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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die äladl Fulda.

51. Zahrg.

Mittwoch, 14. Mai 1924

Nr. 113

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Bei Siebertoluttnen Rabatt-

Zusammen 271

Nationaler Block:

Republikanische Entente ,Links"republikaner Rechtsradikale

«»»eiaen-Brette: ÄletmeUe (Colonel) lokal 0.15 Soldmari auswärts OLO Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60, Sold mark, auswärts 0.80 Soldmark. >:

Die weiteren Meldungen über den Ausgang der Wahlen in Frankreich hat den ersten Eindruck bestätigt: die im Gegensatz zu Poincare stehenden Gruppen haben gewonnen, Poincares Parlaments­gruppe, der Nationale Block, hat eine Niederlage erlitten.

Die neue französische Kammer wird 584 Mit­glieder zählen. Am Montag abend standen nur noch die Wahlergebnisse für 14 Mandate aus, dar­unter befinden sich die neun Mandate der Kolonien und ein Mandat, das im Norddepartement noch nicht zugeteilt werden konnte. Für 4 Sitze ist am 25. Mai eine Nachwahl vorzunehmen, well in zwei Wahlkreisen keine Liste den Wahlquotienten erreicht hat.

Die 574 Mandate der am 1. Juni zusammen­tretenden Kammer verteilen sich wie folgt:

Block der Linken:

Vie Reichsbahn.

Am Montag trat der Organisationsaus­schuß der Reichsbahn zu einer neuen Sitzung zusammen, um die Aussprache über das Sachver» siändigengutochlen fortzusetzen. Es wurde jedoch mit­geteilt, daß der Gesetzentwurf über die Reichsbahn tief ein chneidende Aenderungen erfahre, und daß die Neubearbeitung noch nicht vollendet sei. Sobald die neue Fassung des Entwuiss beendet ist, wird sich der Organisationsausschuß erneut mit ihm befasse».

Der treue Mittelsmann.

Nachdem die Verhandlungen der Parteien im Ruhrkohlenbergbau über den Manteltarif am 9. und 12. Mai in Essen zu keinem Ergebnis geführt haben, hat der Reichsarbeitsminister die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Ruhrbergbaues auf den 14. Mai zu Schlich- tungsverHandlungen nach Berlin ein» geiadsn. Diesen Verhandlungen soll eine Bespre­chung beim Reichskanzler voraufgehsn.

Der Erfolg der Poincare-Segner poincare tritt rurück.

Verantwortlich für die Schrtttlettrmg: Dr. Jobanne» Rtarnet. Ameisen: 3- B aneller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag bet - Fuldaer Ädienbrudetei in Fulda. Fetnlvrecher Rt. S. % Beinsrvteir fütAvril! Posibestellmig 1.80, Etadtbes-glUroRkk.

Das Ergebnis der Wahlen wird vomlemps mit merklichem Mißbehagen ausgenommen. Nach dem 1. Juni, so schreibt das Blatt, werde man sehen, wie die Wahlverbündeten es anstellen wür­den, vier Jahre zusammenzuhalten und welche Außen-, Innen- und Steuerpolitik sie ins Werk setzen würden. In welcher Form würden sich dir Kommunisten, die ihr Bündnis mit Moskau offen zur Schau trügen, die Sozialisten, denen die fran­zösischen Forderungen an Deutschland immer noch übertrieben erschienen, und die Radikalsvzialisten, die in der letzten Kammer eine nationale Politik getrieben hätten, miteinander verständigen? Welche Mißhelligkeiten würden zutage treten? Es frage sich, ob man Deutschland gegenüber eine Politik der Dertragsdurchführung einschlagen werde, wenn es Widerstand leiste oder eine Politik der Schwäche, wenn es sich seinen Verpflichtungen entziehe. Wenn diese Politik eine Politik der Stärke sein solle, so werde sich nichts geändert haben. Sollte es eine Polstik der Schwäche fein, so werde es keinerlei Zahlungen geben. Damit sei die Frage der Steuer­politik aufgeworfen. Die Franzosen würden dann zu bezahlen haben, da Deutschland nicht zahlen werde, und die Ueberlast, die das anhaltende deutsche Versagen den stanzösischen Steuerzahlern aufnötige, werde noch größer werden. Wenn man bei der vollständigen und wohlüberlegten Zerglie­derung der Wahlergebnisse den Eindruck gewinne, daß die Kräfte der Linken einer Mehrheit und damit der Uebernahme einer Regierung nahe­kämen ein Eindruck, der bei weitem nicht fest- ftehe so dürfe man voraussagen, daß für sie die Aera der Schwierigkeiten beginne.

