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ult) aerZertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Ur. 164.

Berantwortli» für die SLrütteilung t 8.: «nton SBeBle«. Anzeigen: I. P arzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der s Fuldaer «ctieudruckerei in Fulda. Fernivrecher Rr- 9.,

BerugsvreiS für Juli: 1.50 StL

Mittwoch, 16. 3uli 1924.

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51. Zahrg.

Deutschland und die Konferenz.

Was wird Deutschland erreichen? Erklärung der deutschen RegierungLoyalität auf beiden Seiten".

Die große und entscheidende Frage des Tages ist: Wird Deutschland die Möglichkeit haben, neben den wirtschaftlichen auch seine politischen Forde­rungen im Kampf um das Sachverständigengut­achten durchzubringen?

Nach der wirtschaftlichen Seite hin sind die Verhandlungen und Vorbereitungen so weit gedie­hen, daß man sich wohl der Erwartung hingeben kann, daß die bezüglichen Fragen eine, auch von unserem Interesse aus gebotene Lösung finden. Wir würden demgemäß wohl erwarten können, daß diejenigen Voraussetzungen, die das Sachoer- Mndigengutachten selber aufstellt, insbesondere die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und finan- Äellen Einheit erfüllt werden. Es wird damit die Zollgrenze fallen müssen, die Micumverträge wer­den erledigt sein, die Regiezechen werden aufge­geben werden und auch die Regiebahn selber wird verschwinden. Bezüglich der letzteren sind die Dinge so gedacht, daß schon vor der Gründung der neuen Gesellschaft die Uebergabe der jetzigen Re­giebahn zu erfolgen hat, und daß die Umwand­lung in die neue deutsche Reichsbahngesellschaft sich nach diesem Akte vollzieht.

Anders steht es indessen mit den politischen und militärischen Fragen. In Bezug aus die Gefan­genen und Ausgewiesenen ist inzwischen ja man­cherlei geschehen, aber noch vieles bleibt zu tun übrig. Wir werden damit rechnen können, daß Amerika auch bei diesen Dingen sich für den deutschen Standpunkt verwenden wird. Aber nicht sicher, ja sehr ftaglich ist, ob Amerika in der glei­chen Weise Interesse für die Regelung der mili­tärischen Dinge aufbringen wird. Der fron- zösische Standpunkt auch nach Schaffung der deut­schen Reichsbahngesellschaft die rheinischen Bahnen gewissermaßen unter militärischer Kontrolle zu haben, etwa durch Einrichtung militärischer Li- nien-Kommandanturen oder ähnliches, wird sehr entschieden verfochten, und es ist nach allen Er­fahrungen kaum anzunehmen, daß Amerika just in solcher Auffassung auf Frankreich im Sinne der Aenderung dieser Auffassung einwirkt. Noch kri­tischer liegen die Dinge bezüglich der militärischen Räumung der Gebiete. Hier verschanzt sich Frank- reich hinter den Vorwand, daß ja diese Dinge schon um deswillen im gegenwärtigen Augenblick, und insbesondere im Zusammenhang mit dem Sach­verständigengutachten nicht behandelt und gelöst werden können, weil ja dieses Gutachten selber alle mllitärischen Fragen geflissentlich ausschaltet.

