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: : Zuldaer Leitung Nr. 165. ;

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Die Einsame.

Roman von Horst Werthern.

gg - Schluß (statt Fortsetzung).

genes Kind heiraten/ stammelte er,aber das ist so AMnöglich-

Wenn es unmöglich wäre, mein Freund/ sprach

idnft,so würde ich zu Ihnen gewiß nicht davon geredet haben!' !

Wollten Sie mir etwa sagen, Laß sie mich nicht zurückstohen würde, wenn ich mich ihr näherte?'

6 Sie fühlte, rote sein Blick leidenschaftlich glühend und hoffnungsvoll auf ihr ruhte und im Geist vernahm sie noch Sefines am Abend vorher ausgesprochene Er- klärung.

Ich glaube, daß Sefine große Sympathie für Sie empfindet und eine Hochachtung, rote sie sie gewiß noch für keinen der Männer hegte, die man chr als Heirats- kmrdidaten vorgeführt. An Ihnen wäre es somit, sich dieses Herz zu erobern, das bisher nur mir angehörte, dessen erste Liebe Ste wären."

Ich danke Ihnen," spmch er, tief bewegt durch den .Ton, m dem sie dies« Worte gesprochen hatte. Er ver­neigte sich, faßte nach ihrer Hand und zog sie an feine Lippen. \

Eine lange Pause entstand; sie achtete des Fluges der Zeit Nicht. Tiefe Stille herrschte m dem Gemach, die nun plötzlich durch lautes Klingeln unterbrochen wurde.

Magda richtete langsam das Haupt empor und flüsterte:

Ach, ich hatte vergesien, daß heute mein Empfangs- tag ist: um fünf Uhr werden Besuche kommen."

Er erhob sich, denn er fühlte, daß er eines banalen Gespräches vor Fremden unfähig wäre, doch die Tür war bereits ausgegangen und der Diener geleitete Doktor Mülhausen in das Gemach.

VII.

Zu Ende des Monats Januar herrschte große Kälte, tmb der Eislauf war zahlreich besucht. Die Baronin Mohr blickte durch die geschlossenen Fenster ihres eleganten Wagens und belustigte sich nicht wonig, die vielen, auf dar spiegelglatten Fläche dahinfliegenden Gestalten zu beobachten. Sefine befand sich in ihrer Gesellschaft, denn die Großmama war fest entschlossen, Sefine zum Schlitt- schuhlausen zu überreden.

Ein scharfer Wind durchfegte die Luft, die Baronin aber achtete besten nicht, stieg rasch aus und trat in den Kreis, in dem sich alle Teilnehmer des Festes zusam- -nengsfunden hatten; zahlreiche Fackeln beleuchteten den Feftplatz.

Sefine, die sich rasch chre Schlittschuhe befestigen ließ, war sofort umringt. Sie achtete der Kälte nichh die iHv: Wangen rosig färbte; lächelnd plauderte ste mit andern Schlittschuhläufern und wurde gar ost um die Gunst einer Tour um den Eisplatz gebeten.

Sie hatte sich darauf gefreut, über die weiße Fläche dahinzusausen, und doch fühlte sie sich einigermaßen ent­täuscht, denn er, den zu sehen sie mit aller Bestimmtheit erwartet hatte, war nicht zugegen.

Ste wußte längst, daß es wie Heller Sonnenschein in ihrem Herzen aufging, wenn ste ihn sah, und während der letzten Monate war sie ihm oft begegnet. Sie hatte die Empfindung, als ob es eine geheime Macht gäbe, die dazu beitrug, sie möglichst ost zusammenzuführen und gestand sich, daß sie nur den einen Wunsch aus Erden hatte, von chm geliebt zu werden, daß sie nichts sehnlicher wünschte, als ihm in unbegrenzten Derttauen ihr Lebensglück anheimzugeben.

