M 125.
Sonntag, 25. Mai 1924.
Auldaer Ejeitnng
2. Blatt.
Druck -er Fuldaer Aetierrdruckerei i« Fulda
Die SkeWvM Der BeiOjsöanL
Don unserem wirtschaftlichen Mtarbeiter.
Die Reichsbankpolifik, namentlich hinsichüich der Kreditgewährung, ist in letzter Zeit Gegenstand austerorüentlich scharfer Angriffe. Die vielen geschäftlichen Zusammenbruche und die neuerdings sich mehrenden sogenannten Geschäftsaufsichten werden auf diese Politik und chre Folgen zurückge führt. Bei diesen Geschäftsaufsichten, die eine Einrichtung noch vom Kriege her sind, und zu dem Zwecke geschaffen wurden, dm durch die überraschenden Ereignisse in geldliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmungen gewissermaßen ein Moratorium zu schaffen, handelt es sich zwar nicht um finanzielle Zusammenbrüche nach Art der Konkurse, aber es ist klar, daß ein Unternehmen bis zum letzten kämpft, ehe es sich in eine solche Situation begibt. Es hat sich auch herausgestellt, daß diese Geschäfts- aufsichten hauptsächlich deswegen notwendig sind, weil die Unternehmungen ihre Außenstände, die oft erstklassiger Natur sind, wegen der Kreditnot nicht einbekommen können. Und es hat sich weiter ergeben, daß bei vielen solcher unter Geschäftsaufsicht gestellten Unternehmungen die Aktiva um mehrere Golümillionen über die Passiva hinausgehen. Die Aktien solcher Unternehmungen werden zwar unter der ersten Einwirkung derarfiger Nachrichten gedrückt, erholen sich aber rasch wieder.
Die Reichsbank wird und kann aber nach Lage der Dinge eine Aenderung ihrer Kreditpolitik nicht sintreten lassen. Es kann sich lediglich darum handeln, denjenigen Unternehmungen und Betriebszweigen, deren Preise sich unter Weltmarktpreis und vielfach, wie bei der Landwirtschaft unter Friedenspreis deswegen, mit stärkeren Mitteln auszuhelfen. Alle anderen Unternehmungen aber müssen im volkswirtschaftlichen Interesse ganz besonders scharf hinsichtlich der Kreditgewährung beurteilt werden. Im übrigen hat die Reichsbank heute schon 50 Proz. über die im Frieden gewährten Gesamt- kredite zur Verfügung gestellt. Wenn der Geldbedarf trotzdem größer ist wie im Frieden, so liegt das daran, daß man immer noch in weiten Kreisen von einer sog. Sachwerte-Psychose erfaßt ist, um deretwillen man lieber die Lager vollgepfropft dastehen läßt, als daß man sich entschließen könnte, gegebenenfalls auch etwa mit Verlusten, Werte freizumachen. Das alles wirkt wieder zurück auf den Effektenmarkt, denn es werden lieber Effekten, auch Dalutaeffekten, abgestoßen, als daß man sich von den auigestapelten Waren trennt. Das ist ein ganz und gar u n w i rt s ch a f t l i ch e s Verfahren, das eines Tages den betreffenden Unternehmungen sehr teuer zu stehen kommen wird.
Die Politik der Reichsbank beginnt sich aber jetzt erst allmählich auszuwirken. Es ist richtig, daß danach getrachtet werden muß, die jetzige Krisis zu einer Gesundungstrifte zu machen. Das ist aber nur dann möglich, wenn es nicht nur gelingt, die Währung zu halten, sondern auch alles zu tun. Um Einflüsse von außen her, die gegen die Stabilität dieser Währung sich richten, zu bekämpfen. Und hierbei kommt es in erster Linie darauf an, die lleberpreispolitik vieler Unternehmungen, namentlich der noch bestehenden Syndikate, zu bekämpfen. Denn es gibt auch eine Inflation von der Preisseite her eben durch ungebührliche Stei
gerung der Preisgrundlage. Am Devisenmarkt macht sich zunächst eine Erleichterung gellend, die Zuteilungen können verstärk: werden und mit der Fortsetzung dieser Entwicklung wird auch auf die Preispolitik am wirksamsten eingewirkt.
(Elternbeiräte.
Von Rektor Michels, Düsseldorf.
