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fir. 149

Samstag, 2S. Ium 1924

51. Zahrg

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Verantwortlich iür die SchEIeitung: De. Johannes Kramer. Anzeigen! I. $ ar,eilet, Fulda. Rotationsdruck und Setlaa bet » Fuldaer «ctiendruckerei in Fulda. Fernsdrechet Nr- 9. «

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Glntelngmmet um «MU. MmekM

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Die MM Ser Wgetoiefeien.

Eine amtliche deutsche Mitteilung.

Amtlich wird mitgeteilt: Der französische Mi­nisterpräsident hat die deutsche Reichsregierung amt­lich davon in Kenntnis gefetzt, daß die in der französischen Kammer abgegebenen Erklärungen über dieFreilassungenderGefangenen und die Wiederzulassung der Ausge­wiesenen bereits durch entsprechende Weisungen an die französischen Besatzungsbehörden in die Tat umgesetzt worden sind. Wie die Meldungen aus dem besetzten Gebiet bestätigen, sind diese Weisun­gen schon seit einigen Tagen in der Durchfüh­rung begriffen. Bisher ist schon für den französi­schen Besatzungsabschnitt des altbesetzten Gebietes 7500 Familien, also etwa 30 000 Personen, die Rück­kehrerlaubnis erteilt worden. Am 25. Juni hat nun die Rheinlandkommission die Aufhebung wei­terer Ausweisungen aus dem altbesetzten Gebiet in etwa gleichem Umfange beschlossen, sodaß im ganzen etwa 15 000 Familien bezw. 60 000 Personen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht ist. Gleiche Maßnahmen sollen für das neubesetzte Gebiet ergehen.

Sonach ist damit zu rechnen, daß in kürzester Frist dem größten Teil der Ausgewiesenen die Rückkehr ermöglicht und der Mehrzahl der Gefangenen aus der Zeit des Ruhrkampfse die Freiheit wiedergegeben wird. Früher sind bereits auch die deutschen Gefangenen aus St. Martin-de- Ree und anderen französischen Strafanstalten gemäß der Zusage der französischen Regierung in Gefäng­nisse des besetzten Gebiets zurückgeführt worden. Unsere Wünsche in dieser dem deutschen Volk und der deutschen Regierung so sehr am Herzen liegen­den Angelegenheit sind durch die Initiative der Re­gierung des Herrn Herriot ihrer Verwirklichung einen erheblichen Schritt nähergerückt. Möge das Echo, das dieser den französischen Verständigungs­willen bekennende Entschluß in Deutschland finden wird, mit dazu beitragen, daß auch die jetzt noch bestehenden Ausnahmen baldigst aufgehoben und damit sämtliche Gefangenen und Ausgewiese­nen der Freiheit und der Heimat wiedergegeben werden.

Ausland.

* Bundeskanzler Prälat Dr. Seipel, dem es auch weiterhin verhältnismäßig gut geht, ist nochmals mit Röntgenstrahlen untersucht wurden. Rach dem Ergebnis erscheint der größte Teil der rechten Lunge wieder an der Atmung beteiligt. Die Verschattung beschränkt sich auf eine vier Finger breite Zone. Das Projektil hat seine Lage nicht ver­ändert. Es erscheint bei der Atmung nicht bewegt Daher ist es offenbar in die Narben eingettet.

5ozia!es.

= Sin Wegweiser durch die klngeftellten-verstcherung ist soeben in 2. Auflage durch Oberregierungsrat Oppermann, Bürodirektor Echahn und Verwal. tungSoberinspektor Stephan, sämtlich bei der Reichs- versichernnflsanstalt, herausgeaeben worden. Wir können das Werkchen, das auch in politischen und parlamen­tarischen Kreisen großen Untlan.i findet, allen den- jenigen, die mit der ,trage der Angestellten.Versicherung sich beschäftigen muffen, angelegentlich empfehlen. Bis» her war die Uebersicht über das, was in der Angestellten- Versicherung gilt, ungemein erschwert. Nachdem der Reichsarbeitsminister von der Befugnis Gebrauch ge­macht hat, das Gesetz in fortlaufender Paragraphen, folge neu festzulegen, ist es notwendig, diese Fassung kennen zu lernen und sich eine Uebersicht über die ge­setzlichen Bestimmungen zu verschaffen. Dieser Zweck ist in gemetnverständlicher Form durch den erwähnten Wegweiser erfüllt worden, der mit einer Fülle von Bei­gaben in Form von Formularen, Sßerfaffungen; An­tragsentwürfen und dergleichen ein umfassendes und unentbehrliches Handbuch für den praktischen Gebrauch darstellt.