Würde er aber jemals danach begehren? Mazda, die einzig und allein tfas Geheimnis ihres Herzens kannte, war offenbar von der lleberzeugung durchdrun­gen, daß das höchste Glück chres geliebten Kindes harre.

Zärtlich hatte sie ihr gesagt:

Vertraue mir und warte, mein Liebling!"

Warum war er heute nicht da? Baronin Mohr hatte «och gestern Abend in der 6per von dem heutigen Cis­lauffest gesprochen! Ihre Vernunft sagte ihr, daß die verschiedensten Veranlassungen ihn hatten fernhalten kön­nen, aber selbst diese kluge Einsicht vermochte das Be­dauern über seine Abwesenheit nicht zu mildem.

Eben flog sie, von einem geschickten Schllttschuhläufer geführt, über die Eisdecke dahin, als sie Mötzlich, zum Verdruß ihres Führers, wie angewurzelt stehen blieb. Es war ihr, als ob die Baronin Mohr sie gerufen hätte, aber es war eine andere Stimme als jene der Großmama, die ihren Namen genannt.

Sie wandte sich um, und ein unnachahmlich freudiger Ausdruck trat in ihr Antlitz. Rolf stand vor ihr; er reichte ihr die Hand und fragte mit einem bittenden Bück feiner ausdrucksvollen Augen:

Nicht wahr, nun kommt an mich die Reihe?"

Ein reizendes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Nun kommen Sie an die Reihe", wiederholte sie schelmisch,aber sind Ste denn gewiß, daß Ihre Reihe noch nicht vorüber ist? Sie kommen ja schr spät!"

3a, das weiß ich."

Er sprach diese wenigen Worte im Ton so aufrichtigen Bedauerns, daß sie die Ueberzeugung gewann, er be­klage sein spätes Erscheinen nicht weniger als sie selbst. Sie reichte ihm ihre kleinen Hände und ließ sich von ihm willenlos leiten. Da sie wenig sprach und auf seine Fragen kurze Antworten gab, neigte er sich vor, um ihr tief in die Augen zu blicken.

Woran denken Sie? Warum sind Sie so ernst?" fragte er leise. Bevor sie aber antworten konnte, sauste ein Schlitten daher, der sie streifte, so daß sie ins Schwan­ken geriet

Mit sicherer Hand zog er sie an sich, und ein Aus­ruf so jähen Schreckens trat auf feine Lippen, daß sie erbebte. Bis zu diesem Augenblick hatte ste gelaubt, daß nur Magda allem sich um sie sorgen könne, jetzt aber sah sie, daß Rolf ganz bleich geworden war, und ihr Herz fimg heftig zu pochen an.

Es ist Ihnen doch nichts geschehen? Sie sind doch nicht verletzt?" fragte er angstvoll.

0 nein, ganz und gar nicht, ich bin nur ein wenig erschrocken und es tut mir leid, daß Sie sich meinetwegen ängstigten."

Ja, es tat ihr leib, aber sie fühlte sich auch unermeß­lich glücklich, daß ste für einen Moment die Augen schloß, weil sie befürchtete, er könne diesen Ausdruck des Glücks tn ihnen lesen und daraus das Geheimnis ihres Herzens entnehmen. Von ihm, mit unendlicher Sorgfalt geleitet,

Zur Unterhaltung.

glitt sie nun auf der Eidfläche dahin, er aber wiederholte seine Frage:

Woran denken Ste?"

Ohne eigentlich zu wißen, was sie damit ausspreche, sagte sie mit träumerischem Lächeln:

Ich denke, daß ich so bis ans Ende der Welt gehen möchte."

Sie würden sich von mir überallhin geleiten taffen, wo immer hin ich wollte? Selbst in die ferne Wildnis, in der ich lange lebte?"

Ja, ich ließe mich von Ihnen überallhin geleiten, weil ich die Empfindung hätte, daß, wenn Sie es tun, ich Ihnen wohl das Recht dazu eingeräumt haben muß."