Nun entsteht, politisch und parlamentarisch ge­sehen, wieder eine ungemein schwierige und schroff zmzespitzte Situation. Auf der einen Seite bietet das Sachverständigengutachten zum erstenmal eine feste Verhandlungsbasis mit der Gegenseite und es gibt die Möglichkeit, wenigstens wirtschaftlich in wichtigen Fragen vorwärts zu kommen. Wir jboben mit diesem Gutachten die Aussicht, das Rheinland als Reparationsprovinz wieder zu be­freien, unsere Währung und Wirtschaft zu gesun­den, und auf der Grundlage dieses Gutachtens die »nerläßlichen ausländischen Kredite für unsere ge­samte Volkswirtschaft zu erlangen. Wird das Gut- «hten aus irgend einem Grunde nicht zur Durch­führung kommen und als Verhandlungsbasis zur Lösung der Reparationsfrage ausscheiden, dann wiü> in demselben Augenblick unsere Mark voll- Eg zugrunde gehen, mit der Währungsstabili- g wäre es vorbei und der Mangel an innerem al im Zusammenhang mit dem Ausbleiben auswärtiger Geldzufuhr würde unsere Wirtschaft in kürzester Zeit zusammenbrechen lassen. Ande­rerseits kommen wir politisch in die peinlichste Zwickmühle, wenn wir vor die Entscheidung ge­stellt werden, dieses Gutachten anzunehmen, ohne daß zuvor eine bestimmte Garantie für die Rege- fang der militärischen Fragen, insbesondere die Räumung der Gebiete geschaffen ist. Wir wären wiederum darauf angewiesen, unsere Erwartungen nach den eigenen wirtschatflichen Interessen der Gegenseite einzustellen. In der Tat dürften ja auch die Kreditgeber selber von dem Standpunkt der Sicherheit ihrer hingegebenen Gelder mit starkem Nachdruck darauf hinwirken, daß keine po­litischen Bindungen zustande kommen oder Mög- kichkeiten offen gelassen werden, die wie bisher einem einzelnen Gläubigerstaat den Zugriff in die Der- Mögenssubstanz des Reiches freistellen.

Darüber gibt es im deutschen Land gar keine Meinungsverschiedenheit, daß wir die Forderung der militärischen Räumung der über den Versailler Vertrag hinaus besetzten Gebiete unter allen Umständen erheben und aufrechterhalten. Wenn es der Zweck des Sachverständigengutachtens ist, wirklich wieder vertragsmäßige Zustände herbei- zuführen, dann ist es eine selbstverständliche Folge, daß alle daraus sich ergebenden Konsequenzen ge­zogen^ und in allen Teilen diese vertragsmäßigen Verhältnisse wieder hergestellt werden. Wir müssen verlangen, daß die wenigen Rechte, die uns der Versailler Vertrag belassen hat, verbleiben, und das umso mehr, als wir ja durch die Annahme des Gut­achtens uns bereit erklärt haben, im Interesse einer wirtschaftlichen Lösung des Reparationsproblems sogar Bindungen und Verpflichtungen auf uns zu nehmen, die nicht int Versailler Vertrag vorgesehen waren.

Und nun entsteht die kritische, und wenn nicht alles täuscht, alsbald sich sehr scharf zuspitzende Frage: Soll das Sachverständigengutachten an­genommen werden, auch wenn über die militäM^en und allgemeinpolitifchen Dinge nicht vorher >lle

Klarheit geschaffen ist, oder soll auf die aus diesem Gutachten sich immerhin ergebenden wirtschaftlichen Vorteile verzichtet werden, bis auch die übrigen Fragen ihre Klärung gefunden haben?

Die Entscheidung über diese Frage wird zu den heftigsten innerpolitischen und Parlamentarischen Kämpfen führen. Bei der Stellungnahme der Parteien zu ihr können sich die ernstesten Verwick­lungen herausbilden, über deren Ausmaß und Ein­wirkung auf unsere gesamtpolitischen Verhältnisse wohl , heute kaum in weitesten Kreisen des Volkes die richtige Vorstellung besteht. Hier erheben sich nicht nur die Fragen einer Reichstagsauflösung, wenn die Regierung keine Mehrheit findet, sondern auch die Fragen, die aus einer Kabinetts- und Regierungskrise, aber auch, tote in Weimar, aus einer großen Parlamentarischen Krisis erwachsen können. Es könnte sehr leicht zu einem Zerfall der gegenwärtigen Reaierungskoalition, ja auch zu einem Bruch innerhalb der Parteien kommen, und das müßte gegebenenfalls, wenn man das Sach- verständigen-Gutachien nicht schlechthin preiszugeben geneigt ist, und damit das Risiko des sofortigen Zu­sammenbruchs unserer Währung und Wirtschaft auf sich zu nehmen bereit wäre, dahin führen, daß eine Partei für sich, oder in loser Verbindung mit einer anderen Partei die Zügel der Negierung er» greift. Mit all diesen Möglichkeiten, die sich aus der gegenwärtigen Zuspitzung der Dinge ergeben, müssen wit uns rechtzeitig auseinandersetzen. Denn das ist sicher, daß eine Regierung, der die Durchsetzung der von ihr mit Recht vertretenen politischen Forderungen, und die verlangte militärische Freigabe der wider­rechtlich besetzten Gebiete gelänge, keine Möglichkeit habe, auch garnicht bereit sein würde, die Geschäfte weiterzuführen.

