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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadl Fulda.

Nr. 135.

Verantwortlich füt die Schriftleitnng: Dr. JobamieL R r a m er. Anreigeu: I. P ar,etter. Solda. Rotationsdruck und Verlag de, u Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher 9fr. 9.

BerugSvreiS für Juni- vostbeltellung 1.80,Stabtbe»ual.50Ät.

Mittwoch, 11. Juni 1924.

Anieigen-Breike! Rieinseile (Coloueli lokal 0.16 Soldmart, auswärts 0,20 Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60, Soldmark, auswärts 0,80 Soldmark. r.

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51. Zahrg.

Um den Dawes-plan.

Englische Arbeiierparlei und französische Sozialisten treffen em Uebecemkommen. Der geplante Garanlicpakt. -- «Französische Sicherheit und der Friede Europas".

Der diplomatische Berichterstatter des ,/Daitg Telegraph" schreibt:

Das Bedauern in britischen Kreisen über die durch die französische Präsident- schaftskri se hervvrgerufene weitere Berschie- bmrg aller formellen interalliierten Verhandlungen bezüglich der Durchführung des Dawesplanes sei mnso größer, als dieser Plan im deutschen Reichstag von Marx, Stressmann und Lobe erfolgreich ver- t«digt worden sei. Letzthin habe ein wichtiger G e- dankenaus tausch durch private Kanäle zwischen Vertretern der'britischen Arbeiterpartei und den französischen Sozialisten und Radikalen statt- gesunden. Angesichts dieser Erörterungen sei die Erzielung eines ziemlich umfassenden Ue-bereinkom- mens sogar vor dem geplanten Besuch Herriots bei Maodonald wahrscheinlich.

Dieses Abkommen werde u. a. vielleicht folgende Punkte behandeln: 1. Durchführung des Dawesplanes mit der darauffolgenden wirt­schaftlichen Räumimg des Ruhrgebietes und des Rheinlands, sobald Deutschland die notwendige Ge­setzgebung angenommen habe und die internatio­nalen Leitungen geblldet und in der Lag« seien, die ihnen zugewiesenen Organsationen zu übernehmen. 2. Sofortige Herabsetzung der mil itari­schen Besetzung des Ruhrgebiets auf ein un­sichtbares Maß und chre Beendigung, sobald die Durchführung des Dawesberichtes unter deutscher Mitwirkung glatt von statten gehe. 3. Die Sicher- heitsfrage würde dmch den Völkerbund ge­lüst werden und zwar vorzugsweise vermittels eines gegenseitigen Garantiepaktes, der mehr oder weni­ger nach dem Dorbilde des Eecil-Planes geschaffen werden würde, wobei Deutschland in den Völker­bund ausgenommen werden solle. Um diesem Ver­lauf -er Dinge zu erleichtern, sei Maodonald, ob­gleich er nicht gerade für den Cecilpakt schwärme, ihm doch weniger abgeneigt als die Mehrzahl seiner Kabinettsmitglieder. 4. Baldige Uebertragung der Kontrolle der deutschen Rüstungen auf den Völkerbund nach Durchführung der vor kurzem vorgeschlagenen- neuen interalliierten Untersuchung. 5. Verbindung einer Erörterung über die alt« gemeine Rüstungsverminderung mit ge­genseitigem Garantiepakt.

Daily Telegraph" veröffentllcht den ersten Ar­tikel einer Auffatzreihe des liberalen Parlaments­mitgliedes Fisher unter dem TitelDie franzö­sische Sicherheit und der Fr ede Euro­pas". Fisher schreibt: Wenn die Deutschen den Dawesbericht loyal an-nähmen und wenn die Fran­zosen die in dem Bericht geforderten Zugeständ­nisse machten und tatsächlich mitwirkten, um die wirtschaftliche Einheit des Reiches wiederherzufteüen, so würde Europa zur Ruhe kommen. Obwohl die Sicherheit Frankreichs nicht das Gebot der Stunde fei, sei sie w i ch t i g e r als die Reparations­frage. Die diplomatischen Traditionen Frankreichs könnten in die zwei Begriffe zusammengefaht wer­den: Rheingrenze und Teilung Deutschlands. Fisher weist dies an Hand der Geschichte eingehend nach und schließt 'mit der Bemerkung, daß die von der französischen Militärwissenschaft leidenschaftlich unterstützte Forderung einer dauernden Kon­trolle der rheinischen Brückenköpfe, die den demokratischen Grundsätzen, aus denen die Staaten des neuen Europas aufgebaut seien, ent- gegen st ehe, den Kern des kontinentalen Prob­lems bilde.