Die Mkiknm null tmitzm.

wtb Paris, 27. Juni. (XeL) Das (Kommu­nique, das vom Weißen Haus zur Frage der B e - keiligung der Vereinigten Staaken ausgegeben wurde, hat nach dem »Petit Parisien" folgenden Wortlaut:

Die amerikanische Regierung w ü n s ch k, daß der Dawes-Plan so bald als möglich zur Aus­führung gelangt. Sie betrachtet diese Aus­führung als wichtige Vorbedeutung und als ersten Schritt zur weiteren Erholung der auswärtigen Länder, die für die Vereinigten Staaten von Le­bens-Interesse sind. 3n Beantwortung der durch wacdonald erfolgten Einladung find daher dem amerikanischen Botschafter in London Instruktio­nen erteilt worden, der Konferenz beizuwoh- n e n, damit er an den Verhandlungen über die die Vereinigten Staaten berührenden Fragen feil- nehmen und sich über alle andern Fragen auf dem Laufenden halten kann. Der amerikanische Vertre­ter in der Reparationskommission, Oberst Logan, wird in London den Botschafter bei dieser Arbeit unterstützen._______________ _ ___________

Sie BcsMmrsr« der MMramten hat, so schreibt man uns aus Kreisen der Zentrums­fraktion des Reichstages, in letzter Zeit die Ge­müter im Reiche stark erregt. Mit Recht! Die vom Reichsfinanzministerium vorgenommene Ge­haltsregelung brachte den unteren Beamten eine Gehaltserhöhung von etwa 17 Prozent, den mitt­leren etwa 30 Prozent und den oberen Beamten gegen 50 Prozent. Die Zentrumspartei verlangte daß den unteren Beamten eine weitere Zulage bewilligt wird. Nach dreitägigen Verhandlungen erklärte sich das Reichsfinanzministerium bereit, weitere 71 Millionen zur Erhöhung der Beamtengehälter zur Verfügung stellen zu wollen. Mehr könne es nicht geben, weil, wenn es mehr bewilligen würde, zuerst neue Steuern be­schlossen werden müßten. Die Bewilligung neuer Steuern war aber zur Zeit ni ch t m ö g l i ch.

Die Frage war nun, welche Beamtengruppen diese 71 Millionen erhalten sollten. Deukfche Volks­partei und Deutschnationale verlangten, daß ein Teil dieser Summe zur Erhöhung der Grundgehäl­ter der unteren Beamten und ein Teil zur Erhö­hung der Kinderzulagen für untere, mittlere und obere Beamten verwendet werden sollten. Gegen diese Absicht wandte sich der Zentrumsabgeordnete Ersing mit aller Entschiedenheit. Er verlangte kategorisch, daß diese Summe ausschließlich den unteren Beamten zukommen solle. Jede andere Regelung lehne er ab. Die Sachlage spitzte sich so zu, daß sogar eine Krise drohte. Die Zentrumsfraktion des Reichstages billigte aber die Haltung, die der Abg. Ersing in den Be­sprechungen mit dem Finanzministerium und den anderen Parteien einahm, und so setzte sich schließlich die Auffassung des Zen­trums durch.

Wenn auch der Betrag von 71 Millionen Mark bei der großen Zahl von unteren Beamten nicht groß genug ist, um die Notlage der unteren Be­amten zu beheben, so zeigen diese jetzt geführten Verhandlungen doch, daß das Zentrum, getreu seiner alten Auffassung, für die bedrängten Schich­ten mit allem Nachdruck eingetreten ist.

Deutsches Reich.

* 3« Bayern ist durch neue Schwierigkeiten, die von Seiten der Deutschnationalen in Personen­fragen gemacht werden, die Bildung der Re­gierung Dr. Held aufs neue in Frage g eft e II t

Die Einsame.

Roman von Horst W e r t h e r n.

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VIII.

