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d M W;ewWwerlvvsli. (mikZlllistr. WkoaelSW)

FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.

51. Zahrg.

Freitag, 23. Mai 1924

Nr. 121

Die Einberufung des Reichstages

wtb

Halle dem

alle

ver-

folqe hat

politische

Demonstrations-

ken sich hielten,

dann entschließen, diese Regierung zu Die Entschlossenheit P a r i s, 22. Mai.

ob sie es für opportun unterstützen.

der Radikalen.

(Tel.) Das Büro des

sieg der Radikalen und Radikalsozialisten Konsequenzen zu ziehen.

Aus dem Ruhrgebiet.

Die von Berliner und Essener Blättern

Polizei habe schon am 10. Mai Schützengräben aus- geworsen und damit bewiesen, daß sie ein Blutvergießen unter der Arbeiterschaft beabsichtigte, lieber diese Vor­beugungsmaßnahmen könnten sich die K o m m u n i st e n nur dann entrüsten, wenn sie leugnen wolllen, daß sie Bäume gefällt, und ihre Anhänger mit Eisenknüppeln, Schlagringen und anderen Waffen ausgerüstet hatten. (Lärm bei den Kommunisten.) Sie hatten ja auch ihre Sanitätsabteilung mitgebracht. Ich habe nie­mals versucht, die Verantwortung für die Vorgänge in

am 27. Mai.

sönlichkeiten für die Ministerposten genannt: Dr. Marx sollte Vizekanzler werden, Wallraf Mi­nister des Innern, G e ß l e r soll Reichsmehrmini­ster bleiben, auch Dr. H ö f l e und Dr. Brauns find ihnen als Minister genehm. Dagegen soll Dr. Stresemann verschwinden.

breitete Nachricht, daß die gesamte Kruppsche Fab­rik st i l l g e l e g t werde, falls der Kohlenmangel bis Donnerstag nicht behoben fei, ist verfrüht, da das Direktorium der Firma erst am Donnerstag über eine eventuelle Stillegung beraten wird.

*

Reichs- und Staatskommissar Mählich hat die Parteien des Ruhrbergbaues auf Freitag Vormittag 10 Uhr nach Essen zu einer Be­sprechung der zwischen ihnen strittigen Fragen ein­geladen.

Garnich ruft sie zur Ordnung.) Die große Anfrage der De u ts chn g t i ona len ist eine so stümperhafte Arbeit, daß sie die Rote 5 b verdient. Der Verfasser ver­gißt ganz, daß ich überhaupt keine öffentlichen Umzüge verboten habe, sondcm daß sie generell vom Reichs­minister des Innern verboten worden find, und daß ich nur Ausnahmen. zulassen könnte. Das Verbot wurde zuerst bei den Arboitslofendemonstrationen in Berlin vom Berliner Polizeipräsidenten für Berlin erlassen. Rufe bei den Kommunisten: Auch ein Sozial­demokrat!) Die Deutschnationalen haben damals nicht protestiert. Das Verbot wurde dann anläßlich des von den Kommunisten geplanten Anttfascistentaqes auf das Reich und Preußen ausgedehnt. Auch dagegen haben die Deutfchnationalen nicht protestiert.

