ÄL 120.
DonnevKtag, 22. Ma! 1924«
* Fuldaer Zeitung
s. Blatt.
*¥* Druck der Fuldaer Actieudruckerei m Fulda
bemerkenswertes aus der Wahlstatistrk.
Nach der jetzt vorliegenden amtliche« Auf. Mlung der endgültigen Wahlergebnisse ergibt sich kür daS Zentrum die nachstehende Gewinn« und
Verlustliste:
1 Ostpreußen
1924
85201
1920 21 Reichsliste
91489
25201
^Berlin
44123
36547
13169
8. Potsdam n
29046
23858
^4. Potsdam I
19067
15663
20612
5. Frankfurt a. O.
51545
41561
6. Pommern
7670
6290
7670
"7. Breslau
176370
177240
8. Liegnitz
53378
61770
8437
9. Oppeln
198689
204096
^-Magdeburg
15809
12863
15929
Ü. Merseburg
8799
6534
12. Thüringen
51321
48470
1g—Schleswig-Holstein
7498
5592
7498
z^Weser-Ems
126691
133802
453
15. Osthannover
5422
5298
16. Südhannover
48 340
49750
~ 20 484
17. Westfalen-Nord
380 484
397 869
13. Westfalen»Süd
333 074
327 237
33074
19l Hessen-Nassau
202966
192 808
22966
25. Köln-Aachen
438660
443 252
18660
zi. Koblenz-Trier
323159
296912
23159
22. Düffeldorf»Ost
218323
230070
38 323
23. Düffeldorf-West
306120
301207
6120
24. Oberbayern
10097
—
10097
25. Niederbayern
6210
6210
26. Franken
16333
—
16333
27. Pfalz
• 39063
—
31063
28. Dresden
11782
14583
11782
29. Leipzig
3 320
2584
3320
30. Chemnitz
3672
2396
3672
31. Württemberg
265 496
269 477
25 496
32. Baden
325 645
344020
25 645
33. Heffen-Darmstadt
96130
95548
35130
34. Hamburg
9612
5797
9612
35. Mecklenburg
2683
1591
2683
Insgesamt 3920798
3845 001
440 798
Gegenüber dem vorläufigen Wahlergebnis stel- ken sich die Zendrumsstimmen in der endgültigen Statistik noch wesentlich günstiger heraus. Stark verschoben hat sich besonders das Bild in Schlesien, Thüringen und Hannover. Der Wahlkreis Thüringen, zu dem das katholische Eichsfeü) gehört, hat nicht, wie es zuerst hieß, 10 000 Stimmen weniger als bei der letzten Wahl aufgebracht, sondern fast 3000 S dimmen mehr. Durch höhere Ziffern in den Wahlkreisverbänden sind in diesen zwei Abgeordneten mehr als in der ersten Aufstellung angegeben worden (Breslau inti) Hannover-Süd) und auf die Reichsliste infolgedessen zwei Abgeordneten weniger.
Das Zentrum hat in 2 4 von den 35 Wahlkreisen einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Mehr als die Hälfte der jeweils überhaupt
abgegebenen Stimmen erhielt es im Wahlkreise T ri er-Koblenz, fast die Hälfte im Wahlkreise Köln-Aachen und Düsseldorf-West. Es verdient festgestellt zu werden, daß die Deutsch- nationalen in keinem einzigen WalMreise die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreicht haben, sie nähern sich der Hälfte in P o m m e r n und kommen auf ein Drittel der abgegebenen Stimmen nur noch in Ostpreußen (zwei Fünftel), Frankfurt a. O. (drei Achtel), Breslau, Liegnitz und Schleswig.
Die Berufsstände in der Zentrumspariei.
Die aus den jetzigen Reichtagswahlen hervorgegangene neue Zentrumsfraktion stellt sich wiederum als ein getreues Abbild der sämtlichen, in unserem Volke wirksamen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Kräfte dar. In keiner andern Fraktion ist das in dem Maße der Fall, wie bei der Zentrumspartei.
Die Gruppe der L a n d w i r t e ist die stärkste in der Fraktion. Neben 8 Landwirten und 2 Gutsbesitzern gehören zur Zentrumsfraktion 3 landwirtschaftliche Organisationsleiter, ein Genossenschaftsdirektor, 1 Landwirtschaftsschuldirektor und ein Leiter eines staatlichen Versuchsgutes. Dies sind zusammen 16 Vertreter der Landwirtschaft.
