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Nr. 151.

rnklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.

Dienstag, 1. Juli 1924.

uldaerZertung

Verantwortlich iür die Schriitleituna Dr. Jobaune» Ära tuet. Anreigen: I. P arreller, Fulda. Rotationrdruck und Verlag der s Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernkvrecher St- S. :$

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Vie Vorbereitung der Londoner Konferenz

Beteiligung von Kleinstaaten.

wtb Paris. 30. Juni. (Tel.) Wie demPetit parifien aus London gemeldet wird, finden zwi­schen Paris und London, Brüssel und Rom Ver­handlungen statt, um zu bestimmen, in welcher Frage und in welchem Matze die kleinen Mächte, die ein wirkliches Interesse an der Re­parationsfrage haben, an der Londoner Konferenz teilnehmen können.

Das Blatt bemerkt, es gebe zwei Gruppen von Staaten. Der ersten gehörten Südslavien, Rumä­nien und Portugal an. Sie hätten ein Anrecht aus Reparationszahlungen. Die Tschechoflowakai und Polen bildeten eine 2. Gruppe. Sie hätten kein An­recht auf Reparationszahlungen. Sie seien aber als Nachfolge-Staaten der Mittelmächte inkerefsiert. Es sei wahrscheinlich, datz gemätz dem Vorschlag der britischen Regierung die Staaten ausgefordrel wür­den, an der Londoner Konferenz durch ihre dort beglaubigten Gesandten teilzunehmen.

Die Vertreter Belgiens.

wtb p a r i s, 30. Juni. (Tel.) DieErenouvelle" meldet, die belgische Delegation auf der Londoner Konferenz werde sich aus Autzenminister H y - man n>s, Ministerpräsident T h e u n i s, dem zweiten belgischen Vertreter, Hutt und dem Leiter der belgischen Mission im Ruhrgebiet, haffe- cark, zusammensehen.

Keine Verschiebung.

Wtb London, 30. Juni. (Tel.) Der diplo­matische Berichterstatter desDaily Telegraph" be­zeichnet das Gerücht über eine Verschiebung der für den 16. Juli einberufenen Konferenz als un­begründet. Die eingeladenen auswärtigen Staaten würden während der Sonferenzperiode Gäste der britischen Regierung sein. Der genaue Status der Vertreter, die an der Konferenz keilneh- men, werde erörtert. Von mancher Seite werde an­geregt, datz die Londoner Gesandten dieser Mächte, von Sachverständigen unterstützt, die Interessen der Mächte in angemessener Weise vertreten. Von an­derer Seite werde gewünscht, datz aus jedem Lande mindestens ein Kabinettsminister, der Premier­minister, der Autzenminister und Finanzminister als Bevollmächtigte der Regierungen zugegen fein sollen.

Herriots Schwierigkeiten.

Der neue französische Ministerpräsident ist n i ch t auf Rosen gebettet. Er hat vor allem seine Schwie­rigkeiten mit den Sozialdemokraten, die ihm nicht Immer treu sind. So haben sie ihm jetzt die Gefolg­schaft bei der Abstimmung über die Ruhrkredite versagt. Rach demJournal officiel" haben sich dabei 61 Mitglieder der sozialistischen Kam­merfraktion der Abstimmung enthalten, darunter Leon Blum. Auch der Kammerpräsident beteiligte sich an der Abstimmung nicht. Im ganzen waren es 75 Abgeordnete, die nicht gestimmt haben. Der Rechten und Mitte hat es Herriot zu verdanken, daß der Antrag dennoch durchging.

Zu der Abstimmung schreibt desJournal des Debats", Herriot habe sich nur dadurch aus der Ver­legenheit ziehen können, daß er das Vertrauen der­jenigen erhalten habe, denen er in Wirklichkeit kein Vertrauen einflöße. Dieses Mißgeschick sei nicht un­vorhergesehen gekommen. Es habe lediglich den inneren Widerspruch, der in der ministeriellen Politik und der des Kartells der Linken begründet ist, etwas früher hervortreten lassen, als man ange­nommen hatte. Aber dies sei vom ganzen Parla­ment wohl bemerkt worden und habe die Sozialisten in Erregung versetzt. In der Tat habe die Haltung der Sozialistischen Partei der Sitzung ihre Bedeu­tung gegeben. Die Sozialistische Partei möchte gern alles beherrschen, aber es gebe in ihr zwei Schulen. Dje eine sei unnachgiebig und hätte es mit dem Regieren nicht eilig, und die andere, die die Hoff­nung auf baldige Uebernahme der Regierung hege, sei bereit, ihren Prinzipien Gewalt anzutun. Jetzt seien beide Schulen aneinander geraten.