Was die Vorgänge in Halle betrifft, fo hatte seiner­zeit der Abg. Heidenreich mich wegen der geplanten Ein­weihung des erneuerten Moltkedenkmals gefragt, und ich sagte die Genehmigung einer Feier in bescheidenem Rahmen zu. Die Genehmigung wurde auch nur unter ganz bestimmten Bedingungen erteilt. (Ruse bei den Kommunisten: Um die sich niemand gekümmert hat!) Wenn die Kommunisten es den Behörden selbst überlassen würden, mit der nationalistischen Gefahr fertig zu wer­den (Rufe bei den Kommunisten: Dann wären Sie nicht mehr Minister!), bann käme etwas Besseres heraus. Verbotswidrig ist allerdings von den Rennbahn­wiesen aus ein Umzug erfolgt, und die Polizeikräfte find nicht in vollem Umfang eingesetzt worden, um ihn zu zerstreuen. Es muß aber der Legende entgegengetreten werden, als hätte die Polizei mit zweierlei Maß gemessen. (Lärm und Rufe bei den Kom­munisten: Das geben doch sogar die Sozialdemokraten zu!) Wenn nicht große Teile der Polizei durch die Be- schäfiigung mit den heranziehenden Kommunisten an der Peripherie festgehalten worden wären, wären auch diese Umzüge zerstreut worden. Die Kommunisten haben trotz ihrer riesigen Propaganda nicht annähernd eine so große Teilnehmerzahl für Halle aufgebracht wie die Deutsch- nationalen. (Stürmische Rufe bei den Kommunisten: Sie haben sie ja nicht nach Halle gelassen, Sie haben Sie ja festgehalten!) Vielen im Volkspark wird es nachher leid gewesen fein, daß sie nicht nach den Rennbahnwiesen kommen konnten. Cs hätte doch sonst eine Keilerei oder ein Blutvergießen gegeben, bei denen die Kommunisten unter die Räder gekommen wären. Die kommunistischen Demonstranten standen nicht nur, wie es in der sozial­demokratischen Anfrage heißt, im Verdacht, die völkischen Demonstrationen stören zu wollen, sondern sie hatten ge­naue Weisungen der kommunistischen Zentrale, in denen deutlich zur Gewaltanwendung aufgefordert wird. (Der Minister verliest die Anweisungen, die von den Kom­munisten mit Zusttmmungskundgebungen ausgenommen werden.) Der Minister wendet sich dann wieder der

lieber Zusammenstöße in der Nähe von Reck­linghausen teilen die Blätter mit, daß auf der Zeche Brassert bei Marl eine vieltausendköpfige Menschenmenge die Notstandsarbeite-n verhin­dern wollte. Die Polizei wurde mit Steinen und Schüssen empfangen. Mehrere Arbeiter wurden bei den Zusammenstößen schwer ver­letzt.

Zurücknahme von Ausweisungen.

vtb H ö ch st, 22. Mai. (Tel.) Wie wir erfahren, hat der hiesige Kreisdelegierte in einem Gesuch an die interalliierte Kommission die Aufhebung des Ausweisungsbefehls für 131 Personen beantragt, dessen Genehmigung sicher erfolgen werde.

geschäftsführenden Ausschusses der radikalen Partei hat gestern abend unter dem Vorsitz des Abgeord­neten herriot eine Sitzung abgehalten. Es hat die nötigen Vorkehrungen zu dem Zusammen­tritt des geschäftsführenden Aus- fchusfesam 1. und 2. Juni in Varis getrof­fen. Bei dieser Tagung, der sämtliche Abgeordnete und Delegierte der Partei beiwohnen werden, wird die Lage geprüft werden. Der Abgeordnete herriot hat gestern abend hervorgehoben, von welcher Wich­tigkeit es sei, alles zu tun, um aus dem W a h l-

Wie die Münchener deutschvölkische »Groß- deutsche Zeitung mitteilr, zwingen die Verhält­nisse das Blatt zu einer durchgreifenden Neuordnung des Unternehmens; das Blatt wird deshalb einige Zeit nicht erscheinen. Wie verlautet, sind inso­fern Schwierigkeiten entstanden, als der frühere .Völkische Beobachter', der nach dem Hitlerputsch von der Regierung verboten wurde, wieder erscheinen will.

8n$etflen»$reife: Sletnseile (Cotone!) total 0,15 Goldmart, auswärts 0.20 Goldmart: Reklame,eite total 0.60. Soldmart, auswärts 0,80 Goldmart. r.

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züg e kann sich Deutschland nicht leisten in dieser Zeit, in der wir nach der Jnslationsnot die Kreditnot mtt ihren Folgen haben. Wir können uns nicht den Luxus erlauben, jeden Sonntag die Schutzpolizei in Massen aufzubieten, um die Ruhe und Ordnung gegen Demonstrationen zu schützen. Hoffentlich kommen wir bald wieder zur freiwilligen Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, damit die Polizei nicht den Büttel zu spielen braucht. (Lebhafter Beifall in der Mitte, Zischen bei den Kommunisten.)

preußischer LandLag.

Dculschnalionaie und Kommunisten gegen den Innenminister.

Eine Rede Severings

Auf die Angriffe, die, aus verschiedenen Gesichtspunk­ten, wegen der Vorgänge in Halle gegen den preußi­schen Innenminister S e de r in g gerichtet wurden, er­widerte dieser am Mittwoch in einer längeren Rede u. a.:

3m kommunistischen Antrag wird behauptet, die

Sie Sflöisettöröano in MlM.

