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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 155.

Verantwortlich tüt die Schrittleitung L B.: AntonWetzler. Anreigen: 3- B arretier, Fulda. Rotationsdruck und Verlag de» ~ Fuldaer Actieudruckerei in Fulda. Fernivrecher Rr- g. u Beru gsvreiS für Juli: 1.50 Ml.

Samstag, 5, 3uli 1924.

Anreigen-Vreile: «leiureile (Solouel) lokal 0,15 Boldmark, auswärts 0,20 Solbmait; Reklame,eile lokal 0.60. Goldmark, s auswärts 030 Goldmari.

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51. Zahrg.

Sie IMINriiHg Des BiiMMen- Wiens.

Die deukfchen Bemühungen um eine möglichste Beschleunigung.

DerPetit Parisien" behauptet, daß die deut- fcheRegierungim Gegensatz zur französischen Regierung sich n i ch t genügend bemühe, die Durch­führung des Sachverständigengutachtens in kür­zester Zeit zu erreichen. Insbesondere zögere sie noch immer damit, die Gesetze vor den Reichstag zu bringen. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite mitgeteilt:

Die deutsche Regierung hat von Anfang an alles getan, um die schnelle Durchführung des Sachverständigengutachtens zu fördern. Sie hat nicht nur die deutschen Vertreter in den drei Orga- nisationskomitees angewiesen, auf eine möglichste Beschleunigung zu dringen demgemäß haben auch die deutschen Komiteevertreter sofort nach ihrer Ernennung die Initiative bei den alliierten Vertre­tern ergriffen, um das schnelle Zusammentreten der Komitees zu veranlassen, sondern sie hat auch bei den beteiligten alliierten Regierungen durch ihre diplomatischen Vertretungen schon Anfang Mai darauf hinwirken lassen, daß die Komitees sofort konstituiert werden und ihre Arbeiten möglichst be­schleunigen. Die Reichsregierung hat seitdem jede Gelegenheit benutzt, um die beteiligten alliierten Regierungen auf die Notwendigkeit eines schnel- len A b s ch l u s s e s der Arbeiten der drei Organi­sationskomitees hinzuweisen, da die deutschen Ge­setze erst auf Grund der Arbeiten der Organisations- ko'mitees endgültig festgestellt und dann den deut­schen gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt wer­den könnten.

Die schriftlichen Unterlagen und Entwürfe für die Arbeiten der Komitees sind von deutscher Seite schon fertiggestellt gewesen, bevor die Komi­tees zur ersten Sitzung zusammengetreten sind. Die alliierten Mitglieder des Eisenbahnkomitees und des Goldnotenbankkomitees haben demgemäß auch wiederholt anerkannt, daß von deutscher Seite alles geschehen ist, was zur Beschleunigung der Vorar­beiten zur Durchführung des Sachverständigengut­achtens erforderlich ist.

Heber den

Sfanb der Arbeiten der drei Organisakionskomilees

erfährt die Franks. Ztg. das folgende:

Das Goldnotenbankkomitee tritt noch Ende dieser Woche in Berlin zu seiner letzten Sitzung zusammen, sodaß angenommen werden kann, daß die verschiedenen Gesetzentwürfe, die sich auf die Errichtung der Goldnotenbank beziehen, nämlich die Entwürfe für das GoldnotenLankgesetz, dos Bankstatut, das Rentenbankgesetz und das Münzgesetz in der nächsten Woche fertiggestellt, wer­den.

Das Eisenbahnkomitee beendigte Donners« tag seine zweite Lesung und tritt am 10. Juli zu der dritten, letzten Lesung in London zusammen. Die d«tte Lesung wird voraussichtlich vier bis fünf Tage in Anspruch nehmen, sodaß mit der Fertig­stellung der auf die Reichsbahn bezüglichen Gesege in dem Eisenbahnkomitee selbst vor dem 15. Juli nicht gerechnet werden kann.

Wann das Jndustrieobligationen- Komitee seine Arbeiten beendigen wird, läßt sich zur Zeit überhaupt noch nicht absehen. Das Komi­tee ch wegen der Haltung des bisherigen franzö- sifchen Vertreters in dem Komitee, Descamps, in den grundlegenden Fragen überhaupt noch nicht zu einer Einigung gekommen. Das weitere Tempo der Arbeit in diesem Komitee wird davon abhängen, welche Haltung das nach dem Rücktritt von Des­camps ernannte neue französische Mitglied des Komitees, Alix, einnehmen und welchen Einfluß

Ernennung eines neutralen fünften Mitgliedes auf die Arbeiten haben wird.

