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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

51. Zahrg

Dienstag, 27. Mai 1924

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Deutschlands Schicksalsfrage

vor: In Belfort find der ersten Sammer

fort und Alger liegt jetzt die beiden Radikassozialisten

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Berautwortlili, iüx die SchrMettung! Dr. Johannes «tarnet. Anzeigen: I. P arzelier, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der - Fuldaer Krtienbniderei in Fulda. Fernsvrecber Nr- 9. a BezugsdreisfürNai: Bostbestellung 1.80.Stadtbezug 1.80«k.

herriot.

Herrint, bisher Bürgermeister von Lyon, der Führer der französischen Linken, gilt jetzt allgemein als Nachfolger Poincares. Er äußerte sich in den letzten Tagen wiederholt über fein politisches Programm.

wtb Paris, 26. Mai. (XeL) 3n einem In­terview, das Hernot gestern einem Vertreter des Petit Journal" gewährte, erklärte er unter ande- rm, er fei überzeugt, daß die neue demokratische Atmosphäre die meisten Schwierigkeiten mit England beilegen werde. Andererseits sei nie­mand mehr für Wiederher st ellung nor­maler Beziehungen zu Deutschland wie er sherriot). Wenn aber Deutschland sich wieder dem Imperia­lismus zuwende, wenn Deutschland es ablehne, Frankreich gegenüber die Reparationen zu beglei­chen, so werde jeder Versuch, den Frieden herzustel­len, paralysiert werden. Seine Politik Deutschland gegenüber werde eine Politik der bona fides sein, aber nur dann Früchte tragen, wenn er es mit der gleichen bona fides auf der andern Seite zu tun habe. Was die Sowjets anlange, so «iei er durchaus geneigt, die Beziehungen zu ihnen wie­der aufzunehmen, aber er lehne es ab, sich den in- ternalionalen Aufforderungen von Moskau zu fügen.

In der sozialistischen Partei tobt noch heftiger Streit für und gegen eine mehr oder minder aktive Teilnahme an der Regierung.

Die Anerkennung Rußlands.

Wtb London, 26. Mai. (Tel.) Der Pariser Berichterstatter derTimes" meldet, daß Herriok seine ursprüngliche Absicht auf Anerkennung der Sowjetregierung geändert habe und bereit sei, so­fort nach Bildung des neuen Ministeriums ohne jegliche Bedingungen die Sowjets anzuer­kennen. Der Gedanke hat nicht die Billigung zahlreicher Radikalen gefunden, die die Anerken­nung als Zugeständnis an die Sozialisten ansehen. Es wird erklärt, daß die Sowjetregienmg bis zum 10. Juni anerkannt wird.

Herriot, der als erster Franzose in offizieller Stellung Beziehungen zu Sowjetrußland ange- tnüpft hat und Moskau besucht hat, dürfte in der Tat Anstrengungen machen, die russisch-franzö­sischen Verhältnisse zu klären.

Stichwahl-Ergebnisse.

wtb Paris, 26. Mai. (IeL) Das Ergebnis der beiden noch ausstehenden Stichwahlen in Bel-

Deutsches Reich.

* Gedächtnisfeier für Schlageter. In Schöna, im Wielental fand zur Erinnerung an die bo; Jahresfrist in Düsseldorf erfolgte standrechtliche Er. schießung Schlageiers am Grabe Schlageiers auf dem Friedhose in Gegenwart der Familienange­hörigen eine Gedächtnisfeier statt, die von den batet- ländischen Verbänden, insbesondere dem Inngdeut- schen Orden, veranstaltet worden war. Zahlreiche Abordnungen dieser Verbände aus Thüringen, West­falen, Rheinland, Hessen, Württemberg, Baden usw. waren erschienen und legten ebenso wie Vertretungen der studentischen Körperschaften der Hochschulen Frei­burg und Karlsruhe mit kurzen Widmungen Kränze am 'Grabe nieder. Auch viele Regiments- und Krteger- vereine waren durch Deputaiionen vertreten. Der An- und Äsmarsch der Abordnungen vollzog sich in vollkommener Ruhe.

Boi öet MslsMWW.

Rüstung gegen die Kommunisten.

