.HZ 156.
Sonntag, 6. Juli 1924«
• Mldaer Leitung
3. Blatt.
4-*** Druck der Fuldaer Actiendruckerei ht Fulde
Aus dem Nachbargebiet.
_ Gudensberg. Eine Riesensprengung ist w.Raen Steinbruch der Firma Hermann Wegener »ur Ausführung gelangt. Em großer Siollenschuß «it rund 4000 Kilogramm Sprengstoff wurde zur »nhünbuna gebracht. Aus der Ferne konnte man Wachten, wie der berstende Berg sich hob und dann in sich zusammenkrachte. Durch die Sprengung werden etwa 25000 Kubikmeter Gestein verarbei- tuugsbereit.
S Wiesbaden. Das französische Kriegsgericht verurteilte den Schuhmacher Wilhelm Becke aus Wiesbaden wegen zweimaligen Einbruchs in das Verpflegungshaus der französischen Armeeangehörigen zu fünf Jahren Zwangsarbeit. — Der französische Staatsangehörige Jean Praissare wurde wegen Unterschlagung einer auf der Eisenbahnstation Oberstein abgegebenen Reisetasche zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
--- Aus Tlafiau. Ein französischer Angestellter der Regiebahn wollte in Niedernhausen auf einen schon rollenden Zug springen und geriet dabei unter die Räder. Er wurde so schwer verwundet, daß er kurz nach der Einlieferung in das Mainzer Krankenhaus verstarb.
— Hadamar. Die Sechshundertiahrfeier der Stadt wird in der Zeit vom 13. bis 20. Juli begangen. Im Mittelpunkt der Feier soll ein größeres historisches Festspiel stehen, das von P. Rektor Hippolytus Böhlen 0. F. M., der als Dramahistoriker einen Ruf besitzt, verfaßt ist. Das Spiel wird im Freien vor dem Rathaufe aufgeführt werden. Ueber 150 Hadamarer Mrger und Bürgerinnen sind fleißig an der Arbeit, u« allen Festgästen etwas wirklich Erhebendes und Großes zu bieten. ___________
Kunst und Literatur.
• Professor vr. Kari woennrnn in Dresden, der Sltmeister der deutschen Kunstgeschichtsschreibung, toi- lendet am 4. Juli sein 80. Lebensjahr. Der Ge- lehrte hat sich al» langjähriger Direktor der Dresdener Gemäldegalerie die größten Verdienste erworben. Aber auch außerhalb Dresdens kennt ihn die deutsche Qeffent- lichkeit al» den Schöpfer der sechsbändigen „Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker". In Hamburg geboren, ist er ein Kind der bekannten Reederfamilie. Eine kurze Zeit hat er in seiner Vaterstadt als Rechtsanwalt gewirkt, dann widmete er sich ganz der Kunst, aeschichte, die er in Düsieldorf an der Akademie schon ui jungen Jahren als Profeffor lehrte.
Gotterdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 6. Juli. Dom. (Ewiges Gebet. Voll! Ablaß. — Kollekte für den Kirchenbauverein.) Vor der ersten hl. Meffe Aussetzung der Allerheiligsten. */.6, 6, V*7 u. 7 Uhr bl. M. mit Austeilung der hl. Kom., W hl. M. m. Anspr. u. hl. Kom. f. d. Mrtgl. d. Männer- apostolateS, 8 Pfarramt m. Pr. u. Austeilung der hl. Rom., l/,10 Kathedralamt m. Pr., darauf Anbetungs- stunde f. d. Männer (1. Fronl.-A.), *412 letzte hl. M. m. Pr., 12—1 Anbetungsstunde f. d. Jüngl. u. Jung- männer (2 Fronl.-A.), 1—2 f. d. Schulkinder (8. Fronl.- H), 2 feiert. Vesper, darauf Anbetungsstunde für den höchw. Klerus, 3—4 f. d. Jungfrauen (4. Fronl.-And), 1—5 f. d. Frauen u. Mütter (5. Front.-A.), 5—6 stille Anbetung f. d. Sakraments-Bruderschaft, 6 Schlutz-A. m feiert. Umgang u. Te Deum. — Stadtpfarrkirche. »/«6 u. »47 hl. M. (in letzterer gern. hl. Kom. b. Männer- apostolateS), 8 erster Kmdergd. mit Pr., *410 Hochamt m. Pr., 11 zweiter Kmdergd. Bon '/«G ab wird alle halbe Stunde hl. Kom. ausgeteilt. 9'4 Chr. f. Jüngl. i. d. Severikirche, */»2 Chr. f. d. Jungfr., '43 Segensandacht. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt, nachmitt. ‘/i5 Andacht. — Severikirche. */,7 hl. M. — Frauenberg. (Feier des TitularfesteS d. Marian. Bruderschaft.! 5—'47 hl. M., i. d. 7 u. 8 U - M. Generalkom. der Mitgl, 9 Levitenamt, nachmitt. 2 Pr. u. Umg. f. d. Mar. Bruderschaft, darauf Neuwahl des Vorstandes. (Die 3 Beichtstühle rechts sind von 6 Uhr an für die Bruderschaftsmitglieder reserviert.)
Montag, 7. Juli. Frauenberg. (Ewiges Gebet in der Klosterkirche.) 5 Aussetzung des Allerheiligsten. Hl. M. von 5—8, 9 Levitenamt, 10 letzte hl. M., von 11 an öffentl. Betstunden, nachm. 2 feiert. Vesper, 5 Schlutz- andacht mit Umgang.
In der Friedhofskapelle am Franzosenwäldchen Montag, den 7. Juli, morgens 6*4 Uhr hl. Messe mit Kvmmunion-Austetlung.
Maria-Ehrenberg.
Sonntag, 6. Juli. (Fest Maria-Heimsuchungs «on v Uhr ab Beichtgelegenheit mit hl. Messen. 9 Uhr Predigt und Hochamt.
Aufgaben der Kreditpolitik-
Rach Stabilisierung der Mark stellte sich in )er privaten Wirtschaft ein sehr erheblicher Mangel an flüssigem Kapital heraus, den die Inflation mit ihren Scheingewinnen bisher verschleiert hatte. In Produktion und Handel war man daher darauf bedacht, das fehlende Kapital durch Kredite zu ersetzen. Die Privatbanken, die ebenfalls in der Inflationszeit erhebliche Substanzverluste erlitten hatten, konnten die große Kreditnachfrage keinesfalls befriedigen, sodaß sich die Kreditsuchenden an die Reichsbank, die letzte Kreditquelle der Wirtschaft, wenden mußten. Die Reichsbank hat sich in der Erkenntnis, daß Betriebskapital zur Inganghaltung bezw. Ingangsetzung der schwergeschädigten deutschen Wirtschaft unbedingt notwendig sei, bemüht, den an sie herantretenden Ansprüchen gerecht zu werden. Ihre Kapitalanlage in diskontierten Wechseln und Lombards ist dadurch von 452 Millionen am 30. November 1923 auf 2070 Millionen am 6. Juni 1924, also um 1,6 Milliarden Goldmark gestiegen.
Zur Beschaffung weiterer Kreditmittel stehen nun der Reichsbank theoretisch zwei Wege offen:
Sie kann Rentenmarkkredite im stärkeren Maße von der Rentenbank abfordern. Die Reichsbank hat aber schon 1232 Millionen Rentenmarkkredite ausgegeben, und wenn ihr nun noch bei der Rentenbank 300 Millionen ihres Kontingents zur Verfügung stehen, so muß berücksichtigt werden, daß diese als Reserve vor allem für den Giroverkehr gebraucht werden, in dem am 6. Juni Guthaben von 468 Millionen vorhanden waren. Neben dieser Reserve verfügt die Reichsbank über einen Kassenbestand von 334 Millionen, der aber deshalb nicht verringert werden darf, weil er für die durch mehr als 400 Zweiganstalten der Reichsbank erfolgende Versorgung des Zahlungsverkehrs nötig ist.