Der Zeitpunkt, zu dem die Gesetze dem Reichs­tag »et gelegt werden können, hängt danach gar mcht in erster Linie von der Entscheidung der Reichsregierung, sondern von den Organisations- Komitees ab. Die Reichsregierung hat den dringen­den Wunsch, daß die Komitees ihre Arbeiten sa schnell als möglich zu Ende führen, und sie wird wie bisher auch weiterhin die Komitees zur Erreichung dieses Zieles mit allen Mitteln unter­stützen.

Ak SkWlMn Dtt Mtta RMMll

Ueber die Verhandlungen des Orgonisations- komitees für die deutsche Reichsbahn gibt das Wolffsche Büro folgenden Bericht:

Das Organstationskomitee für die deutsche Reichsbahn hat die zweite Lesung der Entwürfe für das Reichsbahngesetz und die Gesellschafts­satzung beendet. Die ausländischen Mitglieder Sir SB. Slcworth und Herr G. Leverve reifen heute nach London und Paris zurück. Sie nehmen von dem 'Fortgang der Arbeiten, die in vollem Emver- nehm en im Verlauf von mehr als 20 Sitzungen gefördert wurden, den besten Eindruck mit. Rur. der gute Wille und das eifrige Mitwirken aller Mitglieder konnten in der Kürze einen so wichtig«, umfangreichen Plan zustande bringen, roie die Organisation der neuen Gesellschaft, die die größte der Welt sein wird. Das Komitee tritt am JO. Juli in London nochmals zu einer letzten Le- ,Amg der Entwürfe zusammen und erledigt noch Mige Fragen rechtlichen und finanzieller Art, für »elche heute die notwendigen Unterlagen noch nicht jcrliegen. Es ist anzunehmen, daß die Londoner Besprechung nur wenige Tage dauert, sodaß das Komitee gegen den 14. oder 20. Juli der Repa- Monskommission seinen Bericht und feine Vor- Mäge unterbreiten kann.

Ae ReichstagMbeit för Die besetzten Gebiete.

Aus Kreisen der Zentrumsfraktion wird uns über die Arbeiten des Ausschusses für die besetzten Gebiete folgendes geschrieben:

Dem Anträge der Zentrumsfraktion entspre­chend wurde in der Vollsitzung des Reichstages vom 28. Juni ein besonderer Ausschuß für die be­setzten Gebiete eingesetzt, der in den Tagen vom 30. Juni bis 2. Juli die das besetzte Gebiet betref­fenden wirtschaftlichen und sozialen Fragen, vor allem aber auch die Angelegenheiten der Ausge­wiesenen parlamentarisch behandelte.

Unter dem Vorsitz des Zentrumsabgeordneten von Guerard erledigte dieser Ausschuß, der sogenannte 17., zunächst Anträge des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volks­partei, die sich mit dem Schutze des Weinbaues im besetzten Gebiet befaßten. Der Ausschuß nahm bann die Berichte der Vertreter des Reichsbundes der Ausgewiesenen, des Geheimrats Heising, frü­herer Landrat in Ahrweiler und des Landgerichts­direktors Eichhoff aus Neuwied und des Vertreters des deutschen Beamtenbundes Rausch entgegen.

Am zweiten Sitzungstage befaßte sich der Aus­schuß vorwiegend mit der Ausgewiesenen-Fürsorge. Sämtliche gestellten Anträge wurden von einem Unterausschuß beraten und in nachfolgender Fas­sung als gemeinsamer Antrag des gesamten Aus­schusses angenommen. Der Beschluß lautet:

1. Mit ihren FamMen ausaeroiefene Beamte. Ange­stellte und Arbeiter des Reichs, der Länder und Ge­meinden, dis im unbesetzten Gebiet entsprechende Woh- nun« und Beschäftigung haben, smd, soweit nicht ein dringendes Interesse des Dienstes entgegensteht, erst dann zur Rückkehr verpflichtet, wenn eine ausreichende Wohnung und den Beamten ein Amt, den Angestellten und Arbeitern eine entsprechende Beschäfti­gung zugewiesen werden kann. Die nachgewiesene Be- schaftigung ist entsprechend, wenn sie der früher ausge- übten nach Art und Lohn gleichwertig ist.

