Mädchen gemacht hatte, erregt war, steigerte sich durch die Mitteilungen der Baronin. Ihr Blick suchte das Bild, dos sie früher betrachtet hatte: die Baronin bemerkte es und sagte:
„Das ist eine Photographie Sefinens, die vor einem Jahr ausgenommen wurde. Wie Sie sehen, ist sie von der Natur inbezug auf Schönheit nicht allzu reich bedacht, außer ihren Augen ist wenig Hübsches an ihr. Ich will aber die Hoffnung nicht ganz ausgeben, daß sie sich noch zu ihrem Vorteil verändert. Nun — wir werden ja sehen! Einstweilen, liebes Fräulein, werden Sie ja Sefine ganz übernehmen, nicht nähr? Ich bin überzeugt, daß ich mich auf Sie verlassen kann. Uebrigens ich erinnere mich fetzt, daß mein Schwiegersohn äußerte, wenn nicht eine zufällige Namensgleichheit ihn täuschen sollte, seien Sie mit seiner Famllie entfernt verwandt."
„In der Tat, sehr entfernt, Frau Baronin, so sehr, daß es angesichts meiner neuem Stellung besser wäre, nicht darüber zu sprechen."
„Ganz wie Sie wünschen, Fräulein. Ich hoffe, bah Sie sich in meinem Haufe wohl fühlen und bei uns bleiben werden, so daß ich endlich von dem lästigen Suchen nach Erzieherinnen befreit bin. Aber, ich vergaß. Ihnen Ihren Zögling vorzustellen; Sie müjsen Sefine doch kennen lernen!"
Sie erhob sich und klingelte. Ein Diener erschien.
„Bitten Sie das Fräulein, sogleich hierherzukommen", befahl die Baronin.
V.
Die Portiere schloß kich und es herrschte Stille in dem Raum. Die Konversation, oder vielmehr der lange Monolog, den die Baronin gehalten hatte, war unterbrochen, aber sie hätte noch so viel zu sagen gehabt, daß sie nicht wußte, wo sie fortfetzon sollte. Als ihr Auge auf Magda fiel, kam ihr zum Bewußtsein, daß die künftige Erziehern ihrer Enkelin aussah wie eine Herzogin und von ungewöhnlicher Schönheit war. Diese Eigenschaft mißfiel durchaus nicht, denn sie hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen alles Häßliche, wodurch das Auge beleidigt wird. Und weil Mazda so wie sie war, ihrer Neigung für das Elegante, Vornehme schmeichelte, sagte sie mit großer Aufrichtigkeit:
„Ich bin wirklich entzückt, Fräulein, zu denken, daß ich mich ganz auf Sie verlassen kann! Ich mache Sie deshalb auch aufmerksam, daß ich Ihnen die vollste Freiheit lasse, Sefine ganz nach Ihrem Ermessen zu leiten und erbirte mir nur das eine von Ihnen, mich nie mit Klagen zu behelligen. — Ich hasse alle Zänkereien, Vorwürfe und Streitigkeiten über Dinge, die ich nicht persönlich angehen. — Ah, da ist Sefine!" schloß sie und im Rah-. men der Tür erschien ein junges Mädchen von schlanker, zarter Gestalt. Das Antlitz war blaß und von einer' Fülle dunklen gewellten Haares eingerahmt. Die großen Augen schienen das ganze Gesicht sozusagen zu beherrschen; es war der Typus einer leidenschaftlichen, klei- neu Zigeunerin voll Eigensinn und Launen.
Dieses Kind sollte häßlich sein? — Sogar die Unregelmäßigkeit der Züge, die die Anhänger klassischer Schönheit stören konnte, hätte jeder vergessen, der diese herrlichen Augen, die fetzt mit einem unbefmierbaren Ausdruck sanfter Trauer: i
Die Baronin beeilte sich vorzustellen:
„Meine Enkelin, Komtesse Maria Iosefine Rotteneck, die wir gewöhnlich Sefine nennen; ein Kind, das so wie ich Ihnen sagte, Fräulein, Ihres Einflusses dringend bedarf, um ernst und vernünftig zu werden, denn setzt ist ■ sie noch so kindisch wie ein kleines Schulmädchen!"
