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51. Zahrg

Donnerstag, 17. Juli 1924

Nr. 165

auswärts 0.80 Soldmark.

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Die Londoner Konferenz

bannt ein-

landspreise auf dem Produktenmarkt wird sich nun tzark verringern und vielleicht bald ganz oerichwin-

sei keine bleiben

beschwören. Durch Freigabe der Ausfuhr durchgreifende Erleichterung zu erhoffen. Es da her die Zölle.

Der Ernährunqsminister verbreitete sich

Die neuen Goldmünzen.

Genehmigung des Münzgesetzes.

DaS Reichskabinett genehmigte den Ent» Wurf des Münzgesetzes, der die Prägung von Goldmünzen zu 10 und zu 20 Reichsmark und von Silbermünze« zu 1 bis 5 Mark sowie von Stückchen über 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennigen vorsieht. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes wird später von bet Rmchsregierung bestimmt.

Der WHMnWliM Mr jnr Botifloe Oer toBörohfiiliofL

Der Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft, Graf v. Kanitz, gewährte einem Ver­treter des Wolfsbüros eine Unterredung über die slotlage der Landwirtschaft.

Es handle sich heute darum, so erklärte der Minister, ob di« deutsche Bolksernährung sich in Zukunst vorzugsrvctfe auf die Produktion der heimischen Scholle oder auf die Einfuhr stützen solle. Die deutsche Volksernährung sei in greifbarer Zukunst gefährdet, wenn die nctrocnbimen Vorkehrungen nicht schon heute getrosten wurden. Keine Regierung dürfe tatenlos zusehen, daß die Landwirtschaft unter dem Zwange einer akuten Notlage zum extensiven Betrieb übergeht. Die Landwirtschaft sei aber bereits auf dem Wege zur Extensioierung. Aus allen Landestetlen lie­gen Nachrichten über den berechtigten trostlosen Pessi­mismus der Bauern, über mangelnden Mut vor, noch ernsthaft und im gewohnten Umfang an die Bestellung des Brotgetreides für das nächste Jahr zu gehen. Vom Ernährungsstandpunkt aus sei es also Pflicht der Regie­rung, der Landwirtschaft durch Kredithilfe, Steuer« «Äeichterungen, Ausfuhr und durch Zölle eine wirklich nachhaltige Erleichterung zu verschaffen. Lei­der fehlten für die Kredithilfe heute die Mittel und ein radikaler Abbau der Steuern würde den Staatshaushalt umwerfen und die Gefahr einer neuen Inflation herauf­

preutzischer Landtag.

Auf 8er Tagesordnung der Dienstagssitzung firmd Äs erster Punkt der Bericht des Geschäftsordnungsaus- fchuffes Wer den kommunistischen Antrag auf Heraus- gäbe von Material, das bei der Durchsuchung der Räume der kommuniststchm Fraktion im Landtag be­schlagnahmt wurde.

Gegen den Widerspruch der Kommunfften wurde die Besprechmtg des Antrags Liebknecht unterbrochen, durch die in einer früheren Sitzung zurückgestellten Abstim­mungen über den Haushalt der Handels- und G e - w erbievorwaltung. Die EtotsÄel wurden in zwester Lesung nach den Vorschlägen des Ansschusies an­genommen. Dann wurde der Antrag Liebknecht abge- lehnt.

Um 4 Uhr eröffnete Vizepräsident Dr. v. Kries ine Nachmittagssitzung. Auf der Tagesordnung stand zu­nächst die Entscheidung des Landtages über den Einspruch der Abg. Frau Wolfstein (Komm.) gegen ihren Aus­schluß durch den Präsidenten Leinert. Der Einspruch wurde gegen die Stimmen der Kommunisten und Unab­hängigen verworfen. Zur zwesten Beratung kam nun der Gesetzentwurf über die einstweilige Regelung der Kosten für die Verwaltungsbehörden der evange­lischen Landeskirchen. Gegen die Stimmen der Deutschnationalen und des Zentrums wurde die Zurück­verweisung der Vorlage an den Ausschuß beschlossen.

Nach debatteloser Erledigung kleinerer Vorlagen wurde die Aussprache über Me Durchsuchung der kommunistischen Frakstonszimmer fortgesetzt. Abg. Dr. Pinkerneil (D. 33p.) führt aus, die Durchsuchung sei notwendig gewesen, um hinter die verschlungenen Wege zu kommen, die aufzuklären im allerhöchsten poli- ttschen und nationalen Interesse liege.