Diese Skizze der gegenwärtigen Situation zeigt jedenfalls, daß wir schweren inneren Kämpfen ent­gegengehen.

Erklärung -er deutschen Regierung.

Der Berliner Vertreter desObserver" berichtet feinem Blatt, daß die deutsche Regierung ihn um Veröffentlichung folgender Erklärung ersucht habe: Alle Gerüchte, daß die deutsche Regierung ihre Hal- fang gegenüber dem Dawes-Bericht geändert habe, sind unbegründet. Die deutsche Regierung ist nach wie vor entschlossen, diejenigen Bedingungen des Dawes-Berichts, die innerhalb ihrer Macht lie­gen, zu erfüllen, ohne daß zu diesen Bedingungen etwas hinzugefügt oder irgend etwas davon fortge­nommen wird. Es ist ganz gewiß nicht die Politik Deutschlands, den Dawes-Bericht durch neue und unvor­gesehene Forderungen im letzten Augenblick zu sabo­tieren, sondern im Gegenteil seine Erfüllung bis zu den kleinsten Einzelheiten zu sichern u. alle erdenklichen Schritte gegen Sabotierungsversuche zu unternehmen. Ebenso aber, wie Deutschland loh al entschlossen ist, die ihm auferlegten Bedingungen zu erfüllen, so er­wartet es, daß die Bedingungen, die der Bericht den anderen auferlegt habe, ebenso loyal behandelt werden. Diese Bedingungen bestehen nach Ansicht der öffentlichen Meinung Deutschlands in der Räu­mung des Ruhrgebietes und in der Wiederher­stellung des Rheinlandabkommens. Die deuffche Regierung hat niemals die Forderung auf­gestellt, daß diese Handlungen der durch den Da­wesbericht bedingten Gesetzgebung vorausgehen müßten. Deutschland fordert nichts im voraus; es verlangt aber die Erfüllung der im Bericht vor­gesehenen Bedingungen, und je sicherer Deutsch­land auf guten Willen rechnen kann, um so grö­ßer wird die Reichstagsmehrheit für die Annahme des Berichtes fein. Das deutsche Volk ist entschlos­sen, die Last des Berichts, die nach dem Zeugnis Macdonalds sogar über die im Versailler Vertrag vorgesehenen hinausgehen, auf sich zu nehmen, wenn es endlich die Gewißheit erhält, daß die Bedeutung und der Zweck eines solchen Versuches anerkannt werden. Bisher ist alles, was Deutsch­land getan hat, nur mit neuen Forderungen und neuen Erniedrigungen beantwortet worden. Dies aber verhindert Deutschland jetzt nicht, die von ihm geforderten Opfer zu bringen, um die Freiheit fei­ner unterdrückten Bevölkerung im Ruhrgebiet und im Rheinland wiederzugewinnen.

W tommenlM Warnen Wiffl Mllkn.

Wie unser Vertreter aus dem Reichstage mitteilt, ist kaum damit zu rechnen, daß der Reichstag am 22. Juli, rote anfänglich angenommen war, zusam­mentritt. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht vielmehr dafür, daß der 2 8. I u l i für das W i e Serzusammentreten der Vollversammlung des Reichstages in Frage kommt.

