Zur Unterhaltung
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Die Einsame.
Roman von Horst W e r t h e r n.
Mazda war vor bcm kleinen Palais angelangt, das die Baronin bewohnte, und stand einen Augenblick lang still; ihr Herz begann heftig zu schlagen. Was würde das Resultat dieser Besprechung sein, die ihr so petnllch töM und in ihrem Innern einen Aufruhr heraufbeschwor, welchen sie durch ihre Willenskraft wohl zu beherrschen, aber nicht zu besiegen vermochte? —
Es war eine ruhige Straße, die wenigen Vorübergehenden blickten sie erstaunt an, da sie regungslos vor der gefchlosienen Tür stand. Endlich entschloß sie sich zu läuten. Ein Portier mit goldenen Tressen erschien.
»Gnädige Frau w unschön?"
»Ich möchte Frau Baronin Mohr sprechen."
Der Portier sah sie etwas verwundert an. Er war sicher, diese junge elegante Dame in Trauerkleidung noch nie eingelassen zu haben.
»Aber die Frau Baronin empfängt nie am Dormtttag."
»Sie wird diesmal eine Ausnahme machen, da sie mich erwartet."
»Das ändert die Sache. Bitte, wollen gnädige Frau sich hereinbemühen."
Mazda erstieg die wenigen Stufen, hatte jedoch dabei das besondere Gefühl, daß nicht sie — Magda von Foreck — es fei, die dieses fremde Haus betrat, um sich als Er- zlehartn vorzustellen.
»Wollen Sie gefälligst meine Karte der Frau Baronin überbringen? Sie weih, daß ich komme", sagte sie zu dem Diener, der auf ein Glockenzeichen herbeigeeilt war. Er führte sie in einen kleinen Salon und verschwand. — Es war ein elegant eingerichtetes Gemach, in dem sie sich jetzt allein befand. Gedämpftes Licht drang durch die zarten Vorhänge und die reichen Draperien, bie die Fen- ster teilweise verschleteriM, und dieses Halbdunkel wirkte harmonisch zufanrmen mit den matten Farben der seiden- bezogenen Möbel. Kissen in allen Formen und Farben lagen willkürlich aus Sofas und Stühlen umher. An bei Wand, dem Kamin gegenüber war das Porträt einer jungen brünetten Frau. Das hübsch«, etwas schelmische Antlitz und die bloßen Schultern zeichneten sich von einer phantastischen, rosenroten Atlas-Drapsrie scharf ab. Am Flügel stand die Photographie eines jungen Mädchens. Es zeigte ein zartes Gesicht, in dem die dunklen Augen fast zu groß schienen, der geschlossene Mund hatte einen eigenwilligen Ausdruck, aber auch ein bitterer Zug lag um die Lippen.
Magda hatte reichlich Zeit, die Züge dieses fugend- lichen Gesichtes eingehend zu betrachten, denn fast eine Viertelstunde verging, ohne daß jemand erschien. Sie fragte schon, ob man sie wirklich der Baronin gemeldet habe, als das Rauschen eines seidenen Kleides ihr amt- wartete. Die Portiere wurde zurückgeschlagen, und Magda sah sich einer Dame gegenüber, die etwas stark, aber noch immer sehr schön war und in einem malvenfarbigen, schillernden Seidenkleid an die altadeligen Frauen aus früheren Zeiten erinnerte. Ihr weih gepudertes volles Haar paßte seltsam, zu dem jugendlichen Anüitz mit don dunklen Augen.
Dies« Frau hatte nichts von einer Großmutter. In dem Bewußtsein, daß die Zeit es nicht vermocht hatte, ihre Schönheit zu zerstören, war sie durchaus nicht geneigt zu entsagen, sondern fand es angezeigt, ganz dem Vergnügen zu leben; tiefere Gefühle, ernste Gedanken, Aufopferung irgend welcher Art — dies alles war ihr fremd.
„Habe ich das Vergnügen, Fräulein von Foreck zu sehen?"