Sämtliche kommunistische Anträge wurden daraus gegen die Antragsteller abgelehnt.

Mittwoch: HausUnssteu«.

duklenmarkt zur Folge gehabt. Die Not der Land­wirtschaft wird damit zum Teil behoben Eine derartige Handhabung der Verordnung, daß eine ungebührliche Verteuerung des deutschen Getteides für den deutschen Verbraucher eintritt, muß selbstverständlich auf alle Fälle vermieden werden. Das sieht ja auch schon die Besiinunung selber vor. -

völkerbundrsragen im Unterhause.

Erklärung Lord Parmoors.

Im Unterhause drückte Lord Robert Cecil seine Befriedigung darüber aus, daß die Be­satzungstruppen im Saargebiet durch Gen­darme ersetzt werden sollen. Dieser Ersatz aber gehe sehr langsam vor sich. Es stünden noch eine große Anzahl von Truppen im Saargebiet. Er sei überzeugt, daß man zu keiner befriedigenden Lage kommen werde, bevor nicht alle Truppen zurückgezogen seien. Wenn der Premierminister nach Genf gehe, so hoffe er, daß dies aus anderen Gründen, als aus bloßen Demonfttationszwecken erfolge. Er fei für den Eintritt Deutsch- l a n d s in den Völkerbund. Lord Parmoor scheint einem deutschen Journalisten gegenüber bemerkt zu haben, daß Deutschland einen Sitz und eine Stimme im Völkerbundsrat erhalten werde. Diese Bemerkung sei von dem deutschen Reichskanzler zitiert worden. Lord Parmoor erwiderte dar­auf, daß man feine Erklärungen stark übertrieben habe. Er habe nur gesagt, daß er und die englische Regierung dafür seien, daß Deutschland einen dau­ernden Sitz im Völkerbundsrat erhalte. Lord Ro­bert Cecil erwiderte darauf, er sei froh, daß Lord Parmopr erkenne, daß diese Angelegenheit nicht von England allein abhänge.

Ausfuhr bedenklichen Umfang annehmen sollte, für I den. Tatsächlich hat das Bekanntwerden obiger welche Befürchtung jedoch kein Anlaß vvrliegt, Bero dnung schon eine Preissteigerung am Pro- da die Absatzmöglichkeiten für deutsches Getreide und Mehl im Auslande sehr beschränkt sind.

Diese an behördliche Genehmigung geknüpfte Ausfuhrfreiheit wird eine Steigerung der Preise für landwirtschaftliche Produkte, die gegenwärtig unter den Weltmarktpreisen liegen, zur Folge haben. Die Spanne zwischen Inlands- und Aus-

BerantwertliL iür die Sdrritfleiinna 18. AntenWcHler Anzeigen: 3- P arretier, Fnlda. Rotationsdruck und «erlag der s Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. FeiuwreLer Rr- S. s. BeiugSdreiS für Füll: 1.SV Mt.

Die Londoner Blätter beschränken sich im all­gemeinen darauf, der Konferenz ihre Glückwünsche mtt auf den Weg zu geben.Times" geben der Konferenz den Rat, sich lediglich auf den Dawesbericht zu beschränken und alle andern Probleme auszuschließen. Wenn man bezüglich des Dawesberichts einen Erfolg erziele, so sei dies schon genug. Man habe jetzt, wie Macdonald im Parlament gesagt habe, eine goldene Gele­genheit, die sobald nicht wiederkehren dürfte. Das bedeute, daß es wahrscheinlich die letzte Ge­legenheit sei, die Reparationsfrage zu lösen. Die Unterhausdebatten haben bewiesen, daß jede Partei den Erfolg der Konferenz wünscht, und daß Mac­donald das ganze englische Volk hinter sich habe.Daily Ehronicle" weist auf den Unter­schied zwischen der französischen Senatsdebatte und der englischen Unterhausdebatte hin. Während die Franzosen unzweideutig erklärt hätten, was sie wollten, fei in England eine allgemeine Zurück­haltung geübt worden. Das Blatt erinnert so­dann Macdonald daran, daß er sehr starke Karten auszuspielen habe, wenn er seinen Mut nicht wie­der verliere. Frankreich brauche Geld, da sonst der französische Franc wieder zurückgehe. Dieses Geld aber könne Frankreich nur von Eng­land und Amerika bekommen und die Ansichten dieser beiden Länder seien die gleichen wie sie im Dawesbericht zum Ausdruck gelangen.