Einen Augenblick lang blitzte es in den dunklen Augen auf, aber ehe Mazda noch Zeit gefunden zu antworten, sagte Sefine mit einer warmen, wohlklingenden Stimme, aus der jetzt jedoch Spott und Bitterkeit sprach:
„Großmama! es ist nicht nett von Dir, jemand gleich gegen mich einzunehmen; laste doch dem Fräulein die FrerSe, selbst zu entdecken, wie schwer es ist, mich zu erziehen!"
Mazda betrachtete die jugendliche Rednerin mit einem Ausdruck sanfter Trauer:
„Fürchen Sie nicht, daß ich gegen Sie eingenommen bin! Im Gegenteil, ich hoffe von ganzem Herzen, daß, wir bald gute Freundinnen sein werden! Wollen Sie. das nicht auch hoffen?"
(Fortsetzung folgt.'
M 14?.
Samstag, 21. Juni 1924.
- Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acttensruckerei iu Fulda
50ÄHIBS onö Wale Mm.
Bei rund 29 Millionen Reichstagsroählern und rund 10 Millionen sozialistischen Stimmen, die sich auf die Vereinigte Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei Deutschlands sowie auf den radikalen Sozialfftffchen Bund verteilen, zeigt es sich, daß die gesamte sozialdemokratische wegung mehr als ein Drittel aller W ä hl e r umfaßt. Das muß man genau tm Auge hehaltech wenn man sich über die Bedeutung der Sozialdemokratie für Deutschlands wirtschaftliche «nd politische Entwicklung klar werden will. Obwohl die letzten fünf Jahre das Versagen einer im Besitze der Macht befindlichen Sozialdemokratie ge- lehrt haben, und man füglich ein stärkeres Abschwen- ken der enttäuschten Massen erwarten konnte, hat dieses nicht stattgefunden. Der Sozialismus ist auch heute noch ein Mastenglaube, wenn er auch als System diejenigen völlig im Stiche gelasten hat, die hofftrungsvoll seiner Fahne folgten.
DerKernpunktder sozialistischen Bewegung ist die Vereinigte Sozialdemokratische Partei mit über 6 Millionen Stimmen. Lehrreich ift es, die Verteilung dieser auf die einzelnen Landcs- teile zu verfolgen. Von 100 Stimmen erhielt dann die Sozialdemokratie in Ostpreußen 15,0, Berlin 21,8, Potsdam H 18,0, Potsdam I 20,7, Frankfurt a.ib.D. 20,1, Pomwern 18,9, Breslau 23,6, Lieg- nitz 27,4, Oppeln 47, Magdeburg 31,8, Merseburg 15,3, Tfifmftgen 22,4, Schleswig-Holstein 26,1, Weserams 20,8, Ost-Hannover 21,3, Süd-Hanno- aec-Braunschweig 30,0, Westfalen-Nord 18,0, Westfalen-Süd 16,0, Hessen-Nassau 25,2, Köln- Aachen 10,1, Koblenz-Trier 9,0, Düsseldorf-Ost 12,4, Düsseldorf-West 9,8, Oberbayern-Schwaben 13,2, Niederbayern 9,2, Franken 23,3, Pfalz 23,3, Dresden-Bautzen 36,6, Leipzig 30,2, Chemnitz- Zwickau 27,2, Württemberg 16,7, Baden 15,1, Hessen-Darmstadt 29,5, Hamburg 27,7, Mecklenburg 26,8. Am stärksten ift demnach die Sozialdemokratie vertreten in D r e s d e n - B a u tz e n mit 36,6 Prozent aller Stimmen. Dann folgt Magde-" burg-Anhalt mit 31,8, Leipzig mit 30,2, Süd- Hannooer-Braunschweig mit 30 Prozent. In allen übrigell Wahlkreisen blieb die Partei unter 30 Proz.
