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uld aerZertung

__Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 130.

Verantwortlich für die Schrtttleitung: Dr. Johannes «ramer. Anreisen: I. $ arreller, Fulda. Rotationsdruck und verlas der s Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher 5?r- 9. %

B ernaSvreiS für Juni: Dostbeftelluna 1.80.Stadtbe»ngij$oWt.

Mittwoch, 4. 3uni 1924.

Anreisen -PrettL Sieinreile (Colonel) lokal 0.15 Goldmari, auswärts 0L0 Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60, Goldmark auswärts 0.80 Goldmark.

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51. Zahrg.,

Geduldspiel.

Sc. Marx hat nochmals mit den DeuffchnaNonale» erhandelt. Um Sttefemann. vor der CEut- scheidung.

Die Dentfchnaüonalen hatten erkennen lassen, daß es ihnen trotz der ablehnenden Erklärung vom Samslag neuerdings doch wieder angängig er­scheine, mit Dr. Marx über die Kabinettsbildung zu verhandeln. Die Demokraten protestienen gegen eine abermalige Verhandlung in dieser Rich­tung. Die Deutsche Volkspartei war von ganzem Herzen für solche Verhandlungen. Die Deutschnationalen haben bei der Besprechung mit Nachdruck gefordert, daß Dr. Stresemann als Außenminister verschwinden müsse, eine Forderung, die von der Deutschen Volkspartei höchst unange­nehm empfunden werden muß. Außerdem gmg die deutfchnationale Forderung wieder nach dem Bruch der großen Koalition in Preußen.

Auf dieser Grundlage haben die Verhandlungen, die Dr. Marx mit aller Geduld leitete, sich stunl en- lang hingezogen, ohne zu einer Klärung zu führen. Erne Einigung über die Besetzung des Außenmini- steriums und über die Frage der Regierungskoali- tion in Preußen ist zwischen den Deulschnationalen und den Mittelparteien noch nicht erzielt worden.

Die Deutsche Volkspartei soll aller­dings, wenn man einer Meldung desS. T." Glau­ben schenken darf, den Deutschnationalen infoiern entgegengekommen jein, als sie sich damit einver­standen erklärt hat, daß das Ministerium des Aeußern einem parteipolitisch nicht ad- gestempelten Diplomaten anoertraut werde. Auch in der preußischen Frage soll sie dem gleichen Blatt zufolge bereit sein, die deutsch- nationale Forderung auf Auflösung der großen Koalition zu erfüllen und in eine Auflösungdes Landtages zu willigen. Sollten diese Infor­mationen des Blattes wirklich zutreffen, so wäre damit doch noch nicht die Frage der Kabinettsbil­dung gelöst, da die Demokratische Partei ausdrück­lich dem Klwzler erklärt hat, für sie komme ein Zu­sammengehen mit den Deutfchnationalen, die einen ausgesprochenen Wechsel des bewährten fturfes der Außenpolitik verlangten, n i ch t in Frage.

Auch die Zentrumsfraktion, die am Dienstag zu einer Sitzung zusammentreten wird, dürfte den deutschnationalen Forderungen nicht Folge leisten. Im übrigen haben bei den Bespre­chungen mit dem Reichskanzler die Vertreter der Mittelparteien übereinstimmend die Ansicht zum Ausdruck gebracht, daß nun endlich mit den Verhandlungen Schluß gemacht werden müsse. DieVoss. Ztg." glaubt auch, daß man jetzt unter allen Umständen die Regierungskrise ab« schließen wolle.

2a der Relchstagssihung

am Montag, zu deren Beginn der Präsident des schwer verwundeten Bundeskanzlers Dr. Seipels in herzlichen Worten gedachte, wurde nach un­wesentlicher Debatte über die Haftentlassungsan­träge abgestimmt. Dem Ausschußantrag auf Haft­entlassung des Abg. Heidemann (Komm.) wird zugestimmt. Im Fall Urban (Komm.) wird in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 149 Stim­men der Ausschußantrag angenommen, der sich gegen eine Haftentlassung ausfpricht. Für den Ausschußantrag haben auch die Nationalsozialisten gestimmt. In der darauf folgenden Abstimmung über den Fall K r i e b e l wird der Ausschußantrag auf Haftentlassung mit 229 gegen 119 Stimmen abgelehnt. (Pfuirufe b. d. Nat.-Soz., Gelächter bei der Mehrheit.) Der Ausschußantrag auf Haftent­lassung des Abm Lademann (Komm.) wird mit 189 gegen 139 Stimmen angenommen. Die weite­ren Ausschußanträge werden gegen die Rechte an­genommen.