Unversehens blieb er stehen und suchte ihren Blick: er hatte das Gefühl, daß der entscheidende Augenblick, von dem feine ganze Zukunft abhänge, jener Augenblick, auf den er seit Wochen wartete, gekommen sei. Er wußte mm, daß er nicht mehr imstande fei, sich eine Zukunft ohne Sefine von Rottenftett zu denken.

Ich flehe Sie an, lassen Sie mich in Ihre Augen sehen, damit ich darin die Wahrheit lesen kann! Wissen Sie, was Sie gesagt, welche Hoffnung Sie in meinem Innern wachgerusen haben?"

Sie antwortete nicht: ihre Lippen bebten, aber ihre Augen, die sie jetzt voll zu chrn aufschlug, hatten einen leuchtenden Glanz. Gleich ihm hatte sie alles um sich her vergessen, selbst die Erinnerung an Magda war für den Augenblick in den Hintergrund getreten.

Mit bebender Stimme wiederholte er:Wissen Sie, welche Hoffnung Sie m mir erwecken? Ist es wirklich möglich, daß Sie mir gestatten, Sie zu sieben?"

Wenn Sie mich so liebem, wie ich Sie Gebe, bann werde ich so unermeßlich glücklich fein, daß ich nichts sehnlicher mehr auf Erden zu wünschen vermag."

Er hielt ihre Hände fest umschlungen, die sie ihm willenlos überkeß. Ein unermeßliches Glücksgefühl er­füllte feine Seele; er hatte noch für kein Weib, nicht einmal für Magda, deren Anmut und stolz« Kraft et bewundert hatte, eine fo unendliche Siebe gefühlt wie für dieses liebreizende Kind, das ihm wie ein Geschenk des Himmels erschien.

Sie sprachen nichts mehr. Von dem beseligenden Wunsche geführt, allein zu fein, glitten ste flugartig auf dem Este dahin, allen Paaren aus dem Wege gehend, die die köstliche Wonne dieser! Stunde möglicherweis« hätten stören können.

Plötzlich vernahm Sefine die Stimme einer Freundin, die ihr zurief:

Sefine, Deine Großmama beklagt sich, daß Herr von Warneck Dich vollständig in Beschlag nimmt; Du möchtest zurückkehren, weil es schon spät ist."

War es wirklich spät? Sie blickte mit den überrasch­ten Augen eines " eben erwachten Kindes auf. Waren Jahr« ober Sekunden vergangen, fett Rolf von Warneck fo beglückende Worte zu ihr gesprochen?

Er begleitete sie zu der Großmutter, und Sefine bat leise:

Sage noch nichts: ich will, baß Magda die erste fei, bie es erfährt."

Er neigte das Haupt, er war bei der Nennung des Namens Magda zusammengezuckt.

Auch ich schulde ihr, was ich niemals imstande sein werde, abzutragen. Ste war es, Ne mir Mut machte, mit Dir, mein holdes, geliebtes Kind, zu sprechen; ste war es, Ne mir Hoffnung einflößte, die alles tat, um uns einander näher zu bringen."

Magda, meine einzig geliebte Magda!" flüsterte Se­fine, während unermeßliche Dankbarkett beider Herzen erfüllte.

Als die Großmutter Sefine nach Haus« gebracht hatte, ließ sie sich nicht einmal Zett, Hut und Jacke abzulegen und eilte rasch nach dem Zimmer Magdas.

Kann ich jetzt eintreten, Magda?"

Bist Du es, mein Liebling, es war Dir doch nicht kalt, ich"

Magda sah von ihrem Schreibtisch auf und unterbrach sich jählings, als ste Ne Glückliche gewahrte, die aus Sefinens Augen leuchtete: sie wußte sofort, daß Rolf ge­sprochen hatte.

Sefine, mein gesiebtes Kind, was ist Mr?"

