Amklicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Auldcu
Nr. 112.
«krairtwörtlich tüt die SÄriMeitung: Dr. JobmmeS Kramer. Anzeige«: I. Parze Iler, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der s Fuldaer Actieudruckerei ht Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
Bezugspreis für Avril- Postbestellung 1.80, Stadtbezug 1.50 Mk.
Dienstag, 13» Mai 1924*
Aureigen-Preise: ktleinreile (Colonel) total 0.15 Soldmarl, auswärts 0,20 «oldmark: Reklamereile lokal 0,60, lSoldmart, auswärts 0,80 Goldmart. r.
Bei Wiederholungen Rabatt- Postscheckkonto Frankfurt a- M- 4051
51. Zahrg.
M krgebms der stanrößsche« Kammemahlen.
Die Wahlen in Frankreich haben am Sonntag tntgeftört stattgefunden. Die Beteiligung war gut, roenn auch nicht so stark, wie es dem mit großem Aufwand geführten Wahlkampfe entsprochen hätte. Reben Einzelergebnissen liegt folgende Meldung über das
Gesamtergebnis
vor:
wtb Paris, 12. Mai. (Tel.) Um 8 Uhr 30 Miauten veröffentlicht Havas «ms 301 Wahlbezirken folgende Ergebnisse:
konservative 6,
RepnblikaaergrW'pe (Arago) 63 (darunter 22 neue).
Linksrepublikcmer 41 (darunter 10 neue), Mssidierende Republikaner 21 (Z neue), Radikale und Radikalsozialiften 83 (52 neue). Sozialistische Republikaner 20 (11 neue), SozftMsien 58 (33 neue),
Kommunisten 9 (7 neue).
In dm Jrrdustrtebszrrken an der Loire rechnet inan mit Verstärkung der Linksparteien, die bekanntlich im „Block der Linkem" zchammengeschloflen such. In Paris waren Vorsprünge des „Nationalen Blocks" festzustellew.
*
wtb Paris 12. Mai. (Tel.) Die bis 3 Ahr vormittags vorliegenden Wahlergebnisse lassen ein gcroiffes Vorröcken der Sozialisten und Kommuni st en erkennen. Die Liste der Arago- ®nippe sieht an zweiter, die Liste der republikanischen Föderation an dritter Stelle. Rach dem „Makin" werden voraussichtllch gewählt werben: 10 Sozialisten, 2 Kommunisten, 6 Radikale der republikanischen Föderation mit Loucheur, Daniel, Vincent an der Spitze und 6 von der Gruppe Arago.
wtb Paris, 12. Mai. (Tel.) Im Departement Indre und Loire (5 Sitze) ist bie Liste des Blocks der Linken (Radikalsozialisteu und Sozialsten) enbgülfig gewählt.
Vas französische Wahlgesetz.
' In Frankreich ist es für die am Sonntag getätigte Wahl bei dem Wahlgesetz vom Juli 1919 geblieben, da die geplante WaHlreform nicht zu Stande kam. Nur die Gesamtzahl der Mandate ist auf 584 herabgesetzt worden. Bon diesen Mandaten entfallen einige auf die ältesten afrikanischen Sofonren (Algier), die übrigen auf Frankreich und Korsika. Das aktive Wahlrecht hat jeder Franzose von 21 Jahren angefangen; ein Frauenwahlrecht besteht nicht. W ä k l b a r ist jeder Franzose vom 21. Lebensjahr an, wenn er der MKtär- *«■»■■■■■■■■■——■ ■ w—
dienstpflicht nach dem Gesetz von 1893 Genüge getan hat.