„Jawohl gnädige Frau, auf Wunsch des Grafen Rot- tenstett hat mich Frau von Bcrghoff zu Ihnen geschickt."
„Ach ja, wenn es sich so verhält, ist es sehr gut. Wollen Sie Platz nehmen, Fräulein?"
Eine kurze Pause entstcmd: die Baronin hatte sich noch nicht ganz von chrer Ueberraschung erholt. Aber sie gehörte nicht zu denen, die lange überlegen, was sie zu sagen haben, berat sie war gewöhnt, immer ihren momentanen Eindrücken zu folgen; darum sag e sie ganz offenherzig:
»Wundern Sie sich nicht, Fräulein» wenn Sie mich etwa betroffen sehen, aber Ihr Aeuheres hat mich einiger- maßen verwirrt. Sie sind doch davon unterrichtet, welche Stellung Sie in meinem Hause einnehmen sollen."
„Die einer Erzieherin, wenn ich nicht irre?"
»Ja — ja — gewiß und Sie glauben, diese Ausgabe übernehmen zu können?"
Die großen glänzenden ausdruckslosen Augen blickten ftagend, fast ungläubig. Magda fühlt« es, und trotz ihrer traurigen Stimmung blitzte ein Funken von Belustigung in ihren Blicken auf; aber schon im nächsten Augenblick war er erloschen und sie antwortete:
„Es handelt sich nicht darmn, ob die Ausgabe, von bet Sie sprechen, mir behagt ober nicht. Ich bin durch die Umstände gezwungen, eine Stellung anzunehmen, sei es in Ihrem ober in einem andern Haufe imd — ich glaube, die Fähigkeiten dazu zu besitzen."
„Die Umstände? — Ach ja, ich erinnere mich Mein Schwiegersohn sagte mir, daß Sie infolge eines Trauer- falles, der Sie — in eine andere Lage versetzt —"
„Jawohl, Frau Baronin, de? Tod meines Vaters, General von Foreck."
„Ja, — wie traurig ist das doch für Siel Ich erinnere mich jetzt, daß mir Graf Rottenstett die Sache erklärte. Verzeihen Sie, liebes Fräulein von Foreck, mein schlechtes Gedächtnis, aber ich habe immer soviel zu denken. Mein Leben ist so ausgefüllt, daß es mir wahrhaftig schwer fällt, mich an alle Mitteilungen zu erinnern, die man mir macht. Die Angelegenheit verhält sich näm- lich so: es handelt sich darum. Ihnen meine Enkelin Seftne anzuvertrauen, die Ostern das Pensionat verlassen
„Materielle Vorielle?" Magda war noch so wenig daran gewöhnt, an diese zu denken, daß sie garnicht danach gefragt hatte. Sie errötete jedesmal, wenn diese Frage erörtert wurde. Frau von Berghoff, die etwas kurzsichtig war, bemerkte es nicht, aber ihr fernes Taktgefühl ließ sie erraten, daß Magda peinlich berührt war; sie schwieg, da sie sich scheute, in dürren Worten eine Zahl auszusprechen. Aber das junge Mädchen kam ihr zuhilse, indem es mit sanftem Lächeln sagte:
„Liebe, gnädige Frau, nehmen Sie keine Notiz von meiner kindischen Feigheit — bitte, sagen Sie mir alles — die Baronin bietet mir also?"
„Dreitausend Mark jährlichl"
„Ist das viel?"
„Es ist jedenfalls mehr, als man gewöhnlich auszu- setzen pflegt."
Magda fuhr sich mit der Hand über bie Stirn, wie um die Erregung auszulöschen, die sie trotz aller Willenskraft Mcht zu beherrschen vermochte.
„Nun sagen Sie mir, bitte, was ich jetzt zu tun habe?"
„Sie müssen sich an einem Vormittag, etwa gegen elf Uhr, zur Baronin begeben, die Sie erwartet. Ich werde ihr sogeich durch ein paar Zeilen Ihren Besuch ankündigen." , .
hat und für die ich noch niemand Paffenden finden konnte."
