Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
51. Zahrg
Mittwoch, 23. 3uli 1924
Nr. 170
gleichfalls
Der New
Deutschland stehe.
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gewählt sei und der Vorsitzende des Reichslandbundes, Rittergutsbesitzer Graf v. Kalckreuth, daraufhin erklärt habe, er werde nunmehr in den Aufsichtsrat der Bank von Raiffeisen eintreten und damit sei der erste Schritt zur Vereinigung von Reichslandbund und Raiffeisenorganisation getan. Richtig ist allein, daß Geheimrat Dietrich in den Aufsichtsrat der Bank für Landwirtschaft gewählt ist. Dagegen kann keine Rede davon sein, daß Gras v. Kalckreuth in den Aufsichtsrat der Deutschen Raiffeisenbank gewählt würde. In Frage kommt lediglich eine Wahl in den Aufsichtsrat der Deut- schen Landmannbank, die aber bekanntlich ebenso wie die Bank für Landwirtschaft dem landwirtschaftlichen Geldwesen außerhalb des Genoffen- fchaftswesens dient. Von einer beginnenden Verschmelzung zwischen Raiffeisen und Reichs- landbund, der draußen im Lande die Raiffeisenorganisation mit allen Mitteln wahllos bekämpft, kann keine Rede sein. Eine Verschmelzung wischen dem Reichslandbund, einer wirtschaftspoli- tischen"Vereinigung von Landwirten und der alle Kreise der Landbevölkerung umfassenden, gemein-1
Staaten bewegen, uns unter die Arme zu greffen sind für uns von sekundärer Bedeutung. Daß Amerika nicht aus Altruismus sich zu uns neigt sondern daß der krasse Egoismus die einzig treibende Kraft bildet, ist selbstverständlich, für den Uebergang einer deutschen Währung aus dem labilen in den stabilen Zustand aber vollkommen nebensächlich. Ist Deutschland erst mit den Vereinigten Staaten durch die Bande des Goldes Der- Sunden, so haben letztere ein vitales Interesse daran, bei französischen Uebergriffen ein mächtiges Veto in die Wagschale zu werfen. Denken wir an den Morgankredit für Frankreich, so verstehen wir die „Hannibal ante portas"-Wirkung der Vereinigten Staaten auf Frankreich.
Raiffeisen und Reichslaudbund.
Von beteiligter Seite wird uns geschrieben:
In den Tageszeitungen findet sich ein Artik« mit einer Überschrift wie „Verschmelzungsabsich ten zwischen Raiffeisen und Reichslandbund". I« dem Artikel fft gesagt, daß Geheimrat Dietrich in den Aufsichtsrat der Bank des Reichslandbundes
Morgans Esropareise.
Docker Bankier Morgan, der am Bord des Dampfers „Minnewaska"
= Die Linheitskurzschrist. Am Montag fand tm Reichsmunsterium des Innern eine Konferenz über die Frage der Einheitskurzschrift statt, an der dieinteressierten Refforts des Reichs und der Länder mit Ausnahme von Bayern und einiger kleiner Länder teilnahmen. Preußen erklärte sich bereit, unter bestimmten Be. dingungen auf dem Boden des Freyoschen Einigungsentwurfs zu treten. Da eine Einigung über diese Bedingungen nicht herbeizuführen war, konnte ein Ergebnis zunächst nicht erzielt werden. Das Reichsministerium des Innern wird die Angelegen, heit werter verfolgen.
Verantwortlich >ür die Echriitleitung: St. So banne- »tarnet. Anzeigen: I. P geller, Fulda. Rotationsdruck und «erlag det s Fuldaer Actice——?-tei in Fulda. Fetnlvtechet •?» • •
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durch bin «heinlanbnbkommen onb die Ordorman- een be» Aheim«^0oru«nission sichergestellt sind und 3xt>n für ei» alliierten Truvpen vor Ser
RuhraVna sich »t gezeigt haben, wie auch während der Mtffwen Ressistenz die Versorgung der englischen Truppen durch Abfachungen mit den Eisenbahnerg.-werkschaften durchaus sichergestellt war, würde sich unschwer aua) jetzt e?n Weg für entsprechende Sicherungen finden lassen. Schon aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen heraus ist deshalb der ftanzösische Plan unanehmbar.
