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Donnerstag, 29. IHoi 1924

nr. 126

Bei Wiederdolunaen Rabatt- SoHMedtten« SranPttrt a. M. 4051.

U. Marx wieher mit her MhettMhung betraut

Dienstag

Erlasse baldigst auhubeben.

lichen

Das

* Die B-reinsachung bet Verwaltung.

srage eine 2c c uregeiung rorsunvrjmen, a>em;e die aufzuwendenden Mittel sur Sicherung der Le- bensmöalickkeiten aller Beamten verwendet. 1

desoerwaltün -en ein?.nreicken.

preußischer Landtag.

Die Stimme des Hinanzministers.

Bei der Fortsetzung der Etatsberatung nm

Die Beamtenspitzenorganisationen Haben bei den Fraktionen des Reichstages gegn die von der Reichsregierung vorgeschlagene Besol- dungsneuregelung Einspruch erhoben mit der Begründung, daß die Aufbesserungen unsozial leien, da den Beamten der Besoldungsgruppe 13 eine Erhöhung von 71 Prozent und denjenigen der Gruppe 15 dagegen nur eine solche von 17 Pro­zent gewährt wird. Die Spitzenorganisationen er­suchten die Fraktionen, anstelle der von der Regie­rung vorgenommenen Regelung der Besoldungs-

Der Reichspräsident hat längere Zeit mit Sem deutschnationalen Führer Hergt gesprochen. Auch die andern Parteiführer waren bei ihm. Her­ausgekommen ist dabei nicht viel. Zeitweilig sollte Stegerwald mit der Kabinettsbildung betraut werden. Die Deutschnationalen wollten mit ihm zusammenarbeiten, während sie die Mitarbeit unter der Führung von Marx ablehnen zu müssen glaubten. Stegerwald hat es aber abge­lehnt, die Regierungsbildung zu übernehmen, da er, wie dieGermania" mitteilt, keine andere Außenpolitik treiben könne als der bisherige Kanz­ler, der seinerzeit von Stegerwald selbst dem Reichspräsidenten vorgeschlagen worden war.

Das Schlußergebnis der ganzen Auseinander­setzung war, daß am Mittwoch morgen nun doch aüfs neue Dr. Marr wieder gerufen werden mußte. Ein Telegramm besagt:

wtb Berlin, 28 Mai. iTebs Der Reichs- Präsident hat heute vormittag den Reichskanzler Marx mit der Regierungsbildung beauftragt Reichskanzler Marx hat den Auftrag angenommen

Hoffentlich gelingt es dem Kanzler, bald eine Regierung zu bilden und die Führung zielbewußt wieder in die Hand zu nehmen.

preußische Smatsnnmsterlum hat derVoss. Zig." zufolge den Entwurf eines Gesetzes über die Ver­einfachung der Verwaltung fertige, estellt, der vom Staatsrat in der nächsten Zett verabsch edel werden soll

Der Protest der Beamten.

Tirol und die Putschisten.

wtb Innsbruck, 28. Mai. (Tel.) 3n der gestrigen Sitzung des Landtags beanlwsrlete der Landeshauptmann die von den Sozialdemokraten gestellte Anfrage betreffend den Aufenthalt des am Hitlerpuffch beteiligten Göhring in Innsbruck da­hin. daß dieser im November vorigen Jahres mll vorschriftsmäßigem Patz nach Tirol gekommen fei und wegen schwerer Verwundung in Hospitalpslege genommen werden mutzte. Nach feiner Genesung sei er angewiesen worden, das Land zu verlassen. In Anbetracht der mittlerweile eingetreteuen Reise­unfähigkeit seiner Gattin fei ihm eine weitere Aufenthaltsveriängerung zugesprochen worden. Als er neuerdings aufgeforderi worden fei, das Land zu verlassen, habe er es getan, ebenfo zwei andere Per­sonen, die ebenfalls am Hitierpuffch beteiligt waren.

teilte Finanzminister v. Richter mit, daß sämtliche Länder durch die Besoldungserhöhung üben- rasch: worden seien. Die Reichsregierung hab? sie als unumgänglich bezeichnet, wenn sie sich nicht der letzten Kräfte beraubt sehen wolle. Die meisten Länder hätten sich dem preußischen Protest angeschlossen, denn sie könn­ten dem Beispiel des Reiches jetzt nicht folgen. Die Auseinandersetzungen mit dem früheren Königshause hätten in einer Reihe von Punken zu einer Einigung geführt. Er warne vor Erhöhung der laufenden Aus­gaben ohne Deckung. Er werde sich unter keinen Um­ständen durch Beschlüsse des Landtags den Etat entzwei­schlagen lassen. Lieber werde er gehen.

