Die Lage im Frankfurt-Hanan-Fuldaer Wirtschaftsgebiet
Generaldirektor
Die Spezialllrma |ür Qualitätsware.
Bad Salzschlirf.
Fulda.
ßenmg der Mittel erreicht werden.
I n d u st r i e.
Landsberg berichtet fettens der
Bewertung liegt eine Importprämie, gegen welche die Reichsbank berechticherweife Maßnahmen treffen muß e. Nach Ansicht des Redners schütze sich die Reichsbank am besten gegen unberechtigte Kreditnahme durch eine Anpassung des Reichsbank-Diskonts an die Zinssätze des freien Geldmarktes. Die herrschenden hohen Zinssätze seien natürlich Folgen der starken Nachfrage nach Kredit und des geringen Angebots. Erft allmählich könne hier Wandel eintreten. Solange auf dem Kreditmarkt diese Verhältnisse obwalten, könne das Bankfach, das ja lediglich Vermittler fei, nicht zur Milderung der Krise durch Verbilligung der Kredite beitragen. Cs müsse unbedingt das Personalrffiko angesichts der allgemeinen Verarmung berücksichtigen, wohl aber könne es durch Erhöhung der Haben-Ansen mehr als seither auch kleinere ersparte Summen der Wirtschaft dienstbar machen. Vielleicht könnten, um das Sparkapital heranzuziehen, für Deutschland neue Formen gesunden werden, z. B. die der „kon- »ertibten Bonds". Wichtig sei die Erkenntnis, daß die
Industrie. Die Lage der gesamten deutschen Industrie ist zurzeit sehr trübe und durch die Krediteinschränkungen der Banken, insbesondere der Reichsbank, äußerst schwierig. Während noch vor wenigen Wochen Bedürfnis, nach industriellen Produkten bestand, die Industrie somit genügend Beschäftigung haste, herrscht setzt große Geschäftsstille. Der Kleinhändler, der nicht in der Lage ist, sich die nötigen Kredite zu verschaffen, muß daher erteitte Aufträge annullieren und fütteren; neue Aufträge kann er überhaupt nicht erteilen. Dadurch wird selbstverständlich die Fertigwaren-Jndustrie ihrerseits veranlaßt, sich der Halbzeug-Industrie gegenüber ähnlich zu verhallen. Der Export liegt fast völlig darnieder und beträgt im allgemeinen nicht mehr als 10—15 Prozent des gesamten Umsatzes. Um den Export zu heben, bedarf es einer erheblichen Herabsetzung der riesigen Steuerlasten, der viel zu hohen Zinsen, der Kohlenpreise und der Frachten, deren Höhe fast das Doppelle der Vorkriegszeit beträgst. Auch die Löhne sind teilroeife höher als im Frie-
gen betreffen. „ . , _ ..
Im Anschluß hieran berichtete Kommerzienrat Beit von Speyer über feine Erfahrungen bei einem mehrmonatigen Besuch in den Vereinigten Staaten, von dem er soeben zurückgekommen ist. Er betonte, daß die Amerikaner dem Sachverständigen-Gutachten ganz hervorragende Bedeutung beilenten, und daß dessen alsbaldige Annahme und Durchführung dringend notwendig sei, da andernfalls eine internastonal sehr ungünstige Stimmung gegen Deutschland enffteben dürfte. Ob die in dem Gutachten Deutschland auferleoten Lasten auf die Dauer tragbar seien, wolle er allerdings nicht beurteilen. Was
die amerikanischen Kreditmöglichkeiten beträfe, so bemerkte er, daß man Rembourskredit, d. h. kurzfristigen Kredit, zurzeit genügend erhalten könne. Für langfristige Kredite seien dagegen die Vereinigten Staaten noch nickst offen, weil immer noch ein starkes Mißtrauen gegen die Stabilität unserer Währung und Wirtschaft' bestehe. Dies werde sich voraussichtlich erst ändern nach Errichtung der Goldemiffionsbank. Im übrigen dürfe man bei der ganzen Frage der Kreditgewährung nicht vergesien, d«ß Deutschland außerordentlich verarmt sei und daß derjenige, der _um soviel ärmer geworden ist als vor dem Krieg, natürlich auch nur einen entsprechend ge» ,.eren Kredit erhallen könne.
