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Nr. 123.

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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.

Verantwortlich iür die Schrntleüung: Dr. Jobanned ikramer. Anzeigen: I. P arzeller. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der :: Fuldaer «ctiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher St. 9. s

B e zu sS drei s für Mai- Postbestellung i.so. Stadtbe,ug1.S0Mk.

Sonntag, 25. Mal 1924.

Anreigen-Preiie: Kleinzeile (Colonel) lokal 0.15 Soldmart auswärts 0,20 Soldmart, Reklamezeile lokal 0,60. Soldmark auswärts 0,80 Goldmark. r.

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51. Zahrg.

Die BeftiMn in Berlin.

Das Hin und Her Zwischen den Parteien hat noch zu keinem Abschluß geführt. Bei Leu Ver­handlungen am Freitag, die unter dem Vorsitz des Fraktionsvorsitzenden der Deutschen Volkspartei standen, sand eine eingehende Besprechung über die sachlichen Grundlagen einer gemeinsamen Re­gierungsbildung statt. Die Personenfrage wurde offen gelassen. Den Besprechungen lag eine von -er Deutschen Volkspartei herrührende, mit den an­deren Parteien besprochene Ausarbeitung- zu Grunde. Die Verhandlungen wurden allgemein als vertraulich bezeichnet. Sie werden am Sams­tag vormittag im gleichen Kreise fortgesetzt.

Die Bsamtengehalter

^rden, soweit die Grundgehälter in Frage kommen, 801,1 1- Juni ab auf 8 0 Proz. der Grundgehälter °°n 1913 umgestellt worden. Unter Hinzurech- ttu?9 der sozialen Zuschläge (Frauen- und Kinder- Zufchläge) nähern sich dann die Bezüge der ver- ^"«teten unteren Beamten mit mehreren Kindern von 1913, während immer noch die der $e=

**tten ht den mittleren und höheren Besoldungs- 9 unter Hinzurechnung dieser sozialen

Zuschläge mcht unerheblich hinter den Bezügen der ^rknegszeit Zurückbleiben. Bisher blieben die in den unteren Besoldungsgruppen noch um .-5?° 25 Proz., m den mittleren und höheren Be- ^°ungsgruppen bis zu mehr als 50 Proz. hinter Wn Bezügen der Vorkriegszeit zurück.

dErliu «nd München. Der preußische Gelchäfts- beini.1n München, Ministerialrat Denk, überreichte en, ^henschen Ministerpräsidenten von Knilling t-et6!lt bef preuhiichen Ministeipräfidenten SSri.f'L'Jl bem be preußische Regierung argen den a» i,; bayerischen Ministers des Innern Schweher Partei Em-

Etwas vonnationaler würde".

Don einem parlamenlarischen Mitarbeiter.

Wir stehen schon wieder einmal vor einem deutschnationalenWunder". Was hat man nicht seinerzeit alles in der deutschnationalen Presse lesen können über nationale Würdelosigkeit und ähnliches, wenn die jeweiligen deutschen Regierungen Erkun­dungen im Ausland über die dortige Auffassung zu bestimmten deutschen Schritten und Maßnahmen angestellt worden sind. Daß etwas Derartiges zum ganz selbstverständlichen Rüstzeug im internationa­len Verkehr gehört, wollten die Deutschnationalen nicht wahr haben, obwohl in früherer Zeit darüber überhaupt kein Wort verloren wurde. Es mußte auch sehr peinlich berühren, daß der Abgeordnete H e l f f e r i ch noch vor seinem Tode in einem Ar- tikes^der das Sachverständigen-Gutachten sehr heftig mit demzweiten Versailles" verglich, die von der deutschen Reichsregierung nach Paris entsandten Unterhändler alsStrohmänner der Entente" be­zeichnete. Und bei dieser Gelegenheit begegneten wir in der deutschnationalen Presse den üblichen Bezeichnungen wie: Ententeknechte, Söldlinge der Entente und dergleichen mehr. Jede Berufung auf die Meinung des Auslandes ist in dieser Presse geradezu als ein Landesverrat ausgeschrieen wor­den.

