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(mit 3HnBt- Beilage 15Bf(L)

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 168.

Verantwortlich für die Schrittleituns: Dr. Johanne» Kramer. Anreisen: I- P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag bet x Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernsvrecher Rr- 9. y BerugSvreis für Juli: 1.50 Mk.

Sonntag, 20. Juli 1924.

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51. Zahrg.

Die Monet VeMnnsen.

Unter mancherlei Wechselfällen geht die Arbeit b r Londoner Konferenz langsam weiter. Nach dirEvening News" sind einige wichtige Vor- K der französischen Delegation an usschuß zur Untersuchung der besten Mittel iiir die Wiederherstellung der fiskalischen und wirt­schaftlichen Einheit Deutschlands der Grund für Die Absagung der Sitzung dieses Ausschusses, die Freitag vormittag stattfinden sollte.

Das Memorandum, in dem diese Vorschläge unterbreitet werden, besteht aus 20 bis 30 Zeilen. Die anderen Mitglieder des Ausschusses haben um Zeit gebeten, um diese Vorschläge zu prüfen. Die französischen Vorschläge sehen nach der .Evening News" die Einstellung der militärischen Linmischung vor, sobald Deutschland den Dawes- plan annimmt und zur Anwendung der Maßnah­men zu seiner Wiederherstellung übergeht, sowie eine allmähliche Räumung vom Augenblick der ersten Zahlung Deutschlands ab, wobei Essen als letzter Punkt aufgegeben werden soll.

Macdonald bemüht sich, durch gesellige Fühlungnahme mit den führenden Kongreß­teilnehmern weiter zu kommen. Die italie­nischen Diplomaten unterstützen die englische Politik. Ueber eine Hinzuziehung Deutsch­lands ist noch nicht gesprochen worden. Diefranzösisch-belgischeSpannungist noch immer sehr erheblich.

Die Zrage der Saitfotionen,

wtb Paris, 19. Juli. (Tel.) Die französische Delegation der 1. Kommission hak auf einen englischen Vorschlag hin ein Kompromiß aus- gearbeilek, das im wesenllichen ans 4 Paragraphen bestehl:

§ 1. Wenn die Reparationskommis- jion sich vereinigt, um eine Verfehlung Deutsch­lands festzustellen, dann wird dabei ein Ameri­kaner mit Stimmrecht teilnehmen. Er wird auf die Dauer von 5 Jahren einstimmig von der Reparationskommifsion selbst, oder, wenn eine Einstimmigkeit nicht zu erzielen ist, vom Vorsitzen­den des internationalen Schiedsgerichts im Haag gewählt.

§ 2. Die Mächte haben nach Feststellung von Verfehlungen Deutschlands Sanktionen zu bestim­men, die ergriffen werden sollen, um Deutschland an seine Pflicht zu erinnern. Die Wachte müssen die gleiche Verantwortlichkeit gegenüber den Zeich- aern der Anleihe tragen.

§ 3. Die Anleihezeichner werden nicht nur ein Prioritätsrecht auf die von Deutschland zu leistenden Zahlungen haben, sondern die Summen auf Grund der Sanktionen, die man ergreifen werde, müssen in erster Linie für-den An- leihedienfi verwendet werden.

§ 4. Unter diesen Bedingungen wird die Dis- kusfion von gestern noch nicht beendet.

Rach demEcho de Paris" meinen die Eng­länder, auf der von ihnen vorgeschlagenen Juris­diktion insofern zu bestehen, daß der Agent für die Zahlungen mindestens über die Sanktionen mlfcheidet. Wan könnte annehmen, daß die in Funktion tretenden Truste hierbei ebenfalls mif- »efiimmend waren. Eine lange Debatte entstand !ber 8 3. Es handelt sich hier um die militärische Besetzung. Es sei die Frage aufgeworfen wor­ben, ob fie b e f e st i g f werden müsse, um den auf die Anleihe Zeichnenden die entsprechenden Ga­rantien zu reservieren. Die Hauptdebatte wird nach demEcho de Paris" heute um 4 Uhr ^ch entspinnen. Diese Debatte wird engllscherseits von Bradbury geführt werden. Sie dreht sich um Nie Aufrechterhaltung der §§ 17 und 18 des An­fanges zum Abschnitt 8 des Versailler Vertrages. Der Sonderberichterstatter sieht voraus, daß diese Diskusfion eine ziemlich schwierige Wendung neh­men werde.