Im Gegensatz zu dem obigen, rechten Flügel der Gesamtbswegung hat der linke, die Komm u n i st i- fche Partei, insgesamt 3,7 Millionen Stimmen auf sich vereinigt. Ueber 20 Prozent der Stimmen erhielt sie in nachstehenden Bezirken: Berlin, Oppeln, Merseburg, Wesftalen-Süü, Düsseldorf-Ost (Düsseldorf-West 19 Proz.), Chemnitz-Zwickau. Hier haben wir also die derzeitigen Hochburgen des Kommunismus. In einem Teil derselben, vornehmlich aber in Oppeln wie im besetzten Gebiet herrschen außergewöhnliche Verhältnisse, die die Erwartung rechtfertigen, daß die kommunistische Hochflut auch dort wieder abebben wird. Viel wird nach dieser Richtung hin allerdings von dem rechten Flügel der Bewegung abhängen, wieweit es chm gelingen wird, die Massen über die völlige Der- kehrcheit des Kommunismus aufzuklären und sie wieder zu vernünftigem Denken zurückzubringen. Auf dem am 11. Juni in Berlin beginnenden Parteitag der Vereinigten Sogialdemokratte wird sich zeigen, ob dazu die Kräfte in der Partei aufgebracht werden. Denn die vor einigen Tagen im Zentralorgan der Partei veröffentlichten Anträge zum Parteitag lasten deutlich erkennen, daß auch in der Vereinigten Partei die nach links drängenden Strömungen noch in hohem Maße sich bemerkbar machen, die sich noch immer nicht an eine polit. und wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit mit nichtfozia- listischen Parteien und Kreisen gewöhnen können.
Sicht man von dem Anwachsen des Kommunismus als einer ungewöhnlichen Erscheinung ab, so beweist doch die Tatsache der unverändert breiten sozialistischen Bewegung als solche, daß starke Quellen wirtschaftlich ungesunder Verhältnisse und sozial unbefriedigender Zustände vorhanden sein müssen, aus denen der Sozialismus seine Nahrung
zieht. Damit bleiben Wirtschaftspolitik Sozialreform und eine sozialversöhnende Gemeinschaftsarbeit in Stadt und Gemeinde Aufgaben, denen auch weiterhin alle Kräfte einer aufbauenden inneren Politik gewidmet sein müssen. ..
Turnen und Sport.
fireisfum- und Spieltag in Doras.
Wie sehr der Gedanke einer gesunden Pflege der Leibesübunugen auch in unseren Schufen Wurzel gefaßt hat, zeigt der alljährliche Turn- und Spieltag der Schulen unseres Kreises.
Obwohl der Tag schon im Vorjahr in Bachrain einen überaus glänzenden Verlauf nahm, so konnte er, wenigstens was die Zahl der Betelligten angeht, am 16. Juni dieses Jahres in Horas noch übertroffen werden, lieber 850 Wetturner waren gemeldet. Ueber 1000 Schüler erschinen am Plötze. Nur eine gründliche Vorbereitung konnte eine geordnete Durchführung gewähv^isten. Und um es gleich vorweg zu nehmen, nur der umsichtigen und allseitigen Vorbereitung durch Herrn Rektor H Ü t s ch ist es zu danken, wenn die RiesenzM der Wetturner in so kurzer Zeit bewältigt werden konnte.
Den Höhepunkt des Tages bildete der wohlgelungene Kinderfestzug durch die Straßen des Ortes und die anschließende Ansprache des Herrn Landrats Frhr. v. G a- gern an die Kinder. Kindernähe und Kinderaugen machen warm. Man konnte es den Worten des Herrn Landrats anmerken, als er ihnen von Opfer. Elternhaus, Nachbarschaft, Heimat, Volk, Kirche und Vaterland erzählte. Es war keine hochtönende Festrede, sondern eine rührende Zwiesprache, die von Herzen kam und zu Herzen ging.
Die Leistungen, die erzielt wurden, waren durchweg gut, und Herr Schulrat Dr. Hamacher konnte nur seiner großen Zufriedenheit Ausdruck geben, als er nach der Preisverteilung allen Mithelfern am Gelingen des schönen Tages feinen Dank aussprach.
— Sußball. Erste Mannsch. Sportverein EckweiSbach spielte gegen vereinigte 1. und 2. Mannsch. des Sportverein? Hofbieber mit 1:1.
= Alheltik. Am 5. und 6. Juli findet in Aschaffen, bürg ein großer nationaler Wettstreit im Stemmen, Ringen und Boxen sowie allen keichtathletstchen Uekmn- gen statt. Voraussichtlich wird dort eine ganz besonders starke Konkurrenz zur Entfaltung kommen, gehört ja Asälaffenburg zum 2. Kreis, dem deutschen Sportzentrum. Der an den 2. Kreis angrenze bayerische Kreis wird wohl auch stark vertreten sein. Auch der 1. Fuldaer Athletik-Sportklub „Viktoria" entsendet eine Mann- schäft zu diesen Wettkämpfen. Aus diesem Grunde findet am Montag den 23. Juni im Beveinslokal eine Mitgliederversammlung statt, um festzustellen, wer sich an den Kämpfen beteiligen will. — Das Training für den Wettkampf findet findet Dienstags und Donnerstags in der Seminar-Turnhalle (Leipzigerstraße) statt. Gäste sind jederzeit willkommen. luc.
