M »5.
Freitag, 16. Mai 1924«
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Aetieadruckeret 1« Fulda
Frankreichs Vasallen.
Wjr haben in einem früheren Artikel Frank- ^ceresmacht einer eingehenden Behandlung mtetWn- 21'-er diese gewaltige Waffe fft nicht £ Lzige, die den Franzosen im Kriegsfälle zur «erfügung steht.
Die mit der franwsischsn verbündete b e l z i- «ck,« Armee ist seit Dezember 1923 in der Um« ormeenrng begriffen. Die Heeresreiorm bringt 5Lnfo wie in Frankreich zwar eine Berringerimg ter Aoyfstärke im Frieden mit sich, bedeutet aber "L, erhebliche Verstärkung an Material, stelle der bisherigen 12 Divisionen gibt es nur -och 8 aktive Divisionen. Dafür sind aber di« Stämme für 8 Reserve-Divisionen gebildet worden, t»je in ihrer Organisation den akriven Divisionen ent- sprccben und für die das gesamte Matrial vorhanden ift-
Es bestehen also tatsächlich:
24 „ktlve und 21 Reservc-Jnf.-Regtr. gegen bisher 36 Inf Regte.
8 Moto Gew Satte., bisher keine.
8 Res. Masch. Gew. Solle.
22 aktive | Art-Regir. gegen bisher
J2 Reserve ! 22 Art.-Reatr., darunter 5
8 Inf -Battrn. ( schwere Act.-Regir. gegen
6 Res. nf. Baitrn. J bisher 3.
9 Kav.-Regtr.
1 Radfabr-Iäo »Regt
8 Pionier-Regtr.
Kampfwagen., Kraftwagen- und Panzerkraftwagen- Formationen.
8 Flieoerabteiluneen.
Ei-enbahn- und Nachrichtenformationen.
Belgien ist nicht nur durch einen Militarvertrag yn Frankreich gefeinten, es hat sich auch bie fron« Mschen Anschauungen in organisatorischen und rttiischen Fragen zu eigen gemacht und kann in gMSrischer Beziehung durchaus als em Teil von Frankreich betrachtet werden.
Slber nicht nur Belgien ist durch einen Militär- Vertrag an Frankreich gefesselt. Man hat es in Paris verstanden einen ganzen Ring von Armeen am Deutschland zu schaffen. Es würde zu weit füh- yen, wollte man m Einzelnen die Armeen der Ba- lallen Frankreichs behandeln. Die nachstehende Tabelle zeigt deutlich die Erfolge der französischen Ein- sreisungspolitik gegen Deutschland.
Frankreich? und seiner Bundesgenossen militärische Stärke im Frieden.
Ink.
Erk.
Batterien
Stil.
Ton»
Kod'st.
Batl.
Selb schwere ollua-
reuere
Frankreich
550
83
592
246
4000
2160
786000
5? einen
94
40
86
62
320
150
90000
Polen
810
220
320
99
600
160
290 000
Tschechoslowakei 185
60
162
114
500
etwa 10
200000
Rumänien
234
100
150
180
1
20
192000
Ju.ostavlen
147
31
159
72
150
15
160000
Summe:
1520 5391469
773
5570
2515 1718000
Deutschland:
84
61
72
—
—-
—
100 000
Dem schlecht bewaffneten deutschen 100 000» Mannheer stehen also an den deutschen Grenzen 1 718 000 mit dem neuesten Kriegsmaterial bis an die Zähne bewaffnete Soldaten gegenüber. Und trotzdem glaubt Frankreich sich noch immer von Deutschland s bedroht, daß es weite deutsche Gebiete besetzt hält und den Rhein zu seiner Grenze machen möchte. Die Zahlen der vorstehenden Tabelle zeigen, daß nicht die Sorge vor einem Ueberfalt Deutschlands, sondern einzig und allein der tausendjährige Traum Frankreichs von der Rheingrenze die Politik seiner Regierungen gegen» Über Deutschlands bestimmt.
— Vie internationale wirtschdstr-Statiftik. In Gens iant zurzeit ein Sachverständigenausschuß den Völkerbundes für statistische Fraoen, in dem bot deutscher Seite der Leipziger Professor, Geheimra. Würzburger, mitwirkt. Der Ausschuß regt eine Zun sammenfassung der verschiedenen statistischen Methoden für Produktion und Klassifizierung de Industrien an, zu deren Prüfung und zum Zweck der Vorbereitung einer internationalen Konferenz fünf Unterausschüsse eingesetzt worden sind.
Vie Zeit im Witz.
