Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda-
Nr. 172.
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Srelfag, 25. 3uli 1924.
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51. Zahrg
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gegen Sie WKer.
Immer noch scharfe Gegensätze aus der Londoner Konferenz.
Die Vollsitzung der Konferenz am Mittwoch wurde von Macdonald mit einer Erklärung über die Vertretung der Dominions und Indiens eröffnet, wobei er betonte, daß die in dieser Hinsicht getroffene Vereinbarung nur als zeitweilige Regelung anzusehen sei und nicht als Präzedenzfall gelten dürfte. An dem Delegiertentisch saß als Vertreter Kanadas Senator Beicourt. Die Konferenz nahm zunächst einen A n- trag Herriots an, durch den ein Juristenausschuß ernannt wird, der aus dem Rechtsberater im Auswärtigen Amt, Sir Cecil Hurst, und dem Mitglied des französischen Auswärtigen Amts, Fro- mageot, besteht. Aufgabe dieses Ausschusses wird es fein, folgende Fragen zu beantworten: 1. Wirft die Durchführung des Dawesberichtes Fragen auf, und wenn ja, welche Fragen, die durch eine b e - sondere Vereinbarung mit Deutschland geregelt werden müssen. 2) Welches Verfahren soll angenommen werden, um eine derartige Vereinbarung zustande zu bringen, ohne in irgendwelcher Weise dem Versailler Vertrag zuwider zu handeln. Die Arbeit dieses Ausschusses wird als ersterSchrittzurHeranziehungdeut- fcher Vertreter zur Konferenz angesehen.
Im Namen des Ersten Komitees sprach hierauf S n o w d e n, der jedoch nicht formell einen Bericht unterbreitete. Er gab eine Uebersicht über die Arbeiten des Komitees und erklärte, verschiedene Mitglieder wollten über die Grenze des ihnen zugewiesenen Verhandlungsstoffes gehen. Er habe sich dagegen ausgesprochen. Thomas erörterte hierauf die Arbeiten des Zweiten Ausschusses und erklärte, der Ausschuß sei noch nicht bereit, Bericht zu erstatten. Endlich las Rindersley den Berichtdes Dritten Komitees vor.
Es folgte eine längere Erörterung über die Ausdehnung des den verschiedenen Komitees zugewiesenen Verhandlungsstofses. Die Komitees werden ihre Arbeiten wieder aufnehmen. Am Donnerstag findet wahrscheinlich eine weitere informelle Zusammenkunft der Bankieroertreter statt.
3m zähen Ringen.
wtb Paris, 24. Juli. (Tel.) 3m Verlaufe der gestrigen Vollsitzung hak, wie der Sonderberichker- stakker des »Echo de Paris" fesistellk, die f r a n - zöfifcheDelegakion den Versuch gemachk, in der Frage der Garankien und Sanffionen den Skandpunkk zu vertreten, die erste Kommission habe einen Entwurf fertiggestellt: eine Debatte könne also darüber nicht mehr eröffnet werden. Diesem Grundsatz, der offenbar entwickelt wurde, um auf die öffentliche Meinung in Frankreich einzuwirken, widersprach nicht nur Macdonald. sondern auch die Führer der anderen Delegationen, die vorfchlugen, dem ersten Komitee Auftrag zu erteilen, feine Bemühungen, eine Einigung mit den englischen und amerikanischen Bankiers zu erzielen, sortzusehen. Dadurch, daß es den englischen Vertretern möglich wurde, ihren Standpunkt zum Siege zu führen, habe sie einen doppelten taktischen Vorteil erlangt. Sie haben Zeit gewonnen und können nun im Einverständnis mit der angelsächsischen Finanz die Zerreibungsarbeik sorlsehen, die sie an der französischen Sache durchzuführen denken. Bach dem Berichterstatter sucht man den Streitfall auch dazu zu benutzen, um in der zweiten und dritten Kommission gewisse Vorteile zu erzielen.
