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Zur Unterhaltung

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Die Einsame.

Roman otm Horst Weither n.

Hus Pommerns Vergangenheit.

(Zur kommenden SOOjäfjrigen Jubelfeier der Christiani­sierung Pommerns.)

Von Propst Steinmann, Stettin.

Von Polen aus waren Versuche gemacht, den Pom­mern das Christentum zu bringen. Das um das Jahr 1000 vom polnischen Herzog Chrobry gegründete pom­merische Bistum Solberg erlosch mit dem Tode seine- ersten Bischofs Reinbern; andere Missionar« sanden kein Gehör, manche von ihnen den Marteitod. Der letzte Missionar, der spanische Bischof Bernhard, wurde aus dem Lande gejagt wegen feiner Armut, da die Pommern nicht glauben konnten,daß der unendlich reiche, mächtige und höchste Gott einen Boten zu ihnen senden würde, der nicht einmal Schuhe besitze".

Durch Bernhard wurde Otto von Bamberg aus die Pommern aufmerksam gemacht. Otto faßte den Ent­schluß, sich ganz dem Seelenheil der Pommern zu weihen. Nachdem auch Papst Eallxtus II. sein Vorhaben gebil­ligt, chm hierzu seinen Segen und die Erlaubnis, auf unbestimmte Zeit fein Bistum zu verlassen, gegeben hatte, brach Otto 1124 mit Sefried, einem jungen Geist» lchen von Bamberg, zur ersten Missionsreise nach Pom­mern auf, der mit Genehmigung des Papstes Hono- rius II. 1127 eine zweite folgte.

Die Saat, die der hl. Otto auf feinen beiden Ms- fionsreissn ausgestreut, ging auf und brachte reiche Früchte. Beweis dafür sind die prächtigen Kirchen und Kapellen, die überall ün Lande erbaut wurden, die Klostergründungen, die wie ein Kranz Stadt und Land umgaben, endlich die vielen Stiftungen, die dem frommen, gottesfürchtigen ©i-rone der Bewohner entsprangen. St. Otto hat in Stettin die Peter-Pauls-Kirche sowie die Adalbertkirche gegründet, die St. Jakobikirche erbaut und dem Patronat der Bamberger Benediktiner in dem Mi-

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Wie weit ist ein Gewitter entfernt? Eine allbekannte Unterhaltung, die, weil sie bei Blitz und Donner durchgeführt wird, ganz besonder« Reize haben kann, ist die Bestimmung der ungefäh­ren Entfernung eines Gewitters. Man teilt die Zahl der zwischen Licht und Schalleindruck ver- strichenen Sekunden durch drei und erhält so, in Kilometern ausgedrückt, die gesuchte Strecke. Hat man keinen Sekundenzeiger auf seiner Taschenuhr/ so pflegt man zu zählen: einundzwanzig, am et. undzwanzig und so weiter, bis der Donner emfetzt. Der einfache Grund für die Richtigkeit dieser Art, die Entfernung eines Gewitters zu bestimmen, liegt in der Tatsache, daß der Schall sich in der Luft um etwa % Kilometer für jede Sekunde fort- bewegt. Das ist eine verhältnismäßig geringe Ge­schwindigkeit, vor allem verglichen mit der Schnelle, die das Licht bei seiner allseitigen Aus­breitung besitzt (300 000 Kilometer in der Sekunde, also 71/etnal um den Aequator herum).

übernehmen!"

Es war das erstemal, daß Sefine ihre Zurückhaltung ablegte, und es lag so viel Warm« und Herzlichkeit m ihren Worten, daß Magdas Traurigkeit dahin schwand.

Ich danke Ihnen, Sefine, ich bin nicht müde und stehe der Frau Baronin vollständig zur Verfügung. Seit dem Tode meines Vaters fällt es mir noch immer schwer, aus meiner Einsamkeit herauszutreten."

Das begreife ich sehr gut", antwortete Sefine sanft, obwohl auch die Einsamkeit traurig ist ach, so traurig!"

Jawohl, trauriger als Sie es sich verstellen können, liebes Kindl"

Ich stelle es mir nicht vor ich weiß es!

Sie hielt inne und preßte die Lippen fest auseinander, wie sie es stets zu tun pflegte, wenn sie fürchtete, unbe­dachte Worte könnten chre geheimen Gefüge verrate«.

