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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Ur. 132.

Verantwortlich >ür die EckrUtleiiirns- Dr. Johanne» Äremrt. Lmeiaen: I. B arreller. Nulda. Rotarionidruck und «erlaa der n Fuldaer Vclievd'i-ikerei in Fu'da. Jernlvre^er Skr. & :

B?«ua»vrrt» für Juni- Doftbestevvna 1.8O.StoMbfifl 1.50 Stt

Freitag, 6* Juni 1924.

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51. Zahrg,

Rsrchsregierung und Parteien.

Dee Darlegungen des Reichskanrlers im Reichstag. ZraktionserlrlärungLN in der Donnerstags sihung.

Unbekümmert um die Hetze, die von rechts- und fin?srabifaler Seite jetzt neuerdings entfaltet wer­den wird, gehl Reichskanzler Dr. Marx den schwe­ren Weg der Pflicht, der um Deutschlands Zukunft willen gegangen werden muß. Dr. Marx hat alles versucht, um den Deutschnationalen, in deren Reihen ja zahlreiche Leute (wenn auch nicht die Mehrheit), sich der Einsicht in die Notwendigkeit der Marx- Stresemannschen-Außenpolitik nicht verschließen, für positive Mitarbeit zu gewinnen. Erst nach langer Geduldsprobe hat er jetzt getan, was schon am Tage der Eröffnung des Reichstages möglich war: er hat, umgeben von den bisherigen Mini­stern, das Programm der deutschen Außenpolitik entwickelt. Das ist der sprin­gende Punkt. Hier müssen sich y'l die Geister scheiden.. Mit Redensarten und Doppelsinnigkeit ist nichts mehr zu machen. Es geht um Klar­heit.

3m Reichstag.

Der staatsmännischen Erklärung des Reichs­kanzlers am Mittwoch nachmittag ging in einer Jormittaassitzung des Reichstages eine Szene vor­aus, die dieK l e i n g e i st e r" beim Werke zeigte Schimpfereien übelster Art. Anlaß: immer noch die Freilassung der politischen Gefangenen. Die Schimpfkanonade tobte hauptsächlich zwischen den Völkischen und den Sozialisten und Kommu­nisten. Es fielen Ausdrücke wie: Iudenschwein, Schuft, Unverschämter Lügner, Seipel-Mörder, Rathenau-Mörder.

Der national-sozialistische Führer ftennig erklär» u. a.: Es ist der Stolz unserer deutschvölkrschen Fraktion, daß sie auch nicht einen Tropfen jüdibhen Blutes in ihren Reihen aufweist. (Stürmischer Widerspruch und betäu­bender Lärm.) Ein Hochverräter ist auch ein Bater- londslcser. Wenn di« Herren Stresemann und 3)1 a r r die Wirtschaftspolitik unentwegt weiterNeiden, die das deutsche Volk zum Erliegen bringen muß, so sind auch sie vaterlandslose Männer, mögen sie ihre VcneiÄmdsllebe noch so sehr beteuern. Wer tritt denn hier immer so beredt als Anwalt des Ultramonta- n Ismus auf, Herr Fehrenbach? Wir werden Re - 'chenschaft fordern auch für München. Wir können Sie als Mitarbeiter an der Wiedercmfrichtrmo, Leutfchlrmds nicht anerkennen. Retten kann das demsche Volk nur eine Diktatur der D e u t s ch v ö l k i s ch en/' (Bei­fall rechts, Lärm bei den Komm.) Der Führer der Deutschen Bolts Partei, Prof. Dr. Sahl, kennzeichnete später diese Ausführungen Hennigs bahnt: Die Rede <Xnntfl5 war das Höchstmaß politischer Min- derwertigkeit. Sie stimmt -zu den Worten eine« Mstglieds Ihrer Partei: Wir sind die geistig Enterbten! (Lebhafte Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Deutschen Dolkspartei und den Nationalsozialisten im Saale.)