Die Mieum - Verträge.

Die Vertreter des Ruhrbergbaues haben am Sonntag in der Frage der Micumver- träge mit kurzer Unterbrechung von 11 Uhr vor­mittags bis 10 Uhr abends mit der Reichs­regierung verhandelt. Aufgrund der ihnen er­teilten Instruktionen werden sie am Montag die Verhandlungen mit der Micum in Düsseldorf wieder aufnehmen.

Gegen die Nriegsschuldlüge.

Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände, dem rund 700 Organisationen aller Parteirichtungen an­gehören, veranstaltete heute im Reichstag eine machtvolle Kundgebung gegen das Friedens­diktat von Versailles und gegen die Kriegs- s ch u l d l ü g e in Anwesenheit des Reichskanzlers unb der Minister Stresemann, Luther, Jarres, Brauns, Geßler und Hamm. Einmütig wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die heute versammelten Männer und Frauen aller Schichten und Parteien haben einen Frieden der Gerechtigkeit gewünscht. Die Verspre­chung de§ Wilson-Programms wurden nicht gehal­ten, heute ist Deutschland, Europa und die ganze Welt im Zustand völliger Unordnung. Deutschland r ü st e t ehrlich a b. Die andern Völker sind diesem Beispiel nicht.gefolgt. Mit der Lüge von der deut­schen Schuld" am Kriege wird Deutschland heute noch in der ganzen Welt verleumde. Das deutsche

ReilhMteitllli des Zentrum in Mn.

Am 4. Oktober findet in Fulda der ur­sprünglich im April vorgesehene Parteitag der preuhischen Zentrumspartei statt. 3m An­schluß daran wird am 5. und 6. Oktober in Fulda derReichsparleitagderdeut- scheu Zentrumspartei abgehalten wer­den.

Aus Berlin schreibt man uns:

Der Beschluß des Reichsparteioorstandes, der dieser Tage in Berlin tagte, in den Tagen vom 4. bis 6. Oktober einen Reichsparteitag der deutschen Zentrumspartei zu halten, wird im ganzen Lande freudige Zustimmung auslösen. Daß mit diesem Parteitag auch der schon einmal verschobene Partei­tag der Preußischen Zentrumspartei verbunden wird, darf ebenso begrüßt werden wie die Wohl des Tagungsortes, für den Fulda in Betracht kommt.

Seitdem der Reichsparteitag abgehalten wurde, hat sich die Reichspolitik vielfältigen Wandlungen unterziehen müssen. Auch die Stellung der Zen­trumspartei hat bei aller prinzipiellen Geschlossen­heit und Gradlinigkeit in den wechselnden Situa­tionen harte Prüfungen bestehen müssen. In der allerkritischsten Zeit für Land und Volk, der der Inflation und ihrer Röte, einer Zeit, an die man heute nur noch mit Schrecken zurückdenkt, hat der Führer der Deutschen Zentrumspartei die Zügel der Reichsleitung ergriffen. Damit hat sich das Zentrum erneut dem Vaterlande zur Ver­fügung gestellt, unbekümmert um den oft genug aus den eigenen Reihen kommenden Rat, endlich auch einmal den anderen diese Bürde zu überlassen. Das Zentrum hat aber niemals seine politische Hal­tung von parteipolitischen Gesichtspunkten abhängig gemacht, sondern es hat zu jede r Zeit Staats Politik getrieben.