DasJournal des Debüts versucht dem Er­gebnis der Wahlen die für den Augenblick beste Seite abzugewinnen. Es scheint, so schreibt das Blatt, daß man schon heute drei Feststellungen machen könne: 1) Daß das Anwachsen der Linken nicht der kommunistischen, sondern der sozialistischen und der radikalsozialistischen Partei zugute komme, die den revolutionären Anschein vermieden, die stets Anspruch darauf erhoben hätten, die Regierung wieder zu übernehmen und die sich immer an­heischig gemacht hätten, die großen nationalen Jn- tereflen zu wahren: 2) daß die Linksparteien, die die Kommunisten gegen sich hätten, genötigt fern würden, sich den weiter rechts stehenden Republi­kanern zu nähern und den gemäßigteren Elemen­ten Rechnung zu tragen.

SieLiberte" schreibt: Als die Arbeiterpartei in England die Regierung übernommen habe, habe man eine Schwenkung in der britischen Politik, das Ende der französisch-englischen Entente und den Triumph der Demokratie angekündigt. Nichts habe sich geändert. Die neu ans Ruder Gekommenen batten die Politik ihrer Vorgänger fortgesetzt. Das Schicksal eines Landes werde zumeist von Kräften beherrscht, denen der menschliche Wille nicht viel ausridjten könne. Frankreich sei an einem jener Wendepunkte angekommen, an denen man, um sum Ziele zu gelangen, die Pferde wechsele.

poincares Äusiasilmq.'

e 'ytb Paris, 13. IRat (Id.) DasEcho de 4»aris" will von einer besonders auf unterrichteten offiziellen Persönlichkeit erfahren haben, daß man der Umgebung des Ministerpräsidenten poin- cate die durch die neuen Wahlen geschaffene Lage toie folgt beurteilt:

2Ran könne sagen, daß 2 0 0 bis 300 5 f itn- men der Opposition geschaffen worden seien, wenn man auch der Ansicht fei, daß diese .Zister Ms auf 250 reduziert werden könne, roenn "'an die Erklärungen der Radikalsozialisten w? d der Wahlperiode für die Politik poincares in betracht liehe.

Trotzdem könne man sicher sein, daß poincare und seine Mitarbeiter die Ansicht vertreten, daß das

Vie Regierungsbildung in Bayern.

Wie dieMünch. Allg. Zig." meldet, werden zwischen der Deutschnationalen Volks­partei und der Bayerischen Volkspart ei zurzett wegen der Neubildung der bayerischen Re­gierung Verhandlungen geführt. Die Deutschnatio­nalen beständen darauf, daß Dr. v. K n i l l i n g wieder das Amt des Ministerpräsidenten über­nehme. Für das Ministerium des Innern werde Ministerialrat Stütze! in Vorschlag gebracht. An­stelle des Ministers Oswald solle als Sozialminister der Abgeordnere Funke treten. Der Posten Kahrs solle mit dem Ministerpräsidenten Schweyer besetzt werden.

Radikalsozialisten (Vorsitzender ßerriot) Sozialisten (Internationale 2^) Sozialistische Republikaner (Vorsitzen­der Painleve)

Polizeioberst v. S e i ß e r ist, wie dieMünch. Augsb. Abendzig." zuverlässig erfährt, von der Re­gierung seines Amtes enthoben worden. Ein Rücktrittsgesuch hat er vorher nicht eingereicht.