Das Wahlsystem ist eine Mschung aus Be- zirkswahl und Reststimmenosrrechmmg. Als Wahlkreise gelten dis Departements, die Verwaltungsbezirke, und jedes Departement hat auf je 75 000 Einwohner ein Mandat zu vergeben; dis Mandatsziffer richtet sich also nicht nach der Zahl der abgegebenen Stimmen, sondern nach der Einwohnerziffer, und wenn, in einem Departement die Wahlbeteiligung schwächer ist, so vergibt es doch die nach der Einwohnerziffer feststehende Mcmdats- zahl. Erhält nun in einem Departement eine Lists die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen, dann fallen dieser Liste alle im Departement zu vergebenden Mandate zu, und alle anderen Stimmen sind verloren. Es kann also vorkommen, daß von 100 000 Stimmen 51000 sämtliche Mandate des Wahlkreises besetzen und daß die übrigen 49000 Stimmen ohne jede Vertretung bleiben. Das hat im Jahre 1919 dem festgeschlossenen Nationalen Block seinen Sieg erleichtert. Wird nun in einem Wahlkreise von keiner Liste die absolute Mehrheit erzielt, und das dürfte bei der französischen Parteizersplitterung die Regel sein» dann tritt die Verhältniswahl ein, aber innerhalb des Wahlkreises. Die Zahl der abgegebenen Stimmen wirb durch die Zahl der Mandate des Departements dividiert, und jede Partei erhält so viel Mandate, wievielmal ihre Skimmenzahl den „Wahlquotienten" enthält. Listen, deren Stimmenzahl unter dem Wahlguotienten (bei 100 000 abgegebenen Stimmen und 5 Mandaten des Departements wäre also 20 000 der Quotient) bleibt, sind mrvertreten. Ergibt die Besetzung nach dem Wahlquotienten noch nicht die volle Zahl der dem Departement nach ferner Einwohnerzahl zustehenden Mandate, dann werden die noch übrigen Mandate ohne weiteres der stärksten Liste hinzugefügt.
Echält kein Kandidat oder keine Liste die absolute Mehrheit und auch nicht den Wahlquotienten, was durchaus möglich ist bei geringer Wahlbeteiligung, dann müssen Nachwahlen 14 Tage nach den Hauptwahlen stattfmden, diesmal also am 25. Mai.
Das französische Wahlergebnis wird nach biefer Schilderung m der MandwtsMer kein getreues Bild der wirklichen Volksstimimung sein. Je geschossener eine Parteioerbindung auftritt, desto größer sind die Aussichen ans Majorisierung auch bedeutender Mindechsiten. Deshalb hat diesmal der Block der Opposition besser als hn Jahre 1919 für energische Listenbindung gesorgt. Aber auch die beste Listenverbindung kann vom Wähler durch die Mschung der Kandidaten durchrvugt werden; in Frankreich wicht man rnimer noch mehr die Person als das Programm.
Lin Fest mit Toten.
Kämpfe der Polizei gegen die Kommunisten in Halle.
_3n Halle wurde unter großer Tellnwhrne das während der Revolution zsstörte Mvltkedenkmal wieder eiirgeweiht. Es nahmen daran viele ehe- mrchge Generäle teil, deren ältester, Generaloberst v. Heeringen, den Parademarsch abnahm. Er dauerte fast 4 Stunden.
Die Kommunisten hatten als Demonstration gegen die Veranstaltung einen Mst- teDeutschen Arbeitertag nach Halle einberufen. Die- fer war verboten worden. Gleichwohl suchten sie Dersaimmlungen abzuhalten. Leipziger, Berliner und Marisfelder Kommunisten, die in der Rich- ^ng Wörmlltz-Ammendors vorrückten, kamen in «in
Das heideWoh.
Roman von Marie Harling.
21] ----------
"Rim, so treten Sie einfach als Meine Nichte Magda ®eftermann ein. Sie müssen mich dann allerdings nennen; Ihre Stellung wird aber dafür von vorne eme angenehmere sein."
Esta zögert einen Augenblick. Diese Wendung ist ihr ""ht angenehm. Dann ober sagt sie fich, daß fie in ihrem le°en Beruf wohl nicht allzu wählerisch sein dürfe.
»2ch nehme Ihr Anerbieten an, habe aber eine alte Awerin, die ich gerne wieder zu mir nehmen möchte; mert>e 'ch das bei Ihnen können?"
^Gewiß, Ms dieselbe zu Ihrer persönlichen Ve- Ola™®'S »och rüstig genug ist."
bejaht freudig, dann verabschiedet sie fich.
"Aho heute nachmittag vier Uhr. Bitte wieder ebenso ^Ellchl" bemerkte Westmermann mit eleganter Ver- die Tür öffnend.
^^uefaufatmend betritt Elsa wieder die Straße. Der bchnu in ihren neuen Beruf ist getan; sie fühlt eine Z^-PMrieSxigimg über die Aussicht, Guste bald wieder Nch zu haben.