Die Ankunft Herrlols.

Herriot ist Dienstag nachmittag um 5 Uhr auf dem Viktoria-Bahnhof in London eingettoffen, wo er von Macdonald begrüßt wurde. Herriot hat bei seiner Ankunft in Dover den englischen Journalisten eine Erklärung abgegeben, in der er seine lebhafte Sympathie für das englische Volk ausdrückte und die Hoffnung aussprach, daß er nicht mit lee­ren Händen aus London zurückkehren werde.

Die Eröffnung.

Macdonald wird in der Mittwoch vormittag 11 Uhr im Botschastszimmer des Auswärtigen Amtes be­ginnenden Konferenz die Eröffnungsrede halten. Dann werden die Delegierten das Programm der Konferenz aufstellen.

Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph schreibt, die Tagesordnung der Konferenz werde die Erledigung aller Maß­nahmen einschließen: die zur Durchführung des Dawesplanes erforderlich seien. Die U n - teilbarkeit dieses Planes, die als abso­lute Vorbedingung für seinen Erfolg von Dawes und seinen Kollegen in ihrem Bericht niedergelegt worden sei, werde wahrscheinlich von britischer oder amerikanischer Seite im Anfangssta- dium der Verhandlungen hervorgehoben werden. Denn es sei eine der Hauptbedingungen für die Aufbringung der vorgesehenen, unbedingt notwen­digen Anleihe in England und Amerika, daß der Dawesbericht nicht eingeschränkt oder abgeändert werbe.

Nach Ansicht amtlicher britischer Kreise be­ginnt die morgige interalliierte Reparationskon­ferenz unter besseren Auspizien, als jede bisher abgehaltene derartige Konferenz. Die Er­öffnungsansprache Macdonalds werde zusammen mit den einleitenden Formalttäten den größten Teil der Vormittagssttzung in Anspruch nehmen. Am Nachmittag werde die Konferenzagenda in Angriff genommen werden. DerEvening Standard" glaubt, daß die Konferenz zwei Wochen dauern werde. Das Blatt roiC wissen, daß Baldwins Vorschlag im Unterhaus, daß die Konferenz einen Ausschuß für Regelung jeder Frage eines deutschen Verzuges nennen könnte, in amtlichen Kreisen gut aufgenommen worden sei. Es verlangte, daß die­ser Vorschlag in der heutigen Kabinettssitzung er­wähnt worden sei und wahrscheinlich in die Vor­schläge, mit denen sich die Konferenz befaflen wird, eingeschloßen werden würde.

Besorgte Hoffnung hi England.

SieTimes" schreibt, die gestrige Debatte im Unterhaus fpiegelte die besorgte Hoffnung wieder, mit der die morgen beginnende Konferenz in Eng­land angesehen werde. Die Konferenz werde fehl­schlagen, wenn sie nid>t im Geiste strenger Ab­sonderung von allem durchgeführt werde, was sich nicht unmittelbar auf die vorliegenden Aufgaben beziehe. Die an sich wichtige Sicherheits­frage sei für die Erörterung in dieser Woche noch nicht reif. Weiter sei gestern klar ersichtlich geworden, daß Macdonald durch bas Zugeständ­nis, das er der ftanzöfffchen öffenttichen Meinung ht der Frage der Funktionen der Reparations- tommiffion machte, m Verlegenheit geraten werde. Er scheine über die Vorschläge, die er in Paris angenommen habe, voller Zweifel zu sein. Einige Mitglieder seiner Partei schienen grund­sätzlich gegen den Dawesbericht zu fein. Daily Herold" schreibt, das Merkmal der gest­rigen Unterhausdebatte sei die von zahlreichen Ar- beiterparteilern gezeigte starke Opposition gegen