Sie zog das fange Mädchen in ihre Arme und ge­leitete es nach dem Sofa, bas in ber Ecke des Gemaches stand. Sefine aber sank vor ihrer Stiefmutter m bi« Knie, und das Antlitz in beren Schoß bergenb, rote sie es vor Jahren getan, flüsterte sie:

Mama, Mama, wir sind verlobt und ich bin glück­lich, o so unendlich glücklich!"

Magda antwortete nicht gleich: ihr war Ne Kehle wie zugeschnürt, aber ihre zuckenden Lippen preßten sich auf die Augen des geliebten Kindes.

Das junge Mädchen innig an sich ziehend, fragte sie nach einer Paus« leise:

Du bist also glücklich, ganz glücklich, mein geliebtes Kind?!"

Ja, so glücklich, wie ich gar nicht geglaubt hätte, jemals im Geben sein zu können!"

Magda bebte: sie hatte das seltsame Gefühl, als ob Sefine, ihre geliebte Heine Sefine, ihr Herz mit Füßen trete. So pflegen die vom Glücke trunkenen Kinder, ohne zu wissen, noch zu ahnen, die Herzen jener niederzutreten, di« chr Leben für sie lassen würden.

Wann hat er mit Dir gesprochen?"

Jetzt, während des Schlittschuhlaufens, ber Zufall führte es herbei. Er wird mit Großmama sprechen, Du aber mußtest die erste fein, ber ich mein Glück verkünde, denn nur Dir habe ich es zu danken!"

Was sagte sie da? Sie konnte doch unmöglich ahnen, in welch hohem Maße sie die volle Wahrheit gesprochen!

Vor der jungen Frau tnieenb, den tränenvollen Blick zu chr emporgehoben, sprach Sefine weiter:

Magda, er hat mir gesagt, daß Du es gewesen, die ihn ermutigte an mich zu denken, daß Du ihm die Hoff­nung gabst, er roerbe nicht zurückgestoßen werben! Er sagte mir, daß ohne Dich, von ber er wußte, daß Du mich so genau kennst, er nie gewagt hätte, bei mir anzu­fragen. Oh Magda, ich roerbe Dir niemals hinreichend beroelfen können, wie dankbar ich für alles bin, bas Du einem Kinde getan, dem Du nichts schuldest, das Mr eine Fremde war! Seit dem Tage, cm dem Du mich kennen lerntest, bist Du mir eine treue Mutter gewesen, und ich, ich kann gar nichts für Dich tun!"

Du kannst nichts für mich tim? O ja, mein Kind, indem Du, wenn Du von mir fort bist, Dich stets meiner erinnerst und niemals vergißt, daß ich allem, ganz allein, zurückbleibei Erhalte mir Deine Zärtlichkeit, die mein

höchstes Gut auf Erden ist und fei nicht wie jene andern Glücklichen, Ne in ber Wonne ihres eigenen Daseins bas Elmb der andern vergesien! Sage Dich nicht los von mir, meine Sefine, weil Du so geliebt wirst, wie Du wünschest geliebt zu werben!"

Sefine schlang die Arme um ihren Hals:Ich wäre es nicht wert, Dein Kinb genannt zu werben, wenn ich imstande wäre, Dich weniger zu lieben, weil ich dank Deiner Großmut eines Glückes teilhaftig wurde, rote ich es mir nicht herrlicher träumen lassen konnte!"

Zwei Monate später fand an einem herrlichen Morgen bie Trauung des jungen Paares statt.

Bis zum Schluß hielt Magda sich tapfer, fo tapfer, wie sie es während ber Monate der Brautschaft Sefine« gewesen; sie verstand es, freudig zu lächeln währenddes glänzenden Mahles, sie blieb auch stark, als sie das ge­liebte Kind zum Abschied in den Annen hielt und Sefine ihr zusüsterie:

Mama, Du meine heißgeliebte Mama, ich danke Dir für alles!"

Die tödliche, steinerne Ruhe, Ne über sie gekommen, verließ sie auch nicht, als sie allein war und zu dem Be- wußtsein kam, daß die einzige Freude ihres Lebens, ihre kleine Sefine. von ihr gegangen, um chr niemals mehr fo anzugehören wie bisher!

