Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 161.
verantwortlich iür bte Sdnmtiettuita t R: AntoaWchler. Ameisen: I- Parretier. Sutda. Notationidrnck und Verlag der s Fuldaer Ictiendruckerei in Fulda. Fernlvrocher Sr. 9. %
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Samstag, 12. Juli 1924.
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51. Zahrg.
Die pariser Abmachungen.
Stre|emann über die deutsche Zorderung. — Serichtsfihung über Herriot im Senat.
am 16. Juli Zusammentritt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Eröffnung der Konferenz von irgend welchen vorher ausgearbeiteten Formalitäten bestimmt sein wird. Vielmehr sollen so schnell wie möglich die grundsätzlichen Fragen in Angriff genommen werden. Ungewißheit scheint aber noch hinsichtlich der Bereitschaft der V e r» eini gten Staaten zu bestehen, einen Vertreter in die Reparationskommission zu entsenden. In den maßgebenden englischen Kreisen hegt man jedoch bestimmte Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten dieser Anregung Nachkommen werden.
Hm 16. 3ult
Wtb £ 0 « b o n, 11. Juli. (Tel.) Den Blattern zufolge wurde die Eröffnung der interalliierten Konferenz für Mittwoch vormittag 11 Ahr im Auswärtigen Amt festgesetzt. Die Stärke der einzelnen Delegationen ist der britischen Regierung noch nicht bekannt. Ls wird jedoch erwartet, daß insgesamt etwa 150Regierungsvertreter der beteiligten Rationen anwesend sein werden.
Vie Beurteilung in Italien.
Der englische Botschafter und der französische Geschäftsträger haben Mussolini zwei identische, sehr eingehende Noten über die Ergebnisse der Pariser Besprechungen zwischen Macdonald und Her- riot überreicht. Wie die Agenzia Stefan! berichtet, ist die italienische Regierung glücklich, Stellen zu können, daß eine französisch-englische ständigung über die seitherigen Meinungsverschiedenheit zustande gekommen ist.
Stresemann über die annahme des Gutachtens.
Die deutsche Ausfuhr als Kernproblem des Gutachtens.
Auf der Jahrestagung des Eisen- und Stahl- waren-Jndustriebundes in Elberfeld sprach Strese- mann namens der Reichsregierung den Dank für die an die Reichsregierung ergangene Einladung und machte im Anschluß hieran etwa folgende Ausführungen:
Die Lage der deutschen Industrie ist gekennzeichnet durch die außerordentlichen Kredit- schwierigkeiten und die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten namentlich der Aus- f u h r i n d u st r i e. Auf der Steigerung der deutschen Ausfuhr beruht die Hoffnung auf Deutschlands wirtschaftliche Wiedergesundung. Diese Steigerung der deutschen Ausfuhrtätigkeit ist aber gleichzeitig die Grundlage für die von Deutschland nach dem Sachverständigengutachten zu leisten- den Kriegsentschädigungen, deren Uebertraguna an das Ausland aus dem Ueberschuß der deutschen Wirtschaft ohne Gefährdung der deutschen Währung erfolgen solle. Damit ist die Frage der Ent- Wicklung der deutschen Ausfuhr auch zum Kernproblem der Durchführung des Sachverständigengutachtens geworden, von besten Lösung seine reibungslose Durchführung abhängt. Die Herstellung der deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Einheit ist das zweite Problem, dar im Einvernehmen mit Deutschland bei der Regelung des Sachverständigengutachtens gelöst werden muß. Der Begriff der wirtschaftlichen und finanziellen Einheit schließt auch die Verwaltungshoheit in sich und bringt die Wiederherstellung des status guo vor dem Ruhreinbruch. Weiter kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die deutsche Pro- duktion nicht durch Fortdauer der m i l i t a - rischen Besetzung in dem nicht vertragsmäßig besetzten Gebiet gehemmt werden kann.