Die Vorkehrungen zur Sicherung des Reichstages bei der Eröffnung am Dienstag find ganz außerordentlicher Natur. Die Kommu- niften haben bekanntlich ihre Organisationen auf» gefordert, Delegierte zu schicken, die mit Tri­bünenkarten ausgestattet werden sollen, um schon in der ersten Sitzung beabsichtigte D e m o n str a- tionen der Kommunisten wirksam zu unterstützen. Darauf hat sich der Reichstagsvräsident veranlaßt gesehen zu bestimmen, daß in den ersten Sitzungen Karten nur ausgegeben werden, die vom Reichs- t a g s b ü r o selber ausgestellt worden sind. Ge­gebenenfalls ist vorgesehen, das Haus für die Be­sucher überhaupt zu sperren.

Auch die sonstigen Maßnahmen zur Sicherung des Reichstagsgebäudes sind sehr umfassend getrof­fen worden, insbesondere was den p o l i z e i l i ch en und militärische'n Schutz angeht. In der. sämtlichen Höfen wird Schutzpolizei in Reserve ge­halten, ständige Streifen werden die ganze Umge­bung des Reichstages abkontrollieren, im Haufe selber fft ein umfassender Sicherungsdienst einge­richtet.

Soziales.

Ein deutsches Frauenparlament. Unter starke. Anteilnahme aus allen Gauen Deutschlands begänne» im Bürgersaal des Rathauses die Verhandlungen der vierten Generalversammlung des Verban­des deutscher Frauenvereine. Die Vor­sitzende, Frau Anna Gerhardt-Altenburg, leitete die Tagung mit herzlichen Begrüßungsworten an die große Versammlung ein und entbot insbesondere den Schwe­stern des besetzten Gebietes einen besonderen Gruß. Die Stadt Frankfurt ließ dem Kongreß durch Bürgermeister Gras einen Gruß entbieten. Besonderen Beifall fanden die Begrüßungsworte von Frau Therese Wagner-Wies- baden, die für den Reichsbund landwtrtschaftl. Frauen­vereine sprach. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Frau Dr. Rosa Kämpf- Mannheim über Staat, Wirtschaft und H a u s h a l t". Redne rin forderte eine viel stiirkere Beteiligung der Frau am öffentlichen Leben und eine mög­lichste Vervollkommnung der Technik im Haushalt, um die Hausfrau von der Arbeitslast zu befreien und sie wieder mehr geistigen Zielen zuzuführen. Gleichberechtigt sollten mtt allen anderen Frauen auch die Arbeiterfrauen sein. Der Bauernstand habe sich durch den Zusammenschluß zu Genossenschaften, um Produktion und Konsumtion zu erleichtern, von einem großen Teil der Arbeitslast, die früher auf chm ruhte, befreit. Abends fand ein Vortrag von Professor Dr. Behrend-Mannheim überWirtschaft und Kultur" statt.

wiedergewählt worden. 3n Alger wurden zwei Liuksrchmblikaner gewählt.

Macdonald und Poincare.

DemJntransigeant" wird aus London berichtet, Ramsay Macdonald habe Poincare einen neuen Brief zustellen lassen, in dem der Wunsch ausge­sprochen werde, die zwischen den beiden Minister­präsidenten in der letzten Zeit gepflogene Korrespon­denz zu veröffentlichen.

Was wird geschehen?

Aus dem Reichstag schreibt uns einer unserer parlamentarischen Mitarbeiter:

Die Zentrumspartei weist mit Recht unter Be­rufung auf das Wahlergebnis darauf, daß die Mehrheit der Wähler sich für die Fortsetzung der bisherigen Politik, insbesondere der Außenpolitik ausgesprochen habe. Daraus ergeben sich nun aber ganz bestimmte Kon­sequenzen. Wenn ein solches Ergebnis vorliegt, dann ist für die gegenwärtige Regierung nicht ohne weiteres die Veranlassung zu ihrem Rück­tritt gegeben. Sie wird es daher darauf an- ksmmen lassen "müssen, ob der neue Reichstag sie stürzt. Wir halten es daher für geboten, daß die jetzige Regierung vor den neuen Reichstag tritt, ihn befragt, ob er die bisherige Politik Weiterführen will, und gleichzeitig die Bereitschaft zu einer den veränderten Parteiverhältnissen entsprechenden Um­formung der Reichsregierung ausspricht. Mrd die Regierung dann gestürzt, dann müssen in aller Oeffentlichkeit die stürzenden Parteien die Verantwortung für die Neubildung übernehmen. Sind die Deutschnationalen die Stürzer, dann ha­ben sie vor dem Lande die Pflicht, zu sagen, was für eine Politik nach innen und außen sie treiben wollen. Und zwar muß das wiederum vor dem ganzen Lande in aller Oeffentlichkeit geschehen, und dann müssen die Deutfchnationalen versuchen, auf Grund dieses Programms eine neue Regierung zu schaffen. Wir halten diesen Weg für den besten, um ganz klare politische Entscheidungen zu treffen, die v o r l i eg en müssen, wenn das Volk erneut zur Wahl gerufen werden "muß.

Dis Zentrumspartei wird bei dieser Sach­lage zweierlei tun müssen. Einmal sich energisch für die Fortsetzung der von ihr bisher geführten und durchaus bewährten, und nun auch vom Volke ge- bilügten Politik einzusetzen, zum Zweiten aber, G e- wehr bei Fuß zu stehen bei dem Versuch der Deutschnationalen, eine neue Regierung zu bilden. Das Zentrum verteidigt diese bisherige Poliük und erwartet von denen, die die Geschäfte weiter zu führen beabsichtigen, den Nachweis, daß sie mit ihren Methoden "Besseres für Land und Volk erreichen könn

Huslanö.

* Ein Press Prozeß in Paris. In dem P-ozeß desMalin" gegen dieHumanste" aus Anlaß der Entbüllungen des letzteren Blattes über die finanziellen Beziehungen der französischen Presse zu gewissen ruisiichen Regierungsstellen sind der Abgeordnete Marcel Cachin als verantwortlicher Herausgeber und Boris Suwerin als Redakteur derHumanste" solidarisch zu 200 Fr. Geldstrafe und 10000 Fr. Schadenersatz verurteilt worden. DerMalin" hatte 500000 Fr. Schadenersatz verlangt.

* Kommunistenkongrcß in Moskau. Im Kreml in Moskau wurde der brer-ebnte Kongreß der rus­sischen Kommunistischen Partei eröffnet, an dem 740 Delegrer'e mit beichließender und 402 Delegierte mit beratender Stimme teilnehmen.

durch Beseitigung der Zwangswirtschaft auf allen Gebieten. Mit der Wiederherstellung der freien Wirtschaft müsse aber auch die Wieder­her st ellung der Autorität des Staates Hand in Hand gehen. Dahin könne man jedoch auf de'm Wege parteipolitischer Eigenbrödelei nicht kommen, ondern nur dadurch, zunächst Arbeitgeber und Ar­beitnehmer zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen- zuführen. Diese müsse versuchen, an die Stelle des Herrenstandpunktes und des Klassenkampfes Ve r- öhnung und Ausgleich der Interessen zu etzen. Derr Redner schloß namens des Hanfabun- des mit dem Appell, angesichts der Gefahr für Staat und Wirtschaft alles Parteipolitische beiseite zu lassen.

Sodann erhielt Reichswirtfchaftsmmifter H a mm das Wort, der auf die schwere Krise der deutschen Wirtschaft hinwies und mit einer Mahnung zur Einsicht schloß, daß Deutschland arm geworden fei und seine Ausgaben beschränken müsse. Dann nahm, von der Versammlung lebhaft begrüßt, Dr. Schacht das Wort zu feinem Vortrage über die deutsche Währungspolitik.

