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uldaerZertung

Nr. 134.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Verantwortlich iür bie Schriftleitung: Dr. JobanncS Ä tont et, Nmkigeu! 3- $ arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der .1 Fuldaer Actieudruckerei in Fulda. Fernlvrecher Rr- S. tz BerugsvreiSfürJuni: Poslbestellung 1.80Stadtbez«sUSOMk.

Sonntag, S. 3imi 1924

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51. Zahrg.

Reichstag und Außenpolitik.

Das BerLrauensvotsm für die Regierung Marx - Strefemann. Die Opposition der Rechten und der Kommunisten. Ver­tagung des Reichstages.

Die deutschnationalenKöpfe" im Reichstag Ha­tzen sich von den Leuten, die kürzlich der würdige Professor des Staats- und Kirchenrechts an der Universität Berlin Prof. Dr. D Kahl von der Deutschen Dolkspartei alsdie geistig Enterbten" be­zeichnete, von den Wortmachern und Deklamatoren, wieder von der sachlichen Mitarbeit ab und in eine schädliche Opposition hinein drängen lassen. Der Ausgang der Abstimmung im Reichstag war nur der Schlußstein dieses Vorganges. Wer Deutschland und das deutsche Volk um ihrer selbst willen liebt, hätte gewünscht, daß bie mühevolle Arbeit des Reichskanzlers alle vernünftigen Abge­ordneten von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten zur nationalen Einheis­front zufammengeführt und für wirklich nationale Aufbauarbeit geeinigt hätte. Di« Front am Rhein hat diese nationale Einigkeit immer wieder gezeigt, und vor nun bald 10 Jahren, im August 1914, ist sie ebenfalls dagewesen. Jetzt sind neben den Kommunisten Leute wie v. Gräfe, Henning, Re- ventlow, Schlange immer wieder am Werk, die etwa mögliche Einheitsfront kurz und klein zu Wagen.

Immerhin: der Ausgang der Abstimmung zeigt, wenn auch nur in geringem Umfang, nicht neue Zersplitterung, sondern neuen Z us a m m e n s ch l uh. Der Reichstag hat am Freitag den deutsch­nationalen MßtrauenanLrag mit 239 gegen 194 Stimmen abgelehnt. Die bayerische Dolks- xartei stimmte mit den Koalstirmsparteien. Der An- trag der Koalitionsparteien wurde darauf mit 247 gegen 183 Stimmen angenommen.

Slrefemanns Rede, deren erster Teil gestern schon mitgeteilt wurde, legte weiterhin dieVorteiledesGutachtens dar.

Es liegt nahe, daß bei der weltpolitischen Lage, in der wir ttns befinden, bei unserer Machtlosigkeit, von unserem Standpunkt aus alles begrüßt weiden muß, wodurch die Repar-Äonsfrag« aus der Machtatmofphär« herausgenommen und in bie Atmosphäre der Wirtschaftssragsn hineingestelü wird. Auf der einen Selle hatten wir die MachchoLtik, die sagte: Alles, was wir haben, wollen wir behalten; auf der anderen Seite der englische Standpunkt. Was haben wir dagegen Äs waffenloses Volk? Welche Waffen hat ein AußenminSster, wenn er nicht diese WaMu besitzt: ellrmal das Interesse der Welt, daß die große Wirtschasts- kraft Deutschlands nicht zugrunde geht, die Einsicht eines Volkes tn die großen wirtfchafMchen Verhältnisse, um nicht ein anderes Volk in den Untergang hineinzuziehen? Er hat keime andere Waffe, als daß die Well nicht un­interessiert daran ist, ob Deutschland zugrunde geht. Ich glaube nicht an eine Aenderung der Atmosphäre dahin, die Außenpolitik aus Liebe gemacht wird; sie wirb aus eigenem wirtschaftlichem In- i«reffe gemacht. Dieses Interesse der Sachverständigen nicht zu benutzen, wäre ein totaler Fehler gewesen. (Sehr rWigl bei der D. Dp.) Herr v. Gräfe, was der Außen- mirrffder eines waffenlosen Staates noch Hai, das ist der einheitliche nationale Wille seines Volkes Aber alle Parteien hinweg, der im gegebenen Moment Unerträgliches zurückwefft. Wenn Sie diesen Willen eines Volkes smstellen wollen, dürfen Sie nicht anderen Parteien dis poMsihe Ehre absprechen. (Sehr wahr! bei der D. Dp.) Dann müssen Sie anerkennen, daß der, der «chf welchem Wege immer seinem Vaterlande nutzen will, denselben guten Willen für sein Volk hat, den Sie für sich in Anspruch nehmen. (Sehr wahr.) Wir müssen einheitlichen Willen des Volkes in den Ehrensragen zufammensasssn, um die wir kämpfen, wie wir dadurch «Hon einmal die Nichtauslieferung der Kriegsverbrecher durchgefetzt haben. Nichts stört diese Einheitsfront mehr, ms die Rede, die Sie gestern gehalten haben. (Sehr vcchr! bei der D. Vp Lärm und Widerspruch rechts.),

