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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 173-

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Samstag, 26. Juli 1924.

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51. Zahrg.

von der Londoner Ronferenz.

Zu der am Donnerstag im Buckinghampalast zu Ehren der in London weilenden Mitglieder der amerikanischen Anwaltsvereinigung veranstalteten Gartenfest waren auch die Delegierten der alliier­ten Konferenz vom König geladen und fast voll­ständig erschienen. Der König unterhielt sich mit Den Delegationsführern, so mit Herriot, Theunis, Kollogg, de Stefani und manchen anderen hervor­ragenden Persönlichkeiten. Nach dem Gartenfest wurde die Ausschußarbeit wieder ausgenommen. Es ist bisher noch nicht möglich, festzustellen, daß Vie Verhandlungen durch die zwischen den Konfe­renzmitgliedern und den Bankiers fortgesetzten Be­sprechungen fortgeschritten wären. Es läßt sich nur sagen, daß die Konferenzkreise fortgesetzt z u - «ersichtlich sind, daß eine Einigung zustande kommen dürfte, die eine genügende Unterstützung für ein Zustandekommen der 800 Millionen- Anleihe gewährleistet. Die Ausschüsse treten Frei­tag wieder zusammen. Es ist wahrscheinlich, daß eine Vollsitzung in nach st er Woche statt­finden wird. Am Samstag werden die Delegier­ten voraussichtlich an der Flottenrevue in Spit- head teilnehmen.

Der Zweite Ausschuß hielt eine Sitzung im Aus­wärtigen Amt ab Mw-wcrtÄ«

Die deutsche Teilnahme.

wtb Paris, 25. Juli. (Tel.) Der Sonderbe- richkersiatter des »Petit patifien will gestern abend erfahren haben, daß Macdonald im Einver­ständnis mit den anderen Delegakionsführern und nachdem er die suristischen Sachverständigen horst und Fromageot gehört habe, die deutsche Regie­rung aufgefordert habe, sichbereltzuhaltea, Delegierte nach London zu eutsenden.

Vie unnachgiebigen Bankiers, herriok will der französischen öffenkllchen Meinung das Unmögliche weiteren Widerstandes gegen die

Bankiers zeige«.

wtb Paris, 25. Juli. (Tel.) Die Sonderbe­richterstatter der Pariser Blätter stelle« in ihren letzten Berichten fest, daß in der Angelegenheit der Garantien und Sanktionen, die das erste Komitee behandelt, gestern kein Schritt vorwärts getan wurde, wird die Konferenz aus der Sackgasse her­auskommen, in der sie feit drei Tagen sestsiht?, so fragt derQuokidien", den man allgemein als9er- riot-offiziös" bezeichnet. Gestern abend hätte die belgischen Minister Theunis und tzymans undLer- riot, dem Finanzminister Llementel und dem Kriegsminister Rollet eine Unterredung gehabt. Hierauf habe sich Llementel zu Romrann begeben. Später fei entschieden worden, daß die erste fiom- mifsion unter dem Vorsitz des Schatzsekrelärs Snow­den zusammentretea solle. 3m Laufe dieser Zu­sammenkunft werde der belgische Außenminister Hymans noch mehr Vorschläge seitens Belgiens Vorbringen. Er werde dm belgischen Vorschlag, der bereits bekannt gewordm, wiederholen. um eine allgemeine Diskussion herbeizuführm, denn nie­mand könne ablmgumn, daß die englischm und amerikauischm Bankiers dieses Kompromiß nicht annehmm roerben, da sie der Ansicht seien, daß Paragraph 1, Abschnitt 2, Anhang 8 des Friedms- verkrages der Reparakionskommisfion das Recht gibt, ihre Befugnisse vollkommen auf dos vorge­schlagene Komitee zu übertragen. Sie fordern, daß die alliierten Mächte endgültig auf jede isolierte Aktion zur Anwendung von Sanktionen verzichte. Rormann und Larant roerben keineswegs heute annehmen.

Der Perlenfischer von Anaa.

Abenteuer-Erzählung aus der Südsee von H. Weber, q --------- (Schluß).