2. Die Anwendung der Verordnung des Herrn Reichs- Präsidenten über die vorläufige Unterbringung von Aus­gewiesenen vom 14. Juni 1923 im besetzten Gebiet ist herbeizuführen.

3. Die Reichsregierung hat Vorsorge zu treffen, daß den Ausgewiesenen, Verdrängten und entlafsenen Ge- f-mgenen ihre früheren Wohnungen, soweit sie nicht für Zwecke der Besetzung oder der Regie beschlag, nahmt sind, bei der Rückkehr wieder Mr Verfügung ge- stellt werden.

4. Die Reichsregierung hat Vorsorge zu treffen, daß im besetzten Gebiet freistehende, freiwerdende oder durch Beschlagnahme frei zu machende W ohnungen in erster ßtoie den zurückkehrenden Ausgewiesenen, Ver­drängten und enüassenen Gefangenen zur Der» fügung gestellt werden. We hat auf die Länder- regierungen einzuwirken, daß die Gemeindebehörden verpflichtet werden, von den gegebenen Möglichkeiten zur Ausnutzung des vorhandenen Wohnraums weitmög­lichst Gebrauch zu machen.

5. Die hn besetzten Gebiet begonnenen reichseigenen (1500 bis 2000) Wohnungsbauten sind schleunigst zu vollenden. Die hierfür erforderlichen Mittel sind be- reitzustellM.

6. Den Gemeinden, die infolge starker Besetzung be­sonders unter Wohnungsmangel leiden und zurückge- kehrte Ausgewiesene in großer Zahl unterzubringen haben, sind zur Förderung des Wohnungsbaues Kre­dite des Reiches und der Länder gegen müßigs Ver­zinsung zur Verfügung zu stellen.

7. Der Wohnungstausch zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet ist tunlichst zu fördern.

8. Die Reichsregierung hat auf die Länderregierungen nachdrücklich einzuwirken, daß in die Wohnungsämter der Gemeinden des besetzten Gebietes Vertreter der Zu­rückgekehrten als stimmberechtigte Mitglieder ausgenom­men werden.

Des weiteren wurden folgende, von den Abge­ordneten Esser- Köln und Hofmann- Lud­wigshafen gestellten Anträge angenommen:

1. Vor seder Aenderung der Richtlinien über die Be­treuung Ausgewiesener zu deren llngunsten ist dem 17. Lsi-sschuß Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

2. Die Richtlinien zur Betreuung der Ausgewiesenen sind dahin M ergänzen, daß für Ausgewiesene mit möb- lierier Wohnung und voller Kochgelegenheit neben der Bezahlung der Mietdrsferenz noch eine Zulage für erschwerte Haushaltsführung in Höhe von zwei Zehntel des Tagegeldes der Ausgewiesenen gewährt wird.

3. Aus gewiesene und Bedrängte erhalten ihre Be- treuungsgebührnisfe auch dann weiter, wenn sie ihren Unterbringungsort vorübergehend ändern.

4. Die Reichsregierung wird ersucht, durch Verein­barung mit der Leitung der Regiebahnen im besetzten Gebiet dafür Sorge zu tragen, daß den auf Weisung des Reichsverkehrsministeriums in den Dienst der Regie- bahnen getretenen Beamten und Arbeitern, weiche bisher im Dienst des Reichs standen, die gleichen Gehalts- und Lohnsätze nach Goldmark berechnet, bezahlt werden, die ihnen als Beamten und Arbeiter bei der Reichsbahn zu- kommen würden.

Ein weiterer von Dr. Quaatt und Hof­mann- Ludwigshafen eingebrachter und ange­nommener Antrag ersucht die Reichsregierung, die mindestens zehn Jahre beschäftigten Angestellten und Arbeiter des Reichs und der Reichsbetriebe im besetzten Gebiet mit den Beamten des Reichs und der Reichsbetriebe in allen mit der Ausweisung und der Betreuung zusammenhängenden Fragen gleich zu behandeln.