Der Pfänder-Ausschuß.

wtb Pari», 19. Juli. (Tel.) Ueber die Ur­teilen des 2. Ausschusses der Londoner Konferenz (51 e l g a 6 e der Pfänder) meldet der Son- berberichkersiatter desEcho de Paris" feinem Blatte, es feien in dem französisch-belgischen Vor- chlag zwei Forderungen vorgesehen:

Der erste verlangt die Annahme der Organi­sations-Gesetze durch Deutschland und ihre Uer- -üudung, damit die vorgesehenen Organe gebildet pürden. Von französisch-belgischer Seite werde sann entgegenkommend die Aushebung der Inneren Zolliuien, die Beseitigung >er Einbuhrbeschränkung zugesichert. Die Einstel­lung der Erhebung von lokalen Abgaben seitens et Besahungsbehörde, die Abschaffung der mit ier Besatzung verbundenen Ausgaben und die 6 c- zebung von Steuern könne dann folgen. Der Steuerertrag sei dem General-Agenten für die Re­parationszahlungen zu übergeben, der über die Itlsprechende Anwendung im Sinne des Sachver- kändigen-Planes verfügen werde. Das fei der

Akt.

Die zweite Phase seht sich wie folgt zusam- nen: Deutscherseits erfolgt die Errichtung der lleichseisenbahngesellschafl und die Uebergabe der ^ifenbahnobligationen an die Reparalionskommif- on. wie bemerkt, wird die erste Annuität, die öentschland zu leisten bat. datiert von dem Icae

Kriegsschuldsrage

Von Professor Grebe,

Die Deutschnationalen haben es für gut be­funden, bei der großen Aussprache im Reichstage über das Sachverständigengutachten die Frage der Schuld am Kriege in den Vordergrund zu rücken. Das Schuldbekenntnis, das uns im Artikel 232 des Versailler Vertrages abgepreßt wurde, drückt jedes Deutschen Herz. Die Klärung dieser Frage ist eine Ehrensache für das deutsche Volk. Die Reichsregierung hat wiederholt deutlich genug ihrer Meinung Ausdruck gegeben, daß die Be­hauptung von der Schuld Deutschlands am Kriege eine Unwahrheit ist, daß das erzwungene Bekennt­nis im Versailler Vertrag jeder Beweiskraft ent­behrt. Ueber die deutsche Auffassung kann nirgend- wo ein Zweifel herrschen, es kommt nur noch, wie Dr. Stresemann im Reichstage treffend bemerkte, darauf an, die ü b r i g e W e l t zu überzeugen. Die Deutschnationalen bemühen sich aber keineswegs, geeignete Mittel auszufinden, um das Ausland von der Richtigkeit des deutschen Standpunktes zu überzeugen, sie benutzen die Frage nur zu Angrif­fen auf die Regierung. Sie zeigen auch bet dieser Gelegenheit, daß sie alles nur durch die Parteibrille zu betrachten vermögen und daß ihnen die Fähig­keit, sich psychologisch in die Denkweise des Aus­landes hineinzuversetzen, vollständig abgeht.

