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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 17-.

Berantworttick lür die Schriftleitung: Dr. JobanueS Kramer. Ameisen; I. P arreller, Fulda. Rotationkdruck und Berlag der s Fuldaer Actieudruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr- 9. »

Be»ugsvreir für Juli: 1.50 Mk.

Donnerstag, 24. 3uli 1924.

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51. Zahrg.

DieEinladungDeutschlandsnachLondon.

Bor der 2. Vollsitzung der Londoner Reparationskonferenz.

Am Mittwoch nachmittag sollten die Bespre- hungen der verschiedenen Kommissionen soweit ge­ordert sein, daß wieder eine Vollsitzung abgehal­ten werden konnte. Die Bankiers, die mit den Be- schlüssen der ersten Kommission über die Sanktionen Sicht zufrieden waren, haben den Franzosen und Belgiern ernstlich zu schaffen gemacht. Die eng­lische Presse unterstützt den Vorstoß der Bankiers und gab der Erwartung Ausdruck, daß die im Interesse der Anleihe-Gläubiger gestellten Forde­rungen erfüllt werden würden. Unter diesem Ge­sichtspunkt erwartet man eine Lösung der Schwie­rigkeiten.

Jetzt tritt auch dieFragederEinladung Deutschlands deutlicher in den Vordergrund. Die Auffassung englischer politischer Kreise über die Frage der Zuziehung Deutschlands zu der Londoner Konferenz geht heute dahin, trotz mancher mit der innerpolitischen Lage in den verschiedenen alliierten Ländern zusammenhängenden Schwierigkeiten be­stehe immer noch die Hoffnung, den unter den Alliierten vorwiegenden Wunsch, die volle MitarbeitDeutschlands bei der Durchfüh­rung des Dawesberichtes zu sichern, bald verwirk­licht zu sehen. Diese Mitwirkung könnte nach eng­lischer Ansicht in der Gestalt erfolgen, daß der von den Alliierten erzielte Entwurf eines Uebereinkom- mens den deutschen Delegierten in London zur Stellungnahme unterbreitet werde. Durch dieses Verfahren würde es nach englischer Ansicht möglich sein, Deutschland bei der endgültigen Schaffung eines Uebereinkommens zu Rate zu ziehen.

Anter -em Druck -er Knanzleute.

Französisch-belgisches Zurückweichen in der Regie-Frage.

wtb y a r t s, 23. Juli. (Tel.) Heber die Frage der französisch-belgischen Eisenbahn-Regie glaubt der Sonderberichterstatter des «Journal" folgendes berichten zu können:

Die beiden Sachverständigen Levert und Ac- werkh hätten sich über ein Kompromiß geeinigt. Es fei allerdings nicht ohne ernstlichte geständnisse abgegangen. Frankreich und Belgien hätten sich bereit erklärt, wenn auch nicht die Zahl ihrer Beamten, so doch die Ausdeh­nung ihres Tätigkeitsbereichs einzuschränken. Die französisch-belgischen Eisenbahner sollen nicht ständig auf den vorgefchlagenen Linien beibehal­ten werden, sondern nur in einem sehr beschränk-

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ken Abschnitt des Rehes Verwendung finden. Auch hier soll die unsichtbare Besetzung geschaffen wer­den. Die Kombination werde heute vormittag den Führer der Delegationen und den Vorsitzen­den der Sommisiionen unterbreitet werden, die die Vorbereitung zur Plenarsitzung treffen.

Vie neueste tage in Lon-on, Roch immer die Schwierigkeiten mit den Bankiers. Das amerikanische Mißtrauen gegen die Re­parationskommission. Liu besonderer Sanktions­ausschuß. Deutschland als gleichberechtigter Konferenzteilnehmer.

