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Mittwoch, 14. Mai 1924.
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brr Zentnansanhänger zu danken hat, daß das schone Ulstertal eine Heimat und nicht gerade spärlichen Unterhalt gewährt. Es ist nicht nobel, wenn man bofür gegen die uns einmal heiligen Interessen wühlt. Es mag em Fehler sein, bc6 man von Aentrnmsseite dagegen io nachsichtig ist. Vielleicht ist hier Klopstocks Wort am Platz: „Sei nicht allzu gerecht, sie denken nicht edel genug, zu sehen, wie schon dein Fehler ist." — 2fts wäre es selbstverständlich, werden ,unsere Häuser mit Plakaten beklebt, Bilderbüchern ähnlich, mit denen man a b c- Schützen unterhält. Wo ist in einem protestantischen Ort auch nur ein Plakat mit Zentrums-Ideen gefunden worden? Die würden bald verschwunden sein. “dte, wundert euch nicht, wenn wir unsere Häuser nicht zur 2i ft)eit gegen uns benutzen lassen. Geht zu denen, die innerlich nicht mehr zu uns zählen, die zwischen Geschäft und Gesinnung nicht zu unterscheiden wissen.
Mägen diese Zeilen verstanden werden. Ein nungsruf sollen sie sein! Wollt ihr aber den Kampf, ihr könnt ihn haben! Noch steht der aste Zentrums'urm unerschüttert, wie der Berliner „Tag" restgniert ststste!» len mutz. Er hat noch Platz, auch im Ulster- und Fulda- tal weitere Mieter cmfzunehmen. Wohnlich ists m ihm, das beweist die Treue feiner Bewohner, die mich diesmal wieder durch nichts sich haben verleiten lassen, sein sicher schützendes Dach zu verlassen, die im Gegeneil fast 300 neue Schutzsuchende ausgenommen haben. Dafür sei freudig Dank gesagt. Und nun auch fernerhin m Treue fest zusammen unter der ruhmreichen Fahne: „öur Wahrheit, Freiheit und Recht".
vom Lichsfeld
wird über die Wahlen zum Reichstag geschrieben:
Reichspostminister Dr. Höfle ist im Wahlkreise Eichsfeld-Thüringen lzu dem Geisa gehört), der wie früher mit Magdeburg und Merseburg eine Listenverbindung eingegangen war, gewählt. Das einzige Zentrumsmandat für das Eichsfeld und die sächsische Diaspora ist damit gerettet. Fieberhaft hat die Deutschnationale Dolks- partei mit dem Landbunde gearbeitet, um die Eichsfelder Bauern dem Zentrum abwendig zu machen. Es ist nur in beschränktem Umfange gelungen, obschon der Steuerdruck eine unleugbare Verbitterung hervorgerufen hat. Die Wahlbeteiligung war so stark, daß der Ausfall gedeckt ist. Im Kreise Heiligenstadt haben sich die Zentrumsstimmen auf dem Lande üb er- bauptnichtvermindert. Nur in Heiltgen- stadt selbst sind 36 Stimmen verloren gegangen. Es ist in einzelnen Orten soaar ein erheblicher Zuwachs zu verzeichnen. Wie im Kreise Hei- ligenstadt, so ist auch das Verhältnis in Worbis und den zum Eichsfelde gehörigen Dörfekn des Mühlhäuser Landkreises. Abgegeben wurden im Kreise Heiliaenstadt 16 034 (16134) und im Kreise Worbis 13 742 Stimmen für das Zentrum. Die Vaterländisch-Völkische Vereinigung (Deutschnationale und Landbund) erhielt in Hei- ligenstadt 2366 und in Worbis 1218 Stimmen. Die Wahlbeteiligung hat durchweg 85 bis 90 Prozent erreicht, im Dorfe Reinholterode sogar 97 Pro- i zent. In Heiligenstadt sahen wir einen 92fährigen : Kreis, wohl den ältesten Bürger, zur Wahlurne schreiten. Die Freude darüber, daß das Zentrum sich behauptet hat, ist sehr groß. Es muß aber auch anerkannt werden, daß die Parteileitung eine überaus emsige Tätigkeit entfaltet hat. Im kleinsten Dorf hat eine Wahlversammlung stattgefunden, in manchen sind sogar mehrere abgehalten worden.
Basis für eine Rcgierung mehr in den Vordergrund. Die Stärke der bisherigen Koalition legt aber keinerlei Notwendigkeit auf. Das gibt Bewegungs- freiheit, die niemand mehr schätzt wie der praktische Politiker.