Zusammen 263

Dazu kommen auf der äußersten Linken 29 Kom­munisten und auf der äußersten Rechten 11 Kon­servative oder Nationalisten und Monarchisten.

In der vorausgegangenen Kammer zählte der Nationale Block 386, die Parteien der Linken 142 Sitze.

vom kommenden Reichstag.

Die Einberufung des Reichstages dürfte, wie nunmehr mit ziemlicher Sicherheit ange­nommen werden kann, für den 2 7. Mat er­folgen. Die Dorstände der alten ReichÄags- fraktionen treffen bereits txe Vorbereitungen für die e r fte n Fraktionssitzungen. Am 14. Mat tritt als erste Fraktion die Deutsche Dolksparter zu­sammen, der am 20. Mai die Deutschnationalen fol­gen. Ms Alterspräsident, dem m der neuen Wahlperiode die Eröffnung des Reichstages obliegt, dürfte der 79jährige Sozialdemokrat Bock (Gotha,' m Frage kommen. ,

W. T. B. meldet: Wie wir erfahren, sind bei den Mittelparteien Bestrebungen im Gange, aus dem Zentrum, der Deutschen Volkspar- tei und den Demokraten eine Fraktion zu- saMmenzuschließen, die vielleicht den NamenNa­tionaler Block der Mitte" führt, und m der die einzelnen Parteien chre politische Selbstän­digkeit behalten würden. Das Zentrum würde mit seinen 65 Stimmen die stärkste Gruppe fern und könnte also den Reichskanzler Marx such für den neuen Reichstag präsentieren. Es wird damit ge­rechnet, daß die neue Fraktion die wohlwollende Neutralität der Sozialdemokraten finden werde. Same die angestrebte Fraktionsbildung zustande, so würde sich folgende Gruppierung ergeben: Block der Mitte 137, Deutsthnalionale 105, Sozialdemo­kraten 100, Kommunisten 62, Deutschvölkische 32.

So einfach wird die Sache wohl nutzt werden!

Vie Vorgänge in Halle,

wo der dort veranstalteteDeutsche Tag" offene Kundgebungen gegen die heute zu Recht bestehende Staatsform brachte, auf der anderen Seite die Kommunisten blutige Zusammenstöße mit der Polizei hatten, finden in der Presse, je nach deren Einstellung, ein verschiedenes Echo, das sich wahr­scheinlich noch im preußischen Landtage fortsetzen wird.

Zu den Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei melden die Blätter noch, daß sich außer in Böllberg auch in der Nähe des Gertraudtenstied- hoseS, wohin ein Zug Kommunisten gelangte, um an­geblich der Märzgefallenen zu gedenken, ein Zusammen­stoß mit der Schutzpolizei ereignet hat. Sechs bis sieben Kommunisten wurden hierbei durch Bajonettstiche verwundet. Auch gegen Teil- nehmer des Festzuges mußte die Polizei ein» schreiten. So wurden etwa 50 Mitgliedern desBundesOberlandausBahern Seiten­gewehre und Dolchmesser durch die Polizei abgenommen.

gegenwärtige Kabinett seine Demis­sion geben müsse. Allerdings müsse man berück­sichtigen, daß die gegenwärtige Kammer bis zum 1. Juni legal am Ruder sei, das jetzige Ministe- rium also bis zu diesem Zeitpunkt die Führung der laufenden Geschäfte übernehme. Auf die Frage,wer der Rachfolgerpoincares wer­den könne, habe die gleiche Persönlichkeit geantwor­tet, es gebe gar kein Schwanken, es müsse der A b- geordnete herriol fein, poincare. der einen hohen Begriff von den parlamentarischen Notwen­digkeiten habe, werde der letzte fein, der eine ge­genteilige Ansicht über die Lösung der durch das Ergebnis der Kammerwahlen geschaffenen Sage haben werde.

