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Vermischtes.

* Bananen und Bier. Nach einer Meldung des „Lokal-Anzeiger" aus München brachten bei einer Schülerauswanderung die Schüler eine Wette zum Austrag, wonach jeder 20 Bananen essen und darauf zwei Liter Bier trinken mufee. Em Schüler starb zwei Stunden nach dieser Unmäßig« feit.

* Schön»Elend. Der bekannte Oberharz-Lust« kurort Elend wollte einen anderen Namen haben, da tbm der augenblickliche zu anrüchig war. Es fei hier bemerkt, daß schon Goetbe im „Fault" den S^rt Elend wegen seiner wildromantischen Lage an der kalten Bode erwähnt. Allo schrieb die Gemeinde­verwaltung einen Namenswettbewerb aus. Viele Vorschläge liefert ein. Die Kurverwaltung bat sich nunmehr nach langen Aussprachen für den Namen .Schön-Elend" entschieden.

* Eine drollige Papierersparnis - Geschichte wrrd dem „Mainzer Anzeiger" zufolae aus einer Stadt am Main gemeldet. Dort fungierte ein Lehrer im Nebenamt al? Sekretär der Schule. Als solcher mußte er u. a. die Mitglieder des Schulkueatoriums schriftlich zu dm Sitzungen laden. Für die w»nigen Worte benutzte er bisher Aktendoppelbogen. Jüngst .regnete" es nun bekanntlich von .oben" her Ver­ordnungen und Vorschläge zu Papier-und Zeit­ersparnis, die immer den Schluß trugen: in allen nichterwähnten Fällen solle der Beamte aus eigner Entschließung sinngemäß handeln! „Sinngemäß" benutzte daher besagter Lehrer zur nächsten Sitzungs­einladung eine einfache Postkarte und ersparte so dem Staat zwölf wertvolle Aktendoppelbogen. So eine Karte erhielt auch ein sehr hoher Staats­beamter als Kuratoriumsmitglied. Das war ent­setzlich ! Es ergab sich nun folgende echt

deut'che Bürokratenkomödie, die durchaus den Tatsachen entspricht: 1. Mündliche Aussprache des Hohen Herrn mit seinem Kanzleivorstand über die „Ungehörigkeit" e:ner Einladung in dieser Form. 2. Diktat des Kanzleivorstandes an seinen ersten Schreiber: .Der Herr Präsident läßt einem ver« ehrlichen Rektorat zunächst mitteilen, daß er nicht gewohnt ist, auf nackten Postkarten in dieser kate­gorischen Form ... usw." 3. Prüfung und Korrektur. 5. Botengang von Präsidium zur Schule. 6. Auf­regung des Herrn Rektors. 7. Botengang von der Schule zur Wohnung des Lehrers mit dem Auftrag an diesen, der Herrn Direktor erwartet ihn so'ort. _ 8. Leb­hafte Auseinandersetzung beim Rektor. 9 Förmliche Entschuldigung des Lehrers an den Herrn Präsi­denten auf einem Aktendoppelbogen. 10. Begleit­schreiben des Herrn Rekwrs auf einen ebensolchen Aktendoppelbogen! Die Sparkommission deS Landes wird sich hoffentlich mit dieser Angelegenheit befassen, aber ohne Ak'enbooen!

* Künstlerschicksal von heute. Der ehemalige Dresd­ner und jetzige Banner Literarhistoriker Oskar Walzel macht in einer Zuschrift an die Presse auf das bedauer­liche Schicksal der einstmals gefeierten Opernsängerin Rasa Sucher aufmerksam: „Rasa Sucher lebt noch. Rach langem vergeblichen Suchen und Umfragen ist es mir geglückt, sie wiederzufinden. Sie lebt, 75 Jahre alt und seit vielen Jahren wegen unheilbarer Lähmung der Kniee fo gut wie unbeweglich, in einem Gasthof zu Es ch- weiter bei Aachen. Wie die vielen anderen, die einst in besseren .Seiten gespart und gehofft hatten, sich dadurch ein ruhiges Alter zu sichern, darbt auch Rofa Sucher heute. Gibt es in Berlin und sonstwo noch Menschen, die sich dankbar der großen Künstlerin erinnern? Sie hat einst den Stil von Wagners Werken unter der Füh­rung des Meisters selbst auf der Bühne verwirklichen helfen. Berlin huldigte ihr unbedingt. Ging doch damals der warnende Ratschlag von Mund zu Mund: „Der Mensch vergöttere die Sucher nicht." Eine Künstlerin aus der großen Vergangenheit der Berliner Oper und Bayreuths hat es vollauf verdient, daß die West sich heute um sie kümmere und ihr h-lfreich die Hand reiche. Hoffentlich genügt dazu dieser Fingerzeig. Zuschriften erreichen Frau Professor Rofa Sucher in Eschweiler, Ho­tel Stürtz." — Ein Berliner Blatt fügt zur näheren Illustrierung dieser Zellen hinzu, daß das preußische Fi­nanzministerium für Rosa Sucher jüngst an Stelle ihrer Gnadenpension, die fest der Inflation überhaupt nicht ausgezcchlt worden war, monatlich 30 Mark be­willigt hat. Davon ist noch die Eschweller Kleinrentner­unterstützung von 15—18 Mark abzuziehen. Diese Zch- len ergeben ein krasses Jammerbild.