In diesem Jahre werden wieder die Wahlen zu den Elternbeiräten getätigt werden. Hier und da begegnet man wohl der Ansicht, daß die Einrichtung der Elternbeiräte, ein Produkt der Revolution, über- flüffig sei, zumal an vielen Orten, meist ländlichen, die Ellernbeiräte ein beschauliches Dasein auf dem Papier führen. Wir Katholiken müssen diese Einrichtung, die nun einmal besteht, mithelfen auszugestalten und zu einer segensreichen zu machen für unsere Kinder. Der jetzige Reichskanzler Marx sagt: „Die Arbeit der Eltern mit der Schule und der Einfluß der Eltern auf die Schule sowie der der Schule auf die Eltern sollen gewährleistet werden. Die Wünsche und Anregungen der Eltern, die sich auf den Schulbetrieb, die Schulzucht, die körperliche, geistige und sittliche Ausbildung der Kinder beziehen, und die über den Einzelfall hinaus von allgemeiner Bedeutung sind, sollen Gegenstand der Tätigkeit des Elternbeirates sein."
Mit dem 6. Lebensjahr übergeben die Eltern ihre Kinder der Schule, nicht, um von der Erziehung befreit zu sein, die jetzt der Lehrer allein besorgen müßte. Im Gegenteil. Vom 6. Lebensjahre sollen Eltern und Lehrer zusammen das Erziehungswerk fördern. Darum fft eine lebensvolle Verbindung von Schule und Haus eine erzieherische Notwendigkeit. Unterrichts- und Erziehungs- arbeit gelten ausschließlich dem Kinde. Es geht nicht an, die Erziehung des Kindes zu teilen, dem Lehrer den einen Tell der Erziehung zu überlassen, dem Elternhaus den anderen." Schule und Elternhaus müssen in wechselseitiger Unterstützung und gegenseifiger Verständigung die Arbeit leisten. Diejenigen, die in dem Elternbeirat nur eine Kontrollinstanz oder Auffichtsbehörde sehen, verstehen nicht den Sinn der Schule. Das Volk sollte sich bewußt fein, daß die Schule seine Schrtle fft und daß es mit der Schule zusammenarbeiten muß. Da stehen so viele und können nicht begreifen, daß die Elternbeiräte etwas anderes wollen als beauffichti- gen, kontrollieren, parteipolitisch und sonstig sich zanken, weil sie den Sinn der Schule noch gar so schlecht begreifen. Kind, Ellern und Lehrer sollen eine Gemeinschaft werden, in der kleinsten Gemeinschaft, der Familie, herrschen Vertrauen und Liebe; alle Glieder schaffen zusammen an der Ausstattung und dem Ausbau, helfen mit zum Wohlstand, so mutz es auch sein in der Gemeinschaft, die wir Schule nennen.
Ungeheuer viel kann von der glücklichen Zusammensetzung des Elternbeirates abhängen. An den konfessionellen Schulen müssen die Eltern darauf bestehen und durch den Wahlzettel bekunden, daß sie zunächst nur gute Katholiken in den Elternbeirat senden, solche, die nicht nur Tauffcheinkatholiken sind und im übrigen mit der Kirche gebrochen haben; es müssen zweitens Männer und Frauen sein, die Liebe und Verständnis für die Kinder, aber auch vor allem für die Arbeit
der Lehrer haben. Keine streitsüchfigen, rechthaberischen, sondern kluge und überlegende Väter und Mütter.
Die katholische Elternschaft muß ungesäumt jetzt an die Arbeit gehen, in Derbindung mit Lehrerschaft und Geistlichkeit die Personen auszuwählen, die für dieses Amt in Frage kommen. In allen Schulsystemen müssen sofort die notwendigen Vorarbeiten beginnen. Die Eltern müssen auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit hingewiesen werden. Der Termin der Wahlen wird von der Schul- auffichtsbehörde in den einzelnen Bezirken festgesetzt. Die Eltern müssen an den amtlichen Bersammlun- gen, die vom Schulleiter einberufen werden, zahlreich teilnehmen und sich an der Wahl des Vorstandes beteiligen. Alles notwendige Material (Broschüren, Flugblätter, Merkzettel usw.) für die Elternbeiratswahlen ist von der Zentral st elle der kathol. Schulorganisation Deutschlands, Düsseldorf, Wilhelm-Tell-Str. 16, zu beziehen.
ßus dem Nachbargebiet.