Die Staatsmänner Englands und Frankreichs find in Paris zusammsngekommen und haben sich bemüht, eine Konstruktion zu finden, die das Sachverständigengutachten nichts als außerhalb des Vertrages von Versailles stehend erscheinen läßt. Ohne zu diesen Beschlüffen gegenwärtig Stellung zu nehmen, muß doch festgestellt werden, daß die E i n - schränkung der deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Souveränität durch das Sachverständigengutachten über die Bedingungen hinausgeht, zu denen wir nach dem Vertrage von Versailles verpflichtet sind. Man kann uns deshalbdiese Bedingungennichtaufzwingen. Die Entscheidung unterliegt letzten Endes einer Beschlußfassung des Deutschen Reichs- tags. Für diese Beschlußfassung wird es Mischer- dend sein, ob der Vertrag von Versailler, auf besten formeller Durchführung in Bezug auf die Kompetenzen der Reparationskommission von der Gegenseite so entscheidender Wert gelegt wird, auch darin wiederhergestellt wird, daß für Deutschland diejenige Grenze gilt, die es nach dem Vertrage von Versailles hat und daß Sicherheit dafür geschaffen werden muß, daß alle darüber hinaus gehenden Besetzungen im Zusammenhang mit der Durchführung des Sachverständigengutachtens aufhören. Nur durch die Anerkennung dieser Grundsätze werden wir bei den bevorstehenden Abmachungen diejenige Grundlage in dieser Verständigung erreichen, die eine neue Aera wirtschaftlicher Verständigung anstelle des bisherigen Systems der Gewalt setzt.
E ne Erklärung Macdonalds.
Im Unterhause richtete Baldwin an Macdonald die Frage, ob er nach seiner Rückkehr aus Paris eine Erklärung abaebeu könne. Macdonald er»
Die in Paris zwischen dem englischen und stanzösischen Ministerpräsidenten erfolgte Einigung ist ein vollständiges Abweichen von den Besprechungen in Chequers und bedeutet, daß der britische Premierminister den stanzösischen Forderungen im wesentlichen nachgegeben hat. Die französische Presse ist denn auch, wie zu erwarten war, bis weit in die Kreise der Opposition hinein von den Ergebnisten der neuen Aussprache zwischen Ramsay Macdonald und Herriot restlos befriedigt. In England dagegen hat das Uebereinkommen der beiden Staatsmänner arg enttäuscht. Die Presse behauptet, bei aller Anerkennung des Ersolges der Bemühungen Macdonalds, ein« geschloffene britisch- stanzösische Front wieder herzustellen, und Her- riots Stellung zu stärken, daß Macdonald den stanzösischen Forderungen gegenüber zu nachgiebig gewesen und erklärt, daß mit dem Ergebnis der Pariser Aussprache die Schwierigkeiten noch keineswegs überwunden seien. Macdonald habe in Paris einen weiteren Rückzug angetreten als jemals zuvor irgend ein englischer Ministerpräsident. Im allgemeinen nimmt die englische Meinung das Ergebnis trotz mancher Einwendungen als erträglich hin.