Vater und Sohn haben sich nach Elsas Fortgang eine e stumm gegenüber gesessen, dann bemerkt Norbert:
^ch danke dir, Papa, daß mir Fräulein Bander- e^ttens Ausbildung übertragen hast. Ich werde fie Jj weinen persönlichen Schutz nehmen, und ich rate entanbem, ihr zu nahe zu treten."
läsen E.^ten Worte hoben einen drohenden Klang; sie zz^^^pöttifches Lachen von den Lippen des älteren
wen^D^" finä vergangen, seit Elsa nach Bonn gekom< liy)’ E°chm, bie nicht spurlos an ihr vorübergsgangen
&aS H^wweh nach der Heide nicht ganz “•w, jo ist es dach zurückgetreten vor all dem Neuen,
Feuergefecht mit Schupo. Die Schupo ging 'mit einem Prmzerauto gegen den 2000 bis 3000 Mann starken Kom-nrmüstentrupp vor. Bei diesen Kämpfen wurden vier Per.fonen getötet und mehrere verwundet. Im Elisabethenkranken- haus in Halle befinden sich fünf verwundete und ein toter Arbeiter. Die Schupo hatte einen Toten und acht Verwundete zu beklagen. Heber 400 Personen, Ae einer Schupo-Hundertfchaft in die Arme Kefen, wurden gefangen genommen und zum Teil nach Merseburg abtransportiert. Wester wurde eine Anzahl Kommunisten, denen es gelang, die Postenkette der Schupo zu durchbrechen, in Halle festgenommen.
Nach einer anderen' Meldung belaufen sich die Taten der Kommunisten auf 10, die der Schupo auf 5.
das ihr das Leben jetzt bietet. An ihrem Beruf beginnt sie fast Freude zu empfinden. Wenn sie auf dem Rücken ihres Achmed sitzt, möchte fie mit der ganzen Welt nicht tauschen. Das treue Tier kennt schon ihren Tritt und wiehert freudig, wenn es fie kommen hört.
Oeffentllch ausgetreten ist fie noch nicht; sie ist überhaupt mit den Leuten der Truppe kaum zusammen gewesen, dafür hat Norbert Westermann gesorgt und sie ist ihm sehr dankbar dafür. Von Guste hat Elsa em paar ungelenke Zellen erhalten. Die alte Frau fürchtet die weite Reise sehr, aber für ihr geliebtes Eischen ist ihr ja kein Opfer zu schwer.
Von der Heimat hat Elsa wenig Nachricht. Grete hat ein paar liebe Karten geschrieben. Der Vater schreibt nur Snrze Briefe, er stellt es der Tochter anheim, wie lange sie fort bleiben will.
„Bei Fräulein Hartmann bist du gut aufgehoben, ich habe Erkundigungen eingezogen und nur die besten Empfehlungen erhalten. Bleibe also so lange dort, als es dir gefällt, richte dich aber in der Wahl deines Verkehrs ganz nach ihrem Urteil."
Elsa blickt voll Bttderkett auf den Brief des Vaters. Kein Verlangen nach feinem einzigen Kinde spricht aus diesen Zeilen. Sie hat mit den übrigen Bewohnern der Pension nur lose Beziehungen angeknüpst, gerade soviel als nötig, um ein angenehmes Zusammenleben zu er- mögllchen. Ab und zu beteiligt sie sich an gemeinsamen Ausflügen, im ganzen aber lebt sie sehr zurückgezogen.
In einigen Wochen will Westermann mit ferner Truppe nach Frankfurt aufbrechen. Dort soll Elsa zum ; erstenmal auftreten. Ihr bangt vor der OeffeMlichkett, ■ vor dem Zusammenarbeiten mit den anderen und sie wünscht, der Zeitpunkt ihres öffentlichen Auftretens möge noch lange hinausgeschoben werden. Sie sagt das auch zu Norbert Westermann, an dessen Seite sie soeben die Zirkusarena verläßt.
Da blitzt es in den ernsten Augen des jungen Mannes freudig auf und ein eiserner Entschluß spricht aus seinen Zügen. Zu Elsa sagt er nichts von einem ihm vlötzlich gekommenen Plan. Mit feinem Vater hat et
(Ein großer Tag in Köln.
Deuische Treue am Rhein.