Wtb London, 23. Juli. (Tel.) Die «Ti­mes" meldet zur interalliierten Reparationskon- fereuz, daß die infolge der Haltung der Bankiers entstandenen Schwierigkeiten noch nicht beseitig! sind. Sie würden aber nicht für unüber- windli ch gehalten. Lin Vorschlag des belgi- scheu Rlinislerpräsidenken besagt, daß ein beson­derer Ausschuß durch die Reparationskommission ernannt werden soll, um die Frage eines deutschen Verzuges zu eukscheideu. Das bedeute keinen Ein­griffe in die Rechte der Reparrationskommission, da sie selbst den Ausschuß ernenne. Gleichzeitig wird aber dadurch der Anteil der Reparations­kommission an den folgenden rechtlichen Erwägun­gen ausgeschalket. Die amerikanische öffentliche Meinung scheint bezüglich der Eignung der Repa­rationskommission zum Amt eines Schiedsrichters sehr mißtrauisch zu sein, selbst wenn ihr ein ame­rikanischer Bürger beigegeben wird. Lin ameri­kanischer Vorschlag, der in Konferenzkreisen mit besonderem Wohlwollen ausgenommen wurde, be­sagt, daß die Reparationskommission die endgül­tige Verzugserklärung abgeben soll, daß aber die Sanktionen der Entscheidung eines besonders da­für ernannten Ausschusses überlassen werden sollen.

Weiter meldet die «Times", daß in der heuti­gen Vollsitzung außer der Entgegennahme der Be­richte der drei Kommissionen auch die Frage der Einladung Deutschlands erörtert werden soll. Wahrscheinlich werde heute beschlosien, Deutschland aufzufordern, an der Konferenz als gleichberechtigte Macht keilzunehmen.

Reichslag.

Von unserem parlamentarischen Vertreter.

Von dem jetzigen Tagungsabschnitt des Reichs­tages ist an politischen Entscheidungen nicht viel zu erwarten. Uns dünkt, es wäre bester gewesen, man sstitte den Reichstag in diesem Augenblick über­haupt zuhause gelassen. An unmittelbar drän­endem Arbeitsstoff liegt nichts vor. Die Schicksals- srage, die das deutsche Volk gegenwärtig im Hin­blick auf die Londoner Entscheidungen bewegt,, kann solange von deutscher Seite nicht in Behandlung genommen werden, als noch kein Bild über die Londoner Ereignisse und über ihre Folgen für Deutschland zu gewinnen ist. Um einige Tage kommunistischen Radau über sich ergehen zu lasten, wie das jetzt der Fall ist, hätte man den großen Aufwand nicht aufzubieten brauchen.

So kann das Bearbeitungsmaterial, das der Reichstag jetzt zu bewältigen hat, nur auf Gegen­stände sich beziehen, die mit den jetzt schwebenden großen innen- und außenpolitischen Entscheidungen in keinem Zusammenhang stehen. Aber man muß bei alledem doch berücksichtigen, daß das, was sich hier in aller Oeffsntlichkeit als eine Vollversamm­lung des Reichstages vollzieht, nur die Kulisse ist für sehr viele wichtigere Dinge, die in verschloffe- nen Fraktions- und Sitzungszimmern zur Erörterung stehen.

Und hier bereitet sich dis Entscheidung vor. Kein Zweifel: Dies Parlament ist ein anderes als das vor vier Wochen. Gärung überall. Selbst der Regierungsblock ist keine innerliche Ein­heit, und daß die Einheitlichkeit auch nach außen hin zu wünschen übrig läßt, wer wollte das leugnen! Man braucht hier nicht auf die Erörterungen zu verweisen, die sich an die Vorgänge innerhalb der Deutschen Volkspartei in den letzten Tagen knüpf­ten. Mit am meisten im Aufruhr befindet sich gegenwärtig die Sozialdemokratie. Das Aufwerfen der Zollabsichten der Regierung einer­seits, die Haltung der deutschen Vertreter in Sachen des Internationalen Arbeitsabkommens in Geist andererseits in Verbindung mit dem Abbau führen­der Persönlichkeiten der Sozialdemokratie aus kom­munalen Positionen man denke nur an Scheide­mann und Leinert ferner die Verabschiedung des sozialdemokratischen württembergischen Gesandten in Berlin, Hlldebrandt und andere Dinge haben die radikale Richtung innerhalb der Sozialdemokratie recht erheblich gestärkt. Man hat innerhalb der Sozialdemokratischen Partei offenbar nicht übel Lust, nun ihrerseits eine Entscheidung herbei­zuführen. Sie könnte etwa in der Linie liegen, daß die Sozialdemokraten von der Reichsregierung eine Stellungnahme über die Lastenverteilung aus Anlaß des Gutachtens verlangen, noch bevor über dieses Gutachten selber entschieden wird. Und die nach dieser Richtung hin taktierende Strömung will, bei einem Versagen der Regierung, die Ent­scheidung des Volkes selber über Sachverstän- Higen-Gutachten und Lastenverteilung herbeifüh-