Bankiers-Besprechungen.
Der Druck auf Frankreich und Belgien.
wtb paris, 22. Juli. (Tel.) Der Sovder- berichkerstakker der Havas-Agentur in London richkek über die gestrigen Verhandlungen deralliiertenFinanzminisiermitden englischen und amerikanischen Bankiers. Der französische und belgische Finanzminister hakten mit aller Kraft gegen die Ansicht der Bankiers Stellung genommen und ausein- andergeseht, daß diese dem Versailler Vertrag zuwiderlaufe, auf den Belgien keinen geringeren Werl lege wie Frankreich. Man habe sich dann bemüht, den Geldgebern die verlangten Garantien zu bieten. Es verlautet, daß man daran gedacht hat, der Reparakionskommission die Feststellung der Verfehlung zu übertragen, aber dem Finanzausschuß des Völkerbundes die Beurteilung der Konsequenz einer deutschen Verfehlung zuzuweisen. Auch soll der Gedanke erwogen worden sein, das Sachverständigen-Komikee, das den Dawesbericht abgefaßk hat, weiter bestehen zu kaffen, um ihm die Aufgabe zu übertragen, nach einer Verfehlung Deutschlands gegen seine neuen Verpflichtungen zu bestimmen, was geschehen soll. Angesichts der Verschiedenartigkeit der gegenüberstehenden Standpunkte sei gestern kelnBeschlnß gefaßt worden und es werde heute eine neue Zusammenkunft stattfinden. In französischen und belgischen Sonferenzkreisen hat man gestern abend unter einem wenig günstigen Eindruck gestanden angesichts der Schwierigkeiten finanzieller Art, die jetzt gemacht würden und die di« ganze so mühselige errichtete Verständigung in der Frage der Verfehlungen und Sanktionen zwischen den Sachverständigen wieder in Frage stellen. Man hoffe jedoch, daß jetzt der Wille, zum Ziele zu kommen, bei den verschiedenen Delegationen es möglich machen werde, eine annehmbare Lösung zu finden, die sämtliche in Betracht kommende Interessen wahrt.
Bei dem Druck der amerikanischen Bankiers scheint es den Franzosen und den Belgiern, nach obigem zu schließen, nicht gerade wohl zu Mute zu sein.
Die Scheu vor den deutschen Delegierten.
Französische Sorgen.
wtb paris, 22. Juli. (Tel.) Der Londoner Berichterstatter des „Petit Journal" in London glaubt behaupten zu können, daß Macdonald und Herr ist sich jetzt weder offiziell noch offiziös über die Frage der Berufung deutscher Delegierten nach London beraten haben.
Der Berichterstatter weist auf die Gefahr hin, der man sich aussetze, wenn man mit den Deutschen diskutieren werde. Gewisse Amerikaner würden angesichts der deutschen Reklamationen den Versuch machen, ein neues Kompromiß zu suchen, das die Eintracht der Alliierten in Gefahr bringen könnte. Eine zweite Gefahr bestehe darin, daß Macdonald und herriok sich vielleicht durch die Kalkung der, Deutschen dahin führen lassen könnten, ein Ultimatum zu stellen. Der Gedanke eines derartigen Vorgehens fei für die Arbeikerregierungen gefährlich und entspreche nicht der Tendenz des Sach- verstäudigeuplans. Etwas Derartiges könne vielleicht den B r n ch der Konferenz und auch der Entente herbeiführen. Warum sollten sich affo die Alliierten ein Grab graben, in das sie vielleicht selbst hineinfallen würden. Wenn der Berichterstatter diese Diskussion heute anschneide, so geschehe es, um vorzubeugen.
Diese Ausführungen des Sonderberichterstatters gewinnen besonderen Wert, wenn man bedenkt, daß sie im Organ Loucheurs veröffentlicht werden.