Die jüngsten Reichstagswahlen haben das Zen­trum in alter Stärke wieder in den Reichstag ge­bracht, indessen wird nicht daran oorübergegongen werden können, die inneren organisatori­schen Verhältnisse unserer Partei einer gründlichen Nachprüfung zu unterziehen. Ge- rade in dieser Hinsicht erwarten wir von dem lo-n- menden Reichsparteitag einen ganz besonderen Er­folg für die Festigung und Verankerung unserer Partei im ganzen Lande. , . ri t i

Die innere Geschlossenheit unserer Partei steht nach all den Stürmen, die wir bisher überdauert haben, und deren schärfster bei den Reichstags­wahlen am -4. Mai grundsätzlich abgeschagen wor­den ist, außer allem Zweifel. Doch wäre es ein verhängnisvoller Fehler, wollte man sich mit dieser Feststellung begnügen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen nun erst recht auch auf eine Erweite­rung der Basis unserer Partei Bedacht nehmen und die dafür erforderlichen Voraussetzungen durch eine strenge Selbstprüfung und eine, wenn es fein muß, schonungslose G e w iss en s e r fo r- s ch u n g schaffen. Dazu wird der Reichsparteitag gründlich Gelegenheit geben. Er wird Voraussicht-

Volk wird sich nach wie vor mit ganzer Kraft wehren gegen alle Versuche, bas Reich zu zerschla­gen, bie deutsche Wirtschaft zu zerstören und die deutsche Volkskraft vernichtend zu treffen. Es wird sich nach wie vor mit aller Entschiedenheit gegen bie Serieumbungen bes deutschen Namens in der Welt wenden. Die deutsche Reichsreglerung hat durch die Deffnung ihrer Archive der Wahrheit ine Bahn geöffnet Dr. Stresemann hat eine amt­liche Äufrollung der Kriegsschuldfrage zugesagt.

3nt Reichstag

gab am Samstag anläßlich einer Besprechung von Anträgen zur Lage der aus dem besetzten Gebiet Ausgewiesenen Reichsminister Dr. Höfle eine Erklärung ab, in der er u. a. sagte:

Mir ist soeben mitgeteilt motten, daß sämtlichen Ausgewiesenen des Sanktions- und Ruhrgebiets von IDegoutte die Erlaubnis zur Rückkehr ge­geben wurde, mit Ausnahme von 75 namentlich auf geführten Personen, meist höheren Derwaltungsbe- amten. darunter auch Regierungspräsident Grutzner. Die Fürsorge für die ausgewiesenen Privatper- sonen war vielleicht für eine Zeitlang mangelhaft. Dann wurde aber die Bestimmung getroffen, daß bie Privatpersonen ebenso behandelt werden sollen wie die ausgewiesenen Beamten. Der Minister spricht dem Roten Kreuz für seine Betremmgsarbeit an den Ausgewiesenen herzlichen Dank aus. Die Regierung hat alles getan, um Die Fertigstellung der angefangenen Wohnungsbauten im besetzten Gebiet zu ermög­lichen. Dadurch konnten hunderte von Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Die Betreuung der Aus­gewiesenen wftd sich auch aus die Zeit nach der Rückkehr erstrecken. 3m Anschluß werden wir zu überlegen haben, ob auf dem Weg des Kredits oder auf anderem Wege neue Wohnungsmöglichkriten geschaffen werden können. Erleichtert wird die Sachlage werden durch den Abbau der Besatzung. Die üttsfcbcmf hat in soundfovielen Fällen Ausnahmenültel rnter standnahme von den gewöhnlichen Bedingungen ge­währt, wo es sich um das besetzte Gebiet hantelt W>r haben in allen Fällen versucht, das n* .*sn.

Der Minister begrüßt die Anträge der <>rd.r.tnsJrc?tu?«i und der Sozialdemokraten auf Bildung eines Vefoo- beren Ausschusses und hofft, auf eine vertrauens­volle Zusammenarbeit und eine Rückenstärkung für das Ministerium. Die endgültige Befreiung hängt mit Lösung der Peparationsfrage zusammen. Das kl-'mifte- rium hat feine Vorarbeiten auf dem Gebiet: vollendet. Alle Instanzen sind mit dem notwendigen SÄurtenal er­sehen worden.