Seien Sie nicht ungerecht, SeKne", sagte Magda ruhig.

Ungerecht? Gegen men?"

Gegen Ihre Angehörigen."

Meinen Vater? Meine Großmama?"

Gewiß, Ihr Vater und Ihre Großmama, beide haben Sie lieb!"

Sieb? Nun vielleichtwenn sie mchts anderes zu tun haben! Jedenfalls ist die Art und Weise ihrer Liebe nicht derart, daß sie begfiitfen könnte. Wenigstens mich nicht, es kann mir nicht genügen, mich zugleich mit Toiletten, Visiten, Theater und Soireen, mit Pferde« und allem übrigen geliebt zu sehen! Wahrscheinlich ist das mein Frisier! Ach, niemand sollte wünschen, von mir geliebt zu werden, denn ich wär« wahnsinnig eifersüchtig auf diejenigen, denen mein Herz angehören würde; ich möchte sie allein besitzen, einzig und allein in ihren Her- zen wohnen, von ihnen so geliebt sein, wie ich selbst fieben würde! Sie finden mich wohl recht anspruchsvoll, nicht wahr?"

Meine arme kleine Sefine", sagte Magda sanft. Wenn Sie glücklich sein wollen, müssen Sie sehr viel geben und sehr wenig oder auch gar nichts dafür fordern und nie von anderen verlangen, daß sie Ihnen gleich seien!"

Sefine hatte ihren seelenvollen Blick och Magda ruhen lassen.

Sprechen Sie achrichtig? Nicht nur, um mich durch gute Ratschläge irrezuführen, an die Sie selbst nicht glauben?"

(Fortsetzung folgt.)

Sefine ift übrigens ein sonderbares Gemisch von kin­discher Unvernunft und frauenhafter Reife. In der Ueberzeugung, daß sie mich durch ihre eigenen Aussprüche über ihr Wesen genügend aufgetlärt habe, hat sie in ihrem Benehmen absolut nichts geändert, und ich werde sie da­bei belassen, solange ich nicht die dringende Notwendigkeit jehe, einzugreifen. Ich würde nur den schlummernden WDerspruchsgeist wachrufen, wenn ich mich verleiten tzeße, energisch vorzugehen.

Wie es scheint, hat bis jetzt nie jemand den Versuch gemacht, moralisch auf sie einzuwirksir, urä> sie lebt in der liebergeugung, daß sie keinem andern Gesetz zu folgen Hot als ihren eigenen Saunen. Wenn sie Lust hat zu {dien, sei es aus Laune, sei es aus Wißbegierde, denn sie ist ungewöhnlich intelligent und lernt mit Eifer, so Lest sie; wenn aber der Wind in andrer Richtung bläst, wäre kein fremder Wille imstande, sie zur Arbeit zu bringen. Sie fand es der Mühe wert, mich in dieser Richtung auszuklären und teilte mir am Tage nach meiner Ankunft mit, daß ihr Wahlspruch also laute:

Alles durch freien Willen, nichts durch Gewalt!" Ich solle nie etwas von ihr begehren, was ihr nicht zu tun j beliebe, da es ganz verlorene Mühe wäre.

Dais alles sagte sie, auf einem Bärenfell, ihrem Lieb- , Lngsplatze, sitzend, in einem ganz bestimmten Ton, j während sie sich mit den Bewegungen eines frierenden Kätzchens am Feuer wärmte. Ich ging darauf ein und antwortete ganz, als ob es sich um jemanden handle, mit . |bem weder sie noch ich irgend etwas gemein hätte.

Darf ich mich nicht der Hoffnung hingebsn, daß ich diesen kostbaren guten Willen immer bei Ihnen finden werde?"

Ruhig ihren Hund, Myrcho, streichelnd, antwortete sie: | Das dürfen Sie nidri hoffen. Sie würden sich ent-

Bersprechen, das ich niemand geben könnte, denn ich - wäre sicher, es nicht zu halten."

©ie unterbrau) sich für einen Augenblick, dann fuhr pe fort, während ihre Hand in dem rötlichen Fell des Hundes wükstte: >

Meine Großmama hat Ihnen von mir ein wenig fthmeichelhaftes Bild entworfen; aber ich besitze noch mehr Fehler, als sie sich Dorf teilt. Und Sie werden viel­leicht enchetzt sein, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich nicht ine geringste Lust verspüre, mich zu ändern."

