Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
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Das Kabinett Marx ist zurückgetreten.
Die Lage vor -em Zusammentritt -es Reichstages.
Die Deutsche Volkspartei ist bekanntlich bei der Reichstagsmcchl am 11. Mai schwer mit- aenonwien worden. Die Wahlniederlage, die. sie «litten hat, scheint ihr vor allem jedes politische Selbstbewußtsein genommen zu haben: sie aetmur sich nicht mehr, offen für die Ansichten, für jhe sie im Wahlkampf eingetreten ist, Zeugnis ab- rulcgen: sie sucht jetzt nur noch Schutz, und Mar p,intet der Deutsch nationalen Volkspartei. Lor dem Fluch der Halbheit wird sie sich damit freilich nicht retten. Bei der nächsten Gelegenheit wird sie vermutlich noch schwerer geschlagen werden.
j Für den Augenblick bedeutet die Selbstentman- aung der Deutschen Volkspartei, daß sie, beziehungsweise chre Minister im Kabinett Dr. Marx, es nicht über sich gebracht haben, die Entscheidung über die künftige Regierungsbildung im Reichstage selbst zu suchen. Die Deutsche Volkspartei faßte am Montag 'mittag folgenden Fraktionsbeschluß:
„In ihrer heutigen Sitzung vom 28. Mai hat die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei entsprechend der bisherigen Haltung der Retchsminister Dr. Strefe- mann und Jarres einstimmig beschlossen, die Demission des SabUietts zu fordern, um die Bahn frei zu machen für die verfassungsmäßige Aufgabe des Reichspräsidenten, eine den neuen parlanrentariffen Berhültniffen entsprechende Regierungsbildung herbeizu- führen."
Von Jarres hatte man nichts anderes erwartet, daß auch Dr. ertvefemann seinen Ruf als führender Politiker so in die Schanze schlagen würde, soll m manchen Kreisen überrascht haben.
Für das Kabinett Dr. Marx ergaben sich aus dem Beschluß der bisher zur Regiernngskoalitton gehörenden Volkspartei Konsequenzen. Das Kabinett beschloß am späten Abend des Montag einstimmig, dem Reichspräsidenten feine Demission zu geben. Der Reichspräsident Hai die Demission angenommen und das Kabinett bis zur Bildung eines neuen mit der Führung der laufenden Geschäfte beauftragt.
Was nun?
Der Schlüssel für das Vorgehen der Volks- partei liegt in ihrer Absicht, unter allen Umständen die Deutschnationalen zur Regierungsbildung her- anzuziehen. Zwar haben sie zusammen mit dem Zentrum und den Demokraten einmütig ein Programm über die Außenpolitik sestgelegi, worin das Gutachten der Sachverständigen als ernsthafter Versuch einer friedlichen Lösung der Re- pavationsfrage-, bezeichnet und als einheitliches, unteilbares Ganzes anerkannt wird. Ihre Verhandlungen mit den Deutschnationalen sind aber neben heH» gegangen mit dem Ergebnis, daß die Deutfchnanonale Volkspartei der Deutschen Vollspartei ihren Entschluß mit teilte, sich an der Regierungsbildung in der ihrer Stärke eiztfprechen- dm Weise zu beteiligen. Diese Antwm't der Deutschnationalen Fraktion, die an die bereits erfolgte Nominierung des Großadmirals von Tirpitz Äs geeignete Persönlichkeit für die Bildung einer arbeitsfähigen Regierung erinnert, enthält Vorschläge für eine Einigung zwischen den für eine Regierungsbildung in Betracht kommenden Parteien. Eine gewisse Kontinuität mit der abtreten» den Regierung soll gewahrt werden: die Deutsch- Witmale Fraktion dürfe aber die deutschen Unter» itändler nicht mit gebundenen Händen dem Aus- land gegenübersteüen. Wie weiter verlautet, bean- tpruche die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei die Stellung des Reichstagspräsidenten.