Unsere Marie und ich.

Erzählung von 3. 25. Grunau.

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Wir seufzten alle drei erleichtert auf, sagten uns aus einem Munde: So kann es nicht weiter gehen! Gleich bar auf stoppte der Kutscher bei der Haltestelle der elektri­schen Dahn und wies mit vergnügt grinsendem Gesicht auf den in einiger Entfernung nahenden Zug. Im Nu waren wir ohne ein Wort -aus der Schreckenskammer heraus, kaum hatten wir die wenigen Gepäckstücke ge­sammelt und uns selbst einmal unter schweren Seufzern der Erleichterung auseinander geschüttelt, da hält auch schon die Bahn.

Fritz, hilf schnell der Marie, nehmt die Sachen, ich werde noch schnell den Kutscher erledigen!"

Die beiden steigen em, der Kondukteur ruft zweimal: Partenza, partenza!" und während ich noch dem elenden Antonio die nur halb verdienten Lire in de stand zähle, setzt sich die Elektrische in Bewegung. Bier lange, wie Windmühlenflügel ausgestreckte Arme reichen mir aus dem Fenster entgegen, ein flüchtiges, wenig Bedauern ausdrückendes Achselzucken des Mannes mit der Dienst­mütze vom Hinterm Perron aus und husch ist der Wagen bald um die nächste Ecke gebogen.

,D," meinte Antonio, der jetzt wieder das Bild eines Engels in Menschengestalt abgab,in einer Viertelstunde kommt der nächste Zug." Nach einem schönen Gruß «ahm er seine fthweißtriefende Rosinante beim Zaum Und etwa fünfzig Schritte weiter war er bei seiner Giu- lietta, die schon unter der Türe stand und, das Jüngste auf dem Arm, ihm freudig zuwinkte. Mir aber war es, als stiege der Duft von Dohnen und Zwiebeln prickelnd in die Nase. Man sagt, in freudiger Stimmung Erflieg« die Zeit, ehe man es gewahr wird. Ich sah für den Augenblick trotz der herrlichen Gegend keine Ro­sin, ich war jedenfalls mit meinem ehrlichen Schimpfen noch lange nicht zu Ende, als schon der nächste Zug NR Stelle uxe. Mißmutig warf ich mich in eine Ecke,

Japan und Amerika.

Die Spannmtg.

wtb. London, 10. Juni (Xe! ) DieWestminster Gazette" berichtet ans Rewyork, daß die ameri­kanische Antwort ans de« japanischen Pro­test wegen der amerikanischen EinrvanVerungs- matznahmrn unmittelbar bevorstehe. Man erwartet, das; das S aats-Departemsnt endgültig der Ansicht Ausdruck geben werde, daß die be­stehenden Bertragsverpslichtnngen nicht verletzt worden seien. Die Antwort werde in srenndschastlichem Tone gehalten werde«.

Kino - Boykott.

wtb. London, 10. Juni (Tel.) Reuter meldet aus Tokio: Die hiesige« kinomatographi­schen Gesellschaste« habe« gestern de« Boy­kott gege« die amerikanische« Filme be­schlossen nnd ihre Kollege« in ganz Japan ans- gefordert, sich diesem Borgeheu anznschlietze«.

Der Aufstand in Albanien.

Tirana in denHSnden derRebellen.

Wtt Stern, 10. Jnni. (Xe!.) Der.Corriere d'Jtalia' meldet aus Balona, daß Tirana den Aufstän- dischen in die Hände gefallen und die Re- giernng auf der Flucht fei.

BetriebSanfnahme im Ruhrgebiet.

Nach einer Meldung derDeutschen Allgem. Ztg." teilt die Direktion der August Thissen-Hntte durch Anschlag mit, daß am Mittwoch, den 11. Juni der Betrieb wieder ausgenommen wird.

Soziales.

Soziale Zortbilduagtwoche. Vom 14. bis 19. Juli veranstaltet die Verwaltungshochschule der Universität und die Wohlfahrtsschule der Stadt Mn eine soziale Fortbildungswoche über die neue WohlfahrtsgesetzgÄung, und zwar am 14, 15. und IS. Juli eine Tagung füt die führenden Persönlichkeiten mit Aussprachen über die Schwierigkeiten der begonnenen Neuorganisation, und am 17., 18. und 19. einen Lehrgang für Beamte und Beamtinnen der sozialen Fürsorge über einzelne wichtige Sachgebiete. Anfragen über die Veranstaltung sind zu richten an das Sekretariat Rheinaustr. 3.

anstatt».