Da erscholl ein Donnergstöse an das Ohr der ent. setzensbleichen Männer, wie von einer zerschmetternden unterirdischen Explosion herrührend; einem totwunden Riesen ähnlich sank der Dampfer nach Backbord hinüber, ein ungeheures Flammenmeer entstieg seinem zersetzten Innern, zerbrochen stürzten Masten und Stangen nieder und dann legte sich dieSydneys auf die Seite, den heraneilenden Wogen den Eintritt gewährend.

Eine Wolke kochenden Dampfes stieg empor, als die Dordbekleidung zischend und brausend ins Wasier tauchte doch dann wurde es totenfttll auf der weilten Fläche.

Als der Wasserdunst sich verfluchtet hatte, war dar Schiff verschwunden; in reißendem Strudel wirbelten die erregten Fluten über die Stelle hm und glitten noch aufbäumend bis zu dem Walboot hinüber ein Schurkenstreich, grausam und menschenunwürdig, hatte seinen Abschluß gesunden!

Wie ein Schluchzen erklang es zwischen den rauhen Männern.

Dann richtete Mac Earthy sich auf, zog seine Kopf­bedeckung ab und faltete die Hände. Er sprach ein kurzes Gebet für die Seelenruhe der toten Kameraden, worin alle ergriffen einstimmten, dann rief wc die weißen Män­ner heran, um mit ihnen zu beratschlagen.

Wir müssen nordwärts, nach den Savage-Inseln hinüber; es ist die nächste Gruppe, die wir anlaufen tonnen", begann er.Da wir aber nur wenig Proviant und einen weiten Weg vor uns haben, so müssen wir uns besonders mit dem Trinkwaffer auf das äußerste einfchränken."

Mit Hilfe einer kleinen Taschenkompasses, den Pe­tersen in der Kapitänskajüte zu sich gesteckt hatte, wurde sttzt die Richtung bestimmt, die das Walboot einzu- i schlagen hatte, um die nächste Inselgruppe zu errechc». 1

was sie gestern abgelehnk hakte«. Roch gestern vormittag hätten sie neue Vorschläge zurückgewie- fen, denen zufolge sich sebe Macht verpflichten soll, von sich aus nicht allein bie Tilgung, fonbern auch das Kapital der Anleihe selbst zu garantieren für den Fall, daß eine andere Macht Sanktionen dnrch- sührke. Also sei bas zweite auf fünf Sachverstän­digen bestehende Komitee vorgeschlagen worden, dessen Einsetzung Theunis angeregt hat. Vielleicht werden doch gewisse Aendernngen in dem Text von Theuenis die Möglichkeit bieten, die Forderung der Anleihezeichner zu befriebigen. Die englische Dele­gation werbe hierzu rttichtige Vorschläge mache«. Die Frage sei die, ob bann bie Franzosen neue Konversionen verweigern wer­den. Aus alle Fälle sei die Befürchtung, daß bie erste Kommission, falls nicht heute neue Tatsachen einfrefen, zu keiner wirklichen Verständigung ge­langen könne. Man nimmt aber an, daß sich bie Situation aus sich selbst entwickeln werde, sodaß doch in einigen Tagen eine befriedigende Lösung eintreten werde, wenn jede Seite Opfer bringe.

Vie umstrittenen Eisenbahner.

wtb Paris, 25. 3ulL (Tel.) Der Sonder­berichterstatter desPetit Parifien" in London will voraussagen können, daß bis kommenden Montag in der Frage der Garantien und Sanktio­nen eine Formel gefunden werde, die nicht wesent­lich von der von den Belgiern vorgefchlagenen ab­weichen wird. 3« der Frage der Diederherstellung der deutschen Dirtschaftseinheit habe die Zweite Kommission ihre Arbeiten vollendet mit Aus­nahme der Frage der 4500 Eisenbahner, bie Frank­reich und Belgien in den Rheinlanden behalten wollen. Es sei nicht unmöglich, daß man wegen dieser Frage für heule nachmittag eine Vollsitzung bet Konferenz einberufen werbe.

öi» her RkiMM no6 Won gehen?

Die Einladung Deutschlands zu der Londoner Konferenz scheint jetzt außer Zweifel zu stehen. Für diesen Fall taucht, so schreibt man uns aus dem Reichstag, die Frage auf, ob der Reichskanz­ler selber nach London gehen soll.

