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Zuldaer Leitung Nr. 154.
Zur Unterhaltung.
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Zu ttlopstocks Gedächtnis.
Von Studienrat Bargon-Fulda.
III.
Slopfiock als Mensch und Dichter.
Wie das Epos, so leidet auch das Drama Klopstocks an der lyrischen Begabung des Dichters. Stile seine dramatischen Werke sind mißlungen, ob sie nun religiöse Stoffe behandeln wie .Der Tod Adams', .Salomon' und.David', oder der vaterländischen Geschichte entlehnt sind wie die .Hermannsschlacht', „Hernmnn und die Fürsten" und „Hermanns Tod'. Don den biblischen Stücken stcht der .Der Tod Adams' am höchsten. Dieses Drama hat fast keine dramatisch bewegte äußere Hand- lung. Der ganze Verlauf erschöpft sich in Klage, Rede und Gegenrede, und Stober1) hat recht, wenn er es ein Drama vom inneren Menschen nennt, das im Stil manchmal an Hugo von Hofmannsthals Werk „Der Tor und der Tod' erinnert. In edler lyrischer Prosa wird der ungeheure Eindruck des ersten Menschentodes auf die ersten Menschen dargestellt. Gleim war für den „Tod Adams' so begeistert, daß er ihn, freilich zu Klopstocks großem Verdruß, in Verse brachte. Daß Klopstock mit diesem Werk den Geschmack nicht nur seiner deutschen, sondern auch feiner europäischen Zeitgenossen getroffen hat, davon legen die Uebersetzungen ins Französischs Englische, Italienische und Dänffche Zeugnis ab. „Sa- lomo' behandelt in freigebauten fünffüßigen Jamben den Abfall dieses Königs zum Götzendienst des Moloch und seine Rückkehr zum echten Gottesdienst. Es sind nur lose verbundene Szenen mit vielen Betrachtungen, von denen nur die lyrffchen Stellen gefallen. Das dritte Stück „David' ist noch schwächer. Es schildert die Pest als Bestrafung für die stolze Volkszählung, die David angeordnet hatte. Das Werk fft mit Recht vergessen und teilt dieses Schicksal mit den mefften von Stlopstocks Gefft- kchen Liedern, die nicht in die Gemeinde gedrungen sind. Es ist die einzige Dichtung, in denen Klopstock sich des Reims bedient.
Größeres Auffehen als die biblischen Dichtungen erregten die drei vaterländischen Dramen, die Klopstock unter falscher Deutung einer Stelle bei Tacitus Bardieie genannt hat. Wohl trieb der Dichter geschichtliche Stu- bien, ober er hatte doch keine klare Vorstellung von den alten Germanen. In der Hermannsschlacht verlegte er die Handlung vom Teutoburger Walde an die Roßtrappe ins Bodetal. Druiden und Barden treten auf und begleiten die Taten der Krieger mit ihrem Gesänge. Das Stück enthält schöne Einzelbilder, ist aber ohne drama- tische Entwicklung. Auch die Charakterzeichnung ist ver- fehlt: die Deuffchen sind alle edel und tapfer, in ihrem Wesen ist Blutgier und Empfindsamkeit seltsam gemischt. Trotzdem wird das Werk von Lessing gelobt. Schiller fand es „völlig unbrauckchar', ofe er es 1803 für die Weimarer Bühne bearbeiten wollte. Erst 1907 wurde es auf dem Harzer Bergtheater bei Thale aufgeführt. Die beiden Bardieie „Hermann und die Fürsten' und „Hermanns Tod" wurden kaum beachtet, aber so geringfügig der dramatffche Wert dieser Dardiete auch ist, so bedeutend fft ihr sMicher Gehalt: sie halfen viel zu ihrer Zeit, das Gefühl für Freiheit und Vaterland neu zu beleben. Wie die Dramen als Ganzes verfehlt sind, so fft mich das Werk mißlungen, in dem Klopstock die Ergebnisse seiner Studien über die deutsche Sprache nieder- gelegt hat. die deuffche Gelehrtenrepublik. Es fft der Versuch, eine neue, die Empfindung