Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
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FuldaerZeNung
Mittwoch, 25. Juni 1924
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Niederlage Macdonalds
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Sie Berliner Betonungen.
Aus Berlin wird uns von unserem besonderen Vertreter mitgetellt:
Die Besprechungen, die der von Paris nach Berlin zur Unterrichtung der Reichsregierung em- aetroffene deutsche Botschafter in Paris, uerr von Hoesch, pflog, sind von einer ganz außerordentlichen Bedeutung. In den Unterredungen mit km Außenminister Dr. Strafe man n nahm Herr v. Hoesch Gelegenheit, den deutschen Rerchs- minister des Auswärtigen über die Auffassung zu unterrichten, die der neue französische Mmlsterpra- fldent Herriot hinsichtlich der Regelung der künftigen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich hat. Hoesch konnte sich dabei auf die persönlichen Unterredungen stützen, die er mit Herriot selber nach Uebernahme seiner Präsidentschaft herbeigesthrt hatte. „
Rach diesem Bericht scheint in der Tat dre Um- kehr von den bisherigen Gewaltmethoden eines Poincare eine vollkommene zu sein. Herriot hat Deutschland die volle Gleichberechtigung für die Verhandlungen zur Regelung der Reparationsfrage durchaus zugestanden. Er hat weiter zum Ausdruck gebracht, daß mit der Ausführung des Sachoerständigen-Gutachtens und zwar in dem Augenblick, in dem die in diesem Gutachten geforderten Pfänder den Alliierten übergeben seien, voll- tändige militärische Räumung des Ruhrgebiets er« olgen müsse. Man nimmt in unterrichteten Kreien an, daß in spätestens einemhalbenJahr diese Räumung vollzogen sein kann. Die Informationen haben weiter ergeben, daß die gegenwärtige französische Regierung auf dem Standpunkt steht, daß die Ausführung des Sachverständi- gen-Gutachtens mit dem Zeitpunkt des Jnkraft- k r e t e n s des Dawes-Gutachtens angesehen werde. Dieses Jickrastreten werde dann gegeben sein, wenn Deutschland die gesetzgeberischen Folgerungen aus diesem Gutachten gezogen haben werde und wenn die Ratifizierung auch auf der Gegenseite sich vollzogen habe. Mit diesem Augenblick würde die Verwaltung der Pfänder in Wirksamkeit treten und damit würde auch das ganze Gutachten als solches effektiv in Kraft gesetzt gelten. In diesem Augenblick, mit dessen Eintreten also, wie bereits erwähnt, in etwa sechs Monaten zu rechnen wäre, würde dann die militärische Räumung vorgenommen, außerdem naturgemäß die sofortige Wiederherstellung der deutschen Verwalt tungshoheit in den besetzten Gebieten Platz greifen, ferner die Aufhebung der Zollgrenze vollzogen und die vollständige Wiederkehr der Ausgewiesenen und der Gefangenen in die Wege geleitet werden.
Ein sehr schwieriger Punkt ist nun noch die Frage der Militärkontrolle. Das Reichskabinett hat in der Angelegenheit entgegen andern Pressemeldungen noch keine endgültige Stellung genommen. Diese wird voraussichtlich erst in den nächsten Tagen erfolgen. Indessen kann jetzt schon angenommen werden, daß die Reichsregierung, genötigt durch die Znmngslage, in der sie sich befindet, der Forderung einer abermaligen militärischen Kontrolle sich nicht widerfetzt, aber hinsichtlich der Form ihrer Durchführung zur Vermeidung von Schwierigkeiten und Zusammenstößen besondere Vorbehalte macht. An der Zustimmung zu der MSitärkontrolle dürften wir, selbst nach dem Urteil der führenden militärischen Stellen, nicht vorbeikommen. Auch der deutsche Botschafter in Paris, Herr v. Hoesch, hat in seinen jetzigen Unterredungen mit dem Reichsaußenminister die Zustimmung empfohlen unter Hinweis darauf, daß nur damit Herriot sich innenpolitisch eine stärkere Basis verschaffen und die Zustimmung weiterer Schichten der französischen Bevölkerung zu den in Aussicht gestellten Zugeständnissen erhalten werde. Die deutsche Reichsregierung geht bei ihrer Stellungnahme von der Erwägung aus, daß diese neue geforderte Militärkontrolle allerdings völlig zwecklos, aber auch unwirksam sei, weil irgendwo nennenswerte Waffen- oder Munitionsbestände keineswegs versteckt gehalten werden. Sie-geht weiter von dem Gedanken aus, daß diese Militärkontrolle die letzte sein müsse und daß sie im Hinblick auf die großen, jetzt zur Entscheidung stehenden Fragen dieses Zugeständnis gewissermaßen an das Sicherheitsgefühl Frankreichs machen kann. Die deutsche Reichsregierung ist sich dabei ihres guten Gewissens bezüglich des Ergebnisses dieser neuen Kontrolle vollkommen sicher.