Spannung im Mittelmeer.

wtb Konstantinopel, 3. Juni. (Tel.) Reu­ter meldet: Der Rat der Komrniflare hat gestern eine sachverständige Erörterung über die kritische Lage abgehalten, die zwischen der Türkei und Italien entstanden ist. vor einigen Tagen wurde die Zusammenziehung italienischer Truppen in Sizilien gemeldet. Der türkische Vertreter in Rom sei angewiesen worden, die italienische Regie­rung um Aufklärung zu ersuchen. Die Behörden dl Smyrna hätten Anweisung erhalten, alle not­wendigen Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen.

Um das Petroleum in Rloful.

*tb Konstantinopel, 3. Juni. (Tel.) Reu­ter meldet: Der britische Delegierte bei den Ver­handlungen über die Mosulfrage Cox sagte: Die britische Regierung sei enttäuscht von der türkischen Haltung, d« zu einem Fehlschlag der Ver­handlungen führen müsse, wenn die Türken nicht bereit feien, verständige Vorschläge za unterbreiten. Die britische Regierung habe beschlossen, die ganze Frage dem Völkerbund zu überweisen. Lox schlug vor, eine neue Zusammenkunft anzuregen und den entsprechenden Text vorzubereiten.

llathoüsche Welt.

Würzburg. Der im höchsten Greisenalter stehend^ Hochty. Herr Bischof Dr. v. Schlör ist seit einigen Tagen so schwer erkran kt,daß mit dem Schlimmste« gerechnet werden mpß.

London und Paris.

Fühlungnahme zwischen f)erriet und Macdonald.

wtb £ o nb o n, 3. Juni. (Id.) DerTimes" zufolge entspricht die Meldung, daß Macdonald ein Schreiben an fjerriof gesandt habe, nicht den Tat­sachen. Es verlaute jedoch, daß inoffizielle und in­direkte Mitteilungen zwischen £ondon und Paris über das Verfahren ausgelauschl worden sind, das bei Durchführung des Dawesberichts nach der Bildung der neuen französischen Regierung be­folgt werden soll.

Der politische Berichterstatter desDaily Mail" schreibt, daß es der Wunsch Macdonalds sei, daß alle Konferenzen, die zwischen den alliierten Pre- mierminiftet stattfinden werden, in London ab­gehalten werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde daher die erste Zusammenkunfi zwischen Mac­donald und dem neuen französischen Ministerpräsi­denten in England stattfinden.

yerriol und die Sozialisten.

Beiträge zum Programm de» kommenden fran­zösischen Ministerpräsidenten.