Die nächststarke Gruppe stellen die aus dem Arbeiter stände hervorgegangenen Abgeordneten dar. Insgesamt sind es 10. Davon sind 3 Verbandsvorsitzende, 4 Arbeitersekretäre, 2 Minister a. D. und ein im Reichsarbeitsministerium als Beirat tätiger Parlamentarier.
Für die Handwerker sind 3 in der Handwerkerbewegung tätige Beamte und ein Genossenschaftsleiter. Weiter gehören zur Fraktion 3 Industrielle. Aus dem Kauf manns st and: 2 Kaufleute, 1 kaufmännischer Angestellter und ein Konsumverbandsdirektor. Zu den freien Berufen gehören: 2 Schriftleiter, 1 Schriftstellerin, 1 Hausfrau. Zwei Rechtsanwälte, die noch hierhin gehören, fallen auch unter die 10 Köpfe starke Gruppe der Juristen. Hierzu rechnen 1 Oberstaatsanwalt, 1 Landgerichtsdirektor und als Minister bezw. Reichskanzler angeführter Parlamentarier. An Staatsbeamten gehören zur Zentrumsfraktion 2 Oberregierungsräte, 1 Ministerialrat, 1 Oberpostsekretär und ein Postsekretär.
Aus dem Beruf der V o l k s w i r t f ch a f t l e r hervorgegangen sind 2 Minister, 1 Ministerialdirektor und 1 dritter Parlamentarier. Der Lehrer- beruf stellt 1 Universitätsprofessor, 1 Kreisschulrat, 1 Oberlehrer, 1 Oberlehrer a. D„ 1 Mittelschullehrer und 1 Lehrerin. Dem geistlichen Stande gehören 5 an: 1 Minister, 1 Universitätsprofessor, 2 Domherren und 1 Pfarrer. Schließlich sei noch erwähnt, daß zur Zentrumspartei vier Frauen gehören.
Die Reichstagswahlen in Hessen-Nassau seit dem Zufammendruch
Tag der Wahl:
19.1.19
6.6.20
4.6.24
»/«-Satz der gültigen Stimmen
Stimmen
Stimmen
Stimmen
19.1.19
6.6. 20
4.5. 24
Zentrum.............
209477
192808
202966
17,4
17,0
17,0
Demolratische Partei . ........
26536t
116084
85249
22,0
10,2
7,1
Deutsche Voikspartei.........
80555
182511
146985
6,7
16,1
12,3
Mehrheits-soztaldemokratische Partei .....
494600
310736
302886
41,0
27,4
25,2
Unabhängige Sozialdemokratische Partei . . .
45734
139321
11555
3,8
12/3
1,0
Kommunistische Partei.........
—
16a24
111495
——
1,4
9,3
Deutschnationale Volkspartei . ......
110310
177273
242995
9A
15,6
20,2
Völkisch-sozraler Block.........
—
—
66604
—
—
5,5
Verschiedene ............
279
——
29108
2,4
Rach Parteigr
Uppen:
Zentrum . . • V V . . . • »
209477
192808
202966
17,4
17,0
17,0
Liberale Parteien ..........
345916
298595
232234
28,7
263
19,4
Sozialistische Parteien . ........
540334
466581
425936
448
41,1
35,5
110307
177273
309599
9,1
15,6
25,7
Verschiedene............
—
—
29108
——
—
2,4
aus der Zentrumrpartei.
= Die »eichrtagu«- Oer deutschen windthorst-vunde Das Reichsgeneralsekretariat der deutschen W'udthorst. Bunde teilt uns mit: Unsere Reichstagung kann nicht, wie sonst üblich, Pfingsten stattfinden, sondern mutz auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden, voraus- fichtlich Anfang Oktober. Nach Rücksprache mit dem schlesischen Gauverband teilen wir den endgiltigeu Termin in einigen Tagen mit.
— vom Reichsgeneralsekretariat Oer deutsche» Sen- trmnrpartei gehl uns folgende Mitteilung zu: Sie Reichsparteileitung legt Wert darauf, daS während des
Da; tzeidefchlotz.
Roman von Marie Harling. 29j -----------
-Keine Hoffnung," lautet fein Urteil, „wrr noch Stunden kann der Kranke leben.
Elsa bleibt gefaßt, als man ihr auf ihr flehentliches Bitten den Ausspruch des Arztes miste ist: nur in ihren Augen liegt ein namenloses Weh. Keine Minute weicht !>e vom Lager des Gatten, sie geizt mit jeder Sekunde, sie noch bei ihm sein kann.
Spät am Nachmittag erst öffnet der Kranke die Augen, in tiefem Weh blickt er auf sein junges, sckpnerz- etftorrtes Weib, seine Hand tastet nach der ihren.