Weiterberatung Mittwoch.

Japan und Amerika.

Japanischer Protest.

wtb Paris. 28. Mai. (Tel.) Nach einer Mel- düng aus Tokio tritt das Kabinett heute zu einer anherordentlichen Sitzung zusammen, um Entschei­dungen zu dem neuen amerikanischen Ein-vande- derungsgefetz zu treffen. Man nimmt an, daß die japanische Regierung in aller Form gegen den Gesetzentwurf Einfpruch erheben wird und sich auf den Standpunkt stellt, daß er eine Ver­letzung der zwischen Japan und den verewigten Staatn bestehenden Schifsahrts- und Handelsver­träge fei. Auch der japanische Botschafter in Was­hington werde voraussichtlich von feinem Amt ent. hoben zu werden wünschen.

Rußland und England.

Die englisch-russische K o n f e re n 3 hielt unter dem Vorsitz des Umerstaatssekretars Pon- fonbn eine Vollsitzung ab, in der die Frage der englischen Schadensersatzansprüche besprochen wurde.

Die Sowjetdelegation nahm mit Befriedigung von dem Au-d rucke des englischen Wohlwollens gegenüber Rußland Kenntnis, betonte jedoch, daß die Regelung der Frage der V o r k r i e g s s ch u l. denin hohem Maße von der russischen öffentlichen Meinung abhängig sei und die vorherige Regelung aller anderen wirtschaftlichen Fragen zur Voraus» setzung habe. _____________

handwerLersragen.

Strafgesangenen-Arbeit Lehrlingshaltnng.

Eine Entschließung der in Berlin tagenden Vollver­sammlung der preußischen Handwerkskam­mern besagt: . .

Die von den Landesregierung vereinbarten Grund­lätze für den Vollzug von Freiheitsstrafen vom 7. Ium 1923 sehen im § 68 die Ausbildung von Strafge- fangenen in einem Berufe vor. Sei ens der preu- ßischen Staatsregierung wird hierbei beabsicatigt, die­jenigen Strafgefangenen, die vorher keinen Beruf hatten, während der Strafzeit ein Handwerk erlernen zu lassen. Dio am 26. Mai im Reichswirtschaftsrat m Senin ragende Vollversammlung der preußischen Handwerks­kammern erblickt hierin eine schwere Gefährdung des öffentlichen Ansehens des Handwerkerstandes und eine völlige Verkennung der Befugnisse der Strafrechtspflege, insbesondere des Strafvollzuges. Die Beschäftigung ehe­maliger Strafgefangenen in den Handwerksbetrieben muß aus verschiedenen Gesich spunkten von dem selbst­ständigen Handwerk abgelehnt werden. Hierbei kommt die in' erster Linie gebotene Rücksicht aus die berechtigten Erwartungen der Kunden des Handwerkers, denen Hand­werksgesellen ins Haus gesandt werden, in Betracht, so­wie der Verantwortung den Handwerkslehrlingen gegen­über, deren Anleitung zum Teil durch Gesellen geschieht, welche doch in jeder Beziehung vertrauenswürdig sein müssen. Aus diesen oder anderen Gründen muß das Handwerk aus die Unbescholtenheit seiner Gesellen ganz besonderen Wett legen. Der preußische Handwerkskam- mertaq richtet an die preußische Staatsregierung das dringende Ersuchen, diesen Bedenken durch Abänderung der vorerwähnten Grundsätze bezw. Ausführungsbestim- mungsn Rechnung zu tragen.

Die Vollversammlung nahm ferner eine Entschließung an, in der festgestellt wird, daß die Beschränkung der Lehrlingshaltung im Bäcker-, Konditor-, Fleischer- und Friseurgewerbe, wie sie durch die Erlasse des Ministers für Handel und Gewerbe arwe- ertmet wurde, nicht mehr notwendig ist. da eine Ucberfüllung dieser Gewerbe nicht mehr zu befürchten sei. Der preußische HaudwerksGmmertaa bittet b'bt den Minister für Handel und Gewerbe, die diesbezüg»

tietanttoortiid) tüt die SchrötlettunL Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. Barretter. Fulda. Rotatwnkdruck und Verlag der - Fuldaer «ctiendruckerei in Fulda. Feruwrecber Skr- 9. ::

BezugsvreisfürVai: Poftbeftellimg 1.80.Stadtbezcgl.SOMk.