* Die Schlafkrankheit in England. Einer Statistik zufolge gewinnt die Schlafkrankheit in England immer mehr Ausdehnung. In der vergan­genen Woche erkrankten tu Brimingham 13 Petsonen, von denen fünf starben. In Sheffield erkrankten 22 Personen, von denen etne starb. Seit März wurden im ganzen 10217 Fälle der Schlaf­krankheit verzeichnet, von denen 27 tödlich ver­liefen.

«acholische Welt.

— rlirchliche personettnachri'dien. In Münster starb Domkapitular Geistitchec Rat Msar. Bernhard Rren. Haus Er war geboren zu Bocholt 1859 und 1884 zum Priester geweiht. 1904 berief ihn der Bischof zum Direktor des Theoloaenkonviktes (Borromaum) und 1906 zugleich zum Geistlichen Rat am Bischöflichen General- Vikariat. Der präcktiae Neubau des BorromaumS ,st hauptsächlich fein Verdienst. 1914 le te er sein Amt als Direktor nieder und wurde zum Domkapltular er­nannt. Das Domkapitel tn Münster hat in anderthalb Jahren nicht weniger als fünf seiner Mitglieder durch den Tod verloren. — Das Domkapitel in Freiburg i. B wählte zum Nachfolger des verstorbenen Dom­kapitulars Emil Stumpf den erzbischöflichen Kanzler- drrektor. Wirft. Geistl. Rat, Päpstl. Geheimkämmere, Dr. Jos. Sester.

. aus Geisa und Umgebung.

--- Vacha. Wegen Instandsetzungsarbeiten ist das Betreten des Bismarckiurmes und der Schutzgütte auf dem Oechsenberg bis auf weiteres verboten-

Beanttensragen.

— Die klarzahinni der veamtrngehälter. Entgegen anderslautenden Nachrichten wird amtlich mitgeteilt, daß das Reichsfinanzministerium angeordnet hat, die Bezüge der Reichsbeamten für den Monat Juni in der bisherigenHötebereitsa m28 Maiauszuzahlen. Die auS der Neuregelung der Beamtenbeziige sich er- gebende Nachzahlung soll kurz vor Pfingsten erfolgen. ______________________________

rcommunalpolitlsches.

— Der Semelydeaurschuß der preußischen tanMages stimmte grundsätzlich zu, daß eine Neuwahl des Ge­meindevorstandes überall da stattzusinden habe, wo bei der letzten Wahl die alten Schöffen und Vor- st eh er mit gestimmt haben. Dieser Grundsatz soll auch auf die Fälle ausgedehnt werden, wo Magistratsmttglieder mit der Etadtverordnetenversammluna gemeinsam ge­wählt haben. Außerdem fand die Anregung Annahme, daß auch dort eine Neuwahl des GeineinSevorstandes stattzusinden hat, wo keine Gemeindevertreter zu wählen haben, sondern die Gemeindeversammlung als solche zu wählen hat.

Briefkasten der Zchristieltung.

Nr. 100. Das Verwandtschaftsverhältnis spielt nach den neu en Bestimmungen in der Gemeindeverwaltung keine Rolle mehr. Früher war das anders.

3- M. in v und andere. Klagen über Preise für einzelne Waren sollte man an die Preisprüsun g s- stellen richten, die sowohl bei der Stadt als beim Kreise Fulda besteben. Dort können Beschwerden sach­lich geklärt werden. Zeitungspolemiken haben doch wenig Wert._______

Neue Bücher.

