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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sfabf Fulda.

Nr. ttS.

Verantwortlich lür die Schriitlenung: Dr. Jokanner Kramer. Ameisen: I- Darre Iler, Jalta. Rotationsdruck and Verlag der s Fuldaer «etlendruckerei in Fulda. Ferntdrecher Rr- 9.

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Freitag, 16. Mal 1924.

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51. Zahrg.

M SsSskkMW'Lrleil.

Spaltung in der deutschen Industrie.

Wie die Blätter mitteilen, hat sich eine Gruppe pon Industriellen in einer in Berlin abge- haltenen Sitzung von der Politik des Reichsv erban- des der deutschen Industrie, der sich für das Sach- verständigon-Tutachten ausgesprochen hatte, los­gesagt und beschlossen, sich als Deutsche Jn- dustriellen-Bereinigung selbständig zu machen. Die Bereinigung beabsichtige noch vor dem Zusammentritt des Reichstages eins Jn- dustriellenoersammlung nach Berlin einzuberufen, in der zu dem Sachverständigengutachten Stel­lung genommen werden soll. Wie die Blätter be­merken, wird sich bei dieser Gelegenheit zeigen, wieviele Anhänger die neue Bereinigung ausweisen kann. Es dürften jedenfalls Leute fern, die wegen ihrer Privatinteressen überhaupt kern Auge mehr für das Wohl des ganzen deutschen Volkes haben.

Die Relchsregierung

hat von den Deutschnationalendurch die Blume" die Aufforderung erhalten, schon jetzt zu­rückzutreten. Man nimmt aber an, das Kabinett Dr. Marx-Stresemann werde erst zurücktreten, wenn es in der am 27. Mai stattfindenden Reichstags­sitzung gestürzt wird und dann die Opposition die Pflicht hat, die Regierung zu bilden. Bon dem Plan, einenBlock der nationalen Mitte" zu bilden, ist man abgekommen. Die Deutsche Dolkspartei hat sich in aller Form gegen einen solchen Plan ausgesprochen, weil sie wohl hofft, mit den Deutsch- nationalen zu einer Verständigung zu kommen.

Deutschland und Rußland.

Die in der Angelegenheit der Durchsuchung der russischen Handelsvertretung in Berlin von Ruß­land gestellten Forderungen, z. T. recht un­angenehmer Natur, wurden in einer Note der deut­schen Regierung zugeleitet.

Bon zuständiger preußischer Stelle erfahren wir, daß der Leiter der politischen Abteilung des Ber­liner Polizeipräsidiums, Oberregierungsrat Weiß, bis zur völligen Klärung der Angelegenheit in der russischen Handelsdelegation in Berlin beur­laubt wurde.

Ruch weiterhin Vorsicht!

Reichshaushalt und Währung.

Die Aufrechterhaltung der Stabili- t ä t bedingt, wie uns von einem politischen Mit­arbeiter geschrieben wird, auch heute noch die nach- drücklichsten Anstrengungen seitens der Reichsver- wattung. In weiten Kreisen der Bevölkerung ist offenbar die Auffassung verbreitet, als feien wir schon über den Berg. Dem ist aber nicht so. Wieder andere Kreise namentlich der Wirtschaft, die unter den gegenwärtigen beengten Geldver­hältnissen unzweifelhaft sehr empfindlich leiden, tre- tm hie und da mit der Anregung hervor, durch Schaffung zusätzlicher Umlaufmittel in Rentenmark dem KreditbÄlürfnis in etwa abzuhelfen. Die Reichssinanzverwaltung lehnt solche Vorschläge mit allergrößter Entschiedenheit ab. Ihre Verwirklichung würde nach dem Urteil aller für die Aufrechterhal­tung der Stabilität verantwortlichen politischen und wirffchastlichen Kreise sofort zu einer Inflation füh­ren, die, wenn sie einmal begonnen härte, mit Riesenschritten vorwärts ginge.