Das unterirdische Moskau. Der Historiker Igu. Stelezki bringt in den ,JSwestijch geschichtliche Beweise für das Vorhandensein unterirdischer Gänge, Höhlen und Kammern unterhalb des jetzigen Moskau. Sie sollen ihren Mittelpunkt unterhalb des Kreml haben, sich aber bis zum Fluß Moskwa und unterhalb weiter Teile der Stadt er­strecken. Das Netz unterirdischer Gänge und Räume habe in alten Zeiten als Zufluchtsstätten und Schatz­kammern gedient, und stamme zum Teil noch aus dem 15. "Jahrhundert., Die Bewohner Moskaus werden ausgefordert, die Kellerräume ihrer Häuser genau nach Eingängen zu dieser unterirdischen Stadt zu untersuchen, da sie nach dem Plane Trotzkis ausgezeichnet als Unterstand für die Bevölkerung Moskaus im Falle eines Gasangriffes auf die Hauptstadt der Sowjetrepublik dienen könnten.

= Holland nnd die deutsche Wissenschaft. Nach Mel. düngen aus Amsterdam hat die niederländische Regierung die deutschen Profesioren Dahmen und Frosch, die den Erreger der Maul, und Klauenseuche entdeckt haben, zu Vorträgen nach Holland einaetaden.

um den anderen nachgufcchren. Die Mitfahrenden mögen mich mit der in Falten gezogenen Stirne für einen griesgrämigen Patton gehalten haben. Dem im vollen Mittagsglanze sprühenden Meere, den duftumwobenen, wie Zaubergebilde heraus austauchenden Inseln wandte ich kalt tmd ärgerlich den Rücken zu und stierte auf die graugelbe Chaussee, als ob ich deren Staub ganz in mich hineinsaugen wollte.

Da, ich fahre empor, was war das? Na, freilich, Fritz und Marie, hübsch Arm in Arm, ziehen sie tn ver traulichem Geplauder des umgekehrten Weges. Ich war im besten Zuge, mit dsn allerschwärzesten Gedanken mein Hirn zu martern, da sielen mir vor Abspannung und Müdigkeit bfe Augen zu.

Ein Ruck, der Wagen steht still, im höchsten Diskant ruft die kreischende Stimme des Schaffners: Tutti fcen- bere! (Alles aussteigen!)

Als ich mir noch die Augen reib«, klopft mir ein freundlich dreinfHauender Herr mit weißem Dsllbarl ver­traulich auf die Schuller und sagt:

Freund, Sie sind gewiß ein Landsmann?"

Freilich, mein Herr, aber woraus schließen Sie das, wenn ich fragen darf?"

O, mein Bester, so melodisch schön schnarchen, wie Sie es eben getan, können nur wtt Deutsche!"

Also auch das noch! Rot, wie ein abgebrühter Krebs, kletterte ich aus dem nach Orangenschalen schwül duften­den Kasten heraus, b'm bald hn Hotel und wasche mir mit dem reichlich angesammelten Staub etwas die bösen Gedanken weg. Wie ich so auf der dem Meere zu­gewandten Terrasse sitze, kommt mir bei einer Tasse Mokka und einer geschmuggelten, deshalb auch doppelt gut schmeckenden Zigarre, die .alte Seelenruhe wieder.

Noch einmal ziehen so. mit den kleinen blauen Wölk­chen die (Erinnerungen des in haltreichen T--grs an mir vorüber und zwar in einem milderen Lichte, als vorher in den Träumen, die in der Bahn mir den Kopf durch­sagten. Immer wieder sehe ich sie vor n* Arm in Arm, Äs ob sie immer zu einander gehört hätten. 3a,

Ministerpräsident Marsal.

Ei« Scheinkabinett in Frankreich. Der Kampf «m Präsident Millerand.

In Paris hat sich die Kampflage zwischen dem Präsidenten Millerand und der linksgerichteten Kammermehrheit jetzt dramatisch zugespttzt. Millerand hat, nachdem der aus Algerien herbeigerufeue Herr Steeg auch keinen anderen Ausweg gewußt hat, mit dem letzten Finauzminister Poincares, Marsal, und anderen Gehilfen dieses Kabinetts, eine Regie­rung gebildet, die vor die Kammer treten will, um vo» dieser sofort gestürzt zu werden.

