JK 150.
Sonntag, 29. Juni 1924.
* Auldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Äctieadruckerei tu Faid,
Schallplatten
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Beuchten Sie, bitte, unsere Schaufenster und unsere Preise Institut Pendel, Fulda, Bahnhofstrasse Nr. 16. — Telephon Nr. 168.
dernen Wirtschaft nicht der Theorie zu überlassen sondern durch ernste Bildungsarbeit ar. sich selbst und durch die Erfüllung Volkswirt schaftlicher Aufgaben seine Unersetzlichkeit für Doll und Wirtschaft darzutun. Darüber wird sich jeder auch außerhalb des Handwerks freuen, der der Aufbau unserer Wirtschaft in erster Linie von dem Erstarken der eigenen deutschen Kraft, erwartet
* Der 49. deutsche Gastwirtetag, der in Karls ruhe stattsand, nahm Entschließungen an, die aus die Beseitigung der Weinsteuer, die Ermäßigung der indirekten Steuern und die Herabsetzung bei Vergnügungssteuer abzielen und für die beschlag- nahmten Gasthäuser im besetzten Gebiet neben einer Nutzentschädigung auch eine Vergütung für den entgangenen Gewinn fordern.
ans Geisa und Umgebung.
— Vacha. Am Sonntag, den 29., Montag der 30. Juni, Donnerstag, den 3. und Sonntag, den 6 Juli findet das diesjährige Schützenfest statt.
— Bad Salzungen. Am Sonntag, abends 714 Uhr wird im hiesigen Kurtheater die Oper „Martha" zur Aufführung gelangen. Da diese gegen 10 Uhr zu Ende ist, können auswärtige B» sucher noch den letzten Zug erreichen.
In der Reichstagssitzung am Freitag kam gleichfalls die Notlage der Landwirtschaft zur eingehenden Besprechung. Von den Rednern aller Parteien wurden die Notstände bargelegt. Die Regierung ließ durch den Ernährungsminister erklären, daß sie die Notstände anerkenne und auf den in Betracht kommenden Gebieten nach Möglichkeit auf Abhilfe bedacht sei.
Goldmark leisten, dazu kamen Sachlieferungen an Frankreich im Betrage von 950 Millionen Gold- mark und solche an die übrigen Ententestaaten im Betrage von 500 Millionen Goldmark. Die Barzahlungen wurden geleistet; die Alliierten erhielten Sachlieferungen für 469 Millionen Goldmark und Frankreich für 209 Millionen Goldmark. Die übrigen Sachlieferungen wurden von Frankreich nicht angefordert, weil die französische Industrie gegen die deutschen Lieferungen Einspruch erhob. Wegen Minderlieferungen an Holz und Kohlen im Gesamtwert von 24 Millionen Mark unternahm Frankreich mit Belgien den Marsch ins Ruhrgebiet. Der Ruhrkampf — von Anfang an mit ungleichen Waffen geführt — begann. Der Verlauf und Ende desselben sind hinreichend bekannt. Deutschland verlor den Weltkrieg zum zweiten Male. Die Zukunft wird aber noch zeigen, daß der Ruhrkrieg doch nicht umsonst geführt worden ist.
Noch ein anderes Unrecht, das heute noch fortbesteht, muß festgehalten werden. Es ist die vertragswidrige Besetzung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort. Die am 7. Mai 1921 erfolgte Besetzung ging vor sich, weil die damalige deutsche Regierung das Londoner Ultimatum bis zum 5. Mai nicht angenommen hatte. Dem erpreßten Friedensvertrag folgten also andere Erpressungen. Deutschland wurde nie als gleichberechtigter Faktor für die Verhandlungen anerkannt. Die Resultate dieser Bajonettpolitik bestehen in der Zerschlagung der deutschen Wirtschaftskraft und der politischen und wirtschaftlichen Beunruhigung der ganzen Welt.