Aus dem Kreife Gersfeld.
schreibt man uns zur Reichstagswahl«
Es beult der Sturm und fegt die Wolken über die Höhen bin, in grotesken Formen, ähnlich manchen ®e» bnntengängen Leo Weismantels. Finster schaut ber Wonnemonat in die Täler, die sich mit Macht empor arbeiten au? winterlicher Letargie au frohem Leben Zürnt darum wohl der Wettergott so arg, ober haben sich Walhallas alte Kumpane immer noch nicht beruhigen können über den Ausgang der Wahlschlacht, die diesmal auch im stillen Kreise Gersfeld größere Unruhe verursachte?! Deutschnational — komisch verzerrtes Worlgebild — da wissens die Jüngeren doch schon besser auszudrücken — Deutschvölkisch — sollten ja diesmal auch die Rbönberge werden! Wozu war denn auch Subenborff am 28. des Ernting auf ber Wasserkupve? ES sollte uns doch wundern, wenn er nicht da die „ftra- tegischen Verhältnisse" studiert und — verkehrt Beurteilt batte. Doch, man meint, es sei ein Erfolg zu buchen. Wie mans nimmt! Spärlich ist er sicher. Gersfeld am Futze der Wasserkuppe, dessen Wähler wie preußische Rekruten auf dem Exerzierplatz je nach Kommando vorwärts, kehrt, linksschwenkt, rechtsschwenkt machen, sind freilich diesmal zum großen Teil rechts geschwenkt. Auch die Sozialisten von llSP. nach V8P. Diese Schwenkung ist diesmal das Charakteristische der Wahl. Die USP., die das letztemal dos Fuldatal beherrschten, bedecken als Leichen die Wahlstatt. Eine kleine Truppe von 10 Mann hat sich, scheint?, ins Ulstertal bis Thaiden, durchgeschlagen. Ob sie da lange beherbergt werden, bezweifeln wir. Auch in Hettenhausen und Dalherda haben die VSP. beträchliches Gelände zurückerobert, im Ulstertal sich in Tann behauptet und in den übrigen protestantischen Orten, wenn auch mit Verlusten, die Stellung gehalten. Hettenhausen hat aber mit 105 Kommunisten den Ruf, der radikalste Ort der Rhön zu fein, gewahrt. In allen übrigen Orten sind die radi- kalen Elemente mit höchstens einem Dutzend Stimmen vertreten.
In den kathosifchen Orten hat sich ber Sozialismus btesmat, im Gegensatz zu 1920, kaum bemerkbar gemacht. : In Wüstenfüchsen stehen allerdings 2 Dutzend Kommunisten auf dem Plan. Nach Struktur und Gesinnung der Bevölkerung fragt man mit Recht, wer hat dies Unkraut da hineingefät?
Am 1. Mai hatte Herr Sanbrat a. D. v. Doernberg einen Ritt nach Wüstenfüchsen gemacht. Will er aus beschaulicher Ruhe wieder in die politische Arena treten, bann wünschen mir ihm, schon aus Gründen ber reinen Humanität, ein besseres Gelände. Mit einem 26jäh- rigen Berliner Jungen, ausgerechnet einem Jüngling aus dem, wenn auch momentan nicht mehr knallroten, fo doch immer noch fuchsroten Berlin, den vaterländischen Gedanken in die katholischen Zentrums-Orte ber Rhön tragen, — Herr Landrat, verzeihen Sie ein ehrlich deutsches Männer-Wort — bas ist eine Beleidigung. Die Quittung haben Sie. Don 47 Deutschnationalen, die 1920 Wüstenfüchsen zierten, vegetieren heute nur noch 27. Haben sich die anderen in Kommunisten verwandelt?! Wer fanns wissen! Aus dem Zentrmnslager sind sie nicht, das hat sich um 33 Stimmen vergrößert.
Man mags uns übel nehmen, daß wir an der Wahlagitation von rechts her in den Zentrumsorten so scharf Kritik üben! Mit Derlwub! Wir habens auch gegen links nicht minder scharf getan, und doch haben die Herren von links meist eine weniger gute Kinderstube gekannt.
Die bürgerlichen Parteien haben im Kreise Gersfeld seit längerer Zeit gegenseitig die Grenzlinien geachtet und bas hat dem Frieden aufs Beste gedient. Auch diesmal hat tne Zentrumspa riet weder ein Flugblatt noch einen Agitationsruf in die protestantischen Orte getragen. Wir könnten es. Bekannt sind wir dort. Auch Per- trauen finden wir dort bei manchem ehrlichen Männerherzen. Wir tatens nicht. Wir wollten und wollen Frieden mtt unseren protestantischen Nachbarn. Soweit I haben unsere Führer die Rücksicht geübt, man möchte sagen, getrieben, daß selbst in Gersfeld, bas mit seiner nächsten Umgebung über 500 Katholiken mit 250 Zentrumswählern zählt, auf eine Versammlung verzichtet wurde. Können geroiffe Kreise sich immer noch nicht daran gewöhnen, die Katholiken als politisch mündig und gleichwertig zu betrachten. Oder wittern sie Morgenlust? Dann aber, bitte langsam! Die auch im Kreise Gersfeld fo mühsam erkämpfte Gleichberechtigung ber 60 Proz. ber Bevölkerung ausmachenden Zentrumsanhänger wird so leicht nicht preisgegeben.