Zeit würden die Preffe noch »etter sinken Mst dem Einkauf wftd zurückgehalten noch über das Maß hinaus, das durch die mangelnde Kaufkraft der Bevölkerung de- dingt ist. Leider muß festgestellt werden, daß auch die noch zakstungskrästige Kundschaft außerordentlich lässig ihren Verpflichtungen nachkommt. Das B o r g u n w e s en ist in bedrohlicher Weise wieder eingenffen
In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß me schlechte Lage besonders verschärft würde durch die laxe Auffassung der Zahlungsverpflichtungen. Es wurde angeregt, wenn die nötigen Barmittel mckstzur Verfügung ständen, wenigstens Akzepte zu Geben, damit der Verkäufer sich durch deren Diskontierung Geld verschaffen könne. Als günstiges Moment wurde hervorgehoben, daß Frankfurt durch den Zusammenbruch bisher weniger in Mitleidenschaft gezogen sei wie andere Platze. Im Amtsgericht Frankfurt a M. liegen überhaupt nur zwei Fälle von Geschäftsauffichten vor. die kleine Unternehmun-
tien. Dazu kommt, daß behördliche Maßnahmen und | das komplizierte Steuersystem unproduktive Arbei strafte m Anspruch nehmen. Trotz emes erheblichen Abbaues der Angestellten fft das Verwaltungspersonal m vielen Betrieben noch doppelt so hoch wie früher, me durchgreifende Aenderung dieser wenig aussichtsreichen tmge wird erst durch Annahme und Durchführung des Sach- verständigen- Gutachtens zu erwarten,kem, weil es die Möglichkeit in sich birgt, das mangelnde inländische Kapital durch ausländische Kredite zu effetzen.
Großhandel.
Der Großhandel beftndet sich zurzeit in einer ärgerst schwierigen Lage, die durch Geldmangel und Kreditnot gekennzeichnet ist. Bei sämtlichen Branchen sind die Klagen die gleichen und die Abnehmer kommen m den wenigsten Fällen ihren Zahlungsverpflichtungen rechtzeitig nach. Selbst große und größte Kunden scheuen sich nicht, rechtzeitige Zahlungen zu verweigern, mit dem Hinweis dar- aus," daß sie ihrerseits von ihren Abnehmern völlig nn Stich gelaßen würden. Verzugszinsen werden abgelehnt mit der Warnung, die Geschäftsverbindung zu losen. Aist einer Besserung der Verhältnisse ist erst dann zu rechnen, wenn Industrie und Handel durch ausländische Kredite wieder Erleichterung erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt werden noch viele Schwierigkeiten zu überwinden fein unü eine Einschränkung der Geschäfte auf der ganzen Linie wird sich nicht umgehen lassen. Außer diesen bereits erwähnten Gesichtspunkten spielt die abnorme Steuer, b eia ft uns der Betriebe eine ausschlaggebende Rolle, die ein Rentieren der meisten Geschäfte unmöglich machen. Die Umsatzsteuer fällt feljr stark ms Gewicht, dazu die Gewerbesteuer und die Steuern auf Grundbesitz (Grund- vermögenssteuer und Hauszinssteuers. Wenn Staat und Kommunen in dieser Weise fort fahren, das Gewerbe zu belasten, so muß mit den schwerwiegendsten Folgen gerechnet werden, denn es wird in aller Kürze niemand mehr in der Lage sein, die angeforderten Beträge zu bezahlen, die zusammen mit den übrigen Erschwerungen des Geschäfts den völligen Rum des Großhandels herbeiführen müssen.
Einzelhandel.
Die Lage des Einzelhandels ist. wie der Berichterstatter, W. Ho f m a n n-Bang, ausführlich darlegt, womöglich noch bedrohlicher als bei den Banken, der Industrie und dem Großhandel. Als Puffer zwischen dem Erzeuger und dem Großhandel einer- und dem Verbraucher andererseits, verspürt er naturgemäß die Röte der Zeit am schärfsten. Er kann trotz besten Willens seinen Ver- pftichtungen nicht voll gerecht werden, da der Verkauf stockt und kein Geld bei ihm eingeht. Um den Verkauf zu fördern, wird zu den ä u ß e r st e n Preisen angeboten und der Wettbewerb durch gegenseiffge Unterbietung hat bereits schärfste Formen angenommen. Die dauernden Unterbietungen der Preise bei diesen Notverkäufen verschlechtere aber noch weiter die Lage, da dadurch der Glaube bei dem Verbraucher erweckt wird, in absehbarer
von der Industrie- und Handelskammer wird uns irttpeteitt:
Die Not. die unser gesamtes Wirtschaftsleben bedrängt, veranlaßte die Industrie- und Handelskammer Frankfurt-Hanau, im Kreise ihrer Mitglieder eine Aussprache über die Lage von Handel und Industrie in ihrem Bezirk herbeizuführen. Für all« Gewerbezweige ausnahmslos ergab sich das Gleiche: Fast völliges Ai», bleiben der Aufträge, zögernde Abnahme der früheren Abschlüffe, fein Geld für Rohstoffbeschaffung. nicht ausreichende Mittel für Lohnzahlung, keine Kredite oder nur kurzfristige bei unerschwinglichen Zinsen, keine Möglichkeit, den Betrieb durch volle Beschäftigung rationell auszunutzen, geschweige denn Betriebsverbesserungen zu schaffen, stetige Abnahme der Kaufkraft der gesamten Bevölkerung, erdrückende Steuern.