In parlamentarischen Kreisen ist man der Auf- sasiung, daß das geschehen sollte. Selbstverständ­lich muß dem Reichskanzler selber dft Entscheidung darüber vorbehalten werden. £ es sprechen eine ganze Reihe der wichtigsten pi. .,..;en Gründe dafür, daß der Reichskanzler in Person in London erscheint. Zunächst muß man beachten, daß auf der Londoner Konferenz die P r e m i e r m i n ist er der alliierten Länder zugegen sind und daß natur­gemäß unter der Voraussetzung der Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands als Verhand­lungsteilnehmer unter diesen Umständen der deutsche Regierungschef zugegen sein müßte. Die Londoner Konferenz ist etwas mehr als eine ge­schäftliche Angel^enheit. Sie ist nichts Geringe­res als der Versuch, die persönliche Füh­lungnahme der leitenden Männer der Mächte in die Wege zu leiten. Dazu kommt aber noch eine andere Erwähnung: Der Reichskanzler verfolgt bezüglich des Sachverständigen-Gutachtens eine durchaus klare Linie. Daß bei dem Außen­minister diese Linie immer vollständig gerade und klar gewesen wäre, wird man nicht behaup­ten können. Darum hat der Reichskanzler sich auch in einer geradezu reinigend wirkenden Rede vor der Presse über die/ Politik der Reichsregie­rung ausgesprochen. Dem Reichskanzler würde unter diesen Umständen zweifellos das größere Vertrauen zugewandt werden, und die Londoner Konferenz ist ja in ihrem Wesen dazu bestimmt, die große Vertrauenskrisis, die die Welt bislang in Verwirrung gebracht hat, zu beenden.

Dann tauchten sechs Riemen in dis lichtbewegte Fluk. 3n strahlender Schönheit stieg der neue Tag herauf und senkte einen Hoffnungsschimmer in die Herzen der Män­ner, die in dem zerbrechlichen Boot auf der unabseh­baren Wasserfläche trieben.

V.

Sua aln Petersen!"

Der Untersteuermann fuhr erschreckt empor, als dis erregte Stimme des wachthabenden Polynesiers ihn aus dem Schlummer erweckte. Er rieb sich einen Moment bie Augen,' dann stieg er schnell über die eng zusammen- geschmiegten Leidensgenossen hinweg in das Vorderteil des Walbootes, wo Potomba hochausgerichtst stand und angestrengt in die dunkle Nacht horchte.

Was gibt es?" fragte hastig der Gerufene. Ohne zu antworten ergriff der Kannte seinen Arm und deutete empor, lieber dem Boot erklang ein heiserer, krächzen­der Dogelschrei, der sich zwei-, dreimal wiederholte und bald näher und bald entfernter erschallte.

Hörst du den Kanapu? ... Er will uns sagen, daß Land in der Nähe ist!" flüsterte Potomba.

Land! Lcmb!" jubelte Petersen und klopfte dem freuen Wächter dankend die Schulter; dann weckte er hastig die Gefährten, die ihnen Sinnen nicht trauen wollten.

Wahrhaftig es ist ein Kanapu!" bestätigte auch Mac Earthy, dos Geschrei des Raubvogels erkennend, der auf den Inseln des Süllen Ozeans lebt und sich nie wett vom Lande entfernt.

Doll Ungeduld erwarteten die Männer jetzt den Morgen, der ihnen die Befreiung bringen würde von den Leiden und Entbehrungen der letzten Tage. Frie­rend und durchnäßt von den Regenböen des vorher­gehenden Abends hockten sie jetzt zusammen und drückten sich freudig die Hände.