I ren. Die Sozialdemokraten hosten auf diese Weise den Annäherungsversuchen zwischen verschiedenen bürgerlichen Parteien und den Deutschnationalen ein Ende zu bereiten. Diese Strömungen lösen naturgemäß auch auf der Rechten Gegenkräfte aus, sodaß wir uns augenblicklich in einem innerpolitischen Ver­wirrungszustand befinden, der uns wieder einmal im ungeeignestten Zeitpunkt beschieden ist, zu einer Zeit nämlich, wo wir einheitliche Entschlossenheit und Geschlossenheit im Hinblick auf die außenpoli­tischen Entscheidungen am meisten notwendig hät­ten.

Die Stimmungen der Parlamentarier zu den Vorgängen in London sind durchaus ernst, ja zum Teil direkt pessimistisch. Daß das Gutachten und damit die Londoner Konferenz scheitern könne, wird allerdings von keiner Seite angenommen. Aber gerade deshalb, weil die Alliierten nunmehr unter allen Umständen eine Einheitsfront herzustellen sich bemühen, muß man schwere Befürchtungen haben, daß diese Einigung sich lediglich auf Kosten Deutsch­lands vollzieht.

Was aber zu diesen ernsten Sorgen am meisten beiträgt, das ist die Beobachtung, die insbesondere von den Abgeordneten aus den besetzten Ge­bieten berichtet wird, daß nämlich in Dielen Tei­len dieses besetzten Gebietes von einem Abbau der bisherigen Besatzungspolitik noch nichts zu bemer­ken ist. Ganz im Gegenteil wird übereinstimmend berichtet, daß die militärischen Maßnahmen, na­mentlich die auf die Erweiterung oder Neuerrich­tung von Kasernen, wie überhaupt aus die Berstär- kung von Truppenmacht abgestimmten Maßnah­men nicht geringer, sondern nur noch schroffer ge­worden sind. Es wird weiter so selbstherrisch vor- Sangen, als ob in Frankreich sich überhaupt kein

chsel in der politischen Einstellung vollzogen hätte. Die ausführenden Organe der französischen Politik in den besetzten Gebieten sind offenbar der Meinung, daß eine, Umstellung sich deshalb nicht lohne, weil Herriot ja doch in absehbarer Zeit ge­stürzt werde, jedenfalls seine Amtszeit nur von kur­zer Dauer fei, und daß die Nachfolgerschaft ja doch ein «oineareistisch gerichteter Politiker einnehmen» würde.

Was ncs werden soll, ist noch garnicht abzu­sehen. Die parlamentarische Lage ist absolut un- ksar, sie ist aber auch sehr ernst einzuschätzen. Es sind Ueberraschungen noch keineswegs ausgeschlos­sen. Die Verzögerung in der Fertigstellung der Ausfuhrungsgesetze zum Gutachten ist eine kritische Tatsache. Am Reichstag liegt diese Verzögerung nicht. Die Gesetze sind von deutscher Seite durchaus vorbereitet. Man muß befürchten, daß die Position der Reichsregierung bei einem noch längeren An­halten dieses ungewissen Zustandes eine gefährliche Erschütterung erfahren könnte.

