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Löhersgasse nicht nehmen, alsbald das Holz unter Dach zu bringen. Unvergeßliches Kulturkampfbild.
Doch auch unsere katholischen Mitbrüder des Auslandes standen den traurigen Zuständen in Preußen nicht ungerührt und tatenlos gegenüber. Unvergeßlich bleibt mir die große Freude, die wir empfanden, als eines Tages aus England zu Han den eines Komiteemitgliedes ein Scheck über eine recht ansehnliche Summe Pfund Sterling eintraf. Derselbe war unterzeichnet vom Herzog von N o r - f o l k.H Aus guten Gründen wurde damals die erfreuliche Tatsache geheim gehalten.
Es war derselbe Herzog v. Norfolk, unter des sen Präsidium in St. James Hall ein kath. Meeting stattfand, besten zahlreiche Mitglieder ihren „kathol. Mitbrüdern in Deutschland, welche durch die Härte der neuen Strafgesetze litten, ihre tiefsten Symva- thien" ausdrückten, die Maigesetze als eine SB er» leßung „der Rechte der Gewissensfreiheit" und „die Unterdrückung und Verbannung imschuldiger „religiöser Genossenschaften" als „einen tnrannischen Mißbrauch der Gewalt seitens der deutschen Regierung" bezeichneten. Dieses Meeting war die Antwort gewesen auf eine in derselben St. James Halle seit Monaten durch deutsche und englische Zei» tunaen angekündigte Versammlung von Kirchenfeinden, welche „der Sympathie, die das englische Volk für Deutschland in dessen Kampf mit dem Nltramontanismus empfinde, Ausdruck geben und auch England selbst aus seinem lethargischen Schlafe zur nachdrücklichen Vekämpfung des gefährlichsten aller Feinde erwecken" sollte. So wenig wie dieses Symnatbie-Meeting vermochte das von Fanatikern am 13. Mai 1875 in London veranstaltete Bankett, an welchem auch der deutsche Botschafter Graf Münster teilnahm, das englische Volk zum Bundesgenosten der deutschen Kulturkämpfer zu machen. Die berühmte Bankettrede des Grafen Munster mit ihren Ausfallen gegen „die Dunkelmänner von Rom" und ihrer wiederholten Betonung des deutschen „p rote st antiichen Kaiserreiches verfehlte gänzlich ihre Wirkung. Sie batte nur insofern Bedeutung, als der Günstling Bismarcks in derselben das Geständnis ablegte, „der Streit sei vom Staate unternommen worden" und auch das Ziel, „eine National k i r ch e" zu etablieren, deutlich kundgab.
Der Wunsch Bismarcks, den Kampf gegen Rom und die katholische Kirche zu einem intern ati an "len zu gestalten und auch die übrigen Staaten in den „Kulturkampf" hineinzuziehen, blieb unerfüllt. Die Regierungen verhielten stch dem Ansinnen der^preußischen Diplomatie gegenüber kühl und zurückhaltend. Der Versuch, eine Koalition gegen die Kirche und ihr Oberhaupt zu organisieren, schlug gänzlich fehl. Selbst das mit Berlin so innig verbündete italienische Kabinett-) lebnte es ab, üch an einem Kamvfe zu beteiligen, dessen unheilvolle Wirkungen für Staat und Kirche auch das blödeste Auge nicht verkennen konnte.
Die Giftpflanze des Kulturkampfes konnte damals durch glückliche Fügung nur auf dem Beete der preußischen Politik gedeihen.
*) Herzogstitel der vornehmsten englischen Adelsfami- lle Howard. Henry Fitzatan Howard als 15. Herzog war lSeneralpostmeister und Führer der engl. Katholiken.
