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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

51. Zahrg

Sonntag, 29. Juni 1924

Nr. 150

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Berantwortlich iür di« SLriftteitung: Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der r. Fuldaer «ctiendruckcrei in Fulda. Fernsprecher Rr- 9. s. Bezugspreis für Juni: Postbestellung I.SO.StadtbezngILO Mk.

M Mtt Bot SeiiWlooO".

hoesch bei Herriot.

wtb p a r i s, 28. Juni. (Id.) Unter der Ueber- schrifi »Das Dort hat Deutschland!" schreibt der »Petit Paris":

Diese Worte hat gestern herriot ausgesprochen, als er die Vertreter derfranzösischenPresse empfing. Hierdurch habe er andeuken wollen, daß Frankrdch alles mögliche getan habe, um den Plan Dawes lebensfähig zu gestalten und um eine Aera des europäischen Ausgleichs einzuleitea. Herriot habe gestern den deutschen Botschafter v. tz o e s ch empfangen und sich über den Gegenstand der Unterredung sehr reserviert gezeigt. Das Blatt fragt, ob es sich um die Milikärkontrolle oder um Maßnahmen gehandelt habe, die die deutsche Re­gierung ergreifen wolle, um die Durchführung des Dawes-Planes möglich zu machen. Zweifellos feien die beiden Probleme im einzelnen besprochen wor­den. Ulan erklärt, Hoesch habe eine befriedi­gende Antwort inbezug auf die deutsche Uli- "Mrkontrolle angekündigk. Der deutsche Botschaf- iet hat erklärt, daß die deutschen Behörden, die ihre Zustimmung zum Sachverständigenbericht gaben, die notwendigen Maßnahmen zur Durchführung ergreifen, besonders wenn die interalliierte Konfe­renz von London die Deutschen anhören wollen. Was die Micumverträge anlangt, so glaubt herriot, daß die Erneuerung bis zur Ausführung des Planes Dawes notwendig sei. Herriot habe die Hoffnung ausgesprochen, daß, wenn kein neuer Wi­derstand erfolge, schon E n d e I u l i mit der Durch­führung des Sachverständigen-Planes begonnen werden könne.

Der MermWOlt fBr MlW.

Auch für die heutige französische Regierung be­deutet die Frage der Sicherung Frankreichs, wie übrigens gar nicht anders erwartet werden konnte, fang außerordentlich viel. Diese Dinge sind zwi- chen Herriot und Macdonald besprochen worden und haben auch die grundsätzliche Zustimmung der englischen Regierung gefunden. Nun hat sich Her­riot in einer Unterredung mit dem bekannten Schriftstdler Normann Angell in sehr bemer­kenswerter Weise über die französischen Absichten hinsichtlich dieses Sicherungspaktes ausgesprochen. Danach soll auch Deutschland die Teilnahme in diesen Verträgen mit allen seinen Verpflichtun­gen, aber auch Rechten angeboten werden. Deutsch­land soll nach den Aeußerungen Herriots nicht nur Mitglied des Völkerbundes sein, sondern es soll ihm auch freistehen, sich an einem solchen Pakt gegen­seitiger Garansie zu beteiligen, und es soll auch ihm her Schutz der Gegenseitigkeit durch diesen Pakt zu­gestanden werden. In den Grundlinien kommt übrigens dieser Pakt auf nichts anderes hinaus, als auf den Sicherungsvertrag, den schon die Re­gierung Cuno der sianzösischen Regierung ange­boten hatte. Bemerkenswert ist noch die Aeuße- rung Herriots, daß General Rollet bereit sei, den Grundsatz des Einschlusses Deutschlands in den Pakt Hu unterstützen.

Die Rückkehr der vertriebenen.

Wie Havas aus Düsseldorf meldet, hat General Degoutte Vorkehrungen getroffen, um die Rück­kehr sämtlicher aus der sianzösischen Zone des Ruhrgebiets u. dem Brückenkopf von Köln Aus­gewiesenen bis auf einige Ausnahmen zu ermög­lichen, da die französische Regierung, um in beru­higendem Sinne zu wirken, beschlossen habe, den aus dem besetzten Gebiet seit dem 11. Januar 1923 ausgewiesenen Personen gegenüber weitgehende Gnadenmaßnahmen zu treffen. Diese Ent­scheidung sei am 27. Juni den Beteiligten mitgetsilt worden. Des weiteren seien Strafeinstellun- gen zugunsten der wegen Teilnahme am passiven Widerstand Verurteilten an geordnet worden, denen binnen kurzem die endgülsige Begnadigung folgen werde.