Zum Schluß tritt eine neue Hamburger Attrak­tion der Kommunisten, der Abg. Thaelmann «Komm.) ans Rednerpult und protestiert gegen die Polizei- und Schieberrepublik und schließt mit einem Hoch auf die politischen Gefangenen und auf ine rote Internationale. Die Mitglieder der kommu­nistischen Fraktion stimmen dreimal laut in den Hochruf ein und singen hierauf eine Strophe der Internationale. Die Nationalisten antworten mit einer Strophe des Deutschlandliedes. Biele Tribü­nenbesucher singen mit. Die Kommunisten lärmen und pfeifen.

Nachdem der Alterspräsident den Hut aufgesetzt und seinen Platz verlassen hat, leert sich allmäh­lich der Saal.

Die Präsidentenwuhl.

Schule und Volksbildung.

-- Spaltung tm Sächsischen Lehrelverei« Unter dem NamenNeuer Sächsischer Lehrerverein" ist in Dresden eine Vereinigung von Lehre: n gegründet worden, die eS gblehnr, die Schulpolitik des Sächsischen Lehrervereins weiter mitzumachen. Die Lehrer, die sich abgeirennt haben, sind insbeiondere verbittert wegen der Frage der Relioionsbehandtung von fetten des Säch. fischen Lehrervereins, ferner wegen des Festhaltens des Sächsischen Lehrervereins an der Ablednan i der Ver­hältniswahl zu den Bezirkslehrerausschüssen und ahn- licken. Dem Vernehmen nach ist mit einem An sch von zunächst etwa 20u0 sächsischen Lehrern zu rechnen. Nach der Haltung, die derSächsische Lehrerverein» tn den verian enen Fahren in treuer Gefolgschaft der sozialistischen sächsischen Regierungen ein enommen hat, in dieser Schritt nur er lärlich. Eine Scheidung der Geister hätte hier schon lange not getan! War es doch anzuneh neu, daß ein Großieil der protestantischen säch- sischen Lehre:schatt mit dem (Senaten dieser Or 'ani- sation schon längst nicht mehr einverstanden war. Diese Entwicklung ist geeignet der si h anbahnenden Besserung in der sächsischen Schulpolitik weiterhin die Wege ebnen zu Helsen.

rationcprojckte, bet denen nicht nur der gesamte Melio- ration->p!an fettig estellt ist, sondern bereits ein ge­wisses We cnetz un> Grab.-nnctz angelegt wurde. Weiter sollen auch besonders solche Meliorationen und .Viulti» .. ,. vierun en Eerücksichti vng finden, die in diesem Fahre

frage eine N c uregelung vorzunchmen, welche voraussichtlich noch ertra st l e nd wirken können.

... - - -------- n- ! Etwaige Gesuche sind inö liebst umgehen» bet den San»

Deutsche Landwirtschaft.

- ionderßredit für Kuswinterungsschäden. Auf Der. onlassung der Reicksregteruna hat die Reichsbank zur Behebung der Auswinterungsschäden einen Kredit von 20 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Tie Gewährung dieses Kredites erfolgt auf Anweisung des Reichsernährungsministers. Etwaige Anträge sind umgehend an den Reichsernährungsminister zu richten. Die Vereinigung der Deutschen Ba uernver- cine ist bereit, diese Anträge zu befürworten. Im An­träge muß an egeben werden, wie stark die Auswinte­rung in den betieffenöen Bezirken eingetreten ist, und welcher Betrag zur Behebung dieser Schäden erjorder. lich fein bftifte.