Ein von den Abgeordneten Z a p f, E s s e r-Köln, H o fma nn-Ludwigshafen und Ä oreil einge­brachter Antrag wurde angenommen, wonach Be­amte, welche während der Zeit der Ausweisung pensioniert oder auf Wartegeld gesetzt worden sind, hinsichtlich der Rückkehr und Woh­nungsbeschaffung in gleicher Weise behandelt wer­den müssen, wie die noch im aktiven Dienst befind­lichen ausgewiesenen Beamten. ___

Am dritten Verhandlungstage befaßte sich der Ausschuß zunächst mit der Finanznot der Gemein­den im besetzten Gebiet und mit der Frage des Er­satzes für Occupationslei st ungen und son­stige durch die Besetzung verursachten Sachleistun­gen. Folgende Anträge, die von den Abgeordneten Esse r-Köln und H o f m a n n-Ludwigshafen ein­gebracht waren, wurden angenommen:

Der Ausschuß wolle beschließen, die Reichsregie- rung zu ersuchen, gemeinsam mit den Landesregie­rungen mit möglichster Beschleunigung eine umfas­sende Hilfsaktion für die durch die Wirkungen des Ruhrkampfes und die sonderbündlerifchen Be­wegungen finanziell zusammengebrochenen Ge­meinden und kommunalen Verbände des besetzten Gebietes einzuleiten. Hierbei ist zu prü­fen:

a) ob die Notlage tatsächNch auf die vorgenannten Ur­sachen zurückzuführen ist:

b) ob die Gemeinden ufw. die eigene Leistungsfähig- teti namentlich in steuerlicher Hinsicht breitmöglichst in Anspruch genommen haben:

c) ob die Zinsen, die für die Anleihen der Gemeinden ufw. zu zahlen sind, als angemessen anerkannt wer- den können.

Sind diese Voraussetzungen erfiUIt, so muß rasch und ausreichend geholfen werden. Gegen über­mäßige Zinsforderungen ist fchärfftens einzuschrei­ten.

Bezüglich der Occupations-Leistungen sind fol­gende Zentrumsanträge, ergänzt durch einen An­trag Dr. Zapf angenommen worden:

Der Ausschuß wolle beschließen, die Reichsregie­rung zu ersuchen:

1. daß der Ersatz der Occupations-Leistunaen nach den Gesichtspunkten des Rechts und der Billigkeit sobald als möglich in vollem Umfange wieder ausgenommen wird und daß bei den Verhandlungen mit den Alliierten bae.tuf gedrungm werde, daß bte mit der Besatzung zu­sammenhängenden Leistungen und Sachschäden aus den Annuitäten gedeckt werden:

2. daß bei den Abrechnungen im Durchgangsverkehr zwischen Reich- bahn und Regiebahn Verteuerungen des Frachtverkehrs möglichst vermieden werden:

3. daß öffentliche Aufträge des Reichs mit Rücksicht auf die lange Absperrung des besetzten Gebietes der Wirffchast des besetzten Gebietes vorzugsweise zugeführt werden, wobei die durch die besonderen Derhältniffe be­dingte Verteuerung der Fertigfabrikate nicht als Hinde­rungsgrund gelten kann:

4. daß bei den Einziehungen der Steuern und bei Rückforderungen von Darlehen der Hilfskasien für ge­werbliche Unternehmungen diejenigen Pflichtigen, welche Ersatz an Reparationslieferungen, Occupationsleistungen und sonstigen mit der Besetzung zusammenhängenden Sachschäden zu beanspruchen haben, mit besonderem Wohlwollen zu behandeln sind.

Weiterhin wurde ein Antrag Korell (Dem.) an­genommen, welcher die Reichsregierung ersucht, Maßnahmen zu treffen,

1. daß die Aufwertung des während der Inflations­zeit gezahlten Papiergeldes nicht eintritt,

2. daß auf fernen Fall die Aufwendungen für Be­treuungen den Entschädigungsstellen zur Anrechnung auf Sachschäden gestattet werden.

Schließlich wurde von dem Ausschuß folgende Entschließung gegen die Stimmen der Deutfchnatio- nalen angenommen:

Der Ausschuß bittet alle Ausgewiesenen drin­gend, nicht überstürzt, ohne daß die vorberei­teten Hilfsmaßnahmen sich auswirken können, zu- rückzukehren. Die Not würde dadurch noch größer. Die Ausgewiesenen mögen noch ein wenig Geduld üben und Disziplin halten. Keiner soll Schaden davon haben. Die Betreuung der Ausgewiesenen unterliegt auch weiterhin der Kontrolle des Aus­schusses.