= Der hundertfährise in neuer Auflage. Der Ber- lag des bekannten Lahrer Hinkenden Boten (Moritz Schauenburg, Labr in Baden) gibt feinen „Hundert­jährigen Kalender- in 2. Auflage heraus. Der Hundert­jährige, ein wirkliches Volksbuch, verbreitet sich in unter­haltender, für jedermann leicht verständlicher Darstel­lung über Zeiteinteilung und Kalendermachen, über die verschiedenen Arten des Kalenders, über Weltkörper und Wetterkunde; er erklärt die Zeichen der wahrsagenden Sterndeuterei und bringt neben wohlbedachten Wetter- Prophezeiungen ausgewählte Bauernregeln, Monats, kalender usw. Der Hundertjährige, der für das ganze 20. Jahrhundert Gültigkeit hat, enthält alles, was zum Verständnis des Kalenders nötig ist, und sollte daher im Besitz jedes Kalenderlesers fein. Das geschmackvoll ausgestattete und hübsch gebundene Büchlein kostet 1.20 Mark.

MW aas den Wlskem des Standesamts Ma.

Sterbejalle vom 10. bis 23. Mai 1924.

10. Mai. Elsa Paßner aus Hünhan, 4. I. 1 M. 27 T. 10. Maria Frieda Mahr aus Stellberg, 5 I. 6 M. 29 T. 11. Holzarbeiter Johann Gerhard Maul aus Gichenbach, 48 I. 5 M. 11 T. 12. Ehefrau Agatha Leitich, 52 I. "5 T. 14. Schneider Alfred Langhans, 19 I. 5 M. 21 T. 14. Benefiziat a. D. Johann Joseph Krieg, 77 I. 1 M. 29 T. 15. Fabrikatbeiters-Witwe Maria Lotz, 39 I. 9 M. 45 T. 15. Ehefrau Dina Stern, 69 I. 1 M. 29 T. 15. Rentenempfänger Philipp Flach, 71 I. 2 M. 3 T. 16. OverlandeSgerichtsrat a. D. Paul Bacharach aus München, 56 I. 2 M. 4 T. 16. Ver­messungs-Obersekretär Wilhelm Heinrich Konrad Peter, 56 I. 10 M. 25 T. 19. Alwin Oswald Lautenbach, 8 M. 5 T. 19. Webers-Witwe Franziska Gärtner, 68 I. 2 M. 9 T. 19. AuszügerS-Wltwe Martina Lotz aus Weidenau, 72 I. 6 M. 2 T. 20. Dorothea Müller aus Pilgerzell, 68 I. 11 M. 28 T. 20. Kaufmann Franz Karl Wehner, 28 I. 11 M. 24 I. 21 Näherin Elija- beth Ehrhardt, 51 I. 7 M. 5 T. 22. Fabrikarbeiter Isidor Hahner, 66 I. 2 M. 11 T.

Fuldaer Heilung

Handel und wirtschaft

24. Mai

23. Mai

(Seit)

4,19

19,65

157,5t 18,305 !’3,14 7t,81

58,95

18,70

71,22

58,35

111,72

12,51

5,91

Briet

4,21

19,75

158,29

18,395

23,06

75,19

58,15

18,80

71,«l

58,65

112,28

12,59

5,98 in Billionen-

Brie;

4,21 19,75

158,29 18,395 23,96

. 75,19 58,55 18,80 7t ,58 58,65

112,59 12,59

5,98

Berliner Devisenkurse

Heto-york Brüllet Holland London Paris Schwei- Spanien Italien Dänemark . Norwegen

Schweden Prag Wien

bat, indem Tagesgeld von VA auf ’4 bis 'A Proz. und Monatsgeld von 5'A Proz. auf 3)4—4 Proz. weiter zurückgegangen ist. Die Ursache für diese Ermäßigung der Zinsraten liegt einmal in der Erleichterung des De­visenmarktes mft kräftiger Abstoßung der Devisen aus privater ftand, was einem starken Deviseneingang bet der Reichsbank gleichkommt, ferner in der Abaabe von G»ldanleihe und dem Beginn der Warenabstoßung, ferner in der fortschreitenden Regelung der Frcmken- verpflickfiungen, der Gewährung von Krediten durch d:e Äolddiskontbank, kurzfristige Auslegungen staatlicher Ein­nahmen (Steuern, Postscheckgelder) und eigenartigerweise in der Betriebsstillegung hn Ruhrbergbau. Wetter ist zu berücksichtigen, daß durch die Kette der verschiedenen Kredftvermiüftmgen die Zinsraten naturgemäß außer­ordentlich vetteuett werden mußten. Auch hierin scheint sich ein Wandel angebahnt zu haben. Bei alledem bleibt die Kreditlage uneingeschränkt bedrohlich, denn selbst Zinssätze von 40—50 Proz. im Jahre sind auf die Dauer für die Wirtschaft untragbar.