Wohin mögen mir geraten fein?" fragte Petersen s den Obersteuermann, worauf dieser entgegnete;

Es kann nur Niue fein, junger Freund! . . . Auf , jeden Fall dürfen wir von Glück sagen, daß der Kanapu uns so gut benachrichtigt hat; unter Umständen tonnten

3m Reichstag

wurden auch am Donnerstag bie sozialpolitischen Anträge beraten. Einen großen Teil der Sitzung nahmen Schimpfszenen zwischen den extre­men Parteien in Anspruch. Zunächst schimpften die Kommunisten unter Führung des Abg. Katz auf die Sozialdemokraten. Dann wandte sich der deutschvölkische Abg. Ahle mann mit schärfsten Vorwürfen gegen den Sozialdemokraten Dr. Breit­scheid, woraus sich heftige Zusammenstöße entwickelten. Es fielen Worte wie: Lump, Ver­leumder, Feigling! Die Sozialdemokraten stellten wieder öffentlich fest, daß die völkischen Abgeord­neten Graf Reventlow, Wulle und Roth trotz ihrer Kriegstauglichkeit nicht ins Feld gegangen feien. (Hört, hört! links.) Abg. Ahlemann erwiderte, daß Wulle ein verkürztes Bein habe und Graf Reventlow fei schwer herzleidend gewesen. (Gelächter und Rufe der Kommunisten: Wie alle Drückeberger!)

Die Debatte über Sozialpolitik wird, gegen den Widerspruch der Deutschnationalen und der Kommunisten, auch noch am Freitag fort­gesetzt werden.

Bus dem besetzten Miet

Aus Berlin wird gemeldet, daß die Reichs­regierung beschlossen habe, beim Reichspräsidenten den Erlaß einer Notverordnung nachzu­suchen, die in erster Linie die Bestimmung ent­halten soll, daß die widerrechtlich besetzten Wohnungen der aus dem besetzten Gebiet Aus­gewiesenen sofort zugunsten der Heimkehrer ge­räumt werden müssen. Für die von der Reichs­vermögensverwaltung im besetzten Gebiet erbau­ten, aber noch nicht vollendeten Wohnungen ist ein Kredit beim Reichsfinanzminister angefordert worden. Ferner soll die Möglichkeit bestehen, aus Nordfrankreich Holzhäuser, die das Deutsche Reich seiner Zeit der französischen Regie­rung hat liefern müssen, die aber von dieser nicht aufgestellt worden sind, zurückzukaufen. Schließlich sind von den in Frage kommenden Mi­nisterien Schritte bei der Reichsvermögensverwal­tung eingeleitet worden, um den Heimkehrern E r- s a tz m ö b e l zu verschaffen.

Deutsches Reich.

* Bayer« und der Vatikan. Dar rwischen dem Vattkan und Vertretern Bayerns abgeschloffene Kon­kordat sowie der vom Kultusministerium vorbereitete Staatsvertrag mit der protestantischen Landeskirche werden vor dem Herbst im Landtag nicht mehr zur Verabschiedung kommen, da der Landtag voraus­sichtlich Ende der Woche in Ferien geht.

Sozialer.

--- Die tatsächliche Arbeitszeit in Dentschland. Um festzustellen, in welchem Umfang von den Möglich­keiten der UeberfBreitling der achtstündigen Arbeits­zeit, welche die Arbeitszeitverordnung vom 21. 12.1923 gibt, Gebrauch gemacht wird, hat der allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund eine Erhebung über die tatfächliche Dauer der Arbeitszeit einschließlich der ge­leisteten Ueberstunden angestellt. Von der Erhebung wurden 46122 Betriebe mit 2453523 beschäftigten Personen erfaßt. ES ergab sich, daß in der Woche vom 1S.biS17. 6. füretwa zwei Drittel derBetriebe und fast die Hälfte der beschäftigten Per- sonen der Achtstundentag bestand. Nur ein Drittel der Betriebe mit etwa» übet der Hälfte der beschäftigten Personen hat von den insbesondere in den neueren Tarifverträgen gegebenen Möglichkeit, die 4S-Stunden- woche durch Ueberstunden zu verlängern, Gebrauch ge- machi. Das beweist, daß die Behauptung, in Deutsch­land bestehe überhaupt kein Achtstundentag mehr, nicht aufrecht erhalten werden kann.

wir noch an der Insel oorbeftreiben und dann wäre es nut unserer Laufbahn wohl zu Ende gewesen!"

Paofai erzählte jetzt, daß er schon öfter auf Niue ge­wesen sei; er besitze dort einen Freund, der das Amt eines Häuptlings bekleide und am Südende der Insel wohne; er würde sie ohne Zweifel freundlich aufnehmen.