Anläßlich der Eröffnung der ersten Kölner Messe war der Reichspräsident Ebert, Reichskanzler Marx, Außenminister S t r e f e m a n n, die Minister H ö f l e und Hamm, von der preußischen Regierung die Minister Severin g, Sterin g und Hirt fieser in Köln anwesend.
Zur Eröffiiung der Messe hielt Reichspräsident Ebert eine Rede, die von ungewöhnlichen Beifallskundgebungen begleitet wurde. Ebert sagte u. a.:
In schmerzvollen Jahren, die hinter uns liegen, waren unsere Herzen und Gedanken stets bei Ihnen, am Rhein, denn hier, am Rhein, wo jeder Stein von Jahrhunderte alter deutscher Geschichte spricht, schlägt das Herz Deutschlands. (Sehr richtig!) Der R he in ist d e r de ut s ch e Schicks als ström und das Sinnbild deutschen Volkstums, teuer und heilig jedem Herzen, das sich zugehörig fühlt zur Gemeinschaft des deutschen Volkes! (Bravo!) Eng und unlösbar sind die Bande, die dieses Land und feine Bewohner mit dem getarnten Vaterland verbinden; gemeinsames Unglück hat sie noch härter geschmiedet und im Feuer hundertfacher Drangsal haben sie sich vor aller Welt stärker bewährt als fremde Waffen. Dies Land und dies Volk sind deutsch und werden deutsch bleiben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.)
In der Ansprache des preußischen Ministers des Innern, S e v e r i n g, war besonders die Betonung der Zugehörigkeit des Rheinlandes zu Preußen bemerkenswert. Die Reihe der Ansprachen wurde durch ein Hoch Adenauers auf das deutsche Vaterland geschlossen. Die Versammlung sang stehend das Deutschlandlied.
Im Anschluß an die Feier fand eine Besichtigung der Messe statt, in der alsbald nach der Eröffnung eine gewaltige Menschenmenge sich ansammelte. Die ausgedehnten Räumlichkeiten der Messe, die bis auf den letzten Platz mit Ausstellungsständen besetzt sind, waren schnell derartig überfüllt, daß es nur schwer gelang, sich vorwärts zu bewegen. Der Andrang zur Messe blieb den ganzen Tag über ungeheuer stark.
Ebenso bedeutungsvoll wie die nationale Kundgebung bei der Eröffnung der Messe waren die politischen Reden, die abends auf einem von der Stadt Köln gegebenen Festesten gehalten wurden. Oberbürgermeister A d e n a u e r, der zuerst sprach, setzte sich unter allgemeinem starken Beifall der Versammlung mit bemerkenswerter..Mst» jchiedenheit für d i e äußere Politik der Regierung ein.
Das ganze besetzte Gebiet, so erklärte er, hält nahezu restlos die Politik, bie von der Reichsregierung in der letzten Zett befolgt worden ist, für die allem mögliche. (Lebh. Zustimmung.) Wir wünschen, ja wir verlangen, daß diese Politik fortgesetzt wird, daß auf diesem Wege, der nach Lage der Dinge allein Erfolg verspricht, versucht wird, eine für Deutschland mögliche Lösung der außenpolitischen Fragen zu finden. (Wiederholter Beifall.) Wir bitten, falls sich unerwarteter Welle innenpolitische Schwierigkeiten einer Fortsetzung dieser Pcllitik entgegenstellen, daß von den verfassungsmäßigen Mitteln Gebrauch gemacht und durch einen neuerlichen Appell an das Volk eine wirkliche Klärung dieser Lebensfrage herbeigeführt wird. (Erneuter starker Bestall.) Ich weiß mich in diesen Ausführungen einig mit dem ganz überwiegenben Teile der Bevölkerung des besetzten Gebietes.
Nach der Begrüßungsansprache des Oberbürger- Meisters Dr. Adenauer ergriff Reichskanzler Dr. M arx das Wort. Er dankte hn Namen des Reichspräsidenten und der übrigen Ehrengäste für die herzliche Ausnahme und fuhr fort: Wir werden nach Berlin zurückkehren mit dem sicheren Gefühl, wir wissen, daß hier am Rhein echt deutsche Herzen schlagen. Die erste Kölner Messe steht zwischen Niedergang und Aufgang. Trotz Not und unsagbaren schweren Selbes, trotz Stam'meszwist und Parteizerklüftung, sind wir und bleiben wir ein Wille, ein Volk, ein Reich.
ober eine stürmische Unterredung, an deren Schluß We- ftermann senior in beißendem Spott bemerkt: „Es ist gut, geh, wohin du willst. Narren, wie du einer bist, verderben nur unser Handwerk. Ich habe ja Gott sei Dank in der kleinen Danderstraaten hinreichenden Ersatz."