— Eine luftige Einrichtung ist in. Königsberg getroffen worden. Dort finden auf dem Walter-Simon- Platz allwerktäglich in den Frühstunden öffentliche Morgenleibesübungen statt, die von einem Turn- und Sportlehrer geleitet werden. ES soll schon eine ganze Reihe von Spazierflängern und solchen, die ihre Arbeitsstellen aufsuchen, sich diesen Uebungen anschließen.
= Ünsal- und Haftpflichtversicherung. Die dankenswerte Tätigkeit des preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt zur Förderung der Jugendpflege drückt sich auch inderVersicherungderJugendpsleger gegen Haftpflicht und der Jugendlichen und Jugend- Pfleger gegen Unfall aus. Die diesbezüglichen Bestimmungen sind soeben neu in einem Heftchen „Jugend- pflege" bei der Schriftenvertriebsgesellschaft, Berlin SW 68, erschienen. Die Versicherungsprämie beträgt 10 Goldpfennig im Jahr, die für alle Jugendlichen von den Vereinen gezahlt werden muffen. Gegen Un- fall versichert sind alle Unfälle, die beim Wandern, Rodeln, Skilaufen, Bergstergen, Radfahren, schwimmen, beim Motor-, Segel- und Ruderbootfahren im Jntereste der Jugendlichen zustoßen.
= Großhandelr-Indexsiffrr. Die auf den Stichtag vom 17. Ium berechnete GroßhandelS-Jndexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 10. Juni (117,2) mit 117,0 nahezu unverändert. Die Indexziffern der Hauplgruppen lauten: Lebens- mittel ! 9,1, Vorwoche 99,4; davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln 85,6 (87,6); Jndustriestoffe 150,4 (150,6); davon die Gruppe Kohle und Eisen 144,7 (144,7); 1 Inlandswaren 107,0 (107,5); Einfuhrwaren 166,9 (166,2;.
vermischtes.
* Großfeuer im Farbwerk. Aus Saarbrücken wird gemeldet, daß ein Großfeuer die Farbwerke von Becker u. Sohn in St. Johann vernichtete. Die Feuerwehr konnte nur unter großen Schwierigkeiten des Feuers Herr werden, da die brennenden Farben, Paraphin und Oele einen ungeheuren Qualm entwickelten.
* Opfer der Isar. Bei einer Ueberfahrt über die Jfar bei Unterföhring versank plötzlich die Fähre, in der sich 16 Arbeiter befanden. Es konnten nur 5 gerettet werden, während 11 ertranken.
* Bier Jahre Zuchthaus für einen Bombenwerfer. Das Altonaer Schwurgericht verurteilte den Arbeiter Rudolf Hirz aus Itzehoe, der am 18. Januar bei einem Erinnerungsfeste des Feldartillerieregiments Nr. 3 eine Bombe in den Festzug schleuderte, wodurch 12 Zivilisten und 2 Reichswehr- folbaien verletzt worden waren, zu vier Jahren Zuchthaus.
* (Ein zehnjähriger Alädchenmörder. Wie der „Lokanz." aus W i t t e n b e r g e meldet, wurde in Rosenhof in der Nähe von Werben (Elbe) ein Schulmädchen von einem zehrjährigen Jungen ermordet. Das Mädchen, mit dem der Junge schon seit langem in Streit lag, wurde von ihm, als es allein auf dem Elbdeich entlang ging, gestellt und solange geschlagen, bis es zu Boden fiel. Darauf erwürgte es der Knabe mit einem Rucksackriemen und schleppte die Leiche an eine dicht mit Schilf bewachsene Stelle. Der jugendliche Mörder, der nach dem Strafgesetzbuch noch nicht bestraft werden kann, wurde der Fürsorgeanstalt überwiesen.