Unter dem Druck der Franken-Baisse.

Wtb p a t i S, 22. Mai. (Tel.) Rach dem „Watin" haben sich die Führer der neuen Mehrheit, Herriot und p a i n l e v e, in der gestrigen Be­sprechung auf den Standpunkt gestellt, daß es nicht möglich sei, die Steuerpolitik festzulegen, die sie zu befolgen gedenken, ehe sie mit ihren politi­schen Freunden gesprochen hätten. Sie hätten erklärt, eine Regierung, die eine andere Politik als die des Augenblicks zwischen Einnahmen und Ausgaben betreibe, könnten sie sich nicht vor- stellen. Der Finanzminister habe, während er noch im Amt sei, freie Hand. Er fei nicht allein von Millerand und vom Ministerium, sondern auch von desien Rachfolger ermächtigt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

Die Mitwirkung der Sozialisten.

Wbt Paris, 22. Mai. (Tel.) Das »Oeuvre" will in der Lage sein, festzuftellen, daß Herriol ent­schlossen sei, das Kabinett mit oder ohne Sozialisten zu bilden, unter dem alleinigen Vorbehalt, daß diese die Verpflichtung übernehmen, die Regierung zu unterstützen u. dem vorher aufge- stellien Programm zum Erfolg zu verhelfen. Wenn die sozialdemokratische Partei bereit sei, in das Ka­binett cinzutreten, werde er ihr einen starken Ein- sluß einräumen; sei sie dazu nicht bereit, so werde er ein homogenes radikales Kabinett bil­den. 48 Stunden vor Zusammentritt des Kon­gresses werde er den Führern der radikalen und sozialdemokratischen Partei den Wortlaut des Pro­gramms mitteilen, das er auf alle Fälle durchzu­führen entschlossen sei. Die Sozialdemokralen könn-

Herr v. Kahr.

Einer Korrespondenzmeldung aus München zu­folge hat Herr v. Kahr in einem Gesuch an das bayerische Kabinett erklärt, er könne nur dann von seinem Posten als Regierungspräsident zurücktreten, wenn er bis zu feinem 65. Jahr das volle Gehalt bekomme. Mit einer Pension von jährlich 7006 Mark könne er nicht leben.

Der Ronferenzplan.

Wenn der Dawes-plan verwirklicht ist. ..

wtb London, 22. Mai. (Tel.) Der diploma­tische Berichterstatter der »Westminster Gazette" er­klärt, angesichts der Tätigkeit der deutschen Ratio­nalisten sei es wesentlich, daß Deutschland seine Aufrichtigkeit offen beweise. Die britische Regierung sei bereit, ihre Karten auf den Tisch zu legen, und wenn die Zeit gekommen sei, die Frage der Sicherheit und der Schulden zu prü­fen, aber dann müßte eine Vereinbarung über die Reparationen vorausgehen. Der erste Schritt fei. den Dawes-plan in Wirksamkeit zu fetzen, dessen Durchführung jedoch einige Monate in An­spruch nehme. Wenn der Boden vorbereitet sei, werde Macdonald dann die Konferenz Vor­schlägen. zu der auch D en ksch lan d. die V er­einigten Staaten und Rußland einge­laden werden, um die ausstehenden Fragen ein­schließlich die der interalliierten S ch u t ■ den und der deutschen Gesamtverpflich­tung zu regeln. ________

dooliöge und die Zapanfrage.

wtb p a r i s, 22. Mai. (Tel.) Rach einer Mel düng des »Rewyorker Herald" beabsichtigt Präsi­dent E o o l i d g e das Einivanderungsgeseh, das die Japaner von der Einwanderung nach den Ver­einigten Staaten ausschließt, dem Kongreß mit einer Botschaft zurückzuschicken, in der die Abände- rungdsr Ansschlußbestimmungen ver­langt wird, sodaß die Japaner darin keine Ver­letzung erblicken können.

Setonttoortlicb iüx die Schristleiluns: Dr. Johannes »ramer. Aareigen: I- P arretier, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der n Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher 3k. 9. ::

Bezugspreis für Mai- Postbestellung 1.80, Stadtberu» 1 .SO Mk.