Auf die sonstigen unerhörten Bedrückungen Deutschlands hinsichtlich der Ansprüche der fremden Besatzungen und der Belästigung der Bevölkerung im besetzten Gebiet sei nur ergänzend hinge- wiesen.
Wie schon betont, wäre es falsch, alle Schuld nur im feindlichen Ausland suchen zu wollen. Die Ermordung Erzbergers und Rathenaus sind und bleiben Erinnerungen am Wege falscher politischer Weichenstellung führender deutscher Politiker und Wirtschaftler. Das Sachverständigengutachten, das heute Deutschland akzeptieren muß, enthält manche schärfere Bestimmung, als das Reparationssystem, das unter Dr. Wir th und Rathenau seiner Durchsetzung entgegenging. Der verstorbene Abg. Hugo Stinnes nahm gegen die Wirth'sche Erfüllungspolitik Stellung und er selbst unterzeichnete das sogenannte Ludersac-Abkommen; sein Nachfolger, der Generaldirektor Vogler aber unterzeichnete sogar die Micumverträge.
Neues aus Frankfurt.
— Neue Reptilien im 3oo. Eine Reihe hschmierest sanier Neueingänge hat das Aquarium zu verzeichnen. So kamen kürzlich 2 TejuS, riesige, räuberische Echsen aus Südamerika an. Aus Australien trafen sogenannte - Stutz- oder Tannenzapfen-Echsen ein und ein sehr großer Cunninghams« Stachelskink. Aus Dalmatien wurden einige schöne Exemplare der Sandotter, einer nahen Verwandten der Kreuzotter, beschafft. Eine besondere Seltenheit weist das Vogelhaus auf, nämlich ein Pärchen der winzigen, wenig über SperlingSgrötze, Brasilianische Zwergkäuzchen. An den Weihern sind weiter gute Brutresultate zu verzeichnen. Besonders bemerkenswert sind die kürzlich geschlüpften Chilenischen Pfeifenten. Die zahlreichen Bruten Kasarka-Kücken w ichsen zusehends heran
--- Süsweftdeistsche Iagdaurftevnng in zrankfurt a. m Im Verlaufe der am 1. Juli beginnenden Ausstellung, die eine Fülle des Sehenswerten bieten wird, hat der Ausschuß eine Reihe von Wettbewerben im Schießen eingerichtet, bei welchen den Jägern Gelegenheit gegeben ist, ihre Schießkunst zu erproben. Wertvolle Ehrenpreise stehen in großer Zahl zur Ver- fügung. Die Schießen finden auf den bürgerlichen Schießständen in dem Stadtwalde statt, und beginne» mit einem Probeschietzen am 7. Juli. Am 8. und 9. Just beginnt das Tontaubenschießen (EröffnungS« schießen. Großer Jagd- und Ausstellungspreis, Trostschießen mit jagdmäßigem Anschlag, Doublettenschietzen.) Ferner finden am 8., 9. und 10. Juli Kugelschietze»! statt und zwar auf Rehbockscheibe 80 m, laufende Kei. lerscheibe 60 m. Auch ein Kleingeschoß-Schietzen auf 60 und 14 m Entfernung ist vorgesehen. (Jagd- ehrenscheiöe, Meisterscheiben und Punktscheiben).
— woher sie er hatte«. In einer Altstadtwirt, schäft wurde der seit langem gesuchte Einbrecher und Matrose Julius Weller mit seiner Geliebten, der 26jäh- rigen Paula Langer, aus Niederrad verhaftet. DaS Paar hatte fein Leben lediglich aus den Erträg. ntssen von Einbrüchen gefristet, dabei aber soviel^ erworben, daß es sich aufS feinste ausstaffieren und sich' erst noch vor ein paar Tagen zwei wertvolle Fahrräder anschaffen konnte. Ferner wurde bei dem Paar äe bedeutender Geldbetrag vorgefunden.
von einem Staate, der gegenwärtig gänzlich verarmt und geschwächt ist!