Ausgehend von der ©tabitifieruna der Währung, »erb.rettete sich der Redner hauptsächlich über die heutige Politik der Reichsbank und ertlärte, das Mittel der Inflation schwäche die Erkenntnis der Lage, wahrend das Mittel der Kreditdrosselimg jeden Einzelnen dazu bringe, die letzten Reserven materiell und geistig aus sich und seinen Hisfskrästen hermrsMhalen. Mehr afe le gelle heute das Wart: Besitz ist nichts. Erwerb ist alles. Was nun die Forderungen an die Reichsbank um Kreditgewährung anbelange, so könne die Reichsbcmk einerseits keine Renremnark mehr ausgeben und musie die bestehende Reserve von 300 Millionen sich erhalten, so sei andererseits aber auch mit Rücksicht aus die vor­handene Golddeckung von ungefähr 450 Millionen Gold­mark, von denen die Hälfte für die Einlösung der Dollar­schatzanweisungen reserviert bleiben müsse, das Maxi­mum in der Papiergeldausgabe erreicht. Ebenso un­möglich sei aber auch eine Diskonterhöhung und nicht minder unausführbar der Vorschlag, den Einheitskurs für den Dollar in Berlin nicht so starr festzuhalten.,Was nun die Auslondskredite anlange, fo sei xur Beruhigung des Auslandes und der ausländischen Kreditgeber, von denen Deutschland in der letzten Zeit sehr viel Guter erfahren Hecke, festgestellt, solange die Kredite sich auf die anständigen deutschen Wirtschaftskräfte erstreckten, könn­ten die Geber überzeugt fein, daß her deutsche Kaufmann keine Kredite in Anspruch nehmen werde, die er nicht uirückuriahien in der Lage fei. Im übrigen seien kurz- sristige Auslandskredite genug vorhanden. Langfri­stige Investitionen aber werde Deutschland erst erhal­ten, wenn es auf Grund des Sachverständigengutachtens Stabilität in seiner Wirtschaft erhielt haben werde. Auch der Landwirtschaft müßten wieder langfristige Anleihen ^ugeftihri werden. Sie sollte deshalb bedenken, daß Deutschland im Falle der Lösung der internationalen Schwierigkeiten voraussickMch in der Lage sein werde, den üemschen Agrarpfandbrief , in der Welt .zumindest in ähnlicher Weise tu plazieren wie früher Argentinien und Mexiko das getan haben. Für die Zwischenzeit gelte es, die Notverordnungen vom Juni 1923 fo mnzu- gestalten, daß ein großer Teil der neu lieramvachsenden Sparkapitalien in erfter Linie der Landwirtschaft angeführt werde. Er hoffe, daß die devorftehenden Er­hebungen die Lösung bringen werde, die den unfrucht­baren kurzfristigen Agrarkredit in einen langfristigen zu ermäßigten Zinssätzen verwandele.

Wir werden, schloß Dr. Schacht, zu neuem Ge­deihen unserer Wirtschaft nicht kommen, wenn wir nicht einen friedlichen Ausgleich mit den Wirt­schaften anderer Völker finden. Ich hoffe, schloß Dr. Schacht, daß die Einsicht in diesen internatio­nalen Zusammenhang auf der anderen Seite stark genug ist, um uns einen Schritt in unseren Schwie- rizweiten entgegenzukommen. Ich sehe einen solchen Schritt auch auf dem Gebiete der Kolonial- Politik; Deutschland darf nicht aus ewig von der Kolonialwirtschaft ausgesperrt werden. Es würde eine Entlastung der internationalen Lage sein, wenn man Deutschland einen Auslaß in die Welt hin- ausgibt. Ich glaube, daß der Kampf, den wir geführt haben, auch dem Ausland die Augen ge­öffnet hat. Wir sehen die Stimmung der Welt be- ' herrscht von de'm Gedanken:Los von dem inter­nationalen Haß und zurück zu friedlicher inter- nationater Arbeit." (Lebh. und langanhaltender Beifall.)

Auf die Rede Dr. Schachts folgte ein Vortrag des Präfidenten der österreichischen Bank, Reisch, über die österreichische Sanierung und ein Referat des Präsidenten des Hansabundes, Reichstagsabg. Dr. Fischer, über das ThemaWirtschaft und Sachverständigengutachten". Wir geben unser Ja zu diesem Gutachten, so schloß der Redner, weil wir in ihm zum ersten Male den Versuch einer wirt­schaftlichen Lösung des Reparationsproblems er­blicken, der trotz aller Bedenken ein Schritt zum Wege der Vernunft ist. Die Tagung fand damit ihr Ende.