Deutscher Reich.

* Bewertung des landwirtschaftlichen Grund­vermögens. Von der Zentrumssiaktion des Reichstages (Fehrenbach und Genossen) ist folgen­der Antrag beim Reichstage eingegangen: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, zur Bewertung des landwsitfchaftlichen Grundvermögens für die Vermögenssteuer, möglichst noch für die Steuer 1924, für eine ein­heitliche und gerechte Bildung der Ertragstiaffen und die Einreihung dec Grundstücke in diesen Klaffen, sowie für eine dem Rückgang des landwirtschaftlichen Ertrags eut- fprechende Herabsetzung der Rahmensätze geeignete Maßnahmen zu treffen, und mit denjenigen Län­dern, welche eine Steuer nach dem Grundvermö- ten erheben, Verhandlungen zwecks gleichmäßiger Veranlagung herbeizuführen.

Thüringer Landtag.

Im Landtag in Weimar werden gegenwärtig die Gesetze über Ausgemeindungen beraten. Die Regierungsparteien vertreten den Standpunkt, daß den Gesuchen um Ausgemeindungen immer statt zu geben ist, wenn der überwiegende Wille der Bevölkerung die Rückgängigmachung der Zwangseingemeindungen es verlangt. Bezüglich des Beamtenabbaus sollen die vorgesehenen Einspruchsfristen der Beamten voraus, sichtlich verlängert werden. Die Regierung hat die schwierige Aufgabe, die durch die Greisiche Schulpolitik entstandenen Auswüchse zu beseitigen. Weiterhin wurden die Notgesetze über das Schulwesen und die neue Ver- •cbmma über Berufsschulen berate-

Vie Micum-Verträge.

Zu den am 28. Ium beginnenden Verhandlungen der Industrie mit der Micum erfährt die ,Deutsche BergwerkSzeitung^, daß eine Einwilligung der deutschen Werkleiter in die Verlängerung der Micum- verträge gänzlich ausgeschlossen sei. Die Werke hätten ihre letzten Kredite verbraucht. Zur weiteren Verwirtschaftung des Restes der ihnen an­vertrauten Kapitalien könnten die industriellen Führer unmöglich die Hand bieten. Die Verantwortung dafür, was aus dieser Situation entstehen werde, falle den Regierungen zu, da lediglich durch Verhandlungen zwischen verdeutschen und der sianzösichen Regierung eine für die Industrie tragbare Regelung an die Stelle der Micumverträge treten könne.

Herriot hat eine solche Verhandlung von Re­gierung zu Regierung in verbindlicher Form, aber eindeutig zur Zeit abgelehnt.

Such Australien rüstet.

wtb Melbourne, 28. Juni. (Tel.) 3m Re­präsentantenhaus brachte der Ministerpräsident eine Vorlage betreffend den Ausbon der Verteidi- gungsmitkel ein, wonach 2 Millionen Pfund Ster­ling für den Bau von zwei Kreuzern von 10 000 Tonnen, eine halbe Million für die Reserve-Ver­teidigung bewilligt werden sollen. Ein Kreuzer soll sofort in England gebaut werden.

Eine Gedenktafel.

Die sozialdemokratischen Abgy. Sollmann und Lobe haben laut ,Vorwärts^ im Reichstag bean­tragt, zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Mitglieder des Reichstags Ludwig Frank und Hans von Meding und an die ermordeten Reichs­minister Erzberger und Rathenau eine Erin­nerungstafel an würdiger Stelle im Innern des Reichstagsgebäudes zu schaffen.

muflolini und »er tote Matte»«.

Die Gegner des Faszismus in Italien nehmen die Ermordung des sozialistischen Führers Matteotti zum Anlaß weiterer Demonstrationen. Ueberall finden Trauerfeiern statt.