») Die Gazetta d'Jtalia, ein der Regierung nahestehen- des Blatt schrieb damals: „Herr v. Bismarck und sein Repräsentant, Baron von Keudel, gaben sich ungeheure Mühe, die ttalknische Regierung zu extremen, vexato- rischen Maßregeln gegen den Papst und den hl. Stuhl hinzureißen. Man muß hosten, daß diese Anstrengungen, welche bezwecken, Italien auf einen Weg zu bringen, der seinen Tradstionen, seiner Politik, feinem Charakter wenig zusaat, an dem gesunden Sinn der Minister scheitern."
jener exkommunizierten Geistlichen fern und ließen sich von ihnen keine Sakramente spenden, so vredig- ten denn diese Staatspfarrer vor leeren Bänken und waren in Kirche und Schule von ihrer Herde gemieden. Andererseits schloß sich das gläubige Volk immer enger an die gesperrten Priester und verbannten Bischöfe an. Sie waren zu Bekennnern geworden und in der allgemeinen Achtung gewachsen. Die kirchenfeindliche Mär von der „Habsucht der Pfaffen", war durch das Verhalten der Gesperrten Lüge gestraft.
In Fulda hatten alsbald bei Inkrafttreten des Gesetzes mehrere kathol. Laien ein sogen. „Sperrkassenkomitee" gebildet. An der Spitze vieles Ko- mites stand Herr Rechtsanwalt (später Justizrat) Ignaz Rang, in jenen Tagen unter erfahrener, geschäftsgewandter und unerschrockener Führer auf den Gebieten des religiösen, politischen, sozialen und kommunalen Lebens der Stadt und Diözese Fulda. Ich hatte nute Gelegenheit die segensreiche Tätigkeit dieser Vereinigung beobachten zu können. Eine offizielle Sammlung für die gesperrten Priester war nicht erlaubt, auch wäre eine Aufforderung zu einer solchen etwa von der Kanzel nach den damaligen Gesetzen schwer strafbar gewesen. Es mußte im wesentlichen der Initiative der Geber überlassen bleiben,, ihre Unterstützungen bei den ihnen bekannten .Komiteemitgliedern anzubringen. Daß bei vielen der hierzu nötige Idealismus nicht ausreichte und daß das Komitee mit schweren Sorgen zu kämpfen hatte, darf gesagt werden: bei anderen war es oft rührend, zu sehen, wie diese von ihrem geringen Einkommen, kleine Geschäftsleute, Beamte, Dienstboten usw. nerne ihre Gaben brachten und auch mit regem Eifer wieder andere zum Geben anspornten. Im Ganzen hat sich die Treue und Ovserwilligkeit des kath. Volkes in seiner überwiegenden Mehrheit unfern Priestern gegenüber in glänzendem Lichte gezeigt, wenn es auch nicht leicht war, selbst in bescheidenem Rahmen den dringenden Erfordernissen für den notleidenden Klerus gerecht zu werden.
Cs ist aber auch besonders anzuerkennen, daß in ienen schweren Togen unsere Priester ein heroisches Beispiel großer Entsagung gegeben haben, indem sie ihre Lebensweise aufs Aeußerste einschränkten und nur von der Not gezwungen, nachdem sie ihre geringen Ersparnisse aufgebraucht, Unterstützungen von ihren Pfarrkindern ober vom Komitee an« nahmen.
Ehrend verdient hervorgehoben zu werden, daß mehrfach Andersgläubige „Sperrlinge" (wie man damals Priester, deren Gehaltszahlung gesperrt war, nannte) großmütig unterstützten. So war dem greifen Jubilar Hospitalpfarrer Ney fein Pfarrgehalt gesperrt und der Stadtbehörde die Zahlung der ihm stiftungsgemäß zustehenden Summe verwehrt worden. Oberbürgermeister Rang hatte gegen einen solchen Gewaltakt Klage erhoben. Graf Görz von Schlitz, der den alten Herrn als Pfarrer von Michelsrombach kennen und schätzen gelernt hatte, erbt* sich für den Fall, daß der Magistrat mit seiner Klage nicht durchdringen sollte, die Zahlung des Gehaltes zu übernehmen, auch stellte ihm dieser Edelmann seine Waldungen zur Entnahme des Brennholzes zu Verfügung.
So fuhren eines Tages in aller Frühe vor der Wohnung des alten Herrn (im Kreuzfeuersteins) zwei Wagen mit mehr als 2 Klaftern Holz an. Kaum war es abgeladen, so erschienen auch schon die hiesigen Holzspalter, 16 Mann, unaufgefordert, sägten und spalteten so emsig, daß innerhalb zweier Stunden die unentgeltliche Arbeit vollendet war. Hierauf ließen es sich die Bürgerstöchter der
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Stuhl Petri saß immer noch ein Papst. Die Wette war verloren. Die Sache nahm nach manchem Hin und Her in frohem Kreise einen ungewöhnlich vergnügten Ausgang.