Es ist nicht wahrscheinlich, daß die französischen Sozialisten, die auf dem Standpunkt der deutschen Unabhängigen" stehen, in die von den Radikalen gebildete Regierung eintreten werden, wenn sie auch die Politik der Linken im allgemeinen unter­stützen werden. Herriot bemüht sich zurzeit noch um die aktive Beteiligung der Sozialisten und hat in einem Brief an den sozialistischen Führer Leon Blum seine Ansichten über innen- und außen­politische Probleme bargelegt. Er sagt darin u. a. in Bezug auf die Außenpolitik:Wir sind entschlos­sen, in vollem Ausmaß unserer Mittel den Frie­den durch die Freiheit der Völker durchzu­führen. Dieser Friede, für den wir arbeiten wer- den, wird nach unserer Ansicht erst wirkungsvoll sein an dem Tage, an dem Frankreich, getreu seiner demokratischen Mission und seinen Verpflichturgen, die es während des Krieges übernommen hat, den Völkerbund und weitere internationale Insti­tutionen wie den Gerichtshof vorn Haag und das internationale Arbeitsamt geschaffen haben wird. Wir nehmen ohne jeden Hintergedanken den Ber icht der Sachverständigen an. Unserer Partei hat die Politik der Isolierung und der Gewalt bekämpft, die zu einer Besetzung und territorialen Pfandnahme geführt hat. Aber an­gesichts des augenblicklichen Zustandes in Deutsch­land und der Notwendigkeit, nicht nur Frankreich, sondern alle Völker vor einem offensiven Wieber- aufkommen des nationalistischen Alldeutschtums zu bewahren, hält es unsere Partei nicht für möglich, das Ruhrgebiet zu räumen, bevor die in dem Bericht her Sachverständigen vorgesehenen Pfän­der konstituiert und dem internationalen Organis­mus übermittelt worden sind, die berufen sind, sie zu verwalten. Im Intereste des Friedens glauben wir auch, daß die Kontrolle der Entwaff­nung Deutschlands sicher gestellt werden muß, und zwar durch eine gemeinsame An­strengung aller Alliierten und sobald wie möglich durch die Aktion des Völkerbundes. Wir werden das Programm der Sicherheit durch Garantie- p a k t e zu lösen haben, die wir unter die Autorität des Völkerbundes stellen wollen."

Deutsches Reich.

* 0 Jahre Zuchthaus wegen eine# politischen Mordversuches. In dem Prozeß wegen bei Heber- faü8 auf Maximilian Harden wurde der Angeklagte Oberleutnant a. D. Ank er mann wegen ver­suchten Mordes zu 6 Jahren Zuchtbaus verurteilt unter Anrechnung von 11 Monaten Untersuchungs­haft. In der Urteilsbegründung wird gesagt, bas Gericht habe als erwiesen angenommen, baß der An­geklagte den Vorsatz gehabt habe, Harden zu töten.

Gin , W-

wtb. Graz, 3. Juni (Tel.) Sie die Tages- post aus Laibach meldet, kam es gestern an­läßlich einer Fahnenweihe in Trisail zwischen Nationalisten und Kommunisten zn blntigenZusammeustStzen. 3Rationalisten 3 Kommunisten und eine Frau, insgesamt 7 Personen, wurden getötet und ungesähr 20 Personen schwer verletzt.

DieVerluste" bei dieserFahnenweihe" sind nicht viel kleiner als die bei kleineren Gefechten im siebenjährigen Kriege.

Kurland.

* Heftiger Erdbeben. Nach einer Meldung aus Fort de France (Martinique) wurde dort ein Erdbeben von beträchtlicher Heftigkeit verspürt. Heber den etwa angert hteten Schaden liegen keine Mel­dungen vor.

* Ein verwegener Räuber. Die »Magdeburger Zeitung" meldet aus Wolmirstedt: Ju dem Zuge 4,40 Uhr ab Magdeburg nach Stendal wurde ein Magistratsangestellter aus Tangerhütte von einem jungen Burschen überfallen und durch zwei Schüsse schwer verletzt. Der Täter war wäh­rend der Fahrt in den Zug eingedrungen. Der Verletzte hatte noch so viel Kraft, die Notb.emse zu ziehen. Kurz vor de« Halten des Zuges sprang bann der Verbrecher unter Mitnahme der Akten­tasche deS Ueberfallenen, in welcher er anscheinend Geld Vermutete. auS dem Äuge.

Ein irrsinniges Attentat

Don einem besonderen politischen Mitarbeiter.

Das auf den österreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel am Sonntag, dem 2. Jahrestag seiner Kanz­lerschaft, verübte Revolver-Attentat stellt den Gipfel des politischen Irrsinns dar. Wenn ein führender Staatsmann bei aller Gegnerschaft, die er bei der grundsätzlich anders gerichteten weltanschaulichen und staatspolitischen Einstellung naturgemäß hat, die allseitige Anerkennung in seinem Lande und Volke verdiente, wenn ein Mann wirklich den An­spruch als Retter des Vaterlandes erheben konnte, dann ist es Oesterreichs gegenwärtiger Bundes­kanzler Dr. Seipel.