--- Die Partei, die ö'e Steuern adschnfft Vom Wahl« Humor lesen wir im ^Höchster Kreisvlattt: AuS einem Nachbai ort wird berichtet: Im Wahllokal erscheint der alte, balbtaube Philipp mit einer Zeitung tu der Hand, die Brille auf der Nase und fragt: „Wu giebt's tn d' Reichstag— „Höf!" sa t der Stimmzettelvettci er und hält ihm den Zettel nebst Umschlag hin. Dock der Philipp winkt ab: „Nix do! Eich such mer mein Zettel selwer eraus, — gebthe not emol all her!" Nun wird dem Philipp klar gemacht, daß daS nicht angängig sei, außerdem )ei ja ein Zettel genau wie der andere. „Su?‘, sagte der Nile, „for waS iS dann do däj ganz Hetz? Dann brauche mer doch nit zu wähle, — dann giehu ich toiarrer haam!• Nach umständlicher Aufklärung entschließt er sich schließlich doch zu.n Dablechen und geht in die Wahlzelle, kommt aber nach kurzer Zeit daraus zurück und fragt: „Welle sein dann däj, wu die Schkeier beschaffe?" Ein Spaßvogel klärt ihn auf: .Ei for dä sein unne die leere Felder bestimmt; dä erschte for die Giundsteier, dä? zwatte for die Einkommefteier, das dritte for die Gewerbesteier un so weiter". — .Schon gout!" sagt der Philipp und nun macht er mit viel Sorgfalt injedeSderleeren Felder seinKreuz. gibt dann stolz den blauen Umschlag mit dem Zettel darin ab und geht wieder heim in dem Bewußtsein, feine höchste vaterländische Pflicht treu und redlich erfüllt zu haben._______________
Kunst und Literaiur.
= Kurthealer Bob Orb. Am 24. Mai beginnt die neue Spielzeit des Kurlheaters Bad Orb. Das Thcotcr wird jetzt vom B ü h n e n v o l k s b un d E. 33., Sitz Frankfurt a. M. geführt, der mit der künstlerischen Leitung Herrn Waller Blachetla betraut» und durch einen sorgfältig ausgearbeiteten Musterspielplan den Nachweis bringen will, daß auch ein Kurthealer künstlerisch und kulturell wertvoll sein kann, ohne des heiteren Elementes zu entbehren. Bekanntlich find die sommerlichen Kurtheater von den Thealerkullurbestrebmigen seither noch so gut wie garnichi ersaßt worden, es macht sich fast überall die ödeste DperetfenroirHrhaft breit Umsomehr hoff man auf den Versuch des Bühnenoolksbun- des gespannt sein, nun in dem idyllisch gelegenen Badeort Orb etwas Vorbildliches zu schaffen. Als Eröffnungs- Vorstellung wird Dr. Faust in der Bearbeitung von Erich Schaff nach Simrock gegeben. An ernsten Werken sind außerdem vorgesehen Iphigenie von Goethe, Lanzelot und Sanderein, Das Rürnbergisch Ei von Walter Har» lan, Das Leben ein Traum von Caldoron, Mariens Siebent Herrlichkeit aus dem Mitielniederländifchen: an heiteren Spielen Kleist Der zerbrochene Krug, Ealderon Dame Kobold und das Geheimnis, Gott Der Schwarzkünstler, Eichendorf Die Freier, Holbsrg, Jep>>e vom Berge Moliere, Der eingebildete Kranke und der siegende Arzt u. a. •
— Von Darmstadt nach fiöln. Der in Kreisen der Theaterfreunde viel genannte Darmstädter Generalintendant Gustav Hartung wird als Schauspielintendant der Bereinigten Stadttheater nach Köln gehen.
— Hermann ürehschmar f Einer der hervorragendsten deutschen Muflkgelehrten, der Geheime Reqierungs- rat Pros. Dr. Hermann Kretzschmar, ist in Berlin im Alter von 77 Jahren gestorben. Die deutsche Musikwelt betrauert in dem Hinscheiden dieses geistvollen Mannes den Verlust eines ihrer Führer, das Musikleben einen Förderer, dem es für alle Zeiten größten Dank schuldet Als Komponist Ist Kretzschmar nur mit einigen!)rgelstiicken und Chorkompositionen heroorqetreten. Desto beftim» mender und nachhaltiger war fein schriftstellerisches Wir» fen in musikalischen Fachzeitschriften. Herrn. Kretzsch- mars dreibändiger Führer durch den Konzeptsaal (später als Kleiner Konzertführer auch in Einzelheften erschienen) machte seinen Namen auch in Kreisen des musikliebenden Publikums bekannt uni) beliebt
Soziales.
---- Personalabbau Im Vankgewerbe. Die Angestell» tenorganifationen des Bankgewerbes stellen gegenwärtig Erhebungen darüber an, in welchem Maße die allgemeine Krisis des Bankgewerbes zur Verminderung des Personals geführt hat. Die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor. Aber schon nach den bisherigen Ermittelungen rechnet man im allgemeinen Vor- band der deutschen Bankbeamten mit einem Abbau von 15 Prozent seit dem 1. Oktober 1923. In erster Linie sind natürlich die ungeschulten Kräfte enilaffen worden, die bei der krankhaften Steigerung des Ge- schäftsumfanges der Banken in der Jnflationsperiode herangeholt worden sind, weibliche Kräfte, banktechnisch
nicht Dargebilbete Kaufleute, verabschiedete Offiziere vsw. Seit einigen Wochen erstrecken sich aber die Kündigungen auch auf die gelernten Bankbeamten, die bei dem großen Rückgang des Geschäfts nicht weiter beschäftigt werden können. Der Zusammenbruch großer Santinftiffate hak viele Angestellte brotlos gemacht, vor allem aber herrscht Arbeitslosigkeit in den vielen kleineren Privat b a n k h äu s e r n, die zum großen Teil efft während der Jnflationsperiode entstanden sind. Da sind vielfach nur noch einige Prokuristen tätig, um das Geschäft über Wasser zu halten bis zum Herbst, wo man im Zu- sammenhang mit der erwarteten Annahme des Sachverständigengutachtens auf eine neue Belebung der Konjunktur rechnet. ...... i
Gottesdienstordnung.