Mittlerweile war der Wind mngeschralt. Er kam jetzt aus südlicher Richtung und führte das dumpfe Ge­töse einer entfernten Brandung mit sich. Heller und heller wurde es im Osten; die Regenwolken öffneten sich und ließen einen rosenfarbenen Schein erblicken, der das auffteigenbe Tagesgestirn deutlich verkündete, und dann tauchte ein langgestreckes Eiland aus der Wafferwüste empor.

Dicht am Sttande, von Kokospalmen überschattet, lag ein Eingeborenendorf; aus einigen Hütten wirbel­ten trotz der frühen Stunde dünne Rauchstreifen empor, und dicht an der Einfahrt stand ein Kanake, der wohl ein Morgenbad genommen hatte.

Auf einen tauten Anruf Paofais winkte er mit den Händen und eilte bann den Wohnungen zu, um die An­kunft der fremden Männer zu verkünden.

Don neuer Kraft getrieben, rauschte das Walboot durch das stille Wafler der Einfahrt dem weißschim­mernden Sirande zu. Dem Schwarm der Kanaken, die aus den Hütten gelaufen kamen, eilte ein hochgewachse­ner Mann voraus und rief, den Perlenfischer erkennend: Pavsai, Paofai!" worauf alle Stammesanyehörigen ein Freudengeschrei ausstießen.

Das Fahrzeug stieß auf den Strand und die ge­schwächten Männer kletterten schwerfällig hinaus. Als sie eine kurze Zei! später in der geräumigen Häuptlings- Hütte saßen und sich mit Speise und Trank erquickt hat­ten, erzählte Paofai die Ereignisse der letzten Tage.

Je weiter er aber sprach, desto erstaunter zeigten sich die Züge des Gastgebers.Sprichst du von den Leuten derSydney"?" fragte er bann erregt.

Paofai bejahte.

Var Problem -er Schutzzölle.

lieber die Beratungen des wirtschaftspolitt- fchen und des finanzpolitischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates über die Zollvorlage der Regierung melden die Blätter, daß mit 24 gegen) 22 Stimmen ein Gutachten der Arbeitnehmerabtei- lung abgelebt wurde, das die Regierung auf- forderte, von der Einführung von Agrarzöllen zur Zeit Abstand zu nehmen. Dagegen fand ein An­trag der Arbeitgeber Annahme, der es für not«, wendig hält, daß der Zeitpunkt für das In­krafttreten der Agrarzölle unter Berücksichtigung der Entwicklung der wirtfchaftlichen Verhältnisse des Reiches gewählt wird. Wie dieVoss. Ztg." bemerkt, bestand mit Ausnahme der Vertre­ter der Landwirtschaft fast einhellig die lieber» zeugung, daß der gegenwärtige Zeitpunkt n ich t der geeignete fei, die alten Zölle in voller Höhe,, namentlich die Getreidezölle, wieder einzuführen.. Die beiden Ausschüsse erklärten schließlich die H e r» absetzung der Umsatzsteuer auf minde» stens Wz Prozent für notwendig.

Die Immunität der Abgeordneten.

Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.

Der Geschäftsordnungs-Ausschuß des Reichs tages beschäftigte sich in der Sitzung vom 23. 3ul. mit einer Reihe wichtiger Anträge, die durchweg die Immunität der Abgeordneten betrafen. Es, lag ein Ersuchen der bayerischen Behörde vor um Fortsetzung des Disziplinarverfahrens gegen einen wegen Hochverrats rechtskräftig verurteilten deutschvölkischen Abgeordneten, der ein hohes bayerisches Amt bekleidete. Der Ausschuß beanw wartete zunächst die Rechtsfrage dahin, daß nach der Literatur und der ständigen Praxis des Reichs­tages das Disziplinarverfahren dem Strafverfah-^ ren gleichzustellen ist, sodaß also der Reichstag über die Frage der Immunität und der Aushebung'des Disziplinarverfahrens zuständig ist. In der Sache selbst entschied aber der Ausschuß gegen die Stimmq der Deutschvölkischen und der Kommunisten bet einigen Stimmenthaltungen mit großer Mehrheit dahin, daß die Immunität des beteiligten Abgeord­neten aufzuheben fei, da gerade bei einem Beamten Hochverrat fo schwer wiege, daß das In­teresse der Staatsautorität an der Fortsetzung des Disziplinarverfahrens das Intereffe des Reichs­tages an der Aufrechterhaltung der Immunität unbedingt überwiege.