In der Reichstagssitzung am Dienstag voll­führten die Kommunisten wieder einen Heiden­lärm, wovon sie sich die Gewährung einer Am-

Mehr wirklichkeitrfinn".

Unter der ÜberschriftMehr Wirklichkeits- finn" schreibt dieGermania" u. a.:

In allen Wirtschaftskreisen ruft man in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedrängnis nach B e i h i lf e. Man wird das Gefühl nicht los, daß sich weite Kreise unseres Volkes in geradezu ver­hängnisvollen Illusionen befinden bezüglich der Lage unserer öffentlichen Finanzen und der Leistungsfähigkeit des Reiches. Das Reich hat sich in den vergangenen Monaten nur mit Hilfe der Rentenmarkkredite und außerordentlicher Ein­nahmen über Wasser halten können. Der Haus­halt für 1924 zeigt trotz aller Bemühungen einen Fehlbetrag von rund 470 Millionen. Unsere Si­tuation hat sich im Grunde nicht geändert und wir müssen uns nach wie vor auf die Sparfamteit einstellen. Daran ändert grundsätzlich auch die Tatsache nichts, wenn wir heute zu tragbaren Ab­machungen in London kommen. Es darf nicht vergessen werden, daß die ausländischen Kredite, die wir bekommen, einmal abbezahlt werden müs­sen und daß dies nur mit deutschem Kapital ge­schehen kann, das durch Fleiß und Einschrän- k u n g erarbeitet und erspart werden muß.

Empfang beim Reichskanzler.

Der Reichskanzler empfing am Dienstag die Parteiführer des Reichstags mit Ausnahme der Rationalsozialisten und Kommunisten. Der Reichskanzler unterrichtete die Parteiführer ver- traickich über die zum Dawes-Gutachten ausgear­beiteten Gesetzentwürfe. Wie verlautet, wurde in dieser Besprechung, an der u. a. außer dem Reichs­kanzler die Reichsminister Luther und Jarres teil- nahmen, vertraulich auch die parlamentarische Lage besprochen, wie sie sich in den nächsten Tagen ge­stalten kann.

Die deulfchnationale Reichskagsfrakkiou hat nach langen Beratungen einen Beschluß gefaßt, in dem sie die folgenden Forderungen an die Re­gierung richtet:

Eine Teilnahme an der Londoner Konferenz soll nur erfolgen, wenn es sich nicht um Entgegen­nahme eines Diktats, sondern um Verhandlungen als gleichberechtigter Partner handelt, sofortige Freigabe der Gefangenen und Rückkehr der Aus- geroiefenen, unverzügliche wirtschaftliche und mili­tärische Räumung der Einbruchs- und Sanktions­gebiete, Wiederherstellung der wirtschaftlichen und administrativen Hoheit des Reiches im altbefetztcn Gebiet einschließlich des Eisenbahnnetzes, Sicher­stellung der Anerkennung, daß die Frist für die Räumungen mit dem 10. Januar 1920 zu laufen begonnen haben, Sicherung gegen zukünftige Sank­tionen, keine Anerkennung von Forderungen, die gegen die Würde und Unabhängigkeit Deutschlands verstoßen und Widerruf des der Wahrheit wider­sprechenden Schuldbekenntnisses.

Der Beschluß erklärt, daß die Deutschnationa­len sich mit allen Mitteln Abmachungen wider­setzen werden, die ihren Forderungen nicht ent­sprechen.

Reichsbanner «Schwarzrokgold".

Am 10. August findet in Weimar eine Ber- fassungsfeier des ReichsbannerSchwarz-rot-gold" statt, an der, wie derVorwärts" wissen will, aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Reichs­präsident Ebert teilnehmen wird. U. a. werden General v. Deimling, die Abgg. L ö- b e und Fehrenbach sowie Fritz von Unruh erwartet. Die Veranstaltung soll eine republika­nische Kundgebung größten Stiles werden.