Undwassehenwirnun? Deutschnatio­nale Persönlichkeiten haben nicht nur in Berlin bei Persönlichkeiten des Auslandes, namentlich Eng­lands und Amerikas die Fühler ausgcstreckt, wie sie sich zu einer deutschnationalen Tirpitz-Reichs- kanzlerkandidatur stellen, sondern sie haben dieser- halb sogar in Parisangefragt. Wir aller­dings finden garnichts darin, denn es ist ganz selbstverständlich, daß eine solche Frage nicht unter völliger Beiseiteschiebung der Meinung des 'Aus­landes vollzogen werden kann. Aber es ist doch interessant, daß in der deutschnationalen Presse dieses Verfahren nicht etwa, wie das früher im um­gekehrten Fall geschah, als landesverräterisch und knechtisch bezeichnet, sondern als der Gipfel der politischen Weisheit gefeiert wird. Geradezu frohlockend stellt beispielsweise derBer­liner Lokal-Anzeiger" die Tatsache dieser Sondie­rungen in Paris fest und es klingt auch förmlich wie Triumph, wenn hinzugefügt wird, daß man bei den Sondierungen habe feftstellen können, daß das Ausland nichts gegen Tirpitz habe, lieber die Persönlichkeiten freilich, die sondiert haben, und die Quellen, bei denen diese Sondie­rungen oorgenommen wurden, hüllt man sich in Schweigen. Man kann sich also über die Güte der Informationen kein Bild machen. Aber es ist immerhin charakteristisch, daß von Persönlichkeiten, die zu den führenden stanzösischen Kreisen, die durch die Wahl zur Herrschaft berufen worden sind, auf das bestimmteste versichert wird, daß man es dort für ausgeschlossen hält, daß irgend etwas ge­schehen oder auch nur gesagt worden wäre, was die Deutschnationalen zu der Annahme veranlassen könnte, als wünsche man dort die Deutschnationa- len führend in der deutschen Politik zu sehen.

Es fft weiterhin von Interesse, daß in der deutschnationalen Presse immer wieder zur Be­kundung der hinhaltenden Stellungnahme zum Sachverständigen-Gutachten ausgeführt wird, die Deutschnationalen täten ia dasselbe rote Toincar e! Das hätte früher einmal eine andere Partei sagen sollen. Wir sind ja auf man­chesWunderbare" gefaßt gewesen. Aber daß wan den Begriff der nationalen Würde und den Vorwurf der nationalen Würdelosigkeit so kaut­schukartig verwenden kann, wie das jetzt in der deutschnationalen Presse geschieht, das gehört eben °uch in die Kategorie der Wunder, mit denen wir neuerdings beglückt werden.

Point6t6$ Schatten.

Die LondonerEvening News" veröffentlicht einen eingehenden Artikel Huddlestons aus Paris Über die Absichten P o i n c a r e s, der nach Ansicht Huddlestons das politische Leben noch Jahre lang beherrschen werde. Huddleston, der in den letzten Tagen eine lange Unterredung mit Poincare hatte, schreibt, P o i n c a r e sei keines­wegs niedergeschlagen. Er wisse, daß feine Politik von seinem Nachfolger ohne große Veränderungen fortgesetzt werden würde. Wenn Deutschland den Bericht der Sach­verständigen nicht vorbehaltlos und aufrichtig an­nehme, werde die französische Politik in b en Augen der Welt gerechtfertigt dastchen. In dem Artikel heißt es dann weiter, Poincare werde auch nötigenfalls ein greifen, um Revanche- oorbereitungen Deutschlands zu verhindern.

Alle offiziellen und inoffiziellen Meldungen be­sagten, daß die Gefahr niemals größer gewesen fei. Deutschland werde nicht so naiv fein, Frankreich direkt anzugreifen. Es werde vielmehr Mißgriffe des Friedensvertrags wie den polnischen Korridor oder die Danziger Frage dazu benutzen. Wenn der Kampf einmal begonnen habe, könne er nicht mehr lokalisiert werden, sondern werde allgemein werden.