Macdonald und der geschlagene poincare.

Wie Reuter erfährt, wird wegen der Wahl­niederlage Poincares die Zusammenkunft mit Mac- donald wahrscheinlich aufgegeben.

Reuter fügt seiner Meldung, daß die Zusam­menkunft zwischen Macdonald und Poincare wahr­scheinlich aufgegeben werden würde, folgendes hin­zu: Es ist fast sicher, daß eine Zusammenkunft des brittschen und des ftanzöfischen Premierministers binnen kurzem stattfinden wird. Aber wenn eine neue französische Regierung ihr Amt antritt, so muß die Zusammenkunft notwendigerweise aufgeschoben werden, um dem stanzösischen Ministerpräsidenten Zeit zu geben, sich zu unterrichten.

' Briand?

wtb pari», 13. Matz (Tel.) Im Anschluß an bie Kombinationen, die gestern abend in den IDan­tieigängen der Kammer erhoben wurden, schreibt Hamas:

Anter den polttischen Persönlichkeiten, die unter Amständen am meisten zu einem eventuellen Nach­folger poincares berufen zu fein scheinen, wird schon jetzt in erster Linie Brland genannt und au dessen Teilnahme als Ministerpräsident bei zahlrei­chen Interalliierten Verhandlungen erinnert Auch der Namen H e r r i o t wurde ausgesprochen. Seine politischen Freunde erklärten, sie würden ihn für den Vorsitz in der neuen Kammer in Vorschlag bringen.

Der Franken - Kurs.

Einer Blättermeldung aus Newyork zufolge hat der Kurs des französischen Franken an der dortigen Börse einen weiteren Rückgang erfahren- Er notierte 5,78 Cents.

Was England sagt.

wtb Loudon, 13. Akai. (IcL) poincares überraschende Wahlniederlage stehl im Akittelpuukt des öffentlichen Interesses.

DieTimes hält es für unvermeidlich, daß poincare einem andern Ministerpräsidenten platz mache. Ls fei bereits klar, daß die neue franzö­sische Lämmer stark von der Sammer abweichen werde, die 1919 unmittelbar nach dem Krieg ge­wählt worden sei. DieTimes sieht es jedoch für eine bemerkenswerte Tatsache an, daß die Grund­sätze der Ruhrpolitik poincares von sei­nen Hauptgegnern weder vor noch während der Dahlen angegriffen wurden. Das Blatt erkennt an, daß die Mehrheit der Gegner poincares nicht groß ist und auch der Block der Linken kei­neswegs als gleichartig gelten könne. Iede Re­gierung, die in der neuen Kammer gebildet werde, fei dauernden Gefahren ausgesetzt. Für Europa könne eine Aenderuug der Politik wichtige Folgen haben; es fei noch zu früh, um die verschiedenen Wirkungen zu bestimmen. Es werde angenom­men, daß kein großes oder plötzliches Abweichen von der durch poincare befolgten Linie stattfinden werde. Auf jeden Fall habe die Regierung, die jetzt zur Macht gelange, Gelegenheit, bei der Wie­deraufrichtung normaler Bedingungen in (Europa mitzuwirken. Der Sachver ft ändigen- bericht habe das Aktionsprogramm für die hauptsächlichsten europäischen Mächte niedergelegt. Soweit die britische Regierung in Betracht komme, sei sie sicher bereit, sobald als möglich in engere steundschaflliche Fühlung zu treten, um endlich feste Grundlagen für den europäischen Frie­den zu schaffen.

Vas Echo in Belgien.

wtb London, 13. Mai. (Tel.) Der Brüsseler Berichterstatter derTimes schreibt: Die Ergebnisse der stanzösischen Wahlen seien von allen belgischen Regierungskreisen, ausgenommen die Sozialisten, mit Bestürzung auf genommen worden. Ein derartig ausgesprochener Erfolg des Blocks der Lin­ken fei von niemand erwartet worden.