M MMMlilk ies NWlW
Dienstag nachmittag 3 Uhr beginnt der Reichstag wieder feine Plenarsitzungen. Vorher tritt bei Aeltestenrat zu einer Beratung über die Ge- fchäftslage und den bevorstehenden Tagungsabschnitt zusammen. Soweit es sich bisher übersehen läßt, wird der Reichstag nur Arbeitsstoff für einige Sitzungstage haben. Wann dis zum Sachverständigengutachten gehörenden Gesetze den Reichstag beschäftigen werden, hängt von dem Verlauf der Verhandlungen der Reparationskommission und von dem Ausgang der Londoner Konferenz ab. Es wird damit gerechnet, daß der Reichstag in den ersten Tagen des August eine längere Sommerpause eintreten lassen kann.
Nachdem bereits die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zusammengetreten war, werden im Laufe des Dienstag die Deutschnationalen, die Demokraten und die Bayerische Volkspartei Fraktionssitzungen abhalten.
Ausland.
* Die Lage in Brasilien. Macdonald hat heute im englischen Unterhause mitgeteilt, daß, falls es nötig wäre, ein britisches Kriegsschiff nach einem brasilianischen Hafen entsandt werden solle.
* Das Attentat in Teheran. Wie Reuter aus Teheran meldet, ist das Attentat gegen der amerikanischen Konsul inmitten einer großen Menschenmenge verübt worden. Obgleich zahlreiche Polizeibeamte und bewaffnete Soldaten zugegen waren, wmde kein einziger Schuß zur Verteidigung des Opfers abgegeben. Der Konsul tvehrte sich tapfer, war aber machtlos, da sich eine wilde Soldatenmenge an dem Attentat beteiligte. Der Kopf des Konsuls weist Säbelhiebe auf. Das diplomatische Korps hat eine ernste Note an die persische Re» gierung gerichtet.
26. Juli an nach London reisen wird, erklärt, daß seine Reise in keinem Zusammenhang mit der Anleihe für
»weifellos in der „Atmosphäre" sich eine Aenderung vollzogen hat, so ist damit nicht gesagt, daß nun nicht auch jetzt, wie damals, Deutschland schließlich das Objekt darstellt und daß auf Deutschlands Rücken die Einigungsbasis für die Alliierten gesucht wird.
Wie stehen denn die Dinge? Frankreich steht auch heute noch unter dem Bann der Angst vor Deutschland. Darum wird Frankreich, wie es politisch auch aussehen mag, dieSicherungsfrags in den Vordergrund stellen.
Daneben berührt aber Frankreich noch ein zweites: Die wirtschaftliche und finanzielle Seite des Problems. Frankreichs Politik wird nie zur Ruhe und Ordnung kommen können, wenn nicht die Schuldenfrage eine Regelung gefunden hat.
Nun aber ist in beiden Dingen Frankreich nicht in erster Linie, ja garnicht einmal absolut von Deutschland abhängig, in der Frage der Sicherungen braucht es England, in der des Schuldennachlasses Amerika.
Und darum liegt eine Lösung der Reparationsfrage in Wirklichkeit viel weniger im Interesse Deutschlands, als in dem der Alliierten selber. Und Frankreich sagt sich und läßt es auch die übrigen Alliierten fühlen, daß eine Regelung des Reparationsproblems garnicht mal in erster Linie zum Nutzen Frankreichs, sondern zu dem Englands und Amerikas dient. Wird Deutschland reparationsfähig gemacht, dann werden die englischen und amerikanischen Geldgeber ihre Geschäfte dabei machen können. Darum hat Frankreich für sich das größte Interesse, einerseits England zur Garantie für militärische, andererseits Amerika zur Garantie für wirtschaftliche und finanzielle Sicherungen gegenüber Frankreich zu bekommen.
Und in dieser Verwicklung der Frage liegt auch die englische Wurzel der gegenwärtigen Vorgänge in London. Frankreich betrachtet die Reparations- frageund^chs»-Lösung ganz einfach als einen Trumpf, den es gegenüber England und Amerika solange nicht aus der Hand geben kann, als bis Frankreichs vermeintliche Ansprüche auf die militärische Sicherung einerseits und auf die Schuldenregelung andererseits gewährleistet sind.