Das ganze Sachverständigen-Gutachten wird in feinem Wett schließlich von dem Geist bestimmt werden, m dem « durchgeführt wird, und von den Persönlichkeiten, die darüber mit zu entscheiden haben; es fördert diesen Geist JW, wem, Sie (nach rechts) sich darüber Hinwegsetzen, daß andere Nationen auch objektiv denken können. Ich We die Dinge rein wirtschaftlich an. Und nun Er ich Herrn v. Graefe, zu beachten, wie der gegen­wärtige Stand der deutschen Belastung sich zu dem auf dem ttär nach dem Gutachten emgehen spllen. Was heute aus dem Ruhrgebiet durch die Mi- enntoerträge herausgequetscht wird, wird von Sach- verständigen auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Goldmark jähr- uch geschätzt. (Zuruf rechts: Wir haben sie nicht qe- bMgt! Stürmische Heiterkeit im übrigen Hause.) Ich Naube nicht, daß es zur Beruhigung des Ruhr- sebiets dienen wird, wenn Sie sagen, Sie hätten sie »«ht gebilligt. Kein Mensch hat das gebilligt. Aber wollen Sie di« Leute schmähen, die zu den unendlichen «erden, Vie sie schon auf sich hatten nehmen müssen, »uch dieses noch auf sich genommen haben? Hat wcht Poincare auch Zechen beschlagnahmt? Wollen Sie «n letzten R est unserer Volkskraft auch noch

r Vernichtung anheimgeben? Unsere ttrüder dort haben sich in das Unvermeidliche gefügt, aber «der festen Erwartung, daß die Reichsregierung alles um diese Last so rösch wie möglich zu vermindern.

., 3m Wahlkampfe ist gesagt worden, wir hätten auch "k Last der 380 Millionen B esatz un g s ko st en nicht 5"» uns nehmen sollen; die Uebernahme dieser Kosten c1 ein Zeichen der Schwäche der Regierung und ihrer Unfähigkeit, sich gegen solche Zumutungen zu wehren. h5fft doch klar, daß die ganzen Schläge dafür, daß wir Mt zähsten, von jener Bevölkerung auszu- *£ten gewesen wären. (Lebhafte Zustimmung.) Es will ww doch scheinen, als wenn jene großen Worte proportional sind der Entfernung vom ,,Esetzten Gebiet. (Stürmischer, anhaltender Beifall ** Händeklatschen.)

^3ch weise ausdrücklich daraus hin, daß das Sachoer- nandigengutachten in dem Satze mündet, daß Deutschland

Wserrrutet werden könne, gegenwärtig und stn

ersten Jahre auch nur einem Pfennig aus feilten, Budget zu zahlen. (Widerspruch rechts.) Sie (nach rechts) haben das Gutachten eben nicht gelefem!

Leider treten wir m He Frage der Erledigung des Sachverständig«Mäachtens ein in einer Zeit größter politischer Zerrissenheit, wie sich aus den Debatten dieses Hauses ergibt. Gerade angesichts der Entscheidung, vor der wir stehen, die die bedeutungsvollste ist nach dem Frieden von Versailles, wird diese politische Zer- rissenheit weder im Lande verstanden werden noch im Ausland. Vorteile und Nachteile müssen in der Frage des SachverstL nRgengutcrchtens ruhig erwogen wer­den. Die Regierung hat sich bei dstsen Verhandlungen leiten lassen von der Wahrung der deutschen Lebens­interessen, und sie ist überzeugt, daß sie mit dem Weg, den sie gegangen ist, den einzig richtigen Weg gegangen ist, der zur Konsolidierung der deutschen und der europäischen Verhältnisse führt, Und wir können nur hoffen, daß die Behandlung dieser Fragen erfolgt mit Sachlichkeit und Leidenschaßtslosig- teil, aber nicht aus Parteirückfichten. (Lebhafter Bei­fall bei den Regierungsparteien.)

