präzeptor Zinckhan.
Die reinst« Freube für den Siteraturfreunb ist wohl immer noch bie Selbstbiographie eines Menschen, ber innere Kultur fein eigen nennt Haben bie Denkwürdigkeiten heimatlichen Klang, so ist der Reiz noch erhöht. Eine solch« Biographie sind die „Erinnerungen aus meinem Leben" von Ludwig Emil Grimm, dem Bruder der berühmten Sprachforscher Jakob und Wilhelm Grimm. Ludwig Grimm, 1790 in Hanau geboren und 1863 in Kassel gestorben, war ein erfolgreicher Maler und Radierer. Seinen Erinnerungen, die Adolf Stoll 1911 bei Hesse und Becker in Leipzig herausgegeben hat, entnehmen wir die Schilderung der Schulerlebnisie des jungen Grimm, ber damals mit feiner verwitweten Mittler am letzten Amtssitz des Vaters, tn Steinau im Äreife Schlüchtern lebte,
Zinckhan gab mir Unterricht in der Violine, Kla- vier. Rechnen, Schreiben, Religion und Lateinisch. Wir Warnen oft Schläge, ich beinahe alle Tage. Er hatte Stöcke und kurze ledern« Peiffchen, denen er Namen gegeben hatte, und je nachdem bk Strafe war, wurde der Stock gewählt. Ich wüßte niemand, vor dem ich im Leben mehr m Furcht gewesen wäre, wie vor diesem Präzeptor Zinckhan.
Er war wohl 60 Jahre alt; soviel ich mich seiner noch erinnere, will ich ihn beschreiben: nicht sehr groß, breitschulterig, mit markiertem und gescheitem Kopf, trug er, wenn er in die Kirche und ausging, eine Perücke, bte unten dicke, gemachte Locken hatte, aber nicht gepudert war. Sfcn Winter trug er einen schwarzen, im Sommer einen hellblauen ober violetten Anzug, Rock mit breiten Schößen, großen Taschen unb roten Knöpfen. An jedem Rock war aber am Kragen da, wo bie Locken her Perücke hingen, das Zeug sehr abgeschabt und hatte ganz die Grundfarbe verlort; besonders hatte der violette Rock durch das Wetter sehr di« Farbe verloren, und wir konnten das Alter der Röcke gar nicht berechnen. Dabei trug er einen altmodigen, dreieckigen Hut, schwarze -oder violette wollene Strümpfe, Schuhe mtt großen Schnallen und endlich ein großes, altes spanisches Rohr.
Schien die Sonne heiß, so nahm er vor dem Tor joder im Feld ein Hölzchen aus der Tasche, das b'e Größe vom inwendigen Hut hatte, schraubte es auf den Stock und steckte den Hut darauf: das brauchte er als Sonnenschirm. Von uns, die wir zu ihm m d e tatet- Nische Schule gingen und die er manchmal begnadete, uns mit sich 'n einen von feinen Gärten oder auf einen weiteren Spaziergang in den „Langen" oder „Belling. fer Berg" mitzunehmen, wagte niemand mchr, über (triefen Sonnenschirm zu lachen, denn w'r hatten darüber Hiebe und Rippenstöße in Menge bekommen; unb bie Erlaubnis, ihn irgendwohin begleiten zu dürfen, be- trachteten wir als eine Strafe, und wenn wir es ahnen konnten, daß er bald wieder soviel Vergnügen mit uns
Ich weiß nicht, daß er je krank war; er lebte sehr regelmäßig und orbenttich, unb in allen Teilen feines Hauswesens herrschte größte Ordnung. Hatte er ober eins von ber Familie Durst, so tränten sie aus einem Steinguttrug, ber immer an seinem bestimmten Ott am Fenster stand; er hatte eenen Korkstopfen, an einem Kettchen daran befestigt, und ich hätte niemand raten wollen, ben Stopfen nicht wieder auf den Krug zu machen, wenn er daraus getarnten hatte. Wir Jungens haben nie daraus getarnten; wir liefen, wenn wir Durst hatten, m ben Schloßhof unb tränten aus bem Brunnenrohr.
Eine Wanbuhr hing bn Zimmer, die er regelmäßig um zehn Uhr aufzog, unb ein großes, mit Farbe unb Blumen bemaltes Bett mit dunkelgrünen Vorhängen, die mit gelbem Band eingefaßt waren. Auf dem Ofen stand tm Winter auf einem spitzen Stock eine von Starten- papier ausgeschnittene Schlange, worauf em hölzernes Männchen in einer unpassenden Stellung faß, das sich mit der Schlange herumdrehte; da, Ding hat uns manche Tracht Schläge zugezogen! Waren wir durch Zufall einmal allein, so wurde mtt Tonkugeln oder sonst was danach geworfen.