In Chequers war zunächst die Rede davon, daß die Reparationskommission für die aus der Durchführung des Sachverstän- digen-Gutachtens sich ergebenden Schritte nicht zuständig war. Jetzt aber wird der Reparationskommission wiederum das alte volle Recht zuteil. Während bisher davon die Rede war, daß die aus dem Sachverständigen-Gutachten sich ergebenden Lasten für Deuffchland weit über den Versailler Vertrag hinausgehen, ist jetzt in Paris diese These fallen gelassen worden. Die in Paris festgelegte Art des Vorgehens geht von einer interalliierten Konferenz aus ohne Zuziehung Deuffchlands. Die Verpflichtungen, die also über den Versailler Vertrag hinausgehen, sollen bestimmt werden, ohne daß Deutschland dagegen Einwendungen erheben kann. Das ist natürlich un- anehmbar für Deutschland, denn wir können nicht wiederum eine Unterschrift leisten unter Forderungen, die uns aufgezwungen werden. Es ist also in Paris weder auf eine Beteiligung Deutschlands an den Abmachungen, noch auf die Rechte Deutschlands Rücksicht genommen worden. Jedenfalls ist eine solche Rücksichtnahme bis jetzt nach außen hin in keiner Weise zutage getreten. Besonders ungünstig wirkt die Stelle, worin es heißt: Die Interalliierte Konferenz wird den Plan festsetzen, nachdem die wirffchaftkiche und fiskalische Einheit Deuffchlands wieder hergestellt wird, sobald die Reparrationskommission enffchieden hat, daß der D a w e s b e r i ch t als zur Ausführung zu gelten hat. Die Reparationskommission wird ersucht werden, der Interalliierten Konferenz Anregungen für die Fesffetzung dieses Planes zu unterbreiten. Mit anderen Worten: Es werden also wiederum für Deuffchland Verpflichtungen und Rechte konstruiert, während Deutschland aus dem Sachoerständigen-Gutachten die ihm zustehenden Rechte, wenigstens nach diesem Paffus oorent- halten werden.
Das einzig Positive, was der bis jetzt vorliegende Wortlaut des Kommuniques bietet, ist die Hinzuziehung eines amerikanischen Vertreters in die Reparationskommission. Dabei fft aber nicht einmal ersichtlich, ob dieser amerikanische Vertreter überhaupt Stimmrecht hat. Dabei fft ja auch in keiner Weise gesagt, daß Amerika, das sich bisher gegen eine offizielle Teilnahme in der Reparationskommission gesträubt hat, diesen Uebereinkommen beitreten wird. Im Gegentett, es fft nach allem anzunehmen, daß Amerika sich auch fernerhin dagegen sträuben wird und daß es auf seinem alten Standpunkt beharrt, daß das Sachverständigen-Gutachten außerhalb der Rechtssphäre der Reparationskommffsion liegen soll. Damit würden aber unter Umständen für das gesamte ' Sachverständigen-Gutachten sich neue Schwierigkeiten ergeben, die selbst von dem Gesichtspunkte aus, ^daß zwischen England und Frankreich in Paris eine volle Einigung erzielt worden fft, unter Umständen das Sachverständigen- Gutachten als solches aufs neue stark gefährden werden.
Die »Franks. Ztg." glaubt, daß dar Abkommen, so wie es vorliegt, wohl geeignet ist, auch in Deutschland eine Enttäuschung hervorzurufen. Sehr ernste Bedenken muß es in Deuffchland Hervorrufen, wenn ausgesprochen wird, daß der Plan zur Wiederherstellung der deuffchen Wirffchafts- und Finanzeinheit auf der Konferenz der Alliier- ten ausgearbeitet werden soll, und daß die Repa- rationskommission Vorschläge dafür zu machen habe. Von einer Beteiligung Deutschlands an der Ausarbeitung dieser Vorschläge, die doch im Jntereste aller aufs dringendste gefordert werden muß, ist hier nicht die Rede. Auch von den früher erwähnten Terminen, zu denen die aus dem Dawes-Gutachten folgenden Abmachungen in Gang kommen sollen, hört man nichts mehr.
Die Kusiaffung in England.
Wie Reuter erfährt, herrscht in den verantwortlichen Kreisen Londons allgemeine Befriedigung über das Ergebnis der Pariser Besprechungen. Man erwartet jetzt mit Bestimmtheit, -aß die Konferenr der Alliierten, wie vorgesehen.