Dieblutige Hedwig"

Die Kommunisten haben schon allerlei Attrak­tionen m ihrer neuen Reichstagsfraktion zu ver­zeichnen, von denen Katz und Scholz aus dem Preußischen Landtag nicht die geringsten sind. Aber sie all» stehen doch unter dem Pantoffel der schon anarchistisch gerichteten Ruth Fischer. Diese hat nun den bisherigen Landtagsabg. Schu­man n, der auch in den Reichstag gewählt wurde, aus der Partei herausgeworfen, weil er nicht radi­kal genug ist, und ihn veranlaßt, sein erst gewonne­nes Reichsmandar niederzulegen. Schumanns Nachfolger wird Hedwig Krüger aus Halle fein, die in jener Gegend als dieblutige Hedwig" bekannt ist. Sie hat seinerzeit bei dem Hölz-Putsch eine ganz rabiate Rolle gespielt und man hat ba- mals von ihr gesagt, daß eine Megäre noch ein sanftes Lämmchen gegen bteblutige Hedwig" sei. Das kann gut werden.

Die völkische Reichstagsfraktion.

Die Fraktion der National so zialistis djet Freiheitspartei hat ihren Vorstand folgender­maßen zusammengesetzt: Vor sitzender Aba. v. Gräfe, Stellvertretende Vorsitzende die Abg. Gottfried Feder und Graf Reventlow, Beisitzer die Abg. Jakob und Wnlle, Geschäftsführer der Fraktion Avg. Henning, Mitglied des Vorstands ohne Amt Abg. Ludendorff. Ferner faßte die Fraktion eine Entschließung, in der es heißt: Es ist der Wille der völkischen Führer Ludendorff, Hitler und Gräfe, daß alle ihre An­hänger im ganzen Reiche künftig nur noch eine ein- zige gemeinsame politische Organisation bilden soll. Die von der Nationaliozialistiichen deut- scheu Arbeiterpartei, der Deutsch-völkischen Freiheits- Partei und anderen befreundeten völkischen Bereini­gungen gewählten Reichstagsabgeordneten haben demgemäß auch eine vollkommen einheitliche Fraktion unter dem NamenNationalsozialistisch» Freiheitspartei" zu bilden.

Das Gutachten.

Von einem Pari amen tarier.

Im Mittelpunkt großer und ernster Entscheidun­gen steht das Gutachten der Sachverständigen. Man mochte wünschen, daß jeder politisch interessierte Deutsche dieses Gutachten genau studieren würde. Leider ist Lieser Wunsch nicht zu erfüllen- Ja, in den politifchen und parlamentarifchen Krei- stn selber sst es kaum möglich, die Bedeutung und Wirkung dieses Gutachtens nach allen Seiten hin ,u übersehen. Was in 180 Drucksetten als Ergeb­nis eingehender Untersuchungen ausläudsscher Sach­ständiger, Die auf die ernsteste Beachtung Anspruch erheben können, cm Auffassungen und Schlußsolge- nmgen zusammengetragen ist, greift in den Lebens- Organismus der deutschen Wirtschaft tief uni) nach- haltend ein.

Wenn nun die letzten Entscheidungen um dieses Gutachten gehen, so 'muß man sich klar darüber sein, daß es gewissermaßen einen Ersatz des Ver­sailler Vertrages darstellt. Dieses Gutach­ten schafft eine ganz neue Basis für die dsm- uächstige internationale Stellung Deutschlands so- awhl nach der politischen wie auch der mirh schaftlich en Seite. Die wirtschaftlichen Mo­mente stehen freilich im Vordergrund, aber die poli- tischen Zusammenhänge sind davon gar nicht zu trennen. Mit Willen hat sich das Gutachten auf wirtschaftüche Fragen beschränkt und es lehnt aus­drücklich das Eingreifen in die politischen u: ntili- tärischen Dinge ab. Aber trotzdem sind, und zwar außerordentlich geschickt, in dem Gutachten seiber eine ganze Anzahl von politischen Hmweifen und Randbemerkungen enthalten, die zeigen, welche po­litischen Entschließungen getroffen werden müsfen, um die wirtschaftlichen Dinge zmn Ergebnis zu brin­gen oder aber welche politischen Schlüffe aus den wirtschaftlichen Vorschlägen geigen wer­den müssen. Weiter gibt es eine ganze Reihe von politischen Fragen selber, die m dein Gutachten schon erledigt sind. So wird grundsätzlich ausgeführt, die Freiheit der besetzten Gebiete, die vollständige Verwaltungseinheit seiner Gebiete, die Beseitigung der Zollgrenze und dergleichen mehr Vorbedingun­gen sind für den Erfolg der Vorschläge auf wirt­schaftlichem Gebiet.