Unter lauten Pfuirufen der Kommunisten wurden schließlich die Ausschußanträge auf A b - l e h n u n g der Freilassung der kommunistischen Abgeordneten Lindau und Pfeiffer mit den Stim­men der bürgerlichen Parteien angenommen. Eben­so wurde die Freilassung des Abg. Schlecht (Komm.) abgelehnt, der Fall soll aber weiter geprüft werden. V e Erklärung des Reichskanzlers die dieser in der Nachmittagssitzung abgab, besagt im Wesentlichen folgendes:

Seit Jahren steht di« ix-utsche Politik unter dem Druck der außenpolitischen Verhältnisse, zumal jetzt, da das Gutachten der Sachverständigen die beherrschend« Frage der großen internationalen Po­litik ist. Für Deutschland ist es die Lebensfrage. Die Lage unserer Wirtschaft ist trostlos, wenn Nicht ver- zweifelt. Die Kenner des bsutsckrn Wirtschaftslebens sind darin einig, daß in allerkürzester Zeit eine Ent­spannung der Geldknappheit erfolgen muß, wenn nicht die ganze Wirtschaft erliegen soll. Einen Ausweg aus der schon zu lange dauernden wirtschaft­lichen Krisis sah die Reichsregierung in dem Sachver­ständigengutachten. Sie beantwortete deshaH in einer Note vom 17. April eine Anfrage derRepko, daß sie in dem Gutachten eine praktische Grundlage für eine schnelle Lösung des Reparationsproblems erblicke und deshalb berett fei, ihre Mitarbeit den Sachver­ständigen zuzufichern. Im Einklang mit dieser Er» flärung werde die jetzige Reichsregieruna die nn Gange befindlichen und durch di« Regierimgsbrldung nicht ver­zögerten Vorarbetten zur Durchführung des Gutachtens f o r t s e tz e n. Aufgabe des bereits arbeitenden Drgant- fationskomitees für die Goldnotenbank, die Reihsbank und die Jndustrieobligationen werde fein, die in dem Gutachten noch vorhandenen Lücken auszufüllen und Un- ftorbetten, sowie tertliche Widersprüche aufzuklären. Es müßen bebet die Befugnisse der Kommissare völlig klar- gestellt und abaegrenst. sowie insbesondere auch hinsicht­lich der deutschen Mehrheit im Terma'tungerat der Reichsbank die vorhandenen Zweifel beseitigt werd-n. Wenn die Arbeiten dieser Komftses zur Einigung geführt haben, werde die Reichsregierung alsbald die für die Regelung dieser Materien nntroenbiaen Gesetzentwürfe »en gesetzgebenden Körperschaften vorleaen. Ferner müss­en auch die mit der Inanspruchnahme der Zölle und Jerbrauchsaboaben im Zusammenhang stehend'n Fra­gen mit der Gegenseite erörtert und bi- Befugnisse b~für klar-gestellt werden, sowie außerdem die Tätigkeit der Aoenten für die Reparationszahlungen noch in den Ein­zelfragen geregelt werden.

Die Reichsregierung fei bereit, alles zu tun, um die in Angriff genommenen Vorarbeiten zu beschleu- n i er e n und das Sachverständigengutachten in die Wi k- kichkeit umzusetzen. Sie hofft dabei auf die Mitarbeit d« s Reichs ages. Die deutscherseits zu erlassenen Gesetzentwürfe und Anordnungen werden erft in Kraft treten, wenn klar und eindeutig feftsteht, daß auch die Gegenseite das Gutachten als unheilbares Gan­zes unverändert annehme unb wenn die Ge­wißheit dafür gegeben fei, daß die Geaenseste gleichzeitig alle Maßnahmen treffe, die im Gu'achten als nrtwend g bezeichnet feien, um die deutsche Leistungsfähig­keit wieder herzu stellen. Die wirtschaftlich« und finanzielle Einheit und Verwaltungshaheit müßten gleichzeitig wieder hergeftellt werden, weil anders die in

dem Gutachten verlangten Leistungen nicht aufgebracht werden könnten.

Die ungeheuren Opfer seien für das deutsche Volk nur tragbar, wenn allen Deutschen die Möglichkeit gegeben werde, in ihrer Heimat sich ungestört der Arbeit hinzugeben. Die für die Steigerung der Pro­duktivität und die Uebernahme so schwerer Lasten not­wendige innere Bereitschaft könne nicht gesü-afsen werden, solange das traurige Schicksal vieler Tausender Ver­triebener und ihrer Freiheit beraubter Deutscher die Nation belaste und beunruhige. Ihnen die Freiheit und die Heimat wiederzugeden, sei unerläßliches Ziel, von dem die Reichsregieruna nicht abgehen könne.