Als Echo auf die sehr eindrucksvollen Darlegun­gen Strefemanns, die offenbar einem großen Teil der Deutschnationalen sehr peinlich waren, erging sich der auf dem rechten Flügel der Deutschnationalen stehende Abg. Schlange-Schöningen in Redensarten, die sogar dem Geist der deutschen Sprache wenig Ehre machten. Minutenlang wurde im ganzen Hause gelacht, als Schlange von derklingenden Schelle" sprach,der im Endeffekt der Erfolg versagt war". Er will künftig mit den Völkischen einen nationalen Block gegen die Regierung bilden.

Nach Schlange sprach noch der Soziallst Dr. Breitscheid, ein Kommunist, der Demokrat Koch.

Dann wurde die Debatte geschloffen. Der Reichs­etat für das Jahr 1924 wird ohne Widerspruch dem Haushaltsausschuß überwiesen. Es folgen

die Abstimmungen

über die Mißtrauens- und die Vertrauensantrage. Die Sachlage fft nicht einfach, lieber welchen An­trag als den weitestgehenden soll zuerst abgestimmt werden? Es liegen im ganzen fünf vor. Die Deutschnationalen und die Kommuni­sten haben ein Mißtrauensvotum eingebracht. Die Mittelparteien ein Vertrauensvotum. Die Nationalsozialisten haben gleichfalls, um Verwirrung m den Reihen der Mitte zu stiften, ein Vertrauensvotum auf den Tisch des Hauses ge­legt. Im Gegensätze zu dem Votum der Mittel- varteien ist es unmotiviert und soll so die schwan­kenden Fraktionen der Bayerischen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und womöglich sogar der So- zialdemokratie zwingen, eine ablehnende Stellung einzunehmen und dadurch die Regierung zu stürzen. Der Antrag der Mitte ist motiviert und billigt le­diglich die Regierungspolitik gegenüber dem Gut­achten. Eine heftige Geschästsordnungsdebatte setzt ein. Der Abg. Lobe erklärt für die Sozialdemo­kraten, daß sie auf den Schwindel der National- sozialisten nicht hereinfallen würden. Herr v. K a r- dorff hat inzwischen einen Antrag gestellt, über das nationalsozialistische Votum zur Tagesordnung überzugehen, um es so, weltergehend, von vorn­herein abzuwürgen. Das gelingt.

Zuerst wird über den deutschnationalen Mißtrauensantray abgestimmt. Die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten und Kom­munisten sind dafür. Aber den von ihnen abge­gebenen 194 Zetteln stehen 239 gegenüber. Der Mißtrauensspruch ist damit abgelehnt. Der An­trag des Herrn v. Kardorff kommt an die Reihe. Für ihn tritt selbst ein Teil der Deutschnationalen ein, darunter Tirprtz, Bismarck, Hergt und Westarp. Kurz, der Antrag wird angenommen und das un­ehrliche Manöver der Nationalfozkrlisten fft vorbei­gelungen.

Endlich das VertrauensvotumderMit- telparteien. Abgegeben sind insgesamt 430 Zettel (über 40 Abgeordnete fehlen also). Für das Vertrauensvotum sind 2 4 7 eingetre­ten. Dagegen haben 183 votiert. Die Mehr- heit über die Oppositionsparteien beziffert sich also auf nicht weniger als 84 Stimmen. Großer Beifall in der Mitte, an dem sich zum Teil auch die Zuschauertribünen beteiligen. Die S o z i a l d e mo- trotte, die Bayerische Volkspartei und die Wirtschaftspartei haben sich bei der Abstimmung den bürgerlichen Mittelparteien zu­gesellt und' den Erfolg der Regierung verstärkt.

Die nächste Sitzung

des Reichstages ist am 24. Juni, nachmittags 3 Uhr. Der Präsident erhält die Ermächtigung, die Tages­ordnung festzusetzen und bei wichtigem Anlaß schon vor diesem Termin eine Sitzung onzube- rairmett. ;-*

&n Ausschluß.

Wie tt>ir erfahren, hat die Fraktion der Deutschen Volkspartei dm Abg. von Kemnitz, der hn Reichstag entgegen dem aus­drücklichen Frakttonsbeschloß für dm Mrßtrauens- attirag der Deutchnationctten Dolkspartei gestimmt hat, einstimmig aus der Froktvn ausgeschlos­sen. Wie derVerl. LÄalanz." mitteilt, ist von Kemnitz zur Deutschnationalen VolZs- Partei übergetreten.