Klarheit zeigt diese deutschnationale Berlaut- barung nicht. Jedenfalls wurde sie von den verschiedenen Mittelparteien verschieden gedeutet. Während die Demokraten und das Zentrum der Meinung waren, daß mit der deutschnationalen mitwort, die eine Ablehnung der Forderungen der Mittelparteien darstelle, die Verhandlungen mit oen Deutschnationalen abgebrochen seien, glaubten »fe Vertreter der Deutschen Volkspartei aus dem Wortlaut der deutschnationalen Erklärung auf die Möglichkeit weiterer Verhandlungen fchließen zu können. Im übrigen waren alle drei Mittelpar- teten darin einig, daß nunmehr derReichsprä- -' d e n t die Initiative zur Kabinettsneubildung zu ergreifen habe. In volksparteilichen Kreisen wollte wan dem Reichspräsidenten die Erteilung des Auf
trags zur Bildung des Kabinetts an den Führer der Deutschnationalen, Dr. Hergt, empfehlen. Man glaube, daß vielleicht bei den Bemühungen der Deutschnationalen um die Bildung einer Regierungsmehrheit mit den Mittelparteien über die Durchführung des Sachverständigengutachtens^ eine gemeinsame Linie gefunden werden könne. Zentrum und Demokraten sollen dagegen, wie im Reichstag verlautete, dem Reichspräsidenten Vorschlägen'wollen, Reichskanzler Marx aufs neue mit der Regierungsbildung zu betrauen. Eins Antwort der Mittelparteien soll auf die deutschnationale Erklärung nicht erfolgen.
In der Reichstags sitzung am Dienstag werden nur die Namen der Mitglieder verlesen. Ob am Mittwoch die Präsidentenwahl erfolgt, ist noch fraglich.
Vie SteNnngnahme des Zentrums, vertrauenskundgebung des Reichsparteivorstandes für Marx.
Aus Berlin wird uns gemeldet:
Der Reichsparteivorstand, die Landesund Provinzialvorsitzenden sowie die Generalsekretäre der Deutschen Zentrumspartei waren dieser Tage zu einer bedeutsamen Tagung in Berlin unter der Leitung des Partei Vorsitzenden, des Reichskanzlers Marx, vereinigt. Die Erfahrungen der Reichstagswahlen wurden eingehend besprochen. Es war eine einheitliche Meinung darüber, daß dis Zentrumspartei eine festgefügte Wählerschaft hat, die tr der Erkenntnis der politischen Notwendigkeiten trotz schwerer Opfer der Partei die Treue g e h al- ! ten hat.
Den Hauplgegenstand der Beratungen bildete ; die Aussprache über die polit ische Lage. Der t Weg der deutschen Polstik nach innen und besonders j nach außen ist klar vorgezeichnet. • Die auf Grund • des Sachverständigen-Gutachtens voq der Reichsregierung eingeleitete Polstik mich in zielbewußter eindeutiger Weise weitergeführt werden. Nur dann ist die Rettung des deutschen Volkes und der von schwerer Krise bedrohten deutschen Wirtschaft zu erhoffen. Dieser Gesichtspunkt wurde namentlich von • den Vertretern der deutschen H a n f a ftä d le sowie der Provinzen Schleswig-Holstein und Pommern zum Ausdruck gebracht.
Auf dem Boden dieser Politik müssen auch unsere Gefangenen und Attsgewiefenen der Heimat wiedergegeben werden. Auf diesem Wege mutz auch die poätisthe, kulturelle und wirtschaftliche Freiheit der besetzten Gebiete wiedergewonnen werden.
Die Willensmeinung der von tiefer Veramwort- lichkeit für Volk und Vaterland getragenen Verhandlung war:
Die Zentrums Partei muß der gegenwärtigen Schick- jafsftunbe in fachlicher aufrichtiger Politik gerecht werden. Parteitakiffche Ueberlegungen dürfen ihre Beschließ urigen nicht beeinflussen. Sorveit es in ihrer Macht steht, muß sie alles daran setzen, um auf Grund des Sachverständigen- Gutachtens zu einer Regelung der Reparationsfrage zu gelangen. Handel und Wirtschaft fordern Produktionsmöglichkeiten und Befreiung von Hemmnissen, unser Volk bebarf. der Ruhe zu nationaler Kräfte-Scnnmftmg, Europa und die Menschheit wollen den Frieden.
Die Versammlung dankt ihren Führern, daß sie trotz aller Mißverständnisse im Volk unermüdlich der nationalen Rettungsarbeit gebient. Sie verlangt, daß die Führer in Tatkraft ausharren.