Die Deutschnationalen verhandeln jetzt mit den Nationalsozialisten. Letztere tagen aber erst am Samstag.

Die zurückgezogene Einladung.

Nach den neuesten Meldungen haben auf Grund des Ausganges der Besprechungen am Mittwoch die Deutfchnationalen jetzt ihre Einladung an die Mit- telparteren zurückgezogen, sodaß die Verhandlungen am Donnerstag nicht fortgesetzt werden. Wie die Blätter betonen, wird es nunmehr Sache der Mit- telParteien fein, in den Parteibesprechungen über die Regierungsbildung wieder die Initiative aufzuneh­men. Aus dem Verlauf der Besprechungen zwi­schen den Deutschnationalen und den Mittelparteien hebt das „B. T." folgendes hervor:

Die Deutschnationalen stellten den Antrag, eine gemeinsame Entschließung dahin zu fassen, daß als voraussichtlicher Reichskanzler der Groß­admiral von Tirpitz in Betracht komme. Dieser Antrag der Deutfchnationalen wurde von den Mittelparteien abgelehnt und zwar teils aus persönlichen Bedenken gegen den vorgeschlagenen Kanzlerkandidaten, teils mit der Begründung, man würde durch dieses Verfahren der Entscheidung des Reichspräsidenten vorgreifen, dem verfassungsgemäß allein die Ernennung des Kanzlers obliege, lieber die von den Mittelparteien vorbereitete sachliche Plattform ist in der Besprechung überhaupt nicht verhandelt worden, nachdem die Deutschnattonalen die P e r s o n e n f r a g e in den Vordergrund ge­stellt hatten, lieber die Haltung des Zentrums, das nach der Besprechung bei Hergt noch zu einer Fraktionssitzung z-usaMmengetreten war, teilt die „Germania" mit, daß es für das Zentrum ausge­schlossen fei, die deutschnationale Taktik, bestimmte Persönlichkeiten m den Vordergrund zu schieben, mitznmachen.

Eine Stimme vom Rhein.

Nach einer Meldung aus Köln wurde in einer abgehaltenen Konserenz der Vertrauensleute, Vor­standsmitglieder usw. der Rheinischen Zen­trumsparkei eine Entschließung einstimmig an­genommen u. telegraphisch an den Reichskanzler ge­sandt, in der es heißt, daß die Wählerschaft des rheinisthen Zentrums erwartet, daß die Zentrums- staktton die bisherige Außenpolitik bei« behält und für jene Politik eine Mehrheit sucht. Das besetzte Gebiet sähe in dieser Politik die Rückkehr der Gefangenen und Ausgewiesenen und die Wiederherstellung seiner wirtschaftlichen und politischen Freiheit.

Intimes von den Dentschnationalen.

Im deukschoölkischen „Deutschen Tageblatt" schreibt der Abg. Wulle über „D a s w i l d e D u r ch- einander in der D eut sch Nation alen V o l k s p a r t e i" und erklärt es aus dem Reben- einanderbeftehen von drei Gruppen in der Partei. Die erste ist der konservative Flügel unter der Führung des Grafen Westarp, nach Wulle einflußreich durch seine Hintermänner, und zwar „ein ausgesprochener Gegner der Demokratte und des Marxismus, aber ohne klare Einstellung zur völkischen Frage". „Es ist anzunehmen, daß dieser konservative Flügel die Festtegung Hergts auf die Erfüllungspolitik entschieden bedauert und nach einer B r ück e sticht, die es Hergt ermöglicht, aus der Sackgasse, in die er geraten ist, herauszu­kommen." Die zweste Gruppe bilden die Völki­schen, Männer wie Schlange und Werner-Gießen, die in Opposition zur Politik Hergts stehen, und die eine Durchführung dieser Herrschen Erfüllungs- polftik „zwangsläufig aus der Deutschnatio­nalen Vvlkspartei heraus drängen würde", lieber das Gros der Partei endlich führt Wulle aus:

„Das Gros der Parte! besteht aus Interessen­politikern, Vertretern gewißer Berufsstände, überwiegend Landwirte, Industrievertreter, Arbsitersekretäre und Poli­tiker, die etwa auf der Linie der früheren Freikonseroati- ven Partei stehen. Unter diesen Leuten befinben sich Männer wie Behrens und Bruhn, die bekanntlich 1917 für die berüchtigte Fnedrnsresolution gestimmt haben, die die heutige Erfüllungspolitik vorbereitet hat. Es handelt sich also um ausgesprochene Opportun i- tätspolitiker, die sich im wesentlichen von wirt­schaftlichen Gesichtspunkten leiten lassen und denen die positive Mitarbeit an der heutigen Regierung einfach e i n Bedürfnis ist.

