! : Zuldaer Leitung Nr. 121. \
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Zur Unterhaltung.
Das Heideschloß.
Roman von Marie Harliug.
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,54 danke Dir für Deine Aufopferung, Ruch! ®e- «nbescheiden, wollte ich Dich länger den Dünen entziehen. Doch sage mir eins: wir sprachen noch niemals von Dir. Wie kommt es, daß Heinz nicht bei Dir ist? Soviel mir bewußt ist, schrieb Baier doch, Heinz sei noch bei chm. Haben Franz und Heinz getauscht? Ist Franz pjelleicht beim Vater geblieben?"
Erstaunt heftet Ruth ihre Augen auf Elsas ftagendes Antlitz. »Ich verstehe Dich nicht, Elsa! Was redest Du von Heinz? Franz Vanderstraaten ist doch mein Gatte. Ich war chm schon verlobt, ehe ich nach Deutschland kam. Infolge eines Zwistes jedoch hatte ich die Verlobung wieder gelüst. Als ich zur Besinnung kam, reiste ich nach Deutschland zu seiner Mutter, hoffend, sie würde das zerrissene Band wieder knüpfen können. Mein« Hoffnung trog mich nicht, im Doktorhaus« kam alles wieder ins «chte Gleise."
Ruth hat übersprudelnd schnell gesprochen. Sie fühlt Elsa gegenüber eine Schuld auf ihrer Seele, und die schmerzlich erstaunten Augen Elsas zeigen ihr, daß diese Schuld nicht eingebildet «st.
Eine Welle huscht Schweigen zwischen beiden; dann sagt Elsa mit schznerzdurchzitterter Stimme: „0, Ruth, wattim hast Du Mich damals absichtlich in meinem Irrtum gelaßen? Deviel Schmerz wäre mir und anderen erspart geblieben, hättest Du mich nicht irregeführt."
Ruth kniet schon längst vor Elsa im Staube, ihr tränenüberströmtes Gesicht in den Händen bergend.
»Verzeih mir, Elsa, ich hatte es nicht so böse gemeint. Erst aus den wirren Fieberreden während Seiner Krankheit vernahm ich Deine tiefe Liebe zu Heinz. Erst da kam mir das Bewußtsein, daß ich mich an Dir versündigt. Aber Du hast doch meine Verlobungsanzeig« bekommen. War es denn damals schon zur Rückkehr zu spät?"
Elsa schüttelt sinnend den Kopf. In ihren Augen liegt trotz des Schmerzes ein stilles Leuchten.
»Steh auf, Ruth! Was Du an mir gefehlt, verzeihe ich Dir von Herzen. Vielleicht hat alles so kommen müssen. Im Schmerz wird ja unsere Seele rem und reich. Fast segnen möchte ich jetzt diesen Irrtum; führte er mich doch in die Arme eines Mannes, wie ihn eMer und hochherziger die Welt wohl kaum aufweisen kann. Deine Derlobungsanzeige kam nie in meinen Besitz; sie hätte doch den Irrtum aufklären müssen. Ich wähnte Dich bis heute noch als Heinz Vanderftraatens Frau.
»Arme, liebe Elsa, was muht Du meines Leichtsinns halber gelitten haben. Mich reizte Deine hochmütige, überlegene Art; ich wollte Dich nur ein wenig demütigen. Daß mein Schmerz solch schlimm« Folgen zettigte, habe ich ja nicht im Traum geahnt. Ich mußt« nichts von Deiner Verheiratung, nichts von Deinem Hiersein; ich glaube, nur Dem Vater und Heinz haben darum gewußt."
Ein feines Rot steigt in Elsas Antlitz bei den letzten Worten; sie sitzt ganz still mit gefalteten Händen und blickt sinnend in das verglimmende Abendlicht.
„Der gute Vater und ich haben ihm so weh getan! Sa, Ruth, ich habe namenlos gelitten. Hätte Norbert in feiner vornehmen Art das verlaffene Kind nicht hochherzig an fein Herz genommen, ich glaube, ich wäre verzweifelt. Was ich meinem toten Gatten danke, das vermag ich niemand zu sagen. Mich schaudert, wenn ich an den Abgrund zurückdenke, an dem ich damals stand und von dem nur Norberts opfermüttge Liebe mich errettet. Doch laß uns nicht mehr darüber reden! Ich habe überwunden und verziehen und ich bin sehr, sehr glücklich gewesen mit Norbert. Erzähle mir von Dir, Ruth, von Dir und Deinen Kindern!"