Der Bildung des Ausschusses wurde zug-ffiimmt. Ferner wurden die zur Aufwertungskrage gestellten Anträge einem SonbeiauSfätiZ- von 58 Mi.»

lich derart konstruiert, baß ben Erörterungen über bie innere Lage der Part ei, über ben Stand unserer Organisationen im ganzen Lande unb über die Möglichkei­ten einer weiteren Werbung größter Spielraum gewährt wirb. Die Erörterung grundsätzlicher Fragen der Partei auf politi­schem, sozialem und kulturellem Gebiet wird dabei gewiß nicht in den Hintergrund zu treten brauchen. Des weiteren wird der Reichsparteitag sich mit dem zur Zeit wohl wichtigsten Iugendproblem zu beschäftigen haben. Vordringlich wird dabei aber auch bie weitere Heranziehung ber Akabemik er zur Mitarbeit bei ber Partei fein müssen. Daß bei allebem mit eine ber bedeutendsten Fragen die­jenige der engen Verbindung zwischen Partei und Presse ist, liegt auf der Hand angesichts der Bedeutung, die die Presse als dritter Regierungsfaktor neben Regierung und Parlament im parlamentarischen System genießt.

Der kommende Reichsparteitag des Zentrums wird eine hohe und bedeutungsvolle Aufgabe zu erfüllen haben. Wir haben das Zutrauen, daß bie für bie Zukunft ber Partei wichtige unb geradezu entscheidende Tagung schon jetzt im ganzen Lande so vorbereitet wird, daß mit den Interessen der Partei auch ben Interessen von Volk unb Vater- lanb gebient wirb.

Dieser Tage hielt ber Reichsparteivorstand der Zentrumspartei im Fraktionszimmer des Reichs­tages eine Sitzung ab, die sehr gut besucht war.

Außer dem gemeldeten Beschluß über bie Ab­haltung bes Reichsparteitages in Fulba beschloß ber Reichsparteivorstanb die Gründung eines Ver­eins, genannt Klub ber Zentrumspartei. Dieser Klub hat bie Ausgabe, zunächst ein Anwesen zu erwerben, um in ihm einen Mittelpunkt für bas gesellige, aber auch bas parteipolitische Leben in ber Reichshaupt st abt zu schassen. Als Mitglieber sollen gewonnen werden die Abgeord­neten des Reichs- unb ßanbtages, bie Presse- unb fßarteitmiglieber im Lande.:

Der Hauptteil der Tagung des Reichsparteivor- 'ftuitbvs galt tet Besprechung tes Verhäunisjes zwischen Zentrumspartei und Bayeri­scher Volkspartei. Zu diesem Gegenstand haben bereits mehrfache Dorerörterungen zwischen Vertretern des Zentrums unb ber Bayerischen Volkpartei stattgefunben. Außerbem hat auf eine Anregung bes Reichskanzlers hin am 21. Juni im Hause bes Führers ber Bayerischen Volkspartei, Domkapitular Leicht, eine nähere Besprechung stattgefunben. Aus bieser Erörterung, wie aus benen, bie jetzt ber Reichsparteivorstanb pflog, darf wohl bie Hoffnung geschöpft werben, baß bie en­gere Zusammenarbeit beider Parteien auch im Parlament wieder herbeigeführt wird. Auf bei­den Seiten besteht jedenfalls der Wunsch, über Schwierigkeiten, wie sie sich in den letzten Jahren durch die völlige politische Umwälzung ergeben haben, hinwegzukommen.

gliedern überwiesen. Der Reichstag wurde dann auf unbestimmte Zeit vertagt.

Reichstagsneuwahl in Gberschlefien ist notwendig geworden. Das Wahlprüfungsgericht des Reichstages, dessen Vorsitzender der Zentrums­abgeordnete Peter Spahn ist, hat folgendes ver­kündigt: Die Wahlen im Reichswahlkreise 9 Op­peln werden für ungültig erklärt, es müssen Neuwahlen stattfinden, da sich nicht feststellen läßt, welches bas Ergebnis ber Wahlen gewesen sein würbe, wenn sie ordnungsmäßig vonstatlen gegangen wären. Die Nachprüfung hat er­geben, daß die Zurückweisung des Wahlvorschlages, ber seitens ber Wirtschaftspartei bes beutschen Mittelständes im Kreise Oppeln eingereicht worben war, nicht hätte erfolgen dür­fen. Eine Rückwirkung ber Ungültigkeitserklä­rung auf bie Wahlkreise Breslau unb Liegnitz kommt nach Ansicht bes Gerichts vorläufig nicht in Frage.