ffieligrctionsltiebit. Die Rentenbank hat durch Vermittlung der Reillsregieruug nunmehr einen Kredit von 30 Millionen Rentenmark für Melio- rationen und Kultivierungen zur Verfügung gestellt. Das Reichsaibeiisministerium will, soweit bei den Kultivierungen und Meliorationen Arbeitslose Be­schäftigung finden, mindestens den gleichen Be­ira g für diese Zwecke her eben. Um zu verrne-den, daß diese Meliowtionskredite ähnlich wie die Rentenmark- kredite nur toeni. en Bezirken zu Gute kommen der Bauernstand hat nur cetinie Beträge erhalten bat die Vereinigung der Deutschen Bauernvereine bean­tragt, datz die Verteilung dieser Kredite auf die Lan­desteile zur Hälfte nach Flächen und zur Hälfte nach vorhandenem Oedland erwl t, und daß tm übrigen die Kredite verwandt werden sollen vornehmlich mit dem Ziel der Verbesserung, Bergröserunr und Neusch isfung bäuerlicher Beiriede. Die Kredite sollen insbesondere gegeben werden für solche Meliorationen und Kulti- vterungen, für die bereits Au'wendunaen aemachi wor- den sind und deren Weiterführung notwendig ist, da­mit die bisherigen Änswendun en nicht verloren gehen. Wir haben bekanntlich in Deutschland sehr viel B eim-

Sum Gedächtnis o. Mallinckrodts.

Zum 50. Todestage des großen Zentrums- ührers Hermann v. Mallinckrodt am 26. Hat der gegenwärtige Vorsitzende der Landtagssraktto. des Zentrums im Festsaal des Landtagsgebaui.es und tm Beisein der Mitglieder der Fraktion des Zentrums und der gerade versammelten Mitglie­der des Zentralkomitees der ^^thosiksn Deutsch­lands eine gedankenreiche, packende Gedächtnis rede. Er würdigte die hohen Verdienste, die sich v. Mal­linckrodt als Begründer der Zentrumsfraktion des Breußischen Landtages erworben hat; insbeson­dere schilderte er das einträchtige Zusammenwirren Mallinckrodts mit Windthorst, die beide mit den übrigen Führern des katholischen Volksteils m der damals anbrechenden Kulturkampfzeit die nfimyaj-- testen Wortführer in der Verteidigung der Rechte und Forderungen der Katholiken gewesen finb. 3er Redner flöchte in seine Ausführungen manche hoch­interessante Erinnerung aus feinem perchnticken Verkehr mit Mallinckrodt und den übrigen Zen­trumsführern. Er zeigte an Hand von zahlreichen Beispielen, wie auch später und bis in die gegen­wärtige Zeit hinein bie Zentrumsfraktion t.n Sinne bei Ideen und Ideale v. Mallinckrodts taug ge­wesen' ist und versprach im Namen der Zentrums- narui, das Andenken des verewigten Führers stets durch Wort und Tat zu verewigen und hochzu­halten.

3m Reichstag führten am Dienstag die Kommunisten unwürdiges Theater auf. Sie hatten den Tisch des Hausesge­ziert" mit einem mit Blutbefleckten 3t o f e n- Ü rauft (nach einem beigefügten Zettel für den sozialdemokratischen Abg. Erhardt Auer-Munchen bestimmt), eine blaue Brille (für ßubenbotff) und einen zerknitterten Handschuh, der nach einem beigefügten Zettel die verdorrte Hand Scheidemanns darstellen soll.

Der Alterspräsident Bock (Soz.), 78 Jahre alt, konnte, während die Verlesung der Namen vor sich ging, kommunistische Tumultszenen nicht unter­drücken. Als er beginntIch eröffne die Sitzung , rufen die Kommuni st en unter Führung von Katz und Ruth Fischer fortwährend:Heraus nut den politischen Gefangenen!" Einige begleiten die­sen Ruf mit einer mehrstimmigen A u t o h u p e. Beim Aufruf des Abg. Fürst Bi sm arck (Dnatt.) ruft Abg. Schölern (Komm.):Wehe Dir, daß Du ein Enkel bist!" Als der Name Ludendorfs aufgerufen wird, lärmen die Kommunisten minu­tenlang. Abg. Schölern (Komm.) zeigt unter Dem Gelächter der Kommunisten die blaue 'S rille. Ein Nationalsozialist ruft:Judenlümmel! Als Der Aufruf mit dem Namen Zubell schließt, ruft Abg. Remmele (Komm.):Da ist ein schöner Stall beisammen."