Ruth erzählte von chrem Gatten und ihren drei Kindern und von ihrem schönen, gemüüichen Heim, bis Klein-Irmgard gesprungen kommt und das Köpfchen ermüdet in der Mutter Schoß legt. Da steht Frau Elsa auf. um hertte zum ersten Ma! wieder seit langer Zeit Klein-Irmgard in ihr weißes Himmelbettchen zu legen.
Lange steht sie dann sinnend am Bettchen des Kindes. Boll mütterlicher Zärtlichkeit blickt sie auf ihren schlafenden Liebling, wie zum Gebet faltet sie die Hände.
*
Franz Vanderstraaten holt seinen Onkel vom Schiff ab; er will ihn nach Ortmannshof bringen und Ruth
Landesbibliothek.
Verzeichnis der Neu-Erwerbungen
im Jahre 1923.
L Es wurden an Zeitschriften und periodischen Veröffentlichungen gehalten:
Amtsblatt (und Anzeiger) der Regierung zu Kassel- — Archiv für Anthropologie. — Neues Archiv für ält deutsche Geschk. — Archiv für Kulturgesch. — Seofferls Archiv für Entscheid, d. obersten Gerichte. — Rheinisch. Beobachter. — Bibliographie der deutschen Zeitschr. Literat. — Blätter für Münzfreunde. — Hess. Blätter f. Volkskunde. — Buchenblätter. — Bücherei und Bildungspflege. — Literarisches Zentralblatt — Euphorion Zeiisehr. f. Litgesch. — Wissensch. Forschungsberichte — Dass. Naturw. Reihe. — Die Frau. — Die christL Frau. — Fuldaer Geschichtsblätter. — Preuss. Gesetzsamml. — Der Gral. — Unsere Heimat (Schlucht.). — Mein Heimatland (Hersfeld'.— Hessenkunst. — Hinrichs Halbja rskata'og (für den Buchhandel). — Hochland. — Statist. Jahrbuch für den Preuss. Staat. — Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. — Preussische Jahrbücher. — Liter. Jahresbericht des Dürerbundes. — Politische Jahresübersicht. — Kunst uni Dekoration. — Kunstwart. — Die Literatur (früher Liter. Echo.) — Die •chöne Literatur. — Pctermanns Geograoh. Mitteilungen. — Süddeutsche Monatshefte. — Velbagen und Klasings Monatshefte. — Die Naturw ssenschaften. — Neuwerk. — Quickborn. — Reichsgesetzblatt — Repertorium f. Kunstwissenschaft. — Die Rhön. — Deutsche Rundschau. — Schriften der Goethe-Gesellschaft. — Technik u. Industrie. — Veröffentlichungen des Schwab. Schiller Vereins.
Wöch. Verz. d. Neuigkeiten des deutschen Buchhandels, r- Historische Vierteljahrschrift. — Volk und Scholle HeimatbL f. Hessen Nassau und Frankfurt. — Zeitschrift tür Deutschkunde — Histor. Zeitschrift. — Zeitschrift für Kirchengesch. — Zeitschrift für Musik. — Zeitschrift tür Pädag. Psychologie. — Zeitschrift für Strafrechtswissenschaft — Zentralbl. f. Bibliothekswesen.
II. All gern. Wissenschaftskunde. Buchwesen.
Brockhaus: Handbuch des Wissens 3—4. — Herders Konversations-Lexikon. Erg. Bd 2. — Löffler: "•titsche Klosterbibliotheken. — Schwenke : Job. Guten- °«rgs 42zeil. Bibel (Erg. Bd z. Faks. Ausg.).
HL Geschichte. Kulturgeschichte. Bi ogra- Phi en.
_ Akten z. Gesch. des Bauernkriegs in Deutschland. 1. b" buh: Der deutsche Krieg im deutsch. Gedicht 12. — | "»üs-ran: Und Frankreich? — Beloch: Griech. Gesch. I
'• — Benvenisti: England. — Bericht der Röm.-Ger- Kommission. 14. — Bibliothek, Bulgarische 2, II.