Daher ist es zu begrüßen, baß bas Handwerk in seinen besten Vertretern den eingeschlagenen Weg der Vertiefung feines beruflichen und sittlichen Könnens beherzt weiter geht. Ein neuer Beweis dafür ist feine Teilnahme an dem vom Volks- verein im vergangenen Monat veranstalteten 10. und 11. Sozialen Kursen in Paderborn, an denen sich trotz der schwierigen Zeitoerhältnisse insgesamt 40 Berufsvertreter beteiligten. Mit welchem Ernst sich die Teilnehmer dem Studium der Lebensfragen ihres Standes widmeten, geht am besten aus folgenden Worten eines Be- uchers hervor:
„Es war ein großes Arbeitspensum in diesen Tagen zu erledigen. Es wurden die Fragen behandelt: Der Anteil des Handwerks an unserer Volkswirtschaft, Die H-'-'dwerkerpersönlichkeit, ihr Werden und Wachsen, Der Sinn der berussstindischen Gemeinschaftsarbeit. Der Handwerker und sein jugendlicher Nachwuchs, Der Handwerker als Bürger in Gemeinde und Staat Diese Themen wurden in ganz hervorragender, tief
gründiger Weise behandelt, wobei der letzte Vortrag: Der Handwerker als Bürger in Gemeinde und Staut die Seele packte und bewegte und einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Fragen: Das Problem der Pflicht-
Geister und Geselle (Innung und ®e» toerffcfKxft), Wesen und Bedeutung der berufsständischen Selbstverwaltung wurde gleichfalls in mustergültiger H5n, %n!ata«nb^t den einzelnen Vorträgen fand
X X^ statt, welche durch ihre Sachlichkeit
.b,e Tiefe der Auffassung durch die Kursisten zeigte, dah dre Liebe zum Handwerk und die geistige Bildung der Zuhörer auf einer seltenen Höhe stand Wir sind überzeugt daß alle Teilnehmer dieser Ta ung in ihren Organisationen als der Sauerteig wirken werden, und daz alle das Gefühl mit sich nach Hause getragen haben: mochten doch meine Freunde, möchte doch die ganze Innung, ja alle Stände bald Gelegenheit haben »eilzunehmen an solcher Aufbauarbeit im Interesse des Handwerks, der Versittlichung im Wirtschaftsleben und zum besten der deutschen Volkswirtschaft, so wurde Deutschland seinem gewünschten Ostern recht bald nahe ....Das erwachte Selbstvertrauen wi ben gefährdeten Handwerkerstand anspornen, den Nachweis seiner ExistenzberechtiLusp innerhalb der mo= ।
Vllüungsbestrebungen im Handwerk.
Recht häufig hört man das Wort: Ein Volk ist nur bann verloren, wenn es sich selbst aufgibt. Dasselbe Wort gilt auch von den Berufsständen, besonders von einem solchen, dessen Wesensmerkmal darin besteht, daß seine Träger selbständige Einzelpersönlichkeiten sind, die ohne Selbstvertrauen nicht bestehen können. Ein solcher ist das Handwerk.