In den Oppositionszeitung wird betont, daß die Opposition nicht eher wieder an den Arbeiten der Kammer teilnehmen wird, als bis die Na t i o n a l - milizabge schafft und Recht sowie Gesetz und Ordnung wieder im Lande herrscht. Indirekt ver­langt die Opposition auch den Rücktritt Mus­solinis dadurch, daß sie ihn als Ministerpräsiden­ten und Minister des Innern politisch und parla­mentarisch für den Mord und für den Vorfall in erster Linie ausdrücklich verantwortlich macht, und ihm alles Vertrauen abspricht. Die Opposition will sich selbst nicht an der neuen Regierung beteiligen, sondern überläßt es den Faszisten, Nationalisten und Rechtsliberalen, eine neue Regierung zu bilden mit solchen Personen, die sticht kompromittiert sind. Die Opposition meint, daß auch schon aus Rücksicht auf die Verhandlungen mit dem Auslands Mussolini zurücktreten muffe. Sogar eine Umbildung des Mi­nisteriums wird ihm kaum gelingen können. Da­gegen versichert man in regierungsfreundlichen Krei­sen, daß, wenn Muffolini nach der Umbildung feines Kabinetts die Kammer bis zum November in die Ferien schickt und inzwischen der Nasionalmiliz ihren Parteicharakter nimmt und für Recht und Ordnung sorgt, die P o p o l a r t, die bedeutendste Partei der Opposition, es nicht wagen wird, den Arbeiten der Kammer fernzubleiben.

* I« Bayer« sind die Mitte und die Rechte wieder einig geworden. Das endgültige Kabinett Held dürfte sich nach der »München-Augsburger Abendztg.' folgendermaßen zusammensetzen: Dr. Held Ministerpräsident und Minister des Aeußern, Dr. Stütze! Innenminister, Dr. Matt Kultusminister, Gürtner Jnstizminister, Dr. Krausneck Finanz­minister, Dr. von Memel HandelSminister, Königs- bauer Sozialminister und Dr. Fehr Landwirtschafts­minister. ____________

Kurland.

* Das britische Geschwader in den griechischen GewSffer«. Die griechische Presse legt dem Besuch des britischen Geschwaders in den griechischen Ge­wässern große Bedeutung bei. Bei der Ankunft wurde es am Kap Sunium von einem griechischen Flugzeuggeschwader begrüßt. Vor den Phaloren tauschte die Flottenabteilung mit dem griechischen Flaggenschiff „Avcroff" und drei Zerstörern den Salut aus. Der britische Admiral stattete dem Präsi­denten der Republik einen Besuch ab.

wirtschasttsragen.

— Dar Ergebnis der Textil - Enquete Nach dem nunmehr vorliegenden Bericht des Reichswirtschaftsrats über die von ihm veranstaltete Textilenquete neigt die eingesetzte Untersuchungskommission auf Grund der Ergebnisse ihrer bisherigen Feststellungen zu der Auf­fassung, daß die Preisstelgerung von Textilien vor allem auf die allgemeinen und in den deutschen Verhältnissen liegenden besonderen VerteuerungSfaktoren zurückgeführt werden mühten. Der wichtigste Der» teuerungsfaktor sei der in die Höhe gegangene Roh. st o f fp r e i s. Ein weiterer preissteigernder Faktor seien die S t e u e r n. Von den Textilwirtschaftssachverständigen wurden ine Zunahme der Bankzinsen und die nicht vollständige Ausnutzung der Betriebe als Preis- steigerungSsaktor ersten Ranges bezeichnet.

* Wieder zwei Opfer. Auf bei Fahrt von Lübeck nach Travem'ünve überschlug sich ein Automobil. Die Insassen, zwei Damen, gerieten unter das Auto­mobil und wurden schwer verletzt. Der Chauffeur erlitt nur Hautabschürfungen. *

Ueberall hader und Streit

In den Gemeindeverkretungen.