„Hat Fräulein Seftne schon mehrere Erzieherinnen gehabt?"
„Es waren schon drei Fräuleins da, aber mit allen hat sie sich sehr schlecht vertragen; zum Teil war es ihre Schuld, zum Teil die der Erzieherinnen. In diesem Fall wäre ich fast geneigt, den Erzieherinnen die größere Schuld beizumeffen, berat sie waren — jede m ihrer Art — unausstehlich, obwohl die verschiedenen Sermitt« lerinnen, die sie mir verschafften, sie mit warmen Worten anpriesen. Die erste hatte Manieren wie röt Stubenmädchen, ich vermute, sie war die Tochter irgend eines Hausmeisters, mit zahlreichen Zeugn/ffen ausgestattet. Die zweite war häßlich und mürrisch, dabei streng wie eine Quäkerin, ein höllisches Geschöpf. Die dritte war im Gegensatz zu dieser, von einer unglaublichen Koketterie; ich glaube, sie hatte sich in den Kopf gesetzt, unter den Herren, die bei mir verkehren, einen zu finden, der sie heiratet. Kurz, mein Schwiegersohn, der ihre Um- triebe bemerkte, mache mich aufmerksam und ich sah mich veranlaßt, sie zu ersuchen, sie möge ihre Bemühungen anderweitig fortsetzen. Aber dieser an und für sich unbedeutende Zwischenfall zog ganz unerwartete Folgen nach sich."
Die Baronin unerbrach sich, um die Kiffen, an die sie sich lehnte, hoch zu schieben, bann fuhr sie ruhig fort:
„Graf Rotensteit, der sich bisher nie um bas Benetz- men feiner Tochter gekümmert hatte, fand plötzlich, daß sie sehr schlecht erzogen sei — wahrscheinlich hat jemand es ihm eingeredet, denn selbst hätte er eine solche Ent- deckung nie gemacht, er hat durchaus nicht mehr pädagogische Veranlagung als ich — damit ist alles gesagt. Kurz, wir hatten eine kleine Aseinanderfetzung. die «an, unnötig war, der zufolge ich ihm aber erklärte, daß er selbst eine Erzieherin für seine Tochter suchen möge, da diejenigen, die ich aufgenommen hatte, nicht feinen Bei- fall fanden. Run hat er Sie entdeckt, Fräulein, freilich weiß ich nicht, auf welche Art, ich vergaß auch, ihn darum zu fragen, und er hat es mir nicht gefügt; aber ich glaube,, daß er eine vortreffliche Wahl getroffen hat."
(Fortsetzung folgt)
Die Deutsche Zuaendkrast und ihr Ziel,
Don Johannes Deutsch, Verbandslröer der D. 3. K.
Die Körperbildung als Teilziel der gesamten Jugend- bildunq auffsfienb, sieht die Deutsche Jugendkraft die Ausgabe der Jugendbildunq mit den Leibesübungen nicht als erfüllt an. Das geht schon aus ihrer organisatorischen Konstruktion hervor. Sie ist in ihren örtlichen Turn-, Sport-, Schwimm- und SBanberabteilungen ein Glied der kath olichen Vereine, aus denen sie erwachsen ist. Diese Ginifügunq will bewußt den Primat des Geistes vor dem Körper dokumentieren. Der Zielgedanke der katholischen Jugendbildung und auch der katholischen Jugendbewegung ist bas katholische Menschentum. Dieses bejaht den katholischen Menschen, den ganzen Menschen im katholischen ©inne. Darum Bejahung des Menschen im Sinne des Schöpfers nach dessen Uridee vom Menschen, das ist Einführung in das letzte, geistige, seelische, göttliche Lebensziel. Uns ist der Leib als Geschenk Gottes wertvoll genug, um ihn seiner selbst willen auszubilden; aber der Mensch ist uns mehr als sein Leib und die Bildung des Leibes allem zu wenig. Aus dieser weltanschaulichen Einstellung begründet die Deutsche Jugendkraft auch ihr VerhälMis zur Gefftespslege und zur religiösen Einstellung.