Man wird sich damit abfinden müssen, daß dir bedrängten Geldverhältnisse nicht eher durchgrei- fetti) und dauernd geändert werden können, als bis mir eine auf wirklicher Goldbasis sich auf» bauende und auch dem Ausland gegenüber gangbare Währung haben. Man darf nie vergessen, daß wir uns mitten in einer Entwicklung befinden, die die Gesundung vorbereitet, aber noch lange nicht vollen­det hat. Die Gesundungskrise ist rächt mit einem Male abgemacht, sie setzt sich, vielmehr aus einer ganzen Reihe von Krisen zusammen.

Man schreibt uns aus Berkin:

2m Reichsfinanzministerium ist man gegen­wärtig 'mit einer Nachprüfung der Finanzlage be­schäftigt, die um deswillen so wichtig ist, weil hin­sichtlich der Einnahmen wie der Ausgaben des Rei­ches recht einschneidende Maßnahmen davon ab- hängen. Es hat sich herausgestellt, daß der Reichs­etat im ersten Vierteljahr im großen und ganzen hat belangter! werden können. Das ist mög­lich geworden durch den Umstand, daß die laufen­den Steuern derartig ergiebig geworden sind, daß sie. wieder zu einer festen Basis für die gesamte Reichsfinanzoerwaltung werden können. Ins­besondere ist die E i n k o m m e n st e u e r nächst der Umsatzsteuer erheblich im Wachsen begriffen. Die letztere freilich ist feit einiger Zeit in,ihren Ein­gängen gedrückt, was mit der allgemeinen Wirt­schaftslage und der durch sie bedingten verminder­ten Kaufkraft der Bevölkerung zusammenhängt. <luch die Vermögenssteuern, namentlich aus laridwirtschaft'ichen Betrieben, sind schwer einzu- bnngen. Es zeigt sich doch, daß diese Steuern zum Teil einfach untragbar sind.

Bei Beibehaltung der bisherigen Sparsam- kett wird, wenn jetzt die Einnahmequellen besser meßen, zuerst an einen Abbau der steuerlichen harten zu denken sein. Jede Steigerung der ^"bgaben in irgend einer Form muß mit größ- Kr Vorsicht behandelt werden.

Frankreich nach -er Wahl.

Das Programm der Wahl-Sieger.

In einer politischen Wochenübersicht in derIn­formation" schreibt Professor Georges Scelle:

Dis großzügige, lebendige, kühne und des repu­blikanischen Frankreichs würdige Außenpoli­tik, die die ganze Welt nach dem Siege von Frankreich erwartet habe, werde durch die neue Mehrheit möglich werden. Ja, diese Mehrheit werde sie fordern. Man müsse feststellen, daß sie keine umstürzlerischen, revolutionä­ren Elemente enthalte. Sie habe die Partei­gänger einer Abenteurerpolitik fast gänzlich aus­geschaltet. Die Kommuni ft en erhielten nur eine winzige Anzahl von Sitzen. Der große Erfolg falle den bolschewistenseindlichen So- zialisten und den Radikalsozialisten zu, d. h. denjenigen, die seit vier Jahren eine P o - litik des Friedens und der allgemeinen Re­gelung forderten, ohne doch von den vitalen In­teressen Frankreichs etwas preiszugeben. Wenn M ac d o n a ld in der Regierung bleibe, könne man jetzt mit einer weitgehenden Erneuerung der französisch-englischen Entente rech­nen, daß die Lösung der schwebenden großen Fra­gen einen unerhofften Schwung annehmen wird. Sicher bleibe es vorläufig bei den Voraussagen, die sich erst in tatsächliche Feststellungen verwan­deln könnten, wenn die endgültige Gruppierung der Parteien vollzogen fei.

Herriok als kommender Akann.