Ich fragte:

Weshalb? Glauben Sie, Sie könnten nicht besser jein?" ...

-Sie schüttelte das eigensinnige Köpfchen:

Ganz einfach, well es mir bequemer und angenehmer erscheint, so zu bleiben, wie ich bin!"

Angenehmer für die andern?"

Rein, für mich. Ich bin entsetzlich egoistisch. Wenn Großmama Ihnen das nicht gesagt hat, so mache ich Sie darauf aufmerksam, immer nur in der Absicht, Ihnen Cnttäuschungen zu ersparen. Da üt meiner Umgebung jeder so lebt, wie es ihm beliebt, weshalb sollte ich diesem Beispiel nicht folgen?"

Ich hatte aus Besorgnis, zu viel oder zu wenig zu sagen, geschwiegen, aber sie schien in meinen Augen zu lesen, was in mir vorging, denn sie fragte ungeduldig:

Weshalb sehen Sie mich jo an?"

Weil ich mir die Frage stelle, ob Sie wirklich m Ihrer Aufrichtigkeit glauben können, daß die Hebens» regeln, die Sie da aufstellen, zum Glück führen?"

Sie richtete sich auf, als ob sie die Flucht ergreifen wollte, falls ich weiter auf die Sache entginge, und sagte bitter:

Ich glaube, daß edle Naturen ihr Glück darin finden, ihre Umgebung zu beglücken, selbst auf Sofien ihrer Seelenruhe, aber für mich ist das zu viel Tugend, ich bin nicht imstande zu geben, ohne zu empfangen, oder zu liebem, ohne geliebt zu werden!"

Dabei sah sie mich durchdringend an. Ach, diese Mrgen, wrich herrliche Ausdrucksfähigkeit sie besitzen! Wieviel sie zu sagen vermögen, ohne daß Sefine eine Ahnung davon hat. Ost fühle ich sie mit einer Art bren­nender Neugierde auf mich gerichtet; sie beobachten mich, fingen und überlegen; und deutlich verraten sie den festem Entschluß, daß diese junge Seele mißtrauisch verschlossen bleiben soll, bis sie zur Ueberzeugung gekommen sei, daß sich mir chr Herz zuwenden könne mit seinem reichen Schatz an Vertrauen und Zärtlichkeit. Dieses arme junge Herz, das sich noch niemand geöffnet und schon fiwiel Schmerz und EMäuschung erlitten hat. Armes

Ich weiß nicht, ob die Instinkte einer Muiter in meinem Herzen schlummerten, ohne daß ich es ahnte, oder ob die Angst vor der gräßlichen Einsamkeit, vor diesem hoffnungslosen Hindämmern mich dazu treibt, die gren­zenlose Leere auszufüllen? Aber ich fühle mich .näch­tig hingezogen zu dieser gequälten jungen Seele; fühle, büß ich mich ihr hrngeben werde, sobald Sefine es zu- lassen roirb, nur zu sehr, um nicht wieder zu leiden, wenn die Umstände mich von ihr trennen werden. Ja, ich werde leiden, wenn ich .enttäuscht die Entdeckung machen fottte, daß es ein Irrtum war, ihr Raum in meinem Herzen zu geben.

Ach, ßebe Freundin, spotten Sie meiner nicht; aber ha ich nichts mehr zu hoffen habe, wende ick mich denen zu, die mir vielleicht helfen können, meine Vereinsamung zu' vergessen. Das törichte Herz lechzt ja immer nach Siebe, es ist noch schwerer, als ich es mir vorgestellt habe, einsam unter Gleichgültigen in der Well zu stehen!

Ich hatte schon manche schwere Sorge, manche bittere Stunde erlebt, aber damals besaß ich ein Gut, dessen Wert ich nicht zu schätzen wußte die Freiheit! Ich hatte Freunde, die mir jetzt fast alle entfremdet sind, aber damals konnte ich in chrer Gesellschaft Zerstreuung fin­den, meine Sorgen vergessen. Jetzt weiß ich, was es heißt, von andern abhängig sein, weder Rücksicht noch Wohlwollen, kaum Artigkeit von den Menschen bean­spruchen dürfen, nie vergessen, daß man ein bezahltes Wesen ist, das jeden Augenblick bereit sein muß, das zu tun, was man von ihm verlangt nie vergessen, daß man o, mein Gott, kaum mehr als eine Dienerin ist!"