Nach Uebsrzeugung der Reichsregieruna müssen vor diesen lebenswichtigen, für dir Rsichssinheit unb die deutsch« Wirtschaft gleichbedeutenden Fragen der äußeren Poliük alle . >

innerpokittzschen Fragen

vorerst $urüdtreten. Sn voller Absicht unterlasse die Reichsregieruna deshalb, in der gegenwärtigen Stunde auf die Fragen der Innenpolitik sinzugehen. Wir dür­fen nicht eine unfühnb are g o schi ch-tt ich e Schuld auf uns laben, den Untergang bee Reiches verschuldet zu Haden, well mir im entscheidenden Augen­blick nicht die nationale Disziplin zu wahren wußten.

Das Ausland muß sehen, daß das deutsche Bolk ent- schlossen den ihm sich bietenden

___ Weg zur Freiheit

gehen wolle. Das Ausland müsse aber endlich und) den Beweis erbringen, daß es zu ehrlicher Scrftänbigung bereit fei. Nur dann werde sich im deutschen Volke der durch zahllos« Emtäuschungett und Demütigungen er» schlitterte Glaube an den wahren dauernden Frieden wieder saftigen. Es geht um deutsche Brüder, um deutsches Land, um Deutschland» Rettung in letzter höchster Not. Das Rheinland und die be» drängten Landsleute an der Ruhr sehen erwartungs­voll auf den Reichstag unb verlangen, daß er ihnen schnell Rettung und Hilfe bringe.

Die Rede des Reichskanzlers wurde im wesent­lichen vom Hause ruhig entgegengenommen. Die Kommunisten machten zwar hin und wieder Stö­rungsversuche durch Zurufe ober durch Lärm. Als der Reichskanzler von der Notwendigkeit der Räu­mung der über den Versailler Vertrag hinaus be­setzten Gebiete sprach, ertönte bei den bürgerlichen Parteien lebhafter Beifall. Sein Appell an die Einigkeit fand gleichfalls Zustimmung. Am Schluß der Rede ertönte aus der Mitte Beifall. Die Rechte schwieg und die äußerste Linke forderte von neuem Amnestie.

Präsident Wallraf schlug vor, die Besprechung der Regierungserklärung auf Donnerstag zu vertagen. Ferner wird der Notetat für 1924 auf die Tagesordnung gefetzt. Ein kommunistischer Antrag, die Frage der Bergarbeiter ebenfalls auf die Tagesordnung zu setzen, fand nicht die erforder­liche Unterstützung.

Die Ausnahme der Uauzlerrede.

Die im Reichstag von dem Reichskanzler Dr. Marx abgegebene Regierungserklärung findet di« uneingeschränkte Zustimmung der Presse der Mittelparteien und der Sozialdemo­kratie. In Bausch unb Dogen abgelehnt wird die Erklärung auch nicht von der deutsch- nationalenDeutschen Tageszeitung", die nur in einzelnen Punkten Kritik an den Ausführungen des Reichskanzlers übt. Dor allem wendet sich das Blatt gegen die unemgefchränkte Annahme des Sach- verftändigengntachtens, das wegen feiner Mängel, insbesondere hinsichtlich der von Deutschland gefor­derten unerfüllbaren Leistungen, nur zur Grund- lage von Verhandlungen hätte gemacht werden müs­sen. Die Erfüllung des unveränderten Gutachtens führe das deutsche Volk nicht auf den Weg der Freiheit, sondern auf den Weg der Sklaverei. Auch vermißt das Blatt m der Erklärung em offenes Wort über die Schuldlüge.

DieGermania" betont, daß die Politik der Reichsregierung von nüchternen Tatfach er. ausgehs, die unbequemer feien als billige Agitationsphrasen. Immer wieder müsse betont werden, baß der Krieg für uns verloren ist, und daß daraus unvermeidbare Konsequenzen zu ziehen sind. Wir haben, so schließt das Blatt feine Ausführungen, den Worten des Reichskanzlers Dr. Marx wenig hinzuzufügen. Die Zentrumspartei unterstreicht seine Ausführungen Wort für Wort. Die Zwangsläufigkeit der Ereignisse wirb, wie wir hoffen, auch die Gegner ber heutigen Re­gierungspolitik davon überzeugen, baß es keinen anderen Weg zur Befreiung Deutschlands gibt als den, den die Regierung mit Entschlossenheit geht.