Die ausgesprochene Börsenkonsunktur der Vorwoche konnte sich in der letzten Woche nicht behaupten. Die der neuen Aufwättsbemsgung zu Grunde liegenden Mo­mente sind bewußt und unbewußt in ihrer Beurteilung übersteigert worden. Es darf vor allem niemals aus dem Augen gelaßen werden, daß langfristige Anlagen in Effeften heute nur in seltenen Fällen vorgenommen werden, daß man also jede merkliche Erhöhung des Kursstandes ausnußt, um entweder alte Effektenbestände verhältnismäßig günstig abzustoßen, oder aber um kurz- ftistige Spekulation zu treiben. Auch liegen noch bedeu­tende frühere Leerverkäufe zur Entdeckung vor, die na­türlich, soweit nur eben möglich, bei hohem Kursstände vorgenommen werden. Alle Börsenkonsuntturen muffen, fo lange sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht ändern, sehr kurzfristig fein. Das Publikum fehlt unter den Käu­fern fast noch vollständig und wird sobald auch nicht in der Lage sein, Spargelder in Wettpapieren anzuleaen, abgesehen davon, daß die Enttäuschung über die erlitte­nen Verluste wie die Unsicherheit über die Kursgestaltung der Papiere abschreckend wirken.

M M.

Dienstag, 27. Mai 1924.

Die Snfrer unnen für Devisen ---------- ...... -....------

Mar-, bet Dollar imb Mund vra Stück, bet fämtltcb’n übrigen Roten, mit Ausnahme cer österreichischen Krone, die pro 100000 Stück zu versieben ftt, vro IO1 Stück.

— Berliner pr«d«ktendörse vom 24. Mai. Amtlich festgesetzte Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 Kg. sonst per 100 Kg. In Goldmark der Goldanleihe oder in Rentenmark. Weizen märk. 155—158, pomm. 000—000, Roggen märk. 130—134, pomm. 000—000, westpr. 000—000, Futter-Gerste 145—155, Sommergerste 158—166, Hafer märk. 127—134, pommerscher 000—000, westpr. 000 — 000, Mais loko Berlin Waggon frei Hamburg 000, Weizen­mehl pro 100 kg frei Berlin brutto mH. Sack (feinste Marken über Notiz) 21,50— 24,50, Roggenmehl pro 100 kg frei Berlin brutto in kl. Sack 19,25—21,25, Wei­zenkleie frei Berlin 8,80 —0,00, Roggenkleie frei Berlin 9,20—9,30, Raps 285—290, Leinsaat 390—000, Viktoriaerbsen 20,00—22,50, kleine Speiseerbsen 15,00 bis 16,00, Futtererbsen 13.00—14,00, Peluschken 10,50 bis 12,00, Ackerbohnen 00,00-00.00, Wicken 11,50 bis 13,00, Lupinen, blaue 11,00-11,50, gelbe 13,50—14,50, Seradella 11,00—13,00, Rapskuchen 10,60—00,00, Lein­kuchen 18,50—00,00, Trockenschnitzel 8,70—0,00, vollw. Zuckcrschnitzel 18,00—00,00, Torfmelasse 30/70 0,00 bi« 0,00, Kartoffelflocken 21,00.

— Geschälttaufficht Nach einer Meldung der Königs­berger Alliemeinen Leitung' hat sich die Königs- berger Bank genötigt gesehen, die GeschästSauf- ficht zu beantragen.

— Reform der SeschSftrauspchl? Wie die K. V. er» fährt, finden am 27. Mai im Reichswirtschaftsministe­rium Besprechungen mit sämtlichen beteiligten Kreisen und Organisationen über die Frage wegen der Abände­rung der Geschästsaufsichts-Verordnung statt.

-= weitere Stillezung in der Rali-Znduftne. Die Gewerkschaft Hüpstedt (Wtntershall-Konzern) hat den Belegschaften auf ihren Schächten bei Hüpstedt auf dem Eichsselde wegen Absatzstockung gekündigt. Aus den Schächten werden bereits die entbehrlichen Anlagen entfernt.