Sie fühlen sich also nicht gar zu unglücklich im Hause der Baronin, liebe Mazda?" Nicht nur die Lip­pen, sondern auch die besorgt zärtlichen Blicke sprachen die teilnehmende Frage der guten grau von Berghoff aus. Seit drei Tagen war sie von ihrer Reise nach dem Süden zurückgekehrt und sah zum erstenmal wieder ihre junge Freundin, die für den Nachmittag einige Stunden der Freiheü erhalten hatte.

Magda wollte zuerst den Reffebericht der alten Dame hören, bevor sie von sich selbst erzählte. Nun sah sie sich gezwungen, zu antworten. Mit etwas müder Stimme sagte sie:

»Nein, ich fühle mich unglücklich; übrigens gewöhnt man sich mit der Zeit an alles. Ich bin jetzt fest drei Monaten bei der Baronin und fange an, mich in meine neue Lebensstellung zu finden."

Frau von Berghoff betrachtete sie einen Auenblick lang und war bemüht, zu ergründen, ob ihre Antwort aufrichtig sei. Aber es lag soviel Unbestimmtes in den Worten und Blicken des jungen Mädchens, daß viel Scharfsinn dazu gehört hätte, einen Schluß daraus zu ziehen. Aeußerlich machte Mazda den Eindruck, Üs ob sie sich etwas erholl habe. Sie schien weniger niederge­schlagen; chre Wangen waren rosiger und das Gesicht voller, aber das Lächeln verriet noch dieselbe Trauer, die «uh aus ihren Worten sprach.

Die Frau Baronin empfängt wohl immer noch viel Lchttch?" fragte Frau von Berghoff.Dann find Sie wohl auch mit Leuten zusammengekommen, d>e Sie intereffieren? Das freut mich für Sie."

Sic sind sehr gütig, gnädige Frau, aber Sie be­greifen, daß ich in meiner Stellung nur auf ausdrück­lichen Wunsch der Baronin im Salon erscheine und mich sehr gern davon dispensiere. Meine jetzige Stellung f bs G^Mchaft gegenüber ist eine derartige, daß es n»r -

trotz der Philosophie, die ich mir mit jedem Tag besser aneigne, immer im höchsten Grad peinllch ist, aus mei­ner Einsamkett herauszutreten."

Frau von Berghoff fühlte recht gut, daß Magda die Wahrhett sagte, und machte keinen Derfuch, ihr zu widersprechen. Um von diesem peinlichen Thema abzu­kommen, sagte sie:

Graf Rottenstett fft sehr glücklich. Sie als Erziehe­rin für seine Tochter zu haben."

Sehr glücklich?" antwortete Magda mit einem An­flug von Ironie. Ihre Augen hatten raren undefinier­baren Ausdruck angenommen. Sie sah im Geiste die aristokratische Erscheinung des Grafen Rottenstett beim lich vor sich, den kühnen und dabei fast zärtlichen Blick, den seingefchmttenen Mund mit dem blonden Schnurr- bart, in dem sich schon einzelne graue Fäden zeigten, die stumme Huldigung, die er ihr darbrachte, die wohl nicht der Erzieherin mochte er sie auch noch so vortrefflich inden, sondern dem Weibe galt Das merkte sie mit jedem Tag deutlicher, ohne davon Notiz zu nehmen, da sich das Interesse, das dieser Mann für sie empfand, nur durch zarte Aufmerksamkeit und durch die stete Sorge beffimmte, sie die untergeordnete Stellung im Hause der Baronin vergeffen zu machen.

Frau von Berghoff sagte mit dem Ton aufrichtiger Ueberzeugung:

Sie dürfen sich in diesem Fall nicht so fleptffch zei­gen, liebes Kind, Sie haben kein Recht dazu. Gras Rottenstett hat seinem Freunde Warneck ein endloses Loblied über Sie gesungen, und dieser hat sich auf mein eindringliches Fragen entschlossen, mir Rede zu stehen. Er fft wirklich ein sonderbarer Mensch, nur mit großer Mühe konnte ich ihn dazu bringen, mir etwas über Sie W sagen. Sie sehen ihn ziemlich häufig, nicht wahr?"

Er gehört zu den intimen Freunden der Baronin, aber er scheint die Gesellschaft, die er dort findet, nach chreu7 richtig«, Wert zu taxieren; ich glaube, er kommt hauptsächlich als intelligenter Zuschauer, der seinen Spaß an der Komödie hat"

von BerSaff symm-e erfrrat rar-

Reichstag und Sozialpolitik.