Daß die Deutsche Jugendkraft bei dieser mrbedingten Einfügung der Leibespflege in die Seelenpflege auch in den eigenen Reihen mancher traditionell gewordenen Auffassung entgeiftigter Körperkultur und erst recht dem stürmischen Blute des jungen Menschen entgegenzutreten hat, verlemgsamt natürlich die Erreichung ihres Zieles; dies auch noch aus dem Grunde, weil fie nicht die Höchstleistung einer Elite, sondern die möglichst weitgehende Erfassung vieler zu planmäßigen Leibesübungen zum Grndsatz Hot.
t M eoWWen MiMsk.
K • Von P. Franziskus Straimann O. P.
Die Metten des Fronleichnamsfestes beginnen mit ton Heroldsruf: »Den König Christus laßt uns onbeten, Herrscher über die Volker!" Das ganze Fest ist jn feierliches, öffentliches Bekenntnis an das Königtum ' sshristi. Man kann mcht sogen, daß der königliche Eha- yrtter Christi im Bewußtsein der Gläubigen die gleiche Holle spiele wie in der Liturgie der Kirche (nicht nur jer des Fronleichnamsfestes). Er tritt tm Frömmig- kritsleben der meisten Katholiken stark zurück hinter gnberen Eigenschaften des Herrn. Täglich und stündlich urtrb Christus als Lehrer und Erlöser, Äs guter Hirt mtb treuer Helfer an gebet et und geliebt, aber sein K ö- gigtum mit allen seinen Konsequenzen erscheint einer» Jetts zu hoch und fern gelegen — es ist ja im besonderen Himmel und dem Weltende vorbehalten — an- jererfeUs zu bedrückend nahe und einschneidend, um die Huldigung imb Hingebung zu finden, die chm gebührt, yenn jeder fühlt, daß ein ernst genommenes Königtum phristi nichts Geringeres besagt als absolute Herr- schäft und Gehorsam in allen Lagen des Lebens, nicht gur des p. -aten, sondern auch des öffenllichen, des sozialen, tulturetten und politischen. Wohl hat dieser f Herrscher kundgetan, sein Reich sei nicht von dieser Welt, tmb alle Zumutungen von sich gewiesen, die ihm eine ‘ weltliche Macht nach weltlicher Art aufdrängen oder - unterschieben wollten, aber als König hat er sich doch bekannt und keinen Zweifel gefcffen, daß feine Herrschaft f schlechthin schrankenlos sei. Unmittelbar ist diese herrschet überirdisch, geistlich sittlich-religiös; ihre Do- ; giäne ist das Gottesreich. Mittelbar aber greift sie ‘ durch dieses Gottesreich hindurch in das Reich des all- t täglichen Ledens, ohne auch nur den kleinsten Bezirk davon auszunehmen.
Kein Fest entfaltet, versinnblldet und fordert diese i Königsherrschaft Christi so stark wie das Fronleich, namsfest.
Von Ewigkrö her war bet Gottessohn unsichtbarer König. Paulus huldigt ihm als »dem Könige der Ewigkeit, dem unsterblichen, unsichtbaren, alleinigen Gott" und jagt von ihm: „In ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, Sichtbares und Unsichtbares, seien es Throne oder Fürstentümer, Herrschaften oder ■ Mchte; alles ist durch ihn und für ihn erschaffen!" pUm M Ehre und Ruhm in Ewigkeit!"