Waren wir früher da, so mußten wir während de» Essens auf den Bänken lernen, aber alle aufstehen, wenn vor und nach dem Essen gebetet wurde; nur er allein blieb in seinem hölzernen Sorgenstuhl sitzen und hatte die Mütze m ben gefalteten Händen. Nun dampfte die Kattosfelsuppe oder das Sauerkraut, am meisten aber bie Klöße, selten Fleisch. Steins ber Kinder wagte zu sagen: „Ich will nichts" ober „bas schmeckt mir nicht" oder „ich will noch etwas haben". Wenn die geringste Unordnung vorfiel, gab es Rippenstöße; er nahm immer fein sehr abgeschliffenes, aber scharfes Taschenmesser und schnitt Brot und Fleisch vor. Das jüngste Kind saß dabei in einem Kinderstühlchen mit hohen Deinen und wurde oft natürlicher Ursache wegen weggetragen. Das Essen war sehr schnell beendigt, und nun fing unsere Stunde an, und wenn wir nichts konnten, mußten wir hinauf und lernen. Jedem Armen, der kam und bettelte, schnitt er ein Stück Brot ab, oder gab ihm Geld, aber nie mehr als einen Heller; war dem etwa der Heller nicht" genug, so mußte er ihn wiedergeben unb würbe ohne weiteres weggeschickt. War er mitten in ber Stunde und er bekam bie Zeitung (Hanauer), die er gewöhnlich ein paar Tage später bekam, weil so viele Mitlefer habet waren, sagte er gleich: „Setzt euch hin und lernt!" Merkje er bas geringste Geräusch, so tat er, als wenn er forilese, gab aber auf uns acht, bis er den ober die Schuldigen hatte: nun gab’« Schläge, und bann wurde er "abs der Schulstube geschickt.
Im Winter nach der Stunde warfen wir uns auf bem Platz vor dem Rathaus, „bie Kumpe" genannt, mtt Schneeballen unb halfen gern tn der Kirch« und ber Schule läuten. Das Seil ber Schulglocke wurde bann gewöhnlich so stark gezogen, daß einigemal der Klöppel aus der Glock« heraussprang und auf den Kirchenplatz flog-
Beim Heumachen hatten mir auch gute Tage, da waren bte Stunden sehr kurz ober gar keine. Auf her . Wiese hing er bte Perücke auf feinen Stock ober auf bte Hecke, ben Rock dabei; nun half er das Heu fleißig um- wenden, unb auch bte Arbeiter mußten schwitzen.
. Im Sommer kam er in unser Haus, ber Lott« Unterricht zu geben; wir mußten dann daneben sitzen unb lernen. Di« Lotte stand neben ihm und bekam ein Hölzchen tn bie .Hand, worin eine Stecknadel befestigt war; mit bem Stecknadelkopf mußte sie die Buchstaben beiden und ihm dieselben nachsprechen, dann buchstabieren. Die Mutter saß auf dem Kanapee unb strickte. Da war seine Stimme, bie in der Schule barsch, kurz und stark mar, weich, langsam unb melodisch, seine Gesichtszüge ruhig und freundlich, unb bte dicken Abern an ben Schläfen nicht zu sehen.
Nachbem wir ein Weilchen versammelt waren, ging bie Türe auf, unb er kam, blickte jeden an, ob vielleicht einer lachte ober ob er sonst etwas bemerke; war das nicht ber Fall, so ging er an fein Pult; über bem Pult oben an ber Wand war ein Faden befestigt, daran hing der Brill; den setzte er auf, und wenn er vom Pult ging, baumelte ber Brill in der Lust; er rauchte große Dämpfe auf seiner Pfeife. Wir standen in Front auf- gestellt, und er Jagte: „Habt ihr all eure Grammatik?". Hatte sie einer nicht, so bekam er eine Tracht Schläge und mußte sie zu Haus holen, wobei er ihm noch gewöhnlich nachrtef: „In zwei Minuten mußt du wieder da fein."