Wochenschau aus Wirtschaft nutz Börse. (Son unserem Frankfurter Mitarbeiter.) ff8 scheint in den Hauptkreisen des deutschen Wirt- Mvrftste&ens imr noch das Nichtwissen zu bestehen, Lkneicht aber au s Nichtwistenwollen, daß der Zweck h-i $rh>atmtrtfe Rentabilität, der Volkswirtschaft iedock Produktivität ist, woraus nach unserer mo­dernen staatswirtschaftlichen Auffassung entgegen dem früheren' 'einen Liberalismus folgt, daß der Vvlkswirt- fchast die Priorität gegenüber dm Einzelwirtschaften zu- Mierfennen ist. Wäre diese Erkenntnis in unseren füh- renten Wirtschaftskreisen vorhanden, so würden wir nicht die Tatsache zu verzeichnm haben, daß sich rnaß- aebftche Kreise des Wirtschaftslebens bei der Reichs­eegierung um die Erlangung eines allgemeinen Zah­lungsaufschubs bemüht haben. Es sst gewiß zu verstehen, daß bei den gegenwärtig außerordentlich schwierigen Kredttverhälinifsen. die in immer offener zu Tage treten« ber Form auch unsere größten Unternehmungen (wie be- kannflich Beckerstabk, Mansfeld, Laura-Hütte. Elberfelder Kupfer- und Messingwerke) in sehr schwere Mitleiden­schaft gezogen haben, der Wunsch eines solchen Mora­toriums aufkommen konnte. Die Befürchtungen, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten bei weitem noch nicht ihren Höhepunft erlangt haben, wurden genährt durch die Ankündigung, daß ein so riesiges Unternehmen wie die Firma Krupp zu einer völligen Stillegung ihrer Werke schreiten wtH. Die Verhältnisse sind tatsächlich um so schwieriger, als die allgemein« Unsicherheit, die das Mißtrauen aller gegen alle erzeugt, noch verschärfend wirft.

Wenn auch die Schwierigkeiten unserer heutigen Wirt­schaftslage in keiner Weis« verkannt werden sollen, so muß doch die Gewährung eines allgemeinen Zahlungs­aufschubs als durchaus verfehlt bezeichnet werden. Zu­nächst würde sie die Reinigungskrise, di« mir zur Zeit durchmachen, verlängern. Die deutsche Volkswirtschaft hat fern Interesse daran, daß die ungesund aufgeblähten EinzÄwirtschaften durch eine Galgenfrist vor der eifernen Notwendigkeit bewahrt werben, die erforderliche Sanie­rung vorzunehmen, und zwar die noch lebensfähigen Unternehmungen durch die Rückkehr zu den früheren Geschästsprinzipien, die lebensunfähigen Betriebe jedoch durch rücksichtslose Ausmerzung. Die Krise muß dahin führen, daß alle entbehrlichen Unternehmungen ver- fdyminben und daß dadurch die uns verbliebene sehr dünne Kapftaldecke für die Unternehmungen reserviert wird, an denen die Volkswirtschaft ein Interesse hat. Dieser Gesundungsprozeß ist hart und brutal und manche Existenz wird dadurch vernichtet. Wenn man jedoch Gelegenheit hat, in die Geschästsgebahrung so vieler Jnflationsgründungen hineinzuleuchten, muß man er­schrecken vor dem Maße von Leichtfertigkeit und Verant­wortungslosigkeit, mit der für -die Taschen einzelner Auf­sichtsräte, Direkwren und privilegierter Angestellter gear­beitet wurde, mit welcher GewisseiÄosigkert man kleine Geschäftsleute durch Auffchub ber Zahlungen zum Rum brachte. Zum Verbrechen am Volke ist jene maßlose Suchst: „Wie gewinne ich mehr Geld?" ganzer Unter« . nehmungen geworben, wie sie auch ein betrübliches Zei­chen für bie unmoralische, von Ehrgefühl unb sitt­licher Verantwortung freie Hanblimgswesse so vieler Ein­zelpersonen ist.