Gegenüber, allerdings sehr krampfhaft konstruierten 93erfiidjen gewisser Presseorgane m der Reichshauptstadt, wird uns aus führenden Kreifen der Zentrumsfraktion auf das bestimmteste miige- teit, daß die Zentrumsfraktion in allen jetzt zur Entscheidung stehenden Fragen der großen Politik völlig einmütig und geschlossen ist. Ja, man kann es ruhig aussprechen, daß es wohl noch kaum eine Frage von so überragender Bedeutung und so außerordentlicher Schwere gegeben hat, die ! die Zentrumspartei fo einig sah, wie das jetzt der '• Fall ist. Wenn demgegenüber in verschiedenen I Presseorganen wieder ein „Richtungs"-Unterschied zwischen der einen oder anderen Gruppe innerhalb der Zentrunrspartei konstruiert wird, so ist das nichts anderes, als törichtes und völlig haltloses Gerede.
Die völkischen
schlossen in einer Fraktionssitzung u. a. folgende Litton: sie sprechen der Reichsregierung das Miß- »tt»n.au§ un? verlangen umgehende Neuwahl ,e’ Reichspräsidenten. Ferner wird die Auf- ^vung des Gesetzes zum Schutze der Republik und ^taatSgerichtshofes sowie die Nachprüfung der sotteile deS Staatsgerichtshofes durch die ordentlichen ./.chte gefordert. Weitere Anträge sehen die Ent» Altung des Oberleutnants a. D. '.Knebel aus der Mungshaft, die Amnestie für die Vorgänge in ttrtn und München und die Aufhebung aller Berke von politischen Parteien vor. Geaen sämtliche Junten, die an der Vorbereitung des Umsturzes dort18 ktHIigt waren, soll Anklage wegen ocy- und Landesverrats erhoben werden, n werterer Antrag verlangt schließlich die Aus» änJf.U-n-9 sämtlicher seit August 1914 zugewanderten »X jüdis ch en Rasse aus Deutschland
UnhrhnVErNi öqenskonfiskation und tat»/ • 9z-?aer Angehörigen der jüdischen Rasse
e,» Sonderrecht
Ausland.
* Gemetzel in Thrazien. Nach einer Havas- meldnng aus Athen ist eine Bande von fiomitat» schis in das türkische Kain-Tschukur 10 film, nördlich der Station Narlikiöi in Westthrazien eingedrungen, hat 12 Männer und 4 Frauen niedergemacht und 4 andere Perwnen verletzt und ist dann in unbekannter Richtung verschwanden. Truppen find auf der Suche nach itr. In der Nachbarschaft von fiäin-Tschukur sind 4 andere Banditen aufgetaucht.
* Coolidge und die japanischen Einwanderer. Nach Unterzeichnung des EinwanderungsgesetzeS hat Präsident Coolidge eine Störung abgegeben, die das Gesetz in seinen Grundzügen billigt, zugleich aber den Ausschluß bestimmter Raffen, besonders der japanischen, bedauert. Coolidge betont die Freundschaft und Bewunderung, die Amerika für Japan hegt, und erklärt, daß sich ein Einwanderungsverbot leichter hätte durchführen lassen, wenn man 1 Zlavan rur Mitarbeit aufgeforbeit hätte.
Konferenz in Gens?
wtb London, 27. 211 cd. (Tel.) Der „TUot- ninFpsst" zufolge beabsichtigt IHacbonatb an der völkerbundstagung leilzunehmen, bie im September in Genf tagen wirb unb bork eine Darlegung ber britischen internationalen Politik zu geben. Sollte Tllacbonalb biese Absicht ausführen, so sei es wahrscheinlich, daß auch herriot, falls er französischer Ministerpräsident wird, sich nach Gens begeben werde unb auch bie Regierungschefs anderer Staaten Wert darauf legen würde, an der Tagung teilzunehmeu. 3n diesem Falle wäre es möglich, daß Genf der Zusammenkunfksort einer großen Konferenz von Staatsmännern werde, die bann versuchen wirb, ein auf dem Sachverstandi- genberichk gegründetes Programm burchzuführen.
Das italienische üönigspar in London.
wtb Conbon, 27. Mai. (Tek.) Der König unb bie Königin von Italien sind gestern auf ber Viktoria-Station in Conbon eingetroffen, wo sie vom englischen Königspaar empfangen wurden. Eine große Menschenmenge, darunter Faschisten in Schwarzhemdev, begrüßten die Monarchen.
Wtb Paris, 27. Mai. (Tel.) Der König von Italien, ber auf feiner Reife nach Con- bon Frankreich paffierke, hak an den Präsidenten ber Republik ein Telegramm gerichtet, in bem er ihm feine Hochachtung unb Freundschaft bezeugt. Milleranb hak mit einem Danktelegramm geantwortet.
Unsen in der englischen Regierung.