Leider ist es nicht möglich, im Rahmen dieses Aufsatzes auch nur auszugsweise die ganz hervorragenden Ausführungen der Gegner dieser Gesetzesvorlage mitzuteilen, wie dieselben im Bande I S. 881 u. f. des „Stenographischen Berichtes" enthalten sind. Die Abgeordneten von Reichensperger, Windthorst, Dr. Lieber, Ibach, von Ezarlinski, von Schorlemer, Gras Henkel von Donnersmark, Graf v. Praschma, v. Heeremann, Dr. Franz u. a. führten die schlaaenbsten Gründe gegen ein Gesetz ins Feld, das, wie Windthorst bemerkte, besonders deshalb verwerflich fei, „weil es eine Reihe von Männern treffe", die selbst nach der Anl-tzaunng der foaen. liberalen Herren des Hauses, sich nicht das Allergeringste hohen zu Schulen kowmm lassen. weil zweitens 8 6 einen aller Moral hobnsvre- chenden perführerifchen ...Köder" enthalte und weil „in dem Gesetze eine Verletzung des reinsten Privatrechtes vorliege."
Während auch heute noch jeder vaterländisch und christlird «efirnte Volitiker. ja iebor klar und gerecht denkende, Wabrdeit und religiöse Freiheit liebende Mann jedes Wort unterschreiben kann, was jene ausgezeichneten Parlamentarier gelegentlich der großen Redekämpfe über dieses Kultur- kamvsgefetz gesprochen, trat andererseits bei den Ausführungen der liberalen Redner die ganze llnkonseauenz und Zerfahrenheit der liberalen Weltanschauung in ihrer bedauern-werten Blöße zutage. Bedauern möchte man fast, es sich aus guten Gründen — wünscht doch heute k-stne Partei irgendwie mit dem „Kulturkampf" in B->rlnndung gebracht zu werden — versagen zu müssen, d-'s Nähern auf den Wortlaut jener zum Teil vom blödesten Kulturkampffanatismus durchwehten Reden einzugehen. Lehrreich, interessant und zeitgemäß wäre wohl eine entsprechende parlamentarische Blutenlese für manche unserer Leser, um die große Erbitterung, die damals in Fulda Herrschte, ermessen und begreifen zu können, zumal auch d-e Immediateingabe des in Fulda am 2. Avril 1875 versammelten preußischen Episkopates an den König mit der wohlbegründeteki Bitte, dem Geseire als „einer Quelle unsäglicher Trauer und friedestörender Verwirrung die Sanktion versagen zu wollen", kein Gehör fand. ■
Die infolge des Gesetzes im Laufe von zehn Jahren „einbehaltenen staatlichen Leistungen an die katholische Kirche" beliefen sich auf sechzehn Millionen, ein unwiderlegbarer Beweis dafür, daß der vom Staate geplante Versuch einer Korruption des Klerus nicht geglückt ist. Diese sechzehn Millionen bezeichnete 1886 Paul Majunke (Redakteur der Germania) in einem Rückblicke zutreffend als eine „Steuer, welche von der kathol. Bevölkerung in Preußen aufgebracht worden war: denn das brave kathol. Volk ließ seine Priester nicht Not leiden und gab ihnen bas, was ihnen der Staat entzog." Das Sperrgesetz war und blieb für Klerus und Volk „das schönste Ehrendenkmal in der ganzen Geschichte des Kulturkampfes". Nur eine kleine Anzahl von schwachen, teilweise schon lange mit ihrem Berufe zerfallenen Kleriker nahmen aus den Händen des Staates wohldotierte Stellen an, indem sie das dem Bischof bei der Ordination geschworene Gelöbnis priesterlichen Gehorsams vergaßen. Nur in drei Bistümern gab es solche „Staatspfarrer", in Gnesen- Posen 12, in Breslau 10, in Kulm 2 (zusammen 2 Dutzend) gegenüber 4000 ftrrhentreuen Geistlichen. Die Gläubigen blieben dem Gottesdienst
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s. Mancherlei Erinnerungen aus vergangenen Zeiten
IX.