Ein weiterer Fall betraf die nachgesuchte Ge­nehmigung zur Strafverfolgung gegen einen svzia. listischen Abgeordneten, der als verantwortlicher Redakteur einer Zeitung ehrenrührige Behaupt tungen gegen den Antragsteller ausgesprochen hatte. Nach längerer Aussprache beschloß Der Ausschuß, die Angelegenheit zu vertagen, um den Fraktionen Gelegenheit zur grundsätzlichen Stel- tungnahme über Immunität der Abgeordneten als verantwortliche Redakteure zu geben. Der Aus­schuß ist in feiner Mehrheit der Auffassung, daß im allgemeinen die Immunität bei Beleidigungen aufrechr zu erhalten sei. Grundsätzlich bedarf aber die Frage der Klärung, ob dieser Standpunkt dann eine Aenderung zu erfahren hat, wenn ein Abge­ordneter etwa offentsichtlich seine Abgeordneten- qualiiät dazu mißbraucht, um als verantwortlicher Redakteur gegen die strafrechtliche Verfolgung wegen Artikeln strafbaren Inhalts geschützt zu fein.1 Da es sich hierbei um eine grundsätzlich wichtige Frage handelt, so wird eine geeignete Formulie­rung zu suchen sein, um Mißbräuche in dieser Hin­sicht wirksam zu treffen, im übrigen aber die Im­munität der Abgeordneten auch wegen Vresse- artitetn zu schützen.

Weiter wurde die Beschwerde eines kommu-, nistischen Abgeordneten wegen seiner wlderrechl-

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Und diese Männer haben sich nicht empört und auch das Schfff nicht angezündet?" rief der Häuptling un-j gläubig.O mein Freund, was erzählst du mir da! . Aber höre zuerst, was ich dir zu fagen habe. Gestern morgen kamen zwei weihe Männer mtt ihrem Boot an unfern Strand und sagten, daß sie die Führer des Han­delsdampfersSydney" wären; sie hätten heimlich ent»j fliehen müssen, weil die Mannschaft sich empört und das Schiff angezündet hätte .... Ich gab ihnen eine Hütte, wo sie wohnen sollten, bis em Dampfer hier an­legt und sie mit in die Heimat nimmt Jetzt kommst du und sagst, daß sie böse Männer sind und selbst ihr Schiff angezündet haben, um euch zu verderben?" t

Ich habe die Wahrheit gesagt; alle diese Leute wer­den meine Worte bezeugen, antwortete Paofai ruhig und bestimmt, dann fügte er erklärend hinzu:Vor neun Jahren haben jene beiden Männer mein Haus überfallen und meinen Sohn getötet; durch ein Schiffs­unglück gelangte ich mit meinem Gefährten auf d'e Sydney" und wurde von dem Kapitän und feinem Freunde wiedererkannt. Wir gaben uns den Anschein, als hätten wir sie nie gesehen und wollten sie in Hapai, wohin das Schiff beftimmt war, den Gerichten über­geben; sie durchschauten aber unsere List und kamen uns zuvor. Durch ein Getränk, das unsere Glieder lähmte, machten sie uns wehrlos, zündeten das Schiff an und entflohen. Mr alle sollten sterben, damtt ihre Tat be­graben würde!" i

Mit grimmigen Gebärden sprang der Häuptling auf, als er diese Erklärung vernommen hatte. i

Ich glaube euch, meine Freunde!" rief er erregt. Kommt, folgt mir zur Hütte der beiden Männer, damit wir sie gefangen nehmen, bevor sie auch uns ein Leü» zufügen!" f

Er sprang zur Tür hinaus und hinter ihm drein eilte die Besatzung des untergegangenen Schiffes; nie- mand dachte daran, eine Waffe zu ergreifen, nur Po­tomba hatte einen gewichtigen Speer ergriffen, der an der Wand des Hauses lehnte. Mit lautem Geschrei

folgten itzm hie Mnner von Rme.