Wtb Paris, 15. Mai. (Tel.) Der Abgeord­nete Herriok, der sich nach der Provinz begeben hak, um dork einige Tage auszuruhen, hak einem Berichterstatter erklärt, der Ruck nach Links, den er vorausgesehen habe, sei eingekreten. Die Linksrepublikaner wollken die Fruchte ihres Sieges nicht verlieren. Rach demRlakin" soll Herriok in Lyon erklärt haben, man müsse nach der starken Schwenkung, die sich vollzogen habe, den 'Abgeordneten Zeit lassen; er werde weder eine Entscheidung treffen, noch werde er Stellung neh­men. Die Freunde Herriots erklärten, der Abge­ordnete werde viel lieber eine aktive Rolle als einen repräsentativen Posten annehmsn.

Eine Absage aus Belgrad.

wtb Paris, 15. Mai. (Tel.) Wie aus Bel­grad gemeldet wird, hak die serbische Regierung ihren Gesandten in Paris aufgefordert. der fran­zösischen Regierung mitzuleilen, daß die Reise des Königs, der am 25. Tstai zu einem offi­ziellen Besuch in Paris einkreffen sollte, wegen der Ministerkrise in Serbien auf unbestimmte Zeit verschoben worden sei.

Der Kampf im Bergbau.

Verhandlungen in Berlin.

In Berlin haben am Mittwoch unter dem Vor- sitz des Reichskanzlers und unter Beteiligung der zuständigen Reichs- und preußisch n Ministerien die Vertreter des Zechenverbandes und der Bergar- beiterverbände Verhandlungen über die schwebenden Arbeitsverhältnisse an der Ruhr begonnen.

Die Verhandlungen haben einen befriedigen­den Verlauf genommen und werden am Donners­tag fortgesetzt.

Kardinal Schulte und die Bergarbeiter.

Aus Köln meldet die K. 93.: Seine Eminenz, Kardinal Schulte,^Erzbiscboffvon Köln, hat sich im Hin­blick auf die entsetzliche Not so vieler Bergleute des Ruhrkohlenreviers, die von der Aussperrung betroffen sind, telegraphisch behufs Herstellung des sozialen Friedens mit dringenden Vorstel­lungen an das Reichsarbeitsministerium gewandt.

Die Lage in OberWesien.

Aus Beuthen wird gemeldet: Streikende such­ten in Niechowitz Arbeiter, die in der Preußen­grube Notstandsarbeiten verrichteten, gewaltsam von der Arbeit abzuhalten. Es entftarrb eine große Schlägerei, strdaß Polizei anriicken mußte. Die Polizei wurde vom Felde her beschossen. Sieben Rädelsführer wurden festgenommen.

Die Arbeiter der Gleiwitzer Hütte haben die Arbeit niedergelegt.

wtb 2R a n n f) e i m, 15. Mai. (Tel.) Der Auf­forderung der Mannheimer Metallindustrie zur Wiederaufnahme der Arbeit am heutigen Tage haben die Belegschaften auf Anweisung sämtlicher Gewerffchafken nirgends Folge geleistet. Die Arbeiter sind wohl in großen Massen vor den Werken erschienen, haben diese aber nicht betreten. In Zusammenstößen mit der Polizei ist es nicht gekommen.

* Wieder ein politischer Mord. Das Berliner Polizeipräsidium teilt zu dem Leichenfund im Tegeler Forst mit, daß nach den Ermittlungen der Abtei­lung la bet Mann von deut s cbvölkischer Seite ermordet worden fei, weil er im Verdacht stand, Beziehungen zu den Kommunisten zu haben. Der Haupliäter ist flüchtig, zwei an der Mordtat Betei­ligte sind von oer Politischen Polizei festgenommen worden.

* Der kotgcsagke Slahlkcnig. Angeblich soll der amerikanische Stahlkönig Schwab gestorben sein. Wie dieBosi. Zta." aus Newyork meldet, ist aber gar nicht derStahlkönig", der Präsident der Beth­lehem Steel Corporation Schwob, sondern dessen greifet Vater im Alter von 85 Jahren gestorben.

Drr Krieg der Zukunft.

Von Dr. Heinrich M a t a i a, Wien.

