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Zur Unterhaltung

nun

Tode ihres Vaters

MAGGI'

Fleischbrüh-Würfel

unserem House ist Ihre Familie ist

des Grafen lag, als er sagte:

Die Stellung des Fräuleins in nicht ganz fo, wie Sie es vermuten, mit der meinen verwandt!"

Ach, wirklich! Wie komisch!"

3a, wirklich! Da sie nach dem

ein Der- von stellt was

ganz vereinsamt in der Welt stand, war es gut für ste, im Hause meiner Schwiegermutter Aufnahme zu finden, und bei Sesine bleiben zu können, solange es ihr be­liebt. Unser egoistischer Wunsch ist. daß es möglichst lange sei: darum bemühen wir uns auch, das Gefühl von ihr fernzuhalten, daß sie sich unter Fremden befinde, und sind unser«, Freunden dankbar, wenn sie uns darin unterstützen."

Die junge Frau lächelte verständnisvoll.

Schön gesagt, lieber Freund. Sie finb hehr ritter­lich nur*

Nur was?"

Rur ist es in diesem Fall kein großes Verdienst!"

Das gebe ich bereitwillig zu aber Sie sollten nicht boshaft sein» Lasten Sie Fräulein von Foreck, und ge­statten Sie, daß ich Ihne« meinen Arm reiche, um Sie zu Tisch zu führen."

Eben hatte der Haushofmeister das Diner angekim- oigt durch die weit geöffnete Flügeltür konnte man im Speisezimmer die reichgeschmückte Tafel sehen, aus der die Kristall- und Silbergeräte im Lampenlicht funkelten.

Fräulein von Foreck, Ihr Plcch ist hier, Sesine gegenüber, flüsterte di« Baronin chr im Dorübergehe» zu.

Sie saßen beide an den unteren Enden des Tisches, und zwischen dm goldgelbe« Mimosen und rotgefprenkel-

ten Nelken konnte Magda das zarte Gesicht Eestne» erspähen-, aber es gelang ihr nicht, dem Blick des iimgen Mädchens zu begegnen. Der zärtüch

druck war gänzlich aus ihrem Antlitz °"schwunk«n. e« war die unnahbare Sesine, die da am Tisch saß. Magda verstand aber jetzt jede Veränderung in Wesen ausdrucks- vollen Zügen zu deuten; sie wußte, daß bas Vertrauen wieder gewichen war, und dieses Bewußtsein verursach« ihr ein schmerzliches Gefühl.

Die Konversation war lebhaft; Reden und Gegen« reden wurden gewechselt; Magda hörte schwelgend M, denn sie war zu stolz, um sich der Mögllchkeit auszu- letzen, daß irgend jemand es anstößig finden könne, wenn sich die Erzieherin mit den Gästen der Baronin auf die gleiche Stufe stellen wollte.

Aber Rolf Warneck gegenüber mußte ste doch chre Zurückhaltung aufgeben. 3hm war eine Jlenfungsart, wie sie sie hauptsächlich von selten der Damen befürchtete, vollkommm fremd. Mit einem etwas erzwungen«

weit darunter stehen wird. Hat doch auch in diesem Jahre eine Dürre geherrscht, wie sie etwa den junger- Perioden vorausgegangen ist.

An der Schwarzemeerküfie hin zieht sich der Kur- und Badebetrieb, der in Vorrevoluttons- zerten eine bedeutende Einnahmequelle der Bevölkerung jener Gegenden bildete. Wer auch hier haben die her^ schenden Zeiten einen Strich gemacht, sodaß nur noch kümmerliche Reste eines solchen Lebens zu "finden jmo. Cupatoria und Jalta sind bte Hauptbadeorte der Kran gewesen, stellten einst blühende Gemeinwesen dar. Durch bis Straßen wandert man nun an noch immer recht zahlreichen Hausruinen vorbei, an den früheren Be­sitzungen derBursch-uis" und Hotels. So gut es geht und es vor allem die recht beschränkten Mittel erlauben, roh» ausgebessert und die fo hergerichteten Häuser von Staats wegen an Private verpachtet. Bei den hohen Pachtsununen und den starken Einschränkungen des Sai­sonlebens ist das Risiko der Pächter bedeutend. In diesen Wochen und Tagen, die ich nun an der Schwarze- meerküste selbst verlebe, ist der Besuch an Sommergästen ein recht mäßiger. Wenn sich das nicht bald ändert, dann gehen die Einwohner dieser Städte einem trau­rigen Winter entgegen.