Es läßt sich nicht verkennen, daß die Gegensätze zwi­schen dieser Gruppe und dem völkst'chen Flügel außer­ordentlich stark sind."

Trotzdem glaubt Wulle, daß Hergt mit feiner Taktik Erfolg haben wird: „Der Regisseur der Partei ist der mächtigste Mann, und der Regisseur Herat ist einer der besten Rgeisseure.

deiktjchationalen Interpellation zu und betont, daß der Reichsminister i>es' Innern durchaus mit feinen Maß­nahmen übereinstimme. Wenn eine Schützengilde oder ein Turnverein einen Festzug machen will, dann wird die örtliche Polizei eine Ausnahme zulassen können, aber öffentliche

, Der bayerische Innenminister Schweher er­klärt das Schreiben, das er an die deutjch-bannoverische Partei gerichtet und in dem er aus föderalistischen Gründen die Bestrebungen der Welfen begrüßt hat, als einen Privatbrief, dessen Verwertung in der Oefsentlichkeit nicht in seinem Sinne gelegen habe.

Heber die engl.-rufs. Verhandlungen verlautet aus London, daß jetzt eine freundlichere Atmosphäre eingeireten sei. Zum erstenmal befaßte sich die Konferenz mit den Hauptfragen. Die russ. Abordnung wurde in keinem Zweifel über die Ab­sichten der britischen Regierung bezüglich der Anleihe gelaßen. Zuständige Persönlichkeiten äußerten die Ansicht, daß die Russen bereit sein würden, viel zu tun, um den britischen Ansichten entgegenzukommen und die Konferenz erfolgreich zu gestalten. Wahr­scheinlich wird in nächster Zukunft eine Reihe von Vollsitzungen stattfinden

ersucht, die Verantwortung für die Vorgänge in nn Reichsminister des Innern zuzuschieben. Die Veranwortting habe ich zu tragen und ich trage sie. (Abg. Frau Wolfttein (K.): „Arbeftermörder!" Vizepräsident

Erste Sitzung

Die parlamentarische Lage.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Wer jetzt durch Amt und Beruf in den Reichstag kommt, glaubt sich, noch ehe der Reichstag über­haupt offiziell zusammengetreten ist, mitten in den parlamentarischen Hochbetrieb versetzt. Die Fraktionen sind fast vollzählig zusammen und in ihrem Gefolge ist ein ganzer Troß von Partei­zugehörigen, von Delegierten und Delegationen, auch naturgemäß von Vertretern aller möglichen B" schen und wirtschaftlichen Interessengruppen, Wandelhalle und Sitzungssäle ein buntbe­wegtes Bild darbieten. Da die Mitglieder des Ka­binetts immerfort an Beratungen ihrer Fraktionen zur Verfügung stehen, ist auch fast die volle Regie- rimgstätigkeit in den Reichstag verlegt.

Zur gegenwärtigen Stunde ist ein klares Bild über die Situation noch nicht zu gewinnen. Man darf auch nicht erwarten, daß nach einem der­artigen, geradezu eine krankhafte Zersplitte­rung im Parteiwesen dokumentierenden Wahl­ergebnis so rasch eine Klärung sich ergeben wird. Dazu sind auch fast alle Fraktionen viel zu sehr durchsetzt mit neuen parlamentarisch noch unerfah­renen Elementen, die sich auf dem parlamentarischen Parkett doch noch nicht zurechtfinden und die sich vor allen Dingen noch nicht das Verwundern abgewöhnt haben. Man läßt sich durch Schwie­rigkeiten verblüffen, während die alten Parla­mentshasen sich dann wundern, daß es noch so glimpflich abging. Jeder Tag, ja jede Stunde bringt eine neue Situation, das Bild verändert sich wie im Film, und ehe man die festen Umrisse er­kennt, dauert es schon geraume Zeit. Von da bis mit Festigung des Fundaments, auf dem sich alles Neue aufbauen soll, ist wiederum ein steiniger und steiler Weg zurückzulegen. Durch die Vermehrung der bisher schon bestehenden Parteien ist die Lage nicht besser, sondern nur noch schwieriger ge­worden, kurz man muß sich auf eine ganze Fülle von Wechselfällen noch gefaßt machen und sich darum mit Geduld wappnen.