Eine Verlängerung der Krisis durch eine Lockerung ber außerordentlich scharfen Krediteinschränkung fettens der Reichsba.uk liegt jedoch auch nicht-im Sinne unserer Währungswirtschaft. Dis Reichsbank kann es sich als Erfolg buchen, daß sie mit ihrer sehr scharfen Abschnürung aller unwirtschaftlichen Kredite trotz un­günstigster Voraussetzungen unserer Währung beut« auf einem Stand gehalten bat, den vor einem halben Jahre kein Mensch hätte Voraussagen können. Vielleicht noch hoher als die Behauptung des Währungsstanbes ist ein­zuschätzen, daß es der Reichsbank immer wieder gelun­gen ist, über alle Anstürme gegen unsere Währung, bie em zeitweiliges gefährliches Herabdrücken des Mark- wertes im Ausland bewirkten, Hinwegzukommen. Ein deuüiches Zeichen dafür ist auch die auffcüenbe Ver­minderung der Devisenanforderungen, bie bereife wieder auf den verhältnismäßig geringen Stand etwa Dom Monat Januar heruntergegangen sind.

Ein weiterer Zweck, der durch dfe Verweigerung einer Lockerung der gegenwärtigen Kredttschwferigkeiten er­reicht werden soll, ist die Senkung des Preisniveaus. Dieser Preisabbau foll erreicht werden durch den uner­bittlichen Zwang, die zu den heutigen engeren wirtschaft­lichen Verhältnissen in keiner Beziehung mehr stehen­den großen Warenläger in Bewegung zu bringen, da fein anderer Weg zur Erlangung von Kapitalien mehr offen bOeibt, als die Abstoßung der Warenbestände, na­türlich zu erheblich niedrigeren Preisen. Diese Liquidie­rung der Warenläger sst in größerem Umfange seit etwa 14 Tagen im Gange. Aeußerlich ist sie erkennbar an

(Selb

4,19

19,65

157,51

18,305

22,94

74,81

57,85

18,70

71,22

58,35

111,72

12,51

5,94

verstehen sich

dem Rückgang des Großhandelsindexes und einzelner Rohstoffe (insbesondere ber flaute unb Felle), während bia Auswirkung bis zu den Preisen des Detailhandels erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit beansprucht. Es be­stätigt sich bamit die Prognose, die schon vor. Monaten von einsichtsreichen Wirtschaftlern gestellt, von ber Wirt­schaft selbst aber hartnäckig abgelehnt mürbe.

Wenn mft die Verfassung des Geldmarktes be­wachten, so scheint sie dem SBorbergefagten zu wider­sprechen, da sich eine fühlbare Erleichterung durchgesetzt

— Mtteldeutsch« fiäuteauktion- Am zweiten Tage der in Er furt abgehaltenen mitteldeutschen Häute- auktwn von Thüringer Gefälle war die Stimmung fest. Der Besuch war wie gewöhnlich stark. Die Preise gingen um 10—15 pCt. gegenüber der vorigen Aukiion zurück: Fresser ohne Köpf 80 Pfg., mit Kopf 84 Pfg„ Kalbfelle Leiste ohne Kopf 122'/-—133V«, mit Kopf HO*/.—1411/s, schwere ohne Kopf 123—126, mit Kopf 1093/«—116',», Schaffelle, vollwollige 53V«—60, halblange 57—59, kurzwollige 48V«—51V-, Blößen 33—35V«.

2. SUfL

Druck der Fuldaer Acttendrnckerei ht Fulda

Das heideschlotz.

Roman von Marie Harling.

33] (Schluß.)

Irmgard nickt bedächtig.

„Irmgard hat Onkel Heinz lieb, aber Onkel Heinz darf nicht immer so traurig ausfetjen."

„Wir wollen Onkel Heinz schon fröhlich machen und ihn das Lachen lehren, du und ich, Irmgard — meinst M nicht?"

Wieder nickt bas Kind bedächtig, forschend schaut cs Zu Heinz empor. In diesem Augenblick kommt die kleine Gesellschaft aus dem Garten zurück. Grete gewahrt den Stuber zuerst, herzlich heißt sie ihn willkommen. Horst wirft dem Schwager einen fragenden Bffck zu, doch dieser zuckt kopsschürtelnd die Schultern.

„Wir müssen Geduld haben, Horst!" sagt er später, als sie einen Augenblick allein sind. „Ich habe ja bie Hoffnung nicht ganz aufgegeben —r immerhin aber wird ttoch eine Spanne Zeit vergehen, ehe Elsa imstande ist, sich einem neuen Glücke zu erschließen."

Von nun an ist Heinz täglicher Gast im Heidffchloß. Srmgarb eilt ihm stets jubelnd entgegen, denn täglich hat er eine neue Ueberrafchung für sie bereit.