Zu dem Konflikt zwischen den bürgerlichen Fraktionen der Berliner Stadtverordnetenver­sammlung und dem sozialdemokratischen Stadt- verordnetenvorsteher Haß teilt die „Voss. Ztg." mit, daß Oberbürgermeister Böß nach Schluß der Stadtverordnetensitzung eine Besprechung mit den Fraktionsführern hatte. Er ist offensichtlich bemüht, den Konflikt durch einen Vergleich bei­zulegen. Ein Mitglied der rechtsstehenden Rat­hausfraktion erklärte dem „Lokalanzeiger", daß alle bürgerlichen Parteien fest entschlossen seien, nicht mehr unter dem Vorsitze des jetzigen Stadt­verordnetenvorstehers an den Verhandlungen teil­zunehmen. Die deutschnationale Fraktion wünsche, daß baldigst Neuwahlen der Stadtver- o r d n e t en ftattfinben.

Einer Blättermeldung aus Hannover zu­folge kam es in der Sitzung der städtischen Kolle­gien zu einem heftigen Zusammen st oß zwischen Kommuni st en und Soziali- st e n, der zu einer regelrechten Schlägerei ausartete. Man bewarf sich mit Akten, ging mit Stühlen auseinander los, boxte und ohrfeigte sich. Oberbürgermeister Leinert rief Schutzpolizei herbei, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Sitzung mußte schließlich vertagt werden, da eine ruhige Fortführung der Debatte nicht möglich war.

*

Wie der „Vorwärts" aus München meldet, ist der in der Oberpfalz als Kommunist gewählte Abg. E n d e r l e, der seinen Uebertritt zur sozialdemo­kratischen Partei vollzogen hat, nunmehr a l s Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion aufgenommen worden, wodurch diese jetzt 24 Abgeordnete zählt und die zweitstärkste Fraktion ist. Sie wird unter Berufung auf diese Tatsache und unter Hinweis auf einen Präzedenz­fall den Antrag auf Neuwahl des Land- tagspräfidiums stellen. Bisher galt der Völkische Block als zweitstärkste Fraktion und war dementsprechend im Landtag vertreten.

3m Schmollwinkel.

Die Deutschn ationalen empfinden, wie man uns aus dem Reichstag schreibt, ihre Isolie­rung, in die sie sich nach den Vorgängen bei der letzten Regierungsbildung s e l b st hineinmanövriert haben, .tsoebgerabe doch sehr schmerzlich. -Sie-glau­ben ihrem Tatendrang dadurch Ausdruck geben zu müssen, daß sie nicht nur mit einer Fülle sehr stark demagogisch gehaltener Anttäge an den Reichstag herantreten, sondern auch dadurch, daß sie den Ar­beiten des Reichstags erhebliche Schwierigkei­ten bereiten. So hatten sie jetzt sich der bisher immer zulässigen und praktisch durchgeführten Ver­bindung der zweiten mit der dritten Lesung wider­setzt, sie beharren auf der Innehaltung der Frist und verzögern damit die Tätigkeit. Daß sie damit den aus ihren eigenen Reihen stammenden Reich- tagspräsidenten die Arbeit erschweren, stört sie offenbar dabei recht wenig, wenn nur dem Reichstag die Stärke ihrer Fraktion immer wieder zu Gemüte geführt wird.

BWMMkrii.esiiWM-emilg»M».

In Leipzig fand wieder einmal ein Prozeß vor dem Staatgerichtshof statt, der zu denken geben sollte. Dort wurden wegen versuchten Hochverrats und Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz die Angeklagten Bau zu sieben Jahren Zuchthaus und sieben Jahren Ehrverlust, Rullmann, Hielle und Metzger zu je sechs Jahren Zuchthaus und je sechs Jahren Ehrverlust verurteilt.