statt den Verstand befragende Kunstlehre aufzustellen. Das Vaierländifche in Sprache und Dichtung soll gefördert werden. Das Buch enthält manche treffliche Gedanken, fand aber wegen feiner dunklen Schreibart und der seltsamen Einkleidung in die Form eines Druidenstaates nur wenig Beifall, so begeistri es auch der junge Goethe als die „einzig mögliche Poetik aller Zeiten und Völker' pries. — Der lyrische Ton, der dem Mesitas den Charakter eines Epos nimmt, und der die biblischen und vaterländischen Schauspiele so undramatisch erscheinen läßt, fntfaltet eine ungeahnte Fülle da, wo er allein zur Geltung kommt, wo der Ausdruck der Empfindung Selbstzweck ist, in der Gattung der Oden. Klopstocks Oden sind der Gipfel seiner lyrischen Dichterkraft und verkünden uns den ganzen Inhalt feines reichen Gefühlslebens, m ihnen vor allem fand das persönliche Empfinden des Dichters seinen reinsten Ausdruck. Hier ist Klopstock Meister, der größte Lyriker der neueren Dichtung vor Goethe und vielfach Goethes unmittelbarer Vorgänger. Die Grundstimmung der meisten seiner Oden fft das Erhabene, Religion, Natur, Vaterland, Freundschaft und Liebe sind die Stoffe, die er immer wieder dichterisch gestaltet. Am höchsten stehen seine religiösen Oden. Klopstock war selbst tief religiös. Erziehung, Studium und Zettgeist wirkten zusammen. Sein Christentum fft allgemeiner Art, scharf umgrenztes Dogma liegt feiner religiösen Anschaung nicht zu Grunde. Gottes Erhabenheft und unermeßliche Liebe preist er immer wieder.
*) Geschichte der religiösen Dichtung in Deuffchland. Ern Deftrag zur Entwicklungsgeschichte der deuffchen Seele. Essen 1919. Seite 152.
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er besingt den frommen Schauer, der die Menschen gegenüber der Unendlichkeit und Allgegenwart Gottes ergreift Aus der Natur spricht das Watten des göttttchen ©elftes, und so fft bei ihm auch das Naturgefühl eng mit dem religiösen Gefühl verbunden. Durch das starke Betonen der Empfindung vertieft Klopstock das Statur- gefiihl. Er wendet sich ab von der zergliedernden Be- fchveilmng aller Einzelheiten aus der Statur, wie sie sich in den Werken der Aufklärer findet. Er greift nur wichtige Einzelzüge heraus und arbeitet auf ehre einheitliche Stimmung hin. Die Statur wird ihm zum Symbol eines Gefiiksts, sie ist ihm eine Offenbarung göttlicher Herrsch- leit, die zu demütiger Anbetung im Staube amfruft „Die Frühlingsfeier" fft die schönste Ode dieser Art. — Unter den neueren deutschen Dichtern ist Klopstock der erste, in dem sich Gröhe des Geistes und oaterläiMfches Empfinden paaren. Sprache, Statur, Liebe und Religion erlebt Klopstock vom Standpunkt deuffchen Gefühls. Im 17. Jahrhundert war das vaterländffche Bewußtsein durch den äußeren und inneren Zusammenbruch fast ganz geschwunden. In der ersten HAste des 18. Jahrhunderts hatten sich vor allem die führenden Klaffen, die durch Humanismus und Renaiffance dem Deuffchtum entfremdet waren, der franzöfffchen Barockkultur ausgeliefert. Die Wiederbelebung des vaterländischen Bewußtseins war in erster Linie eine Wirkung der Taten Friedrichs des Großen; sie fand ihren dichterischen Niederschlag m Gleims Kriegsfiedern und in Lessings Minna von Barn- Helm. Wenn sich in diesen Werken auch schon ein all- gemeines deutsches Vaterlandsgefühl anbahnt, so ist doch Klopstock der erste, der mti dem Wort Vaterland nicht mehr ein einzelnes Städtchen oder einen kleinen Stamm innerhalb des Reiches bezeichnet, sondern