* Aus dem völkischen Lager. Vor dem Amtsgericht Charlottenburg stand der nationalsozialistische Reichstagsabgeordntee Major a. D. Henning als Privatkläger gegen einen Parteigenossen, den er wegen Verleumdung verklagt hatte. Zu der Verhandlung erschien Henning mit einem Hakenkreuz auf dem lieber« rock. Der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Friedländer ersuchte den Abgeordneten, das Hakenkreuz zu entfernen, da er als Verhandlungsleiter im Gerichtssaal das Tragen dieses Abzeichens nicht dulde. Als der Major Henning sich trotzdem weigerte, das Abzeichen zu entfernen, erklärte der Vorsitzende, daß er den Privatklager in eine Ordnungsstrafe nehmen werde. Nach weiteren heftigen Auseinandersetzungen verkündete der Vorsitzende gegen den Abg. Henning die Verhängung einer Geldstrafe von 50 Goldmark. Eine Verhandlung war nicht möglich. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit an das Landgericht zur weiteren Entscheidung zu überweisen.
Technik und verkehr.
— (Bpernübetlragung durch Zernsprrchrr. Dem Reichs- Postministerium, Abteilung München, ist eS durch eine Erfindung gelungen, das Problem der Opernüber» tragung durch Fernsprecher nunmehr einwandfrei zu lösen. Im Münchener Nattonaltheater wurde erstmalig eine elektrische Opernaufnahme großen Stils mit rund hundert auf dem Orchester der Bühne verteilten Mikrophonen durchgeführt, welche die Stimme der Sänger und Instrumente aufnehmen. Die Töne werden dann auf das Fernsprechnetz weitergeleitet. Die Uebermitte. lung erfolgt nach dem neuen Schaltungsprinzip in der Weise, daß jedem Teilnehmer des Fernsprechnetzes durch eine einfache Zusatzeinrichtung die Möglichkeit ge- geben werden kann, Opern anzuhören. Bei Anruf einer Teilnehmers wird der Anschluß an die Oper automatisch unterbrochen.
Markte.
— Hünfeld. Zu dem Schwetnemarkt am 17. d. M. waren 178 Ferkel aufgetrieben. Für das Paar wurden 10—20 Mark bezahlt. Der Handel war schleppend und es verblieb Ueberstand.
= Frankfurt a. 2tl„ 19. Juni. Getreidebörse. Bei stetiger Tendenz wurden bezahst für 100 Kilo: Weizen
MAGGI5 Würze
Beim Dachfüllen
nachTü'Jprdse
Gm.
achte man d-uaui, daß die Würze aus Maggi's großer Originalflasche gefüllt wird; denn in diesen Flaschen darf gesetzlich nichts anderes als Maggi's Würze feilzehalten weiden
Mwncii ■totciinmrli erijallen wir dem Volksvermögen, wenn wir unsere teueren Kleider, Petze, Polstermöbel, Teppiche und Gardinen vor Zerstörung bewahren durch das allbewährte Mottenschutzpulver
Dr. Weinreichs Mottenäther.
In Apotheken und Drogerien erhällllch.
Pharmakon A.-G, Frankfurt a. M.
Glas, Porzellan, Küchengeräte.
ternr. 773. Conr. Wiegand Ww., Fulda, Markuir. IS.
16.75— 17, Roggen 15.25—16 75, Gerste 16.50—17, Hafer 15.25—16, Weizenmehl 27,25—28,75, Roggenmehl 22,73 bis 23,50, Weizen- und Roggenkleie 8,25—8,75.
= Kies und Sanb im Weserland. Am 27. 3uni tagt der Bund der Sand- und Kreswerke Deutschland» E V (Berlin) in Hannoversch-Münden im Hotel Andr'easberg. Daselbst hält zu gleicher Zeit auch dr- Vereinigung Deutscher Krrstallsandwerke eine Mtt- gliederbersammlung ab. Ebenso veranstaltet die Fachgruppe der Form- und Kernsandwerke Deutschlands m Hannoversch Münden eine Tagung. Am 28. Ium rst unter Führung der WeserkieSbaggereien eine Sonder, dampferfahrt von Hannoversch-Münden nach Hameln vorgesehen.
— Eine griechische handelrßammer ist unter Mit. Wirkung des griechischen Gesandten ,n Berlin ge. gründet worden. Die Handelskammer wird in Ham- bürg, Dresden, Leipzig und Köln Zweigniederlassungen eröffnen.__
Heues aus Frankfurt.