Wir wollen hier nicht etwa vom ewigen Frie­den reden, weil es ganz vermessen ist, mit solchen Worten zu spielen. Wir wollen davon reden, ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen der F r i e de in Europa aufrecht erhalten werden kann.

Nun muß es doch auffallen, daß m allen euro­päischen Staaten so viele Leute, wenn sie erklären, daß man mit dem Krieg als mit etwas Unvermeid- lichem rechnen muß, sich auf den mangelnden Frie­denswillen anderer beruf en, während diese an­deren genau dasselbe von ihnen sagen. Dabei be­haupten beide Gruppen, einander durch Tatsachen überführen zu können. Der große Fchler besteht darin, daß jedes Volk auf das lebhafteste jedes ihm angetane Unrecht empfindet, aber sich wenig darum kümmert, ob nicht vielleicht das andere Volk seine Handlungswese ebenso lebhaft als Unrecht ernpfin- bet; genau so wie es doch im täglichen Leden zwi­schen den Leuten zugeht.

Gegen den künftigen Krieg ließe sich schon etwas mehr Vorbringen als gegen die bisherigen Kriege. Der Welttrieg hat der Kriegstechnik und der Kriegs- indufttie einen ungeheuren Impuls gegeben und der nächste Krieg, der alle diese Fortschritte der Technik und der Industrie zur Anwendung bringen würde, der würde selbstverständlich mit ganz andern Mitteln geführt werden, auch als der Welttrieg selbst. Wenn wir nur die Vermehrung der Luft­geschwader, die verstärkte Anwendung von Explo­sivstoffen und giftigen Gasen in Betracht ziehen, so haben wir es in Zukunft nicht mehr mit Kriegs- Handlungen zu tun, die darauf angelegt sind, den Widerstand des Gegners zu brechen, sondern dar­auf, das feindliche Heer und das feindliche Volk auszurotten. Wenn ein solcher Bernichtungs- kainpf das Resultat unserer Zivilisation, unserer Kultur sein soll, dann wäre es wirklich besser, wenn wir in der nefften Barbarei, stecken _ geblieben wären» denn dann würden wir wenigstens das unsäglich Widerwärtige dieser Vorstellung nichts so heftig empfinden. Im übrigen handelt es sich aber gar nicht darum, ob wir Krieg führen sollen. Wir brauchen die Frage gar nicht zu erörtern, ob es vom sittlichen, vom religiösen Standpunkt aus zu­lässig ist, Krieg zu führen. Das Entscheidende ist, daß auf absehbare Zett hinaus ganz Europa kei­nen Krieg führen kann, daß nicht ein einziger europäischer Staat sich in einen solchen Krieg hin- einziehen lassen darf, ohne daß er selbst und ganz Europa mit ihm dem sicheren Verderben anheim fallen würde! Es handelt sich nicht darum, welche Mächtegruppe die andere zu Boden treten und in Fesseln schlagen würde, well beide Gruppen in den nämlichen Abgrund stürzen müßten.

Die meisten Leute in Europa sehen die Welt- Verhältnisse noch so, wie sie vor etwa 50 Jahren lagen. Als das große Zentrum der Weltinteressen erscheint ihnen Drittel- und Westeuropa, und mehr oder minder abseits davon stehen Rußland und die Vereinigten Staaten von Amerika. Dieses Bild ist eine europäische Täuschung. Westeuropa hat sich darin geändert, daß aus England Großbritannien geworden ist; England ist nicht mehr ein europäi­sches Land mit einer Reihe von Dominions, son­dern Großbritannien wächst immer mehr zu einem Staatswesen heran, das in fünf Erdteile hin- einragt und in dem die englische mit der großbri­tannischen Politik in hartem Kampf liegt Lon­don gehört nicht mehr in dem Ausmaß zu West­europa wie Paris. Die Stellung der Vereinigten Staaten ist heute so, daß ihr Verhältnis zu Mittel­und Westeuropa für sie nichts weniger als aus­schlaggebend ist. Jeder SBürgec der Vereinigten Staaten wäre mehr erstaunt als ärgerlich, wenn irgend ein europäischer Staatsmann oder Politiker eine Ansicht über die Politik der Vereinigten Spä­ten in amerikanischen Fragen äußern würde, wäh­rend die Europäer glücklich sind, wenn ein ameri­kanischer Senator oder ein amerikanischer Journa­list sich mit europäischen Fragen beschäftigt. Ruß­land war seit Jahrhunderten ein Faktor von der höchsten Bedeutung für die europäische Politik. Aber man wird sich schwer der Einsicht verschließen können, daß es seit dem großen Zusammenbruch ein viel selbständigerer Faktor geworden ist. Endlich hat Japan wohl einige Rückschläge in seiner Politik erlitten, ist aber dennoch eine Figur von größter politischer Bedeutung.