In der Begründung des Urteils heißt es: An­fang vorigen Jahres herrschte unter den sogen, nationalen Verbänden und anderen Gruppen der deutschen Bevölkerung darin Einigkeit, daß es An­fang 1923 zu einer allgemeinensogenann- ten nationalen Erhebung kommen sollte, um die Republik zu stürzen. Diese Pläne wurden auch von den Angehörigen des Blücher- bunbes verfolgt, der seinen Sitz in München hat und an dessen Spitze der Regierungs­baumeister Schäfer stand. Von München liefen die Fäden zur Untergruppe Frank­furt a. M. Es wurden Anweisungen gegeben, sich für München akttonsfähig zu machen. Als Stichwort galt das Wort „Stiftungsfest". Den Angeklagten Bau, Rullmann und Hielle ging die Sache zu langsam. Sie wollten die Aktion selbst in die Hand nehmen und planten deshalb ein Unternehmen in der Weise, daß sie zuerst drei Synagogen in die Luft sprengen woll­ten, um hiermit das Signal zu einem allgemeinen Ausstand zu sehen. Diesen Plan faßten sie in durchaus ernster Weise und legten ihn auch schriftlich nieder. Als sie das dazu gehörige Waffenmaterial in München nicht erhalten konn­ten, weil die Angelegenheit dort noch nicht spruch­reif war, faßten sie den Entschluß, sich die Waf­fe n von den Franzosen zu besorgen, denen sie die Sache dadurch mundgerecht machten, daß sie ihnen sagten, sie seien nicht für ein einheitliches Deutschland, sondern wollt n ein bayerisches König- htm errichten. Bau un'u Rullmann waren die Hauptmacher, während Hielle und Metzger voll­ständig in die Pläne eingeweiht waren.

' Größer als die Peterskirche. Am 1. Juli wirb der erste Teil der Liverpooler Kathedrale in Gegenwart des Königs eingeweiht. Der Grundstein wurde 1904 gelegt. Die Kathedrale wird bei ihrer Vollendung 619 Fuß messen, also 5 Fuß mehr als bte Beterskirche in Rom.

Die Frage der Auswertung im Reichstag.

Son unserem parlamentarischen Mitarbeiter.

Die Aufwertungsfrage ist erneut im Reichstag aufgerollt. Welch weitgehende Erwartungen an ein Ergebnis der bevorstehenden Erörterungen ge­knüpft werden, ergibt sich aus der Bewegung an der Börse, wo wir gegenwärtig eine Hausse in den fünfprozentigen Reichsanleihen, in den sogenannten Kriegsanleihen erleben. Wenn man ober von der Börse sagt, daß sie mit ihrem „Gefühl" kommende Entwicklungen vorweg nehme, dann sind wir allerdings der Auffassung, daß das bei den jetzigen Vorgängen der Fall ist. Wir hätten garnichts dagegen, wenn dann die Spekulanten von heute eines Tages kräftig in der Tinte säßen. Uebrigens haben sie, was man ihnen nur gönnen kann,, auch jetzt teilweise schon recht grausam Haare lassen müssen.

Die in der dritten Steuernotverordnung gere­gelte Aufwertung konnte von Anfang an nur als eine sehr schematische und durchaus provisorische angesehen werden. Bezüglich der öffentlicher An­leihen hat sich das Reich damals auf den Stand­punkt gestellt, daß eine Aufwertung vor Erledi­gung der Reparationsfrage nicht in Betracht kom­men könne. Das galt auch hinsichtlich der Auf­nahme des Zinsendienstes. Tatsächlich würde eine andere Stellungnahme die Regelung der Repara- tionsfrage selber ungemein erschwert, wenn nicht vollständig unmöglich gemacht haben.

Im Reichstag wird die Aufwertungsfrage wohl nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Indessen müssen diese ungemein verwickelten Dinge im engeren Kreise, also in dem zur ‘Beratung all dieser Probleme eigens geschaffenen Ausschuß zur Erörterung gestellt werden. Es scheint in Bör­senkreisen durchgedrungen zu sein, daß der ernstliche Plan erwogen wird, diese Anleihen in den Rahmen einer großen einheitlichen Regelung des künftigen Änleihesystems überhaupt zu stellen. Das wäre nur in der Form zu machen, daß für eine späterhin auszugebende Anleihe die Stücke der alten Anleihe in einem bestimmten Verhältnis zum U m- tausch angenommen würden. Dieses Umtausch­verhältnis, ob es nun 10 oder 20 :1 ober anders lauten würde, käme bann naturgemäß auch auf bie Zusammenlegung bes noch vorhandenen Anleihe­kapitals hinaus, würde aber in j e b e r Form einer Aufwertung ber alten Anleihen tatsächlich gleich- kommen. Und dieser Gesichtspunkt scheint auch die Anregung für die Vorgänge an der Börse gegeben zu haben.