Magda hielt plötzlich inne nein, sie durfte nicht weiter schreiben, durfte ihrem Entschluß nicht untreu werden, indem sie ihren Sammer in feinem ganzen Um­fang preisgab.

MO M KlmiMt Beim Mita.

Von San.-Rat Dr. Graetzer tn Friedenau.

Kürzlich brachten die Zeitungen die Notiz, es fei zwei Berliner Forschern gelungen, die Erreger dieser Krankheit zu entdecken. Diele wird diese Mitteilung nicht sehr interessiert haben. In Wirklichkeit geht die Sache aber auch die Menschen an, denn das Leiden, das besonders das Rind, aber auch Schafe, Schweine, Ziegen (seltener Pferde, Hunde, Katzen, SefEügri) de- fällt, kann von diesen Tieren was die wenigsten wissen auf den Menschen übertragen roefr den. Nicht gerade häufig geschieht dies, aber Leute, die mit jenen Tieren zu tun haben, sind doch jederzeit dieser Gefahr atsgesetzt, namentlich beim Melken. Das Krankheitsgist ist auch in den Bläschen und Se- schwüren des kranken Tieres, in feinem Blut, Speichel, Harn vorhanden und auch in der Milch. Wird letztere ungekocht oder nicht genügend gekocht genoffen, so wird das Leiden übertragen. Solche Uebertragung ist aber auch möglich durch Mit- telspersonen, z. B. Leute, die das kranke Tier warten, ja sogar durch Geräte, Dünger, Futter und berg!., die aus infizierten Ställen stammen.

Ist Ansteckung erfolgt, fo bekommt der Mensch ge- wohnlich nach 3 bis 5 Tagen Mattigkeit, Kopf-, Kreuz, nnd Gliederschmerzen, Appetitlosigkest, Magenschmerzen, Uebelkeit, Erbrechen, meist auch Fieber, und, wieder nach einigen Tagen, falls die Ansteckung durch den Mund, z. B. durch Milch, zustandekam, zeigen sich lokale Er- scheinungen: rote Lippen, Zunge, Zahnfleisch, Wangen« lchleimhaut werden rot oder nur grauweiße, etwas erha- bene Flecke. Speichelfluß und übler Geruch aus dem Munde vervollständigen das Bild, und die in der Siegel recht heftigen Schmerzen im Munde erschweren das Kauen und Schlucken in erheblichem Grade, sodaß be. sonders Kinder rasch abmagern und durch Entkräftung ernstlich gefährdet werden. In der Zeit, wo diese Mund« entzündung besteht, entwickeln sich meist auf der Syaut Ausschläge: Flecke, wie bei Masern, Knötchen, wie bei Schafblattern, Bläschen, wie im Munde, erst wasserlos, dann eitrig werdend.

Diese Bläschen schießen, wenn die Ansteckung von der Haut aus erfolgte, d. h. wenn das Krankheitsgist durch Hautverletzungen in den Körper eingedrungen ist, zunächst in der Nachbarschaft dieser Eingangspforte auf, während die Wunde feäbft sich rötet und schmerzhaft wird. Ist die Ansteckung beim Melken zusiandegekommen, so entwickeln sich solche Bläschen an den Fingern, und wenn die eitrigen Bläschen platzen, so kann, da in dem Eiter die Krankheitserreger vorhanden sind, durch Be­rührung mit den ertrantten Fingern leicht das Leiden auf andere übertragen werden.

Ist trie Maul- und Klauenseuche beim Menschen eine gefährliche Erkrankung? Es wurde schon erwähnt, daß' bei Kindern die Gefahr der Entkräftung besteht; auch bei wenig robusten Erwachsenen kann die Erschwerung der Nahrungsaufnahme zu einem solchen bisweilen die Geschwüre und Eiterungen im Munde und auf der Haut so hartnäckig bestehen, daß auch dieses Moment sticht außer acht gelaffen werden darf. Der Arzt ist also fa bald als möglich aufzufuchen. Leider wird das Leiden von Laien nicht selten verkannt, für Masern oder Schafblattern gehalten, und ärztliche Beobachtung nicht für notwendig angesehen. Die Kenntnis der An­steckungsmöglichkeiten und der Krankheitserscheiiumge» ist affo von großer Wichtigkeit.