Die Entwicklung des letzten Jahres hat viel dazu beigetragen, Frankreich diesen Trumpf zu verstärken. Solange die Besatzungstruppen auf dem auf Grund des Versailler Vertrages besetzten rheinischen Boden standen, war das Problem für England und Amerika dieses: Wie werden wir Frankreich vom Rhein wieder fortbekommen? Nachdem aber durch den von England mißbilligten eigenmächtigen Ruhreinbruch der Franzosen nun mch dieses wichtigste deutsche Wirtschaftsgebiet be- ietzt war, handelt es sich darum, welchen Preis England und Amerika den Franzosen zahlen, daß sie aus der Ruhr herausgehen. So ist es gekommen, daß Frankreich auf dem Wege der Ruhr- besetzung sich das noch einzuholen versuchte, was es im Versailler Vertrag nicht erlangen konnte. Und nun aber ist das Räumungsproblem der vertrags- näßig besetzten Gebiete in den Hintergrund getreten, und es hat schon seinen ganz besonderen sinn, wenn just in diesem Augenblick von England Daraus aufmerksam gemacht wird, daß im Januar tlächsten Jahres die Räumungsfrist für die trfte Besatzungszone abläuft und daß deshalb gerade diese Frage jetzt verkoppelt wird mit dem Problem der Räumung der Ruhr.
Das sind die Grundfragen der Londoner Kon- tereng, und es wird gut fein, gerade in diesem Augenblick, da die Alliierten um eine Einigung ringen, diese Dinge sich im Zusammenhang wieder tirnnal durchzudenken.
Die 4000 fremden Eisenbahner.
Zu dem angeblichen französischen Plan, bei der Rückgabe der Strecken des besetzten Gebiets an die deutsche Reichsbahn trotz sonstiger Liquidation der Regie 4000 französische und belgische Eisenbahner im Betriebe der rheinischen Eisenbahnen zurückzulafsen, wird uns aus Eisenbahnfachkreisen erklärt:
Ein solches Verlangen geht nicht nur über die Bestimmungen des Versailler Vertrages und den Plan der Sachverständigen hinaus, sondern widerspricht direkt dem Geiste des Dawes-Gutachtens, das die wirtschaftliche Souveränität Deutschlands wahren, die Reparationsfrage auf rein wirtschaftlichem Wege ihrer Lösung zuführen und dazu die Einheit der deutschen Verwaltung wiederherstellen will. Die deutsche Reichsbahn kann die ihr zugedachten Reparationslasten auch nur bann voll tragen, wenn ihr Gesamtnctz wieder wie früher eine wirtschaftliche Einheit bildet und nach den Grundsätzen höchster Wirtschaftlichkeit betrieben wird. Vorbedingung dafür ist, daß Reibungen und Störungen des Betriebes gerade in dem rheinischen Verkehrszentrum ausgeschlossen werden. Solche Störungen sind aber unvermeidlich, wenn dort 4000 Franzosen und Belgier als Fremdkörper in dem Personal der deutschen Reichsbahn sitzen. Die in dem Bahnbetrieb geradezu unerläßliche Einordnung und Unterordnung sowie das dienstfreudige Zusammenarbeiten aller Personalgruppen wären unerreichbar, wenn in einem Teile des Netzes ftemdländische und fremdsprachige Beamte im Dienst mitwirkten. Aus dem Bedürfnis der Praxis ist der französische Plan sicher nicht entstanden. Da die Belange der allierten Truppen
Deutscher Reich.
* Politische Personennachrichten. Nach einer Mitteilung des „Merseburger Tageblattes" ist bei Merseburger Regierungspräsident Berg e m anv zum Nachfolger des von den Franzosen vertriebenen Regierungspräsien von Düffeldorf Dr. Grützner ernannt worden. Bergemann gehört ebenso wie Grützner der sozialdemokratischen Partei an. Der Oberbürgermeister von Hannover, Leinert, hat gegen seinen Abbau Einspruch erhoben. Er erklärt, daß die dem Abbaubeschluß beigefügte Begründung vom Bürgervorsteherkollegium nicht beschloffen worden sei und daß seine Gegner die fundamentalsten gesetzlichen Bestimmungen in gröbster Weise verletzt hätten.