Es gab eine Zeit, da schien dieser Berufsstand sein Selbstvertrauen und damit seine Existenzgrundlage aufgeben zu wollen. Das war, als die Industrie so plötzlich und in einem solch ungeahnten Umfang aufkam und das Handwerk nach Ansicht der an das Herkommen gewohnten Berufsangehörigen mit völliger Vernichtung bedrohte. Die Zaghaftigkeit ging so wett, daß man sich im Handwerk einer Vogelstraußpolitik überließ und, statt recht kräftig Hand und Hirn zu rühren, Schutz und Gegenmaßnahmen vom Vater Staat erbat Der aber konnte und durste angesichts der ständig wachsenden Bevölkerung den durch die Industrie ermöglichten Fortschrttt in der Güterherstellung *"cht hemmen. So mußte sich das Handwerk den veränderten Verhältniffen wohl oder übel anpas- ten und sich neben dem Großbetrieb einrichten. Er- leichtert wurde es ihm dadurch, daß ihm zur rechten Aeit aus seinen eigenen Reihen hervorragende uutjrer erwuchsen, die den richtigen Weg wiesen, Mmlich den der berufstechnischen und Listigen Ertüchtigung möglichst jedes einzelnen «tandesangehörigen auf dem Boden berufsständi- ,cher Gemeinschaftsarbeit als erste Voraussetzung für Staatsunterstützung, und Hilfe von außen. Zu '7'nem und unseres Gesamtvolkes Glück ist das Handwerk diesen Weg gegangen. Dadurch find “lerer Wirtschaft wertvolle Mitarbeiter bei der . , ,n9 vor allem des örtlichen Güfi-rbedarfs fahr rc Z^lieben, die mit dieser Tätigkeit unge- Unfp ® r Millionen Menschen, das ist ein Sechstel snn Bevölkerung, ernähren. Und unserer fen Gemeinschaft blieben unersetzliche, den schrof- Gljxd-Egensatz von Kapital d Arbeit mildernde ouck b°kLEstchert, die den B- leg zu einer, wenn w-ckem, so doch feil Jnitigen, neue Kräfte
heute ^kistenz ermöglichen. Wie stände es feine eia-„?LL°"dwerk, wenn es sich nicht auf I r°tnanfif*Ie besonnen, sondern, befangen von bas är ' ^en 3been, vom Staate verlangt hätte, mtt feinen Mitteln am Leben erhielte.
Urr ui,.eu Auflage ist ein Prospekt hierüber bei- geiügt, woraui wir unsere i /11 ■uiaaeisea«
Der italienische Staatsmann Nitti bezeichnet den Friedensoertrag von Versailles in seinem neuesten Werk „La Tragedia dell'Europa" als das größte Verbrechen der modernen Völker. Und er fährt fort: „Also hatten wir gegen den Krieg gekämpft, um einen neuen Krieg zu machen, hatten mir die Zerstörung des Militarismus gepredigt, um einen neuen bösartigen Militarismus zu schaffen. Wir hatten gesagt, wir machten den Krieg zur Verteidigung der Demokratie und der Freiheit, um die Fr-iheit und die Demokratie zu unterdrücken!"
Soweit Nitti! Seine Klagen und Feststellungen sind berechtigt. Unter dem Friedensoertrag von Versailles kommt Europa und die ganze Welt nicht zur Ruhe, weil dieser Friede eben ke.n „Friede" ist.
Am 7. Mai 1919 erfolgte die Ueberreichung der Friedensbedingungen an Deutschland. Am 10. Mai 1919 erklärte schon die deutsche Delegation, daß eine Reihe von Bestimmungen des Vertragsentwurfs unerfüllbar feien. In der Note vom 14. Mai an die Friedenskonferenz stellte die deutsche Regierung fest: „Wer diesen Friedensvertrag unterzeichnet, spricht damit das Todesurteil über viele Millionen deutscher Frauen und Kinder aus. „Am 28. Mai überreichte die deutsche Regierung ihre Gegenvorschläge. Diese wurden von den Alliierten unter dem 16. Juni 1919 mit allen wesentlichen Punkten verworfen. Am 22. Juni 1919 beschloß die Nationalversammlung in Weimar mit 237 gegen 138 Stimmen die Genehmigung der Unterzeichnung des Friedensoertrages.
Diese Entscheidung war keine freiwillige. Das deutsche Volk stand wehrlso einer bewaffneten Welt gegenüber. Die Vertragsannahme geschah unter dem Druck der feindlichen Bajonette.