Erschöpft sank sie in einen Sessel und angesichts Se* fines Bild fand chr Herz bie Erleichterung heißer Tränen.

Sett fünf Jahren hatte sie einzig unb allem für bas Glück bi eses Kindes gelebt unb konnte sich mit gutem Gewissen sagen, baß das Versprechen, bas sie bem Grafen von Rottenftett gegeben, voll unb ganz, daß es getreulich erfüllt worben sei! Heute freilich bezahlle sie bie Freude ihrer illusorischen Mutterschaft hart, und boch bedauerte sie nichts von bem, was geschehen war!

Vielleicht roar es eine große Torheit von ihr gewesen, sich völlig ber selbstgestellten Ausgabe zu widmen, mtt jener gänzlichen Außerachtlassung ber eigenen Zukunft, aber diese Torheit, die bie Freude ihres Gebens unb vielleicht die moralische Rettung einer jungen Seele war, sie würde sie sofort wieder auf sich genommen haben, selbst wenn ihr ber Preis bekannt, denn sie zu bezahlen hätte.

Sie gehörte zu jenen, bei denen lieben heißt, sich zu opfern unb» zu leiben.

Im Unterhaltungsteil der Fuldaer Zeitung kom­men demnächst zum Abdruck:

Der Perlenfischer von Anaa.

Abenteuer-Erzählung aus der Südsee.

Von Hermann Weber.

Empor!

Roman von Otto Elster.

Wir erwarben mit diesem Roman da? letzte Werk des vor einigen Monaten verstorbenen, den Lesern der Fuldaer Zeitung aus mehreren Ver- öffentlichungen vorteilhaft bekannten Verfassers. Es ist em geistiges Erzeugnis von vornehmer Gestaltungs­kraft und feffelnder Darstellung. DaS ganze Inte­resse nimmt der Held des Romans, ein Findelkind in Anspruch, dessen Lebens Schicksale packend erzählt werden. Auch die Leser, welche kulturgeschichtlich« Betrachtungen lieben, kommen auf ihre Rechnung,

vierhundert Jahre Kafcao.

Don Dr. Karl Mischke.

Die homerischen Helden kannten als Getränke nur bas Wasser unb den Wein, vielleicht auch bie Milch, unb so blieb es im ganzen Altertum und auch im Mittelalter. Höchstens daß hie und da noch das Bier, das ja bie alten Aegypter schon brauten, dem Wein zur Sette trat. Die Abwechselung war nicht besonders rett! tg. Man suchte sich zu helfen, indem man Würzwedne, Glühweine, Wein-, Bier-, Milchsuppen unb dergleichen bereitete. Der Alkohol in konzentrierter Form, sagen wir gut deutsch: ber Schnaps, war noch unbekannt. Aber eine Bowle er­wähnt schon Homer, in di« neben anderen Zutaten auch Käse hineingetan wurde. Merkwürdig ist, daß bie viÄ- feiligen Berührungen Europas mit dem Orient zur Zeit der Kreuzzüge auf diesem Gebiete gar keinen Fortschritt gebracht haben; offenbar hatten damals selbst die Araber den Kaffee noch nicht in Gebrauch.

Die drei jetzt am meisten beliebten Tagesgetränke nichtalkoholischer Natur, Kakao (ober Schokolade), Kaffee und Tee, sind erst spät zu uns gelangt. Und zwar kam zuerst seltsamer Weise dasjenige, das bei uns noch heute als das vornehmste, teuerste unb nur ausnahmsweise getrunkene bezeichnet werben muß: der Kakao. Genau wird das erste Auftauchen dieses Genußmittels in Europa sich kaum feststellen lassen. Die englischen Kakao- unb SchokoLabenfabrikanten wollen in diesem Jahre, unb zwar im Juni ober Juli, einen feierlichen Kongreß abhalten, wozu auch ausländische Vertreter bes Fachs eingeladen werben sollen. Sie nehmen an, daß ber Kakao, im Sommer 1524 zuerst in Europa seine Karte abgegeben hat. Tatsache ist, baß um diese Zett die ersten Mitglie­der der Räuberbande des Ferdinand Cortez aus Mexiko nach Spanien zurückkamen, unb baß diese aus dem Aztekenlande neben anderen Kostbarkeiten auch Säcke mit Kakaobohnen heimbrachten. Ungefähr stimmt es also.