Für Elsa verstreichen die Tage still und friedlich. Sie ist meist in Gesellschaft ihres Vaters; es ist, als ob Ru­dolf Vandersttaaten jetzt geize mit jeder Minute, die er feiner Tochter widmen könne. Die Leitung der Fabrik ruht ganz auf Heinzens Schullern, und diesem ist jede Arbeit willkommen, hilft sie ihm doch am besten über die neue Täuschung hinweg, die ihm Elsa bereitet. Oft schon hot er sich vorgenemmen, das Heideschloß zu meiden, doch immer wieder lenken sich seine Schritte dorthin; es ist. als ob ein Magnet ihn geheimnisvoll anzöge.

So verstreicht der Sommer, und der Herbst kleidet die Heide in ihr Prachtgewand; sie ist wie ein Meer, in dessen Silberwellen sich flammendes Abendrat spiegelt, liegt sie unter der tiefblauen Himmelskuppel.

Frau Elsa wandert fo gern hinaus in das brennend- rote Blütenmeer. Unter den silberweißen Hängebirken am Torfgraben sitzt sie dann und schaut sinnend in die •Seite, indes grau Hedwig unb Klein-Irmgard ün

blühenden Heidekraut liegen und sich jauchzend Kränze ins Haar flechten. Eine stille, innerliche Heiterkeit liegt auf Elfes Zügen; sie ist zufrieden mit dem Leben, wie es sich ihr jetzt bietet, sic glaubt abgeschlossen zu haben mit Liebesleid und Liebesglück. Für Heinz fühlt sie schwesterliche Zuneigung, sie behauptet wenigstens, nicht mehr zu empfinden.

Dom Heideschloß her kommen Vanderstraaten und Heinz; scharf heben sich ihre dunklen Gestalten vom lichten Himmel ab.

Frau Elsa hat die beiden nicht gesehen, da sie ihnen halb den Rücken wendet. Irmgard unb Frau Hedwig aber eilen den Herren fröhlich lachend entgegen.

Vanderstraaten bleibt plötzlich stehen; sein Auge blickt bezeichnend auf Elsa.

„Heinz, warum versuchst du t ;in Glück nicht noch ein­mal? Willst du es zum zweiten Mal durch eigene Schuld aus der Hand gleiten lassen?"

Heinz wird rot, ein Zucken läuft um feinen Mund.

„Ich versuchte es schon einmal, zu reden, Onkel Rudolf, aber sie lieh mich nicht zu Worte kommen."

„Solch em Hasenfuß bist bu gemOrben, Junge? Früher würdest du dich von einem einmal gefaßten Ent­schluß nicht so leicht haben abbringen lassen."

„Ja, früher, Onkel Rudels — früher trugen Elsas Züge, ihre Singen einen anderen Ausdruck. Kindlichen Trotz kann man lachend brechen — Trauer, die das Leid dem Menschen ins Antlitz gezeichnet, verleiht ihm eine hrheitsvolle Würde, die ein Ehrenmann stets respektieren wird."

„Du hast red};, Heinz! Und ich baute dir im Namen meines Kindes für deinen edlen Sinn. Dennoch sage ich dir: Versuch« es noch einmal, ich bürge dir dafür, daß Elsa dich nicht abweist."

Fragend schaut Heinz auf den alten Herrn.

„Onkel Rudolf, haft du irgend welchen Zwang auf Elfe ausgeübt? Ich kann nur mit ihr glücklich werden, wenn sie sich aus freien Stücken mir zu eigen gibt, eine aufeezwungene Ehe würde uns unglücklich machen."

Vanderstraaten lächelt; ein eigentümlicher Blick zuckt aus feinen Augen.

„Heinz, Heinz! Welch ein Philister bist bu geworden! 2ch mein Kind zur Ehe zwingen? Niemals? Ich will

doch mein Kind nicht noch einmal unglücklich machen. Nein, ich habe in letzter Zeit nur viel auf Elfes Sieben geachtet, unb ihnen habe ich manches entnommen, was mich auf die Vermutung bringt, Elsa liebt dich, Heinz — sie weiß es mir selbst nicht. Also mutig noch einmal einen Anlauf genommen, der Sieg wird dein sein. Dem Mutigen gehört die Welt, auch das Weib. Frauen lieben an Männern nichts so sehr als Mut unb Tatkraft."