Aber eines Tages wurde dieser unsichtbare König sichtbar: das Wort ist Fleffch geworden und hat unter uns gewohnt. Der Tag, an dem dies geschah, kenn- zeichnet sich auch in der Weltgeschichte als Weltenwende, als bas größte aller bisherigen geschichtlichen Ereignisse. Es begann eine neue Zeitrechnung, man nannte von da cm die Jahre „Jahre des Herrn", „Jahre : des Heils". Eine neue geistige Welt rief der am Kreuze i Hingerichtete König ins Dasein. Die Macht des ffhristusgeistes trieb wolst zumefft nur verborgene Blüten, blieb in den meisten Seelen eine nur stille, zarte Kraft, baute sich aber bei der UeberfüUe ihres Inhaltes auch einen immer reicher gegliederten Körper, einen „Gottesstaat" mit einem Papstkönig an der Spitze, schuf einen Gottesdienst bewußt königlichen Zeremoniells, bis endlich im Fronleichnamsfest der liturgische Hofdienst auch zum königlichen Volksfest wurde, wo dem Christuskönig auf öffentlichen Straßen und Plätzen Triumphbogen gebaut, Blumen gestreut, Teppiche gelegt, Fahnen entfaltet wurden, Salut geschossen wurde, ganz wie eenem Bolkskönig.
Und doch behielt auch dieses mm so sichtbar gewor- bene Königtum, die strahlende EMftlltmrg innerer Macht und Herrlichkeit, einen ganz unscheinbaren Mittelpunkt: den in rührender Liede sich ver- bergenden sakramentalen Christus. Um eine Meine weiße Brots gestalt bauen sich alle Basiliken (zu deutsch Königshäuser), türmen sich alle Dome, schmiegen sich alle Gold- und Edelstern-Monstranzen, neigen sich alle feibenen Gewänder, flattern alle Fahnen: der König selbst bleibt in tieffter Demut, arm, niedrig, äußerlich hilflos sogar, verborgen. Aus der Knechtsgesiatt ist bie noch unscheinbarere Brotsgestalt geworden, die Selbstentäuße- ntng durch die Menschwerdung noch Hefer geworden durch die Speiftwerdung. Dieser eucharistische König fft svahrhastig der hingebendste Diener feines Volkes, so wie es noch keinem anderen König eingefallen ist. Dennoch fft dieser könig'iche, sich verschwenbende Dienst höchste, göttlichste Herrschet. Denn eben in dieser ! Schlichtheit kann der eucharistische König an jedem Orte, In jeder Kirche, in jeder Menschenbrust fein und wirken, dienen und herrschen, erleuchten und erwärmen, beleben Und beglücken.
Die neunzehnhundertjährige Erfahrung bestätigt auch, daß er diese Henschaft m seinem Reiche ausgeübt hat i und täglich weiter aus übt. Er war, ist und wirb bleiben der König aller Könige. Und boch ist er noch bei weitem nicht König genug! Trotz der Tat- fache, baß alle christlichen Seelen denselben Lehrer und Hirten, Priester unb König haben, daß laufe und Firmung sie auf dasselbe Reichsgottesgesetzbuch verpflichten, I daß das Sakrament des Altares sie mit demselben Brote nährt, daß die Teilnahme an diesem einen Brote nach ■ dem Worte des hl. Paulus sie zu einem und demselben Leib zusammenfügt, daß der Geist, der in ihnen aus- gegriffen ist, ein Geist der Einheit, der Liebe und des Friedens fft — trotz dieser Tatsache reservieren sich zahl, lose Untertanen des Christuskönigs in ihrer Seele einen Bezirk, wo sie ihn nicht herrschen kaffen: den Bezirk, in welchem das Öffentliche, das soziale unb politische Leben sich abspaltet unb abspiegelt, sie nehmen diesen Bezirk von der Geltung ober doch Befolgung des christt. Ein. hetts- u. Liebesgebotes, oft ohne Gewifsensbedenken, aus.
Muß aber nicht gerade Christus als König dieses tun ober Unterlassen verurteilen? Ein Lehrer oder Priester mag sein Augenmerk unmittelbar nur auf bas log. private Wohlverhalten der ihm Anoertrouten richten und das ösfenüiche, zumal das polttische, aus sich beruhen kaffen — ein König kann es nie! Christus als König verlangt bie Geltung unb Befolgung feines Nnheits- unb Liebesgebotes in der christlichen Gesellschaftsordnung! Dazu kommt, daß der euchari- frische Christus sich in diese christliche Gesellschaftsord- rötng hineingibt, um sie aus einer bloß soziologischen Struktur zu einem vitalen, mystisch-realen Leibe zu bereinigen, „bis er in Liebe auferbaut fft" (Eph.4, Id), tiefe Einheits- und Liebespflicht der ganzen christlichen Gesellschaft, die Pflicht der Beseitigung alter feindküchen sozialen und polttffchen Gegensätze -(nicht ber natur« gemäßen Unterschiede) müßte jedem, ber den eucharistischen Christus in sich aufnimmt, bei jeder hl. Kommunion Sten Bewußtsein kommen.