-Nicht traurig sein, Liebling! Vielleicht ist es besser p- Ich hätte dich so gerne selbst zu Deinem Vater ge= bradjt, doch Gott will es nicht, wir müssen uns seinem WUlen fügen. Ich bin ihm ja so dankbar für das Glück, er mir in Dir und unferm Kinde gegeben. Küsse ~rm9arb in meinem Namen und lehre sie den Vater Ueb behalten."
Da schluchzt Elsa bitter weinend auf.
»Geh itidjt von uns, Norbert, wir haben Dich ja fo Uotwendig zu unferm Glück."
2>a leuchten die Augen des Sterbenden sieghaft auf.
•So bist du wirklich glücklich gewesen bei mir, Elsa?"
Voll und ganz, Norbert. Wenn auch zuweilen meine *“9en trübe blickten, so war es nur die Sehnsucht nach ^Heimltt, die aus ihnen sprach, das Verlangen, den. ««er wieder nahe zu sein, dem ich so wehe getan. Sieh, CTbert, feit ich selbst Mutter bin, weiß ich wohl, wie lieb
Ellern die Kinder haben."
•^."^Eilling Du, wie glücklich machen mich Deine ne. Doch ich fürchte das Ende, lasse den Priester ttn, uh möchte Frieden machen mit Gott und der West.
füvUj1 bald als möglich, Liebling! Lohbergs werden
-O'ch sorgen."
toantt hinaus, um dem Wunsche des Gatten nach- men. Nur mit äußerster Willenskraft kann sie ■nnLZyfo hallen. Kurz ist der Todeskampf. 3» den
letnes Wsbes jchläst Norbert faust hinüber, in
Wahlkampfes herausgekommene Wahl material zu sammeln. Es handelt sich um Flugschuften, Flugblätter, Wahlplakate und Wahlzeitungen sowohl der Zentrums- par et wie auch sämtlicher anderer Parteien. Es wird gebeten, dem Reichsgeneralsekretariat, Berlin W. 8, Französischestratze 62, mindestens je etn Exemplar des nt Frage kommenden Wahlmaterials zuzu,enden.
Technik und verkehr.
— Der französische weliflieger d'Oisy ist Sonntag mittag in Schanghai (China) eingetroffen.
des das Abendrot hinter den Tannengipfeln verglüht. Dis zum letzten Augenblick ist Elsa standhaft gewesen. Als sie jedoch den erstarrten Körper des Gatten aus ihren Armen läßt, bricht sie zusammen.
Tage und Wochen hat Elsa mit dem Tode gerungen. Ein schweres Nsrvensieber hatte sie ergriffen. Wirr wären die Fiebeireden ter jungen Frau; sehnsüchtig rief sie nach dem Gatten und dem Vater; aber auch ein anderer Name tönte so oft in banger Frage von ihren Lippen.
Die junge, blonde Frau, die so aufopfernd an Elsas Lager sitzt, zuckt schmerzlich zusammen, so oft sie diesen Namen Hütt. Mahnt er sie doch an ein eigenes Verschulden, das sie, Gott weiß es, damals nicht fo schwer erwogen hat.
An Norberts Todestag noch ist eine Kabeldepesche nach Deutschland abgegangen.
„Westermann soeben gestorben; seine Frau unfähig, allein abzureisen, erwarte Nachricht."
Danderstraaten war tätlich erschrocken, als er bas Telegramm in Händen hielt. Heinz war bei dieser neuen Trauerbotschaft seine erste Zuflucht. In der ersten Erregung wollte Heinz selbst zu Elsa reisen; doch sagte er sich, Elsa möchte gerade in der Zeit der ersten Trauer seine Nähe unangenehm empfinden. So kam man denn überein, sofort an Franz und Ruth zu depeschieren und von diesen weitere Nachricht zu erbitten.
Ruth eilte auf die Schreckensbotschaft sofort zu Elsa, doch fand sie diese schon in wilden Fiebenphantasien.
Aufopfernd pflegte sie Elsa; fast täglich sandte sie Berichte an den Vater. Elsas jugendkräftige Statur siegte zwar, doch trauerte es lange, bange Wochen, bis die fieberglänzenden Augen sich wieder bewußtoollem Leben er Stossen.
Ihr erster Blick fiel auf Ruth. Ein unruhig fragender, banger Blick war es, der die junge Frau streifte. Ruth fühlte den forschenden Blick und ein Jubelruf drängte sich auf ihre Lippen, als sie bas auffetmenbe Verständnis in Elsas Augen sah.