Amtliche Mittellungen über die große Konferenz der Alliierten, die am 16. Juli in London stattfinden soll, sind noch nicht erfolgt. Immerhin ergibt sich aus anderen, der Regierung gewordenen Mitteilungen, daß neben den vier alliierten Mächten: England, Frankreich, Italien und Belgien, febenfaös auch ein amerikanischer Teilnehmer zugegen sein wird und zwar erwartet man, daß General Dawes selber eine an ihn ergehende Berufung nicht ablehnen werde. Weiterhin ist beabsichtigt, auch Deutschland hinzuziehen, so zwar, daß deutschen Vertretern Gelegenheit gegeben werde, sich zu den Einzelheiten des Sachverständi- gen-Gutachtens wie zu den von ihm berührten Fragen des Friedensvertrages zu äußern. Insbesondere hält man die Hinzuziehung von deutschen Vertretern für notwendig im Hinblick auf die Notwendigkeit der Ablösung der Micumverträge, wie überhaupt auf alle Fragen, die die deutschenfranzösischen wirtschaftlichen Beziehungen betreffen. 3ns englischen Quellen verlautet, daß, falls Deutschland die Militärnote annehme, Deutschland als vollberechtigter Verhandlungspartner zu der Londoner Konferenz eingeladen werden soll, falls die anderen Mächte keine Einwendungen erheben.
Nach weiteren Informationen aus Frankreich soll Heriot in der Frage der Eisenbahn dem englischen Ministerpräsidenten gegenüber erklärt haben, daß die von Poincare seinerzeit erhobene Forderung der bei oberen militärischen Kontrolle
der linksrheinischen Eisenbahnen auch nach ihrer Freigabe aus der Regie nicht ausgenommen werde.
Den Meldungen über deutsche Rüstungen trat Reichskanzler Dr. Marx gelegentlich einer Unterhaltung mtt einem englischen Preffemann ganz entschieden entgegen.
Ramsar, Macdonald
erklärte im englischen Unterhaus, bei den Besprechungen mit Herriot hätte es sich keineswegs um Vereinbarungen gehandelt, die ausschließlich zwei Mächte angingen, sondern man werde auch Theunis u. Mussolini über die Erötterun- gen auf dem Laufenden halten und Amerika einladen, Vertreter zu der Konferenz vom 16. Juli zu entsenden. Man habe auch eine eventuelle Vertretung Deutschlands in Erwägung gezogen, aber es fei selbstverständlich, daß sich zuvor die Alliierten einigen müßten, bevor man den Dawesbericht ins Werk setze.
Die Herriot - Macdonald - Note.
Nach übereinstimmenden Meldungen soll als Ergebnis der Besprechung in Chequers eine Note Herriots und Macdonalds an Deutschland gerichtet werden. Ein Telegramm besagt:
wtb Paris, 24. Juni. (Tel.) lieber den Inhalt dieser an die deutsche Regierung gerichteten Rote schreibt der Sonderberichterstatter des »Matra":
Macdonald, der beständig an die Gefahr dercke, der der Friede Europas durch die Ruhr-Besetzung ausgesetzt sein könnte, beunruhige sich, daß ein Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs auf Grund falscher Berichte weniger entschlossen iu dieser Angelegenheit denken könnte als die französische Regierung. Ec habe deshalb den Vorschlag gemacht, durch eine Kundgebung Berlin wissen zu lasten, welche Absichten Herriot und er hätten, herriot habe deshalb die Abfassung einer Sollektivnote vorgeschlagen. Diese Rote sei gestern abend von Brüssel abgegangen. Sie werde nicht veröffentlicht werden, denn sie habe nicht den Wert eines diplomastschen Dokuments, da sie dem deutschen Außenminister Dr. Slresemann nichts sage, was ihm nicht schon bekannt sei.
Rach dem »Petit Parisiea" soll die Rote doch am Mittwoch oder Donnerstag veröffentlicht werden.