Herrioks Vorbereitungen.

wtb Paris, 24. Mai. (Tel.) Der Abgeord­nete Herriok hatte gestern nachmittag eine zwei­stündige Unterredung mit dem Präsidenten des Senats, Doumergue. Rach der längeren llnter- redung, die Herriok am Vormittag mit Poincare hakte, unterhandelte er übrigens auch mit dem so­zialistischen Abgeordneten Moukek. der mit ihm auf derselben Liste gewählt worden ist. Rach dem Makin" hat Poincare den künftigen Ministerprä­sidenten über die mit den Alliierten eingeleiteken Verhandlungen unterrichtet, namentlich hinsichtlich des Sachverständigeoprogramms. Mik dem Se- nalspräsidenten soll nach dem gleichen Blatt der Abgeordnete von Lyon die Finanzlage studiert haben. Man habe sich dahin verständigt, daß die zukünftige Regierung den Ausgleich des Haushalts erzielen muffe, ohne die erforderlichen Mikkel durch Anleihen zu suchen. Der Senakspräsidenk hak be- sonders auf diesen Punkt hingewiesen, da die Erste Kammer dieser Frage große Bedeutung beilege. Herriok und Donmergue haben auch die Frage be­sprochen. welche Mitglieder des Senats in die neue Regierung einfrefen sollen.

Millerand.

wtb Paris, 24. Mai. (Tel.) DasOeuvre" wirst in seinem heutigen Leitartikel die Frage M i l l e r a n d auf und gibt zu erkennen, daß die Linksparteien wohl kaum mit dem bisherigen Prä­sidenten der französischen Republik zusammen ar­beiten wollen, jedenfalls Garantien von ihm verlangen werden.

Äu§ Bayern.

Der Landtag ist zum 3. Juni nachmittags ein» berufen worden.

In der konstituierenden Sitzung der kommu­nistischen Landtagssraknon wurde der Schlosser Schlaffer-München zum ersten Vorsitzenden, Frau Aschenbrenner zum zweiten Vorsitzenden und Stu- dienprofessor a. D. Mager zum Schriftführer ge­wählt. Die Wahl bedeutet einen Sieg der radi­kalen Gruppe innerhalb der Partei.

Die bayerische Dolkspartei.

wtb München, 24. Mai. (Tel.) Die Land- tagsfraktion der bayerischen Volksparkei trat gestern zu der konstituierenden ersten Frakkionssitzung zu­sammen. Bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden wurde Geheimrat Held zum ersten Frak- tiönsvorsihenden gewählt. Er erstattete ein Referat über die politische Lage, bei dem die Frage der Bildung einer neuen Soalitionsregie- rung im Vordergrund stand. An das Referat schloß sich eine Aussprache an, die heule fortgesetzt werden soll.

* DerTodesstrahl". Gestern wurde im poli­tischen Teil einer neuen kriegstechnischen Erfin­dung des englischen Gelehrten Matthews Erwäh­nung getan, lieber feine Erfindung äußerte sich Matthews vor Vertretern der Pariser Presse, seine Forschungen hätten ihm erlaubt, zwei neue Strahlen zu entdecken: den unsichtbaren auf Kurzschluß gestellten Hochspannungsfun­ken, und den niedergespannten violetten Kurz­schlußfunken. Der violette Funke wurde diabolischer Funke" genannt und ist ein starker Zerstörer. Herr Grindell Matthews ver­sicherte, daß feine Experimente absolut schlußfol­gernd sind und von englischen Medizinal-Fachleuten kontrolliert wurden. Der violette Funke, sagte er, zersetzt unfehlbar die lebende Zelle. Der englische Erfinder zeigte sich erstaunt, daß die Veröffentlichung über feine Erfindung so großen Schrecken Hervorrufen konnte, denn er habe nie daran gedacht, feine Erfindung als Zerstörungs­mittel verwenden. Hingegen glaubt er, daß diese auf therapeutischem Gebiet schätzens­werte Dienste leisten kann. Da die Erfindung es also ermöglicht, durch Strahlenbeeinflufsung von der Erde aus den Führer eines Flugzeuges zum Absturz zu bringen, ist die Sorge in militärischer Hinsicht und der französisch-englische Wettbewerb um. dies Patent erklärlich. -

Der Kampf im Ruhrbergbau.

kein kohlenmangel.