Die Kriegsschuldfrage ist keine Lebensfrage für das deutsche Volk in dem Sinne, daß ihre Klärung auch eine Befreiung von den übrigen Lasten des Versailler Vertrages bedeuten würde. Es ist eine Ehrensache für uns, die Schuldlüge zu bejeüigen, unabhängig von dem übrigen Inhalt des Ver­trages. Man hat uns die Lasten des Versailler Vertrages nicht auferlegt, weil man an unsere Schuld am Kriege glaubte, sondern man versuchte, zu seiner eigenen Entschuldigung dem deutschen Volke die alleinige Verantwortung an dem Kriege aufzuladen, um die Ausplünderung Deutschlands als verdiente Wiedergutmachung hinstellen zu kön­nen. Der Glaube an die Schuld Deutschlands be­ruht nicht so sehr auf dem Verstände oder Gefühle, sondern dem Willen. Deutschland soll schuldig sein. Je weniger man innerlich von diese: Be­hauptung selbst überzeugt war, desto mehr Gewicht legte man darauf, sie wenigstens äußerlich aner­kannt zu sehen. Deshalb scheute man sich nicht, einen wehrlosen Gegner durch Drohung mit Mord, Aushungerung und Schändung an Frauen und Kindern zur Unterschrift eines Geständnisses zu zwingen, unbekümmert darum, daß ein mit solchen Mitteln erpreßtes Bekenntnis nichts gegen den Be­schuldigten beweist, sondern nur den Ankläger beloftet. Wer seiner Sache sicher ist, verzichtet auf solche Mittel. Die Zeit wird kommen, wo ge­rade dies ungeheuerliche Verfahren der Gegner zu Gunsten Deutschlands ausschlagen wird. Vor­läufig beweist es nur, daß die Frage der Schuld am Kriege zu einer reinen Machtfrage gestempelt ist. Die Deutschnationalen haben sonst so viel Verständnis für den Machtstandpunkt in der Po­litik. Sie betonen, daß nur die Macht entscheidet. Macht auch Recht ist. Dann werden sie auch wohl begreifen, daß tönende Worte und entschiedene Beteuerungen uns in dieser Sache nicht weiter bringen. Die Gegner haben die Macht, und wir werden sie nicht zwingen, ihr Unrecht einzugestehen. Zu starkes Betonen unseres Standpunktes tm amtlichen Verkehr würde im Gegenteil leicht dahin führen, daß auf der Gegenseite wieder die Schuld Deutschlands nachdrücklicher hervorgehoben wird. Ein Verzicht auf den Glauben an Deutsch­lands Kriegsschuld würde für unsere Gegner aller­dings die schwerste Selbstbeschuldigung und die Notwendigkeit bedeuten, den Versailler Vertrag völlig umzugestalten. Freiwillig werden fie sich zu einem solchen Schritte niemals entschließen. Die Macht ist aber noch auf ihrer Seite. Die Wie- deraufrollung der Frage in dieser Weise kann also nur zu unseren Ungunsten ausschlagen. Lloyd George hatte sich in einem unbewachten Augen­blick das Geständnis entschlüpfen lassen, daß eigentlich kein Volk den Krieg gewollt habe, daß sie alle hineingestolpert seien. Als aber kurze Zeit nachher das Londoner Ultimatum zur Aussprache stand, fiel es ihm gar nicht ein, die Folgerungen aus seiner Erkenntnis zu ziehen. Er begründete ruhig weiter die Forderungen der Entente mit der deutschen Kriegsschuld und entgegnete auf Einwen­dungen des Reichsaußenministers Simons sehr scharf, das deutsche Volk sei noch nicht in der rechten Gesinnung dem Reparationsproblem gegenüber. So wird es uns auch in Zukunft gehen, wenn

und Parteipolitik.

Mitglied des Landtages.

wir die Lösung der Kriegsschuldfrage auf dem Wege der Gewalt suchen.