Norbert antwortet nichts, in fernen Zügen aber liegt hohe Befriedigung über den Ausgang der Unterredung.
Wenige Tage nur fehlen noch an der Abreise nach Frankfurt. Mit schwerem Herzen beginnt Elsa die Koffer zu packen.
Fräulein Hartmann sagt sie, datz ein Bries ihres Vaters sie nach Haufe rufe; sie kann sich nicht entschließen, ihrer alten Erzieherin die Wahrheit zu sagen, denn fie weiß, daß dieselbe unter keinen Umständen ihren Eintritt in den Zirkus zugeben würde. Nach Hause aber will und kann Elsa nicht wieder, sie kann nicht wieder m die trostlose Umgebung zurück, lieber noch will sie beim Zirkus bleiben. Was fie ihrem Vater schreiben will, ist ihr noch unklar, jedenfalls aber wird er niemals die Wahrheit erfahren.
Da wird Eifa eine große Enttäuschung bereitet. Guste, auf deren Kommen sie so fest gebaut, ist schon feit einiger Zett leidend; nun ist der Tod plötzlich gekommen. Starr steht Elsa, als sie die Todesnachricht in Händen hält, dann wirst sie sich, von Verzweiflung erfaßt, laut weimnd in die Kniee, sie fleht den Himmel an, sie doch von der Erde fortzunehmen. „Nun bin ich ganz verlassen!" stöhnt sie, „mm habe ich niemanden mehr. Wie soll ich nun das begonnene Leben fortsetzen?"
«oll fie Fräulein Hartmann alles anvertrauen und ihren Rat erbitten? — „Nein, nein!“ schluchzt sie seufzend, „Angelika Hartmann mit ihren spießbürgerlichen Ansichten würde ganz entsetzt fein, sie würde gewiß auch ihrem Vater Nachricht geben und das will sie am allerwenigsten; „denn nach House gehe ich auf keinen Fall!" sagt sie sich Saft-»»mt.
Elsas Gedanken wandern dann zu Norbert Westermann. Warum sie an diesen jungen Mann denken v'-uß, sie weih es selbst nicht. ist gern in seiner Gesellschaft, sie fühlt sich bei ihm geborgen;, fern vorneh-
Das soll tie Lojmrg und die Woihe dießep Kölnei Tage fein. . ;. , .
- r k •' ■ *
Gleich' nach feiner Ankunft in Köln Haste sich der Reichspräsident zum Rathaus begeben, von der. Menschenmenge, welche die Straßen füllte, mit leb» Haftern Beifall begrüßt. Im Rathaus wurde der Reichspräsident von dem Oberbürgermeister Adenauer im Namen der Stadt f-eierlichft willkommen geheißen. Nach dem Empfang ließ sich der Erzbischof Kardinal Schulte dem Reichsprä- sidenten vorstellen. Später stattete der e n g l i s ch e Kreisdelegierte in Köln, Piggot, dem Reichspräsidenten einen Besuch ab.
Reichspräsident Ebert empfing auch Studentenabordnungen der Kölner, Bonner und Aachener Hochschule. Am späten Nachmittag stattete der Reichspräsident dem Kölner Stadion einen Besuch ab, wo er von einer nach Tausenden zählenden Dünsche nmenge, die bei herrlichem Wetter den sportlichen Veranstaltungen beiwohnte, begrüßt wurde. * , • ___u
Der Reichspräsident und Reichskanzler Dr. Mar; sowie die übrigen Mnister des Reichs und der preußischen Staatsregierung haben abends 9.20 Uhr Köln verlassen, um nach Berlin zurückzukehren.
Die Zusammenkunft in Chequers.
MaedonÄd ließ durch den englischen Botschafter in Paris Pomcare ersuchen, seine Reife auf den 19. Mai zu verlegen. Po-mcare hat zu- gesagt.