Dieser Mann ist die Verkörperung der Selbstlosigkeit, Uneigennützigkeit und des Pflichtbewußtseins. Er hat niemals für sich selber etwas erstrebt, und schier noch bedürfnisloser als zuvor ist er geworden, als der Ruf für das höchste Staatsamt an ihn erging. Man muß ihn selber kennen, um zu wissen, wie irrsinnig dieses Attentat auf ihn ist, wie es das größte Verbrechen gegen ein ganzes Volk darstellt.

Seipel hat das durch den Versailler Friedens­vertrag gänzlich lebensunfähige Oesterreich, für das niemand in der Welt mehr einen Heller gab, wieder mit neuem Leben erfüllt und man durfte nach sei­nem unermüdlichen Wirken die Hoffnung haben, daß dieses Staatswesen wieder mit Eigenleben vor die Welt zu treten vermochte. Er hat seinem Volke den Glauben an seine Zukunft wiedergegeben und das allein schon bedeutete bei der Lage Oester­reichs eine heldische Tat. Er hat sich nicht gescheut, die schwersten Gänge überall im Auslande um seines Volkes willen zu tun, und ber Erfolg ist auf feiner Seite geblieben. Mit Seipel ist aber auch das Werk der finanziellen Sanie­rung Oesterreichs untrennbar verbunden. Was dieser Mann mit eiserner Tatkraft zuwege brachte, um dem damals von der ganzen Welt mit Schrecken verfolgten Zerfall der österreichischen Währung Einhalt zu tun, das ist ein Kapitel für sich, dessen gerechte Beurteilung und Würdigung die heutigen Zeitverhältnisse noch garnicht einmal gestatten. Und nicht zuletzt wollen wir gedenken der innigen Ver­bindung, die Dr. Seipel mit uns deutschen Brüdern hielt. In den Zeiten der allerschwer­sten Not ist Seipel nach Berlin gekommen, und dort hat man, so bitterarm beide Teile waren, gegen­seitig zu helfen versucht. Auf Seipel unmittelbar war die große Hilfsaktion zurückzuführen, die nach der österreichischen Stabilisierung während der Zeit des rasenden Währungszerfalls in Deutschland von Wien aus für die deutschen hungernden Kin­der, für dis alten und darbenden Leute, für den Mittelstand und dergleichen in die Wege geleitet wurde. Und dieser Tage erst sind wieder Hunderte deutscher Kinder aus Oesterreich zurückgekommen, die dort Gäste des österreichischen Staates waren. Vor kurzem hat der deutsche Reichskanzler Marx den damaligen Besuch Seipel's erwidern können, und auch bei dieser Gelegenheit haben beiderseits wertvolle Anregungen ausqetaufcht und Aktionen m die Wege geleitet werden können, die zwar weniger nach außen hin in die Erscheinung traten, aber viel Gutes stifteten.

Das ganze deutsche Volk nimmt an dem schwe­ren Schlage, der unsere Schwesternation betroffen hat, innigsten Anteil und wünscht aufrichtig, daß ein gütiges Geschick Dr. Seipel alsbald wieder an der Stätte seines Wirkens sehe.

Das Befinden Dr. Seipels

Dr. Seipel, der erst 48 Jahre alt ist, leidet M einiger Zeit an Zuckerkrankheit, was für die Heilung seiner Verwundung Befürchtungen wach- ruft 3m übrigen lauten die Berichte günstig:

wtb Dien, 2. Juni. (Tel.) Rach dem Abend- bericht der Dr. Seipel behandelnden Aerzte ist das Allgemeinbefinden der Patienten subjektiv und objektiv befriedigend. Er hat frischer und geistig reges Interesse für alle Vorgänge. 1L a. las er die Berichte über den Vorgang in den Zei­tungen. Air sich die Menge auf den Attentäter stürzte, um ihn zu lynchen, rief Prälat Dr. Seipel noch: Richt schlagen.