Wtb Conbon, 27. Mai. (Xet) Der parlamentarische Berichterstatter der »Daily News" meldet, wenn bie Regierung bei der Abstimmung über das Gehalt des Arbcitsministers geschlagen werben sollte, so würde sie entweder zurücktreten ober dem König anraten, das Parlament aufzu- Icfen, damit sie an das Canb appellieren könne. Ein EnlsckMß in dieser Richtung ist bereits von den Häuptern der Partei gefaßt worden.
Die^Lage in Frankreich.
Von einer besonderen Seite wird uns geschrieben:
Sie Entwicklung der Dinge in Frankreich ist noch unüberblickbar. Wenn der sozialfftische Kongreß beschließt, eine radikale Regierung zu unterstützen, ohne in sie einzutreten, so wird wahrscheinlich Herriot Ministerpräsident werden, (sicher nicht Briand) und Herriot wir dann in allen Fragen zwischen der rechten Opposition und der linken Hilss» Iruppe hin und her schwanken. Herriot hat immer erklärt, daß Deutschland nicht zahlen wolle, er hat sich über die Art der Ersetzung des Ruhrpfandes nie ausgesprochen, und es ist fraglich, ob er nach dieser Richtung ein klares Programm hat.
P o i n c a r e hat schon in der beständigen Sorge gelebt, von den Deutschen düpiert zu werden; das würde bei Herriot nicht besser werden. Poincare wollte den wirklichen Ehatwimsten der französischen Kammer Daudet, Tardien, Mandel, E a st e l n a u beweisen, daß die nationalen Interessen bei ihm gut aufgehoben seien.
Was imd wem rvird Herriot beweisen wollen? Soziaiisten das eine, dem Zentrum und den Mittelparteien das andere. Gegen Briand, den die Sozialisten nicht akzeptieren werden, hätte die Rechte ein viel schwereres Spiel. Er würde sich auch weniger vor einer Blamage fürchten, dafür sorgt seine Selbstsicherheit unb sein Leichtsinn.
Es ist übrigens auch bemerkenswert, daß Briand kürzlich ausgesprochen hat, daß der Umschlag in Duisburg bedeutender ist als irr Newyork unb daß Duisburg überhaupt der größte Hasen der Welt sei. Man sicht, welche Auffassungen über die deutsche Leistungsfähigkeit vorhanden sind, wie wir es überhaupt merkwürdig empfinden müssen, daß man uns im Ausland für das leistungsfähigste Volk hält. Das Zutrauen zu unserer Kraft ist draußen viel größer als bei uns selber. Wenn freilich von französischer Sette solche Auffassungen vertreten sind, dann mit dem Ziel, Deutschland als viel leistungsfähiger hinzustellen, um möglichst viel an Reparationsverbindlichkeiten festlegen zu können.
In diesem Zusammenhang sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß der Rücktritt von Poincare und Millercmd die amerikanischen und englischen Finanzkreise sehr skeptisch stimmen würde. Es ist kaum anzunehmen, daß man Briand, Herriot und Painleve eine rücksichtslose Finanzpolitik zutraut. Eine solche Stimmung in London und New » york würde natürlich die Situation ungünstig beeinflussen.
wtb Paris, 27. Mai (Tel) Die radikale Partei des Rhone Departements Hai gestern in der Tagesordnung den Abgeorbneien herriot aufgc- forbert, falls er Ministerpräsident werde, feinen Posten als Bürgermeister von Cyon beizubehalten.
wtb Paris, 27. Mai. (Tel.) Eia Vertreter des »Journal" hatte eine Unterredung mit Cail- laux, m deren Verlauf auch von den Tte p a r a f 1 o- nen gesprochen wurde. Eaillaux erklärte, Deutschland müssen zahlen, aber es müsse Rücksicht auf die finanztechnischen Schwierigkeiten genommen werden. Die größte von ihnen bestehe in der Uebertragung der Reparationen an Frankreich, die " der Dawes-Plan nicht geklärt habe.
Der Kampf im vc'gbau.
Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministe- rium zur Schlichtung des Bergbaukonflikts haben bisher zu keinem Erg ebnis geführt. Die Verhandlungen sollen fortgeführt werden.
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Nach einer Meldung des Vorwärts" aus Brch- fel hat das Exekutivkomitee der Bergarbetterinter- nationale die einzelnen Landesdelegierten der Internationale beauftragt, sich sofort mit den Transportarbeiterverbänden in Verbindung zu fetzen, um die Frage der Unterbindung aller Koh 7 lentransporte nach Deutschland zur Unterstützung der deutschen Bergarbeiter zu erörtern.