----- Ein Heiratsschwindler im Großen Der Tabakhändlet Ludwig Camisar wurde wegen ausgedehnter Heirms» schwindeleien von der Polizei in Haft genommen. Wie hoch die Zahl feiner Opfer ist, denen er natürlich alle entbehrlichen Gelder abgenommen und für sich der- braucht hat, konnte noch nicht annähernd festgestellt werden, da sich fortgesetzt noch immer Frauen und Mädchen melden. Seine Opfer holte er sich auf gründ von Zeitungsanzeigen. In den Anzeigen, die er selbst aufgab, gab er fein Alter um 40 Jahre junger an. Auch durch Stellenvermittlungsschwindel erwarb er erhebliche Summen. „ k ,
= Eine verschärfte Geschäftsordnung. Dm ben kommunistischen Störungen tn der Stadtverord- neienversammlung das Handwerk zu legen, kommt in den nächsten Tagen eine Geschäftsordnung heraus, die den Ausschluß eines Mitgliedes, das sich un. geberbig benimmt ober sonst zeigt, daß eS eine schlechte Kinderstube genoffen hat, vorsieht.
= Ein Raubmord. An der Oberräder Schleuse wurde ein Toter ausgefunden, dem die Hände gefesselt ivaren. Es handelt sich um den 20jährigen Reisenden Wilhelm Ernst Henke aus Güterslohe, der für eine Stuttgarter Zigarrenfabrik reffte. Henke wurde zuletzt in einem hiesigen Hotel gesehen und wurde seitdem vermißt. Wahr- scheinttch haben ihn Verbrecher betrunken gemacht und dann zu einem Spaziergang den Main entlang emge» laden. Dann hat man den jungen Mann gefesselt und m den Main geworfen. Die Tat wurde wahrscheinlich iN der Nacht zum 13. Juni morgens 2% Uhr vollführt, denn um diese Zeit haben Schiffer mehrere gellende Hilferufe geMrt. Don den Tätern fehlt bis zur Stunde jede «pur. ' Dem Henke wurden, soweit feftgeftellt werden konnte, bie Brieftasche mit Inhalt, die Aktentasche unt> der Man- tel geraub.. . ,
= Erweiterung des Hauses der Technik in Frankfurt a. IN. Unter dem empfindlichen Raummangel auf der Franffurter Messe abzuhelfen, wird bas Haus der Techntt zur bevorstehenden Herbstmesse, die vom 21.—27. September stattfindet, beträchtlich erweitert. Es ist hierdurch möglich geworden, in der technischen Messe Gruppen neu aufzunehmen, die bisher aus Platzmangel nicht berücksichtigt werden konnten, beffpielsroeffe Kino, O v 11 k, Photo, Automobile, Fahrräder und Zubehör. Auch dem Maschinenbau, der Elektrotechnik, dem Bauwesen wird voraussichtlich weiterer Raum zur Verfügung gestellt werden können. Büromaschmen, die bis- her in der Westhalle C untergebracht waren, werden in das Haus der Technik verlegt. Sbrmelbepapiere und Auskünfte sind beim Mehamt Frankfurt a. M. erhältlich
Gotterdienflordnung.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 22. Juni. Fulda. Vormitt. 8 u. 9V, Sup. Ruhl, 11 Kindergottesdienst. — Bad Salzschlirf. Vormittags 91/, Pfarrer Reich. — Großenlüder. Vormittags 91/« Pfarrer Weber.
Mittwoch, 25. Juni. Fulda. Abends 8 Bibel stunde (Gemeindehaus).
Evangel. landerkirchl. Gemeinschaft, sfulba. Buttlarfit. 17.
Sonntag, 22. Juni. Abends 8V* Evangelisation. — Montag abends 6 Kinderbund. — Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 81/« Aesangstunde. — Donnerstag abends 8V« Jugendbund, stunde. — Freitag abends 8V* Bibel- und Gebetstundtz.
Die Einsame.
Roman von Horst Wert Hern.
7] -----------
Der Schatten eines • flüchtigen Lächelns erschien noch einmal auf den Sippen der jungen Erzieherin. Die lange Rede der Baronin, der sie mit Aufmerksamkeit gefolgt war, hatte sie für einen Augenblick vergessen lassen, was sie eigenllich hierher führte. Wenn alle Erzieherinnen für Ssfine in dieser Weise gewählt worden waren, schien es ziemlich verständlich, daß ihre Erziehung recht sonderbarem Personen in die Hände gelegt wurde.