Zur Stunde ist das Problem der Führung dasjenige, das im Vordergründe aller Erörterungen steht. Die Mittelparteien haben auf Anregung der Deutschen Volkspartei und unter bestim­mender Teilnahme des Außenministers Stresemann em außenpolitisches Aktionsprogramm vereinbart, dem das Zentrum bereits zugestimmt hatte und woraufhin von der Deutschen Volkspartei selber der Antrag erging, die Verhandlungen darüber bis auf weiteres auszusetzen. Inzwischen war näm- llch die zunächst nur an das Zentrum, die Deutsche Md die Bayerische Volkspartei ergangene Ein­ladung der Deutschnationalen zu einer Besprechung über die Regierungsbildung erfolgt, die dann auch durch die Hinzunahme der Demokraten erweitert wurde. Die eingeladenen Parteien erklärten näm­lich chaß sie in Gemeinschaft mit der bürgerlichen Mitte bisher verhandelt hätten und darum ein Ausschluß eines Gliedes dieser Parteien nicht hin- nehmen konnten. Um nun diese Verhandlungen mit den Deutschnationalen nicht von vornherein zu »erbauen, und um nicht auch nur den geringsten Vorwand zu geben, Verantwortungen, die irgend >emand übernehmen möchte, abzulehnen, ist der Einladung der Deutschnattonalen von den Mittel­parteien Folge geleistet worden.

Schon die erste Fühlungnahme der Deutsch­nattonalen mtt den Mittelparteien, die am Mitt­woch im Zimmer des Herrn Hergt stattfand, hat den klaren und einwandfreien Nachweis geliefert, »atz die Deutfchnationalen keine Staats-, keine nationale Politik machen wollen, sondern daß es wnen auf rücksichtslose Ausnutzung ihrer Macht ankommt. Haben sie es doch in dieser ent­scheidenden Schicksalsstunde fertiggebracht, die erste Zusammenkunft mit den bürgerlichen Parteien dazu zu benutzen, von allen sachlichen Erörterungen vewußt abzudrängen und dafür die Personen-

M e in den Vordergrund zu stellen, und zwar Uchah das dadurch, daß die deutfchnationalen uuhrer ihren jetzigen Fraktionskollegen, den

Großadmiral v. Tirpitz, t-n künftigen Reichskanzler-Kandidaten präsentier- n- Herr v. Tirpitz, der sich neuerdings mit r-?11 3e’t®eing von ihm befehdeten Ludendorff ver- bet tu; en- sE' 1)01 bekanntlich vor dem Krieg die uych-englische Verständigung unmöglich gemacht, ergeben h"t^ verhängnisvolle Entwicklung sich vom Zentrum werden jetzt gut tun, in die- tifrh Augenblick jeden einzelnen Schritt der poli- lirfvh ^vtwicklungen hinter den Kulissen mit pein- für Genauigkeit festzuhalten. Das wird auch tn °le Beurteilung der Stellungnahme der Zen- unl^pvrtei und namentlich für die Rechtfertigung wa hi bei der demnächstigen

oon VrrP optischen Auseinandersetzung °°n allergrößter Bedeutung sein.

Mit „u ^e^tr!Irt? treibt Staatspolitik. Es lehnt baan Entschiedenheit eine Parteipolitik, noch von den C persönlich zugesvitzt, wie es jetzt, ist Ourf.n Deutschnattonalen geschieht, ab. Darum Nattonnto» b.^entrum dem Versuche der Deutsch- legenbeit rrÄ?! ™ erften fid> bietenden Ge- 8egenaPtrLU* 1 °fe Machtpolitik zu treiben, ent­flicht mnnn*1- eine sachliche Auseinandersetzung nächst DpK„ , ro°r- wurden die Verhandlungen zu- °uch w £ » 2)05 Zentrum wird daran festhalten, «nb allein Erörterungen sich einzig

auf die sachlichen Linien einzustellen.

ton $eS Herrn v. Tirpitz waren

-veutschnationalen auch noch andere Per-