Durch bieses Urteil gehen bie bisherigen Abge- ordneten bes Wahlkreises 9 ihres Mandats oer- luftig. Es finb bie Adgg. Wolf (Dnat.), U l i tz l a, Ehrhardt unb Zipper (Zentr.), Jabbasch unb Jenbrosch (Komm.).

Die Ungültigkeits-Erklärung schafft parlamentarisch eine sehr peinliche Situa­tion. Alle in Oberschlesien gewählten Abgg. finb bamit ihres Mandats entkleidet. Oberschlesien würde also bis auf weiteres ohne p a r I amen tarischeVertretungimReichstage fein. Man erwägt in parlamentarischen Kreisen, um aus teelm Mißverhältnis herauszukommen, ob durch iraenbeinen gesetzgeberischen Akt, ber nach Lage ber Dinge also Z.r Derfaffungsänbernbes Ge­setz darstellen mürbe, die Mandate der zuletzt ge­wühlte» oberschtefischen Abgeordneten bis zur Tä­tigung der neuen Wahlen verlängert würben. Es wird in Reichetagskr-nsen als selbstverständlich er­achtet irof? der Termin bi<-r Wahlen f o rasch i!« möglich f e ft g e ft e 111 rmrde. Die Ober« ichl.lier, bie nnn feit Jahren eigentlich garnicht mehr a;i' Abstimmungs'ämpfen heraus- g<vinmen sind, werben damit vor eine neue Lage gestellt, die an ihre Pflichttreue unb Opferwillig- keir erneut große Anforderu.ig-n stellt. Wir ha- aber bas feste Vertrauen, baß bas ob-rschlefi- sche Volk auch jetzt wieber die überragenden Jnte- r-ffen des Vaterlandes wie bisher wahrzunehmen uzir

Well on der Win-W

Deutschnationale, Zentrum und Sozialiste« jur das Sachverjtändigeu-Gutachten.

Auf dem Rheinischen Provinziallandiag gab tro Namen der Fraktionen des Zentrums, ber Arbeits- gemein schäft unb ber Vereinigten Sozialdemokrat» Aba. Loenartz-Äoblenz (Z.) die folgende Erklärung ab ;

Die besonderen Lasten, die auf der Bevölkerung der Rheinprovinz liegen, sind so groß, datz sie von ihr allein nicht länger getragen werden können. Sie muffen vom ganzen deutschen Volk übernommen und sozial gerecht verteilt werden. Der Rheinische Provinziallandtag sieht nach Lage der Dinge die einzige Möglichkeit zur Er- reichung dieses Zieles darin, datz die auf der Grund- läge des Sachverständigen-GutachtenS bon Bet ReichSregterung eingeleiteten Verhandlungen und .Uiaj;- nahmen mit möglichster Beschleunigung durch­geführt werden. Er erwartet von diesen Verhmiv- lungen neben der dringend notwendigen wirtschaftlichen Erleichterung, die Räumung des über die Bestimmungen des Friedensvertrages hinaus besetzten ^niicben bietes, die Innehaltung der im Vertrage selbst testge­setzten RäumungSfristen für das besetzte Gebiet, di Wiederaufrichtung der deutschen Staatshoheit, ine yrei. lassung der politischen Gefangenen, die Rückkehr auet Ausgewiesenen und die Wiedereinsetzung der vusge- wiesenen Beamten in ihre Aemter. (Starkes Bravo I.

Als von kommunistischer Seite in den Saal gerufen wurde, die beutschnationalen Abgeord­neten kniffen unb Hüften den Saal verlassen, trat der deulschnationale Gutsbesitzer Abg.

Mettmann hervor und erklärte ausdrücklich, um die Einheitlichkeit der Kundgebung zu wahren, hätten seine Freunde ihre anfänglichen Bedenken zmückgestellt und den Punkten der Entschließung samt unb sonders zu gestimmt.