DasB. T." erklärt, daß die Rrde des Kanz­lers mit ihrer klaren Offenheit und ihrer weisen Beschränkung auf dis Forderungen des Tages, nüm ich die Annahme des Gutachtens der Sachver­ständigen, nicht ungünstige Aussichten biete.

DerVorwärts" schreibt: Die Sofialdemokra- üe hat in Wahrung brr Interessen brr Arbeiter die Annahme des Sachverständigengutachtens gefordert und w'rd im Interesse brr Arbeiter chre Energie auf diesen einen Punkt konzentrieren, ohne nach rechts oder links m sehen.

Auch dieDeutsche Allgemeine 3 t g." erklär» die Stellungnahme ber Rrgierungsecklänmg Zum Damrsbericht für grundsätzlich ri cht i g. Die bmysche Wirtschaftslage fei unbestreitbar trost­los. Eine Besserung sei von ber Regelung ber !B*n*raii«*«ica» efchäna*'''

Amerika, Marx und Herriot.

wtb y a r i s, 5. 3uni. (Id.) Rach einer Mel. düng desBewgorf Hcrald" aus Washington wird in den Kreisen des Kongresses und halbamklich eine gerviffe Erleichterung über die Lösung der deutschen Kabinettskrise unb das Wieberzusiandekommen bis Ministeriums Marx bekunbet, was als eine Bes­serung der internationalen Beziehungen Deutsch­lands und bet Anlelheausfichkcn betrachtet wirb. Man zeige jedoch einige Besorgnis hinsichklich ber Did^rstandsfähigkeii des zweiten kabinekis Marx gegenüber nationalistischen Angriffen.

Die Erklärungen h e 11 i o t s hätten in Was­hington Enttäuschung hervorgerufen. Der Eindruck sei ber, daß Hertiot zwar die Sprache gemäßigk Hobe, jcboch im Gründe genommen die Ruhrpolitik Poineares sortführe.

Adgekshrtts Anleihe.

vtdW ajhington, 5. Juni. (Tel.) Trc Senat hat den Vorschlag betreffend Bewilligung einer An­leihe an Deutschland in der Höhe von 25 Millionen Dollar zum Ankauf von Lebensmitteln in den Vec- einigten 'Staaten abgelehnt.

painlevs

der siegreich aus der Wahl in der neuen jranzöfischeu Kammer als Kammerpräsident beiborgegangen ist (er erhielt 296 Stimmen, Marginot 209 und der Kommunist Marly 27) hielt eine Antrittsrede, worin er sagte:

Wir finden uns als Sieger nicht mit einer Welt ab, in der die Gewalt noch Herr und Meister sein soll wie zu der Zeit, wo wir als B c s i e g t e sie versluchten. Mir allen Kriegseilnehmern und allen Verstümmelten, mit allen, die 6en Krieg mitgemacht haben und die traurigen Spuren hiervon noch bewahren, haben wir Ver­trauen in die Zukunft des Völkerbundes, nicht in die Bismarckfche Formel, an der wir fo oft Kritik geübt haben. Wir wollen die Macht in den Dienst des Rechtes stellen. Es handelt sich nicht darum, den Illusionen oder Utopien die gerechten Forderungen Frank­reichs zu opfern. Es gibt keine Gerechtigkeiten ohne eine Reparation der Ungerechtigkeiten. Wir leugnen nicht, daß revanche dürftige Mächte unser altes Europa beun­ruhigen. Wenn sich jenseits unserer Grenzen imperiali- tische Parteien bilden sollten, die unser menschliches Stre­ben als Einwirkung ihrer Drohungen auslegen wollten, so wäre das ein bedauerlicher Irrtum, dem sie selbst und die Nation, die sie getäuscht hätten, zuerst zum Opfer fallen würden. Aber wir wissen auch, daß zugleich mit diesen böswilligen Agitationen menschlichere Be­strebungen auf den Frieden und auf die Freiheit gerichtet sind, und es wäre ein Verbrechen, sie zu ersticken unter dem Vorwand, daß sie noch zu schwach sind, anstatt sie bet ihrer Entwicklung zu unterstützen, bis sie genügend Kraft erlangt haben, um den Sieg davonzutragen. In der Stunde, in ber unsere Alliierten und alle Demokratien freundlich die fran­zösischen Wahlen begrüßen» in der Stunde, in der sie nach einem edlen Wortmit Freuden feststellen, daß Frankreich nicht mehr am Heil der Welt verzweifelt", sollte nicht in Frankreich selber durch eine hartnäckige Kampagne Mißtrauen gesät und Im Voraus bas Werk der kommenden Regierung in Verruf gebracht und ritte wirtschaftliche Katastrophe prophezeit werden.

lUiüerand und herriot.