3m Kurland

ist der Erfolg der Regierung Marx mit Intereffe oerzeichnel worden. Dondoner Blätter,

1 ds'e die Rede StresemanvZ MführlO wixdera-b»^

erklären: Die Mehrheit, dir Marx gestern erzielt habe, sei zwar gering, sie sei nur mit Unterstützung der Sozialdemokraten erreicht worden, die in der Regierung nicht vertreten feien, aber die Regierung könne doch vorläufig ihre Bemühungen, für Deutsch­land praktische Schlüffe aus dem Sachverständigen­bericht zu ziehen, fortsetzen.

DiefranzösischeLinkspresse freut sich über den Erfolg der auf dem Boden der Republik stehenden Parteien im Reichstag, lieber die deutsche Demokratie zu scherzen, sei leicht. Nichtsdestoweni­ger könne die Sonne des europäischen Friedens nur aus dem Siege dieser Demokratie aufsteigen. Die Alliierten hätten 1919 einen groben Feh­ler begangen, als sie dis Revolutionäre von 1918 den Repressalien der Rechten auslieferten. Sie hät­ten sich stumpfsinnig für die Erdrosselung einer Re­volution hergegeben, die ihren Sieg vervollständigte. Dann hätten sie sich naiv mit den Magnaten der deutschen Industrie, den Pfeilern des Alldeutsch­tums und den Geldgebern der Revanchepropa­ganda, zusammen auf Finanzkombinatio­nen eingelassen. Die Resultate seien bekannt. Aus dieser Erfahrung müsse man die Lehren ziehen.

Ueber das süchyerftäMgeu-Gütachteu.

Die Prof. Dr. Adolf Weber-München urkeilt.

Der Münchener Ordinarius der Nationalökono­mie Professor Adolf Weber hat in einer kurzen SchriftDas Gutachten der Sachverständigen und die Volkswirtschaft" behandelt (erschienen bei Dr. Fr. A. Pfeiffer u. Co., Verlagsges. München). Er würdigt darin kritisch die wesentlichen Teile und stellt im einzelnen fest, wie die Vorschläge der Sach­verständigen für Deutschland Verbesierungen der bisherigen Lage bedeuten:

Wenn wir uns nun erinnern cm all die Garantien, Kontrollen, DrrrckmitteE, deren sich die Feindmächte bis jetzt bedient haben und bedenken, daß diese samt und sonders zugunsten des neuen Planes beseitigt werden müssen, daß ixyu noch fremdes Kapital nach Deutschland konunen soll und daß in kürzester Zeit das alfoemetne internationale Vertrauen in die deutsche Geld- und Kre- dstwirtschatz wieder herzustellen ist, bann wird man ohne weiteres begreifen, daß wir an einem neuen System von Kontrollen und Sicherungen nidjt vorbeikommen können. Wie stehts nun damit?"

In einem Vergleich zwischen dem Angebot der Regierung Cuno und dem Gutachten wttd hervorgehoben, daß das erstere für die deutsche Volkswirtschaft weit gefährlicher gewesen wäre. Zusammenfaffend kommt Prof« Adolf We­ber zu folgendem Urteil:

Wenn man ein Gefarnturteil haben will, so wüßte ich es nicht besser zu formulieren, als es Keynes in der englischen ZeitschriftThe Natton" getan hat. Er sagt ungefähr folgendes: Der Be­richt ist der beste Beittag, der bisher einem un­möglichen Problem gewidmet wurde. Er atmet ehren neuen Geist und verbreitet eine Atmosphäre der Unparteilichkeit. Obwohl er manchmal die Sprache eines Gesunden spricht, der sich imJrrenhaus befindet und der sich selbst dem geistigen Zustand der armen Kranken anpaßt, verliert er nicht den gesunden Menschen­verstand, er schließt Kompromisse mit dem Unmög­lichen, schlägt aber niemals das Unmögliche vor. Düs ist richtig, ebenso richtig ist aber ich erinnere an das, was ich einleitend sagte ein Satz, den der Vorsitzende des Ausschusses in fernem schon mehrfach erwähnten Brief an das Reparations­komitee niedergeschrieben hat:Die Zurückweisung dieser Vorschläge durch die deutsche Regierung be­deutet die wohl überlegte Wahl einer Fortdauer der wirtschaftlichen Demoralisation, die als End­ergebnis das deutsche Volk in hoffnungsloses Elend verstrickt." Ich füge hinzu: dieses hoffnungslose Elend wird nicht nur dann kommen, wenn wir den Plan, der ja nur Grundlage für Verhandlungen sein will, ablehnen, sondern auch dann, wenn seine Hauptgedanken nicht s e h r b a l d verwirklicht wer­den. Es liegt eine furchtbare Gefahr im Verzug. Der Patient droht hinzuscheiden, ehe die Aerzte mit ihrem Konzilium fertig sind. Darüber darf auch die Tatsache nicht Hinwegtäuschen, daß die Börse Gesundsrnöglichkeiten voreilig eskomotiert.