— Niederkalbach. Die hiesigen kirchlichen Vereine unternahmen, begünstigt von herrlichem Wetter, am Sonntag einen Ausflug nach Sonnet j. Ueber 100 Teilnehmer zogen froh und freudig durch die schöne Got- tesnatur zum Ziel, wo sie von dem ehemaligen langjährigen Seelsorger und Präses freudigst ausgenommen und gastlich bewirtet wurden. Noch lange iverden die schönen Stunden in Sannerz in dankbarer Erinnerung bleiben.
0 Hanau Vor dem Schöffengericht Hanau hatte sich am Donnerstag der Direktor ’S o 6 von der höheren Mädchenschule in Gelnhausen, der ehrenamtlich als Geschäftsführer der Beamtenbank e. G. m. b. H. in Gelnhausen tätig ist, unter der Anklage des vorsätzlichen Leistungswuchers zu verantworten. Am 23. November vor. Jrs. hatte ein in Wirtheim bei Gelnhausen wohnender, in Frankfurt tätiger Santangeftdltcr ein am 1. Dezember 1923 in wertbeständigem Gelbe rückzahlbares Darlehen von Goldmark 125 bei der Beamtenbank in Gelnhausen gegen 10 Proz. Bereitstellungsprovision und 6 Proz. Tageszinsen erhalten. Das Darlehen hatte der Bankangestellte benötigt zum Ankauf eines Schweines. Am 5. Dezember 1923 wurden 5 Goldmark zurückbezahlt und daraufhin, obwohl auch von einem Bürgen Erinnerungen erfolgten, nichts mehr unternommen, um die Schuld zu tilgen. Am 20. Dezember wurde dem Bankangestellten von der Beamtenbank eine Rechnung zugestellt, woraus zu ersehen war, daß die ursprüngliche Schuldsumme von Goldmark 125 sich um einen beträchtlichen Betrag vermehrt hatte. Es kam nun zum Erlaß eines Zahlungsbefehls und zu einem Vergleiche, der aber auch nicht gehalten wurde. Gleichzettig wurde aber auch ein gerichtliches Verfahren gegen den Geschäftsführer Boß von der Beamtenbonk eingeleitet, welches damit endete, daß das Schöffengericht ihn wegen fahrlässigen Leistungswuchers zu Goldmark 100 Geldstrafe verurteilte. Die Sachverständigen waren der Ansicht, daß bei einer Zurückzahlung in wertbeständigem Gelde die von der Beamtenbank angesetzten Beträge für Taaeszinsen als zu hoch zu bezeichnen seien. In diesem Sinne enffchied auch das Gericht. ______
Neues aus Frankfurt.
— Ein Mann, der 50 Mäntel stahl. Am Fahrkartenschalter des Hauptbahnhofes wurde der 24jährige Hans Reul aus Herne in dem Augenblick verhaftet, als er einem Reisenden den Diantel stehlen wollte. Reut ging, stets mit Studenten kappe und Kou le urband Eine Haussuchung bet ihm beförderte eine gewaln e Zahl von Pfandscheinen über gestohlene und versetzte Pfandscheine an das Tageslicht. Der Bursche gestand
bisher 13 Mänteldiebstähle em, die Zahl der gestohlenen Mäntel wird von der Polizei auf Grund des Beweis- materialS auf mindestens 50 geschätzt. Auch als Dieb zahlreicher Fahrräder kommt der Jünglin i, der aus den Erträgnissen seiner Gaunereien ein recht gutes Leben führen konnte, in Frage.
— Lohomotiv-Lntgleisung Am 22. d. M. um 7 Uhr 27 Minuten vormittags entgleiste bei der Einfahrt des Güterzuges 8705 in den Bahnhof Frankfurt a. M.-Süd die Lokomotive mit Tender. Personal ist nicht verletzt worden. Der Zugverkehr konnte aufrecht erhalten werden. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht bekannt.
Berliner Kursbericht.
Deutsche Sfaatspapiece.
22. 5.
23. 5.
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9,0
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Versicherungs-Aktien
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115,0
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Eisenbahn-Aktien.
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Schisfahrt-Werke.
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18,875
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Tleptun Dpfld).
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Verein. Elbe
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Dank-Aktien.
Bonn. Crebitbank Bonr. K. u. U)bk. Barmer Bank-V Berliner (janbelsb. Cammer bank Danz. Privatbank Darmstädter Bank v. flfiat. Bank
0,3
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4,5
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7,87
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18,5
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Reichsbank
23,0
23,75
Industrie-Aktien.
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16,0
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Bafalt
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