3m übrigen charakterisiert am besten die noch Nicht gelösten Fragen der Sonderberichterstatter des „Onotiben“, der allgemein als „6er- riok-offiziös" bezeichnet wird. Die französischen Minister, Finanz- und Rechkssachversiändigen, hakten gestern Abänderungsanträge zum Protokoll der ersten Kommission (Verfehlungen und Sanktionen) zur Stelle gehabt. Sie hätten vorgeschlagen, daß, wenn die Reparationskommisfion eine flagrante Verfehlung Deutschlands feststelle, ein Komitee von Sachverständigen aus den ehemaligen 2Iiifgfieberp der Komitees Dawes und Mac Kenna zu Rate zu ziehen sei. Man hätte hoffen dürfen, daß die neue moralische Garantie für bie Anleihezeichner bie englischen unb amerikanischen Bankiers zufriedenstellen würbe, aber gestern morgen sei man rasch aus bcr 3llusion herausgerissen worben, als Montagne, Korman unb Camert bie Frage bet Reparakiouskommission in ihrem vollen Umfang aufwarfen.
Lin „Menschenfreund".
Der „Paris Soir" veröffentlicht ein aufsehenerregendes Interview mit dem bekannten lothringischen Schwerindustriellen Schmidt, welcher meint, daß die französischen Industriellen ein Interesse am Fehlschlagen der Londoner Konferenz hätten. Wenn die Konferenz Erfolg hätte, dann bekäme Frankreich allerdings drei Milliarden Franks an Reparationen, was aber für die Sanierung der französischen Finanzen ganz ungenügend wäre. Gleichzeitig müsse aber die Ruhr geräumt werden und damit würden die größten Vorteile, die die Besetzung der Ruhr der französischen Schwerindustrie gebracht habe, zunichte werden. Die Weltlage auf dem Eisenmarkt sei seit dem Kriege dadurch charakterisiert, daß infolge der allgemeinen Verarmung 300 Hochöfen zuviel in der Welt seien. Die französische Industrie habe natürlich ein Interesse daran, daß nicht ihre, son
dern die Hochöfen der Konkurrenz ausgeblasen würden. Dieses Resultat sei dadurch zu erreichen, daß die Ruhr gewissermaßen erdrosselt werde. Dies habe der französischen Industrie gestattet, die deutsche Schwerindustrie auf den Exportmärkten kaltzustellen. Wenn Deutschland wieder in den Stand gesetzt wird, seine frühere Machtstellung zurückzugewinnen, so werde dies für die französische Schwerindustrie die Aufhebung der Gewinne und gleichzeitig den Ruin bedeuten, denn sie habe es nötig, die durch den Anschluß Lothringens um sechs Millionen Tonnen vermehrte Eisenproduktion im Ausland absetzen zu können.
Auf die Einwendung des Korrespondenten, daß das Fehlschlagen der Londoner Konferenz für den Frankkurs und damit für die große Mehrheit der Franzosen eine Katastrophe märe, antwortete Schmidt, daß die Großindustrie durch den Franksturz nur gewinnen könne. Der Verfall der Valuta stelle eine Ausfuhrprämie dar. Aus diesem Grunde habe Frankreich mehr Interesse an Sanktionen als an Reparationen.
Poincare am werk.
wtb Paris, 24. 3uli. (Tel.) Die Londoner „Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel von Poincare, in dem der ehemalige Ministerpräsident nachzuweisen versucht, daß die Freigabe des Ruhrgebiets die englische Wirtschaft mit einer Konkurrenz von verheerender Wirkung bedrohe.