Die Reichsregierung steht selbstverständllch in ununterbrochener Fühlungnahme mit den Partei­führern, die über jede einzelne Etappe in der jüng­sten politischen Entwicklung auf dem Laufenden ge­halten wurden. Auch weiterhin wird diese Füh­lungnahme beibehalten, ja noch erheblich verstärkt, um über die mit der Londoner Konferenz in Zu­sammenhang stehenden Fragen jederzeit unterrich­tet zu werden.

Das Sachverständigengutachten.

Die parlamentarische Erledigung des Sachver­ständigengutachtens dürfte sich voraussichtlich in der Form vollziehen, daß neben den drei Durchfüh­rungsgesetzen, dem Goldbank-, dem Eisenbahn- und dem Jndustrieobligationsgesetz ein besonderes Mantelgesetz vorgelegt wird. Danach würden die drei Gesetze erst dann Rechtskraft erhalten, wenn

dieses Mantelgesetz verabschiedet ist, und dieses würde erst dann geschehen, wenn die Entscheidun­gen der Gegenseite über das Sachverständigengut­achten in einem, den deutschen Lebensnotwendig­keiten Rechnung tragenden Sinne gefallen sind.

Wie sich überhaupt die parlamentarischen Ge­schäfte in der nächsten Zeit entwickeln, läßt sich im Augenblick noch nicht absehen. Es würden jeden­falls die allergrößten Anstrengungen zu machen fein und es dürften sich auch nicht die leisesten Schwierigkeiten Herausstellen, wenn der Reichstag bis zum 15. August seine Arbeiten bewältigt haben soll. Da Mitte August die politische Stille einsetzt und zwar deshalb, weil erfahrungsgemäß in England von jenem Zeitpunkte ab keine poli­tischen Aktionen mehr unternommen werden, müßte, wenn die aus dem Sachverständigen-Gut- achten sich ergebenden Angelegenheiten bis dahin nicht geregelt wären, leider damit gerechnet werden müssen, daß die Entscheidungen über diese Dinge erst im Spätherbst fallen würden.

M enoöW MttWMölM.

Die Hauptfragen noch immer ungeklärt.

Ob die am Montag nachmittag im englischen Unterhause eröffnete Debatte die erwartete Klärung der Hauptfragen bringen wird, ist fraglich. Wenn nicht Ponsonby, der als letzter Redner spricht, wei­tere Aufschlüsse gibt, bleibt die Stellung in den wichtigsten Fragen der kommenden Konferenz un­deutlich. Man hatte gehofft, daß Maedonald in der Behandlung des Hauses offener sein werde, als er es in der letzten Woche war. Diese Hoffnung ist enttäuscht worden. Sowohl Asquith wie Bald­win stellten ganz bestimmte Fragen, welche M a c- bonalb teils ausweichend, teils garnicht beant­wortete. So vermied Maedonald beispielsweise jede Aeußerung über die Räumung des Ruhrge­biets .wonach Asquith fragte. Die Debatte machte allerdings auch den Eindruck, daß die Opposition eine nicht allzu präzise Antwort für möglich hielt. Hinzu kam, daß Baldwin ein gut Teil Parteipole­mik betrieb, was Maedonald sichtlich reizte und zu ärgerlicher Abwehr veranlaßte. Baldwins Taktik zwang Maedonald, Anschluß bei den Liberalen zu suchen, obwohl seine Pariser Konzessionen an sich ihn mehr auf die konservative Seite drängten. Das gibt den besten Schlüssel für die Beurteilung von Macdonalds Politik bei der Konferenz ab. Die konservative Meinung, welche Chamberlain noch deutlicher als Baldwin präzisierte, ist noch immer beunruhigt, weil der Dawes-Bericht Deutschland große Vorteile bringe, die Sieger den Besiegten im allgemeinen nicht einzuräumen pflegten, näm­lich eine Anleihe, welche den deutschen Konkurren­ten wieder auf die Beine bringe. Die Konserva­tiven fordern deshalb eine gleich hohe Steuerlast für die deutsche Industrie.