WWWMMMSMM.
Von Dr. Albert G e w e l k e - Berlin.
Im Interesse Deutschlands und im Interesse der Zahlungsfähigkeit gegenüber oer Entente sieht das Dawes-Gutachlen die Schaffung einer Gold- notenbanf vor. Die Rentenmarkwähruns hat zu einer Stabilität unsere» Währung geführt, aber nur zu einer labilen, leicht zu rtfdyütternöen. Die neue Goldnotenbank dagegen sk>ll Deutschland eine absolute Stabilität vervvaffen. Während die Rentenbank durch hup-»thekarifche Werte gedeckt ist, wird die neue Währung Deutschland» durch G o ld und Devisen gedeckt sein, und zwar zu einem Viertel. Dagegen ist in Bezug auf die Deckung der Giralgelder noch nichts Positives vorgesehen. Allem Anschein nach wird von einer Deckung abgesehen werden. Der Notenumlauf der Goldnotenbank, als deren Leiter Dr. Schacht, der jetzige Reichsbankpräsident vorgesehen ist, soll sich auf rund 5 Milliarden Goldmark belaufen, und zwar 2y3 Milliarden neuer „Reichsmarknoten", 1V3 Milliarden Rentenmarkscheine und 1,2 Milliarden Gold- und Silbermünzen.
Das einzige Land, welches nach Gründung der Eoldnotendank außer Deutschland die Goldwährung besitzt, sind die Vereinigten Staaten. Schweden ist trotz der Aufnahme der Einlösung der Banknoten mit Gold auf Veranlassung des schwedischen Nationalökonomen Cassel noch nicht zur vollständigen Währung zurückgekehrt und England ebenfalls nicht. Es hofft mit Keynes, daß der Goldüberfluß der Vereinigten Staaten daselbst eine Inflation Hervorrufen wird, wodurch der Dollar automatisch auf die Parität des Pfundes sinkt. Für eine Goldwährung sind mithin ausländische Fachgelehrte von Weltruf nicht sehr eingenommen. Unbeschadet ihrer Wissenschaftlichkeit sehen sie ganz gefühlsmäßig, oft ihnen unbewußt, die Dinge durch die Brille ihrer Ration. Vom nationalen Standpunkt wägen sie Vorteile und Nachteile ab. Wir Deutsche können auch keinen andern Weg einschlagen. Auch wir müssen bei der Beurteilung der Materie die Frage stellen: „Welche Vorteile ober Nachteile ergeben sich für die deutsche Goldwährung, solange die Vereinigten Staaten das einzigste Land sind, welches eine Goldwährung besitzt?"
Bekanntlich verfügen die Vereinigten Staate»! ungefähr über die Hälfte des gesamten Goldbestandes der Erde. Der Goldzufluß nimmt täglich zu. Um nicht in eine Inflation hineingetrieben zu werden, verzichten die Vereinigten Staaten darauf, das ihnen zifließende Gold als Grundlage für neue Kredite und wachsenden Notenumlauf zu benutzen. Weil das zufließende Gold brach liegen bleibt, indem es von den Bundes-Referven-Banken einfach eingeschloffen wird, schaffen die Vereinigten Staaten einen künstlichen Preis für das Gold und stabilisieren dadurch den Dollar ganz ohne Rücksicht auf den Goldfonds ihrer Notenbanken. Die wirtschaftlichen Vorteile dieser Goldaufhäufung sind gleich NM, die Nachteile bedeutend. Keynes, welcher sich eingehend mit der Frage der Goldeinfuhr beschäftigt, hat festgestellt, daß der Goldüberfluß während des letzten Jahres den Vereinigten Staaten zirka 500 Millionen Dollar gekostet hat, und zwar 150 Millionen Dollar für Zinsen und 350 Millionen Dollar für die Einfuhr von neuem überflüsst- gem Gold. Das unbenutzte Gold bedeutet einen Verzicht auf Warenbezüge.