■jl Bloem: Der Weltbrand. 1—2. — Brauer: Adolf Kol- ss°e. Coudeuhove-Kalergi: Pan-Europa. — Cz.bulka:
Dz.°seozeiten. — Dibelius: England 1—2. — Gesch cht- etnJk'j der deutsch. Vorzeit. 95. — Grupp: Kultur- I des Mittelalt.’ 2. — Güterbock • Mussolini — Gun-
dann mieber mit Heim nehmen. Ruth sehnt sich nach ihren Kindern, und bie Kinder verlangen nach der Mutter.
In ihrem ttaulichen Wohnzimmer sitzt Frau Elsa und wartet auf den Vater. Er hat in Newyork eine Depesche aufgegeben, die seine glückliche Ankunft auf amerikanischem Boden meldet, und Elsa hat ausgerechnet, daß er gegen Abend auf Ortmannshof sein kann. RAH ist ins Nebenzimmer gegangen, um dort ihren Gatten zu erwarten. Sie weiß ja, daß Vater und Tochter wehl am liebsten ein Wiedersehen ohne Zeugen wünschen. Klein-Irmgard hockt auf einem Schemelchen inmitten einer Puppenschar; ab und zu streift ein fragender Blick der süßen, unschuldigen Kinderaugen di« Mutter, die heute so seltsam versonnen und feierlich aussieht!
Sie hat das Rollen der Räder auf dem weichen Sandweg überhört. Frau Elsa springt empor, als auf der Diele Schritte hallen und Stimmen laut werden. Unwillkürlich preßt sie die Hände auf das stürmisch pochende Herz —, heiße Glut deckt ihre Wangen. Klein-Irmgard hat ihre Puppen verlasisn und tft zur Mutter geeilt. Wie schützend schlingt Frau Elsa den Arm um st« und preßt sie an sich. So stehen die beiden, ein rührendes Bild, vom Glanz der Abendsonne umflossen.
So sieht Rudolf Vanderstraaten seine Tochter nach Jahren schmerzlicher Trennung wieder. Beide Arme stteckt er ihr entgegen und ausschluchzend sinkt Frau Elsa an seine Brust. Eng halten sich Vater und Tochter umschlungen; tiefes Schweigen herrscht, man hört nur das leise Schluchzen der jungen Frau, bann zieht Elsa den Vater hin zum Bilde ihres Mannes, das in Lebensgröße über ihrem Schreibtisch hängt.
»Segne uns, Vater, segne auch ihn, den Du im Leben nicht mehr hast segnenkönnen. Ohne Deinen Segen haben wir den Bund geschlossen. Darum mußte Norbert von mir gehen, ehe Du uns segnen konntest," schluchzt Elsa, vor dem Water niedersinkend.
Da legt Rudolf Vandersttaaten erschüttert seine Hand auf seines Kindes Haupt.
»Steh auf, Elsa, was Du gesündigt, hast Du überreich gebüßt. Nicht aus Bosheit hast Du gehandelt, fon- dern nur aus einem verhängnisvollen Irrtum heraus. Ich vergebe Dir alles von ganzem Herzen."
»Mutti, warum weinst Du? Ist Großpapa böse? Du hast Mir doch immer gesagt, er wäre lieb!" tönt plötzlich ein ängstliches Kinidorstnnmchen durch den Raum und Klein-Irmgard schmiegt sich Schutz suchend an die Mutter.
Da richtet Frau Elsa sich empor; sie nimmt das Kind auf ihren Arm und reicht es dem Vater hm.
„Mein Liebling, Großpapa ist nicht bös«, er ist gut, ach so herzensgut! Mutter weint nur, well sie einst dem Großpapa so bitter weh getan und well er den guten Vater nun nicht mehr segnen kann." Klein-Irmgard schlingt schnell getröstet ihre Aermchen um Vander- ftraatens Nacken.
„Großpapa, Irmgard hat Dich lieb, sehr lieb, fast so lieb wie Mutti und den Vater!" plaubert der süße Kindermund.
In inniger Liebe nimmt Vandersttaaten seines Kindes Kind an sein Herz.
„Großpapa hat Dich auch sehr üeb. Du süßes, kleines Ding! Wie reich bin ich doch heute durch euch beide geworden!"
*
Zweimal noch blühen die Rosen auf Norberts Grab, ehe Elsa und Vandersttaaten an die Heimkehr denken können.
Im ersten Jahre erkrankte klein Irmgard schwer, und man fürchtete wochenlang für das zarte Leben. Elsa wich nicht vom Bette ihres Lieblings ttotz der Abmahnung des Arztes, der für die noch immer angegriffene Gesundheit Elsas fürchtete.