Vie Sitzung

Bei Wiederaufnahme der Debatte über, den Voran­schlag des Foreign Office sprach zunächst Asquith, der Maedonald beglückwünschte, daß die Konferenz in biefier Woche in London stattsinden werde. Es sei dies an sich ein Meilenstein auf dem Wege des Fortschritts in der Richtung auf das Ziel Siner internationalen Rege­lung. Die Konferenz fei von den guten Wünschen aller Parteien im Hause, im Lande und im ganzen Reiche begleitet. Es fei von größter Wichtigkeit, daß heute nichts gesagt werde, was dazu bottragen könne, den Pre­mierminister in seiner Ausgabe von der größten Schwie- rigkott, von deir bedeutsame und weitreichende Fragen abhingen, zu behindern. Aber die Art von Kritik und Anregung, wie sie während der französischen Senats­debatte erfolgte, sei auch h»ute zulässig. Der veröffent­lichte Briefwechsel habe gezeigt, daß zwei Dinge von Seiten der britischen Regierung deutlich erklätt oder an- gedoutet worden seien, nämlich 1. daß der Dawes- plan über den Versailler Vertrag hinaus- gehe, 2. daß die Aufgabe, in Zukunst zu erklären, ob ein offenkundiger Verzug stattfand, einer anderen Autorität als der R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n an­vertraut werden müsse. Er könne nicht verstehen, weshalb auf die Mitteilung Sir Eyre Crowes an das französische auswärtige Amt nicht eine sofortige Antwort mit Ein. Wendungen des französtschen auswärtigen Amtes erfolgt sei, da sich die französische öffentliche Meinung unser- züglich in der unzweideutigsten Weise kundgegeben habe. Die Pakte mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten, die den Vertrag begleiten sollten, wären ver­schwunden und könnten und würden auf keinen Fall in dieser Gestalt wieder auf Heben. Frankreich habe nichts übrig behalten, was ihm eine Kompensation für seine Verluste und Leiden im Striege biete oder seine Sicher­heit verbürge, als den Dovsailler Vertrag und die einzige vom Vertrag gegebene Bürgschaft fei die Reparations- kam Mission, in der Frankreich eine dauernde Mehrheit habe. Es fei wesentlich, sich dieser beiden Dinge zu erin­nern, um dem französischen Standpunkt Gerechtigkeit wie- verfahren zu lassen. Macdonalds Besuch in Paris habe bie innere Lage utej den Bestand der Regierung fierriot und, wie er hoffe, auch die wiirksame Tätigkett der Konferenz gerettet. Unter dem Beifall der Opposition und der Liberalen sagte Asquith, durch welche Zuge- ständnifse Maedonald sie gerettet habe, könne man sehen, wenn man das Uebsveinkommen von Chequers mit dem englisch-französischen Memorandum der letzten Woche vergleiche. Das besondere Tribunal außerhalb der ReparattonskommWon sei fort und an feine Stelle fei der sehr gute Vorschlag getreten, ein amerikani­sches Mitglied für die Reparationskommission zu ernennen. Asquith fragte, ob der Premierminister Grund zu der Annahme habe, daß die gegenwärtige amerika­nische Regierung oder irgend eine andere amerikanische Regierung der Ernennung eines amerikamffchsn Mitglie­des für die Reparotionskommifsion oder der Ernennung eines ameritan. Schiedsrichters zur Entscheidung etwa austauchender Differenzen geneigt fern könnte. Macdo- nald habe im Prinzip die französffche Behauptung, daß der Dawesbericht nicht als ehre Enthebung, sondern als eine Erweiterung der Grundsätze des Versailler Vertra­ges behandelt werden faßte, angenommen. Die Lage Hobe eine vitale Umbildung erfahren. Außerdem werde von französischer Seite mit gleichem Nachdruck der Stand- pimft vertreten, daß prima faeie die Reparationskom­mission Richter in der Frage de« Vorzugs fein soll. Man