Di« Gründe, die den Präsidenten der Republik ver- anlaßt haben, diese Lösung zu wählen, sind nach einer Havas-Meldmig die folgenden: Millerand ist 1920 für sieben Jahre gewählt worden. Aus eigenem Antrieb kann er di« gesetzmäßige Dauer feines Mandats, besten Ver­pflichtungen er gewistenhaft erfüllt bat, nicht verkürzen. Er hat gemäß dem Ergebnis der Wahlen feinen Willen hmbgetan, den berufensten Vertretern der neuen Mehr­heit die Bildung des Ministeriums zu übertragen. Trotz seiner Bemühungen und seines guten Willens hat er keinen Erfolg gehabt. Es ist also klar, daß eine ernste Meinrmgsverfchiedenheit zwischen dem Staatschef und einem TÄl der Kammer ausgebrochen ist, die nicht länger <mbauern kann. Wenn das Parlament den Geist der Verfassung dadurch abändern will, daß es die Rolle, die es dem Präsidenten der Republik zuschreibt, einengt, so muß dies in voller Klarheit ausgesprochen werden. Das von Francois Marsal gebildete Kabinett hat keine andere Aufgabe als das schleimige normale Funkttomeren der kmrstÄMvnellen Regeln herbeizuführen. Marsal rohrt) das Parlament auffordern, durch eine Abstimmung seine Ansicht über die Frage, die einzig und allein gestellt ist, kwidzugeben. Dem Parlament wird kein Regierungs­programm unterbreitet werden, da das neue Kabinett entschlossen ist, sein Amt sofort nach der Abstimmung der Kammer, wie immer sie auch ausfallen mag, nie« derzulegen.

Die Taktik des Schweigens".

wtb paris, 10. Juni. (Tel.) Die fozialisti. fche Sammerftaktion hak gestern nachmittag eine Sitzung abgehallen, in deren Verlauf der Abg. paul Voucourl für trte »Taktik des S chwei- g e n s" 'm der heutigen Sammersihung eintrat. Der Ansicht, daß das Linkskartell auf alle Beziehungen zn einem Ministerium verzichten müsse, das unter solchen Umständen zustandegekommen sei, hat sich anscheinend die Mehrheit der Frakkionsmitglie. -er angeschloffen. Die Gruppe hatte auf alle Fälle ihren politischen Ausschuß an bet interfraktionellen Besprechung des Kartells der Listen heute vormit­tag abgeordnet, ht der über das Verhallen in -er heutigen Kammsrflhung eine Verständigung geschaf­fen werden soll. An dieser interfraktionellen Be­sprechung nahm teil die radikal-sozialistische Gruppe, die Abordnung der Sozalisten und Sozicflrepublika- ner nnd die republikanische Kammergruppe der radi­kalen Linken sowie die Mitglieder der demokratischen Linken des Senats, die bei der radikal-sozialistischen Partei regelrecht eingeschrieben sind.

= Dar deutsch« «attsyudikat teilt mit: In einem Teil der deutschen Presse sind Ausführungen erschienen, die, anknüpfend an die Gerüchte, amerikanischer Kredite des deutschen KalisyndikatS, sich mit der an» geblich mit diesen Krediten verbundenen Gefahr einer Üeberfremdung der deutschen Kaliindustrie befassen. Diese Ausführungen taffen erkennen, daß es nicht ihr Zweck ist, das deutsche Publikum objektiv zu informieren. Die Kredite, über welche verhandelt wird, haben lediglich die bankmäßigen Vora ussetzunaen eines reinen Warenkredits; sie werden den Kredit­gebern in keiner Weise eine Einwirkung auf die Ge­schäfte des KalisyndikatS, auf die Kalipreise, auf die Art der Verschiffung oder auf den Betrieb der deutschen Kaliwerke ermöglichen. Im übrigen werden die Kredit- Verhandlungen un vollsten Einvernehmen mit den zuständigen deutschen Regierungsstellen geführt. Daß über den Inhalt der schwebenden Verhandlungen nichts mitgeteilt werden kann, versteht sich von selbst; sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, wttd die Oeffent- lichkeit informiert werden.

dieser Fritz, ein verflixter Kerl war er doch, und ich würde ihn mir ja auch einmal ganz energisch vorneh­men, aber, mein Gott, konnte ich ihm böfe sein?