So ist in einem innigen und fleißigen Zusam­menwirken zwischen den Volksvertretern und der Regierung, insbesondere mit den Vertretern des Ministeriums für die besetzten Gebiete in diesem Ausschuß bei dreitägigen Beratungen Ersprießliches gearbeitet worden im Interesse der Ausgewiesenen imd Gefangenen, namentlich aber auch der Wirt­schaft des besetzten Gebietes. Die rasche und um­fangreiche Arbeit des Ausschusies rechtfertigt die vom Zentrum in der Vollversammlung des Reichs­tages gestellte Forderung bezüglich der Bildung einer solchen Sonder-Kommission.

Merkwürdig freilich mußte es erscheinen, daß die Deutschvölkischen, welche durch ihren Spre­cher im Reichstage ganz besonders hohe Töne an­schlugen, bei der praktischen Arbeit vollständig versagt haben. Während der ganzen dreitägigen Beratungen ist nicht ein einziges Mal auch nur ein Vertreter der Deutschvölkischen im Ausschuß er­schienen!

$it MM Ii« MeMMtn.,

Zustimmung zur Reichspolitik.

Die Reichsregierung beriet in eingehenden Er­örterungen mit den Staats- und Ministerpräsiden­ten der Länder die politische Lage unter besonderer ^ürffWigung der Durchführung des Sachver- standigengutachtens. Mit Ausnahme des Vertreters von Mecklenburg-Schwerin, Herrn von Brandenstein, erkannten alle Chefs der Län­derregierungen trotz schwerwiegender Bedenken gegen manche in dem Gutachten enthaltenen For­derungen erneut das Vorgehen der Reichsregie­rung, die baldige Durchführung des Sachverständi­gengutachtens zu erreichen, als richtig an.

W MWf MsM Uff Wz Wlö 60flt.

wtb London, 4. Juli. (Tel.) Der rheinische Berichterstatter derTimes meldet aus Wies­baden, er erfahre, daß beschlossen wurde, ein drit. Konsulat für die Pfalz und das $ aarge- biet zu errichten. Der Beschluß sei von beträcht­lichem politischen Jnteresse. Macagowan, fest vier Jahren britischer Bizekonsnl in Bremerhaven, sei zum britischen Konsul für die Pfalz und das Saar­gebiet ernannt worden. Das Konfulatsbureau soll in etwa vierzehn Tagen in Wainz eröffnet

i werde».

preußischer Landtag,

Hilfsmaßnahmen für Unwetter-Geschädigte.

Der Landtag nahm einen Antrag des Hauptausschuf- ses an, der schleunige Hilfsmaßnahmen für die im Juni in den Kreisen Düsseldorf, Neuß, Grevenbroich, Kirch­hain, Hersfeld, Hofgeismar und Frankenberg durch schwere Unwetter Geschädigte verlangt. Dann wurde die zweite Beratung des Haushalts der Handels­und Gewerbeverwaltung fortgesetzt, wobei es im wesent­lichen zu einer Mittel st andsdebatte kam. Abg. Frau Dr. Lauer (Ztr.) bedauerte den Rückschritt, der im Berufsschulwesen eingetreten fei, besonders durch die Einschränkung der Ausbildungsmöglichkeiten für Mäd­chen. Die Gewerbelehrerinnenkurse in Köln, Dortmund, Elbeffeld und Frankfurt a. M. müßten unbedingt auf­recht erhallen werden.

Ueber die zum Etat gestellten Anträge wird später abgestimmt.

Die folgende Beratung des Bergetatr gestaltete sich zu einer Auseinandersetzung über Sachverständigen­gutachten, Lage des Bergbaues und die damit zufamnv«-

vie Votschasterkonferenz und die deutsche Note.

Die Botschafterkonferenz, welche am Donnerstag zusammengetreien i|i, hat den Bericht des Jnterallierten Militärkomitees über die deutsche Antwortnote zur Kenntnis genommen. Nach dem offiziellen Kommunique hat sie sich unter Vorbehalt der Zustimmung der Regierung über die zu es» teilende Antwort in großen Zügen verständigt.