brauche nur Poincares bemerkenswerte Rede im Senat zu lesen, um den Unterschied zu sehen, den dies in Frank­reich hervorgerufen habe. Infolgedessen beginne die Kon­ferenz in einer klaren, freundschaftlicheren Atmosphäre, als noch vor einer Woche erwartet werden konnte. Es1 bestanden zwei Punkte von sehr großer Bedeutung: die Räumung des besetz te n Gebietes und bie1 Sicherheitsfrage.

Asquith befaßte sich mit den englisch-französischen Meinungsverschiedenheiten über gewisse Punkte der Ar­tikel 428 und 429 des Versailler Vertrages und erklärt, es sei unmöglich, die Schwierigkeiten außer Acht zu lassen, die über diesem Punkte entstehen könnten, wenn es Maedonald nicht gelinge, zu irgend einer Ver- einbarung mit der französischen Regierung und den an- deren Alliierten zu gelangen. Die Dauer jeder Verein­barung, die über den Dawesbericht erzielt werde, hänge von der Sicherheit ab und es fei von der größtmög­lichsten Bedeutung, daß der britische Standpunkt in die. ser Frage vollkommen klargemacht werde. Erstens müsse jede Versicherung, die Frankreich gegeben werde, ihm nicht als eine separate Garantie gegeben werden, sondern als Tell einer Allgemeinverpflichtung Großbritannien aufgrund der Völkerbrmdspakte, zwettens müßte die Frankreich angebotene Sicherheit, welcher Art sie auch sei, unter den gleichen Bedingungen auch Deutschland angeboten werden, drittens, damit dies möglich wäre, fei es klar, daß Deutschland in den Völker- bund aufgenonunen werden und einen Sitz im Völker­bundsrat erhallen müßte. Wer dies fei nicht genug. Seiner Ansicht nach feien die Franzosen berechtigt, noch mehr zu fordern. Das britische Reich müsse sich ver­pflichten, Frankreich und Deutschland den Gebrauch sei­ne r Macht gegen jeden der beiden Staaten zu garantier ren, der dem anderen einen Streit aufdränge, ohne die Maschinerie des Völkerbundes in Gang zu fetzen. Dies dürfte jedoch nicht auf Frankreich und Deutschland allein Anwendung finden, sondern müßt» kollektiv und allgemein für alle im Völkerbund vertrete­nen Parteien gelten. Dies sei die einzige wirksame prak­tische Gestatt, worin irgend eine Sicherheitsgarantie ge­geben werden könne.

Nach Asquith ergriff Baldwin das Wort. Er erklärte, Asqutth habe ein Argument entwickelt, mit dem er in hohem Maße sympathisiere. Baldwin höhnte die Regie­rung, weil fie feit ihrem Amtsantritt ihre Ansichten ge­ändert habe. Er wies darauf hin, daß die Arbetterpar- tci ttn letzten Jahre und bei ben Neuwahlen eine Re­vision des Versailler Vertrages gefordert habe, und sagte, die Regierung erhalte die volle Kontinuität der konservativen Außenpolitik bezüglich des Versailler Vertrages und der daraus entstehenden Fragen aufrecht. Seiner Ansicht nach bestehe alle Hoff­nung, daß die Konferenz etwas erreichen werde. Be­treffs der Anwendung von Sanktionen wies Bald- ivin darauf hm, daß die Fassung des Kommuniquees in derTimes" vom 10. Juli laute:Sanktionen, welch« die Alliierten vereinbart haben werden", während das amtliche Weißbuch erklärt:Sanktionen, welche die Alliierten vereinbaren werden". Baldwin fragte, ob die Sanktionen vereinbart werden sollen, bevor die Frage eines Verzugs entstehe oder ob sie erst er­wogen werden würden, nachdem ein Verzug stattge­funden habe. Baldwin betonte die großen Erleich­terungen, die Deutschland durch den Dawesbericht an geboten würden, und sagte, es dürfte auf Seiten Deutschlands kein Zögern bestehen, ihn anzunehmen. Er hoffe, die Konferenz werde ihre Aufgabe fo leisten, daß sie diese Zustimmung von Deutschland mll der geringst­möglichen Verzögerung erhalten werde. Baldwin unter, suchte dann die Vorteile, die der Bericht Deutschland biete und nahm insbesondere auf die Stab ilisier ung der deutschen Währung Bezug sowie auf die Anleihe, was, wie er sagte, eine sehr beneidenswerte Behandlung eines geschlagenen Feindes darf teile. Zum Schluß hob Baldwin hervor, daß, wenn Deutschland den Bericht anehme und die Anleihe aufgebracht werde, ein beträchtlicher Teil derselben aus England kommen würde, daß dadurch, daß es das deutsche Geschäftsüeben wieder austichte, seinen eigenen größten und mächtigsten Konkurrenten wieder Herstellen würde.