Poincare schreibt: Schon die Sachverständigen hätten auf die Wirtschasksgrundlage Deutschlands verwiesen, die sich wieder geltend machen würde, wenn die bisherigen Fessel ihm wieder abgenommen würde. Was die Sachverständigen jedoch nicht gesagt hätten und was hinzuzufügen fei, sei die Tatsache, daß der Sachverständigenplan Deutschlands wirtschaftliche Lage in Zukunft im Vergleich mit seiner heutigen noch erheblich verbessern würde. Ls sei unvorsichtig, die Lasten zu vermindern, bie ber Sachverständigenplan Deutschland auferlege unb bie an unb für sich schon so leicht zu ertragen seien. Um sich von ber Gefahr zu überzeugen, bie für England und Frankreich sich aus weiteren Konzessionen ergeben körnten, möchten diese auch noch so leichter Art sein, brauche man sich nur auf bie von ber Micurn veröffentlichten Dokumente unb Statistiken zu beziehen. Das Ergebnis fei außerorbentlich lehrreich; man bürfe sogar ohne Uebertrcibung sagen, daß es im höchsten Grade alarmierend sei. Alle die während der Besetzung im Ruhrgebiet sich aufgehalten hätten, seien zurückgekommen voll Bewunderung für das Schauspiel, das diese reiche Provinz ihm geboten hätte. Unerschöpfliche Gruben, herrliche Dergarbeiterbörser, Bauten aller Art unb was hinter biefer Fassade vor sich gehe, sei noch außerordentlicher. Poincare schließt, wenn Deutschland, bas keine öffentlichen Schulden und unerschöpfliche Quellen an Reichtum besitze, nach Belieben ber englischen, unb französischen Wirtschaft sich sein 3nfereffe zurückführen könne, so würbe Englanb unb Frankreich bald nichts mehr übrig bleiben, als bie Ruinen unter ben Augen eines üppigen Schuldners zu beweinen, ber über ihr Elend lache.
Poincares Klagegesang ist doch wohl zu grotesk übertrieben, als daß er den von ihm gewünschten Eindruck in der Welt'machen könnte.
Die Abwehr der Kommunisten.
Die kommunistischen Fraktionen des Reichstags und des Landtags hatten wegen der Haussuchung in den kommunistischen Fraktionszimmern gegen den Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofs Land- gerichtsdirektor Vogt und gegen den Kriminalkom- miffar Keller vom Berliner Polizeipräsidium Strafanzeige wegen Amtsvergehen erstattet, da die beiden Beamten die Immunität der kommunistischen Abgeordneten verletzt hätten. Nunmehr ist, einer Korrespondenz zufolge, das Ermittlungsverfahren gegen die beiden Beamten eingeleitet worden.
* Sir George Buchanan ist im Alter von 69 Jahren in London gestorben Sir George war bekanntlich englischer Botschafter in Petersburg bei Ausbruch des Weltkrieges. Sem Einfluß auf Sasonow und auf Iswolsky war ein ausschlaggebend der, und es ist bekannt, daß er diesen Einfluß nicht für die Bewahrung des Friedens gebraucht hat. Ein ernstes Wort von ihm hätte genügen können, die vorzeitige russische Mobilisation zu verhindern, die nicht ohne sein Wissen befohlen wurde. — Kurz vor dem Ausbruch der ersten Märzrevolution näherte sich Buchanan offen den Kadetten und konspirierte mit Mrljukow gegen den Ministerpräsidenten Stürmer, von dem man voraussetzte, daß er für einen Separatfrieden gewonnen werden könnte. Buchanan trägt auch die Schuld an den letzten Verlust- reichen und blutigen Schlachten der Ruffen, da er von Kerensky immer neue Opfer forderte. Erst die Bolschewiken vertrieben ihn von seinem Posten. Sir George Buchanan hat sehr interessante Memoiren über die letzten Wochen des Zarentums geschrieben. Nach dem Kriege war er englischer Botschafter in Rom,, hat aber keine hervorragende Rolle mehr gespielt.
Vaterland oder Partei?