„Ruth, Du? Wo bin ich? Wie bin ich hierhergekommen?"
Leise, wie ein Hauch- kommen die Fragen von der Kranken Lippen.
Abführung -er Lohnsteuer.
Dom F in a n z a m t wird uns geschrieben:
Die Abführung (Ueberweisung) der Lohn- und Gehaltssteuern (Ivproz. Steuerabzug) stößt bei vielen Arbeitgebern oft auf Schwierigkeiten. Um Unstimmigkeiten am Jahresschluß, bei Ausstellung der Ueberweismrgsblat- ter und um unnötigen Schriftwechsel zu vermeiden, wird auf folgendes hingewiesen: .
Diejenigen Arbeitgeber, welche mehr als drei Arbeitnehmer beschäftigen, müßen die Lohnsteuer in bar an die Finanzkasse einzahlen, oder durch Ueberweisung auf Das Postscheckkonto der Finanzkasse Fulda (Postscheckamt Frankfutt a. M. Nr. 80 606), die Dresdner Bank Filiale Fulda, die Kreissparkasse Fulda oder die städttsche Spar- kasie in Fulda vornehmen.
Bet der Grenzzahl 3 bleibt es ohne Solang, ob samt- liche Arbeitnehmer des Betriebs Lohnsteuern zahlen oder nur einzelne.
Die Abführung der einbehaltenen Lohnsteuern hat zu erfolgen für Lohnzahlungen in der Zeit vom 1-—10- eines Monats, am 15. für Lohnzahlungen in der Zeit vorn 11.—20. am 25. und für solche in der Zeit vorn 21. bis Ende eines Monats am 5. des folgenden Monats.
Da die Abführung der einbehaltenen Lohnsteuerbeträge je nach Zahlterminen dreimal monatlich zu erfolgen hat, ergeben sich bei einzelnen Arbeitgebern, weiche nur wenige Wochenlohnempsänger beschäftigen, an den einzelnen Terminen vielfach nur geringe Steuerbeträge. Wenn nun in einem Monat die Lohnsteuern sämtlicher Arbeitnehmer nicht 12 Mk. übersteigen, so sind dieselben bis zum 5. des folgenden Monats abzuführen.
Bei der Einzahlung an eine Kaffe ist nur anzugeben: Lohnsteuer der Firma N. N für die Zeit vom......
bis 1924 .... Goldmark. Bei Einzahlung
durch Postscheck ist dieser Vermerk aus den Abschnitt zu setzen. Eine weitere Benachrichtigung an das Finanzamt oder eine erläuternde Zuschrift über die einzelnen Einzahlungen ist nicht erforderlich. Diese Einzelnachweise sind von den Arbettgebern m den Lohnkonten so festzulegen, daß bei Prüfungen des Lohnsteuer-Abzugsverfahrens in den Betrieben eine deutliche Uebersicht für jeden einzelnen Arbeitnehmer vorliegt.
Als Beleg für die in jedem Monat eingezahtten Summen ist bis zum 5. des nächsten Monats nur e i n e Bescheinigung beizubringen, welche eine pflichtgemäße Versicherung über die in dem betreffenben Monat abgeführte Gesamtsumme darsteW.
Die Bescheinigung muß folgenden Wortlaut haben: Bescheinigung.
Der Firma N. N. in N. N.
Es wird hiermit nach bestem Wissen und Gewissen versichert, daß die an die Kasse des Finanzamts in Fulda von mir (uns) für den Monat . . . 1924 ab- geführten Steuerabzugsbeträge von insgesamt . . . Goldmark mit dem Gesamtbetrag der vom Arbeitslohn meiner Arbeitnehmer in diesem Monat einbehaltenen Steuerbeträge übereinstimmen.
Unterschrift.
Diese Bescheinigung muß von dem Arbeitgeber oder einer Person, die zur Vertretung der Firma rechtlich befugt ist, unterschrieben fein.
Es wird noch besonders daraus hingewiesen, daß die in der Bescheinigung aufgeführte Summe, mit den an den drei Dekaten-Terminen eingezahlten Summen genau übereinstimmen muß. Die Summen der zwölf Bescheinigungen im Jahr ergeben bas Gosrnntsteuersoll der Firma und diese Summe muß am Schlüsse des Jahres durch Ausschreiben von Ueberroeijungsblättern für jeden einzelnen Arbeitnehmer nachgewiesen werden. Diejenigen Lrbeinehrner, welche die Bescheinigungen für die verflossenen Monate des Jahres 1924 noch nicht beigebracht haben, wallen dieselben unverzüglich dem Finanzamt einreichen. ____________
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„Still, Elsa, Du darfst nicht retten, Dich nicht aufregen; spater erzähle ich Dir alles, versuche nun zu schlafen."