So sieht das Leben in 8er Krim aus! Es ist nur ein kleinster Ausschnitt. Aber wese Menschen hier haben m den vergangenen Jahren fo unglaublich Furchtbares durchgemacht, daß sie mm schon Micken, den Himmel auf Erden zu haben. Auch hier, wie überall in den sonnigen Südländern, eine naturgegebene Genügsamkeit, eht Hinnehmen der Schicksale als etwas menschlich Un­abwendbares. Es ist die Philosophie sonniger Trägheit; sie macht bescheiden glücklich, da sie so wunschlos ist.

Lächeln sagte sie: , ,, .

Welch eine langweilige Tischnachbarm Ihn« doch zugeteilt wurde! Aber seit einigen Monaten führe uh ein so einsames Leben, daß ich fast fürchten muß, in Gesellschaft nicht mehr den richtigen Ton zu finden.

Oh, bitte, gnädiges Fräulein, halten Sie sich für verpflichtet, zu sprechen, wenn es Ihnen ein Opfer fft und Sie lieber schweigen." _

®s tut mir auch nicht gut, meinen traurigem Ge­danken nachzuhängen; deshalb muß ich denen dankbar sein, die mich davon ablenken."

Die Worte waren ihr wider Willen entschlüpft, das merkte Rolf, als sie plötzlich schwieg und die Lippen fest zusammenprehte. Er gab sich den Anschein, als war« ihm der Sinn ihrer Worte entgangen, und entgegnete einem Lächeln, das feinen etwas harten Zugen einen unbeschreiblichen Reiz verlieh:

Und ine Einsamkeit hat doch auch ihr Gutes; aber ich werde in der Gesellschaft so getadell und angestaunt, well ich das Alleinsein der Komödie vorziehe, die da einer dem andern vormacht. Auch Frau von Berghoss ist nicht mit mir einverstanden.

In Erinnerung an meine Mutter und well sie mich als kleinen Knirps gekannt hat, läßt sie mir gegenüber die weitestgehende Nachsicht malten, aber ganz heimlich und auch ganz offen findet sie es mi höchsten Grade lächerlich, daß ich nicht die m unserer Sphäre gebräuchllche Lebensweise führe. Uebrigems «st es em Glück, daß ich mich nicht verleiten ließ, es zu versuchen!

Sie bereuen es nicht, wie ich glaube?"

Sein Lächeln war sehr vielsagend^ als er antwortete:

Sie haben eine gar zu gute Meinung von mir! 3ch kann nicht beschwören, daß es niemals Stunden gab, da ich so wie andere dachte, es sei doch angenehm, das ta^ liche Brot reichlich zugemessen zu haben, statt es durch schwere Arbeit zu verdienen. Aber, da ich weder Lust hatte noch feig genug war, Almosen anzunehmen9 sage Ihnen das, well ich glaube, daß Ihnen melne Ge­schichte bekannt ist -, so blieb mir nichts anderes übrig, als den Kampf aufzunehmen und mir selbst eine Ext- stenz zu gründen. Uebrigens habe ich eine ausgesprochene I Vorliebe für ein abenteuerliches Leben, und eine Tätig­keit, die mir erlaubt, die Welt kennen zu lernen, ist gt.

I eignet, mich vollständig zu befriedigen."

ISie sind viel gereift?"

| Diesmal übernahm es Magda zweiter Tischnachbar, I her eine Gelegenheit abwartete, das Duo in ein IM verwandeln, ihre Frage zu beantworten. Er beeilte sich, I die Gelegenheit, die sich ihm bot, zu benützen, und da Magdas Blick einen Augenblick lang auf ihn gefallen

I war, fiel er mit fröhlicher Lebhaftigkeit ein:

Warneck wird es vielleicht nicht eingestehen wollen, aber in Wirklichkeit führt er fett einigen Jahren ein Leben wie der ewige Jude. Wir ruhige Staatsbürger sind jedesmal sehr überrascht, wenn wir ihm fc wffer« I zivilisierten Welt begegnen."