Am Donnerstag standen im Reichstag sozial­politische Anträge zur Besprechung. Es sieht dabei so aus, als wollten gewisse Parteien den Nachweis dafür liefern, wie sie alles schon von Anfang an ins Werk setzen, um die im Wahlkampf gegebenen Versprechungen einzulösen. Wenn es nach der Fülle der Anträge ginge, dann könnte das deutsche Volk beruhigt sein, dann wären seine In­teressen in diesem Reichstage ganz sicherlich gut be­hütet. Ein bedenklichesa b e r" ist indessen dabei. Soviel an Agitation, ja an Demagogie, wie bei * diesen Debatten ist noch kaum zuvor geleistet wor­den. Man hat Luft anträge in Massen von' Seiten der radikalen Parteien aufflattern sehen, die auch von ihren Antragstellern nicht ernft genommen wurden. Wieder andere Anträge las­sen die Notlage des Reiches ganz außer B e t t a ch t und stellten maßlose Forderungen, von denen sie ebenfalls wissen mußten, daß sie nicht erfüllt werden können.

Für das Zentrum sprach Frau T e u s ch -Köln, die eine Anzahl praktischer Anregungen gab. Kräftige Worte gab der Nationalsozialist Fahrenhorst von sich, der erklärte: Die vorbildliche Sozialpolitik der kai­serlichen Zeit fft von den nachnovemberlichen Regie­rungen in Grund und Boden versaut worden. Wir brauchen Geld, und wir könnten es haben, wenn wir das eingeroanberte ostjüdische Schiebergesindel enteignen und aus weifen. Nur den Kaftan mit den Läufen sollen sie behalten. (Heiterkeit.) Die soziale Frage kann in dieser mit dem jüdischen Kapital verzinsten November­republik überhaupt nicht gelöst werden. Das ist erst möglich in dem völkischen Staat, den wir nötigen­falls mit der Waffe in den Straßen Ber­lins gegen die Judengenerale Schalem und Katz er­kämpfen wollen. Diesem völkischen Deutschland, das von Straßburg bis Danzig, von Schleswig bis Wien reichen soll, gfft unsere Arbeit. (Stürm. Beifall und Heilrufe bei den Nai.-Soz.) Abg. Jensen (Deuffchsozial) be­dauert die langen Reden, die doch keine praktische Wir­kung hätten. Er selbst werde in 5 Minuten fertig sein. (Heiterkeit und allgemeiner Beifall.)

Die Anträge werden den Ausschüffen überwiese,. Bei der Abstimmung zu Besoldungsfragen werden die Anträge, die der Regierung die Ermächtigung in der Besoldungsfrage entziehen wollen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Dann wird gegen die Kommunisten der Antrag des Hauptausschusses unverändert angenommen. Er besagt, daß die zur Verfügung stehenden 71 Millionen aus­schließlich zur Aufbesserung der Gruppen 16 verwendet werden sollen.

Der Aeltestenrat des Rerchstages beri». abermals über die Dispositionen. ES bleibt habet, daß am SamStag der gegenwärtige TagungSab- schnitt abgeschlossen wird. Wann danach der Reichstag wieder zusammentreten kann, ist noch ungewiß.__________

* 3m Preußischen Landtag wurde über den Justizetat verhandelt. Für die Zentrumsfraktior sprach Abg. Goebel.

Weshalb?"

Well ich mich, so wie es vorauszusehen war, in ganz unvernünftiger Weise an sie angeschlossen habe. In­folgedessen verursacht mir ihr unberechenbares, launen­haftes Wesen viel bittere Stunden, so sehr ich von der Ueberzeugung durchdrungen bin. daß man weder von Menschen noch von Dingen Gutes erwarten darf, uqr keine schmerzlichen Enttäuschungen zu erleben."

Frau von Berghoff blickte sie verwundert an:

Aber, wie können Sie dem Benehmen eines Kindes so große Wichtigkeit beilegen?"

D, gnädige Frau, wenn man so vereinsamt fft wie ich, läßt man sich von jedem Schein ihrer Zuneigung gefangen nehmen, es ist ja so furchtbar traurig, nieman­dem etwas fein zu können! Zumal ich mich nie ver­heiraten werde und mein Leben in dieser Richtung ab» geschlossen ist."

»Wie können Sie das wissen, Mazda?"