Die Einwohner von Mexiko hatten den Kakao schon jahrhundertelang als Genußmittel benutzt, wie lange, wußten sie selbst nicht mehr. Wahrscheinlich war der Baum aus Südamerika, aus dem heutigen Ecuador ober Peru, wo er einheimisch zu sein scheint, eingeführt worden, durch bie Maya unb bie Tolteken, als bie Azteken noch nicht bie alte, höhere Kultur zerstört hatten. Jebenfalls ben Kakaotrank hatten sie beibehalten. Ja, bie Kakaobohnen dienten ihnen sogar als Geld, ge- wissermaßen als Scheidemünze, und dieses Geld hatte immerhin einen soliden Kurswert. Man konnte sich da­mit auf alle Fälle einen Genuß verschaffen, was sich von unserem Papiergeld nur in beschränktem Maße behaup­ten läßt. Das ist sogar im Lande Mexiko bis auf ben heutigen Tag fo geblieben. In abgelegenen Dörfern dient bie Kakaobohne noch jetzt als Tauschmittel unb zur Bezahlung.

Mit 6er Frucht unb bem Getränk kam auch der Name Die Kakaobohne hieß bei ben AztekenEacavacentli", ber Baurn also wohlCacawa" unb mit der Anhänge- silbeatl", die Wasser bedeutete, wurde daraus Cacava- tatl; wir sagen heuteSchokolade". Kakao unb Schoko­lade sind die einzigen Wörter aus ber Aztekensprache, bie in alle europäischen 9Jtunbarten aufgenommen war- ben ftnb.

In ber ersten Zeit ber Einführung in Europa war bie Bereitung des Getränkes großes Geheimnis ber Spanier. Man konnte bie Bohne wegen ihres hohen Fettgehaltes, die jetzt die Kakaobutter liefert, nicht so ohne weiteres verwenden. Die Azteken machten sich das fett« reich« Getränk verdaulicher und mundgerechter, indem sie scharfe Gewürze, namentlich Pfeffer, dazusetzten. Die spanischen Damen kamen auf die glänzende Idee, ftatt dessen Zucker zu nehmen, und damit war eigentlich die Schokolade erst erfunden. Es gelang den Spaniern, das Geheimnis etwa ein ganzes Jahrhundert zu bewahren und sich damit ein Monopol zu sichern. Dann aber pfuschte ihnen ein Italiener, Antonio Earle11i, der in Westindien gewesen war, ins Handwerk. Run trat die Schokolade ihren Siegeslauf über ganz Europa an. In Deutschland war das aromatische Getränk schon zur Zeit des Großen Kurfürsten bekannt und beliebt. In England nahmen sich die Quäker der Schokolade be­sonders an. Eine große deutsche Schokoladenfabrik soll im Jahre 1756, alte der Siebenjährige Krieg begann, be- gründet worden sein, doch weiß man darüber nichts Ge­naueres. Der große Naturforscher ßhme gab dem Kakaobaum ben poetischen Namen Theobroma, was nichts Geringeres bedeutet alsGötterspeise". Warum nicht? Sie schmeckt ja vorzüglich, unb die Gelehrten haben gefunben, daß bie Schokolade auch eine ideale Zu­sammensetzung hat. Man kann, wenn man nichts ande­res hat, eine Zeitlang recht gut allein von Schokolade leben. Das ist für alle Fälle, wo man nicht Speisen von großem Umfang mitschleppen kann, bei Bergstei­gungen, Luftfahrten, in Unterseebooten, nicht unwesent­lich.