Amerika und die Militarkontroüe.

Die Regierung der Vereinigten Staaten wird sich gutem Vernehmen nach völlig fernhalten von der Diskussion über die Interalliierte Militär­kontrolle. Der Botschafter H e r r i ck in Paris hat bisher nach Washington keine Mitteilung gelangen lassen über den Austausch der Noten zwischen deu Alliierten und Deutschland.

Beginn bet Kontrolle am 20. Juli.

wtb Paris, 4. Juli. (Tel.) Wie derpetit parifien mitteilt, ist im verlaufe der gestrigen Dotschafterkonserenz beschlossen worben, baß die neue Kontrolloperalion in Deutschland am 20. Juli beginnen soll. Die Botschafterkonserenz habe keine Verpflichtung übernommen hinsichtlich des Zeitpunktes, an den die voraussichtlich letzte Kontrolloperation beendet sein soll.

Uündigung der McumvertrSge.

Die Sechserkommission hat das kürzlich abge­schlossene Micum-Abkommen zum 31. Juli ge­kündigt. Die Kündigung erfolgte mit der Begrün­dung, daß das Reich am 1. Juli einen Fehlbetrag von 140 Millionen in seinem Haushalt aufweist, für den eine Deckung noch nicht gefunden ist und Die Regierung demnach nicht in der Lage ist, dem Ruhrbergbau für den Monat August finanzielle Unterstützung zu leisten.

vor der Alliierten -Uonserenz.

Das Reutersche Büro erfährt, daß, obgleich die Vorbereitungen für die Konferenz in London fort­gesetzt würden, doch noch zahlreiche Fragen unge­klärt seien. Reuter fügt hinzu, daß der Zeitpunkt der Konferenz endgültig auf den 16. Juli festgesetzt worden sei. Dies sei m den Einladungen beson­ders erwähnt, die an Japan, Frankreich, Belgien und Italien gesandt und von diesen Ländern ange­nommen worden sei, in anderer Form sei die Ein­ladung auch von Amerika angenommen worden. Es bestehe der Plan, daß alle an den Repa­rationen interessierten Staaten Gelegenheit haben sollten, an der Konferenz teilzunehmen, aber bisher sei in der Frage dieser Einladungen, die gegen­wärtig geregelt werde, noch nichts endgültiges be­schlossen worden. Auch die Frage der Hinzuziehung der Dominions werde gegenwärtig erörtert. Es werde erwartet, daß einige europäische Länder von ihren diplomatischen Vertretern in London vertre­ten sein werden. Bisher sei jedoch noch nichts End­gültiges bezüglich der Auswahl der Delegierten und des Versammlungsortes der Konferenz bekannt.

Zuständigkeit für Kustvertungsanttäge von Sparkaffenguthaben.

Gemäß der zweiten Verordnung zur Durchführung des Artikels 1 der dritten Steuernotverordnung be- stimmt der preußische Minister des Innern, daß für die Entgegennahme der Anmeldung von Sparkassen­guthaben, die nach § 7 Abs. 1 der dritten Steuer­notverordnung bis zum 31. Dezember d. Js. zu er­folgen hat, an Stelle der Amtsgerichte die Spar­kassen zuständig sind.

Vas Attentat auf Oesterreich.

Unter dieser Ueberschrist äußert sich der Wiener Be­richterstatter der Vossischen Zeitung über die Wirkun­gen des Schußes auf den österreichischen Bundes­kanzlers, Prälaten Seipel, wie folgt:Als am 1. Juni das Attentat auf Bundeskanzler Dr. Seipel erfolgte, schrieb die christlichsozialeReichspost", daß die Kugel Oesterreich mitten ins Herz traf. Diese Behauptung war vielleicht nicht allzu sehr übertrieben. Besteht die Hoffnung, daß der Bundeskanzler dank einem Wunder mit dem Leben davonkommen wird, so hat doch sein zeitweiliges Ausscheiden aus der aktiven Politik, die auch für die Zukunft bedingte Schonungsbedürftigkeit dieses einzigen Oesterreichers von staatsmännischer Bedeutung bereits bewirkt, daß sowohl politisch wie wirtschaftlich sich die Sage des Landes verschlechtert hat. Oesterreich lebte in den letzten zwei Jahren von Seipels Geist.