Vas Programm von Chequers.
wtb Paris, 24. Juni. (TÄ.) Der Berichterstatter des „Ouokidien" glaubt in der Lage zu sein, das Programm zu veröffentlichen, das in Chequers zwischen Herriot und Macdonald auf Grund eines umfangreichen Planes verabredet worden fei. Dieses Programm enthält Garantien für Reparationszahlungen und für die Sicherheit. Was die Reparationsstage anlangk, so sei es nicht zweifelhaft, daß das von den Sachverständigen verlangte Regime bald in Kraft trete. Die beste Garantie werde in dem rationellen Arbeiten der von den Sachverständigen vorgeschlagenen Kontrollorgane bestehen. Die interalliierte Konferenz vom 16. Juli werde ihr Zusammenarbeiten und ihre Aufgaben seststellen. Sobald sie in Tätigkeit sein werde, werden die Alliierten auf die wirtschaftlichen Druckmittel v e r z i ch t e n, die sie in den besetzten Gebieten besesten haben. Andererseits werde die militärische Besetzung des Ruhrgebiets nach Maßgabe der deutschen Zahlungen eingeschränkt werden. Herttok habe von Macdonald gefordert und erreicht, daß Großbritannien sich durch eine schriftliche Garantie verpflichtet, mit den Alliierten ohne Vorbehalt zusammenzuarbeiten, falls Deutschland gegen seine Verpflichtungen verstößt, was die l o k a l e n Vorsichtsmaßnahmen anbetrifft, die die Alliierten auf dem linken Rheinufer treffen müßten, so stehe die französische Regierung auf dem Standpunkt, daß die zurzeit besetzten Brückenköpfe bis auf weiteres besetzt bleiben müßten. Sie wünsche ferner, daß die Alliierten Auffichksrechk in einem Teil der zurzeit von der französischen und belgischen Eisenbahnregie behalten. Jn Chequers sei beschlossen worden, daß ein Programm der Kontrolle gewister Linien im Rhein- und Ruhrgebiet durch einen fron- zöfischen und englischen Sachverständigen aufge- stellk werde. Was die Garantien anlaage, so sollen diese nach Herriots Ansicht im Anfang auf die Alliierten beschränkt sein, später auf Deutschland ausgedehnt werden, das in den Völkerbund eintreten würde.
Der verhinderte Dawes.
wtb p a t i s, 24. Juni. (Tel.) Rach dem Brns- seler Berichterstatter der »Chicago Tribüne" sollen Macdonald, Herriot und Theunis angesichts der Tatsache, daß General Dawes verhindert sein werde, der Londoner Konferenz vom 15. Juli beizuwohnen, an die Einladung des zweiten amerikanischen Sachverständigen in der Sachverständigenkommission, Oven Zoung, denken.
* Der Prozeßkamps um die Herrschaften Chlapow nb Kojanke, die beide etwa 90 000 Hektar umfassen, ist den Blättern zufolge im Urteil des Reichsgerichts zugunsten des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen endgültig entschieden worden. Dec preußische Staat ist mtt seinen Ansprüchen aus die genannten Besitzungen abge» wi es.en und verurteilt worden, die Kosten des Broiesies zu tragen.
Wtb £0n6on, 24. Juni. (Tel.) Die Regie- r u n g erlitt gestern abend im Unterhaus bei einer Geschäftsordnungsftage bezüglich der Dohaungs- vorlage eine Riederlage. Die Unionisten stimmten gemeinsam mit den Liberalen dafür, daß die Vorlage nicht an den Geschäftsansschuß verwiesen werde. Das liberale Mitglied Masterrnann beantragte, daß die Vorlage vor dem Ausschuß des gesamten Hauses behandelt werde. Bei der Abstimmung stimmten für den liberalen Antrag .315 Mitglieder, dagegen 175. Die Regierung blieb daher mit 140 Stimmen in der Minderheit.
Die Blätter heben hervor, daß dies die f Ü n f le Riederlage der Regierung Macdonald sei und zwar die schwerste, die irgend eine Regierung in den letzten Jahren erlitten hat.
Mussolinis Schwierigkeiten.
Rene Gewalttat.
In Turin drangen fünf junge Burschen in die Privatwohnung des abwesenden Senators Frassati, des ehemaligen Berliner Botschafters, ein und zerstörten die Einrichtung. Als feine Frau und fein Sohn herbeieilten, ergriffen die Eindringlinge in einem Auto die Flucht. Die Polizei hat angeblich mehrere der Beteiligten verhaftet. Das Vorkommnis steht in Verbindung mit der scharfen Kampagne der Turiner „Stampa" gegen die Regierung.
Der König.
Die „Epoca" bringt die aufsehenerregende Nachricht, der König von Italien werde nach Empfang der Antwort auf seine Thronrede eine Botschaft an das Parlament richten, was feit 1859 nicht mehr dagewesen ist.
Gesellschast „Deutsche Reichsbahn".
Die Regelung der Personeaverhällnisse.