Rv§ -em besetzten Gebiet,

Der Oberbürgermeister von Coblenz, Dr. Rus­sell ist in Coblenz ein getroffen und soll dieser Tage mit Erlaubnis der Besatzungsbehörde nach Erledigung gewisser Formalitäten wieder fein Amt übernehmen.

Tarifwesen.

Der Reichrmanteltarif für die Gemeindearbeiter ist in Kraft getreten. Er besteht größtenteils aus einer Vereinbarung zwischen dem Reichsarbeitgeber­verband deutscher Gemeinde- und Kommunalverbände, dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter und dem Zentralverbcmde der deutschen Arbeitnehmer öffent­licher Betriebe und Verwaltungen, einige Bestimmungen, wie z. B. die Arbeitszeitregelung, beruhen auf dem Schiedsspruch der Schlichtungskammer des Reichs- arbeitSministeriums vom 1. Juli, der rmterm 21. Juli vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden ist. Der Reichsmanteltarisvertrag gilt für etwa 1200 Kommunalverwaltungen und über 170000 Gemeinde­arbeiter.

neftie für ihre Freunde versprachen. Dann ging ihr Abg. Katz in einer langen Rede mit dem Reichspräsidenten ins Gericht wegen dessen Ver­halten bei der Durchsuchung der Arbeitszimmer der kommunistischen Abgeordneten durch die Po­lizei. Das Mißtrauensvotum der Kommunisten gegen den Reichspräsidenten sand nur die Zu­stimmung von 29 Kommunisten. Sozialdemokra­ten und Nationalsozialisten (zusammen 106) ent­hielten sich der Stimme. 196 Abgeordnete stimm­ten gegen den Mißtrauensantrag. Sonst gab es nichts bemerkenswertes. Am Mittwoch soll über sozialpolitische Anträge" beraten werden, ebenso am Donnerstag. Am Freitag ist im Anschluß an den Notetat die allgemeine politische Aus­sprache auch über die Außenpolitik vorgesehen. Weitere Anordnungen sind noch nicht getroffen worden.

Set MM in Sann Paolo.

3000 Opfer der Revolution in Brasilien.

wtb Washington, 23. Juli. (Tel.) Einen hier eingeangenen Bericht zufolge wurden bei bei Kämpfen in Sao Paolo dreitausend Zivilpersonei getötet oder verwundet. Die Streitkräfte der Auf­ständischen scheinen gut ausgerüstet zu sein Ihre Zahl wird auf mindestens 10 000 geschäht Die Lebensmittelversorgung von Sao Paolo so« genügend sein, doch haben viele Tausende von Ein- wohnern die Stadt verlassen. Die brasilianische Regierung schickt weitere Verstärkunge» nach Sao yaolo. >.

Der neue Präsident in Mexiko.

Wtb yaris, 23. Juli. (Tel.) Wie der «Pe fit yarisien" aus London meldet, ist demNew york herald" zufolge General Lalles zua yräsidenlen von Mexiko ernannt worden.

Zührer un- Gefolgschaft im poli­tischen parteileben.

Der weithin im Parteileben eingerissene rück­sichtslose, oft gewissenlose Wettbewerb um die Gunst der Wähler hat zu einem Wettlauf radi­kaler und Jnteressenparteien darin geführt, wer den Wählern das meiste vom Staate heraus- z u h o l e n verspricht. Selbstverständlich tarnt kein Staat all das leisten, ohne ungerecht zu handeln und übwbies selbst bankrott zu werden.

Deshalb entscheidet sich der gewissenhafte Bür­ger, der sich seiner Verantwortung für die Erhal­tung und Pflege des Gemeinwohles bewußt ist, letzlich nach anderen Gründen. Solche find der gesamte Geist der Partei, der ihm zusagt, ver­wandt ist; die Ehrenhaftigkeit, Gewis- senhaftigkeit, Einsicht und Klugheit der Führer, ihre Leistungen für das Gesamtwohl des Volkes, ihre Haltung in lebenswichtigen Ent­scheidungen über Wohl und Wehe des Staates, der Nation, ihre Opferwilligkeit im Dienste des Staatsvolkes, die sich besonders dann erweist wenn es gilt, auch unangenehm, aber staats- notwendige Aufgaben zu erfüllen, u n p o p u I ä re, aller unentbehrliche Lasten den Bürgern auszuer- »legen.