das ganze Volk deutscher Zunge umfaßt. Der Umstand, daß Klopstock lange im Ausland lebte, von wo aus ihm Deuffchland als ein Ganzes erschien, trug viel dazu bei. Diesen um- fassenden Vaterlandsgedanken dehnte er auf die germanischen Docker aus, aber feine vaterländischen Bemühungen fanden eine Grenze in dem kargen Wisien seiner Zett. Er unterschied Kelten und Germanen nicht, hieft die Barden für germanische Sänger, und als er mit der Edda bekannt wurde, entfernte er aus den älteren Gedichten die mythologischen Namen des klaffffchen Altertums und ersetzte sie durch die alten germanischen Götter und Helden, so wie sie seiner Phantasie vor- schwebten. — Das Gefühl der Freundschaft hat auf Klopstock tief gewirkt. Es fft für ihn keine Modelaune mehr, sondern vorbesttmmte Bruderschaft, wie er sie im Streife seiner Leipziger Freunde genossen hatte. Seine Ode „An des Dichters Freunde" widmet er dem Andenken dieser Jünglinge. In dem Geschick seiner Freunde er- blickt er anbetend die Hand des Höchsten oder er verbindet wie in der Ode „Der Züricher See" bas Freundschaftsgefühl mit dem Naturgefühl. — Auch das Liebes- gefiihl hat Klopstock geadett. Siebe fft kein Tändrispiel mehr, wie bei vielen seiner Vorgänger, sondern nur Ausdruck eines tiefen Empfindens. Nicht fetten ver- einigt sich das Liebesgefühl mit dem religWen Gefühl oder nut dem vaterländischen Gefühl. Wie noch andere Zeitgenossen flieht er aus der wirklichen Wett, malt sich kommende Gefühlie aus und besingt die künftige Defiebte. Neben diese schwärmerischen Gedichte treten andere, die der Lebensfreude Ausdruck verleihen. Stlopstock, der in allen Leibesübungen geschult war, besingt vor allem den Eislauf oder er preist die Geselligkeit beim Glase SB ein in der Ode „Der Rheinwein". — Auch das Selbstgefühl hat manche Ode entstehen taffen. Obwohl Klopstock vielfach mtt Surften verkehrte und von ihnen gesucht wurde, hat er doch den Mut, ihnen die Wahrheit ntit gewaltigen Worten entgegenzurufen.
Klopstock fühlte, daß erhabene dichteri'che Gedanken auch ttr einer echten Dichtersprache ausgedrückt werden müffen und nicht in der platten und nüchternen Verstau dessprache seiner Zett. Daher bildete er neue Wörter oder gebrauchte ältere, die in Dergeffenhett geraten waren. Dadurch erhielt die Sprache Neuheft und Straft, die freilich bisweilen ins Uebermaß ging, sodaß Gottsched und fein Anhang mit dem Vorwurf des Schwulstes nicht ganz ffn Unrecht waren. Wie der Wortschatz, so sollte auch die Worfftellung sich von der Umgangssprache unterscheiden. Durch solche ungewöhnliche Wortfolge, die er dem griechischen und tateinffchen nach gebildet hat, erreicht der Dichter, oft glückliche Wirkungen, geht jedoch auch hierin manchmell zu wett und wird unverständlich. — Zu der neuen Sprache mußte Klopstock auch eine Reue Versfonn haben. Wie im Messias, so verzichtet er auch in den Oden auf den Reim und kleidet den deuffchen Inhalt in die lyrischen Versmaße und Strophen der Alten. Am glücklichsten ist er da, wo er kein bestimmtes Versmaß zu Grunde legt, sondern sich der freien Rhythmen bedient. In der Ode „Die Frühlingsfeier' hat er dieses Versmaß, das sich äußerst wirkungsvoll dem Inhalt anschmiegt, mit großem Glücke angewandt. Hier zeigt sich das ganze Verdienst Klopstocks, die refigiöfe Würde des Inhalts, die Fülle feiner wahren Empfindungen, die bilderreiche Pracht des Ausdrucks und der musikalische Wohlklang, der rhythmffch gegliederten
(Eine Zerienplauderei.