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chariskloster unterstellt. St Jakobi wurde die Pfarrkirche der Deutschen, die Seelsorge übten Benediktiner aus Bamberg aus. Für die Slawen diente die St. Syrier. Paul-Kirche sowie St. Nikolai auf dem neuen Markte. 1240 kommen dann die Franziskaner nach Stritm die als die grauen Mönche wohl m den meisten pommerfchen Städten ihre Klöster hatten. In der Mönchenstraße hat­ten die Karmeliter ihr Kloster. Im Dolksmunde hießen sie diemitten Moneken". Vor der Stadl lag das Start« häuferkloster. In Colbatz hatten die Zisterzienser ein großes Kloster, dessen Besitz sich bis an di« Stadtgrenze von Stettin erstreckte. In Stettin hatten sie m Rosem garten ein Absteigequartier, den sogenannten Adtshof. Franziskaner waren in Greisenberg und Pyritz, -Dornt» nikaner m Pasewalk und Cammin, Augusttner m Gartz und Stargard Demmin. 1234 wird in Stettin das Non­nenkloster der Zisterzienserinnen gegründet. Die Namen Klosterhof und Frauensttaße erinnern daran. 1263 wird -die St. Marienttrch« erbaut, mit der ein Kollegiatstift, das unter einem Propste stcmd, verbunden wurde. Im Kollegiatsttft wird eine höhere Schule unterhalten, aus der sich das Marienstift-Gymnasium entwickelt hat. Später kam beim Schlosse St Otten mit dem St. Ottern kopitri hinzu.

St. Nikolai, St. Marien sind die Gotteshäuser, die auch in den übrigen Städten Pommerns entstanden. Dem Patron der Seefahrer und Schisser und der Him­melskönigin galt die besondere Verehrung. Mit Be­wunderung betrachtet man noch heute die herrlichen Kirchen, ich erinnere an Stralsund, Greifswald, Cammin, Pasewalk und Stargard, wo die Bürgerschaft es sich zur Ehre rechnete, durch ihre Marienkirche den bischöflichen Dom in Cammin an Gröhe und Schönheit zu übertreffen. Es sind Denkmäler einer glaubensstarken Zeit!

Mit der Gottesliebe, die die Kirchen und Kapellen widerspiegeln, ging Hand in Hand die Nächstenliebe. In keiner pommerschen Stadt fehlten Hospitäler zur Aus­nahme von Kranken und Fremden. Der Pflege der Aussätzigen dienten die St Georgs Hospitäler. In Stet­tin bestanden das St Jürgenhospital, das Heiliggeist- Hospital sowie das der hl. Gertrud auf der ßaftaixe. genier bestand eine Elendsbruderschast mit einem Krankenhof (curia infirmorum), dem späteren Johonnes- hof, der jetzt die katholische 14klaffige Gemeindeschule in seinen Mauern birgt

Erwähnt muß auch das reiche Zunftwesen werden, das ganz unter dem Schutze der Kirche sich entwickelte. Die Zünfte bildeten kirchliche Gemeinschaften, die chre Mitglieder nach eigenen Satzungen lenkten und sorder- ten, die aber auch für kranke und verstorbene Müglteder sorgten. In der St. Nikolaikirche bestand eine Stiftung der Kaufleute für dieMarientiden" es sollten die Tageszeiten der alferfeligften Jungfrau gebetet werden. Die Krämer errichteten hier eine Stiftung für Kerzen, de dar werden getragen vor dat Saerament wen man to de Kranken gell".

Die Zünfte hatten ihre eigenen Kapellen oder Altäre mit eigenen Geistlichen, die für die Zünfte besondere Gottesdienste abzuhalten hatten. In St. Jakobi in Stet­tin finden- wir die Zünfte der Wollweber, Schuhmacher, Bäcker, Schmiede, Schneider, Knochenhauer mit Altären vertreten, in St Peter-Paul die Zunft der Fischer. Nicht unerwähnt laffen wollen wir die Zunft der Goldschmiede und Waffenschmiede. Das Handwerk stand unter dem Schutze der Kirche, und die wenigen Stücke, die auf unsere Zeit gekommen sind, z. B. der schöne Türklopfer an der Schloßkirche, der kostbare Dedelowkelch bei St. Nikolai geben Zeugnis von der Kunstfertigkeit des Hand­werks.