„Wenn mein Kind sterben muß, will ich auch nicht mehr leben!" stöhnte Frau Elsa in wildem Schmerz.
Da war es aber die resolute Frau Lohberg, die ihr tadelnd erwiderte:
„Ihr Vater aber, Elsa, was soll der bann beginnen? Denken Sie gar nicht an ihn?"
»Mein Vater! Ja, Frau Lohberg, Sie haben recht, ich muß ja leben für ihn, um an ihm gut zu machen, was ich verbrochen."
I fram v. Augsburg [d. i.t Schmid-Kugelbach]: An Eng- I land. — Haller: Epochen d. deutsch. Geschichte. — I Hamps: Deutsche Kaisergeschicbte. — Handbuch für I den Geschichte untere. 4. L — Helfferich: Georg von I Siemens. 2—3. — Hoffmann: Der Krieg der versäumt.
Gelegenheiten. — Hunger-Larner: Altoiient Kultur im Bilde. — Kauffmann : Deutsche Altertumskunde. 1, II. — Koepp-Wolff: Röno.-Germ. Forschung. — Krieg zur See. Kreuzeikrieg. 2. — Kriegslieder. 2. — Kügelgen: Lebenserinnerungen d. Alt. Mannes. — Landsberg: Die Welt des Mittelalters u. wir. — Lassalle: Briefe u. Schriften. 2. — Losch: Kurf. Willi. I. Landgr. v. Hess. — Monom. German. Scriptores (8° — Ausg.) 2—3. —Nitti: Nieder- ! gang Europas. — Paquet: Rom od. Moskau. — Payer: Von Bethmann-Hollweg bis Ebert. — Scheller: Hessische : Köpfe 1. — Schlachten des Weltkriegs. 8: Douaumont.
— Sch özer, H. v.: Dorothea v. Schlözer. — Spies: Rheinkunde. 1—2. —- Stümke: Die Entstehung der Deutsch. Republik. — Ursachen des Zusammenbruchs. — Vebse: Südd. Fürstenhöte. 1—2. — Vernichtung des engl. Weltmacht — v. Wal lersee: Denkwürdigkeiten 1 — 3. — We.ss: Weltgeschichte. 28. — Weltgeschichte hrsg. von Hartmann. 6, II u. 10. — Wtedenfeld: Lenin. — Zcdlitz-Trützschler: 12 Jahre am deutsch. Kaiserhof. —
IV. Geschieht 1. Hilfswissenschaft. Geo* graphie. Volkskunde.
Brandt: Südamerika. — Escherich: Quer durch d. Uiwald von Kamstun. — Goldschmidt: Argentinien. — Haushofer: Japan. — Kerr: New-York u. London. — Koerner: Han 'buch der Herol Iskunst 2, I—II. — K r- nerup : Peru. — Mayrhofer: Spanien. — Nobel: Handb. des Staatsmanns. — Ossendowski: Tiere, Menschen u. Götter — Reimer: Histor. Ortslexik, für Kurhessen 2—3. — Rosenberg: Gesch. d. Kostüms. Ltg. 29-40. — Ross: Südamerika.
V. Kunstwissenschaft
Cohn: Indische Plastik. — Cohn-Wiener: Enfwick- lungsgescb. d. Stile. 2. — Dabnann: Das Grab Christi in Deutschld. — Dehio: Der Bamberger Dom. — Ehl: Aelteste deutsche Malerei. — F ecu he mer; Kleinplastik der Aegypter. — Gemeinschaftsbühne u. Jugendbewegung. — Hamann: 1) Deutsche Köpfe des Mitte a'L 2) Olymn. Kunst. — Handbuch d. Kunstwissensch. (Bauk. d. Re- naiss. i. Frkrch. u. Jtal.) — Haupt: Die älteste Kunst der Germanen. — Höver: Indische Kunst — Jacobi: Die deutsche Buchmalerei. — Jodi: Aesthi-tik der bild. Künste. — Kümmel: Kunst Ostasiens. — Merian-Pfohl: Rich. Wagner. Musikdramen. — Moser: Gesch. d. deutsch. Musik. 2, L — Osborn: Max Pechstein. — Snoo'ian [u. a.J: Rich. Wagners Opern. — Waldenspul: Die got. Holzplastik । es Lauchertta es in Hohenzollern. — Weise: Die got. Holzplastik um Roltenburg, Horb u. Hechingen 1. — Welz: Bruckner.