gehend über die Frage der Schutzzölle, die erfah­rungsgemäß geeignet feien, die Produktion zu vermehren. Die non der Reichsregisrung gleichzeitig mit der Ein­führung von Schutzzöllen geplante Herabsetzung der Um- fatzsteuer dürste den Ladenpreis trotz der eventuellen Auswirkung der Zölle in absolut erträglichen Grenzen batten. Die durchaus ungerechtfertigte Spannung der Mehtpreife zwischen Berlin und München von 50 Proz. zeige, daß der Getreidepreis auf den Brotpreis keine ausschlaggebende Wirkung hat. Die Verhinderung der Einfuhr von Gefrierfleisch, die tendenziösen Nachckchten zuwider tatsächlich mir 5 Proz. des ganzen deutschen Fleischkonsums ausmache, fei nicht beabsichtigt. Maß­volle Agrarzölle bewirken unbedingt die Hebung der hei- mgchen Agrarproduktion, gleichzeitig aber auch mit dem Steigen der Kaufkraft der Landwirtschaft die Hebung der industriellen Produktion. Somit bessere sie die Arbeits- mid Lohnbedingungen bei der In­dustrie. Umgekehrt sei heute durch fehlende Absatz­möglichkeiten der Industrie an die Landwirtschaft der Ar- beäsmartt bereits gefährdet. Im übrigen sei es nach der vor zwei Jahren erfolgten Wiedereinfühvung autonomer Snbwftriesöfle volkswirtschaftlich ein Unding, Jndustrie- zölle, ober ferne Agrarzölle zu haben, da die nicht durch einen Zoll geschützte Landwirtschaft die durch den In- hustriezoll verteuerten Produktionsmittel von der In­dustrie taufest müsse. Eine Verteuerung der Lebenshal- tima des Arbeiter« brauche man durch die Agrarzölle nicht zu befürchten, wenn es gelinge, die Zwischenstellen | turnt Agvarproduzentsn bis zum Verbraucher zu einer Preiskorrektur zu bewegen. Zur Erreichung dieses Zieles werde die Regierung kein Mittel unversucht kaffen.

Der Reichsernährungsminister erinnerte schließ-. kich daran, daß ein aus monatelangen Beratungen hervorgegangenes Gutachten des Reichswirtschafts- rates als sachliche Unterlage- für die jetzige Rs- Äerungsvorlage über die Agrarzölle gedient habe. Das Problem liege nicht darin, wie man dem Volke für die allernächste Zeit möglichst billiges Brot verschaffe, sondern darin, wiefürdieZu- tatnft Brot zu erträglichen und vor allem Hfeichbleibenden Preffen gesichert werde. Die Be- imtroortung dieses Problems konnte nur m der heutigen Gesetzesvorlage gefunden werden, deren Vorlage aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen er= folge und aus ernährungspolitischen und handels- xoMsche» Gründen unerläßlich fei.

t^r Kampf um die Zollschutzvorlage-

Die gewerkschaftlichen Spitzenverbände beim Reichsernährungsminister.

Am Dienstag nachmittag empfing Renhsernäh- rungsmtnifter Graf Kanitz die Vertreter der ge­werkschaftlichen Spitzenverbände zu einer eingehen­de« Beratung der von der Reichsregierung einge­brachten Schutzzollvorlage für die Produkte der Landwirtschaft. Eine Uebereinfttmmung zwischen ben gegensätzlichen Auffassungen ist nicht erzielt' worben. Nach ber Rede des Grasen Kanitz, in der er als einzigen Weg für die Gesundung der deut­sche« Landwirtschaft die Schaffung von Schutzzöllen bezeichnete, lehnte namens der freien Gewerkschaf­ten Graßmann alle schutzzollpolitischen Maß- Nkchmen mtt Rücksicht auf die Ernährungslage der städttschen Bevölkerung ab. Der Vertreter der christlichen Gewerkschaften B a l t r u s ch erklärte sich unter gewißen Voraussetzungen für die Schutz- zollvorlage der Regierung. Für die Hirsch-Dunker- sthen Gewerkschaften erklärte ßemmer, daß asgenHicflid) die Zollvorlage der Regierung aus wirtschaftlichen und politischen Gründen abzulehnen fei. DemVorwärts" zufolge sollen in ber Frage ber Schutzzölle mtt ben Gewerkschaften noch wei­tere Verhandlungen geführt werben.

Erleichterung der Getreideausfuhr.

Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat den Reichskommissar bei der Reichsgetreidestelle ermächtigt, auf Antrag von Fall zu Fall eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Ausfuhr von Getreide, Mehl und Abfallprodukten aus dem Oetreibe zu er­teilen. Ser Absatz ber genannten Erzeugnisse auf bem Inlandsmarkt ist in den letzten Wochen so außerordentlich schwierig geworden, daß in An­tetracht der ständig wachsenden Notlage der Land- wirffchast, der Mühlen und des Handels eine Ad- zugsmöglichkeit durch die Ausfuhr geschaffen wer­den mußte. Bei der gewählten Art der Ausfuhr­erleichterung ist es möglich und auch beabsichtigt, bas Maß der Ausfuhr zu begrenzen» wenn die

die Form ber Reparationspolitik.Daily Chro- nicle" schreibt, Macbonalb habe eine starke Karte, bie er aus ber kommenben Konferenz ausspielen könne. Frankreich wolle Gelb unb müsse es haben, ba sonst Frankreich in vernichtenber Weise fallen würbe. Frankreich könne Gelb aber nur burch Amerika unb Großbritannien bekommen, unb bie Stellungnahme ber öffentlichen Meinung in beiben Länbern sei in bem Dawesbericht nicht klar wiedergegeben. DieWestminster Gazette" schreibt, die Zusammensetzung der französischen Delegation für die Konferenz unterstreiche die A n- ficht Frankreichs, baß bie zu fafsenben Be­schlüße militärische Probleme von Be- beutung beträfen. Wenn ein Fortschritt in guter Richtung gemacht werben solle, müßte Deutsch- la n b bie Aussicht erhalten, sich schließlich'burch Ar­beit von seinen Verpflichtungen zu befreien.

Eine französische preffestlmme.

wtb. Haris, 16. Juli (Tel.) Der Sonderbe- richferjiatfer des ,$!iati« berichtet übet die Lage unmittelbar vor Beginn der Konferenz. Jeder einzelne der zur Debatte stehende« Punk e enthalte doch regelrechte Gefahren, wenn auch die Loyalität der Alliierte« nicht i« Zweifel gezogen werden sotto.

Gwen ysuirg,

wtb Paris, 16. Juli. (Tel.) Tie Reparations" kommst,ion hat gestern das amorikauijcho Mit­glied dos Sachverständigon Ausschuisos Owe« Jong zu den im Eachverjländigen-Bericht vor- gesehene« Agenten für die Reparativ« s- zahlnngon (Trufteo) ernannt.

Die große Unterhausdebatte.

Die Reben aus ben Hinteren Bänken bes Hau­ses zeigten, baß nur eine sehr kleine Gruppe, hauptsächlich aus ben Kreisen ber ßabour Party, barunter auch Morel, ben Dawesbericht verurteilt unb bie Snbcmnitätsfrage ganz aus ber Welt schaffen will, aber bie überwältigende Mehrheit des Parlaments in den wichtigsten Punkten über­einstimmt. Während die englische Arbeiterpartei ihr früheres Programm einer Revision des Frie­densvertrages zurzeit bekanntlich beiseite gestellt hat, ergab sich doch, daß Macdonald den Dawes­plan immer noch als teilweise außerhalb des Ver­sailler Vertrages stehend betrachtet, daß aber diese Frage zunächst den Juristen überwiesen werden müsse, bis die Konferenz darüber, wie über die damit zusammenhängenden Folgerungen entschie­den haben werde.

Schluß bes Sitzungsberichts.

Der Arbeiterpartefler I o h n st o n erhärte, bie Kernfrage des Reparationsproblems fei nicht Deutschlands Zahlungsfähigkeit, sondern Englands Aufnahmefähigkeit. Es könnte nicht deuffche Sachleistungen in Gestatt von Kohlen oder Farbstoffen annehmen, ohne ferne eigenen Arbeiter erwerbslos zu machen.

Das liberale Parlamentsmitglied Samtes faßte zur Frage der Sicherhett Frankreichs, ob Frankreich wirklich in Furcht vor Deutschland sei, sei zweifelhaft; wahr fei dagegen, daß sein eigenes Jntereffe England zwingen werde, in Zukunft sowohl Frankreich als auch Belgien zu schützen.

Das Arbeiterparteimstglted D i ck s o n sagte, er hoffe, daß England unter keiner Bedingung Solch lei- stungen von Deutschland cmnehmen werde. Das Volk werde weüerhin bezüglich der Wirkungen der Repa- rationszahlungen irre geführt.