„So — Hedwig. Irmgard, wir drei wollen einmal als liederliches Kleeblatt die Heide durchstreifen!" wendet er sich an die Hinzugekommenen, „Onkel Heinz wirb der Mutter ein wenig Gesellschaft leisten. Soll er nicht?"

„Irmgard will auch bei Onkel Heinz bleiben!" bettest die Kleine.

„Heute nicht, Liebling — heute gehst du mit dein Großpapa. Aber vielleicht spielen wir heu!« abend zu- fentr.ten, wenn du mir einen schönen Strauß Heide- blumen pflückst!"

Zwar blickt die Kleine noch verlangend zu Heinz hinüber, doch geht sie gehorsam mit dem Großpapa, dem ge-liebten Onkel Heinz noch «in« Kußhand zuwerfend.

Dieser hat inzwischen den Hügel erreicht, auf dem Frau Elsa sitzt, von goldenem Abendlicht umflossen. Ein wunderliebliches Bild: die schlanke, weißgekleidete Frau unter dem lichtgrünen Laub dach der Birken inmitten der purpurnen Heidebluten. Heinzens Her.; schlägt ungestüm, und ein unbändiges Verlangen kommt über ihn, die holde Gestalt an sein Herz zu ziehen.

Erschrocken springt Elsa auf, als sie plötzlich hinter sich ihren Namen nennen hört, leise Zwar, aber so voll tiefer, inniger Liebe.

Heiße Glut bedeckt Stirn unb Nacken, die Hand fährt nach i'-rn zuckenden Herzen, ein Zittern überfliegt die schlanke Gestalt.'

Heinz jchiingi den Ann um sie, wie um sie zu stützen, und sie lehnt den Kopf für einen Augenblick an seine Brust.

Da, als et 'et' süßes, langersehntes Glück in seinen Armen spürt, t" kann er seiner heißen Liebe nicht länger gebieten, er neigt sich über Elsas süßes Gesicht und küßt bie zuckenden, roten Lippen.

Ms er das Erschauern fühlt, das durch Elsas Körper geht, wird er sich feiner Kühnheit bewußt. Totenblässe bedeckt fein Antlitz, seine Arme sinken wie erstarrt herab.

„Verzeih, Elfe! Deine berückende Schönheit hatte mich bezaubert, ich war meiner Sinne nicht mächtig!" stößt er heißer hervor. „Ach, Kind, du weißt j» nicht, was ich um dich gelitten, wie ich nur mit Aufbietung aller Kraft mich beherrschen konnte! Was nun werden wirb, Elsa? Ich weiß nicht, wie ich jetzt noch leben soll, nachdem ich ein unaussprechliches Glück genossen — Elfe, das wage ich nicht auszudenken!"

Da blickt Elsa mit einem lieben Lächeln zu ihm empor; ans ihren dunklen Augen blitzt es wie verschleierte Schalkheit.

„Ich weiß es aber, du lieber Heinz! Sieh, die Siebe des trotzigen Kindes war begraben im tiefsten Winkel meines Herzens; im Grabe aber hat sie sich zur tiefen, reinen Liebe des bewußten Weibes umgewandest. Doch auch diese Liebe schlies noch — dein Kuh aber, mein Heinz, hat sie aufgeweckt."

„Elsa! Du könntest mich lieben — bu willst wirklich mein werden?" jubelte Heinz.

Sie reichte ihm beide Hände.

„Wenn du mich haben willst, so nimm mich hin!" antwortet sie schlicht.

Durch den sinkenden Abend wandern zwei glücklich« Menschen dem Heideschlosfe zu, und bas Glück wandert mit, es tritt mit ein und füllt die großen Räume mir warmem, belebendem Schein. Es lacht aus den Augen der Menschen, die fortan in Liebe und Frieden im Heide- schloß wohnen.

Klein-Irmgard bekpm.ut Brüderchen und Schwester­chen, sie alle sitzen auf den Knien des Großpapas, sie hängen an bett Kleidern der jungen Großmama, und beide werden wieder zu Kindern mit den Kindern.

Alle aber, die der Weg ins Heideschloß geführt, treten heraus mit einem stillen, versonnenen Lächeln; sie feuf. zc-t- auch wohl ganz leise und heimlich, aber es ist fest- samerweise nicht einmal Neid dabei, wenn sie verlangend sprechen: „Wer es doch auch so gut hätte! Welch em Glück wohnt doch im Heideschloß!"