VI. Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte.
Crei zenach: Gesch. d. neueren Dramas. 3 u. 5. — Dehrnel - Ausgew. Briefe. — Earismann: Gesch. d. „
Sie gestattete nun Frau Lohberg, einen Teil der Pflege Irmgards zu übernehmen, und die in jeder Beziehung tüchtige Frau leistete Staunenswertes am Bettchen des kranken Kindes.
Klein-Irmgard genas, aber wiederum mußte die Heimreise auf den Sommer verschoben werden.
Vandersttaaten sand in dem alten Herrn Lohberg einen angenehmen Gesellschafter; auch sonst gab es in der kleinen deutschen Kolonie manch tüchtigen, gebildeten Mann, mit dem er Verkehr pflegen konnte. Trotzdem ließ ihn die Sehnsucht nach der Heimat nicht los; er sehnte sich nach seinem eigenen Betrieb, nach fernem Heim und auch nach Hemz. Frau Hedwig spielte in seinen Gedanken keine große Rolle mehr, sie fühlte sich auch anscheinend sehr wohl int Süden, denn sie schrieb lebensfrohe, lustige Briese.
(Fortsetzung folgt.)
6«s dem „Prinz Bofa« Stramin“.
Bor kurzem haben wir das Leben und Schaffen des vergeflenen Hesfendichters Ernst K o ch in einer Abhandlung gewürdigt. Wir werden im folgenden auf Wunsch vieler Leser aus dem Hauptwerk des Dichters, dem »Prinz Rosa-Stramin", das auch ins Englische übersetzt ist und jetzt in einer neuen, von dem bekannten Hesienmaler Ubbelohde illustrierten Ausgabe vorliegt, einige Kapitel zum Abdruck bringen.
. . . Ueberhaupt war es eine gute Zett, als ich nur zwei Schulen kannte. Ich war damals noch ein kleiner Junge, zu Lenzbach, wo meine Ettern wohnten, und ungefähr in dem Atter, wo einem spaßhafte Leute weis- machen, man könnte die Vögel fangen, wenn man ihnen Salz auf den Schwanz streute. Jene beiden Schulen hießen die Kontorschule und die Rektorschule, tmd erschienen mir als die zwei einzigen Stufen und Stationen zur schrecklichsten Geschellheit.
Die römischen Könige hätten etwas Besieres tun sollen, als Rom auf sieben Hügeln zu bauen. . ..
Mit den sieben Hügeln verhütt es sich so. Die größeren Jungen — es waren schon ziemliche Schlingel — hatten beim Rektor von 10—11, und wir Kleinen von 11—12 Uhr Privatstunde. Eines Tages nun kam ich um 11 Uhr, aber doch etwas zu früh, in die Schulstube, und drückte mich bescheiden in die Ecke. Der Rektor sah mich zwar, ließ sich aber nicht irre machen, und fragt eben einen von denen, die vor ihm saßen: auf wieviel Hügeln Rom erbaut wäre, eine Frage, die mich wegen ihrer Schwierigkett in gerechtes Erstaunen setzte. Vergnügt rieb ich mir die Hände, weil ich dachte, es ist gut, daß du nicht da sitzest und die Frage zu beantworten hast. Ein ganz großer Bengel antwortete nun: auf zehn Hügeln! Entweder hätte er kein großer Bengel sein dürfen, oder richtig antworten sollen, denn beides kam mir zu Schaden. Den Rektor jagte die Zahl zehn wie ein Blitz vom Stuhle auf, und sein Gesicht glühte in historischem Zorne. „Du Erz-General-Schafskopf!" war der erste Donnerschlag auf diesen Blitz, und nun fuhr er fort: „Dort der Kleine in der Ecke (hier meinte er mich) soll dich Schlacks beschämen! Komm' mal her, du!" Mit Ztttern naht' ich. „Auf wieviel Hügeln ist Rom erbaut?" Mtt fiel zunächst eine sehr angenehme Lustpartie bei Lenzbach ein, wo man eine schöne Aussicht hat, und welche „die neun Hügel" heißtt Zugleich wollte ich von jenen zehn doch etwas abziehen, und platzte also heraus: „auf neun Hügeln". Auf diesen neun Hügeln kam das Gewitter zur vollständigen Entladung, und wer bekam bie Schläge? ich, der Kleine, der mtt aller Gewalt beschämen sollte, und es doch nicht konnte, ich bekam die Hiebe, der ich doch nur neun Hügel gesagt hatte, und so der Wahrheit um einen Hügel näher gerutscht war, während der Schlacks gar drei Hügel der Stadt Rom zugelogen hatte, ohne auch nur einen einzigen Wichs dafür zu erhaschen. Unschwer wird der Leser aus diesem allen schließen, haß ich in der Geschichte wenig pro- fttierte.