Es tag fo viel Munterkeit in der Ausdruckswetft des jungen Mannes, daß Mazda davon angefteiT wurde I und lachte. Das animierte Gespräch nahm ste gänzlich gefangen. Für einen Augenblick hatte sie vollständig I vergessen, welche Rolle ihr cm diesem Tisch zugewiesen I war, und sie plauderte nach und nach mit der glänzenden I Lebhaftigkeit früherer Zeiten. Sie forderte Warneck aus, I ihr von feinen Reisen zu erzählen, von den kühn« I Unternehmungen, die ihn am meisten anzogen, wenn I sie besonders schwierig waren. Die Macht feiner Per­sönlichkeit, die sich, ohne daß er es merkte, in ft inen I Worten verriet, erweckte das lebhafteste Interesse in dem I Geist des jungen Mädchens. Wer hatte doch gejagt, daß Rolf Womeck kalt fei und sich nicht mit Frauen w I unterhalten verstehe?

(Fortsetzung folgt.)

pie Speziallima (ür QuaUBhware.

Fulda. Bad SetesdiHrf.

im Juni 1924.

In 36 Stunden gelangt man von Moskau mit dem Moskau-Sewastopoler Expreß m die Hauptstadt der Krim-Republik, Simferopol. Durch sonniges,^einst­mals fo fruchtbares Land, die Ukraine, geht die Fahrt, und auch Heuer sieht man über weite Strecken bebauten Landes. Aber noch ist lange nicht der Saatenftand von einst erreicht; dafür fehlen noch zu viele Vorausfetzungen, die zu schaffen es noch längere Zeit und einer bemus­teren Agrarpolitik bedarf. Auch bte KrAn-Halbmsel selbst ist noch lange nicht das Getreide-Export-Land, das es einst war; an den Zahlen kann am ehesten ermessen werden, was daran fehlt: von 2 Millionen Desjatinen Ackerland einschließlich der Weingärten sind in diesem Jahre 350000 Desjatinen bestellt! In die­sen Zahlen toegt bestätigt, was ich auch auf meinen bis­herigen Kreuz- und Querfahrten gesehen habe: die weite unkrautbewachsene Steppe zeigt hin und wieder bebaute Felder ober ungepflügtes Brachland für die Wintersaat. Dazwischen ganz vereinzelt Wein- und Gartenland. Das ist die Krim von heute: eht einstmals reiches Hand nun in 2tmut und Dürftigkeit versunken.

DieSozialistische Sowjet-Republik Krim" ist autonomer Staat; nur in dem Steuergebahren, den kehrsfragen und dem Milttär- und Polizeiwesen Moskau aus bestimmt. Ein Dreimännerkollegium das Präsidium des Landes dar,Dsik" benannt, soviel httßt roteAllrussisches Zentraler ekutwkomttee". Ibraimow ist der Vorsitzende desDsik", und damtt der tatsächliche Präsident der Republik. Mit Ibraimow steht ein Anhänger des Moskauer Zentralkomitees an der Spitze der Krim-Republik: Gawen, zur Opposition gehörend, fein Vorgänger im Amte, mußte vor längerer

Aus aller wett.

Das Alter der Kirsche. Es wird berichtet, der Feinschmecker Lucullus habe di- führ Kirsche nach Rom gebracht und sich ihre Anpflanzung in (Satte« sehr angelegen sein losten, ja er habe große Summen aufgewendet, um sich zu jeder Zeit die ihm so gut mundende Frucht zu verschaffen. Wenn man daraus schließen wollte, die Kirsche sei erst durch Lukullus nach Europa gekommen, so wäre das ein Irrtum. Die Urform der Kirsche ist die saure Art, wie wir sie heute noch kennen. Sie stammt zwar aus dem Osten, ist aber schon in uralter Zeit in Europa verbreitet gewesen. Auch die Süßkirsche war schon lange vor der Römerzeit in Europa ver­breitet, denn schon die Pfahlbauten- Be­wohner kannten sie, wie die in der Schweiz ge­fundenen Kerne beweisen.

Zett weichen.