widerte: Da in Paris eine bedauerliche Sage entstanden sei, die die Arbeit für das Zustandekommen der interalliierten Konferenz über die Anwendung des Sachverständigenberichts zu zerstören drohte, sei er nach Paris gegangen, um zu versuchen, die Hindernisse zu beseitigen. Die Regierung sei der Ansicht, daß die äußerste Anstrengung gemacht werden solle, um den Sachverständigenbericht unverzüglich in Wirksamkeit zu setzen. Es sei wesentlich, daß die für den 16. Juli festgesetzte interalliierte Konferenz abgehalten werde. Da zahlreiche Einzelheiten geregelt werden müßten, bevor der Bericht durchgeführt werden könne, und da einige der Regelungen eine gründliche Erörterung seitens der Sachverständigen des Schatzamtes sowie juristischer Sachverständiger erfordern würde, werde es nicht immer leicht fein, zu Vereinbarungen zu gelangen. Die französische öffentliche Meinung sei nicht geneigt, zu gestatten, daß der Sachver- ständigenbericht als Ersatz für die Bestimmungen des Versailler Vertrages angesehen werde. Sie sei jedoch geneigt, ihn als neuen und besseren Weg zur Behandlung der Reparationsfrage anzusehen.
Im Verlauf feiner Rede führte Macdonald aus, nach Ansicht der britischen Regierung solle das m Aussicht genommene amerikanische Mitglied der Reparationskommission als S ch i e d s r i ch t er auftreten, falls es nicht gelinge, einen einstimmigen Beschluß der Reparationskommission zu erzielen.
Die Interpellation vompard-poincaro.
Im Senat begann die Beratung der Inter- Motionen über die auswärtige Politik der neuen Regierung. Auf der Ministerbank sitzt allein Mr- nffterpräsident Herriot, umgeben von seinen engeren Mitarbeitern Peretti della Rocca und Sergen?.
Senator Bompard behandelt die Frage der Tagesordnung der Londoner Konferenz und erklärt, die Reparationsfrage könne nach dem Dawesplan geregelt werden unter der Bedingung, daß Deutschland tiefen Plan arnebme und ausfuhre. Der Plan enthalte Vorteile, fordere aber französifcherferts Opfer, und wenn man diese bringe, habe man die Berechtigung, zu fragen, ob man sicher sei, daß Deutschland ferne Verpflichtungen hatten werde. Zu alledem habe Bompard, zu erklären, daß England, Frankreich und Belgien die Befetzung des linken Rheinufers aufrechterhalten sollten, bis zu vollständiger Erfüllung des Friedensver- tmgs durch Deutschland.
Als „ ,
poincare die Tribüne besteigt, wird er von feine* Parteifreunden mit Beifall begrüßt. Poincare selbst begmnt dann seme Rede mit den Worten: „Es lebe der Friedel Nieder mit dem Krieg! Das find zwei Anrufe, die der Senat einstimmig cmnehrnen kann." Aber es .frage sich, erklärte Poincare roeiter, mit welchen Mitteln man den Frieden aufrechter hatten und den Krieg verhindern könne. Senator de la Haye ruft dazwischen: „Wir haben ferne Furcht vor dem Kriege!" Poincare erwidert, „Ich wohl, wegen der schrecklichen Verwüstungen, die er mit. sich bringt." Ministerpräsident Herriot weiß, daß td) feinen Patriotismus und feinen Mut anerkenne; ich werde also nicht versuchen, ihm seine Aufgabe zu erschweren.^ Ich wünsche nur einige Tatsachen ins rechte Licht zu rucken. Man darf eine Politik nicht desavouieren, die der Senat immer unterstützt hat." Deshalb habe er immer wieder erklärt, er glaube nicht, daß noch eine and er» Außenpolitik getrieben werden könne als die, die seine Regierung zwei Jahre hindurch betrieben habe. Wenn der Dawesbericht möglich gewesen sei, so nur deshalb, weil Frankreich die Ruhr befetzt habe. Hätte sich Herriot vor der Ruhrbesetzung nach England begeben, dann hätte er nicht die Resultate erzielt, die er fetzt erreicht habe. Er habe die Zusammenarbeit mit England immer gesucht, und er danke Herriot, daß er sich in gleicher Richtung bewege; aber Herriot muffe auch anerkennen, daß di« ooraufgegangene Regierung ihm seine Verhandlungen m Chequers erleichtert habe. Des- halb müsse er durch tne For tsetzung der alten P o l i t i k Nützliches zu erzielen suchen, besonders gegenüber einem Lande, das soviel Wert auf die Erhaltung einer stetigen Diplomatie lege. Poincare erinnert alsdann an die mit Macdonald geführte Korrefpond-mz und bedauert vor allen Dingen, daß man nicht das Reparationsproblem zu gleicher Zeit mit dem Kriegsschul- denproblem behandeln könne. Das S achv er st an kn- genproaramrn fei für Frankreich ein Minimum. Heute muffe man befürchten, daß die deutsche Regierung in London den Versuch machen werde, Milderungen zu erlangen. Nach dieser Richtung müsse Herriot stark bleiben, denn es wäre unzulässig, wenn Deutschland nach London tarne, um den Sachverständigenplan abzuändern. Poincare sucht alsdann die Geschichte der Ein- fetzung der Sachverständigen ausführlich zu entwickeln, um fein Verdienst um dieselbe zu unterstreichen.