Wie dasB. T." von unterrichteter Seite er­fahrt, ist wegen des Kampfes im Ruhrbergbau für die deutsche Wirtschaft vorerst ein Kohlen- mangel nicht zu befürchten. Die Ein­führung englischer dezw. tschechoslowakischer Kohle komme nicht in Frage. Auch die Gasanstalten seien vorläufig mit Brennstoffen gut versehen. Die Stillegung geroiffer Werke im Ruhrgebiet infolge Kohlenmangels habe seine Ursache in der Auswir­kung der Micumverträge. Sollte sich bei längerem Andauern des Kampfes Kohlenmangel bemerkbar machen, so könnte sofort auf die deutschen Händlern im Ausland, namentlich in Holland, gehörenden Kohlenlager zurückgegriffen werden.

Die Bergarbciler-Jnkernalionale.

DerVorwärts" meldet, daß das Exekutivkomi­tee der Bergarbeiterintcrnationale in einer Ent­schließung den kämpfenden deutschen Bergarbeitern weitgehendste Unterstützung zusichert. Die Landes­organisationen haben sofort zu beraten und dem internationalen ©eneralfefretariat bis spätestens Juni zu berichten, welche Schritte zu unternehmen sind, um die deutschen Bergarbeiter wirksam zu unterstützen. ,

Der Vorstand des Deutschen Eifenbahner- verbandes fordert feine Mitglieder auf, den Kampf der Bergarbeiter finanziell zu unterstützen. Er beschloß ,den Bergarbeitern sofort 10 000 Mark aus der Hauptkasse des Verbandes zu überweisen.

Ruhrkampf und Parlament.

Laut demVorwärts" findet am Samstag eine Sitzung der preußischen Staatsregierung statt, die sich mit dem Arbeitskampf im Ruhrbergbau beschäftigen soll. Am Montag beginnt dann im preußischen Landtag die große A u s - spracheüber denKonflikt im Bergbau.

*

Von der Kruppschen Gußstahlfabrik in Essen wird mitgeteilt, daß infolge Kohlenmangels ein Teil der Feuerbetriebe still gelegt werden muß. Wieweit die mechanischen Betriebe Weiterar­beiten können, die aus Kohle erzeugten elektrischen Strom, Dampf nsw. verbrauchen, wird noch festge­stellt Werden.

Durch Plakate werden in Dortmund Aufrufe zu einer Opferwoche für die arbeitslosen Bergleute verbreitet; von einigen Unterhalkungs- stätten werden Wohltätigkeitsdarbietungen veranstaltet, deren Gesamteinnahme den notleidenden. Familien zugeführt werden soll. Für den Ausruf zeichnen der Vorstand der Internattonalen Arbeiter- Hilfe sowie die Zechenbetriebsräte.

Stillegungen.

wtb Hamborn, 24. Mai. (Tel.) Die Thyf- senwerke haben sich wegen Lohlenmangels ge­zwungen gesehen, das Kokswerk Hamborn, welches 1300 Arbeiter 'beschäftigt und das Werk Dinslaken mit 4000 Arbeitern stillzu- legen. Die Stillegung der Hauptwerke in Mühl­heim ist eine Frage von Tagen.

politisch reif?

Vo efnem langjährige-. parlamentarischen Mit­arbeiter wird uns geschrieben:

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus," sagt die Verfassung von Weimar. Wer tiefer in unsere Derhältnffse hineinsieht, erkennt mit Schrecken, wie politisch unreif weite Volkskreise sind. Da gibt es Sfrbeiterfreife, die restlos von der Schlagwort- Politik der Kommunisten sich füttern lasten; da gibt es Bauern, die nur noch ihren Stand sehen und meinen, alles andere habe für sie .keinen Wert mehr. Akademiker lasten sich für einen neuen Krieg begeistern, trotzdem man grade ihnen soviel Verstand und Einsicht zutrauen sollte, um zu er­kennen und zu wissen, daß dieser Krieg unter den gegebenen Machtverhältnisten restlos für uns ver­loren wäre. Handwerker schließen sich vom poli­tischen Leben selbst aus, indem sie Berufsgrüppchen bilden und bei Wahlen gesondert vorgehen. Daß ihre Stimmen alle umsonst abgegeben worden sind, merken sie kaum, sonst könnten sie das nächste Mal nicht denselben Fehler wieder machen. Und so geht es durch alle Stände hindurch. Unserem Volke fehlt die Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge, in v,A "v'-mchen Triebfedern und die außenposifi- mgen auf die deutsche Politik.

soziales.

= rkrankenverficherunzrpfltcht der Hinter. Die Kraiikcnversicherunkispflicht der Kinder spielt auf dem -.ande, wo die Kinder schon durchweg früh neleaentlich '^ Betriebe beschäftigt werden, eine ciroße Roste. Nun. mehr hat, wie die Vereinigung der deutschen Bauern­vereine mitteilt, das ReichSversicherunpSamt in seiner Sitzung vom 8. März 1924 diese Frage geklärt. Es stellt sich auf den Standpunkt, daß die Kinder nicht in einem Lohnarbeitsverhältnis stehen, auch wenn den Kindern neben einem Taschengeld Unterhalt in den durch die Familiengemeinschaft bedingten Formen ge- wahrt wird. Das ReichSversicherungSamt betrachtet ein lolches Zusammenarbeiten alS ein familienhastes Ge­meinschaftsleben, in dem der Bater den bereits heran­gewachsenen und arbeitsfähigen Kindern den Unterhalt weiter gewährt und diese m,t Rücksicht auf ihre Unter. Haltung durch den Bater sich in einer dem Rahmen der nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch vorgeschriebenen Weise m der väterlichen Wirtschaft betätigen.

gn; M«« Kro«)>tin} studiert Landwirtschaft,

-üne dre ,Kreuzzeitung' mttteiit, hat der frühere Kron. pr,"a'm l'ch auf Oels aufbält, für dieses Semester E Reihe landwirtschaftlicher Vorlesungen an der llntversität Br»slau belegt.

Japan und ßrankrrich.

Abmachungen.

Wtb Paris, 24. Mai. (Tel.) Rach dem De such des Generalgouoerneurs von Jndo china, Melin, der am 20. Mai von Tokio abgereifl ist und sich nach Korea und der Mandschurei be­geben hak, ist vom japanischen Außenministerium ein Kommunique ausgegeben worden, das erklärt, es habe sich bei den Besprechungen um die Ent­wicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Japan, namentlich Judo chinas, gehandelt. Besonders fei die Frage der Zolltarife diskutiert worden, die eine der Hanpt- jchwierigkeiten fei, um Jndochina in den Rahmen des augenblicklich geltenden Handelsvertrages ein­zubeziehen. Aus den Verhandlungen gehe hervor, daß eine Grundlage gefunden worden fei, auf der zwischen Japan und dem Generalgouverneur von Jndochina ein Abkommen getroffen werden könne. Die Verhandlungen waren offiziös und sind fo ge führt worden, daß in keiner Weife die Regierun­gen verpflichtet werden. Mau glaube aber, daß in zahlreichen Fällen eine Einigung erzielt wer­den könne. Das Kommunique fugt hinzu, daß keine wichtige Frage hinsichtlich der alliierten in­ternationalen Politik bei den Verhandlungen be- sprachen worden fei.

Hnslanö.

* Dom Deltgerichkshof. Aus. Washington wirk gemeldet: Senator Pepper hat im Senat einer Entwurf betreffend den Anschluß an den Weltge richtshof vorgelegt. Der Entwurf wurde an der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten normte fen. In ihm ist u. a. auch die Einberufung einer dritten Haager Konferenz zur Auslegung und Festsetzung des internationaler Rechts vorgesehen.