Es ist auch Seit, auf die stille, aber nachhaltige Agitation hinzMveisen, die von Hilders aus in den Zentrums-Orten des Ulstertales, nicht nur zur Wahlzeit, sondern ständig, getrieben wird, getrieben wird von einer Seile aus, die es nur der fast übertriebenen Duldsamkeit
Heber den Wahlausfall in Vaden Sufiert sich der badische Zentrumsführer Prälat Dr. ßchofer u. a. dahin:
Der Radikalismus in seiner dreifachen Erscheinung ist im Lande Baden nicht in allweg -nf seine Rechnung gekommen. Am meisten Zulauf weisen die Kommunisten auf Sie brachten es auf 95 327 Stimmen. Die Ursache dieser Erscheinung dürfte in der zeitweilig falschen Einstei- jyng der badischen Sozialdemokratie gegenüber dem Kommunismus fein. Man glaubte nämlich mit einer schonlichen Behandlung Herr der Lage -leiben zu können. In Süd baden beging man m ehr wie in anderen Teilen diesen Fehler. Darum kamen von dort auch die meisten Erfolge des Links- yMÄismus. Es ist den Mehrheitssozialdemokraten piit den Kommunisten genau so gegangen wie es «irzeit den Deutschnationalen mit ihrem Schoßkind, ben Völkischen ergeht. Die 46 903 Stimmen dieser stammen zum guten Teil aus dem Besitz der Deutschnationalen Dolkspartei. Dieser Verlust wird hier umso schmerzlicher empfunden werden, als der Slteer Stifbruder, der Landbund, schon erhebliches Erbgut aus dem Daterhwuse mitgenommen hat. So kam es, daß hie besorgte Mutterpartei mit 75 594 Stimmen zufrieden sein mußte. Ihr V e r l u st gegenüber 1920 beträgt somit 38 960 Stimmen. 76 229 zählte die Partei 1921 bei den Wahlen zum Landtag, als der Landbund ihr Konkurrenz machte; also auch gegen diese Wahl noch ein Rückgang. Daraus ist zu ersehen, daß die vom Spitzenkandidaten aufgezogene Flagge mit katholischer Farbe nichts half! Die Deutschnationale Partei ist mit der Spitzen- kandidatm Wallraf hereingefallen. Der ungeratene Sohn Landbimd hat den gleichen Trick mit der kath. Flagge versucht; der Erfolg ist ebenso ein negativer. Selbst die ländliche Heimatgemeinde des Bannerträgers hat ihm bedeutend abgewunken. Die badischen Dauern durchschauen die positische Mache des Landbundes und kehren sich vielerorts von ihm wieder ab.
Dis Sozialdemokratie sank von ihrer Stimmeuziffer 190 298 im Jahre 1920 auf 142 783 vom 4. Mai; sie hatte also einen Verlust von 47 515 Stimmen; damit fällt ihr drittes Mandat dahin. Einen Hauptgrund dieser Erscheinung haben wir bereits angegeben. Zu ihm gesellt sich noch der andere, nämlich die Verantwortung, an der die Sozialdemokratie als Regierungspartei ungleich schwerer trägt wie die Parteien, welche ihre Wähler längst an die Verantwortung gewöhnt haben.
Demokratie und Deutsche Dolkspartei haben ihren Besitzstand im allgemeinen gewahrt. Wir im Zen- trum hatten den Ansturm von allen Seiten auszuhalten. Besonders suchten die Deutschnationalen und der Landbund mit kathosifchen Spitzenkandidaten auf unsere Kosten Geschäfte zu machen. Ein »Wahlkatechismus" für Katholiken mit vielen Stellen aus päpstlichen Rundschreiben sollte die Zentrumswähler zum Ueberlaufen verleiten. Diesen Machinationen sind wir sehr leicht Herr geworden. Selbst der Uebergang der Freien Stimme in Radolfzell, eines der ältesten Zentrumsblätter, in das voutfchnationale Lager, hat nicht viel geschadet. Mehr Verluste brachte die Wahlslauheit in einzelnen ländlichen Gegenden am Bodensee und am Oberrhein. Hier liegt die Hauptursache für den Rückgang in der Gesamtstimmenzahl um rund 15000. Die glänzende Haltung der Städte Heidelberg, Karlsruhe, Pforzheim und Freiburg sowie weiter Teile des Unterlandes haben gezeigt, wie auch bei schwierigen Verhältnissen sich prächtige Fortschritte erzielen lassen. In Karlsruhe steht nun unsere Partei als stärkste an der Spitze.
Die badische Rpegierungskoalition, bestehend aus Demokratie, Sozialdemokratie und Zentrum verfügt noch über 57h Prozent aller ab- asgebenen Stimmen. Damit hat sie immer noch die notwendige Unterlage. Ob trotzdem an eine Stärkung derselben gedacht werden will, ist eine Frage für sich. Ihre Beantwortung hängt in erster Linie nicht vom Zentrum ab, besonders wenn Man di« Erfahrungen in der Sachs zu Rate zieht. Löst man die Frage von dieser Betrachtungsweise los und läßt man allein die Interessen des Landes sprechen, dann tritt der Grundsatz von der breiten
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