Die verantwortlichen Leiter der deutschen Politik sind gegenüber den zahlreichen Problemen, die durch die Londoner Konferenz aufgerollt sind, in schwerster Lage. Man müßte nun annehmen, daß in Deutschland alles geschehen würde, um ihnen bei Durchführung ihrer Aufgabe jede unnötige weitere Erschwerung zu ersparen. Aber umgekehrt! Es gibt Parteifanatiker, denen es in erster Linie sich darum handelt, die Parteisuppe zu kochen.
Die „Germania" wendet sich in einem Artikel „E i n Sabotageversuch" gegen die Absicht der Nationalsozialisten, der Kommunisten und vor allem der Deutschnationalen, am Freitag die außenpolitische Lage einer ausgiebigen Debatte zu unterziehen. Die Reichsregierung habe mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß sie zur Zeit eine Behandlung der schwebenden außenpolitischen Fragen als äußerst verhängnisvoll ansehe. Jede Reichstagsdebatte könne nur dazu angetan fein, die unbedingt notwendige Handlungsfreiheit der Regierung zu erschweren. Es widerspreche allen Klugheitsregeln und allen parlamentarischen Gepflogenheiten, diplomasischen Unterhändlern bei ihren internationalen Verhandlungen die Regeln der Taktik vorzuschreiben. Jede Verantwortung gegen die verhängnisvolle Wirkung einer außenpolitischen Reichstagsdebatte lehne die Zentrumsfraktion ab und schiebe sie den Deutschnationalen und ihren radikalen Schrittmachern zu.
Gegen Ägrarzölle.
Eine Kundgebung der Hamburger Demokraten.
Nach einer Meldung der „Voss. Ztg." aus Hamburg hat der Parteiausschuß der demokratischen Partei Hamburgs zur Frage der Agrarzölle in einer Entschließung Stellung genommen, in der es heißt:
Der Parteiausschuß erkennt die Notwendigkeit an, der notleidenden Landwirtschaft zu helfen. Er hält aber die in Aussicht genommenen Zölle im Hinblick auf die dringende Notwendigkeit, die Ausfuhr zu steigern, für unmöglich und im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage der großen Masse der Verbraucher für unerträglich. Der Parteiausschuß ersucht daher die demokratischen Vertreter im Reichstag dem Gesetzentwurf auf keinen Fall ihre Zustimmung zu geben.
Wie das „Berk. Tageblatt" wisien will, wird die Vorlage über die Agrarzölle den Reichstag nicht vor der Herbsttagung beschäftigen.
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Im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages erklärte für dasReichslandwirtschastsministerium Ministerialdirektor Hoffmann, dasganzeKabinett stehe hinter der Schutzzollvorlage, die keinen Hochschutzzoll bedeute, sondern nur wiederherstellen wolle, was bereits 1924 bestand. Der Fleischkonsum habe im ersten Quartal 1924 nur 63 Prozent der Vorkriegszeit betragen. Die Seehandlung werde einen Kredit von über 100 Millionen auf drei Monate an die Landwirtschaft mit 13 Prozent geben. Die Renkenbank liquidiere, die Agrarbank übernehme die Abtragung der Wechselkredite in drei Jahren. Ein Tochterinstitut der Rentenbank werde als Agrarkreditinstitut gegründet werden.