Eine Amnestie.

wtb Paris, 13. Mai. (Tetz) (Eine Anzahl neugewählter linksstehender Abgeordneten hak ihre Absicht angekündigt, sofort nach Zusammentritt der neuen Sammer einen umfassenden Amnestie- Vorschlag zugunsten der von den Kriegsgerich­ten und wegen politischer vergehen Vemrteilten einzubringen. Gleichzeitig soll die wieder- einffellung sämtlicher wegen Streiks oder wegen politischer Gesinnung entlaßenen Eisenbahner und sonstigen Beamten in die Wege geleitet werden.

deheLetzte Nachrichten.)

Deutscher Reich.

* Die Abstimmung in Hannover. Der .Lokal­anzeiger' glaubt melden zu können, daß unter dem Eindiuck der bei der Reichslagswahl abgegebenen verhältnismäßig wenige nhannoveranisckenStimmen innerhalb der deuisch-hannoveraniichen Partei eine starke Depression Platz gegriffen habe, und daß man sich mit dem Gedanken trage, die Vorab st imrnung über die Frage der Losirennung Hannovers von Preußen verschißen zu lasten. Die Abstimmung ist bekanntlich ans den 18. Mai anbeiaantt.

Vie große Krise.

Don unserem wittschastspolitischen Mitarbeiter.

Seit dem 1. April bis Mitte Mai sind ungefähr 60 Bankfirmen und über 200 ander« Firmen, .insbesondere des Warenhandeis, zu­sammengebrochen. Diese Ziffern erscheinen uns heute ganz ungeheuerlich und doch sind sie im Vergleich zu der durchschnittlichen Monats-Konkurs- Ziffer der Fririrensjahre, die in die 6 bis 700 ging, gering. Wenn sich so viele Bankgeschäfte darunter befinden, die bei den früheren Konkursstattsttken nur selten auftraten, so liegt das daran, daß wohl in keinem Gewerbe während der Inflation mehr Neugründungen vorgenommen wurden, wie ge­rade bei den Banken und bankähnlichen Geschäf­ten. Vielfach haben wir ja auch während der Jn- slationszeit beobachten können, daß Unternehmun­gen, die an sich mit Bankgeschäften gar nichts zu tun hatten, doch mehr und mehr sich dieser an- nahmen, ja sogar sich das Recht als Devisenbanken zu beschaffen wußten.

Die großen geschäftlichen Zusammenbrüche der letzten Zett, die sich übrigens auch in den nächsten Wochen vielleicht noch mit vermehrtem Nachdruck fortsetzen werden, zeigen uns den Beginn der großen Wirtschaftskrise, die man auch als Sanie- rungs- oder Gefimdungskrife bezeichnet hat und die notwendigerweise nach der Scheinblüte der Jnfla- tmn kommen mußte. Zwar wollte das früher niemand wahr haben und keiner wollte an eine Krise derartigen. Umfanges glauben. Alles und jedes wurde im geschäftlichen Leben noch bis in die ersten Wochen der Stabilisierung der Mark dispo­niert, als wenn die Inflation ewig dauerte und als wenn es nichts anderes gäbe, als die Forrjetzung des Nullenwahnsinns. Und heute ist der große Rückschlag da. Die Banken können ihre Bauauf­träge nicht mehr ausführen, die Arbeiten bleiben liegen. In den Großstädten müssen die Banken ihre Räume, ja teilweise ganze Fllialen anderweitig vermieten und geschäftlich nutzbar machen. Die förmlich wie Pilze aus der Erde geschossenen Bank- und Wechselstuben sind heute m Konfitüren- oder Radio-Verkaufsstellen umgewandelt und der rück­läufige Prozeß ergreift vor allem die allerdings sehr unerfreulichen persönlichen Erscheinungen, die uns die Inflationszeit beschert hat. Mancher hat wieder das Gehen gelernt, nachdem ihm zuvor kein Auto kostspielig und bequem genug sein konnte; Autos werden förmlich verramscht imd füll und sachte haben manche Prmrkville« und -Wohnungen ihre, Besitzer gewechselt.