Die Frucht bes Kakaobaumes sieht in Form unb Gröhe unseren Gurken ähnlich. Sie enthält zwanzig bis vierzig manbelförmige Samen, bie zunächst weiß ober rötlich aussehen, aber sich später beim Trocknen unb wenn sie eine natürliche Gärung durchmachen, dunkel färben. Sie werben bann erst geschrotet, später fein gemahlen, gewalzt, gepreßt unb weiter verarbeitet. Je nachbem man bem Stoff mehr ober weniger Fett ent- zieht, enthält man Kakaopulver ober Schokoladenmasse. Der Kakao soll nur noch sehr wenig Fett enthalten, die Schokolade hat mehr, außerdem bekommt sie Zusätze von Zucker, Vanille und andern Gewürzen, wofür jede Fabrik ihre eigenen Rezepte und angeblichen Geheimnisse hat (bis zu 70 Prozent).

Deutschland betrieb vor dem Kriege eine äußerst starke Kakao- unb Schokolaben-Jnbustri«. Wir hatten in unseren Kolonien, Kamerun, Togo, Samoa unb ben übrigen, mit teilweise gutem Erfolge angefangen, selbst Kakao zu bauen. Der größte Teil des Rohproduktes kam aber aus bem Auslande, über Hamburg und Bre­men, auch von Holland, und von bem fertigen Kakao- pulver sowie von den Schokoladen ging ein sehr große« Teil, bis zur Hälfte, wieder ins Ausland. Wir trieben! also, was man eine Veredelungsindustrie nennt. Das kam bann während des Krieges natürlich alles zum Stillstand unb soll nun mühselig unb allmählich wieder aufgebaut werden.

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Aus aller Welf.

Die Tätowierungen bei den Industriearbeiter«» Der Arzt Dr. Edgar Rüdiger, der Gelegenheit hatte, viele Bergarbeiter zu untersuchen, berichtet imKos­mos" über die Beobachtungen, die er betreffs der Tätowierungen gemacht hat. Er sagt, Tätowie­rungen, die in Deutschland hergestellt wurden, seien von Kunst recht weit entfernt. Gut ousge- sührte Zeichnungen sieht man nur sehr selten, und dann stammen sie jedenfalls aus irgendeiner größeren Hafenstadt. Die Darstellungen der Tätowierungen sind recht verschiedener Natur. Einen geringen Teil bilden vaterländische Kennzeichen: Der Reichsadler mit zwei gekreuzten schwarz-weiß-roten Fahnen, Friedrich III. mit seinem WahlspruchLerne leiden, ohne zu klagen!" Einige Male war auch Wilhelm II. vertreten. Diejenigen, die beim Militär gedient haben, zeigen mitunter etne Tätowierung:Zur Er­innerung an meine Militärzeit", dabei zwei gekreuzte Lanzen, ein Kanonenrohr, zwei gekreuzte Gewehre, je nach dem Truppenteil. Häufiger vertreten waren die Handwerkerwappen, die Abzeichen ber Schmiede, Schlosser, Tischler, Zimmerleute, Bäcker und Metzger und naturgemäß das Abzeichen der Bergleute Schlegel und Eisen. Auffallend häufig findet man Kennzeichen der Schiffahrt: Häufig ist der Anker; oft sieht man große Schiffe mit windgeschwellten Segeln. Selt­samerweise tragen diese Abzeichen säst durchweg Leute, die nicht zur See gefahren ftnb. Eine immer wiederkehrende Tätowierung auf der Brust ist daS Brustbild eines wild blickenden Mannes, der seinen I Arm um den Hals eines Mädchens gelegt hat, m I der Faust einen Dolch. Darunter steht auf einem Bande:In Liebe treu, in Rache fürchterlich!* Während es sich sonst meist um alte Vorwürfe handelt, erkennt man hier den modernen Kitsch auf den ersten Blick.

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