*
. . . Vorstehendes, wie alle folgenden Kapitel, auf einem Spaziergang in mein Taschenbuch niedergeschrieben, trug ich soeben — es ist Mitternacht — in das Manuskript ein, und komme wie der Souffleur, nachdem das Stück (d. h. hier das Kapitel) aus ist, hiermit nochmals unter dem Vorhang hervorgekrochen, um dem Leser privatim eine gute Nacht zu wünschen. Niemand ist mehr wach, als ein fernes Posthorn und meine Feder,
deutsch. Literat bis z. Ausgang des M. A. 1—2, I. — Eranos. Acta phil. Suec. ed. Lundström. 1—20. — Erman: Literatur der Aegypter. — Goedeke: Grundriss z. Gesch. der deutsch. Dichtg. H. 32. — Grimm: Deutsches Wörterbuch. (Die 1923 erschien. Hefte.) — Heusler: Nibelungensage u. Nibelungenlied. — Klemperer: Die mod. franz. Prosa. — Märchen der Weltliteratur (Isländ. tu Türkest. Märch.) — Naumann: Die deutsche Dichtung d. Gegenwart — Otto: Der Geist der Antike u. d. christl. Welt — Pfandl: Span. Litgesch. 1 — Ehilo von Alexandria: Werke. 4. — Pauly’s Roal-Encykl. d. class. Altertumswissenach. Hlbd Abt 2, Hlbd. 4. — Scherer: Gesch. der deutsch. Literatur. — Strindbeig: Lebensgeschichte 1. 2. 3. 5. — Thesaurus Linguae Latinae. 5, VII u. Onomast. 3, II. — Weht hau: Sagen aus Hess. u. Nassau. — Wilanoowitz-Möllendorf, v.: Pindaros.— WoL fers: Hymnen u. Sequenzen.
VII. Schöne Litaratur.
Barthel: Das vergitterte Land. — Binding: Unsterblichkeit. — Böidau: Im Garten der Frau Maria Strom. — Bonseis: Narren u. Helden. — Büchner: Sämtl. Werke u. Briefe. — Dostojewski: 1) Ein russ. Evangelium. 2) Die Legende vom Grossinquisitor. — Endres: Thomas Mann. — Flemming: Hausbacken Brot. — Fleu- ron: Katzenvolk. — Funke: Des Königs Schatten. — Grimm. Der Gang durch den Sand. — Hei zog: Kameraden. — Hesse: Siddharta. — Jegerlehner: Unter der toten Fiuh. — Kurz: Nächte von Fondi. — Lagerlöf: Christuslegenden. — Matthar: Das Glück der Oelbers.— Mayer: Hans Cardon. 1—3. — Muok: St. Gertrauden Minne. — Rademaker: Monika Hagemanns Liebe. — Roselieb: Der Erbe. — Stockhausen, v.: Die Sol taten der Kaiserin. — Strindberg: 1) Dramat. Charakteristiken. 2) Moses. Sokrates. Christus. 3) Luther. 4) Der Vater. 5) Naturalist. Dramen. — Thomä: Das unsichtbare Reich, — Ulitz: Die Bärin. — Wassermann. Ulrike Wovtich. — Wehner: Der blaue Berg. — Wiese: Nava.