Don Ferdinand M. B e n l, Fritzlar.
Schulschlußl Ferien! Welche Wonne liegt in diesen Worten! Endlich ist sie herangekommen, die so heiß er» sehnte Zeit ungebundener Freihett. Wohlverwahrt ruht das gute Zeugnis, dieser wunderwirkende Freibrief bei S$<tier, Mutter, Onkel und Tante in der SSrusttafche und begfütft und wohlgemut zieht die junge Schar hinaus zum Studtenstädtchen und stäubt auseinander nach allen Rich- tungen der Windrose. Da läusts manchem wie Widerschein verschollener seliger Tage übers Antlitz und ins Herz fflmgts fern herüber rote leises Läuten aus des eigenen Lebens Maienzeit.
Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Kfingt ein Lied mir immerdar,
O rote liegt so wett, o wie liegt so wett. Was mein, ja mein einst war. (Rückert.)
Wie schön war es, als ich einst frohen Herzens in Ke Ferien ging! Steer und Geschwister waren mir stets auf halbem Wege entgegengekommen. Welch eine Freude des Wiedersehens! Das Fragen und Erzählen nahm fast kein Ende. Bei fo einem Kleinstadtkinde, wenn es auch räumlich und zeitlich von dem Heimatsorte geschieden fft, in dem ihm fein erster Himmel blaute, Reiben die alten Beziehungen immerfort erhalten. Da wurde vor rlllem bas (Beburts- und Sterberegister des Städtchens ergänzt. Der afte Toni, eine originelle Statur voll ttefffichen Mutterwitzes und unverwüstlichen Humors, habe auf dem Sterbebette noch meiner gedacht und liehe mich grüßen. Bor fernem Tode disputierte und handelte er in launigster Weife mtt dem Sensenmann, und als sie den Alten vor wenigen Tagen hrnausgeletteten in bas stille Gärt- lein an der Friedhofskapelle, da brach gerade vor dem Wirtshaufe, in dem er fo manchen Humpen geleert, die Tragbahre. „Hilst di nix, muaßt mit!“ habe einer der vier Kumpane, die ihn getragen, gesagt und sie hätten den Spaßvogel auf die Schultern gepackt und wetter gebracht- Nachbars Käthchen, feinerzett neben mir der unbändigste Wildsaug des Städtchens, liege herzkrrmk am Sterben; ihre Schwester, die stille, brave Maria habe den Hofbauernsolm gefreit und nächste Woche hätten sie Hochzett und fo vieles, vieles hatten wir uns einander mttzuteilen. Effi bei dem auf einem kleinen Hügel stehenden Kreuze, das von mächtigen Linden überschattet war, blieben wir jedesmal stehen. Die Rofenfchleier der Dämmerung waren inzwischen verfunken. Die stille Nacht breitete ihre Fittiche aus und die Sternlein effchienen am Himmel und blitzten und flimmerten wie Flittergold.
Am Himmel ist verglühet Der Sonne Abendpracht, Es naht im Sternenschleier Die hehre, stille Rächt.
Und Abendschatten sinken Auf Wald und Wies und Feld, Viel goldne Träume schweben Run auf Ne müde Welt.*) (38.)