Das Sperrgcseh.
Mit dem Jahre 1875 hatte der Kulturkampf in Preußen den Höhepunkt erreicht. Neue Strafgesetze, durch welche der Klerus mürbe und gefügig gemacht werden sollte, wurden ausgearbeitet. Das erste war das sog. Brotkorbgesetz über „die Einstellung der Leistungen aus Staatsmitteln für die römisch-katholischen Bistümer und Geistlichen", durch welches die kath. Geistlichkeit durch Entziehung der Subsistenzmittel zur Unterwerfung unter die Maigesetze, deren Befolgung ihnen Recht und Gewissen verbot, gezwungen werden sollten. Peter Reichensperger hatte in meisterhafter Rede an der Hand authentischer Aktenstücke den Beweis erbracht, daß die Dotation der Bistümer ufw. nicht eine Gnade, sondern die Erfüllung einer wohlbegründeten Verpflichtung fei, deren sich „der Staat", ohne Verletzung der Verfassung und ohne „Wort"- und „Treubruch" nicht entziehen könne. Neben dem Kultusminister Falk war es v o n ® P b e I, der als Verteidiaer des Gesetzes auftrat. Seine Rede war ein buntes Durcheinander von „Sväf- fen, Anekdoten und Zeitungsartikel"?) ohne Anführung auch nur eines Grundes für das von ihm befürwortete Gesetz. Einen großen Eindruck machte die Rede des greifen protestantischen Herrn v. G e r- lach, der dem beständigen Berufen der Regierung „auf die Majestät der preußischen Gesetze und Hobeitsrechte" das „Recht der Majestät Gottes" und den apostolischen Ausspruch entgegenstellte: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." Mit großem Nachdruck hob er hervor, daß der Widerstand gegen die Maigesetze eine „Christenpflicht" und die Ausübung verfassungsmäßig garantierter Rechte sei. Der „Kultus der Staatsgesetze" dagegen „mache aller Religion" und bamit„ auch „allem Rechte und aller Freiheit ein Ende." Ohne auf die vorgebrachten ernster Erwägung würdigen Gründe näher einzugehen, begnügte sich F ü r st B i s m a r ck damit, in wenig taktvoller Weise seinem alten Freunde einige Unfreundlichkeiten zu sagen und verschiedene Verdächtigungen gegen den „reichen" Papst und die „zehnfach reicheren Jesuiten", gegen „fremden Geistesdruck" und „fremde Eingriffe" in „die Unabhängigkeit nuferes Volkes" vorzubringen. Doch erwartete auch Bismarck „von der Eeldentziebung keinen Erfolg." Auch Dr. Kap p, ein Berliner Rechtsanwalt, fvrach mit Verletzung der allergewöhnlichsten Anstandsregeln unter heftigen Ausfällen gegen das Oberhaupt der kath. Kirche und das Zentrum über die „römische Kurie", die den letzten Verzweife- limaskamps um ihre Eristenz kämpfe." Die naive Auffassung, es fei das baldige Ende des Papsttums in aller Kürze zu erwarten, war in den ersten Jahren des Kulturkampfes unter den Lesern der liberalen Zeitungen weit verbreitet: war es doch ausgesprochener Maßen auf den Untergang dieser Institution abgesehen. Daß es auch m Fulda Leute gab. die dazumal fest an dieses Ende glaubten, beweist folgende kleine Episode:
Im sogen, langen Zimmer des alten Dürgerver- eins war es, als eines Abends in einer größeren Gesellschaft politisierender Fuldaer Herren der manchem älteren Leser wohlbekannte Bankier Herr Hirsch Löser kurzer Hand erklärte: „Ich wette mit jedem um 12 Flaschen feinen Weines: in drei Jahren gibts keinen Papst mehr." Einer der Anwesenden, der vor wenigen Jahren verstorbene damalige Reaffchullehrer Peter Johannis nahm alsbald die Wette an, was die heitere Tischgesellschaft feierlich bestätigte. — Die drei Jahre waren im Strom der Zeiten dahingegangen und auf dem
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