Banken.
lieber die Lage ttn Bankgewerbe berichtet Bankier Leopold M e r z b a ch. Das Vermögen der Banken und Bankiers ist in "der Inflationszeit mehr noch als in anderen Gewerben ziffammengeschmolzen. Deoisen-An- sammlung in größerem Maße hat die Gesetzgebung verhindert. Bei Kreditgaben mußte entweder schlechtes gegen hergegebenes gutes (8erb zurückgenommen werden oder aber war bei stabiler deutscher Währung dem Schuldner die Rückzahlung unmöglich .Dabei wird dem Bankier der Vorwurf des Wuchers gemacht, wenn er notgedrungen ein entsprechendes Geldentwertungsrisiko einkalkuliert. Von allen ins Bankfach gehörigen Gütern sind als Sachanlagen lediglich die Akffen übriggeblieben. Bei ihrer ttn Verhältnis zu den Waten durch den allgemeinen Verkaufsandrang heute außerordentlich niedrigen Bewertung, fft das Vermögen der Bankiers gegenwärtig dezimiert. Die überspannt hohe, noch nicht genügend reduzierte Börsennmsatzsteuer hat notwendigerweise die Umsätze auf ein Minimum zurückgeführt. Die Frankfurter Börse ist insbesondere durch den in den Verhältnissen begründeten Fortfall der internationalen Effektenarbitrage geschädigt. Deswegen wird die Börsenbesuchsteuer (Kopfsteuer) als bittere Ironie empfunden. Infolge der allgemeinen Verarmung sind Depositen und Antagegelder außerordentlich vermindert. Das Bankfach leidet mittelbar unter den allgemein zu beobachtenden Der- lüften, und auch mehr noch als alle anderen Gewerbe an der Ende 1923 statt gefundenen extremen Aenderung der staatlichen Geldpolitik. Wenn die Valuta nahezu stabilisiert werden konnte, so hat die durch Kredfteinfchrän- kung erzwungene Realisation des zweifellos vorhanden gewesenen großen deuffchen Devffen-Besitzes chrerseits hier, zu beigetragen.
Die Kehrseite fft aber, daß der deutsche DaSutenstand nur noch gering ist. Die Beschäftigung der Industrie während der Inflationszeit fft durch die in der Differenz zwischen höherer innerer und niedrigerer äußerer Bewertung der Mark siegende Exportprämie begün- ftiflt worden. In der nunmehr geltenden mngekehrten
Krise nicht in der Valutastabilisierung, sondern in dem nunmehr 10 Jahre dauernden und immer steigenden Substanzschwund ihre Wmzel habe. Für die geschilderte Lage gebe es nur eine Möglichkeit der Besserung: möglichst schleunige Verwirklichung der Sachverständigenvorschläge, gegen die zwar vielfache, hier nicht erörterbare Einwendungen zu erheben feien, die aber die untragbaren Lasten der Micumoertröge abstellten und für die Uebergangszett eine Ausländsanleihe oorföhen. Diese allein könne Staat und Wirtschaft über die allernächst« Zeit hinweghelfen. Dieser osstziellen Anleihe würden sicher mit Wiederkehr des Vertrauens aus» ländische private Kredit gaben folgen. Nur dadurch könnte dann die für die Gesamtwirtschaft notwendige Vergrö- und Verbilligung des Geldleihwertes
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Dienstag, den 1. Juli, nachmittags 5 Uhr, findet in der Harmonie zu Fulda die diesjährige tarMerWiw statt.
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