Die zweite Möglichkeit liegt — theoretisch — in der Erhöhung des Umlaufs von Reichsbanknoten. Einem Umlauf Reichs- banknoten im Werte von 954 Millionen Gold- mark am 6. Juni stand zwar ein verfügbarer Goldbestand von 442 Millionen gegenüber. Mit Rücksicht auf die von der Reichsbank garantierten Dollarschatzanweisungen und noch aus der Kriegszeit stammenden Kreditsicherungen kann aber die Reichsbank nur mit einem Gesamtbetrag von etwa 250 Millionen Gold rechnen. Der umlaufende Papiermarkbetrag ist daher nur -clroa zu 25 Proz. mit Gold gedeckt. Die Politik der Reichsbank muß aber darauf gerichtet fein, eine besondere Deckung zu erreichen und den Goldbestand für die große Währungsaufgabe zu sichern.
Die Reichsbank hat also so gut wie keine Mittel mehr, um weitere Kredite an die Wirtschaft zu geben. Sie sah sich vor die Wahl gestellt, entweder durch Neudruck von ungedeckten Noten eine neue Inflation heraufzubeschwören oder durch Sperrung des Kredits eine schwere Kapital- und Kreditnot und damit eine Wirtschaftskrise zu ver- Ursachen. Sie wählte den letzten Weg, als sie am 7. April die Kreditsperre verhängte, weil eine neue Inflation in ihren Auswirkungen nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch den Staat und die Reichseinheit völlig zugrunde gerichtet haben würde.
Seit dem 7. April hat die Reichsbank im Einverständnis mit der Reichsregierung die Kredit- | sperre verhängt, und zwar vorwiegend für diejem- gen Betriebe, die keine Exportaufträge nachweisen können. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der außerordentlich gefahrdrohenden Entwicklung des deutschen Außenhandels. Seit Ende vorigen Jahres ist eine erhebliche Verminderung der Ausfuhr und demgegenüber eine starke Erhöhung der Einfuhr festzustellen; insbesondere ist die Einfuhr von Fertigwaren und von Lebensmitteln und Getränken sehr gestiegen. So haben wir also einen besorgniserregenden Passivsaldo in der Handelsbilanz, der nicht durch Einkünfte anderer Art, die der deutschen Volkswirtschaft z. D. vor dem Kriege zuströmten, z. B. durch Einnahmen aus dem Frachtengeschäft (Seeschiff
fahrt), Schiffsreparaturen, Einnahmen des Reiseverkehrs usw., ausgeglichen werden kann. Hier- !)urch wiederum hat sich auch die Abwanderung deutscher Devisenbestände ins Ausland stark vermehrt, sodaß bei einer Fortdauer dieses Zustandes mit einer Gefährdung der mühsam stabilisierten Währung gerechnet werden müßte.
Eine gewisse Erleichterung in der kre- di t p o l i t i s ch e n Sage ist allerdings in den letzten Tagen eingetreten. Die Golddiskontbank hat von England 5 Millionen Pfund und von den Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar Redis- kontkredite erhalten, die der Wirtschaft zugeführt werden sollen. Der Golddiskontbank ist jedoch von den Anleihegebern zur Bedingung gemacht worden, daß auch diese Summe nur Exportfirmen zur Verfügung gestellt werden dürfen. Und das liegt, wie immer wieder betont werden muß, auch im Interesse der deutschen Wirtschaft. Denn, nur solche Auslandskredite sind für die deutsche Wirtschaft förderlich und unbedenklich, die ihre Exportfähigkeit nachhaltig steigern. Auslandskredite aber, die mittelbar ober unmittelbar nur dem innerdeutschen Konsum zugute kämen, würden die Passivseite der Handelsbilanz weiter belasten und damit die deutsche Volkswirtschaft schwer schädigen.