2lm Fronleichnamsfeste aber wird dieser Gedanke, “OB zwei oder viele, die in einer und derselben dritten Groh« eins sind, überwältigend verstärkt. Denn an JMem Feste ordnen sich in allen Ländern bie Unter« “Wen des sakramentalen Königs zu den gleichen Tri- SnPi)3ügen. Für Christus unb auch für bas erleuchtete «uge des Gläubigen sind sie nur Teile eines einzigen Zu- die vielsprachigen Lieder nur Akkorde einer em- wn Symphonie, eines einzigen Themas: „Christus 9em adoremus, dominantem gentibus, König Christus laßt uns anbeten, den Herrscher über « BöAer!"
wahret dem besetzten Gebiet die Treue!
Gelegentlich ber Kölner Messe waren die in- und ausländischen Pressevertreter am 13. b. M.» auf einer bei herrlichstem Frühlingswetter stimmungsvoll verlaufenen gemeinsamen Rheinfahrt für kurze Zett einer Einladung der Stadt Godesberg gefolgt. Im Kursaal vereinigten sich die Gäste zu einem in vornehmem Rahmen bärge- botenem Mahir
Bürgermeister Zander verflocht mit dem freudigen Mllkommgruß für die Erschienenen einen packenden Appell an das unbesetzte Deutschland zu verständnisvoller Hilfe für das besetzte Gebiet. Er machte sich zum beredten Dolmetscher der be- sonderen Nöte des besetzten Rheinlandes, insbesondere der berechtigten Wünsche nach tatkräftiger Unterstützung der rheinischen Badeorte durch eifrigen Besuch aus dem übrigen Deutschland. Wegen der allgemeinen Bedeutung dieses Weckrufes lafien wir hier die Kernfätze folgen: Wir am Rhein verzagen nicht, das bewefft die Kölner Messe. Ich mochte aber doch an bie Heerren ber Presse eine Bitte richten, die sich wendet an unsere Brüder jenseits der Grenze im unbesetzten Gebiet. Wir beanfpru- chen keine Opfer, aber etwas verständnisvolle Hilfe. Die Herren von ber Presse sind in bas Rheinland gekommen, um die Kölner Messe zu besuchen, aber doch auch in dem Gedanken, aus eigener Ueberzeugung die Selben und Nöte des besetzten Gebietes kennen zu lernen. Am mefften sind durch die Verhältnisse in Mit- leidenschast gezogen die Orte des besetzten Gebietes, die mehr ober weniger vom Fremdenverkehr abhängen.
In ber Vorkriegszeit waren von ben Kurgästen in Godesberg 80 Prozent aus dem jetzt unbesetzten Gebiet. Dieser Prozeittsatz fft zu einem Nichts zusammenge- schrumpst. Wir wiffen, warum man bas besetzte Gebiet meidet. Aber wir sind ber Meinung, daß diese Gründe unberechtigt sind, daß bie besonderen Verhältnisse, die sich bei uns heraus gebildet haben, nicht davon abhalten, sondern im Gegenteil dazu antreiben müßten, das besetzte Gebiet aufzusuchen, um den lebendigen Konnex zwischen Hüben unb Drüben aufrecht zu erhalten. (Bravo!) Es besteht keine Gefahr, daß der Rheinländer in ber Liebe unb Treue zum deutschen Vaterland wankend werden konnte, aber es tut weh, wenn man die Bruderhand, die uns in guten unb freudigen Zetten gern gereicht wurde, in trüben Tagen, in denen man sie ganz besonders warm empfinden würde, missen muß. (Sehr richtig!) In dieser Hinsicht bitte ich bie Herren von der Presse, ihren Einfluß geltend zu machen, damit auch die Worte de, Reichspräsidenten ihre praktische Wirkung in bezug auf die rheinischen Kur- und Badeorte ausüben.