Die Stimmung der Welt ist noch immer Höch st unfreundlich gegen Deutsch­land. Es wäre niederdrückend, wenn diese Ab­neigung in einem Verschulden des deutschen Volkes begründet wäre. Das ist aber nicht der Fall. Nicht weil Deutschland in der ganzen Welt unbeliebt war, fielen alle über uns her, sondern weil fast alle Völker aus sehr realen und keineswegs selbst­losen Gründen zum Kampfe gegen Deutschland schritten, darum wurde der Deutsche unbeliebt. Mit Kriegsausbruch begann der Verleumdungs­feldzug gegen Deutschland; man glaubte gern alles, weil man es glauben wollte. Die Schuld am Krieg hat man noch immer dem Gegner aufzuladen ver­sucht. Einige Ungeschicklichkeiten auf deutscher Seite erleichterten unseren Gegnern die Slrbeit. Die Hauptursache aber, daß sozusagen eine öffent­liche Weltmeinung gegen Deutschland hergestellt wurde, beruht darin, daß Deutschland mit feinen einflußlosen Verbündeten allein stand. Die Großmächte lagen ausnahmslos mit ihm im offe­nen Kampfe, auch die wenigen Neutralen konnten sich dem schweren Druck dieser geschlossenen Masse nicht ganz entziehen und wurden tatsächlich in den Ring mit hinein gezwungen. Alle fanden in der angeblichen Schuld Deutschlands eine Rechtferti­gung ihrer eigenen Haltung. Hine andere Beur­teilung der Schuld am Kriege würde für die übrige Welt eine schwere Selbstanklage in sich schließen. Deshalb sträubt man sich allgemein, sein Urteil zu remitieren. Auch die geschickteste deutsche Propa­ganda vermöchte die Stimmung in der Welt nicht zu ändern. Die erlogenen englischen und franzö- zösischen Greuelberichte brachten ine ganze Welt in Aufregung, die wirklichen Greuel und Gewalt­taten gegen Deutsche fanden kaum Beachtung. Ge­wiß verdient die Auslandspropuganda bei uns größere Aufmerksamkeit; es muß alles geschehen, um Verständnis für deutsche Verhältnisse und deutsches Empfinden im Auslände zu verbreiten. Um aber Enttäuschungen vorzubeugen und Fehl­schlüsse zu vermeiden, dürfen wir nicht vergessen, daß der Wille der Hörer und Leser mindestens ebensosehr als die Feinheit dcr Propaganda für ihre Wirkung entscheidend ist. Erst wenn die Wil­le n s r i ch t u n g der Völker gegen Deutschland sich ändert, wenn die Geschlossenheit der Entente sich löst, wenn das eine oder andere Land Deutsch­land wieder als aktiven Faktor in seine Berech­nungen einstellt, dann wird die Frage der Kriegs­schuld allmählich ein anderes Gesicht bekommen, bann werden sachliche Gründe letzten Endes ent­scheidend fein. Die Regierung hat ihre Archive geöffnet und alle Dokumente bekannt gegeben. Die Weigerung der Gegner, ein Gleiches zu tun, wird auf die Dauer ihre moralische Wirkung nicht ver­fehlen. Wir müssen uns aber damit abfinden, daß die Früchte langsam reifen, weil es weni­ger gilt, den Verstand zu überzeugen, als den W i l- len umzustimmen.

Die Ueberwindung der Kriegsschuldlüge ist eine Herzenssache des deutschen Volkes. Es ist eine Aufgabe weniger für die Regierung, als für das Volk selbst, für jeden einzelnen Deutschen. Jeder Erfolg ist aber ausgeschlossen, wenn diese Frage zur P a r t e i s a ch e gemacht wird. Leider haben die Deutschnationalen auch hierin nur nach partei- taktischen Gesichtspunkten gehandelt. Statt die E r- Pressung der Unterschrift zu dem Schuld­bekenntnis in dem Versailler Vertrage als un­moralisch und als Zeichen eines schlechten Gewis­sens hinzustellen, machten sie der Regierung Vor­würfe wegen der Leistung der Unterschrift. So erweckten fie im Lande den Eindruck, als ob die Unterzeichnung des Vertrages irgendwie an unferm Elend schuld sei, und den Gegney ließen sie das Schuldbekenntnis nur wertvoller erscheinen. Die Frage der Schuld am Kriege muß heraus aus der Parteipolitik; über sie gibt es nur eine Meinung: Die einseitige Beschuldigung Deutsch­lands ist unrecht und unbegründet. Die Forde­rung eines deutschen Schuldbekenntnisses können wir nur als Ausfluß eigenen Schuldbewußtseins der Gegner auffassen; in unseren Augen hat dies Bekenntnis gar keinen Wert. Nur eine sachliche, unparteiische Prüfung erkennen wir an. Wenn die öffentliche Meinung des deutschen Volkes sich einheitlich nur in diesem Sinne äußert, werden die Gegner vielleicht das Interesse an der Schuldfrage verlieren. U . - t r p*