Nun wurde Carl (ber Bruder Ludwig Grimms) gefragt: „Was ist eine lateinische Grammattk?" — „Ist eine Anweiftmg zur lateinischen Sprache, die da lehret, wie man dieselbe recht schreiben, verstehen unb reben soll." Nun wurde der zweite gefragt: „Was ist ein« griechische Grammatik?" der dritte: „Was ist eine hebräische, eine ungarische ufro.", worauf bann jeder bas nämliche sagte wie bei der lateinischen Grammatik. Diese Ausgabe kam jeden Tag vor, und wir hatten sie sehr gern, weil es jeder auswendig konnte. Nun kamen die Konjugationen; das ging auch so ziemlich, weil wir sehr weniger immer drei bis vier Wochen lang aufbekamen; zuletzt bie Wörter, höchstens vier bis fünf; aber höchst festen konnte sie einer alle, da jagte er: „Setzt euch hin und lernt sie besser!"
Er selbst nahm unterdes wieder eine andere Arbett vor, zog eine neue Saite auf bte alte Violine ober arbeitete an einer alten Lampe, für bte er aus Binsen Dochte gemacht und an ber er allerlei erfunben und Derbeffert hatte. Richtete einer von uns em« Frage an ihn über den Gegenstand, woran er schnitzte oder feilte, so sagte er kurz: „Halts Maul" oder „wart, ich will dir lernen helfen". Hörte er darauf ein Kichern, so gab's auch richttg Schläge.
Don uitten hörte man bann feine Frau rufen: „Was sollen wir kochen?" Da ging er zur Tür unb rief sehr kräftig: „Koch Klöß', Frau!" Nach einer halben Stunde ging er wieder an ben Pult, setzte den Brill auf bte Nase unb rief: „Könnt ihr eure Wörter?" „Ja!" rief ein jeder, worauf er etwas ironisch sagte: „Wir roer- ben's gleich hören!" Nun wurde ein jeder die fünf Witter gefragt, aber höchstens konnte jeder zwei bis drei, mancher nur das erste; er schwieg aber still und tief: „Bete, wer muß!" worauf der, an dem die Reche war: „Pater nofter, gut es ufro."; wie der fertig war, sagte er: „Ihr bleibt alle hier unb lernt eure Wörter, und roenn ich in einer Stunde heraufkomme und chr könnt sie noch nicht, bleibt ihr hier, bis die Sterne am Himmel stehen!" Nun rotes er uns die Plätze an, da sagte er: „Du hinter den Ofen, du vor ben Ofen, du in bie Ecke, bu in bte andere, du auf bte Bodentreppe, du da hinten auf den Gang neben ben Mehlkasten!" Dann ging er auf den nochmaligen Zuruf seiner Frau: „Die Klöß' sind gar" unb aus seiner Pfeife bie Asche ausschüttend, langsam die Treppe hinunter. Wir waren aber mausstill, weil wir glaubten, er stehe noch, um zu hären, ob wir Spektakel machten, bis wir uns überzeugt hatten, daß er am Tisch saß Da tarnen bie zwei herein, unb ber Lärm fing an; es wurde sich mit Mützen geworfen unb gebalgt, bis bann eine Bank umstel ober sonst ein Lärm entstand, bann machte sich jeder schnell an feinen Platz; einer setzte sich gerade so, daß er das Blech an ber Türe vor sich hatte; war das klein« Sächelchen hell, so roar’s gut, war's aber dunkel, so wußten wir, wieviel Uhr es geschlagen hatte, unb nahmen uns in acht. In diesen Schulstunden hatte er ein Kannsol an von dunkler Farbe nut rötlichen Streifen, ziemlich abgetragen, aber keine Flecken darin und auch nicht geflickt. In einer Tasche steckte eine Schnupftabaksdose, auf der er, wenn er eine Prise nahm, ein paarmal mit ber rechten Hand leise herumstrich; sie war ganz ab= geschliffen, ich habe aber immer nur diese selbe Dose bei ihm gesehen; ein Paar abgeschlossene Beinkleider — das Zeug hatte einen Glanz, als wenn es aus schwarzen Pferbehaaren gearbeitet wäre —, graue Strümpfe, bie mit der Schnalle an ben Beinkleidern befestigt waren, und Schlappen, bie er aus einem Paar alten Schuhen sich zurecht gemacht hatte; ich habe ihm nie Stiefel angesehen; endlich auf dem Kops — er hatte eine Glatze, unb bte Haare waren wie Kümmel und Salz (d h. grau) — eine gerade, gewirkte wollene Mütze. Im Knopfloch der Hosentasche'steckte eine Art Kantschu, den er gleich bei der Hand hatte und roomit er auf die Knie und auf die Beine hieb. '
Treppe hinunter ein fürchterliches Getöse. Er ging ans Fenster und sah solange nach, bis keiner mehr auf dem - • ■ ■ • wurde
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