Hier regen sich die staatspflegenden Lebens­gefühle des echten Bürgers, aus denen erst die staatliche Volksgemeinschaft, die Staatsvolks­familie erwächst: Vertrauen, Treue, Wohlwollen, Hilfsbereitschaft, selbstlose gütige Liebe. Sie bil­den den Volksfamiliensinn, der erlebt und bejaht, daß ich, wie eine häusliche Familie, so eine Staats­volksfamilie nur insoweit habe, als ich zuerst Le­ben um mich herum wecke und mich an die Fami- liengenossen hingebe, für sie arbeite und opfere. Dieser Familiensinn ist dadurch beglückt, daß er zuerst andere beglücken kann. Wer in solcher Art und Weise die politische Partei ansieht und will, daß sie in diesem Geiste wirke, will selbst gegenüber seiner Partei so sinnen, fühlen und handeln, will ihr, insbesondere ihren Führern, sich in der Vertretung seiner Staatsbürgerpflichten anoertrauen können. Er will mit Ver­trauen sich der Partei und ihren Führern h i n- geben, ihnen von Herzen Gefolgschaft leisten können.

Der unverdorbene Deutsche kann nach der gan­zen Vergangenheit seines Volkstums und Staats­volkslebens nur jener politischen Partei sich inner­lich anschließen, die echte Führer hat, denen er sich als Bürger voll anvertrauen kann. In der Früh­zeit seiner Geschichte und im Mittelalter kürte der Deutsche aus germanischem Genossenschaftsgeiste sich in allen Lebensgemeinschaften den echten Füh­rer, der die Ideen der Gemeinschaft am lautersten verkörperte, leistete ihm dann orts Gefolgsmann echte deutsche Mannentreue. <Fx> hielt er es aus innerem Drang im Kriege, so auch in der Frie­densarbeit. De rName eines erprobten Führers ward ihm bis heute das Sinnbild, Symbol der Ge- sinnungs-, Kampf- und Arbeitsgemeinschaft; um diese Führergestalten wob sein Denken, Sinnen und Lieben oft schon zu deren Lebzeiten einen Mythos, und dieser hielt die Gemeinschaft zusam­men, gab ihr die Schwungkraft und Dauer. Daher auch in unserem heutigen seelischen Zusammen­bruche der Ruf nach den kraftvollen Männern, an denen man sich aufrichten, um die man sich sammeln kann. Jene Parteien, die keine solche Ehrfurcht gebietenden, Liebe erwecken­den Führerpersönlichkeiten unter sich haben, oder die das Gedächtnis der Verklärten nicht pflegen, können sich im deutschen Volke nicht halten. Das ehrt die deutschen Staatsbürger, weist aber auch alle politischen Parteien auf die Notwendigkeit hin, die Ausbildung und Auslese von Par­teiführern zu pflegen, die mehr sind als kluge politische Geschäftemacher.

*Schill" undBoston". Nach einer aus der B. Z." aus Nordwentzhausen ^gegangenen Meldung ist der oldenburgische DampferSchill" mit 13 Mann Besatzung im Atlantischen Ozean unter.gegangen. Das auf der Fahrt nach New York befindliche DamfschiffBoston" hatte in der Höhe von Kap Judith eine Kollision und aab Hilfssingnale ab. Alle Passagiere wurden in die Rettungsboote gebracht. Vier Personen sind ums Leben gekommen. Di« Kollision ist infolge Nebels erfolgt.

von -en Hochschulen.

Würzburg Zum Rektor für das Studienjahr 1924/25 wurde der Professor der Geschichte, Geheimrat Dr. Anton Chronst, gewählt.