Möge der Weckruf im unbesetzten Deutschland ein kräftiges Echo finden durch einen starken, sich in das Rheinland ergießenden Fremden-, Sommerfrischler- unb Kurgästestrom!
P”Zuldaer Zeitung Nr. 142. i
lieber btefe Pflege und Betonuung vergeistigten Tur- ne ns und Sportes hinaus hat bie Deutsche Jugendkraft bie Geistespflege als solche nicht in ihr Gebiet über- nommen. Sie braucht es nicht und will es nicht, treu sie als Glied ber Jugendvereme alle Gefftespslege den Jugendvereinen überlassen kann. Hier finden ihre Mit- glidber alle anderen, ben gesamten Menschen bildenden Bestrebungen verwirklicht; von der Pflege der Gesellig- teit unb Freundschaft bis zu den literarffchen und fünft- krischen, beruflichen und staatsbürgerlichen Arbeitsge- meinfchaften und Lehrgängen, wie sie zu ben Ausgabe» eines vollwertigen Jugendvereins gehören.
Die Deutsche Jugendkrast selbst bescheidet sich, eiv Verband für Leibesübungen zu fein, freilich „im Sinne des katholischen Erzieherzieles, wie die Satzungen besagen. In btefer Begrenzung lieht sie ihre Starke und in der Verbrüderung mit den katholischen Verbänden umld dem Ausgleich mit deren Gesamtausgaben erwartet sie ihren Erfolg.
Wenn auch ber Mitgliederbestand im letzten Jahre nicht sonderlich gewachsen ist, so wurde boch die Gesamt- Organisation fester zusammengefaßt. Gerade in jüngster Zeit weht eine frische Brise über bie Jugendkraftflure«. Tatkraft, Opserbereiffchasi und Arbeitssreunde,, sie lassen auch weiterhin eine schöne, stetige Zukunistsentwicklung erhoffen. , , ,
So hoffen wir, Männer zu erziehen; die auch tiU Elend bekennen, Deutsche zu sein.
Ans der Welt des Radio.
Gegen bie Radio-Ausstellungen.
In der deutschen Radioindustrie macht sich ein wach- sender Mißnutt gegen die vielen kleinen Radioausstel- lungen, vor allem in Verbindung mit ganz anders geartetem Industriezweigen (Sportausstellungen!) bemerk- bar. Man betont mit Recht, baß die deutsche Radioindustrie gegenwärtig keine Zeit zur Beschickung von Ausstellungen habe; sie müsse mit aller Energie an der Ausgestaltung ihrer Apparate arbeiten und solle r» bann geschlossen auf den Plan treten, wenn sie mit wirklich guten Leistungen aufwarten könne.
Die Ausstellung in Berlin und Me Frankfurter Radio, messe sind in geschäftlicher Beziehung keine Ersolge ge- wesen, lieber die Leipziger Messe wurde von einem ausländischen Fachmann geurteilt, der Unterschied zwl- scheu ben ausgestellten Apparaten habe bei der Mehrzahl ber Firmen m ber Form ber Gehäuse unb den ver- wendeten Holzern gelegen. Auskunft übet technische Einzelheiten habe man nur cm wenigen Ständen be- kommen können. Zu Vorträgen und Demonstrationen habe man mehrfach amerikanische unb schweizerische Apparate benützt. Dazu bemerkt „Radio für Alle : Wir können die Richtigkeit dieser Behauptungen mcht nochprüfen, aber wir glauben aus andern Erfahrungen heraus, daß sie im wesentlichen zutreffen. Und der (einer Verantwortung bewußte Teil der deutschen Radlomou- ftrie scheint der gleichen Meinung zu fein, denn dort will man erst arbeiten und bann zur Schau stellen. Da» fft der Geist, ber die deutsche Industrie groß gemacht hctt. In ber Rawoindustrie hat er sich nur deshalb noch nicht durchgefetzt, well ihr gegenwärtig viel zu viele fremde Elemente angehören, die nur Konjunkturgewinne er, sehnen.