Me es sich so gehört: Besuch beim Präsidenten der Republik. Es bedarf da keiner umständlichen Anrne^ düngen und Zeitbestimmungen. In dem Prösidenten- Vorzimmer erkundigt man sich, ob der Herr Präsident anwesend; auf die Bejahung hin sieht man mehr ober minder verstohlen, durch die offene Verbindungstür und ermißt selbst, ob es an dar Zett ist oder nicht, einzu­treten. Denn in dem Vorzimmer ist ein buntbewegtes Leben; ist es doch so ein richtiger Volkspräsident: Ist dem tartarischen Bäuerlein die Kuh genommen, bann geht er, ober noch besser schickt feine heulende Frau zu demTawarisch" (Genossen) Ibraimow, um vielleicht doch noch das Verhängnis abwehren zu tön- men. Mit staunenden Augen wurde mein Begleiter und ich betrachtet und wurde es ganz selbstverständlich gefunden, daß wir uns außer der Reihe in bas Zimmer des Präsidenten begaben.

Wir wurden offiziell empfangen, d. h. im Beisein des Präsidenten-Sekretärs und bei geschlossener Tür. Das soll mm aber nicht heißen, daß wir etwa ein paar Mi­nuten mit dem Präsidenten allein bas Vergnügen der Unterhaltung hatten: munter spazierte es herein und erst auf Abwinken wieder heraus. Ibraimow, ein kleiner, beleibter Tartar-Rusie, sitzt hinter einem Rie- senschreibtisch, seitwärts daneben der Sekretär. Ihm gegenüber drei prunkvolle Sessel für bevorzugte Gäste. Das Zimmer selbst sehr groß und hell diese Haupt- behörde des Landes ist in dem früheren Europa-Hotel untergebracht hat nur noch wenig Meublement. Der Präsident ertunbigt sich vor allem nach demWahlsiege der Kommunfften in Deutschland»", und sieht schon den Tag für gekommen, daß bas Sowjetsystem fein Glück über Deutschland ergieße. Vorsichtig antwortet er auf unsere, ihm sicher heiklen Fragen. Aber mit aller Be­reitwilligkett und Freunbllchkett gibt er Anweisung, daß mir ein offizieller Regierungsausweis ausgefertigt wird, den ich erbat auf Grund eines Moskauer Begleit- schreibens. Und nun faßen wir eine Stunde, um einen kleinen Schein von kurzen sechs Zellen und zwei Un- terfchrtsten in Empfang nehmen zu können. Wir hat­ten fo unsere besonderen Vermutungen dabei: denn neben dieser offiziellen Regierung gibt es in Sowjetrußland und bei allen autonomen Regierungen ein Organ, das seine unbeugsamen Befugnisse hat, und bei besten Be­nennung sich der heidnffchste Rüste bekreuzigt. Wie ge­sagt: Wir hatten unsere besonderen Vermutungen, tue sicher nicht fehlgegangen sind! ...

Sie fft hochinteressant gewesen, diese Stunde bei dem Präsidenten der Krim-Republik. In dieser Stunde konnte man sowohl Rastenkunde treiben, als auch Stu- dien psychologischer und philosophischer Art darüber, ob das Regieren der Völker nun an sich etwas sehr Ein­faches fft, das nur die Kultur Westeuropas fo ungeheuer« kich kompliziert und mtt so vielen Gefahren verknüpft gestaltet hat, ober ob es gerade umgekehrt fein mag. Wenn ich MÄH aber einmal bei dem Wunsch ertappen sollte, Präsident einer Repubkki werden zu wollen, dann weiß ich mm bestimmt, daß ich mich um die Präsident« schäft der Krim-Republik bemühen würde nur gut, daß ich nie m diese Verlegenhett kommen werbe.