Dar Belleid, das der Mordanschlag auf Prälat Dr. Seipel ber» vorgerufen hat, ist ungewöhnlich herzlich und all­gemein. Auch in der Presse, die einem katholischen Priester sonst wenig freundlich gegenübersteht, lieft man Worte höchster Anerkennung für Dr. Seipel. Theodor Wolff schreibt z. B. im Berl. Tageblatt: Das österreichische Volk weiß, was es dem Dr. Seipel verdankt, und die Wiener erzählen gern von seiner Lebensführung, feiner bescheidenen Wohnung im Kloster, feinem rastlosen Fleiß. Auch feine Parteigegner sagen mit Stolz, daß Oesterreich einen S t aa 15 m a n n besitze, der größer als manche Scheingröße in den siegreichen Staaten fei. Möge die kraftvolle Natur dieses mit Recht populären Mannes die Folgen des schändlichen Mordanschla- ges glücklich überstehen. Das ist der, Wunsch, der heute, im Herzen empfunden, von Deutschland nach Oesterreich geht . -. ." Die Presse rühmt weiterhin Dr. Seipels hingebungsvollen selbstlosen Idealis­mus, feine fast asketische Lebensführung und er­innert an das Wort Otto Bauers, daß die öster­reichische Bourgeoisie in Seipel nach Jahrzehnten wieder einen bedeutenden Führer gefunden habe.

Die auswärtigen Regierungen, mit zuerst der deutsche Reichspräsident, der Reichskanzler und Außenminister Dr. Stresemann haben herzliche Kundgebungen nach Wien gerichtet.

Die aufrichtige Teilnahme an dem schweren Schicksalsschlag, der mit dem Bundeskanzler auch ganz Oesterreich getroffen hat, zeigte sich auch in unaufhörlichen Kundgebungen vor dem Wie­dener Krankenhaus. Kops an *oyf steht hier «ne

dichte Menge, wartet auf Mitteilungen von drinnen und bespricht flüsternd, aber mit unverhohlener Entrüstung das Attentat. Mitglieder der Regie­rung, des Parlaments und des diplomatischen Korps erschienen im Krankenhaufe, um ihre Teil­nahme auszudrücken. Der Zutritt zum Kranken­zimmer fft streng untersagt. Trotzdem drang der Bundeskanzler darauf, der mit bewunders- würdiger Energie und Seelenruhe sich in die schweren seelischen und körperlichen Folge­erscheinungen des Attentats fügt, vormittags mit den maßgebenden Politikern Rücksprache zu neh­men. Er empfing den Präsidenten des National­rates, den Außenminister und den Obmann der Christlichfozialen Partei. Der Kanzler ließ es sich nicht nehmen, mit den genannten Herren politische Gespräche zu führen, obwohl die Aerzte möglichste Schonung angeordnet hatten.

Der Täler

scheint ein krankhafter Mensch zu fern. Karl Jawo- ref konnte vernommen werden. Er war der Tat im wesentlichen g e st ä n di g. Nach seiner Angabe befand er sich als Kurzarbeiter in Not, da er noch für feine Frau und feine beiden Kinder zu forgen habe. Er habe wiederholtvernommen", daß der Bundeskanzler an dem Elend der breiten Massen die Schuld trage. Deshalb habe er schon vor länge­rer Zeit den Beschluß gefaßt, ihn zu beseitigen. Jaworek sagte weiter aus, er habe in der Dezirks- krankenkasie in Baden (Oesterreich) für seine Frau und seine Verwandten Krankengeld im Betrage von 700 000 Kronen abgehoben. Dieses Geld hahe er für sich selbst verbraucht. Dann habe er einen Abschiedsbrief an seine Frau geschrieben, worin er feine Absicht ankündigte, den Bundes­kanzler zu töten und dann Selbstmord zu begehen. Der Täter behauptet jedoch, nicht die Absicht gehabt zu haben, das Attentat noch am gleichen Tage aus­zuführen. Erst auf dem Bahnhof von Wiener-Neu­stadt habe er angeblich zufällig von einem Eifenbahnbediensteten erfahren, daß der Kanzler nach Wien fahre, worauf er hefchlosien habe, die Tat zu verüben und in den Zug des Bundeskanz­lers einzudringen. Jaworek stellt in Abrede, zur Tat beauftragt gewesen zu fein ober Mitschuldige zu haben. Er sei s o z i a l i st i s ch organisiert, habe sich aber seit längerer Zeit nicht mehr am poli­tischen Leben beteiligt, sondern sich ausschließlich gewerkschaftlich betätigt. Die Sicherheitsbehörde G"ft nunmehr die Richtigkeit ber Angaben und t einige Widersprüche in den Aussagen Jawo- rets aufzuklären.