Ader man muß sich klar braüber fein, daß auch eine solche Regelung gar nicht denkbar wäre vor völliger Klarheit über bie Regelung ber Repa­rationsfrage unb bamit vor einem übersichtlichen Ueberblick über bie kommenden Verbindlichkeiten des Reiches aus Anlaß dieser Reparationsverpflich­tungen. Zum zweiten müßte unbedingt Vorsorge dafür getroffen werden, daß zum Umtausch nur solche Stücke angenommen werden dürfen, die nach­weislich aus Händen der ursprünglichen Zeichner stammen. Die spekulativ erworbenen Stücke ber alten Anleihen dürften dieser Vergünstigung nicht teilhaftig werden.

Die „Meinen“ Amtsgerichte.

Bei den Verhandlungen des Justizetats rim Preußischen Landtag gab Justizminister Dr. am Z e h n h v f f folgende Erklärung ab:

Es gibt in Preußen sog. kleinere Amtsgerichte und zwar sowohl solche, die nur mit einem Richter besetzt sind, als auch solche mit mehreren Richtern, bei denen die Geschäftslast für die vorhandenen Richter zu klein ist, ohne daß jedoch eine volle Richterstelle einaesvart werden könnte. Ich habe unter dem Druck der Finanzlage des Staates Ende vorigen Jahres durch die Provinzialbebör- den eine Liste derjenigen Amtsgerichte aufstellen lasen, deren Aufhebung ober Bezirksverkleinerung finanzielle Ersparnisse versprechen konnte. Bei Gelegenheit von Dienstreisen in anderen Sachen ist dann diese Liste mit den Oberlandesgerichtspräsidenten und den Generalstaats­anwälten zunächst unter dem Gesichtspunkt erörtert worden, daß nur diejenigen Gerichte ins Auge zu fassen feien, deren Aufhebung nicht mtt beachtlichen Interessen der Rechtspflege oder der Allgemeinheit in Widerfprnch steht. Dabei hat sich die Zahl der in Betracht kommenden Gerichte stark verringert, lieber die Ersparnisse, die die Aushebung oder Verkleinerung der übrig gebliebenen verspricht, habe ich demnächst von den Provinzialbehör­den genauere Berechnungen eingefordert. Die Prüfung dieser Berechnungen ist noch nicht abgeschlossen. Ich beabsichtige, diejenigen Fälle, bei denen das finanzielle Interesse des Staates an der Aufhebung ober Verklei­nerung offensichtlich fein faßte, mit den Oberlandes­gerichtspräsidenten und den Generalstaatsanwälten erneut zu erörtern und dabei insbesondere eingehend zu prüfen, ob nicht gegenüber dem finanziellen Interesse des Staa­tes dringliche Gründe vorsiegen, die die Aufrechterhal­tung des bestehenden Zustandes notwendig erscheinen las­sen. Bevor die bann noch verbleibenden Fälle dem Landtag zur Entscheidung vorgelegt werden, werden alle beteiligten Stellen, insbesondere auch die örtlichen Ver­waltungsbehörden und die beteiligten Gemeinden, Ge­legenheit zur Stellungnahme erhalten. Cs wird so allen berechtigten Interessen Rechnung getragen werden.

katholische wett.

— Die deutsche Anteilnahme an dem „Heiligen Iahr' in Rom. Vielfachen, aus Deutschland kommenden Wün­schen entsprechend, hat sich unter dem Vorsitz des Kon­solators der Deutschen Botschaft beim Vcstikan, Prälat Steinmann, des Rektors im Camposanto Prälat David und des bekannten Paters Kassiepe ein deutscher Ausschuß für das Jubiläumsjahr ge­bildet, zwecks Fürsorge für die während des „anno fanto* nach Rom kommenden Deutschen. Dadurch, daß dieser Ausschuß nicht nur Pilgerzüqe, die sich an ihn wenden, sondern auch einzeln ober in Gruppen reisende Deutschen betreuen will, füllt er eine schmerzlich empfun­dene Lücke aus. Anschriften sind zu richten an: Deut­schen Ausschuß für das Jubiläumsjahr, Rom, Borgo Vecchio Teleaxamm-Adrelle: Dafi, Rom.