Poincare bespricht darauf des längeren di« Frage der interalliierten Schulden und erklärt, man müsse bei allem bedenken, daß Amerika sich weigern werde, Mefes Problem zu diskutieren. Der Sachver- ständigenplan sei von Deutschland angenommen worden. Seine Regierung habe den Plan angenommen, wenn auch nicht freudig, aber m dem Gedanken, daß man zu einem Ende kommen müsse und m der Absicht, Entgegenkommen zu zeigen. Der Plan sichere Deuffchland große Sorteäe, obwohl diese Vorteile nur vorübergehend seien.
Die Repararionskommission habe Deutschland auf gefordert, die notwendigen gesetzlichen Dispositionen zu treffen. Bis jetzt habe Deuffchland das nicht getan, und er befürchte, daß es sich in London bemühen werde, die Einzelheiten über seine grundsätzliche Zustimmung zu dem Sachverständigenplan zu revidieren. Die zukünftige Zahlungsfähigkeit Deuffchlands könne man nach feiner augenblicklichen Sage nicht abschätzen. Das hätten die Sachverständigen zugestanden, und aus diesem Grunde hätten sie auch die Zahl der Annuitäten nicht bestimmt, weil sie bamit eine neue Schuldsumme hätten feststellen muffen.
Schutz der Landwirtschaft.
Lin Gesehenkwurf über Agrarzölle.
Der Ernährungsminister Gras K a n i tz hat in seiner großen Reichstagsrede am 27. Juni bereits Maßnahmen zum Schutz der landwirtschaftlichen Produkte angekündigt, und zwar einmal eine Erleichterung der Ausfuhr für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und zum anderen den bereits vollzogenen Beschluß der Reichsregierung, alsbald )ie erforderlichen Entwürfe den gesetzgeberischen Körperschasten zugehen zu lassen, die geeignet seien, eine weitere Extensivierung der landwirtschaftlichen Wirtschaft zu verhindern, sowie den Schutz der heimischen Landwirtschast überhaupt zu gewährleisten. Die Gesetzgebung soll die Preisunterschiede zwischen ausländischen und inländischen Produkten für den Fall des bald zu erwartenden Eintritts fester Wirtfchaftsgrenzen aus gl ei- chen und auf eine für die heimische Produktion erträgliche Höhe halten. Im Interesse der Verbraucherschaft soll anderseits eine Entspannung der Preisgestaltung durch eine steuerliche Erleichterung auf dem Gebiete der Derbraucherbelastung herbeigeführt werden. Das Letztgenannte wird erreicht durch die Ermäßigung der Umsatzsteuer von 2,5 auf 2 Proz. Mit der Frage der Herabsetzung der Umsatzsteuer hat auch die der A g r a r z ö l l e ihre Erledigung gefunden. Einen entsprechenden gemeinsamen Gesetzentwurf hat man dem Reichsrat zugehen lassen.