Einer Korrespondenzmeldung zufolge wird dem Reichstag in diesen Tagen der Gesetzentwurf über die Regelung der Personenverhältnisie bei der Gesellschaft „Deutsche Reichsbahn" zugehen. Die Rechts- u. Personenverhällniffe werden danach durch die von der Gesellschaft zu erlaffende Personalverordnung geregelt. Die Reichsbahnbeamten sind ausdrücklich unter Vorbehalt von Widerruf und Kündigung auf Lebenszeit angestellt. Besoldung, Wartegeld, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung regelt die Personaloerordnung, desgleichen Urlaub und Arbeitszeit. Die Reichsbahnbeamten haben zur Vertretung ihrer Interessen gegenüber der Gesellschaft die gleichen gesetzlichen Rechte und Pflichten, wie die Reichsbeamten gegenüber der Reichsverwaltung. Die Gesellschaft übernimmt die im Dienst der Deutschen Reichsbahn vorhandenen Beamten und Arbeiter mit den bestehenden Rechten Und Pflichten. Den Reichsbahnbeamten werden an Besoldung, Wartegeld, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung die Ansprüche gewährleistet, die sie als Reichsbeamte hatten.
Deutscher Reich.
* Für Auslandsreisen. Die dänische Gesandt- schäft in Berlin teilt mit, daß bis zum 31. 8. deutsche Staatsangehörige, die ein Einreisevisum nach einem anderen Lande haben und durch Dänemark zu reisen beabsichtigen, das dänische Durchreisevisum gebührenfrei erhalten.
* Der 68. Rheinische Provinziallandtag ist in Düsseldorf zusammengetteten.
* Immer noch keine Regierung. Seit Monaten bemüht man sich in Bay ern eine Regierung zustande- znbringen. Bis beute ist es noch nicht gelungen. In den letzten Frakttonssitzungen der bayerischen Volkspartei, der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei wurde ein abschließendes Ergebnis wieder nicht erzielt. Das Koalitionsprogramm soll jedoch fertiggestellt sein.
* Thüringen und das Reich. Der Staatsgerichtshof in Leipzig entschied, daß die thüringische 'Staatsbahn Ludwigsstadt-Leheste am 1. April 1921 nach Artikel 171 der Reichsverfassung auf das Reich übergegangen sei.
Ausland.
* Regierungskrise in Südafrika. Der bisherige Ministerpräsident von Britisch-Südasrika Smuts ist zurückgetreten. Der Gouverneur beauftragte darauf General Hertzog mit der Kabinettsbildung.
* Die Seeräuberei in China. Aus Shanghai wird gemeldet: Eine Bande von 33 chinesischen Seeräubern, die sich an Bord eines kleinen chinesischen Dampfers eingeschifft hatte, zwang den Kapitän des Schiffes, auf den größten Kreuzer, der chinesischen Kriegsmarine, den „Hai-shi" zuzuhalten, der sich auf der Höhe von Tschi-fu befand. Sie hofften, das Kriegsschiff zu überrumpeln, da sie vermuteten, daß sich die Mannschaft auf Urlaub befinde. Das traf jedoch nicht zu und die Seeräuber wurden vertrieben. Als sie landen wollten, wurden sie angegriffen und gefangen genommen. Neun Mann, darunter der Führer der Bande, entkamen jedoch.
Jn diesen Tagen konnte der Reichskanzler Marx auf 25 Jahre parlamentarischer Tätigkeit zurückblicken. Am 22. Juni 1899 wurde Marx als Nachfolger des Abg. R a t h für den Landtagswahl- kreis Neuß-Grevenbroich in den Preußischen Landtag gewählt. Bis zum Jahre 1918 hat Marx die- ■ ses Mandat ausgeübt, um sich dann ganz der, Reichstagsarbeit zu widmen, nachdem er im Jahre, 1910 als Vertreter des Wahlkreises Mühlheim-- Wippersürth-Gummersbach in den Reichstag ge-< wählt worden war. Seit der Neuregelung der, Wahlkreiseinteilung eröffnet der Name Marx öte- Liste des Zentrumswahlvorschlages im Wahlkreise Düffeldorf-Ost.