Das abgezapfte Konzert.
Neuerdings will man in den Bereinigten Staaten die Hochfrequenztelephonie längs Leitungen dem Runhpruch dienstbar machen, und zwar sollen die Hoch,pannungs- fernteltungen ber UeberlcmdzeMralen für diesen Zweck herangezogen werden. Die betreffenden Borträge, Kan» jette usw. winden in den Kraftwerken stattfinden unb bort auf die Hochspannungsleitungen induziert werden. Auf diese Weffe würde bas Konzert über die Lichtleitung in jode- angeschloffene Haus gelangen, wo es mit tebem normalen, über einen Stöpselkondensator angeschloffenen Empfänger „abgezapst" werben konnte. Em großer Vorteil dieses Systems wäre erstens ber Fortfall -er Antenne, zweitens bie Möglichkeit, ben Apparat ohne Schwierigkeit in jedem Raum mit Lichtanschluß zu ver. wenden.
Radio in den Bereinigten Staaten.
Die Zahl der Rundspruchsender hat sich durch Ein- stellung ungenügend finanzierter Stationen oon 825 aus 450 vermindert. 218 dieser Stationen werben von Radiosternen betrieben.
Die amerikanischen Zollämter bereiten den Importeuren von Radioapparaten und Einzelteilen fett einiger Zeit große Schwierigkeiten, weil bie meisten modernen Schaltungen und Konstruktionen durch amerikannche Pa- tente geschützt sind. Solche Apparate unb Te te Lite en in bie Vereinigten Staaten nicht eingeführt werden. Aus den Zollämtern sollen bereits große Posten Radioapparate iffw. lagern, die auf Grund eines Einbruches ber Patent, mhaber nicht abgenommen werden können.
Vie repariert man zerrissene Antennen drohte?
Hierauf antwortet „Radio für Alle : Am besten schmirgelt man beide Drahtenden blank, legt sie auf etwa 10 Zentimeter Länge aneinander, umwickelt d:ese Strecke dicht mit dünnem, blankem Kupfer draht (Bindedraht) und verlötet das Ganze sorgsam. Dann ist man sicher, daß bie Bruchstelle sowohl in elektrischer wie in mechanischer Beziehung allen Anforderungen genügt. Zu warnen ist vor einer flüchtigen Reparatur durch bloßes Berroürgen ober Zusammenknüpfen ber beiden Enden. Abgesehen bootm, daß eine solche Verbindung bei jeder größeren zusätzlichen Belastung durch Schnee, Eis usw. wieder reißt, hot sie auch ben Nachteil, daß sich nach einiger Zeit Oxydhäutchen auf den Drähten bilden, bie den Uebergangsmiberftanb stark erhöhen und dann Stromverluste, also schlechten Empsanz, bedingen.
Lautsprecher-Probleme.
Jeder, der sich praktisch mit dem Empfang von Wel- lentctephonie beschäftigt hat, weiß, daß eine der wichtigsten Aufgaben auf diesem Gebiet noch einer vollkommenen Losung harrt: die tadellose Wiedergabe von Gelang unb Musik vor einem größeren Zuhörerkreis durch Lautsprecher. Daß es bereits eine Airzahl recht brauchbarer Einrichttingen dieser Art gibt, ändert nichts an der Tatsache. daß eine wirklich vollendete Konstruktion ncei n:rfit existiert. Der beste Beweis dafür ist die fieberhafte Er- finberiätigtett, die gerade auf diesem Sondergebiet teil einiger Zeit herrscht, ohne daß bie Ergebnisse vorderhand eine wesentliche Verbesserung des beretts Vorhandenen versprächen. Die Probleme sind aber bereits so klar formuliert, daß man immerhin auf eine gute Lösung hoffen darf.
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