Die Vereinigten Staaten stellen ihr Gold mit Vorliebe in Form von Anleihen andern Ländern zur Verfügung, aber nur zur Fundierung einer Goldwährung. Eine Anleihe zur Bezahlung auslnädischer Waren entspricht nicht ihren Intentionen, ja würde direkt ihren vitalsten Interessen widersprechen, weil es außer allem Zweifel steht, daß die Kreditnehmer das Gold sofort in Dollar umwechseln, in anderen Ländern Waren ein- faufen und dadurch der Zweck der Anleihe, der Goldabfluß, illusorisch würde. Das Endergebnis einer solchen Politik wäre die Inflation.
Deutschland erhält jetzt eine Goldwährung. Die deutsche Notenbank muß das Gold zu einem festen Preise in Zahlung nehmen. Fortan gibt es zwei Länder mit Goldwährung. Deutschland und die Vereinigten Staaten. Beide Länder bewerten das Gold dann höher als die anderen Staaten, was zur Folge hat, daß der Goldstrom sich teilt. Es werden nun die Befürchtungen gehegt, daß durch Goldüberweisung fettens des ausländischen Großhandels in Deutschland Guthaben geschaffen werden, welche mit der Zeit, wenn Deutschland das zuströmende Gold nicht unproduktiv einschließt, die Gefahr einer Inflation in sich bergen. Eine Inflation befürchtet der englische Nationalökonom Keynes, während der schwedische Nationokonom Cassel bief£ Befürchtungen nicht hegt. Cassel steht auf dem Standpunkt, daß es der klugen Politik der Vereinigten Staaten gelungen ist, eine Inflation zu inhibieren. Da bedarf es wohl keines Zweifels, daß unter diesen Umständen eine Inflation für Deutschland auch nicht in Frage kommt. Bedenken können wir höchstens hinsie.,ttick des Diskontsatzes äußern. Setzt z. B. Deutschland den Diskont herauf, fc können die Vereinigtei' Staaten einen beliebigen Teil ihrer übermäßigen Goldreserven nach Deutschland disponieren, ohne daß ihr eigenes Zahlungsmittel dadurch gestört wird.
Der Streit um den Vorteil ober den Nachteil einer Goldwährung unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist vorläufig nur ein theoretischer. Die Meinungen der Gelehrten sind oft diametral ent-
Von einem unserer politischen
Im gegenwärtigen Augenb^ck ist *ns s-vbnts t®. Londoner Konferenz auch noch nicht einmal in tt»n»{fen zu erkennen. Wenn mir die Feststellung •*td)en, daß gegenüber der vor »troa 3 Jahren ,ieichfalls in London abgehaltenen Konferenz
* Die Ueberschwemmnngen in der Umgebung von Tientsin bedrohen von neuem die Stabt. Tie Waffermengen sind in Meilen von der Stadt entfernt und haben eine Höhe von 22 Fuß. Infolge der Weigerung der chinesischen Behörden, die Dämme im Norden und Süden des Landes durchstechen zu lassen, um ein Abfließen des Waffers zu ermöglichen, wird die Sage immer bedrohlicher.
* Schiffskatastrophe m Japan. Aus Tokio wird gemeldet.: Der Posidampfer „Mat ujama Maru" ist am 11 Juli auf der Höhe der Gotoinseln gescheitert. 57 Personen sind dabei ums Leben gekommen.
-r MD n WMNMrMlg. MWstt. Beilage 15 vy
uldaerZeitung
gegengesetzt. Wir haben nicht Zeit, auf Grund unserer wirtschaftlichen Misere uns lange mit derlei Erörterungen zu befassen. Für uns heißt es, so- „ ____ ________
bald als möglich eine sogenannte Friedenswährung • nützigen und unpolitischen "Raiffeisen-Örganiiätttrü 1 zu schaffen. Die Motive, welche die Vereinigten ' ist schon begrifflich ausLe/ckioLev-
Vie Konferenz.