Premierminister Maedonald erklärte, daß die gegen­wärtige Regierung die Sachverständigenkom- Mission geerbt habe, aber zweifellos trage die Tat­sache, daß die Kommission eingesetzt wurde, und daß Amerika sich daran beteiligte, gewaltig dazu bei, daß es nun möglich fei, von neuem freundschaftliche ober jedenfalls freundschaftlichere Beziehungen zu Frankreich zu beginnen. Er wolle gewisse Fragen, die in den letz­ten Wochen ausgetaucht sind, nicht erörtern. Im Augen­blick seien sie erledigt und er fei viel mehr interessiert an dem kommenden Mittwoch als an dem vergangenen Don- nerstag. Hinsichtlich der Verpflichtungen, die Deutschland durch den Dawesbericht auf er legt' würden, sagte Maedonald, es fei nur die Frage, ob- bezüglich eines ober zweier Punkte des Berichtes man nicht versuche, Deutschland Verpflichtungen aufzuerlegen, bie nicht legal im Bereich bes Versailler Vertrages liegen. Diese Frage sei den Rechtssachoer st än» bigen vorgelegt unb würbe bei ihnen bleiben, bis deren Bericht der interalliierten Konferenz in dieser oder bei nächsten Woche vorgelegt werbe. Es fei eine einfache Tatsache, daß es nach der Veröffentlichung des Dawes- berichtes unbedingt wesentlich fei, daß irgend welchen Abkommen zwischen den Ländern Besprechungen zwi­schen den Mmisterpräsidenten und den Außenministern vorausgingen. Die Polttik, die feit dem ersten Tage, an dem er die Schwelle bes Auswärtigen Amtes als Staats- sekretär bes Auswärtigen Amtes überschritten habe, von ihm befoSgt worben sei, fei die, daß er nicht geglaubt f>abe und auch jetzt nicht glaube, daß man in Europa Frieden haben könnte, ehe Großbritannien und Frank­reich das Maß von Einigkeit erreicht hätten, das ihnen einige Jahre lang fremd gewesen sei.

lieber die weiteren Ausführungen Macdonalds berichtet folgendes Telegramm:

3m weiteren Verlaufe feiner Rede sprach Mac- donald noch zur Frage der Sanktionen und Sicherheit Frankreichs. Das Problem der Sanktionen könne nur gelöst werden, wenn man sähe, unter welchen Umständen der veranlassende Versuch stattgefunden habe. Das die Sicherheits­frage anlange, fo fei der Standpunkt, den Asquith entwickelt habe, auch immer fein eigener Stand­punkt gewesen. Er habe vor kurzem im Unter­haus erklärt, daß, soweit er sehen könne, allein der Weg über den Völkerbund zum Ziele führen könne.

Ulacdonald schloß, er habe getan, was er könne, um diesen Deg zu eröffnen und er könne nur Hof-