am Münchener tudendorff-prozetz wurde jetzt im bayerischen Landtag durch den bekannten Abgeordneten der bayerischen Volkspartei und Rechtsanwalt Graf Pestalozza vernichtende Kritik geübt. Die Führung des Hitlerprozesses nannte er einen Skandal. Ein Aufenthalt vor einem solchen Gericht müsse für die Angeklagten zu den schönsten Erinnerungen des Lebens gehören. Sie hätten ungehindert durch den Vorsitzenden Autoritäten geistlicher und weltlicher Art beschimpfen und den deutschen Katholizismus verdächtigen dürfen. Damit sei der Vorsitzende zum Hauptakteur der Völkischen in dem bevorstehenden Wahlkampf geworden. Ec habe die Angeklagten mit Ehrfurcht behandelt und Konferenzen mit ihnen und den Verteidigern abgehalten. Leider habe auch die Haltung des Staatsanwalts Stenglein zur Hebung der gesunkenen Slaatsautoritgt nicht beigelragen. Habe er doch die Außerkraftsetzung der Republikschutzgesetze durch den Generalstaatskommissar anerkannt. Die Anwendung der Bewährungsfrist auf Straftaten politischer Art sei sinnwidrig. Das Gericht habe sich die schamloseste Verhöhnung durch die Angeklagten gefallen lassen. (Zuruf: Diese Korruption stinkt zum Himmel!) Die Angriffe der Völkischen auf den Justizminlster bewiesen aber, daß er Persönlich bestrebt gewesen sei, dem Recht seinen geraden Lauf zu laffen. Er müsse allerdings dafür sorgen, daß mit dieser Justiz des 1. April aufgeräumt werde. Beim Neubau der geschwundenen Staatsauloriiät werde ihm die bayerische Volkspartei gerne die Bausteine liefern.
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Im weiteren Verlauf der Debatte ist es zwischen den Rechtsradikalen und den Sozialisten zuheftigen Zu- sammen stößen gekommen, weil sich die Sozialisten durch die völkischen Redner schwer beleidigt fühlten.
Ausland.
* Bundeskanzler Dr. Seipel feierte am Mittwoch sein 25 jähriges Priesterjubiläum. Die Feier fand in der Kirche des Klosters der Herz Jesu-Schwestern statt deren Superior Prälat Dr. Seipel ist. Fast alle Mitglieder der Regierung, Generalkommissar Dr. Zimmermann und das gesamte diplomatische Korps mit dem päpstlichen Nuntius hatten sich zu J>er Feier eingefunden.
Der eucharistische Kongreß
Die Eröffnung.
Aus Amsterdam wird gemeldet:
Der Erzbischof Kardinal Schulte-KLln ist zum eucharistischen Kongreß eingetroffen. Bei der Eröffnung des Kongresses hielt der Vorsitzende des Allgemeinen Komitees, Mons. H e i j l e n, eine Rede, in der er u. a. sagte:
Wir erwarten viel von dem 27. eucharistischen Kongreß in Amsterdam. Glänzende Vorbereitungen sind getroffen worden. Wir sollen uns das Vorbild des Papstes vor Augen halten, um alle Pflichten gegenüber der heiligen Eucharistie zu erfüllen. Wir wollen Jesus verherrlichen im aller- heiligsten Sakrament. Ihm wollen wir die Ehre geben. Das ist das besondere Ziel des Kongresses. Die ganze katholische Kirche soll sich uns anschließen. Unsere Aufgabe in Amsterdam wird es sein, uns nicht übertreffen zu lassen in der Inbrunst, in der sich alle Gläubigen um uns scharen werden.
Sodann hielt der Bischof von Haarlem, Mons Gallier, eine Rede, in der er sagte: Wir schätzen uns glücklich, daß die ganze katholische Welt mit uns vereinigt ist, um Jesus Christus zu verherrlichen im allerheiligsten Sakrament des Altars. Hierauf verlas der Kardinallegat van Rossuy- einen Brief des Papstes Pius X.
Die aufroerttingsfrase.
Von unserem parlamentarischen Vertreter.
Wieder einmal ist diese Angelegenheit in bei Mittelpunkt öffentlicher Erörterungen gerückt. Der sogenannte Aufwertungsausschuß im Reichstage hat sich gebildet. Schon diese Tatsache wird der Spekulation reichlichen Antrieb geben, wenngleich man die Vermutung auszusprechen berechtigt ist, daß die Erwartungen und Hoffnungen nicht mehr einen derartigen Umfang annehmen werden, wie das wohl vor kurzem noch der Fall war.