VIII. Theologie undReligionswissenschaft.
Apokryphen, Neutestam., hrsg. von Hennecke. 1—5. Ball: Byzant. Christentum. — Barth: Der Römerbrief. — Bischot Benzler: Erinnerungen. — Bergsträsser: Der polit. Katholizismus. 2. — Bousset: Apoph’hegmata. — Buber: Legende des Baa'schem. —Corpus Catholicorum. 6—7. — Doli: Konstanzer Ritualien*exte. — Donders: P. Bonaventura. — Duhr: Gesch. d. Jesuiten. 3. — Gaff- rey: Der über de unitate eccl. conserv. — Görres. v.: Der hl. Franziskus v. Assisi ein Troubadour. — Grubb: Das Wesen des Quäkertums. — Guardini: Von heil Zeichen. 1-2. — Herber-Grisar: Charakterbilder der kath. Frauenwelt. 2—3. — Der hl. Hieronymus. Fest- schr. d. Erzabtei Benron. — Kirche u. Wirklichkeit. Ein kath. Zeitbuch. — Kramp: Messliturgie u. Gottesreich. 1—2. — Karl Müller Festgabe. — Preller: Griech. Mytholog e. 2, III, 2. — Reges* a pontific. Ro- manorum. Germania pontific. 2, I. — Schlunk: Die 43 enitent liarrer. — Die griech. christl. Schriftsteller der
— vielleicht nicht einmal der geneigte Leser. Draußen liegt finsteres Dunkel über der Stadt, und di« Träume der Schläfer ziehen flüsternd um die düsteren Kammerfenster. Die Katze schleicht über die Dächer und der Alp schwirrt dmch die Schlüsiellöcher. Droben am Himmel gehen leise die freundlichen Sterne und singen:
Wir ziehen über Berg und Tal
Und übers weite Meer;
Wir ziehen über Menschenqual, Und Menscheng-ück daher.
Wir kennen, was m stiller Brust
Sich vor der Welt verhüllt. Und was mtt namenloser Lust
Ein einsam Auge füllt.
Und wenn der Schmerz die Seele quält. Wir geben ihr die Ruh,
Und wenn die Lieb' ihr Glück erzähtt.
So hören wir ihr zu.
Wir schau'n auf manches kühle Grab, An dem ein Mensch sich härmt.
Und schimmern in die Laub' hinab, In der die Liebe schwärmt.
Wir reden mtt dem Gram, und sind Stets mit dem Kummer wach;
Die Träne des Entzückens rinnt Gern unter unferm Dach.
Wir schlingen in den lust'gen Höh'n Den stillen frohen Rech'n,
Und scheinen Ruh' und Wiedersehn In jedes Herz hinein.
Wie freundlich jener größte Stern auf mich hernieder, blicktI Er wandelt so still und rein daher, wie die Tu- gend. O, was gleicht diesem Sterne? Rosa-Stramin, nenne mir den teuersten Namen!
„Henriette."
Henriette, ich liebe dich, und du bist schön wie dieser Stern! —
Man soll heutigen Tages froh sein, wenn es ftiff ist und warm, denn in der Wett ist's windig und kaü.
Ach, es ist windig, sehr windig in der Well, lieber Leser, und das macht das Wandern auf der Erde beschwerlich. Zu einem, der zufällig auf meiner Wanderung zu mir stieß, sagte ich: Es ist so stürmisch, laß mich einkehren bei dir im Hause der Freundschaft! Er sagte: Soll mir eine Ehre sein! Als wir im Hause waren, pfiff der Wind durch alle Ritzen und Löcher. Das war sehr windig.
Zu einem andern sagt' ich: Es ist so stürmisch, gib mir ein Obdach in deiner Brust! Soll mir eine Ehre sein! sagte er. Aber als ich drin war, pfiff der Wind durch all« Ritzen und Löcher. Das war auffallend windig.
Ein dritter begegnete mir, der viele Pretiosen an sich hatte, eine diamantene Vorstecknadel und goldene Uhr- klunkern. Tausend! was mochte der für Geld im Beutel haben! Nichts hall' er drin, sondern der Wind blies durch die Maschen des Geldbeutels. Das war ein Windbeutel und die Uhrklunkern waren, wie stille Verdienste, unbezahü, und die Dorftecknadel war, wie ein Büchermotto, eine geborgte Vorstecknadel. — Das war enorm windig. —
Katt ist's, sehr kalt in der Welt, und das macht das Wandern auf der Erde beschwerlich. Manchem drückt' ich warm die Hand und mochte so gerne, daß fie mir wieder gedrückt würde, weil die beiden Hände doch Menschenhände waren. Aber der Eigentümer der fremden Hand fügte: Der freie Mann kennt heut' zu Tag« keinen Druck Sackerlot, Herr Postmeister, das war kalt!
Zu einem andern sagt' ich: Ich friere, wärme mich an deinem Herzen! Aber das Herz war zerrissen und die Riffe waren mit Zeitungspapier schlecht zugeklebt, und ich fror dabei wie ein Hund. Das war herzzerreißend kalt.