Was nun diese wttrschaftlichcn Geriete angeht, so fügt das Gutachten selber, daß es nicht das letzte Wort sprechen will, sondern daß es als eine Meinungsäußerung anzusehen sst, die wenn man ihr Folge leistet, den Weg für eine ! u n füge Entwicklung der Dinge zu zeigen vermag.

Man darf aber nun bei Bewertung dieses Gut­achtens auch seine ungeheueren Schwierig- leiten nicht übersehen. Vor allen Dingen darf man nicht verkennen die enormen Lasten und Verpflichtungen, die uns mit feinet Annahme aufgebüvdet werden. Darum ist es sehr zu be­dauern, daß man nicht rm ganzen Lande einen großen Ausklärungskursns über dieses Gutachten halten und jedem Deutschen die Folgen und Wirkun­gen der Vorschläge für die Staats- und Priavt- Wirtschaft, für jeden einzelnen Staatsbürger klar- machen kann. Das ist im Rahmen eines Zeitungs­artikels erst recht nicht möglich. Aber die Gelegen­heit muß ergriffen werden, um dem Volke zu sagen, daß man sich über die Schwere dessen, was jetzt Mr Entscheidung steht, keinen Augenblick einer Täuschung hingeben darf. Man braucht nur mitzuteilen, daß die Summe der von uns geforderten Jahresration s-L e i st u n g en der gesamten Summe aller vor dem Kriege in einem ganzen Jahre vereinnahmten Steuern, Zöllen und Einstigen Reichseinahmen gleichkommt, um zu er­kennen, welche fürchterlichen Belastungen unserer harren. Das bedeutet eine völlige Umorgcmisation unserer ganzen Wirtschaft, unserer Staatsbetriebe, unserer industriellen und gewerblichen Unterneh­mungen, bedeutet aber auch eine ganz andere In­anspruchnahme der Arbeitskraft eines jeden Einzelnen von uns. Wir werden mit wesentlich an- beren und einschneidenderen Steuerlasten demnächst $u rechnen haben, gegen die sich die steuerlichen Operationen der letzten Jahre noch geringfügig an- kchen werden. Wenn erst einmal die 'mit minde- ftvns einem Dutzend Gesetzen zu beziffernden Aus» sührungsakte des Gutachtens der Oeffentlichkeit mit- geteilt werden, wird man einen Ueberblick darüber bekommen, was die Abtragung der durch den ver­lorenen Krieg erwachsenden Schuldverpflichtungen für unsere ganze Wirtschaft und unser Volk als Tanzes bedeutet.

Dieser ernsten Seite des Gutachtens, das jetzt im Mittelpunkt aller großen Entscheidungen steht, müssen wir uns stets bewußt sein. Erft dann wer- ben wir die richtige Einstellung zu den Dingen, die ach jetzt entwickeln, gewinnen können.

Slime» öet MW» MWsk.

Am Sonntag hat unter außerordentlich großer Beteiligung in Hamburg der Hansabund für bewerbe, Handel und Industrie getagt. Reichs- «tgsabg. Rieher, der als Ehrenpräsident des Hmrfabundes die Tagung mit einer Begrüßung der mafte und Teilnehmer eröffnete, erklärte in einer £®be über die Aufgaben und Ziele des Hansabun- «s, als dessen wesentlichstes Ziel er den kategori- Amt Imperativ der Pflicht gegen das Vaterland "^zeichnete, der Wiederaufbau Deutschlands könne erfolgen im engsten Anschluß an die Stein» ^M^nbergfchen Grundgedanken, d. h. durch E nt- buno aller ehrlichen produktiven Kräfte und

Fuldaer Zeitung