Gehorsam schließt Elsa die Augen, doch ein Zug peinigender Unruhe matt sich in ihren Zügen.
„Ruth, wo ist Irmgard? Mir träumte, sie wäre fort?"
„Dein Kind ist bei Lohbergs, Elsa. Es ist gut aufgehoben. Wenn Du folgsam bist und schlässt, hole ich es Dir nachher herüber."
Ein ganz leises Lächeln spiest um Elsas Lippen, dann schließt sie von neuem die Augen, und bald künden ihre ruhigen Atemzüge, daß sie der Ge.-esung entgegenschläft.
Bon diesem Tage an macht Elsas Besserung gute Fortschritte. Nur einmal noch, als sie sich des erlittenen Verlustes voll und ganz bewußt wird, bricht sie in bittere Tränen aus. Doch dann wird sie ruhiger, sie drückt ihren kleinen Liebling ans Herz und flüstert ihm zu: „Jnngard, Du und ich, wir beide allein wißen, welch ein edler, guter Mensch er war, wir werden ihn lieb behalten, solange wir leben."
Oft kommt Frau Lohberg mit dem Kind herüber. Irmgards munteres Geplauder zerstreut und erheitert die Kranke. Auf Norberts Grab aber blühen schon silber- ftemige Astern und duftende Reseden, als Elsa es zum ersten Mal besuchen kann. Lange kniet sie betend an dem stillen Hügel. Träne um Träne rinnt auf die gefalteten Hände, endlich aber rafft sie sich auf.
„Norbert, ich weiß, es würde Dir wehe tun, sähst Du mich hier trosllos meinen. Ich werde stark sein und meinen Schmerz bezwingen. Hast Du mir doch ein Pfand gelassen, das mich unendlich beglückt und für das sich wohl zu leben verlohnt. In jener schönen Heimat werden wir uns Wiedersehn. Lebe wohl, mein Geliebter, bete für Deine schwache, verlassene Elsa, wenn Du bei Gott bist."
Freier und leichter wird Elsas Gang und über ihr blasses, abgemagertes Gesicht zuckt wieder ab und zu ein Lächeln.
Der Arzt jedoch verbietet vorläufig noch die lieber« fieblung in die alte Heimat. Elsa sei zu schwach, um jetzt im beginnenden Winter solche Strapazen durchzu-
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machen. Wenigstens bis zum solgenden Sommer muffe man damit warten.
Als Danderstraaten diese Nachricht erhält, entschließt er sich kurz, selbst zu Elsa hinüber zu fahren. Er kann die Sehnsucht nach seinem Kinde und seiner Enkelin nicht länger mehr unterdrücken. Ohne Bedenken überträgt er Heinz die vollständige Leitung seiner gesamten Werke; dann reist er sofort ab.
Als Elsa von der Abreise des Vaters erfährt, fttahlen ihre Augen zum ersten Male im alten Glanz. Ruth ist noch bei ihr, und sie bemerkt zu dieser Freudenbotschaft: „Ich werde solange bleiben, bis Dein Vater kommt, Elsa. Dann aber verlangt es mich auch nach House, zu meinem Gatten und zu meinen Kindern."
Elsa erfaßt mit herzlichem Druck Ruih's Hand.
(Fortsetzung folgt.)
Im Unterhaltungsteil der Fuldaer Zeitg. kom men demnächst zum Abdruck:
Unsere M.rie und ich aus der Feder des rheinischen Schriftstellers Joseph Vincenz Grün au. Der gemütvolle Humor dieser Erzählung macht sie zu einer angenehmen, kurz« weiligen Lektüre. — Daran schließt sich:
Die Einsame.
Von Horst Werthern.
Dieses psychologisch interessante Romanwerk darf einer herzlichen Aufnahme gewiß sein. Mit wachsender Aufmerksamkeit wird der Leser dem Schicksalswege des verarmten, innerlich reichen FreifräuleinS aus altadeiigem Geschlecht folgen, das sich, um die Leere seines Daseins auszufüllen, eines in der Erziehung vernachlässigten Kindes annimmt und unter Verzicht aus brennende Herzenswünsche in der Erfüllung seiner Lebensaufgabe das reinste Glück findet. Ein packendes Seelengemälde von heldenmütiger Selbstentäußerung uud Aufopferung entrollt sich dem geistigen Aug».