Werfen wir einen Rückblick auf die katholische Zeit Pommerns, dann zeigt sich uns das private und offen!» liche Leben tief durchdrungen vom Geiste des Glaubens und von kirchlicher Gesinmmg.

Religion urti) Kirche begleiteten und führen die Men­schen von der Wiege bis zum Grabe, weihten alle Der- hältniffe des privaten und öffentlichen Lebens. Mit Ehr- furcht und Liebe hing das Volk an der Kirche, trotz mancherlei Gebrechen. Fest stand das Gefüge der Kirche und mit ihr das Papsttum, der Fels der Einhett der ge- famten Christenheit Ein Glaube umschlang alle, und diesen zu erhalten und zu nerifefen, dafür sorgte die Kirche in ihren Gottesdiensten, in den regelmäßigen Predigten und im Unterricht Die Kirche nahm sich der Bildung an von der Elementarschule bis zur Universität, pflegte "die Kunst und leitete des Künstlers Hand, um plastischen Andruck dem zu geben, was die christliche Volksserie bewegt Und wie herrüch sind die Leistungen der Kirche auf dem Gebiete der Nächstenliebe, ist jene Lust am Wählten in der Gründung von Krankenhäusern und Hospitälern, von Stiftungen! Das sind Verdienste, die auch durch Spuren menschlicher Unvollkommenheit nicht verdunkelt werden können. Alles in allem, die katholische Periode Pommerns muß als eine große und glückliche angesprochen werden. Pommern war katholisch und durch die Kirche deuffch geworden.

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Gerade jetzt durste sie sich ihrem Schmerz am aller­wenigsten hingeben. Sie müßte, wenn sie beim Diner erscheinen sollte, ruhig und gelassen unter diesen Frem­den auftreten, die sie nicht als ihresgleichen betrachteten, die ihr wahrscheinlich mit einem Gemffch von Neugierde und Gleichgültigkeit entgegenkamen.

Leise wurde die Tür geöffnet:

Verzeihen Sie, Fräulein, wenn ich Sie störe, aber Großmama" -

Es war Sefinens Stimme.

Magda blickte erschrocken auf: sie vergaß, daß das Lampenlicht die Spuren der Tränen in ihrem Antlltz verraten mußte und wurde sich dessen erst bewußt, als sie den Ausdruck inniger Teilnahme in den Augen des jungen Mädchens gewahrte.

Magda bemerkte zugleich, wie Sefine unschlüssig wurde, ob sie, ihrem Impuls folgend, vor diesem Schmerz, der sich ihr so plötzllch offenbarte, ihr Herz öffnen ober sich den Anschein geben sollte, nichts bemerkt zu haben?

Fast mechanisch hatte Mazda mit einer raschen Hand­bewegung die Spuren der Tränen zu verwischen gesucht, und da sie damit den Wunsch zu verraten schien, ihren Schmerz zu verbergen, machte sie Sefinens Zweifeln ein Ende. Regungslos büeb das Kind, ein Notenheft in der Hand haltend, auf der Schwelle stehen, und endlich ge­lang es Magda, mit freundlichem Lächeln zu sagen:

Kommen Sie näher, Sefme, bleiben Sie doch nicht so an der Tür stehen, sonst müßte ich voraussetzen, daß Sie mich für sehr wenig gastfreundlich halten!"

Gewiß nicht, aber ich komme mir sehr indiskret vor, bei Ihnen einzudringen. Großmama schickt mich, um Ihnen diesen Chor zu überbringen, der heute abend ge­probt werden soll; vielleicht wollen Sie die Begleitung durchsehen, da der Klavierspieler erkrankt ist?"

Gut gut", sagte Magda mit einem Ausdruck, der ihre Mutlosigkeit verriet, ohne daß sie es ahnte.

Sefine warf 'ihr einen raschen Blick zu:

Es ist Ihnen gewiß sehr lästig, nicht wahr? Oh, dann'tun Sie es doch nicht, ich bitte Sie herzlich! Sie täuscht sehen. Wo sollte ich versprechen, Ihnen immer pnt> nrüde ich könnte auch ganz gut die Begleitung meinen guten Willen entgegenzubringen? Das ist ein

» : Zrüdaer Zeitung Nr. 145.

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Vertreter: Ludwig Unger, Kassel, Westring 69.