Die Tätigkeit des Parlamentariers Marx, der schließlich das höchste Amt, das das deutsche Volk zu vergeben hat, das Reichskanzleramt, ganz gewiß ohne sich danach zu drängen oder an ihm zu hangen, bekleidet, liegt klar vor aller Welt. Und doch wird die heutige Zeit der Fülle dessen nicht gerecht werden können, was Marx politisch, insbesondere kulturpolitisch — man denke nur an seine Lebensarbeit, die der Fürsorge für die Wahrung der christlichen Erziehung, für Schule und Jugend gewidmet war und auch heute noch ist, geleistet hat. Wenn er heute an der Spitze des Reiches das Schicksal des deutschen Volkes führt, so tut er auch das einzig und allein getrieben vom höchsten Pflichtgefühl und im Geiste des alten Zentrums, das der Wahrheit, der Freiheit und dem Recht dient. In all den Stürmen, die über unser Land hinweggegangen sind, hat Marx das Erbe der alten Partei treulich gehütet und verteidigt. Auch in diesem Punkte sehen wir die Dinge noch viel zu nah, und eine spätere Zeit wird diesem Schassen des Kanzlers, der zugleich Führer der gesamten deutschen Zen» trumspartei ist, gerecht werden.
Was Marx schließlich als oberster Staats», chef für das deutsche Land und Volk getan und geschaffen hat, wird auch erst die Geschichte würdigen können. Aber das darf man doch heute schon aussprechen, daß mit seinem Amt die Besserung der politischen Verhältnisse und die Anfänge der Gesundung unserer Wirtschaftslage untrennbar verknüpft sind. Den Kampf, den Marx um die Befreiung des deutschen Volkes von inneren Schwierigkeiten und äußeren Bedrückungen in stiller aber zäher und entschlossener Arbeit geführt hat, wird ein Ruhmesblatt für die Geschichte des durch den verlorenen Krieg so arg betroffenen deutschen Vaterlandes fein. Dieses Wirken und Schassen eines Marx findet nicht nur rückhaltlose Anerkennung der eigenen Partei, sondern weit darüber hinaus, auch im Lager derjenigen, die parteipolitisch und weltanschaulich eine Kluft von uns trennt.
So dürfen wir dem Kanzler Marx bei seinem jetzigen parlamentarischen Jubiläum auch unsererseits die allerherzlichsten Glück- und Segenswünsche aussprechen. Möge sein Wirken auch fernerhin gesegnet fein zum Wohle von Volk und Vaterland!
SsMemWw „MiMAttW".
Der „Vorwärts" leitete feinen Bericht über dis Sitzung des ständigen Ausschusses des Preußischen Landtages vom 12. Juni mit dem Satze ein „V e r- fagen der Zentrumspartei". Damit sollte angedeutet werden, das Zentrum habe bezüglich der Erhöhung der Beamtengehälter in Preußen insofern versagt, indem es die Mittel hierzu nicht habe bewilligen wollen. Wie lagen die Dinge? Um die Bewilligung der Gehaltserhöhung handelte es sich n i ch t, sondern um das Bestreben des Zentrums, die Hauszins ft euer sozialer zu gestalten. Hierzu hatte das Zentrum im ständigen Ausschuß folgenden Antrag eingebracht:
Aus Antrag werden von der Steuer befreit solche Steuerschuldner, ober Mieter, auf die die Steuer umgelegt werden kann, deren jährliches Einkommen unter 900 Mark beträgt
Dieser durchaus soziale Antrag, der die Invaliden, Sozialrentner, Kriegerwitwen usw., die ein kleines Häuschen haben, von der Steuer verschonen wollte, wurde von den Sozialdemokraten zu Fall gebracht. Ebenso der Zentrumsantrag, der verhindern wollte, daß der Eigentümer zum Steuerexekutor für den Staat dienen muß. Der Antrag des Zentrums verlangte, daß in den Fällen, wo der Hausbesitzer die Haus- zinssteuer vom Mieter nach Lage der Sache nicht bekommen kann, die Steuerschuld für die betreffende Wohnung vom Eigentümer auf den Staat bezw. die Gemeinde übergeht und im Ber- waltungszwangsversahren beigetrieben werden soll. Auch diesen Antrag brachte die Sozaildemokratie zu Fall. Die lkeineren Hausbesitzer, die also mit renitenten Mietern zu tun haben, müssen die Haus- zinssteuer auf alle Fälle zahlen. Sie können bann am Gericht den Betrag vom Mieter einklagen, d. h., wenn derselbe pfändbar ist. Andernfalls haben sie das Nachsehen. Ein solches Verhältnis kennzeichnet eine Partei, die sich einstmals stolz „Arbeiterpartei", „Partei des kleinen Mannes" nannte.______________________
Schule und Volksbildung.
— Religion in bet Berufsschule. Bei einer Umfrage in Baden haben sich von 55 Handelslehrern und Handelsschulräten 48 für Einführung des Religionsunterrichts als obligatorischen Unterricht ausgesprochen. Er wird somit im ganzen Lantz in den Lehrplan eingefügt mevben.