tilatholifdtet Gottesdienst.
Freitag, 16. Mai. Frauenberg. Nachmitt. Vi5 feiert. Vesper m. sakram. Segen.
Jsraclltifchcr Gottesdienst.
Sam?tag, 17. Mai. Vorabends 715,morgens7.36, nachmirt. 5, SabbatauS ang 9 Uhr. — Wochengotte S- bienft; Morgens 6.15, abends 8.45 Uhr.
Eingesandt.
Für Veröffentlichungen an dieser Stelle trägt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.
Zu dem Bericht über die Generalversammlung der Schuhmacher-Zwangs-Jnnung, (bie, wie des öfteren, schlecht besucht war), „Einzelgänger" betreffend, erkläre ich, ohne mich mit der Person des Einsenders, der nach Ton >md Inhalt der Zuschrift sehr leicht zu erraten ist, zu beschäftigen, folgendes: Veffchiedene Vorgänge der letzten Zeit zwingen eine große Zahl von Meistern, zu denen der Einzelgänger auch gehört, well sie mit der Führung der Ge- fchöste durch den Obermeister sich nicht einvefftanden erklären können, Front zu machen und den Antrag auf Auslösung der Z.-J. zu stellen. Daß die Z -J. nicht Allgemeingut der Gewerbetreibenden ist und ein großer Teil auch in anderen Gewerben sich energisch gegen dieser Institut mehrt, ist zur Genüge bekannt. Nur der Zwang und die vom Vorstand zu verhängenden Strafen zwingen den größten Teil der Mitglieder, zu den Ver- fanunlungen zu erscheinen. Daß die Auslösung der Z.-I. dem Vorstände, an der Spitze dem Obermeister, nicht genehm fft, können wir uns lebhaft vofftellen. versichern aber, daß der Antrag, der ja noch garntot gestellt wurde, und auch in der letzten Sitzung nicht besprochen werden konnte, von einem großen Teil Kollegen unter» zeichnet ist. Auf die sonstigen Ausdrücke näher einzu- gehen, erübrigt sich. Wir bemerken jedoch, daß ein großer Teil der Kollegen nicht länger Lust hat sich von Einzelnen in dieser Meise kommandieren zu «affen. Schon feit der Fachausstellung hoben wir, als manches bekannt wurde, uns Gedanken über diele Vorkommnisse gemach, die für die Moral des Handwerks nicht von Vorteil waren. Weftere Zeftungsschreibereien halten wir im Interesse unserer Ehre und unseres Ha-dmerks für nicht angebracht. Es wäre für den Einsender bester ge- wesen, er hätte geschwiegen. Für uns gilt nur das Sprichwort:
Freie Bahn dem Tüchtigen, Hllf dir selbst, so hilft dir Gott.
Frz. Althaus.
(Eine Anregung. Heute, am 15. Mai, ist wieder die monatliche Hauszins st euer fällig, eine „Freude" für Mieter und Vermieter! Wäre es denn nicht mög- sich, diese „Last" durch eine Steuer auf die fn „verwünschten" Last- und gar Luxus-Autos adzuwälze» ? Man kann ja heutzutage nicht über Ne Straße gehen, noch die Fenster offnen, ohne Gefahr zu laufen, von diesen vorbei rasenden Ungetümen eingepulvert zu werdsi! Die in besonders engen Straßen jetzt so ost vorkomnenden Sprünge der Schaufenster sind meist Folge der vorbei rasenden Lastautos. In anderen Orten werden gax„ gehörige Steuern erhoben, warum nicht in Fulda? Wer sich das Vergnügen der Luxus-Autos gönnen kann, soll auch zahlen. Dies ist die Meinung und der Wunsch der größten Zahl unserer Bürgeffchast. -
Einer für Diele!
Ihr IStand »äs &AA& AtS geruch wirkt abstoßend. Beide
Abel werden sofort in voll- kommen unjchSdlicher Weift befelllgt durch bie bewährte Zahnpaste Chloro«lonf. wirksam unterstützt durch Mundwasser. Überall zu haben.
Frankfurter Bör|
Die notierunqm nerflehm fich In Billionen Proient
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Sichel & Co.
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Berliner Kursbericht.
Deutsche Stoatspaplere.
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Vank-Attlen.
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