Die Aufwertungsfrage ist aber von so großer Bedeutung, daß die Reichsregierung sich veranlaßt sah, in einer besonderen Besprechung mit den Parteiführern sich mit diesen Dingen zu befassen. Die Reichsregierung machte dabei darauf aufmerksam, daß im gegenwärtigen Augenblick eine grundsätzliche und gründliche Inangriffnahme der Aufwertungsfrage im Ausschüsse eine derartige Inanspruchnahme der Reichsregierung nach der persönlichen und sachlichen Seite hin bedingen würde, daß darunter die dringlichsten Fragen, wie sie mit der Londoner Konferenz verknüpft sind, unmittelbar leiden würden. Ganz besonders machte der Finanzminister geltend, daß er eine derartige Inanspruchnahme von Persönlichkeiten seines Amts für diese Frage im gegenwärtigen Augenblick nicht befürworten könnte. Andererseits liegen die Dinge aber auch so, daß bei einer auch nur allgemeinen Eröffnung der Debatte über die Aufwertungsfrage schlechthin im Ausschuß eine neue Spekulation sich wieder entfachen würde, deren Auswirkungen nur im höchsten Grade unheilvoll angesehen werden müßten.
Wie die Dinge stehen, wird nunmehr voraussichtlich folgendermaßen verfahren werden: Der Aufwertungsausschuß wird sich fürs erste damit begnügen, Material zu beschaffen, das der Reichsregierung in Vorlage gebracht werden soll, um ihrerseits eine Stellungnahme herbeizuführen. Das wird in der Weise geschehen, daß der Ausschuß bestimmte Fragen an die Reichsregierung formuliert, deren Beantwortung dann den zuständigen Stellen zu obliegen hätte. Dabei werden die grundsätzlichen Fragen, wie sie mit der Aufwertung zusammenhängen, von einem Unterausschuß in Angriff genommen werden. Eine solche Instanz kann stiller und von der größeren Oeffentlichkeit unbemerkter arbeiten, ist darum auch in ihrer Wirksamkeit ungehinderter. Dieser Unterausschuß wird das Aufwertungsproblem als solches wieder aufzu- rollen haben, das dann dem Hauptausschuß zur weiteren Beratung und Entschließung vorbehalten bleiben soll.
Daß in der Aufwertungsfrage etwas geschehen soll, ist eine im Parlament weit verbreitete Auffassung. Deutschnationale und Bayerische Volkspartei haben bereits eine ganze Reihe von Fragen in diesen Dingen formuliert. Auch die Zentrumsfraktion bereite solche Fragen vor und in gleicher Weise denken die übrigen Parteien vorzugehen. Mit diesem System hofft man die Aufwertungsfrage in eine Sphäre leidenschaftsloser Erörterungen leiten zu können, um gleichzeitig damit der Spekulation einen Dämpfer aufzufetzen. Aber man muß sich durchaus darauf einftelten, daß die Börse ihre eigenen Wege geht, wie es ja das Wesen der Spekulation ist, künftige Entwicklungen in der Beurteilung vorwegzunehmen. I st die Aufwertungs- frage einmal erneut zur Debatte gestellt, bann wird man es nicht verhindern können, daß auch die Börse sich wieder mit ihr beschäftigt und bestimmte Schlußfolgerungen zieht. Was man verhindern kann, sind lediglich die frivolen und verantwortungslosen Machenschaften, die sich immer wieder auf Grund falscher Gerüchte hervorwagen. Grundsatz in der ganzen Aufwertungsfrage darf, einziz und allein sein, daß die Geschädigten, diejenigen also, die ihr gutes Geld damals hinge- geben haben, zu ihrem Rechte kommen
* Feier für Jean Jaures. Wie der „Vorwärts^ mitteih, wird am 31. Juli im Pariser Tcocaderi eine große internationale Ehrung des am 31. Jul 1914 ermordeten Jean Jaures stattfinden. Zu bei Feier jst Reichstagsabgeordneter Paul Lobe e im geloben worden, der im Namen ber Versammlung sprechen wird.