Hätte die deutsche Nationalversammlung damals den Vertrag als eine unsittliche Forderung abge= lehnt, so wäre aller Wahrscheinlichkeit nach der Feind noch am gleichen Tage in Deutschland einmarschiert und kein Mensch kann sagen, wie bann die Entwicklung weiter gegangen märe. Niemand weiß, ob der Feind nicht doch einen Grund gefunden hätte, die Feindseligkeiten wieder zu eröffnen und das Rheinland, Ruhrgebiet und andere Teile Deutschlands dem Schicksal eines zweiten Nordfrankreichs zu unterwerfen. Im Innern aber war Deutschland im Falle der Vertragsablehnung vom Bürgerkrieg und der sozialen Revolution bedroht. Mit der Vertragsannahme bestand weiterhin noch die Möglichkeit, Oberschlesien für Deutschland zu retten. Die von der deutschen Delegation vor der Vertragsonnahme erwirkte Abstimmung in yberschlesien fiel bekanntlich nachher auch zu Gunsten Deutschlands aus; trotzdem wurden wir auch dort durch die Entente im wesentlichen um den Abstimmungserfolg betrogen.
Alles in allem: Niemand hat das Recht, den Abgeordneten, die für die Annahme des Vertrages unter dem drohenden Unheil, das über dem deutschen Volke stand, gestimmt haben, einen Vorwurf zu machen. Sie wählten von zwei Uebeln unter dem Druck der feindlichen Kanonen jenes, das als das kleinere erschien. Es galt, die Reichs- einheiten zu retten, und den Versuch zu unternehmen, den Weltenhaß abzubauen. Am 28. Juni 1919 wurde der Vertrag deutscherseits unterzeichnet.
Fünf Jahre der Sorgen und Entbehrungen, der Enttäuschungen und der Verarmung weitester beuffcher Volkskreise sinb seitdem ins Land gegen» rn! Noch immer kennt das deutsche Volk ke i n en rieben. Die Welt starrt in Waffen, nur Deutschland hat keine! Frankreich hat sich nicht nur bemüht, selbst die stärkste Militärmacht der Welt zu werden, es hat auch das deutsche Volk eingekreist und einen militärischen Ring um uns herum geschlossen. Statt der Heilung der Kriegs- wunden sehen wir überall wirtschaftliche Not, Arbeitslosigkeit, politische Gährungen und wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen. E ur opa tanzt auf einem Vulkan!
Die Verhältnisse von heute müßten nicht unbedingt so sein, wie sie sind. Die planmäßige Agitation in führenden W i r t s ch a f t s k r e i s e n Deutschlands gegen bie Erfüll ungspoli- t i k hat uns im Ausland ungeheuer geschadet und in Deutschland selbst die politische und wirtschaftliche Lage ungemein verschärft.
Der Vertrag von Versailles enthält nicht nur Pflichten für Deutschland, sondern auch Rechte. Die 27 Staaten, die den Vertrag mit uns unterschrieben haben, taten aber nichts oder viel zu wenig, um die deutschen Rechte zu schützen. Sie hatten nur die Entschuldigung bei der Hand, daß Deutschland ja nicht „erfüllen" wolle. So arbeiteten deuffche Wirtschaftskreife und führende Rechtspolitiker mit ihrer agreffioen Haltung dem feindlichen Ausland, wenn auch ungewollt, in die Hände.
Es folgten bie Zeiten der internationalen Konferenzen. Unter dem entscheidenden Druck Frankreichs ging man auf allen Tagungen um das Reparationsproblem herum, wie die Katze um ben heißen Brei. Nach den Beschlüssen von Cannes sollte Deutschland im Jahre 1922 m bar an bie Reparationskommission 750 Millionen
$iinf Jahre Zriedensverlrag
Von Abg. Andre--Stuttgart.
Die Kreöitnot -er Landwirtschaft.
Der Reichstagsadg. Dr. Crone-Münze- br 0 ck hat im Preußischen Landtag zur Kreditnot der deutschen Landwirtschaft Ausführungen gebracht, die geeignet sind, in weitesten Kreisen Beachtung zu finden.