Da tag es vor mit tn zauberisch schöner Sommernacht, mein Heimatstädtchen, mein liebstes Plätzchen auf Gottes weiter schöner Erdenrunde und über dem ganzen Bilde Himmelsruhe, Gottesfriede. Nachdem sich Herz und Auge genugsam erfreut hatten, schritten wir fast wortlos die stille Straße wetter. Welche Flut von Er- mnerungen von allen Soften! Da gab es keinen Baum, den ich nicht erklettert, da war fast kein Haus, das wir nicht bis zum obersten Dachbalken durchstöbert. Jeder Zaun, jede Hecke wußte zu erzählen, von wilden Jagden, jede Baumtrone von lauschigen, sorgsam gehüteten Nestchen, jeder schwellende Rasenplatz von Spiel und Scherz ohne Zahl, jedes traute Versteck von frohen Festen, von losen, übermütigen Streichen. Und was hätte der Kirchturm mit feinem Storchneste aCes ausplaudern können!
„Froher Kindhett dust'ge Träume Rust dein Anblick wieder wach. Manche wilden Knabenstreiche Kfinegn noch ttn Herzen nach.' (Riedel.)
(Kn Fenster in der langen Häuserreihe verstreute traulichen Lampenschein auf die stille Straße, das Fenster unseres Wohnzimmers, wo die Mutter und bas jüngste Schwesterlein unser harrten. Und bald war ich oben bei ihnen in dem fieben heimlichen Räume, jeder glücklich in dem Bewußffein, daß wir einander hatten. Nachdem wir uns zur Ruhe begeben, tag ich dann mit offenen Augen im alten Nestchen. Ein Gefühl namenloser Ge- borgenhett überkam mich. Ich war daheim, daheim bei Steer und Mutter, bei Brüdern und Schwestern, bei Verwandten und Nachbarn, bei Feld und Wald, bei Baum und Stein, bei allem, was mir feit den ersten Jugendtagen teuer fft über alle Werte der Welt. Die alten Bilder an den Wänden, übergossen vom Silbergtaste des magffchen Mondscheins, leuchetten fo wundersam zu mir hernieden und erzählten von vergangenen Zetten oft so
*) op. 24 für 4ft. Männerchor bei A. Böhm u. Sohn
in Slugsburg.
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Die Rechnung pro 1923 sowie der (Etat für bas Rechnungsjahr 1924 über die Vermögensverwaltung des Gefamtverbandes der katholischen Pfarreien in bei Stadt Fulda liegen vom 5. Juli an zwei Wochen lang zur Einsicht in der Wohnung des Unterzeichneten offen.
Fulda, den 2.Juli 1924.
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lange, bis das Frührot mtt goldenen Lichtem durch das Mailaub brach und die wffpemde Schwalbenbraut draußen unterm braunen Dachbalken sich den Schlaf der Nacht aus den schwarzen Aeuglein rieb. Das waren selige Zetten! Wie ganz anders fft es doch geworden. Das Geschick hatte mich wett hinweggeführt von der trauten Heimat, vom lieben Elternhaufe. Oft schritt wohl der gute Vater mit meinen Geschwistern, die bereits tn die Ferien gekommen waren, durchs hohe Korn hem Lindenkreuze zu, von wo aus sich die Straße gerade hin- zicht und wett zu überblicken ist. Ich sehe, wie sie dort lange auf der steinernen Bank faßen und Ausschau hielten, wie der laue Nachtwind mtt ihrem dunklen Haar gespielt, wie sie dann wieder heimwärts wanderte» fo allein. Ich weiß es, daß der Vater das Gartenpförtchen nicht verfchließt und den Hausschlüflel tu dem mtt bekannten Verstecke htttterlegt und zur Mutter sagt: „Wenn er am Ende doch käme in der Nacht!' Wie er dann hinaufgeht ins Eckzimmer ans Klavier, auf item er die Fingerchen seiner Kleinen einst zurecht gerichtet, fern Herzeleid wie immer jn der Süßt wskLogm zu lassen: <'• -
Don fern die Uhren schlagen. Es fft schon tiefe Rocht, Die Lampe brennt fo düster. Dein Bettlein ist gemacht.