Das „Journal" erklärt, der einzige Nachteil der Vorverlegung der Besprechungen von Che- quers bestehe darin, daß sie auf diese Weise mit der Zusammenkunft der belgischen Mnister mit Mussolini in Mailand zusammen treffe. Gerade um das Ergebnis der Letzteren abzuwarten, hätte Poincare den 20. Mai vorgefchlagen. Aber der Nachteil spiele keine erhebliche Rolle, da es sich lediglich um Vorbesprechungen handele.
Wahlen in Japan.
Havas meldet aus Tokio: Die Wahlen habe« sich in der Hauptstadt in Ruhe vollzogen, aus der Provinz liegen jedoch Nachrichten über eine gewisse Erregung vor. An gewissen Orten soll e3 zu Mu» t«re« Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern gekommen sein. 900 Wahlagenten sind unter der Anschuldigung, das Wahlgesetz verletzt zu haben, verhaftet worden.
Deutsches Reich.
* Das Ministerium für Wiederaufbau ist nach einer Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. Mai aufgelöst worden. Die Geschäfte des Mi- nffteriums werden vom Reichsftnanzminffterium verwaltet. Die Kolonialangelsgenheiten sind bereits seit dem 1. April vom Außenministerium bearbeitet worden.
Kurland.
* Eine kriegerische Operation in Marokko. Havas meldet aus Madrid: Es wird offiziell von einer Operation in Marokko Kenntnis gegeben. Die Marokkaner find aus der befestigten Stellung von SA Meffard htnausgeworfen worden und sol- len beträchtliche Verluste erlitten haben. Auf spanischer Seite find 3 Offiziere getötet und 2 verwundet worden. Die Gesamtzahl der Getöteten und Verwundeten wird auf 70 geschätzt.
— vte blesjährige kjerbjttagrmg der verbände? der katholisch« Skademiker findet vom 5. bis 12. September in Dresden statt.
wer Charakter, seine tiefe, geistige Bildung machen ihn zum angenehmen Kollegen. Wohl fühlt sie gar manches Mal fein ernstes Ange mit seltsamem Bück auf sich ruhen, sie lieft in feinen Augen eine Frage, die seine Lippen nicht aussprechen mögen, die Frage: „Warum bist du zu tuns gekommen in diese Wett voll Schein und Halbheit?"
Lange liegt Elsa wach an diesem Abend, ihre Gedanken beschäftigen sich, ohne daß sie selbst sich dessen bewußt wird, mit Norbert Westermann.
Früh am anderen Morgen, ehe noch jemand in der Pension Hartmann erwacht ist, geht Elsa teste hinaus. In der wunderschönen, stimmungsvollen Münsterkirche wohnt sie, rote sie es seit ihrem Aufenthalt in Bonn schon so oft getan, dem Gottesdienste bei.
Lange kniet sie noch in inbrünstigem Gebete, als die Mehrzalst der Gläubigen die Kirche längst verlassen hat. Ganz füll und ruhig ist es in ihrem Herzen geworden, fie hat vertrauensvoll ihre Zukunft in Gottes Hemd gefegt
Ms Elsa die Kirche verlassen wM, erhebt fich aus einer der hinteren Bänke ein junger Mann, der dort betend gekniet hat. Die Blicke der jungen Leute treffen fich und Elsa ist erstaunt, in dem Kirchenbesucher Norbert Westermann zu erkennen. Zusammen verlassen fie das Gotteshaus und wie auf Verabredung wandern sie schweigend Sette an Seite die Straße entlang zur Pop. pelsdorser Allee.
Norbert unterbricht zuerst das Schweigen.
„Welch eine hübsche Stadt Bonn ist, namentlich wenn es Frühling wird! Waren Sie früher schon in Bonn? Tut es Ihnen nicht leid, dieses schöne Fleckchen Erde so bald verlassen zu müssen?"
Elsa zuckt die Achseln; ihre Micke gleiten teilnahms- los über die von zartem, jungem Grim umwebten Bäume.
„Mir ist es ziemlich gleichgülttg, wo wir leben; die Welt bietet ja wohl überall etwas Schönes, fo schön freilich wie meine uox-We Heide dünkt micht kein anderer Erdenfleck." " (AmHetzimg folgt?