3m bayerischen Landtag

ist nunmehr die Wahl des Ministerpräsidenten voll zogen worden. Von 107 abgegebenen Stimmen er­hielt der Kandidat der Koalitionsparteien ^Bayrisch» Vollspartei, Deutschnationale und Bayrischer Bauern­bund) Abg. Held 68, daruuier auch die des Zentrums und des Beamtenvertreters Kraiosil, also drei Stim­men über die notwendige Mehrheit. 39 Zettel der Sozialdemokraten, ber Demokraten und des Völki­schen Blocks waren unbeschrieben. Die Kommunisten enthielten sich ber Abstimmung.

Geheimrat Held nahm die Wahl an. Es bestehen, alter noch erhebliche TifferenM über Äe WW Ns in Aussicht genommenen Justizminlsters Dr. Gurtner (Deutschn.), der von einem großen Teil der Bayri­schen Volkspartei für die Zu stände in Bayern aus juristischem Gebiet während der letzten Jahre ver­antwortlich gemacht und bekämpft wird.

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Blutige Denkmalsweihe.

Wie die Blätter melden, sand am Sonntag' in Neubrandenburg die ©runbftentfegung zu einem Schlageterdenkmal in Anwesenheit der Gene­räle Ludendorff und L i e tz m ann statt. Hierbei kam es, derMontagspoft zufolge, zwi­schen Kommunisten und Deutschvolki- s ch e n zu einem Zusammenstoß wobei einige Personen durch Stiche und Hiebe zutv Teil schwer verletzt wurden.

Dem .Fränkischen Kurier' zufolge hat der Obe» reichsanwalt n e ue H a s tb e f e h le gegen den Kauf, mann Berchtold und ben Hauptmann m D. Muller wegen Beihilfe zum Hochverrat anläßlich des Hitler- putfches erlassen._________

Deutscher Reich.

* Im preußischen Landtag gehen die Verhand­lungen über den Iustizetat weiter. Am vei- gangenen Freitag mußte die Sitzung vorzeitig ab­gebrochen werden, weil Sozialisten und Kommuni­sten untereinander handgemein zu werden schienen.

* rrettimasverdote. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, hat ber preußische Minister des Jnnerndas Erscheinen derDeutschen Zeitung , ebenso das Erscheinen derRoten Fahne mit ihren vier Nebenblättern auf bie Dauer.von zwei Wochen, und zwar vom 29. Juni bis emschlißlich 12. Juli verboten. _________________

* Lia Grenzzwischensall. Wie die Blätter am Innsbruck melden, ereignete sich in Postzehl an der neuen österreichisch-italien i - schen Grenze ein Grenzzwischenfall. Eine Ab­teilung österreichischer Grenzjäger, die in dichtem Nebel einen Marsch machte, wurde auf österreichi­schem Gebiet von italienischen Finanzsoldaten ohne jeden vorherigen Anruf mit scharfen Schüssen ange­griffen und trotz der Zurufe der Defterreidjer fort- gesetzt. Das Feuer wurde von den österreichischen Soldaten nicht erwidert und die dann flüchtenden Italiener nicht verfolgt. Verletzt wurde niemand

Streikgefahr in England.

wtb London, 30. Juni. (Tel.) Reuter rnel bet, datz im Transportwesen wiederum Verwirk lungen einzutreten dr-hen. Gestern wurde ein« Riassenversan.mlung aller Klassen von Trans portabeitern in London abgesehen, um da, Programm der Union zu unterstützen. Die Union wvrde beauftragt, den Arbeitgebern mit einmona­tiger Frist bekannt zu geben, daß Rcoifioncn bes gegenwärtig in Kraft befindlichen Abkommens be- treffend die Lehn» und Arbeitsbedingungen beab­sichtigt werden. Vor allem n'.rd eine Lohnerhö­hung von 10 Schilling wöchentlich angestrebt. Lin Sprecher sagte, datz, wenn es znrn Aeutzersteutz- komme, man die Unterstützung der Dockarbeift-' halten werde. Diese Erklärung wurde mit gto^ Beifall auhenoramen