Die heutige Weltpolitik muß also mit vier stabi­len Zentren rechnen: London, Washington, Tokio und Moskau. Neben chnen steht das geschwächte und zersplitterte Europa, dem es bis­her nicht gelungen ist, einen Ausgleich der Kräfte in feinem Innern zu finden. Während wir uns noch immer für das Zentrum der Wett hallen, sinkt unsere Bedeutung von Jahr zu Jahr, andere wach­sen neben uns empor und unsere großen Konflikte, an die wir Leib und Leben, das Glück der Nation und die Zukunft der Kultur setzen, können eigent­lich nur mehr Verschiebungen mit sich brin­gen, die für die Weltgeschichte nicht entscheidend sind.

Gut, wird mir der deutsche und der französische Nationalist sagen, gleichgültig für die Weltgeschichte, aber nicht für mein Land und für meine Nation, und wenn wir uns hier die Stellung errungen haben, die uns gebührt, dann werden wir schon für die Weltgeschichte sorgen! Das ist der funda­mentale Irrtum. Wenn jemals einem Volk ober vielmehr einem ganzen Erdteil das Mene Tekel an die Wand geschrieben war, so dem heutigen Europa. Kein Schuß wird in einem künftigen Krieg für Deutschland fallen, kein Schlag für Frank­reich geführt werden. Bede Völker, und alle, die mit ihnen zusammengehen, würden nur für eine einzige Macht ihr Blut vergießen und diese Macht ist Moskau. Moskau als Hauptstadt von Ruß­

land und Moskau als das Haupt der kommunistisckien Internationale. Ein großer europäischer Krieg würde zum Einmarsch der Roten Armee und im entscheidenden Augenblick zu Ausständen, Komplotten und Revolutionen führen, . denen die europäischen Staaten nicht gewachsen wären. Sollt« aber jemand mit Rußlands militärischer Vundes- genossenschast rechnen, so mag er versichert fein, daß die Sowjets für niemanden die Kastanien aus dem Feuer holen als für sich, und die Moskauer Knute möge sich jeder genau ansehen, bevor er sie für sich herbeisehnt.

Coolidge und die Japaner.

Der amerikanische Präsident für eine Vermittlung vid Washington, 15. Mai. (Tel.) Präsi­dent Coolidge hat die Führer des Reprüsenkanken- Hauses nach dem Weißen Hanse geladen und ihnen erneut die Anffassung der Regierung kundgegeben, daß der Ausschluß der Japaner von der Einwanderung bis zum Abschluß de, diplomatischen Verhandlungen aus- ge h o b e n werden soll. Staatssekretär Hughes war ebenfalls zugegen und gab der Besorgnis der Regierung in dieser Frage Ausdruck.

Die KniorM des Parlaments.

Don einem Parlamentarier.