»0, man muh die Tatsache ins Auge faffen, so wie sie fein wird! Seien Sie übrigens versichert, die Zett ist längst vorüber, da ich mich im jugendlichen Unver­stand darüber grämte, auf das Glück verzichten zu müs­sen, weil ich arm bin. Da nun, aller Wahrscheinlichkeit nach, anzunehmen ist, daß ich mich nicht verheiraten werde, möchte ich wenigstens Trost darin fachen, ein wenigMutter" zu fein. Das Schicksal hat mir ein licbebebürfüges, verlassenes Kind in die Arme g^lhrtl"

Stümmert sich ihr SB ater ebensowenig umes in« wie ihre Großmutter?"

Bielleicht etwas mehr als die Baronin er fühll jetzt, daß dieses Kind nicht dazu geschaffen ist, ein Leben ohne Liebe und Zärtlichkett zu führen; er sah immer in Sefine ein Spielzeug, ein kleines komisches Geschöpf, beffen drollige Einfälle und altkluge Reden ihm Spatz machten, wenn er Zeit fand, sich mit ihm zu befassen. Doch muß ich zugeben, daß er in letzter Zett zu der Einsicht gekommen zu fein scheint, daß sie Befferes ver- dient als das, was er ihr bisher hat angedeihen lassen."

Wiejo er zu dieser Einsicht gekommen war.?

»Forrjetzung folgt)

Tschechen um Deutsche.

3m Prager Parlament.

Meldungen aus Prag zufolge kam es in der Sitzung des Abgeordnetenhauses bei den Verhand­lungen über die Aufhebung der Immunität des deutsch na tionalen Abg. Dr. Schollich zu großen Skandalszenen. Schollich sagte in einer Erklärung, er nehme für den ihm zur Last gelegten Ausdruck (er hat in einer Versammlung gesagt, wenn die Regierung auf der Beschlagnahme des deutschen Waldes bestehe, dann werde der Wald in Flammen und Rauch aufgehen) die Verantwor­tung aus sich. Er trage auch die Verantwortung für einen zweiten Ausspruch, den er hier wieder­hole:Wenn es wieder zu einem Kriege mit Deutschland kommt, so werden wir nicht so dumm sein wie 1866 und auf unsere deutschen Brüder schießen!"

Diese Worte entfesselten stürmischen Widerspruch auf t e s ch i s ch e r Seite und trugen dem Red­ner die Entziehung des Wortes durch den Präsi­denten ein. Da Schollich trotzdem weiterspricht, wird er für fünf Sitzungen ausgeschlos- s e n. Da er trotzdem die Rednertribüne nicht ver­läßt, erteilte der Präsident die Ai veisung, den Abgeordneten durch die Parlamentswache aus dem Saal entfernen zu lassen. Die sich bei der Ab­führung des Abg. Schollich abspielenden tumultua- rischen Szenen veranlassen den Präsidenten, die Sitzung zu unterbrechen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung gaben sämtliche Oppositionsvertreter eine Erklärung ab, worauf sie den Sitzungssaal verließen.

* 3m Berliner Skadtparlament ist ein schwerer Konflikt ausgebrochen, weil der sozialistische Stadt­verordnetenvorsteher nicht der Aufforderung der Bürgerlichen nachkommt, die ihn wegen Parteilich­keit zum Pücktritt aufgefordert haben. Die Bür­gerlichen machen durch Verlassen des Saales die Sitzung beschlußunfähig und wollen das solange tun, bis das Oberpräsidium oder als zweite In­stanz das preußische Innenministerium sich zur Auflösung der Berliner Stadtverordnetenver­sammlung genötigt sieht.

* Grubenunglück in Oesterreich. Im Kohlen­bergwerk Hart bei Gloggnitz hat sich ein Gruben­unglück ereignet, dem zwölf Bergarbeiter zum Opfer gefallen sind. 25 Arbeiter sind noch ein« geschlossen. Nach der Ursache wird geforscht.

* Ein schweres Erdbeben ist in Ungarn, be­sonders im Ofener Gebiete, zu verzeichnen gewesen. DaS SeiSmographische Institut bringt das Beben mit der andanernden Senkung des Alsölder Beckens in Zusammenhang.