Beinahe eingeschüchtert durch das Vertrauen, das chr entgegengebracht wurde, jagte Magda abwehrend:
„Oh, ich möchte nicht, daß Sie im voraus eine zu gme Meinung über mich fassen und später vielleicht enttäuscht werden! Ich will gewiß mein möglichstes tun, um meiner Pflicht nachzukommen, aber —"
„Sie werden gewiß vollkommen entsprechen, idj, zweifle nicht daran; ich irre mich nie, wenn ich acht gebe. In bezug auf die früheren Erzieherinnen meiner Enkelin habe ich mir nie Illusionen gemacht, aber was hätte ich tun sollen? Das Suchen ist eine solche Pioge, bag, wenn man meint, jemand halbwegs Passenden gefunden zu haben, man auch sofort bereit ist, ihn aufzunehmen. Meine Zett ist sehr knapp bemessen, denn ich habe einen sehr ausgebreiteten Kreis von Bekannten, den ich sorgfältig pflege, denn ich finde, man hat deren nie zuviel, wenn man, so wie ich, die Einsamkeit verabscheut; ich würde sofort tn Trübsinn verfallen. Sie sind nicht so wie ich, Fräulein?"
„Nein, Frau Baronin — zum Glück — da ich gezwungen bin, allein zu leben."
„3a, Sie können sich wirklich glücklich schätzen. Ich gestehe, es ist eine Schwäche, aber der Verkehr mit meinesgleichen ist mir ein Bedürfnis, jederzeit — atteröjngs unter, der Bedingung, daß mein Geist angeregt wnd. Nach' diesem Geständnis werden Sie mich vielleicht für sehr frrool halten, ebenso wie meine Enkelin im Grunde ihres. Herzens dieser Ansicht ist: ich bin davon überzeugt. Oh, sie ist ein sonderbares Geschöpf, und ich weiß "ich!'
ob es Ihnen gelingen wird, ihren Charakter zu enträtseln? Ich habe es längst aufgegeben."
„Darf ich fragen weshalb, Frau Baronin?"
„Weil ich von jeher einen Abscheu vor allem Rätselhaften hatte. Meine Enkelin ist — für mich wenigstens — ein lebendes Rätsel, dessen Lösung ich nicht finden kann. Sie ist so gar nicht, wie sie sein sollte. In ihrem Alter, mit sechzehn Jahren, war ich, wie es der Jugend zu- kommt; voll Ucbermut und Lebenslust, liebte Gesellschaft, Flirt, Tanz und schöne Toiletten. Ich war immer fröhlich und leichtlebig, rieft nie eine Gelegenheit zur Unterhaltung unbenüftt — und hätte gewünscht, Sefine ebenso zu sehen."
„Und sie ist so ganz anders, als Sie es wünschen?" fragte Magda, die sehr anffmertfam zuhörte.
„Anders? Ach, nicht nur anders, sondern gerade das Gegenteil von mir. Glauben Sie mir — ich halte mich buchstäblich an die Wahrheit — manchmal stelle ich mir die Frage, wie es nur möglich fei, daß ich eine Enkelin Hobe, die weder dem Charakter nach, noch in ihrem Denken und Wünschen auch nur die allergeringste Aehn- lichkeft mit mir hat! Sefine ist ein phantastisches, scheue- Geschöpf, launenhaft wie ein ungezogenes Kind und dabei manchmal von verblüffender Skepsis, wie ein enttäuschtes Weib. Sie ist sehr verschlossen und hat eine lächerliche Geringschätzung für alle Vergnügungen, die ich chr biete.
Und dann tut cs mir fehr leib, Ihnen sagen zu müssen, daß Sefine von grenzenloser Faulheit ist. Sie scheint sehr schlecht gelernt zü haben, und ich halte sie für ganz unwissend. Meiner Ansicht nach ist das zwar kein großes Unglück. Die Frauen wissen nie etwas von dem, was ihre Lehrer sich bemühten chnen beizubringen. Sefine wird sich durch die Gespräche in meinem Salon belehren und bilden. Ich bin nicht der Ansicht, daß alles von den jungen Mädchen fern gehalten werden soll, sondern erlaube ihnen im Gegenteil, alles anzuhören, was gesprochen wird. Ich sage Ihnen das alles, Fräulein, damit Sie im klaren sind über meine Ansichten."
»2ch danke Ihnen für Iyr Vertrauen, Frau Baronin", sagte Magda ernst.
Ihr Interesse für Sefine, das schon durch die Beschreib ung, die Frau von Berghofs ihr von dem jungen