Wir bringen auszugsweise daraus folgendes:
Mangel an Kapital ist nicht allein die Ursache der Kreditnot. Die Kreditkrise in der Landwirtschaft kann nur dann dauernd beseitigt werden, wenn die Rentabilität in der Landwirtschaft wieder hergestellt ist. Wir in der Landwirtschaft beklagen es, daß die Landwirtschaft neben der Bürgschaft, die sie für dieRent em bank übernommen hat, 6 Prozent zuzahlt, während die Rentenmarkkredite durch bie Reichsbank zu 10 Prozent ausgegeben werden, also eine Verteuerung um 16 Prozent eintritt. Vor dem Kriege rechnete man bei Sparkassen mit einer Zinsspanne von % bis 1 Proz., selbst bet kleineren Geschäften Gegen den Zinswucher, wie er in den wetteren Kreditinstanzen betrieben wird, muß man in gesetzlicher und richterlicher Weise oorgehen. Wir sind wohl alle darin einig, daß der Bauer n st a n d von den Renlen- markkredften nicht das bekommen hat, was ihm zusteht. Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine bekämpft jede Friedensstörung innerhalb der landwirtschaftlichen Organisationen. Zu diesem Zweck haben wir dem Landbund eine Gebietsteilung vorgeschlagen. Wir warten daraus, daß seitens des Reichslandbundes unser Angebot angenommen wird. Die Auswinterungs-Kredite sind zu 62 Prozent nach Pommern und Ostpreußen gegangen. Nach unseren Feststellungen ist aber der Bauernbund in Ostpreußen auch nicht entsprechend berücksichtigt. Im Ernährungsministerium hat man mir gesagt, das sei auf Grund der „Statistik" geschehen. Wir verlangen innerhalb des Reichsernährungsministeriums wirtschaftliche Parität, worunter ich verstehe, daß die Beamten einem Drittel aus Süddeutschland, zu einem Drittel aus Westdeutschland und zu einem Drittel aus dem Osten genommen werden. Den einzigen Ministerialdirektor, der den Bauernvereinsorganisationen und dem Bauernstände näher stand, hat man abgebaut. Er war früher der bienftältefte Ministerialdirektor. Die Abbaumöglichkeit schuf man dadurch, daß man die beiden andere» Direktoren vordatierte. Solche Vorkommnisse sind nicht geeignet, das Vertrauen des Bauernstandes im Reichsernährungsministerium zu erhöhen, auch nicht geeignet das Ministerium tn Sudceuischland und Westdeutschland populär zu machen. Es würde unserem Wunsche entsprechen, wenn sich im Reichs- ernährungsministerium einige Herren befänden, die etwas von der Landwirtschaft verstehen. Hinsichtlich der Meliorationskredite haben wir den dringenden Wunsch, daß sie an erster Stelle zur Verbesserung, zur Schaffung und Vergrößerung bäuerlicher Betriebe verwendet werden und daß die Verteilung auf die Provinzen und Länder nach dem vorhandenen Oedland erfolgt, nicht nur an Meliorationsgenossenschaften, sondern auch an Einzellandwirte. Ich bedauere, daß in den letzten Wochen das Reichskabinett auf Veranlassung des Reichswirtschaftsministers — ich weiß nicht, cb der Name Wirtschaftsminister richtig ist oder ob er einseitig Industrie- und Handelsminister ist — sich '.nit der Frage der Erhöhung der Juduftrie- Solle beschäftigt hat, ohne auch der landwirtschaftlichen Zölle zu gedenken.
Rathenau brachte von Wiesbaden ein mit dem französischen Großindustriellen L 0 u che u r geschlossenes Abkommen beim; die deutsche Wirtschaft lehnte solches unter Führung von Stinnes ab. Der Letztere aber ging wenige Wochen darauf das schon erwähnte Lubersac-Abkornrnen ein. Der Unterschied zwischen beiden Abkommen bestand im wesentlichsten darin, daß bei Abkommen Rathenaus das Reich die Zentralinstanz für die Lieferungen blieb, während beim Stinnesabtommen die deutsche Groß- bezw. Schwerindustrie Trägerin des Vertrages war und ein gutes Ge» V to" Ö .W.SmcI? amM-rW-« md d°"h-ffi|chm fltmftm.