Die Schwierigkeiten der französ. Kabinettsbildung. Eine Kompromißlösung gesucht?

wtb Paris, 5. Juni. (Tel.) heute morgen 10 Ahr 30 Minuten wird der Präsident der Republik den neugewählten Sammerpräsiden­ken Painleve empfangen, der ihm bei diefer Gelegenheit feine Wahl mitteilen wird. Darauf wird der Präsident der Republik den Besuch des neuen Kammerpräsidenten erwidern. Rech dem Masin" wird bet dieser Gelegenheit eine Aus­sprache über die politische Lage erfolgen und wohl erst am Rachmiikag wird Millerand der Ira- dikion entsprechend die Präsidenten des Senats und der Kammer empfangen. Es sei sehr wahrscheinlich, daß die beiden Präsidenten den Abgeordneten herriot als den modidhen Ministerpräsi- ben f en bezeichnen und zu gleicher Zeit auf die Entscheidung ber Gruppe des Kartells der Linken (nämlich der Aufforderung zu Millerands Rücktritt) Hinweisen werden. Millerand werde getreu seiner bisher gezeigten Haltung diese EntschKeßung nicht in Betracht ziehen. Men nehme allgemein an, daß Herriot dem Rufe ins ^-ysee folge und dem Präsidenten der Republik Erklärungen abgeben wird, über die er sich mit seinen politischen Freun­den verständigt habe. Die Bedingungen, die er en die Annahme der Präfidenkschasi knüpfen wird, werden von Millerand nicht angenommen werden, der aber Kenntnis von der Weigerung des Führers der Radikalen nehmen werde. Von diesem Augenblick an werde ohne Zweifel Millerand seine Konsultation ansdehnea und er werde dazu kom­men- die Bildung des Kabinetts einem Poluker zu übertragen, der d-e konftstukiouelle Frage vor das Parlament bringen werde. Der Rame Francois Marsall werde genannt. Dann werde man in d-e parlamentarische Debatte eintreten, von der man gesprochen hole, bei der Kammer und Senat ihre ! Ansicht kund geben würden.

Rom Der Pap ft hat zum ersten Mal bei der Srrid'tuni zweier neuer apoftolis-her P-äfek ur-. n in (5b.na zwei eingeborene Chinesen, von eenen e.ncr dem Franziskanerorden, der andere, der La-a<tsten- ionar^jahon anzch'itt, zu apostolischen Präfekten 1 er»-

Die Donnerstags-Sitzung.

Abg. Scholz spricht namens der Kleinen Koalition.

wtb Berlin, 5. Juni. (Tel.) Am Regie- rungslifch Reichskanzler Dr. Marx, Vizekanzler Dr. Jarres und Emähmngsminister v. Kaniß.

Der Präsident Wallraf eröffnet die Sitzung 10 Uhr 25 Min. Auf der Tagesordnung fleht die B e- sprechung der Regierungserklärung verbunden damit wird die erste Lesung des Rot­haushalts für 1924.

Das Dort erhält zunächst der Abg. Scholz (D Volksp.), der im Ramca des Zentrums, der Demo- traten und der Deutschen Volkspartei eine

Erklärung

abgibt, in der darauf hingewiefcn wird, daß das Ziel der drei Parteien die Einigung auf möglichst breiter Front zur Erledigung der augenblicklich im Vordergrund flehenden außenpolitischen Fragen ist. Dabei stehl von vornherein fest, daß bei der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Rottage des gesamten Va­terlandes und bei der Lage der besetzten Gebiete im besonderen die schleunige Annahme des Sach­verständigengutachtens als Grundlage für eine schnelle Lösung der Reyarationssrage unbedingt er­forderlich sei. (Beifall in der Mitte.) Rur eine solche Haltung der Regierung werde die unserer Wirtschaft notwendigen ausländischen Kredite zu­führen, ohne die eine wirtschaftliche Katastrophe nicht aufzuhalten sei. Dieser Standpunkt bedeule