Die Krim hat ausgesprochensten agrarischen Cha­rakter; nicht einmal die Ansätze einer Eigenindustrie sind zu finden. Der ganze Zuschnitt des Landes drückt volks- wittfchaftllch diese ökonomische Einsettigkett aus. In Zetten agrarischer Ueberschußwirffchaft fft die Möglich- keit des Eintausches von Jndustrieprodickten gegeben ge- I wesen. So sieht man noch heute auf den Gütern und I Bauernhöfen insbesondere in den deutschen Kolonie- I borfern neuzeitliches GrvßackergerSt, rote- und I Mähmaschinen, Lokomobilen für ben Dampfdresclchetrieb I u. f. ro. Aber dieses Gerät verfällt mm mein und I mehr, und einmal unbrauchbar geworden, fehlt sogar I die Möglichkeit der Ausbestenmg: denn nur ganz selten I findet man ben Darffchmieb ober den Dorfstellmacher, I die schon lange sich umstellen mußten, da ihren Berufen I in der Nachrevolutionszeit die Exfftenzbasis felKe. Ge­wiß, die furchtbare Not der Hungerjahre fft endgültig I vorbei; ober die Lage der Krimbaue nffchaft fft immer I noch eine solche, daß an Verbesserungen des Wirtschafts­betriebes durch Neuanschaffungen noch lange nicht zu I denken ist. Die Agrar- und die Steuerpolitik I der Sowjetregierung tragen ihr gerüttelt Maß von I Schuld, wenn es noch immer nicht aufwärts, sondern I eher noch rückwärts geht. Kommt es doch nicht selten I vor, daß die theoretisch bemessene Steuerteiftimg über I den totfächSichen (Ernteertrag hincmsgcht! Das Tat- I fachenbewef^material hierüber, bas ich bei deutschen Ko» I loniften die durchweg als dieBurschuis" gelten! I und auch russische» Bauern gefammelt habe, enthält un« I glaubliche Fälle von steuerlichen Torhetten, mn nicht I schärfer sich aus drücken zu muffen. Daß sich etwa die Sage der Krim bau« rnschast mA der bevorstehenden Ernte nennenswert verbessern werde, ist nicht zu ermatten, I da die Ernetausfichten an sich nicht günstige ge- I nannt werden können. Nur m wenigen Teilen wird 1 die Ernte durchschnittlich gut fein, während sie sonst

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Zn der Krim.

Ein besonderer Mitarbeiter. 8er eine große Studienreise durch ganz Rußland und der gegenwärtig in ben ©kneten bes Schwm zen Meeres wellt, stellt uns über bte bockigen aegrnnväckigen Verhältnisse folgende, sehr beg­lichen Mitteilungen zur Bersügim«, bte mn des- willen ein außergewöhnliches Intereste bieten, oa sie über bte tatsächlichen Zustände em genaues Blld vermitteln.

Eupatoria am Schwarzen Meer,

Marborn.

Bon Ste. Carl Sonnenschein (Berkin).

lieber Romsthal, am Herrensitz der Hutten- Ehapski und an der wappengeschmückten, steinge- faßten Kirche vorbei, die Windungen der Straße hinauf, am Lehmstich, am Rotsandsteinbruch, an | der Sandgrube vorbei, durch den Hochwald nach Marborn.

In den Tälern Heudust. Würzig aus taufend I Lymphen wie eine Woge von den Wiesen steigend. I Heudust des einsamen Fronleichnamstages. Im I Dorf welke Reiser und müde, weißgelbe Flaggen I der morgendlichen Prozession des eucharistischen I Gottes. An den Höhen Heckenrosen. Seit einer I Woche blühen sie. Weiß, zartrosa, hellrot. I Mühen, blühen. Wie fft Gottes Natur über jede I Kosmetik erhaben! Jedes hat feine Note. Dieser I Heudust, dieses Heckenrosenaroma. Unüberbiet- I bare Feinheit.

Unser Wagen steigt den Berg hinan. Die Kirchturmspitze steht schon zwischen den Garben. I Noch eine Bergwende. Amlangen Acker" vorbei. I Wir stehen am Eingang der Häuser. Kapelle, I Kuratie und Schule beisammen. Darunter der I Friedhof. Hinter der Kapelle setzen die Giebel und I Zäune, die Häuschen und Scheunen ein. Das Dorf.

Ach! Der Blick über die Schlucht hinaus. Wo I unten die Gleise Steinau-Salmünster liegen. Hin- I ter ihnen steigt der Vorspessart mit breitem dunkel­grünen Tannenwald, in festem Gefüge und starker I Linie gegen den Himmel gezeichnet. Leichte Sonne I liegt über dem schweren Wald. Weit liegt über I Tal und Berg vogelstille Einsamkett. Kein Amsel- I schlag. Keine Axt. Keine Pflugschar. Kein I Spechtgehack. Seine Fuhrknechtrufe. Feiertags- I abend. I

Vom Friedhof kommen ein paar einsame Men- I schen dorfwärts in dunkler Tracht. Einsam gewor- I den Drüben neben dem Kreuz ruht jemand, der I ihnen nahe war und den sie nicht vergessen. Das I Dorf gedenkt seiner Toten.