der Errichtung der Eisenbahngesellschast. Franzö- sisch-belgischerseils erfolgt die Auflösung der Eisenbahnregie in 20 Tagen. Die Regie müsse binnen zwei Monaten völlig verschwinden, unter dem Vorbehalt angemessener Verkehrs- und Betriebsverhältnisse für Reparations- und mili­tärische Zwecke der Verbündeten.

Der Berichterstatter fügt hinzu: Was ist unter militärischen Zwecken zu verstehen? Wahrschein­lich werden Franzosen und Belgier verlangen, daß ihnen eine strategische Linie zugewiesen wird, die die Zufuhr sicherstellen soll.

Der Berichterstatter desQuotibien glaubt zu wissen, daß die Franzosen auf die Strecke Trier- Koblenz 3000 französische und die Belgier auf die Strecke Aachen-Krefeld 1000 belgischc Eisenbahner zu legen wünschen. Diese Angestell fen werden von der Reichs-Lisenbahngesellschas bezahlt, stehen unter der deutschen Lisenbahnver und tollen unter normalen '^-bällnitien

keine Rolle spielen. Wenn ein Streik ausbricht, der die Sicherheit der Besahungsarmee gefährdet, werden sie auf Grund des § 10 des Rheinland­abkommens auf diesen Eisenbahnstrecken den Dienst zu versehen haben.

Dieser Vorschlag ist, wie der Berichterstatter meldet, auf eine lebhafte Opposition gestoßen, hauptsächlich bei den Engländern, da sie un­bedingt die Rückkehr zu dem Status quo vor der Ruhr-Besetzung verlangen.

Der englische Äbriistungsplan.

Nach einer Meldung derVoss. Ztg." aus Genf hat die englische Regierung dem Völkerbund ihre Absicht bekanntgegeben, zu gelegener Zeit eine Konferenz aller Regierungen der Welt einzuberufen, oder einberufen zu helfen, die sich mit dem Plan einer allgemeinen A b- r ü st u n g befassen soll. Die Konferenz soll auch diejenigen Regierungen umfassen, die noch nicht dem Völkerbund angehören.

Attentat in Persien.

Der amerikanische Konsul ermordet.

wtb £o n b o n, 19. Juli. (Tel.) Reuter melde» aus Teheran, daß der amerikanische Konsul von dem Pöbel in Teheran auf der Straße ermordet worben sei. _______ _________________

Die Misten als Gefahr.

Zur Lage in Italien.

In Rom wurde das faschistische BlattIm- pero" beschlagnahmt, weil es in Riesenlettern, wenn auch in versteckten Worten, zur Zerstörung der gegnerischen Parteien und der Be­seitigung einer Reihe von hervorragenden Zei- tungsverlegern aufforderte. Ein solches Vorgehen wäre nach der Meinung des Blattes das beste Mit­tel, um den Frieden im Lande wieder herzustellen. Unter den fraglichen Persönlichkeiten befinden sich der Senator Albertini, der Herausgeber desCor- riere della Sera", ferner Senator Fraffati, der Her­ausgeber derStampa" und frühere italienische Botschafter in Berlin, sowie Don S t u r z o, der Gründer und frühere Leiter der italienischen Volks Partei.

Der Faschismus ist also jetzt an dem Punkte angelangt daß er die gewaltsame Beseitigung sei­ner Gegner alsWeg zum Frieden" proklamiert. Von den Rezepten eines Tiberius ode, Nero weicht das nicht mehr weit ab.