Festhalten an der bisherigen Richtung

der auswärtigen Politik. Eine solche eindeutige Erklärung sei leibet von den Deutschnationale« nicht zu erreichen gewesen, sodaß die Verhandlun­gen als gescheitert angesehen werden mußten. Einen anderen Weg zur schleunigen Bildung eines aktions­fähigen Regierung als Einigung auf der Basis der bisherigen KoaNkron gebe es nach Lage der Dinge nicht mehr. Die drei Parteien nehmen daher im Interesse des Vaterlandes das Opfer auf sich zur Bildung der gegenwärtigen Regierung znfammen- zutreken. Dr. Scholz sprach dann im Ramen der Parteien

der Regierung das Vertraue» aus mit der Erwartung, daß sie schleunigst alle Vorbereikungen trifft, die auf Grund des Sachver- ständigenberichts erforderlich sind. Sie müsse gleich­zeitig diejenigen politischen Forderungen durchsetzen, die für die Ausführung des Sachverständigen- betichts notwendig find. Wer sein Vaterland liebt, muß im Augenblick höchster Rst auch den Zwang empfinden, national zu handeln. Das getan zu haben, schließt der Redner, nehmen wir für uns in Anspruch. (Beifall in der Mitte, Lachen rechts.)

Graf Westarp (Deukschn.) weist darauf hin, daß sich seht der deutsche Rotschrei bemerkbar mache, der auch im Ausland gehört werden müsse (Lärmen bei den Kommunisten). Das verstehen wir als Volksvertreter nicht. (Erneuter Lärm bei den Kom­munisten) Ls geht nicht weiter mit einem erpreß- ten Bekenntnis, das das deutsche Volk zu dauernder Knechtschaft verurteilt. (Beifall rechts.) Die Par­teien der Koalition haben Sitze verloren. Das mußte bei der Regierungsbildung berücksichtigt werden. Wir wissen wohl, daß wir noch nicht stark ge­nug sind, allein die Regierung zu übernehmen; waren bereits zu einer Koalition bis zum Zentrum gekommen. Dir müssen dem Reichspräsident den Vorwurf machen, daß er der Situation in Be­zug auf uns nicht Rechnung getragen hat, auch das Zentrum ist schuld, weil es die Demokraten nicht fallen lassen wollte, die ihrerseits eine Zu­sammenarbeit mit uns ablchnlen (Gelächter bei der Kvalftion). Die gestrige Regierungserklärung ging an den Grundlagen des Tages saft- und kraftlos vorüber. Gegenüber den Sozialdemokraten mfif- sm wir einen scharfen Strich ziehen. Darum war auch die Beseitigung der sozialdemokratischen Miß­wirtschaft in Preußen eine unserer Bedingungen, zu­mal die große Koalision auch in Preußen nicht mehr den Tatsachen entspricht.

(Die Sitzung dauert fort.)

Tie Vc'trauensfraqe gestellt?

Nach der Plenarsitzung des Reichstags treuen die einzelnen Fraktionen zusammen unb bereiteten die Erklärungen vor, die sie durch ihre Redner ab­geben werden. Ter ,Safa anjeiaei' verzeichnet das Gerücht, haß sowohl bet den Komm>i nisten als bei den National joziait st en die Absicht bestehen full, ein Vellrauenevoiiim für die Regierung ein zu» briiiaen, um eine klare Abstimmung über die Gesnmt- poütik der Regierung zu erzwingen. Selbstverftänd- Ud) wercen die Antiagüeller selbst gegen ein olches Verlrauensvoium stimmen.

Ter Antisemitismus der LSikischen.

Geg>n di? Juden richten sich eine Anzahl Än'-äge des Völkiichen Blocks im bohertsch n Landtage. Unter ander m wird m die en Anträgen b-e Ausweisung aller feit ?em 1. August 1914 zugewaüberleit Juden unb di? Beschlagnahme beten Wohnungen zugun-ten ber Krtegsv rletzlen und der krrieasgtnterbltebenen, bann ein Verbot der Zulassung von Juden zu den Staatsprutungen unb zum Studium an den bayerischen Hochschulen und schließlich ein Gesetz verlang, das den Angehörigen der judi chen Nasse die Genehmigung zur Aenderung von 3awilienomfn untre