MWMIlMWer Smu itet die MeilMeiWM.
Arbeitslosenunterstützung und Reichsetat.
Reichsarbeitsminister Brauns führte im Reichs- tagsausschuß für soziale Angelegenheiten an, in der Arbeitslosenunterstützung könne unmöglich ein Lohnersatz geboten werden. Vielmehr handle es sich um eine Unterstützung zum großen Teil aus öffentlichen Mitteln. Mit der Steigerung der Arbeitslosigkeit wurde das Beitragsaufkommen immer; dürftiger, dagegen wüchsen die Ansprüche an dies Unterstützung aus öffentlicher Hand immer mehr.; Man müsse notgedrungen damit rechnen, daß neben der Unterstützung auch die Gelegenheit zu vorübergehenden Arbeitsverdiensten benutzt werde, sowie daß auch noch außerdem die allgemein« öffentliche Wohlfahrtspflege eintrete. Hinsichtlich der Unterscheidung in der Höhe der Arbeitslosenunterstützungssätze bei Männern und Frauen bemerkte der Minister, daß er persönlich die Gleichsetzung von Männern und Frauen ablehne, weil in der Mehrzahl der Fälle die Frau nicht der Hauptoerdiener sei. Auch lägett bei der Frau die Beschäftigungsmöglichkeiten anders als beim Mann. Die Regierung bestehe natürlich ebensowenig aus herzlosen Menschen wie der Ausschuß, trage aber die Verantwortung dafür, daß die Hilfe. keine finanzielle Zerrüttung des R e i ch s e t a t s nach sich ziehe._________________________
aeltestenratundUommunistenkomplott Mederzusammentritt der Reichstags.
Der Aeltestenrat des Reichstags beschäftigte sich mit der Beschwerde der kommunistischen Fraktion über die polizeiliche Durchsuchung der Schränk« der kommunistischen Abgeordneten im Reichstag. Mit Ausnahme der Kommunisten billigten die Parteien das Verfahren des Reichstagspräsidenten, der seine Zustimmung dazu gegeben hat; nur machten die Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion gewisse Vorbehalte in der Richtung, daß das Verfahren bei der Wiederholung solcher Fälle grundsätzlich geregelt werden müßte.
Der Aeltestenrat hat zunächst den 22., gegebenen, falls den 29. Juli für den Wiederzusammenlrttt der Reichstags in Aussicht genommen.
Die amnestievsrlage vor der französischen Kammer. Tnmnlkszenen.
In der französischen Kammer ist es aus Anlaß der Aussprache über die Amnestievorlage zu wüsten Tumultszenen gekommen. Die Vertreter der Opposition veranstalteten lärmende Kundgebungen gegen C a i l l a u x und Malvy. Die Redner der Mehrheit wurden beständig in ihren Darlegungen unterbrochen. Als der General de St. Just das Zeichen machte, auf Malvy ein Gewehr abzudrücken, kannte die Erregung keine Grenzen mehr. Der Sozialist Moutet stürzte, von zwanzig Abgeordneten der äußersten Linken gefolgt, auf die Bänke der Opposition los. Es kam zu einem regelrechten Handgemenge. Einem Abgeordneten wurde fein Kragen abgerissen. Ein anderer erhielt Schläge ins Gesicht und blutete aus der Nase. Die Sitzung wurde sofort unterbrochen.
Bei Wiederaufnahme der Sitzung hielt der Kommunist Marty eine lange Rede, in der er verlangte, der Amnestieerlaß soll auf alle ohne Unterschied angewandt werden. Redner erging sich in heftigen Anklagen gegen eine Reihe von Generalen, die er beschuldigte, daß sie sich während des Krieges Mordtaten zuschulden kommen ließen. General Rollet protestiert.
In der Donnerstag-Sitzung kam es wieder zu Tumultszenen, sodaß der Kammerpräsident gezwungen war, die Sitzung zu unterbrechen und die Tribünen räumen .zu lassen.