Was immer wieder beim alten Reichstag d» Ursache von entzweienden Verdrießlichkeiten bot, daß nämlich außerparlamentarische Fak­toren auf den Gang der Geschäfte, ja selbst auf Ent­schließungen von überragender politischer Bedeu­tung Einfluß gewinnen wollten, muß unter allen Umständen im neuen Reichstag verhütet werden. Wir haben es beim früheren Reichstag oft genug erleben müssen, daß im Innern sich anbahnende politische Entwicklungen, ja selbst außenpolitisch be­deutsame Vorbereitungen durch eine bestimmte Gruppe der Schwerindustrie immer wieder durchkreuzt und direkt sabotiert wurden. Die da­maligen Reichskanzler und Außenminister wurden in ihrer Tätigkeit durch solche Aktionen fast voll­ständig lahmgelegt. Wenn es sich aber darum han­delte, daß die betreffenden Persönlichkeiten nun ein­mal selber die Verantwortung übernehmen, so blieben sie immer im Hintergründe oder versagten sich den oft genug an sie ergangenen Rufen.

Mit einem derartigen Zustand, der die Autori­tät der Regierung aber auch die Autorität des Par­laments nachgerade völlig zu untergraben geeignet ist, muß unter allen Umständen gebrochen werden. In den Kreisen der Großindustrie ist man allerdings in letzter Zeit hinsichtlich solcher Einwirkungsver- suche doch zu einer anderen Auffassung gelangt, als sie früher herrschend war. Der fruchtbare An­schauungsunterricht, den der Ruhreinmarsch und die Folgen des passiven Widerstandes, dann aber auch die Auswirkungen der Micumverträge mit sich brach­ten, jener Verträge, die die Industrie selber unter­schrieben hatte, obwohl sie von der Unmöglichkeit ihrer Ausführung von vornherein überzeugt war, alle diese Dinge haben nun doch eine klarere Sage geschaffen. Die Konsolidierung, die die Deutsche Volkspartei nach Abtrennung des schwer- industriellen Flügels erfahren hat, dürfte ebenfalls dem Streben nach einer Stärkung der Autorität des Parlaments dienlich sein.

Kurland.

* England und die Luftshiffahrt. Premierminister Macdonald kündigte im Unterhaus ein umfaßendes Programm für Forschungen und Versuche zur Ent­wicklung des LufuchiffahnSwesens an. Zunächst ;ott eines der vorhandenen britischen Luftschiffe umoebaut werden, ferner würden zwei neue Luftschiffe mit einem Gehalt von 5 Millionen Kubikfuß erbaut werden. Liese Luftschiffe seien bestimmt, den Dienst nach Indien zu übernehmen. Zu diesem Zwecke muffe eine Zwischenlandungssielle geschaffen werden.

Betriebszellen.

Bon führender katholischer Arbeiterseite wird uns geschrieben:

Die kommunistische Agitation geht neue Wege. Heute baut sie ihre Organisation auf den Betriebe» selbst auf. Nur wer nickst in Betrieben ersaßt werden kann, wird in (einer Wohnstätte ausgesucht und bemuttert

Die kommunistische Partei ist daran, die zentta- Msche aufgazogene sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung immer mehr zu zerschla­gen. Mit Terrorismus und Zwang ist diese Be­wegung auf gebaut worden; mit Gewalt und Terro­rismus w'rd sie wieder zerstört. Alle Schuld rächt sich auf Erden!

Unsere katholische Arbeiterschaft darf sich heute so wenig dem kommunistischen Druck beugen, wie sie sich früher durch den sozialdemokratischen Gewerkschaftsdruck hat klein kriegen lassen. Die Wahlergebnisse weisen aus, wie schwach an und für sich die kommunistische Bewegung noch fft. Nur etwa der achte Teil des deutschen Volkes Hai kommunistisch gewählt Die Partei der Kommu­nisten wird ttotzdem nach den Wahlen ihren Terra rismus mit verstärkten Mitteln fortsetzen und des- halb ist es notwendig, daß sich die nichtkommu- nistffchen Elemente in den einzelnen Bettie', en zur gemeinsamen Abwehr kommunistischer Anma- ß"ngen zusammenfinden. Sich wehren, bringt Ehren!

Die Meldung vom Tode des Präsidenten Sun- gaffen wird nach neuesten englischen Berichten als un- toabr und als Erfinduna bezeichnet