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Im preußischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion beantragt, das Staatsministerium zu ersuchen, mit eigenen Mitteln und durch Geltendmachung seines Einflusses bei der Reichsregierung auf die Erhaltung des Mansfelder Kupferbergbaues hinzuwirken.
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Die Montagsitzung des preußischen Landtages galt dem Konflikt im Bergbau. Sie Debatte brachte'eine Aufrollung aller Fragen, die mit dem Konflikt in Beziehung stehen. Der Landtag wird am Dienstag über den Etat und die kommunistische Interpellation über den Ulansniag m Fürstenwalde verhandeln.
Neue Stillegung.
wtb Köln, 27. Mai. (Tel.) Nach einet 21U- düng ber »Köln. Ztg." aus Duisburg Hal bie Direktion bet Phönix-Werke durch Anschlag bekannt gemacht, baß sie sich gezwungen sehe, infolge. Kohlenmangel bas Stahl- vnb Walzwerk still zu le g en. Von dieser Maßnahme werben 3000 Arbeiter betroffen.
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wtb Mannhei m, 27. Mai. (Tel.) Der Streik bezw. bie Aussperrung in bet Mannheim- Cudwlgshafeaet Metallindustrie ist nunmehr beendet, nachdem heute morgen bie Wiederaufnahme bet Arbeit beschlossen würbe.
8kW Die neue MImg Her Mmlen- ~ WISM.
Wtb Berlin, 27. Mai. (Tel.) Nach einer Mitteilung des Deutschen Beamkenbundes haben die Spihenorganisalionen bet Beamten bie ron bet Regierung vorgeschlagene neue Regelung der Veamtenbesoldung ab gelehnt. Die sofort eingeleitelen Beratungen ber Organisation übet bie ju ergreifenden Maßnahmen wurden gestern zum Abschluß gebracht.
Die Saar-Frage.
wtb Paris, 27. Mai. (Tel.) Der Londoner Berichterstatter bes »Echo be Paris" will wissen, bie englische Regierung habe daran gedacht, die Saar-Frage zur Sprache zu bringen. Mehrere Mitglieder der Regierung feien geneigt, eine Verminderung der französischen Truppen und eme Verstärkung der lokalen Gendarmerie zu verlangen. Man werde jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach die nächste Völkerbundsversammluag abwarten, der Mardonald selbst beiwohnen wolle.
wtb Paris, 27. Mai. (Tel.) Die Veröffent» lichung des Briefwechsels Maedonald — Poincare wird am Mittwoch abend erfolgen.
wtb. Paris, 27. Mai. (Tel.) Die französische Regierung hat das Agreement zur Ernennung des ehemaligen Ministers Poliiis zum griechischen Gesandten in Paris erteilt.
Gemeindewahl im Danziger Gebiet.
wtb Bet lin, 27. Mai. (Tel.) Nach einer Meldung der „Deutschen Tagesztg." aus Danzig ist bei den Gemeindewahlen im Gebiet der Freien Stadt Dauzig für fast alle Gemeindevertretungen eine bürgerliche Mehrheit zu verzeichnen. In Zop- pol haben bie Polen von ihren bisherigen drei Mandaten zwei verloren.
Die Krise.
B. I. de Nenfville-Franksurt a. M.
wtb Frankfurt a. M» 27. Mai. (Tel.) Wie die „Frkst. Ztg." erfährt, haben sich bei dem hie- figen Bankhaus D.I. de Neufville, das feit 275 Jahren besteht, ernste Schwierigkeiten ergeben, die weniger durch die herrschende Kredit- und Konjunkturkrise als durch fehlerhafte Kteditposilio- nen unb Ueberspannung bet Beteiligungsgeschäfte verursacht worden sind. Das Bankhaus hat bedeutende Engagements am Geldmarkt (ca. V/4 bis 1% Billionen Goldmark) laufen, denen ausreichende flüssige Mittel nicht gegenüberstehen. Das Bank- frans hat sich au die Firmen der Frankfurter Dan- kenvereinigung gewandt, um eine HUfsakti 0 n in Anspruch zu nehmen. Am hiesigen Platze bestehl bie Bereitwilligkeit, diese Stützung mit bem Ziele der stillen Liquidation des Hauses vorzu- nefrmen. Die infolge des Verhaltens auswärtiger Gläubiger sehr schwierigen Verhandlungen wurden heute vormittag noch nicht zu Ende geführt