kommen auf, nach welchem die deutsche Regie- I * Ziegenhain. Der Polizeiassistent BShm be- rung für die Zahlungen aufzukommen hatte, I fchlagnahmte ein Motorrad, da die beiden
während im übrigen die deutsche Industrie I jugendlichen Fahrer sich nicht genügend ausweisen
nach Gefallen schalten und walten konnte, wie es I konnten. Mittlerweile ist aus Mainz die Nachricht
ihr beliebte. I hier eingetroffen, daß es sich um ein gestohlenes
Nicht vergessen sei, wie gerade auch der ver- Motorrad handelt und die beiden „Motorbesitzer" storbene Abg. Helfferich mit seiner wenig fach- bereits hinter Schloß und Riegel sitzen.
lichen Opposition gegen die Erfüllungspolitik dis * Schwarzenborn. Die Leiche des am zweiten Geschäfte der Schwerindustrie besorgte. I Pfingsttage tn Schwarzenborner Teiche ertrunkenen
M- 6l«f. W-mm-n fielen in sich Rammen, £» 8,fu"ie” «a 8e*‘‘» nate mm3’Säten' ™rr& ni“& S"1' 6 «erbnrg. Am SrnnSla« und Sonnte« legte
Miede/ d n r3t“ r$abcn 6,er unter zahlreicher Beteiligung im großen Hörsaal
xroei fahren1 nhrtPrHfh' “w Dor be§ physikalischen Instituts die diesjährige Haupt- ^lahre nnritifrfipr99Rirrn;fu°Lb h1 rt®S Versammlung des Nniversilätsbundes
im? und schwerster ideeller Marburg. Begrüßungsansprachen hielten der Vor.
?e? t!'ffrn bcS ®o1" sitzende des Bundes, Umversitatsrektor Professor ®t.;
rin’e fSX S&Ä ®nfU?UnÄlt,t.' bei de" Schaefer, Universitätskurator Geh. Oberreg..Rat' 2rckereEnten hoffte ein gutes I Dr. b. Hülsen, sowie der Vertreter der Stadt unb orlok? zu können, hat seinen Banke- I des Kreises. In seinen Ausführungen wies der ° Das deutsche Volk aber mußte viel Kurator auf die Wirksamkeit des Bundes im In-
nfht 9h-b bezahlen. Und noch immer tereffe der Universität bin und hegte die Hoffnung,
Ihr u „x- 6te öu! <*.c Es radikalen I daß dieser im Verein mit der Ratsregierung der hiesigen hi» <=,h>nl hörÖr nid)t .^sen, daß an I Universität zu ihrem 400 jährigen Jubiläum im bie Stelle her Sntereffenpolttif merkliche Staats- I Jahre 1927 weitere bedeutsame wissenschaftliche In« Politik zu treten hat. I ftitute schenken werde. Der Jahresbericht ergab eine
Deren Träger war seither m erster Linie die I Bundesmitgliederzahl von 2500. Nach Erledigung deutsche Zentrumspartei, und deren be- I &et sonstigen geschäftlichen Angelegenheiten folgten rufenfter Wortführer ist der heutige Reichs- I interessante Vorträge über „Kulturpathologische Streff- tangier Marx. Nur auf dem Wege, den der I von Prof. Dr. Sterk, und über „Neue heutige Kanzler weist, wird Deutschland zu einer Ausgrabungen in Kurhesfen", von Professor Sicherung seiner Zukunft kommen. Es ist ein < Dr. Bremer, steiniger Weg, aber der einzige, der zurzeit aufwärts führt. — Durch Arbeit zur Freiheit! Durch Einordnung und Unterordnung gilt es, das Volks- ganje zu retten. Nicht durch einen neuen Krieg, sondern durch die Völkerversöhnung und Derstän- bigung kann Deutschland und Europa noch gerettet werden.
Giesin-Scliuhputz
d»her überall beliebt,