die aus der Fraktion tarnen, wurde immer wieder diese These entgegengehalten. Inzwischen ist sie längst praktisch als falsch erwiesen. Es ist ja frei­lich richtig, daß wir bis heute noch keine wirkliche stabile Währung haben, wie das internationale Gutachten ausdrücklich feststellt, und eine solche auch nur durch die internationale Lösung des Repara­tionsproblems bekommen können. Aber dennoch iva, unfi r Zögern falsch, denn indem wir immer weiter Jnflasionswirtschaft trieben und schließlich nur noch ein Prozent unserer Ausgaben durch Ein­nahmen aufbrachten, betrogen wir mit dem Pa­pier geldschwindel nicht nur uns selbst, sondern die ganze übrige Welt und entfernten uns immer mehr von den seelischen Voraussetzungen einer inter­nationalen Lösung der Finanz- und Wirischasts- fragen. Geschehene Dinge lassen sich nicht ändern, aber die Zukunft der Partei wird davon abhängig sein, daß sie sich im neuen Reichstag in ganz be­sonderem Maße auf ihre befonbern sozialen Aus­gaben besinnt. An Gelegenheit dazu wird es nicht

- WMvNMeNSW. (WKW. MM15W)

uldaerZettung

Hellmuth von Moltke, der im Gegensatz zu weniger erfolgreichen Nachfahren in höchster mili- rtritoer Stellung den Beinamen derSchwei­zer" verdiente und erhielt, mahnte einmal in einer feiner Schriften das deutsche Volk, über inne- ren Zwistigkeiten nie die auswärtige P o- litif zu vergessen. Die Mahnung hat nichts ge- rüüt. In Berlin scheint man zurzeit tatsächlich die auswärtige Politik in den Winkel gestellt zu haben unb sich des inneren Haders hemmungslos zu freuen. Man hat die Regierung Marx gestürzt, inetl unbegründete Vorurteile gegen den Reichs­kanzler bestanden, man sucht jetzt einen andern Kanzler, ohne ihn finden zu können, man weiß nicht aus noch ein, ganz kläglich ist die Rolle der Deutschen Volkspartei nach dem Motto:ich wollte wohl, aber ich trau mir nicht" die Kommunisten aber benutzen das Fehlen einer starken Rcgierungs- autorität, um im Reichstag Deutschland durch Kin­dereien bloßzustellen. Die Welt, die auf ernste Entscheidungen des deutschen Volkes wartet, muß zu der Auffassung kommen, daß am deutschen Volke Hopfen und Malz verloren ist, wenn es in schicksals­schwerer Stunde auf dem Forum des Reichstags solch Allotria zuläßt, mit solch zwecklosen Regie­rungskrisen die Zeit vergeudet.

Amkttcher Anzeiger für den Kreis nnd die Sladk Fulda. .

' wL rn Ä- 51. Zahrg

auswärts 0.80 Soldmark. -- J y

Der Rückgang der Demokraten.

Em Führer der Demokratischen Partei, der in unserem Bezirk gewählte Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Schücking, schreibt in demokratischen Blättern über den Verfall feiner Partei folgendes:

Die Situation war gerade bei diesen Wahlen für die Demokratische Partei insofern gar nicht un­günstig, als auf dem wichtigsten Gebiet, dem des Auswärtigen, Erfolge winkten, begründet durch die Politik, die wir konsequent seit langen Jahren gefördert hatten. Wenn wir trotzdem noch Hun- berttaufenbe von Wählern verloren haben, so liegt der Grund in erster Linie in dem Versagen unserer Partei auf wirtschaftlichem Gebiete wäh­rend der Inflationsepoche. In einer Stadt mit solchem Bildunasdurchschnitt wie Frankfurt a. M. haben die Völkischen mehr als 15000 Stimmen be­kommen. Die Partei Friedrich Naumanns, die den sozialen Ausgleich auf ihre Fahne geschrieben hat, statt wie die Rechte die Interessen des Besitzes aber wie die Linke den Khafsenkampf zu Gunsten des Proletariats und einer unmöglichen Vergesell­schaftung aller Produktionsmittel zu vertreten, hatte niemals so resigniert einer Entwicklung zu- sthauen dürfen, bei der die großen Fabrikherren und Latifundien besitzet: im unangefochtenen Besitz ihrer Reichtümer an Sachwerten blieben, die kleinen Leute und der Mittelstand aber ihr ganzes Spar­kassenguthaben, ihre Lebensversicherung, ihre Kriegsanleihe usw. bis auf den letzten Pfennig ver­loren Haden. Schon während des Krieges war diese ganze Entwicklung in all ihren grausigen Ein­zelheiten in dem glänzenden Buche des Wiener So­ziologen Rudolf Goldscheid:StaÄssozmlismus und Staatskapitalismus" vorausgesagt und als einzige Mittel dagegen eine rechtzeitige teilweise Erfassung der Sachwerte gefordert. Für diese Forderung hatte man aber in den Kreisen der bürgerlichen Parteien, leider auch in der offiziellen Vertretung der Demokratischen Partei, kein Verständnis, sie wurde einfach als ein Schlagwort abgetan und unsereins wurde als Vertreter dieses Gedankens schon in Weimar darüber belehrt, daß man diese Zwecke viel besser durch Steuern erreichen würde! Iber zur Stillegung der Noten presse entschloß man sich erst, als die Papiermark überhaupt den Cha- ttrkhr em es Zahlungsmittels so gut wie ganz Der»