Die Sicherung der österreichischen Polilik.

wtb Dien, 3. Juni. (Tel.) Vizekanzler Frank Ist gestern nachmittag auf dem Rordbahnhof einge- troffen, wo er von dem Vundesminister Grünberger erwartet wurde. Die beiden Minister haben sich sofort zum Vundespräsidenken heinisch begebe«. Dort fanb unter dem Vorsitz des Vizekanzlers ein Ministerrak statt. Der Ministerrat bejchäfNgle sich mit aktuellen parlamentarischen Arbeiten und mit der Vorbereitung der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes in Genf, bei der nach einem früheren Ministerratsbejchluß die Minister Grünberger und kienbreck Oesterreich vertreten werden.

In der Heufigen Sitzung des Rational­rats wird Vizekanzler Frank namens der Regie­rung eine Erklärung abgeben.

Rach Schluß des Ministerrat» fuhr der Vizekanz­ler in Begleitung de» Bundesministers Schmitt in da» Wiedener Krankenhaus, um dem Bundeskanzler auf besten Dunjch einen Besuch abznstatte«, der ganz kurze Zeit währte. Ja den Abendstunden kamen die Minister Frank und Schmitt mit dem Präsidenten de» Rationalrak» und mit den Obmän­nern der Mehrheitsparkeien zu Besprechungen zu­sammen. _______________

Rechtsfragen.

Vie weit 3i8i!pro$e§orbnung ist am 1. Juni in Straft getreten, ©ntaeuen vielfachen Annahmen, daß eS sich nur um mehr oder weniger geringe Aenderungen handelt, sei betont, daß diese neuen Verfahrensvor­schriften so tief einschneiden, daß eS sich um ein gründ- legend neue« Gesetz handelt. Dadurch find alle bis­herigen Ausgaben völlig veraltet. Da das Gesetz leider erst am 17. Mai veröffentlicht wurde, obwohl es schon am 1. Juni in Straft trat, ist es doppelt zu begrüßen, daß Senatspräsident beim Stammergericht Dr. Baum- buch bereits (tm Verlage Otto Liebmann, Berlin W 57, Verlag der Deutschen Juristen-Zeitung) eine Taschen- auSgabe hat erscheinen lasien, die für jeden Juristen, wie für daS rechtsuchende Volk dringend nötig ist. Sie enthält nicht nur da» neue Gesetz in wortgetreuem Ab- druck: alle Aenderungen sind durch den Druck kenntlich gemacht, zu jedem Abschnitt ein ehende Vorbemerkungen und zu den Paragraphen selbst für die tägliche Praxis mehr als ausreichende Kommentierungen ge -.eben Auch daS EinsühiungSgesetz zur Z.-P.-O. und die EntlastungS- V.-O. sind erläutert, im Anhänge das EntlastungS-, Gerichtsverfassung», und Gerichtskostengesetz sowie die Gebührenordnung für Rechtsanwälte abgedruckt. DaS Sachregister umsaht allein 53 Seiten. DaS Buch ist auf Dünndruckpapier gedruckt, in biegsamen Ganzleinen- band gebunden und kann daher trotz deS reichen In­halts bequem in der Rocktasche getragen werden. Bei dem sedr mäßigen Preise von nur 5 Mark für bett dauerhaften Band von 624 Seiten kann die AuS iabe allen Juristen und dem Handelsstand empfohlen werden

* Der WirklicheDolchstoß". Der ©tabtaffiftent und frühere Vizefeldwebel Gefen hatte sich vor dem Schöffengericht in Essen zu verantworten, weil er Während des Krieges bei seinem Baiaillon Ur­laub gegen Zahlung von 300 Mark gewährt hatte und dadurch kriegssähige Leute monatelang, in einem Falle wzar IV, Jahr, dem Dienst entzog. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr Ge- fänapis *