Die deutschen randwirtschaftsmlntfte, waren in Berlin unter dem Vorsitz des Reichsland­wirtschaftsministers Kanitz versammelt, um übet die Notlage der Landwirtschaft zu bera­ten. ^Einmütig war man der Auffassung, daß die Sicherung der künftigen Ernährung sofortige Maß­nahmen erfordere, um der sich bereits anbahnen- den Extensivierung der Landwirtschaft zu , begeg­nen. Jin Vordergründe stand die Frage, in wel­cher Weife der Landwirtschaft die nötigen Betriebs­mittel zur Verfügung gestellt werden können, um die Bergung der Ernte sowie die Herbstbestellung zu ermöglichen. Das Reichsministerium für Er­nährung und Landwirtschaft wurde ersucht, die be­gonnenen Verhandlungen zwecks Kredit­erleichterung für die Landwirtschaft mit Nachdruck fortzusetzen. Hinsichtlich der steuerlichen Belastung soll bei den Beratungen mit den Finanz­ministern der Länder über die Neuordnung der Steuerwesens auf eine möglichste Gleichmäßig­keit bei der steuerlichen Bewertung des Grundver­mögens durch das Reich und die Länder hinge­wirkt werden.

Im Anschluß wurden noch einzelne Maßnahmer für die Sicherung der kommenden Ernte bespro- chen. Auch wurde die durch den Wettbewerb bet Auslandsweine gesteigerte Notlagedes deutschen Weinbaues erörtert und beschlossen, Hilfsmaß. nahmen zugunsten der Winzer zu treffen. Endlich wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, einheit­liche Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Kartoffelkäfer, der aus Frankreich einz» bringen droht, vorzubereiten.

Deutscher Reich.

* Der preußische Landtag hat sich bis zum 23. September vertagt.

* Die deutsche Parlamentsreform. Einer par­lamentarischen Korrespondenz zufolge ist der neue Gesetzentwurf über die Parlamentsreform dem R e i ch s r a t zugegangen. Es ist darin ein Abbau der Zahl der Reichstagsabgeordneten auf 399 vor­gesehen.

* Hindus und Mohammedaner lieferten sich ii Indien wieder einmal blutige Kämpfe. Dabe wurde ein Mohammedaner und 15 Hindus getötet sowie 50 Mohammedaner und 50 Hindus verwun bet. Außerdem wurden vier Polizeibeamte schwel und eine Anzahl Offiziere und Mannschaften alles Grade leicht verwundet.

MsWtz les Wort* mit Rumänien

Die Zusammenkünfte zwischen den mit der Ab­fassung des Konkordats zwischen Rumänien und dem Hl. Stuhl sich befassenden Delegierten der rumänischen Regierung und der Kongregation für die außer­ordentlichen kirchlichen Angelegenheiten haben nun­mehr ihr Ende erreicht. In der vorigen Woche fanden die letzten Besprechungen des ehemaligen rumänischen Kultusministers Bann und des Geperal-- direktors des Kultus, Herrn Pacliscian, in Gegen­wart des Kardmal-Staatssekretärs Gasparri, des Msgr. Borgognini-Duca, Sekretär für die außer­ordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, und des apostolischen Nuntius in Rumänien statt. Der Text des Konkordats ist jedenfalls nach Bukarest gesandt worden, denn die rumänischen Delegierten erklärten die letzten Instruktionen ihrer Regierung abzuwarten, bevor sie an den Abschluß der Verhand­lungen gingen. So wird dann in einigen Tagen formell von der vatikanischen Diplomatie das neue Konkordat zustande kommen, das geeignet ist, die Interessen der Kirche bei einer Nation wahrzunehmen, wo das katholische Element zwar nicht in der Mehr­heit, doch zahlreich und geschult ist.

Das heutige Konkordat legt wiederum Zeugnis ab für die Tätigkeit der Staatssekretarie und der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten. Ihm ging die Erneuerung des Konkordats mit Bayern voraus, und baldigst dürste auch ein solches mit Serbien-Kroatien-Sla- vonien folgen.