Rings um die Schule hängen Schwalbennester. I Wohl ein Dutzend. Vom Tannenbaum am Ende I des Lehrergartens schlägt die Amsel über Quitten- I und Zwetschenbäume, über Wallnußstauden, über I Kamillenkraut und Margaretenblumen, über die I zackigen Blätter des Löwenzahns und das leuch- I leuchtende Scharbokskraut. In der Schule drinnen I (mit den prachtvollen alten Eichenbänken» die ach, I so viel echter sind, als die fteilich viel gesunderen, aber geschmacklosen, farbangestrichenen Fabrik- bänfe mit den beweglichen Sitzen) erklärt uns der I Lehrer die neue Südderlischrift. Die steile Schrift. Ohne Haarsttich. Me Buchstaben ansangen und endigen eine halbe Zeile über dem Boden. Und auch der längste Buchstabe mißt nur dreimal so­viel als der kleinste. Gefällige, feste Schrift, ©eit einem Jahr in Preußen verordnet.

Vor dem Pfarrhaus sitzt es sich gut aus dem Mäuerchen. An den Johannisbeersträuchern vor­bei, dem blühenden Spinat, dem Wrsing, den To­maten, den Erbsen, der Sellerie und den Stangen­bohnen geht der Pfad den Pfarrgarten hinab zur Wiese. Zur Seite steht die Scheune mit der Werk- statt des Vaters. Daneben tummeln sich Küken, Hühner und junge Gänse. Der Wolfshund schlägt an.

MandolinenNang. Burschen in festem Schritt Feierabends heimwärts. Im gleichen Tritt ein paar Kinder.In der Heimat gibt's ein Wieder­sehn" Das sind Jungmänner. Nicht Jugendliche von' 1417, sondern die Generation, die vor dem Kriege unter den Fahnen stand. Ihrer achtzig hat der junge Pfarrer organisiert. Herwigs, des Weimaraners, Mysterienspiel haben sie unlängst mit merklichem Geschick gespielt. Vierzehn Man- dolinen sind schon in ihren Händen. Er sagt, wenn die Iungmänner erfaßt sind, kommen die Jugend- licken von selbst. Ein Drittel der Iungmänner arbeiten die Woche über in Frankfurt am Main. Samstags kommen sie nach Hause. Wie wichtig, daß sich diese Grohstadtwelle wenigstens Sonntags im kieselklaren Bach der Heimat fängt.

Hinter der Kapelle steht Hoffmanns Äreug. Klobedanz, der junge Bildhauer von Soden hat den neuen Körper geschnitzt. Aus Kirschholz. Den Stamm lieferten die Leute. Em fernes würdiges 6tfi<nie Kapelle selber neu und andächttg. Sonst nickts bemerkenswertes. Die Linden betten sie in das Dorf ein, auf dessen Höhe sie steht. Ganz Dienst der Gegenwart und dem Werktag. Seme Leaende umgrünt den Ursprung. Keine Historie Ändert de? Weg. Schlechthin offene Tür und Licht vor dem Tabernakeh buntes Fenster und Kindergebet bei der Messe am taufrffchen

Pfarrer Schulz, der Zwetundachtzigiahnge, fckickie mir vor ein paar Tagen seine Pfarrchronik Z Zimmer zum Nachblättern. Gilbende Blätter nh eine Geschichte von einem halben Hundert Jahren. Mit treuer Hand in fester Sinie gefübrt. Monat um Monat, Tag um Tag. Systematisch stille Arbeit Zäh, ohne umzuschauen. Ernst, in eiserner Selbstprüfung geleistet. Dazu gehören Manner, die dem Kleinen nicht erliegen. Die m des Dorfes Stille den Glanz der Sterne emfangen und leben Moraen wieder im Lichte der Altarkerze wachsen. Ist sie nicht mit verlöschender Tinte in die Matter der Chronik gezeichnet, dann steht diese Arbeit irgendwo in einem Buche des Lebens unauslosch- L» sm»

äm

OTS auf der Höhe abschtedgrußend das Dorf. Scheint es Dir noch tot? Das erdgebundene, das enaende, das bodengewachsene Sorf? ^d) höre Mandolinenklang und Kindergebet und es geht em stilles Leuchten um Schule, Pfarrhaus und Dorf­kapelle.