Das, was uns das Gutachten vorschlägt, geht materiell und moralisch unmittelbar an die Grenze des Unerträglichen heran. Aber immerhin, wir bekommen wieder wirtschaftliche Ellenbogenfrei­heit. Emer gewonnenen Schlacht kommt es gleich, daß nun aus dem Versailler Diktat, diesem In­strument machtpolitischen Wahnsinns, ein Mittel volkswirtschaftlicher Zweckmäßigkeit gemacht wer­den soll. Der Endsieg liegt für uns noch in weiter Ferne; aber manche Etappe wird zu- rückgelegt werden muffen, ehe wir da stehen, wo mir stehen müssen, aber wir werden schon zum Ziele kommen, wenn wir nicht mit dem Kopf durch bte Wand rennen, sondern ihn für edlere Zwecke benützen. Vorläufig müssen wir uns mit der Er­kenntnis genug sein kaffen, die vor einiger Zett der ungarische Ministerpräsident in die Worte kleidete: Wirtschaflliche Gesundung ist die Vorbedingung für politische Befreiung!"

Veamtenfragen.

= Neuregelung der preußischen Vcamtengehälter. Die preußischen Beamten haben am 1. Juni vorerst nur ihre alten Gehälter cmSgezcchlt erhalten. Nunmehr hat der preußische Finanzminister mit Zustimmung der Führer der Regierungsparteien cmgeordnet, daß zu- nächst vorschußweise in der Woche nach Pfingsten die Gehaltserhöhungen,welche den ReichSbcamten zuteil geworden find, auch den preußischen Beamten ge­zahlt werden, lieber die Frage der gesetzlichen Regelung der Besoldungserhöhungen in Preußen und über die Aufbringung der Mittel hierzu wird der Stän­dige Ausschuß des Landtags am 12. d. M. beraten.

Kus der Zentrumspartei.

Der Vorsitzende der Sentrumrfraktion. Die Zen- trumefraLtion des Reichstages wählte den Abg.Fehren- 1 b'ach wieder rrLimwiä zu ihrem »otitaenbep-

Die WMW WemMe

ist noch nicht gelöst. Millerand hat bislang i noch keinen Staatsmann gefunden, der von ihm einen Auftrag zur Bildung des Kabinetts anneh­men will. Es soll jetzt nochmals mit dem bisherigen Generalgouverneur von Algerien Steeg versucht werden, der in Paris erwartet wird. Trotz der absurden Gerüchte, die im Umlaufe seien, könne er­klärt werden, daß nichts dem Präsidenten ferner, liege als ein Gewaltstreich» welcher Art er? auch fei. Auch dasEcho de Paris" bezeichnet als den Mann, dem Millerand das Ministerium atu vertrauen werde, Steeg.

Die wirren in Albanien.

wtb Paris, 7. Juni. (Tel.) DemMatts" wird aus Belgrad gemeldek, daß dort keinerlei Be­tätigung vorliegt für die Besetzung Tiranas durch:, dis revolutionären Truppen. Doch erfährt die Wremja" aus Skutari, daß die Regierung und die Regentschaft in höchst kritischer Lage seien. Re- Evolutionäre Züge aus dem Süden hätten die Stabt Berat besetzt und standen vor Tirana. Diese So- tannen seien gestern mit Regierungstruppen in der Rähe der Dorfes Dywrak am Ufer des Flusses Skumba zusammengcstoßcn. Die Reglerungs- truppen seien geschlagen roorben unb bte, Revolutionäre hätten den Skumbafluß überschritten.^ Den letzten Meldungen zufolge sei bie Schlacht vor Tirana im Gang.

China und Deutschland.