Die übrige Wirtschaft ist durch den erschreckenden Mangel an Betriebskapital und die Verknappung des Kredits in eine sehr prekäre Lage gekommen. Gisie bedeutsame Folge dieser Lage ist die Herabsetzung der Warenpreise, die, insbesondere soweit im Inlande bisher Uebermelt* Marktpreise gefordert wurden, durchaus zu begrüßen ist. Unverkennbar ist aber, daß die Kreditnot in der Geschäftswelt zu immer stärker anwachsenden Verlusten geführt hat. Das geht schon zur Genüge aus der großen Zahl der Konkurse und Liquidationen hervor. Die Konkursziffer betrug im Reich im November vorigen Jahres 8, im Dez. 17, und sie stieg im Februar d. Js. auf 46, im März auf 58, im April auf 139, im Mai gar auf 322. Und sie wäre zweifellos noch weiter gestiegen, wenn nicht in jüngster Vergangenheit selbst konkursreife Betriebe unter Geschäftsaufsicht gestellt worden wären. So erklärt sich auch die kürzlich durchgeführte Abänderung der Gefchäftsauf- sichts-Verordnung, die zahlungsunfähigen Firmen nunmehr zur beschleunigten Offenbarung ihrer Lage zwingt und zu einer Wirtschaftsbereinigung führt. Wie stark der Mißbrauch der Geschäftsauf- sichtsoerordnung gewesen ist, zeigt die Tatsache, daß sich beispielsweise im Jahre 1923 beim Amtsgericht Berlin-Mitte insgesamt nur 14 Firmen unter Geschäftsaufsicht gestellt haben, während in den Monaten April-Mai d. Js. dort allein 143 Anträge auf.Stellung unter Geschäftsaufsicht ein- gereicht mürben..
Wir müssen, koste es was wolle, durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise hindurch. Unb wenn hierbei eine Anzahl von ünrotionellarbeitenben und daher für die Gesundung der Wirtschaft nicht förderlichen Betriebe aus dem Produktions- unb Derteilungsprozeß ausgeschaltet werben, so kann dieser Reinigungsprozeß nur von wohltätiger Wirkung sein, nicht zuletzt auch im Hinblick auf bas Auslanb. Es mehren sich die Anzeichen, daß das Ausland zur deutschen Wirtschaft wieder Vertrauen faßt. Die Zahl unb bie Höhe ber Auslandskredite auf bie wir bringender als je angewiesen sind, werden bei innerer Konsolidierung ber beutschen Wirtschaft in einem Maße wachsen, das uns ermöglicht, unsere Wirtschaft solange über Wasser zu halten, bis die Reparationsfrage geklärt unb bamit freie Bahn für bie enbgültige Gesundung unserer Wirtschaft geschaffen worden ist. Es ist sehr beachtlich, baß auch der deutsche Jndustrie- unb Hanbelstag, als bie Spitzenorganisation der deutschen Handelskammern aus diesen Erwägungen die Kreditpolitik ber Reichsbank, sogar ihre Wirkungen auf bie unmittelbar betroffenen Kreise auch unzweifelhaft sinb, im Prinzip gebilligt hat. Alles weitere wird davon abhängen, in welchem Geist der Versuch gemacht werden wird, den Plan der Sachverständigen in die Wirklichkeit umzusetzen.
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Die Tlatierungen verstehen Ml In BUli enen Proient
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Deutsche Staatspapiere.
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Versicherungs-Aktien
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121,0 64,5 SO,5
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124,0 64,0 si,e 75,0
Eisenbahn-Aktien.
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Oefterr. Sfaatsb. 26,5 26,5
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Schiffahrt-werte.
Kosmos Dpi-
18,5
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Neptun Dpftch.
8,5
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Dank-Aktien.
Barm. Crebitbank
0,25
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Barmer Bank-V.
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Commer.bank
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Banz, prioatbank
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6,875
DarmftäbterBank
7,0
6,875
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83,0
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Deutliche Bank
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Mitteilung vom 4. Juli 1924.
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