Die Einsame.

Roman von Horst Werthern.

11] -----------

Ein neuer Gast hackte den Salon betreten; es war Roff Warneck, bet sich entschuldigte, fo spät zu kommen. I

Lieber Freund, Sie haben sich nicht gar zu sehr ver. I spätet", sagte bte Baronin, die heute außerordentlich gut I gelaunt war,obwohl Sie, wie mir scheint, als letzter I der erwarteten Gäste erscheinen; aber ich weiß, wie sehr I beschäftigt Sie find. Sobald Sie die Anwesenden begrüßt haben, wird mein Schwiegersohn Sie dem Fräulein von I Foreck vorstellen: ich habe Sie auch zu ihrem Tffchnach- I barn ausersehen."

Er verbeugte sich dankend. Auch hier, in dieser glän- zenden Versammlung, wo er als vollendeter Weltmann I auftrat, bewahrte er eine stolze, selbstbewußte Haltung, die ihn vor allen andern auszeichnete.

Endlich näherte er sich Magda, neben der Graf Rotten, stett Platz genommen hatte, der sich sogleich erhob, um dem jungen Mann die Hand zu drücken.

Ich brauche Sie Fräulein von Foreck nicht vorzu­stellen, ich glaube. Sie kennen einander schon?"

Ich hatte das Vergnügen, dem gnädigen Fräulein bei Frau von Berghoff zu begegnen."

3d) bitte, gnädiges Fräulein, sprechen wir nicht da- von. Ich habe schon genug bedauert, daß Sie von dieser belanglosen Einzelheit Kenntnis erhielten."

Magda lächelte etwas melancholisch.

Es mag Ihnen belanglos erscheinen für mich ist es sehr wichtig!"

Run ja. freilich verzeihen Sie, wenn ich mich ungeschickt ausgedrückt habe."

3d> habe Ihnen nichts zu verzeihen. Uebrigens ist mein Urteil über Sie abgeschlossen. Sie mögen gegen sich sagen, was Ihnen beliebt, ich werde mich immet nur erinnern, wie gütig Sie sich sogar ganz Fremder an­nehmen, und ich bin froh, Ihnen meinen Dank ausspre« cf)en zu können."

Sie sagte die Worte mtt jener einfachen Würde, die ihr eigen war und ihr einen ganz besonderen Reiz verlieh. Roff verbeugte sich: ihre Aufrichtigkeit machte chn fast verlegen. Um dem Gespräch eine andere Richtung zu «eben, fr aale er:

Haden Eie Nachrichten von Fra« von Berghoff, feit sie sich auf Reisen befindet?"

Jawohl", antwortete Magda, auf den leeren Nuhl roetfenb, denn Graf Rottenstett hatte sich diskret zurück­gezogen.

Er saß jetzt einige Schritte entfernt an der Seite der Baronin Werner, einem kleinen pikanten Geschöpf, das in dem großgeblümten SeidenkleL an ein Pastell aus dem vorigen Jahrhundert erinnerte. Auch sie hatte Magda bemertt und flüsterte schalkhaft:

Sehen Sie nur, wie Ssfines neue Erzieherin den scheuen Warneck zähmt! Ich wundere mich eigenillch nicht darüber, denn ste fft reizend wirklich ganz rei­zend!"

Sie scheinen sagen zu wollen, zu reizend!"

Nun, es gibt Stellungen, in denen es angezeigter ist, dem bescheiden en Veilchen zu gleichen, das im Ver- borgenen blüht!"

Graf Rottenstett runzelte fast immerklich die Stirn. Ein Beobachter würde sogleich bemerkt haben, daß es ihm peinlich sei, in dieser Art über Fräulein von Foreck sprechen zu hören. Aber seine schöne Nachbarin mar keine Menschenkennerin und beobachtete Mazda so aus- merksam, daß schließlich etwas Herrisches in der Stimme