Das konservative Mitglied Samuel erklärte, er sei überzeugt, daß der Dawesbericht undurchführ­bar sei. Die vorgesehenen Annuttäten würden von Deutschland nur geleistet werden können, wenn es einen Außenhandel mit einem Umsatz von etwa 3 Millionen Pftmd Hobe. Frankreich, Belgien, Italien und Amerika würden die deutschen Waren nicht nehmen; wenn ober diese Waren nach England ausgefühtt würben, so würden tausende von Arbeitern erwerbslos werden. In dem Maße, in dem Deutschland gedeihen würde, mürbe der Handel Englands zurückgehen.

Auch das liberal« Mitglied Wedgrnood Benn er­klärte, es sei zweifelhaft, ob Deutschland in der Lage fei, dem Damesbericht gemäß einen großen Ausfuhr- Überschuß zu erzeugen und roenn Deutschland diesen erzeugen könne, wer solle die Ware abnehmen? Jeder, der den Versailler S ertrag studiert habe, müsse zu dem Schluß gekommen fein, daß die neuen, Deutschland aus- erlegten Verpflichtungen wett über den Versailler Ver­trag hinausgingen.

Das Arbeflerparteimitglied Morel erklärte, der Dawesbricht werde von zahlreichen Arboflermityfffedern mit höchster Besorgnis betrachtet, die durch die Rede des Premierministers nicht vermindett worden sei. Die Rettung sei durch die bisherige Reparations­politik verhindett worden. Glaube irgend ein vernünf­tiger Mensch, daß Deutschland allein für den Krieg verantwortlich sei? DeutfÄand fei es bisher niemals erlaubt morden, ferne eigene Verteidigung zu führen; roenn es mm dem Völkerbund beitreten sollte, so müßte man ihm auch das Recht geben, feine Sache zu vertreten.

Das Reichsbahngefetz.

Unter bem TitelDeutsche Reichsbahngesell­schaft wirb, wie bas nunmehr ebenfalls ber Sollen» bung entgegengehenbe Gesetz, bas in Ausführung bes Sachverständigengutachtens geschaffen wirb, fesfftellt, vom beutschen Reich zum Betriebe ber Reichseisenbahn eine besondere Gesellschaft gegrün« bet. Don grunblegenber Wichtigkeit ist ber Um» staub, baß bie Reichseisenbahn unbedingt im Eigentum des Reiches verbleibt. Auch alles, was die kommende Gesellschaft an Grund- fttlcken und beweglichen Sachen, also vor allem an Fahrzeugen für die Zwecke der Reichseisenbahn er­wirbt, fällt kraft Gesetz m das Eigentum des Rei­ches unb gehört zum Reichseisenbahnvermögen. Die Organe ber Gesellschaft werben ein Verwaltungsrat unb ber Vorstanb fein. Der Verwaltungsrat be­steht aus 18 Mitgliedern, von ben en neun, also bie Hälfte von ber Reichsregierung, bie weiteren neun von bem Treuhänder, als dem Vertreter der Gläu­biger der Reparationsfchuldverschreibungen er­nannt werden. Aber auch von diesen zweiten neun Vertretern können fünf Deutsche sein. Auch der Präsident des Verwaltungsrates muß Kraft Gesetzes ein Deutscher sein.

Man sieht also, daß auch dieses Gesetz die deut­schen Rechte in sehr nachdrücklicher Weise wahrt.

Die Reichsregierung beabsichtigt, voraussichtlich noch in dieser Woche mtt der bayerischen Staats­regierung in Besprechungen über die Eisenbahn­frage einzutteten.

Die Havasagentur berichtet aus London, man erkläre, daß seit mehreren Tagen die Sachver­ständigen der unmittelbar betelligten Länder die Frage ber Eisenbahnen im besetzten Deutschlanb erörterten. Die französische Re­gierung habe zu biefen Vorarbeiten zur Sonboner Konferenz ben bekannten Eisenbahnsachverstän- bigen Levery belegiert

Es hanbelt sich bei biefen Londoner Sachver­ständigenberatungen um die dritte Lesung des Eisenbahngesetzes hn Organisationsausschuß für die Reichseisenbcchngesellschast. Deutscherseits nehmen daran teil Staatssekretär Bergmann unb Staatssekretär Vogt.

Aureisen-Pretke Riem,eile ((ioIonel) letal 0,15 öolbmatt. auswärts 0,20 (Selbwart; Reklame,eil« letal 0.60. (Selbmatt,