hatte, und man fürchtete, daß das Volk in Wrr Not den Besitz plündern und die Besitzenden ersckh.agen würde, ehe es sich mit dem Schicksal des ^»hungerns abfanb. Von Führern unserer Frcck- M wurde die völlige Zerstörung des mobilen Ka­pitals der kleinen Sparer alszwangsläufig" be- ZMnet. . Für einen Politiker, der die Aufgabe hat, a» Dinge zu gestalten, statt sich van ihnen treiben 5^ lassen, em verhängnisvolles Wort. Leider hatte sich auch unsere Partei das Dogma angeeignet, daß t >r der Herabsetzung der Reparationslasten zur < anierung der Finanzen und der Wirtschaft des % ? taates nichts geschehen könne. Allen Anregungen < uf ein großes Opfer des Besitzes zu diesem Zwecke,

Die Verirrung.

Politischer Nord an einem 15jährigen Schüler.

Ein Vorkommnis, das entsetzliche Aussichten für die Entwicklung der Geistesverfassung m gewissen Kreisen eröffnet, wird aus Berlin gemeldet. Man fand im Dahlwitzer Forst bei Mahlsdorf die Leiche des 15jährigen Schülers Günther Bayer, bem die Augen verbunden waren. Am Kopf zeigte gd) eine Verletzung, die von einem Schuß her3urul)ren scheint. Aus der Brust war ein Zettel befestigt mit der Inschrift:Tod den Faschisten! Auch sonstige Spuren sollten anscheinend den Eindruck erwecken, als ob eine kommunistische Organisation einen Mord an dem Knaben begangen hatte. Die polizei­lichen Ermittlungen Haden jetzt aber ergeben, daß es sich anscheinend nicht um einen Femenwrd von linksradikaler Seite handelt. Drei unter Mordver­dacht festgenommene junge Leute, von denen per eine namens Lübeck H i t l e r un i f or m trug, sol­len vielmehr rechtsradikalen Organisationen angehören. ,.

Ob nun rechts- oder linksgerichtete Organisatio­nen in Frage kommen, diese sich häufenden politi­schen Morde können nur die schwerste Sorge für Deutschlands Zukunft Hervorrufen.

Ungiftige Gemeindswahlen.

wtb. Kiel, 28. Mai. (Tel.) Die Stadtverordneten­versammlung erklärte gestern auf Grund eines sozial' demokratische» Antrages die Stadtverordneten­wahlen in Kiel für ungiltia, da Verstöße gegen das Wahlgesetz vorgekommen seien.

* Die Wirren in China.Times" berichtet au« Hongkong, datz Meldungen aus Wntschau zufolge chotze Besorgnis wegen der Sicherheit ver­schiedener Missionare, darunter des Bischofs Holden, die sich in Kweilirig (Provinz Kwcmgstn) befinden, herrscht. Infolge der ^Operationen der rivalisierenden Generale Lu-King-a^ing und Schurr» Hung.Hhina wird Kweiling seit mehreren Wochen belagert Es herrscht Mangel an Lebensmitteln und Wasser. Die Stadt w rd dauern'» beschossen. Die Geistlichen Basum nnd Cunningham fallen ge­tötet worden sein. Aus Wntschau wurde em Motor- bot mit Lebensmitteln und Arzneien abgesandt, das versuchen soll, die Missionare zu retten.

Am Mittwoch soll die Präsidentenwahl $ stattfinden. Die deutschnationale Fraktion hat den ! übrigen Fraktionen die Kandidatur Wallrafs zum Reichstagspräsidenten mitgeteilt. Dagegen I beschloß die sozialdemokratische Fraktion als stärkste republikanische Fraktion des Reichstages die W i e- derwahl Lobes vorzuschlagen.