* Hrtzwelle in Rußland. Die Hitzwelle hat sich von der Ukraine nach Norden und Osten auSgebrertet. In Moskau wurden bereits Temperaturen von 38 Grad beobachtet. Im Gouvernement Samara an der Wolga sind infolge der Dürre gefährliche Wald« brande entstanden. Die Hitze bringt katastrophale Gewitter mit außergewöhnlich starkem Hagelschlag mit sich'

Ja, er ist ungemein- intelligent, da haben Sie ganz recht, Magda. Sie finden also, ebenso wie mein Mann, daß Raff ein ungewöhnlicher Mensch ist?"

Ungewöhnlich gewiß in verschiedenen Be­ziehungen. Es gibt wohl in seinen Kreisen nicht viele Männer, die ein Leben der Arbeit wählen würden, wenn ihnen die Möglichkeit zu einem anderen geboten wird freilich auf Kosten ihres Stolzes und ihrer Selbständigkeit."

3<f> freue mich herzlich, Magda, daß Sie an Rolf footel Gefallen finden; fo haben Sie wenigstens einen Menschen bei der Baronin, den Sie gern sehen."

Wirklich, mit ihm kann ich sprechen, ohne befürchten zu muffen, falsch beurteilt zu werden."

..Er hat eine ganz besondere Hochachtung für Sie, Magda!"

Ebenso wie Gras Rottenstett", unterbrach sie mit einem melancholischen Lächeln, das zugleich etwas Schelmffches an sich hatte.

Ganz im Ernft, liebes Kind! Gewöhnlich finde ich fein Urteil über die Frauen der Gesellschaft nicht gerade sehr nachsichtig."

Nun eben ich gehöre ja nicht mehr zu diesen."

Sagen Sie doch nicht solche Torheiten, Kind. Wenn Roff Sie hören könnte, würde seine Bewunderung für Sie einen harten Stoß erleiden. Und sagen Sie, wie kommen Sie mit der launenhaften Heinen Sefine zu­recht?"

Magda lächelte:Wir stehen noch immer auf dem öufj zweier feindlicher Mächte, die bei jeder Gelegenheit böflid) ihre Unabhängigkeit heroorkehren. Die leitende Macht muß habet mit der größten Vorsicht von ihren Vorrechten Gebrauch machen, während die geleitete sehr mtfjtrauifrf), immer bereit fft, sich gegen die Gewall mff- znlchnen."

tm ganzen sind Sie nicht unzufrieden mit Ihrem Zögling?"

Sefine verleiht meinem Leben neues Interesse manchmal sogar eine» freudigen Schimmer, aber auch «re Bene Soxzw > * ' ---- . ^r5.]

Beamtenfragen

neue Richtlinien für die veamtenlanfbahn Im Retchsministeriutn des Innern fand eine Besprechung der Beamten-Spitzenberbände statt über die Richt­linien der neuen Beamtenlaufbahn. Die Richtlinien für die nichttechnischen Beamten wurden festgelegt, diejenigen für die technischen Beamten werden zu einem späteren Zeitpunkt sestaestellt werden. Es wurde beschlossen, daß für die Laufbahn bis zur Be- soldungsgruppe VI einschließlich eine weitergehende Bildung als der Besuch der Volksschule nicht zu fordern sei. Für die qehobenere mittlere Laufbahn Gruppe VII aufwärts wird die Reife für Unterprima verlangt. Innerhalb der einzelnen Laufvahnen sollen weitere Prüfungen nicht mehr abgenommen werden. Für die höheren Beamten bleibt es bei den bisherigen Vorschriften.

Wissenschaft und Forschung.

wieder gedruckte Differtalionsn Die medifinische gakuitat der Universität Göttingen hat beschloffen, daß von nun an wieder die Differtationen gedruckt werden sollen, da das bisherige Verfahren (Herstellung mittels Schreibmaschine) sich nicht wesenllich billiger stellt Es ist bet der Meldung zum Doktorexamen nur ein Exem- p.ar der vollständigen Dissertation einzureichen Von der Erteilung des Doktordiploms sind 200 gedruckte Exemplare, wenn die Arbeit in einer Zeitschrift erscheint, 115 gedruckte Exemplare einzureichen. Auch in der Fuldaer Aktiendruckerei wurde dieser Tage die erste Doktordiffertaiion nach der Jnflations. und Notzeit wieder tm Druck fertig. efteUt. Dein Ansehen des deut- schan teinn e§ nut bicnlid) fein, tvenn Die

Promotion an die all, entern gugängi^e Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit, tote es früher der Fall war geknüpft wird.