Die große Krise hat sich zwangsläufig entwickelt und sie hat diejenigen am stärksten betrof­fen, die am wenigsten von solchen Rückwirkungen etwas wissen wollten und die sich immer auf ihr besonders zutteffendes Urteil in diesen Singen etwas zugute taten. Heute werden die in der In- flationszSit vorgenommenen Betriebserwei­terungen zu einem empfindlichen Ballast, der unter Umständen das ganze Unternehmen mit in die Tiefe zieht. An diesen wasserkopfähnlichen Aus­gestaltungen kranken auch sehr angesehene Banken, Industrie- und Handelsbetriebe, und sie werden aüe Anstrengungen machen müssen, wenn sie über die noch nicht abgeschlossene Krisenepoche mit einem blauen Auge hinweg kommen wollen. Auch die Hcrmsterung von Waren und Vorräten wird jetzt, da man nicht rechtzeitig die Abstoßung vornahm, weil man an die Dauer der Stabilisierung gar nicht glaubte, zu einer großen und in der Gesamtheit genommen geradezu volkswirtschaftlichen Gefahr. Wenn Man jetzt beobachten kann, daß Waren- beftänbe selbst mit Verlusten losgeschlagen werden, nur um flüssige Mittel zu gewinnen, so ist auch das eine Erscheinung, die nur durch die ganz anormalen gegenwärtigen Verhältnisse ihre Erklärung finden kann. Und doch ist ein solches Vorgehen wirtschaft­lich viel weitsichtiger, als wenn man auf den Waren sitzen bleibt und dadurch das ganze Unternehmen in die Gefahr des Erstickens bringt

Die Krise drängt jetzt erst ihrem Höhepunkt zu. Dieser wird sich dadurch kennzeichnen, daß in derselben Weise, wie bisher der Effekten­markt unter einem unheimlichen Druck infolge der Zwangsverkäufe von Wertpapieren stand, von nun an mehr und mehr auch die Warenmärkte unter diesem gleichen Druck stehen werden. Wie die Dinge liegen, wird erst dann ein Ende dieses großen Säuberungsprozesses abzusshen sein, wenn dieses Stadium überwunden fein wird. Der Zwang zur Derflüssigmachung der Warenbestände um liquider Mittel willen wird m seiner ganzen Schärfe sich gerade m den nächsten Monaten auswirken, wenn die Reisezeit ohnehin ein Nachlassen der Geschäfts­tätigkeit Wit sich bringt. Diese Epoche kann noch zu weiteren Rückschlägen führen, von deren Ausmaß man sich heut noch kaum eine rechte Vorstellung zu machen vermag. Aber alle Erfahrungen sollten uns gelehrt haben, daß wir in diesen Dingen gor« nicht schwarz genug sehen konnten und daß es jedenfalls besser ist, lieber die stärksten Vorsichts­maßregeln anzuwenden, als sich durch neue über­raschende Momente in die größte Bedrängnis brin­gen zu lassen.

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Der Kampf im Ruhrbergbau.

Die Bergarbeiter gegen Moskau.

Die vereinigten vier Bergarbeiterverbände er­lassen einen Ausruf, in dem sie sich gegen die kommunistisch-syndikalistische Zentrale der Streikleitung wenden, die mit politischen For- benmgen der K. K. D. auf den Plan trete und den Rus erhebe, in den Kampf für die Diktatur des Pro­letariats einzutteten. Eine verantwortungslose Gruppe irgendwelcher Führer versuche, die schwer um chre Existenz ringenden Ruhrbergarbeiter vor den kommunissischen Parteikarren zu spannen, um die Arbeiter in den Abgrund einer blusigen Aus­einandersetzung zu treiben. Der Aufruf schließt mit einem Appell an die Bergarbeiter, der General- streikparole der Kommunisten jetzt ebenso die Ge­folgschaft zu verweigern wie am 6. Mai.