Die Lüste nur noch gehe» Wehklagend um das Haus; Wir sitzen einsam drinnen Und tauschen oft hinaus.
Es fft, ab mützttst taffe Du klopfen an die Tür, Du hätt'st dich nur verirret Und kämst mm müd zu mtt. (Uhlanti)
Der gute Vater Hot schon längst seine Neven Augen für immer geschlossen. Gott hab ihn selig! Meine Mutter lebt aber noch in der allen Heimat. Gar oft möchte ich bin eilen zu ihr, um chr kn die fieben Augen zu sehen, um ihre fleißigen Hände zu drücken, um mtt ihr Erinnerungen zu tauschen von vergangenen Zeiten. Unti wenn mich die Sehnsucht gar zu sehr ergreift, bann finde auch ich meinen Trost in der Musik. Ertönt abends vom Dome die Aveglocke und die Klänge schallen nm? verloren zu mtt herüber, dann spiele ich als Grytz WW ferne Mütterlein mein ihr gewidmetes Sefc .
Abend-Heimweh.
Schon sinkt der Abend ntetier, Die Sterne kommen bald. Bertiungen sind die Lieder Der Bögelein ttn Wald.
Fern singt ein Glöcklein lege Die liebe, füße Weffe: Ave Moria!
Der Heimat Bllder treten Mir auf in goldnem Schein: Ich seh' dich knien und bet« Mein liebes Mütterlein. Fern singt Ufro.
Fromm, wie vor alten Sogen Kniest du zum Engelsgruß, Und Gottes Engel tragen Ihr vor Siebfrauens Fuß. Fern singt usto.
Sind wtt auch wett geschieden
Du weißt, die Siebe wacht: Schlaf wohl, schlaf wohl in Frhchw, Lieb Mütterlein, gut Raffst!
Fern singt ttsto.
(P. Gaudentins Koch O. Qtz
Die schöne Ferienzett ist wieder gekommen. Da ergreift auch mich noch Ferienfreude, Ferienstttnmung, wenn auch schon die Silberfäden mtt vom Scheitel blinken. Mit Macht zieht es mich hin zur taten Heimat. Nichts ist falscher als der Satz: ubi bene, tbi patria, wo es rinem wohl ergeht, da fft die Heimat. Nein, das Wohlergehen allein schafft und ersetzt die Heimat nicht! Unsere Sprache hat ein Wort, das sehr sinnig dem Verlangen nach der Heimat Ausdruck gibt: „Heimweh", das Weh nach dem Heim. Und wer das Wort zuerst niederschrieb, hat dabei die Feder in fein tiefstes Herzblut getaucht. Heimweh, ja es fft ein Weh noch dem Heim, eine tiefe Sehnsucht nach der trauten Heimat. Fragt den Soldaten, wenn ihn der Donner der Schlacht umbrüllte, wenn tausend Kanonen ihre vernichtende Ladung ausspien, fragt den Seemann, wenn die Elemente ihn umtosten und das Schfff unter Wogenbergen fast begruben, fragt den Forscher, der endlose Wüste« durchpilgerte, der auf die Höhen des Mont Everest klet» terte und den Urwald durchzog, fragte sie die, welche Gedanke, welche Sehnsucht sie immerfort begleitete und in Augenblicken der Gefahr am lebhaftesten vor ihre Seele trat, sie alle werden antworten: „Die Heimat!« Ja selbst in dem verdorbensten Herzen, in dem sonst alle Saiten zerrissen sind, klingt doch noch eine Satte gleich einem Hauche aus dem verlorenen Paradiese nach — das herzige, traute Wort „Heimat".
ImMMkMtmi
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