* Das ägyptische Heer besteht aus 22 535 Mann und hat 6 ägyptische und 5 britische Generäle, i ägyptische und 13 britische Obersten, 29 ägyptisch! und ebenfoöiete britische Majore, 68 ägyptische unt 106 britische Hauptleute. Erst vom Feldwebel ab­wärts fft alles rein ägyptisch. Die Besoldung ist nicht schlecht. Der Oberleutnant erhält 1200 Gold­mark monatlich, der Hauptmann etwas über 1400 der Major 1700, der Oberst 2000 und der Genera! 2200 Mark monatlich. Die britischen Offiziere haben außerdem noch eine Zulage, um sie für die Schmer­zen der Trennung vom Vaterlande zu entschädigen.

* Die Lage in Spanien. Gelegentlich eines Em­pfangs sämtlicher 1100 Bürgermeister vor Catal onien hat der König von Spanien ein« Ansprache gehalten, in der er darauf hinwies, das keiner seiner Vorgänger die Freude hatte, sämtliche katalonifchen Bürgermeister versammelt zu sehen. Diese Versammlung bezeuge, daß es eine Lüge sei, wenn man behaupte, Katalonien sei nicht spanisch gesinnt. In Marokko ist das Gebiet um 2L hncemas von Luftstreitkräften beschösse» worden. ____________

Der Kampf gegen die volksseuchen.

Tie Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten tagte dieses Jahr in Oberhof in Thüringen. Ungefähr 80 Mitglieder der (Seien» schäft fanden sich dort zu ernsten Beratungen über diese für unsere Volksgesundheit so wichtige Fragen zusammen. Auf der bedeutsamen Tagung waren die Behörden des Reichs und der Länder, die Kranken­versicherungsorganisationen und die Spitzenverbände der Wohlfahrtsorganisationen vertreten.

Das einleitende Referat hielt Msgr. Dr. Kreutz, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. In ein­drucksvoller, überzeugender und formvollendeter Weise stellte der Redner besonders das ethische Moment in den Vordergrund. Die Korreferate hatten Professor Dr. Pincus- Berlin, Pfarrer Stein­weg (der Vertreter der Inneren Mission) Berlin, und Regierungsrat Grün eisen (der Vertreter des Roten Kreuzes), Berlin. Dem Referate folgte eine außerordentlich fruchtbare Diskussion. In ein« gehender Weise wurde zu allen einschlägigen Fragen Stellung genommen; unter anberm auch, um nur eines herauszugreifen, zur Frage, ob die Aufklärung in der Schule durch den Arzt oder den Lehrer zu geschehen habe. Mit Nachdruck wurde darauf hin­gewiesen, daß in einer weit ausgedehnteren Weise wie bisher die Mütter für die Mitarbeit gewonnen werden müffen. In geeigneter Weise sollen passende Druckschriften zur Aufklärung besonders auch in den Strafanstalten Verwendung finden. Zwei von dem bekannten Profesior Dr. Fle ch ge­stellte Anträge wurden von dec Versammlung an­genommen. Der Vorstand soll die nötigen Schritte tun, um durch eine Arbeitslommission die Frage der sexualpädagogischen Aufgabe mit Hinblick auf die gemeingefährlichen Ausschreitungen der auch in Schulen eingedrungenen Nacktkultur zu behau- dein. Es soll des wetteren versucht werden, mit Hilfe der Fabrikbesitzer und Großindustriellen be­lehrende Veranstaltungen für die Arbeiter und An­gestellten innerhalb der Fabriken zu ermöglichen. Zwei Referate von Professor Hahn, Hamburg und Löb, Mannheim, über die Beratungsstellen mit an­schließender Diskussion bildeten den Abschluß.

Die erreichte Herstellung einer Zusammenarbeit der ärztlichen Organisationen mit der karitativen gegen bre während der Krieg-- und Nachkriegsjahre unheimlich überhandgenommene Volksseuche wird als ein Wendepunkt in der Geschichte der D. G. B. B. bezeichnet und berechtigt zu der Hoffnung, daß diese Gemeinschaftsarbeit Öen sozialen Forderungen einen größeren Nachdiuck geben und den Kampf zu einem immer intensiveren und erfolgreiche, en ge­stalten wird. a. D