Der Associated Preß aus Peking zufolge wurde das Uebrreinkommen über die noch ausstehend« strittige Frage zwischen China und Deutschland unterzeichnet. Die Verhandlungen seien vom Fin nanzminister und einem Vertreter der Deutsch-Afia- tischen Bank geführt worden. Das wichtigste Merk-, mal des Uebereinkommens sei die Wiederauf^ nähme der Zahlungen auf die deutschem Darlehen, die sich auf 2230000 Dollar betaujez^

Das betende Wien.

Bittgottesdienst für den Bundeskanzler.

Am Mittwoch oomiittag, zwischen 9 taib Ihr, boten die großen Geschäftsstraßen Wiens ein) onntägliches Bild. Auf der Mwrtahilfeki traße, Kärtnerstmhe, dem Graben, der Prater» traße, Wiedner Hauptstraße, Iosefftädterstraße untf tert anderen Hauptverkehrslinien waren die Ge« ch äftslade n fast ausnahmslos geschlossen^ weil zu dieser Stunde in allen Kirchen Bittgottes-h dienste für Uten von entern verk ommenen Menscher» schwer verwundeten Bundeskanzler stattfanden. ,

Die Bittgottesdienste wiesen einen Massenbesuchs auf, an dem Gottesdienst in der Stephans, ki ritze, die etwa 14 000 Menschen faßt, dürftest mindestens 10 000 Menschen teilgenommen haben.. In der Kirche hatten sich Bundespräsident Doktor Harnisch, Vizekanzler Frank und die anderen MK» güeüer der Regierung, das gefamte diploma^chst Korps Mit dem päpstlichen Nuntius an der Sprtzy eine große Gruppe von Nationalräten, die tn ge4 fchloffÄtem Zuge vom Parlament in die Kirche ae-! kommen waren, Abordnungen der katholische«! Studentenschaft, chrisü.-svz. organisierte Wehrmännest und Gendarmen, sowie zahlreiche Frontkämpfer, Mitglieder der Monarchischen Parteien und zahl-i reiche Angehörige des ehemaligen Hochadels einige-? firnden. Bis zu dem Augenblick, in dem Weihbiscyosi Dr. Pflüger unter großer Assistenz das Hochamt zu zelebrieren begann, strömten ununterbrochen neu« Menschenmengen in die Kirche. Als die Gebete fürs die Wiederherstellung des Bundeskanzlers gespro­chen wurden, sah man viele Kirchenbesucher meinen; Nach Schluß des Gottesdienstes wurden vor be> Kirche Bildnisse Dr. Seipels verkauft.

Wohnung unb IKtete»

Ein Antrag der Volkspartei.

Die Deutsche Dolkspcrrtei hat rm Reichstag einen! Antrag eingebracht, der die Außerkraft^ fetzung des Reichs'mietenge fetzes verlangt. Di« Angleichung an die Friedensmiüt« soll nach dem Antrag spätestens bis lt HpM 1924 vollzogen fein.

Die DohnunMämktt.

In Erfurt begann die HaupVverscmMtMg der dortigen Tagung der Vereinigung deut­scher Wohnungsämter. Unter den offiziell len Teilnehmern befanden sich Dertreteir des Reichsarbeitsministers und die Vertreter der baye» rcfchen, Württemberg:fchen, sächsischen, hessischen und» thürmgifchen Stoatsregierung. Der Vertreter des Reichsarbeitsministers betonte die Unmöglich« feit, von der Zwangswirtschaft im Wohnungs» wesen zurzeit abzugehen. Die Forderung nach Auf»; Hebung der Wcchmmgsämter sei nicht berechtigt, b® zwischen dem Wohnungsangebot und der Nachfragst noch ein großes Mi^ierhältnis her^cheu

Schule und Dslksdilbung.

s=s Einr tkuriögebllng fük das humsmsilfchrEymuasiilm. Die (Senate der Universität Leipzig und den Technischen Hochschule geben der OeffenMchkeitj kund:Universität und Technische Hochschule sind übet» einstimmend der Meinung, daß das humanistische; Gymnasium ein unentbehrliches Glied tat höheren'. Schulwesen ist. SS ist keineswegs nur Gelehrtenschule.' ES vermittelt eine für alle Hochschulfächer höchst et. wünschte, für viele die zweifellos beste Vorbildung. > Steindorff, Rekwr der Universität Leipzig. Nägehk Rektor der Technischen Hochschule.