Da, während ich so in mich hin ein philosophierte, legen sich zwei weiche Arme um meinen Hals und ein hochgeröteter Mädchenkopf drückt mir einen Kuß auf die Stirne!

Franz, Franz, du wirst schrecklich böse auf mich fein, aber wir sind doch so unschuldig an der ganzen Geschicke, wie die neugeborenen weißen Lämmer. Fritz wollte ja mich durchfahren, aber ich ließ ihm cm der nächsten Haltestelle keine Ruhe. W-ir gingen dich zu suchen zurück, aber weg warst du. Warum hast du nicht gewartet. Ach Franz, Franz, fei doch nicht böfe. Junge, so etwas soll auch gewiß nie wieder passieren."

So sprudelte das Mädel aus einer Verlegenheit in die andere hinein und selbst der sonst um's Wort nicht verlegene Fritz stotterte, als ob er eben bei feinem ersten Primanerstreich ertappt merben wäre:

Franz, du glaubst doch nicht, daß wir dich absicht­lich verfehlt, es tut uns ja fo furchtbar leid, aber rott tonnten dock) schließlich nichts daran ändern!"

Schweigt mir alle beide!" fuhr ich dazwischen mit einer Miene, als ob ich unter gestrenger Papa im Straf­examen gewesen wäre.Ihr seid mir eine nette Ge­sellschaft, spart die Worte, mir könnt ihr keinen blauen Dunst Vorwochen, ich habe im Vorbeifahren genug ge­sehen. Das ganze Neapel ist voll elender Spitzbuben, di« einen stehlen das Geld, und ein anderer ein treues Herz. Kettien Augenblick bleibe ich länger in diesem fündigen Rest!"

Franz, Franz, ruhig!" und damit verschließt mir mein Schwesterlein in unwiderstehlicher Weife den Mund, während der arme Fritz ganz neidvoll daneben steht und sich den Schnurrbart reibt wie eine Katze, die man vom fußen Brei gejagt hat. Nun, er wird später wohl mit Erfolg feine Schadenersatzklage bei Marie geltend gemacht hoben, und die ist ja in dem Artikel auch nicht so.

Einstweilen mußte ich noch obendrein das glückliche Wiederfinden mit einer guten Flasche bezahlen und dann

was gehört zum Programm einer politischen Partei?

Von geschätzter Seite wird uns geschrieben:

Ein Staat, das ist ein Staatsvolk, lebt aus einem Staatsgedanken und Staatswillen, aus einer großen Idee von Staat und Nation, aus einem Erleben feiner Sendung, seiner geschichtlichen und schicksalhaften Aufgabe, die an erster Stelle die Er­füllung der innern und äußern Staatslebensnot­wendigkeiten besagt. Vor hundert Jahren hat der Reichsfreiherr vom Stein das in die Worte gefaßt: Der Staat ist kein landwirtschaftlicher und Fa­brikenverein, sondern sein Zweck ist religiös­sittliche, geistige und körperliche Ent- Wicklung; es soll durch seine Einrichtungen ein kräftiges, mutiges, sittliches, geistvolles Volk, nicht allein ein kunstreiches, gewerbefleißiges gebildet werden." Das Staatsvolk lebt nicht bloß von der Pflege der Wirtschaft, des nützlichen Wissens und Könnens» von der Bereitstellung der dienlichen Ge­setze und Verordnungen, von ihrer genauen büro­mäßigen Durchführung, vom stetigen Gange der Rechtsprechung und Verwaltung. Es lebt vielmehr zuerst vom kräftigen Gedanken und Willen zu einem starken Staatsvolke, von der Einsicht in die staatsbildenden Lebenskräfte in Reich, Staat und Gemeinde, von der Ehre, die sich ein Staatsvolk selbst gibt und allein sich geben kann; von dem politischen Sinne, der liebevolles Verständ­nis für die innern und äußern Lebensmöglichkeiten des Staatsvolkes ist; von der Staatskunst, die betv Staat aus Idee und Liebe, im Meistern des ge­schichtlichen Schicksals, der fördernden und hemmen- den Lebenskräfte, mögen sie von innen und außen kommen, aufbaut, sichert, zur Lebensfülle empor­führt.