Zu einem brttten sagt' ich: Ich friere, öffne mir deine Brust! Aber über die Brust war ein Panzer gelegt, denn der Mann stand bei den Küraffieren der Bürgergarde. Er öffnete mir bloß die Derfqffungs- urkunde. Das war bitter kaü!
Zu einem vierten sagt' ich: Ich friere, laß mich einkehren in deinem warmen Herzen! Aber als ich hinein kam, war niemand darin zu Haufe, sondern alles nur ausgegangen und deshalb war auch kein Fünkchen Wärme darin. Das war todkalt! —
Mich friert!
ersten 3 Jhde. 31 u. 32, I. — Tex’e u. Arbeiten der Erzabtei Beuron. 1—9. — Verkade: Unruhe zu Gott.'
IX. Philosophie und Pädagogik.
Boelitz: Preuss. Bifdungswesen. — Bober: Ich u. Du. Deter: Abriss d. Gesch. der Philosophie. — Ernst: Der Zusammenbruch d. deutsch. Idealismus. — Jaspers: Psychologie d. Weltanschauungen. — Kant: Werke.8. — Lehmann: Erziehung u. Unterricht. — Leisegang: Die Grundlagen der Anthroposophie. — Lins: Wildtiud u. Gottfried. — Ruttmann: Berufswahl. — Scheier: Sinn- gesefze des emotionalen Lebens. 1. — Spranger: 1) Kultur u. Erziehung. 2) Bildungswert d. Heimatkunde. — Wagner: Methodik d. erdknndl. Unterrichts. 1—2.
X. Mathematik. Medizin. Naturwissenschaft. Technologie. Landwirtschaft.
Bade: Der Kanarienvogel. — Bopp: Moderne Psych- analyse. — Borchart: Der Kanarienvogel. — Fauser: Meliorationen. 2. — Grimsehl: Lehrbuch der Physik. 1. — Handlexikon der Natnrwiss. 2. — Hertwig: Elemente der Entwicklungslehre. — Hohmann: KanarienzuchL — Landwirtschafslehre. 2. — Nesper: Der Radio-Amateur. — Nespert: Radio-Schnell-Telegraphie. — Newcomb- Engelmann: Populäre Astronomie. — Ostendorf: Sechs Bücher vom Bauen. 1. — Ostwald : Der Werdegang einer Wissenschaft. — Spezielle Pathologie und Therapie innerer Krankheiten. Lfg. 333—399. — Schmidt: Unser Körper. — Volk: Geolog. Wanderbuch. — Zernickej Leitfaden f. Aquarien- und Terrarien-Freunde.
XI. Rechtswissenschaft. Staatswissen« schaff.
Gathrein: Der Sozialismus. — Elster: Sozialbiologie. — Finanz- und Steuergesetze in Einzelkommentaren. 4—6. — Ford: Mein Leben u. Werk. — Handwörterbuch der Kommunalw ssensch. 20—27. — Handwörterbuch der Staatswissensch. 10—34. — Jentsch: Volkswirtschaftslehre. — Krieg: Die Landkapitel im Bist. Würzburg. — Oberbach: Kleine Wirtschaftsgeographie. 2. — Osbahr: Wirtschaftsgeographie. 2. — Pesch: National- ö onomie. 4—5. — Sehling: Kirchenrecht. — Sohrn: Kirchenrecht. 2. — Staudinger: Konsumgenossenschaft, — Warneyer: Kommentar zum BGB. Lfg. 7.
X. Fuldensien.
Fischer: Der Fürstabt. — Flaskamp: Zur Hessenbekehrung des Bonifatius. — Freckmann: Fuld. Barock in Werksteinprofilen. — Gölzelmann, P. Ambros.: Der Volkersberg u. s. Kloster. — Hess-Wirz: Der hl. Bonifatius. — Höppner: Der Hülfensberg u. SL Bonifatius. — Hossfeld: Spec. Karte der Rhön. (Blatt Geba.) — Quellen u. Abhandlungen z. Gesch. d. Abtei Fulda. 11—12. — Schubart: Lob der Heimat. — Straub: Die Rhön i. Wandel der Monate. — Franziskaner-Studien 10 (- Festnr. z. Vierhundertjahrftier d. Thüring. Prov.) — Werner: Was der Rhönwind mir zuwehte. — Wiech- mann: Wandertage i. Thüring. Wald u. d. Hohen Rhön.