Ein wahres Programm einer politischen Partei muß deshalb zum Eingänge vor allem betonen, was von allem jenen sie im Auftrage ihrer Wähler dem Staate geben, für den Staat außer Steuern und Gesetzen leisten will, im echten Dienst am Staate. Sie muß darin ihren nationalen Staats­gedanken und Staatswillen bekennen und den Wählern einschärfen, da beide erst in den Par­tei en als den Gliedern des Staats­volkes lebendig und tätig, ftuchtbar werden. Nicht minder wird das Programm darlegen müs­sen, in welcher Eigenart die Partei all dies im Namen ihrer Gesinnungsgenossen neben den andern Parteien aufbringen will. Da keine Partei allein das leisten kann, wttd es sich bekennen müssen zu einer möglichst großen, also recht viele Parteien umfassenden Koalitionsregierung. Da­nach geziemt es sich, im Parteiprogramm auch zu sagen, in welchem Umfange und in welcher Weise sie die austeilende Gerechtigkeit und Staatsvolls- fürsorge gegenüber allen Volkskreisen auszuüben, ihre dringenden Nöte nach Möglichkeit zu beheben, ihre berechtigten und billigen Forderungen an die Staatshilfe zu erfüllen gedenkt.

Daß die Programme und Richtlinien vieler Parteien umgekehrt handeln, ihre erste und wich­tigste Aufgabe oft gar übergehen, beweist, in welch weitem Maße die staatslosen Wähler die politischen Parteien vom rechten Wege der politischen Partei abgelenkt und mehr oder weniger zur In t er­es s e n p a r t e i herabgewürdigt haben. Alle Par­teien seufzen denn auch unter der Knechtschaft des in den breitesten Bürgerkreisen vorherrschenden Willens zur Ausnützung oder Ausbeutung der Staatsmacht für niedere Sonderinteressen, die in ihrer Uebertreibung und Einseitigkeit einfachhin unerfüllbar sind, weithin das Gemeinwohl des Staatsvolkes schädigen. Solange aber Parteipro­gramme sich unter diese Knechtschaft beugen, ver­bilden und verziehen sie die Wähler, das heißt die Staatsbürger, fördern ihre staatslose, staatsfremde, den Staat schädigende Gesinnung, tragen sie bei zur Schwächung des Staates und der Nation.

feierlich geloben, die für Neapel unö Umgegend an ge­setzten Tage unseres Reiseprogramms bis zur letzten Se. künde auszuhatten. Fritz verschwor sich zum Entgeh heilig und fest, uns in Zukunft alle Spitzbuben m re­spektvoller Entfernung zu halten.

Das hat der wackere Junge denn auch mit glän­zender Virtuosität besorgt. Wir hatten in den träum- haft schönen Tagen einen Führer, wie ihn kein Reife» büro gleichwertig zu stellen vermag.

Die schönsten Punkte dieses Paradieses waren ihm bekannt. Die herrlichsten Blicke, die abseits von der großen Fremdenstraße gelegen, hatte er entdeckt, imd meist schon mit seinem Pinsel in leuchtenden Farben ettf die Leinwand gebannt. Daneben wußte er die trau­lichsten Eckchen, wo es den besten und billigsten Wein und Ne munterste Gesellschaft dieses in sorgloser Freude da- htnlebenden Völkchens gab. Da klangen irie frischen Stimmen zur Gitarre unb Mandoline, da drehte man sich in den erst zierlichen und nachher zur Leidenschaft gesteigerten Linien der Tarantella. Freude Überall und kindlich harmloses Genießen.

Hinaus bis zmn schwefelrauchigen Feuerschlund« bes Vesuv ging es, dessen heiße Asche unbarmherzig unsere Schuhsohlen durchbrannte. Und wieder dann zu dem feierlich ernsten Bilde von Pompeji, der Stadt, deren raffinierte Lebensfreude einst so jäh zerstört worden ist- Hinunter dann über die tiefblauen, im Sonnenglanz und Wellentanz mit Myriaden Edelsteinen (spielenden Wogen nach Capri, zum Wunder der blauen Grotte, zum deutschen Künstlerheim des biederen Don Pagano, wo rorr mit dem Sänger desTrompeter von Säckingen", Viktor Joseph v. Scheffel, troff aller uns umgebende« (Üdftchen Märchenschönheit, einen sehnsuchtsvollen Her­zensgruß zur lieben deutschen Heimat senden mußten. Und dann tarn auch für uns der letzte Tag, so schwer es siel, und so oft man hierin wieder gerechnet, die schnellsten Züge herausqesucht und manchen kleinen Ab- stccher, den man sich für die Rückreise aufgespart, schon wieder mit auf das Konto Neapel gesetzt hatte.

(Fortsetzung folgt.)